Mantra Musik

Freitag, 28. August 2015

Jahres Erkenntnisse - meine Zeit als Schülerin beginnt!


Meiner Lehrerin gewidmet.

Heute ist mein letzter Tag meiner selbst auferlegten friedvollen Woche auf Facebook und überhaupt. Welche Erkenntnisse habe ich gesammelt:
Unglaubliche Erkenntnisse, unglaubliche Sichten in unglaubliche Welten.
Ich musste erkennen, das mein komplettes Selbstbild veränderbar ist, das sich jedes Konstrukt hinterfragen lässt, eigene Gedanken, Gefühle können Wahrheiten sein, müssen es aber nicht. Ich habe endlich eine Lehrerin gefunden die mir ein guter Spiegel ist, sie reizt mich manchmal mich zurück zu ziehen, weil sie mich mit mir selbst konfrontiert und ich bin dankbar zu bleiben, es auszuhalten mich selbst zu sehen in allen Widersprüchen. Ich begreife so langsam das Frieden und Krieg, Gewalt und Liebe nur zwei Seiten einer Medaille sind und somit zur Medaille selbst gehören. Ich begreife das alles vorhanden ist und somit auch auslebbar in alle Richtungen. Das wir alle unseren eigenen Vorstellungen unterliegen und das die Wahrheiten die wir denken,  in Wahrheit nur eine Wahrheit von vielen ist. Mir scheint diese Art der Sicht ist schon immer in mir gewesen. Es ist nur unglaublich schwierig es umzusetzen, anzunehmen und zu leben. Ich bin mitten im Prozess des Zulassens und des Loslösens.

Heute morgen noch war ich ganz angespannt, wegen unserer Tierhof Situation, jetzt wird mir bewusst, das ich die Anspannung gehen lassen kann. Das was passieren wird, wird passieren, wir haben nur begrenzt Zugriff in die Realität weil sie von unserschiedlichen Faktoren abhängig ist, die wir gar nicht alle überblicken können. Ich begreife gerade was Loslassen wirklich bedeutet. Früher dachte ich es ist ein erzwungenes Abschied nehmen von Dingen von denen andere denken, man bräuchte sie nicht, oder von Dingen von denen man selbst denkt, man braucht sie nicht unbedingt. Ein Konstrukt durch Esoterik und asiatischer Philosophie um den Menschen zur Genügsamkeit zu bringen. Auch das ist nur eine Wahrheit von vielen und ich fange gerade an, diese Wahrheit zu überdenken.
Das Loslassen hat viel mit einem selbst zu tun und weniger mit Materiellen Gefäßen. Ich halte oft an Gefühlen fest, weil sie meine Identität erklären und bewusst machen, was ich will und was nicht.
Momentan übe ich mich darin mir bewusst zu machen, das es nicht wichtig ist was ich will und was nicht. Wenn es geschehen soll, wird es geschehen. Wenn es nicht geschehen wird, wird es auch nicht geschehen.
Loslassen ist nichts anderes als Zulassen das es geschieht. Zu handeln durch nicht handeln. Ich wollte mich nie einreihen in die Buddhisten die sich mit ihren Lehrern schmücken, ich wollte keinen Lehrer, mich keiner Schule unterwerfen, ich wollte frei sein. Und während ich noch mit mir kämpfte, was ich überhaupt für eine merkwürdige Buddhistin bin, begegnete mir eine gehörlose Frau mit einer wundervollen Bildsprache. Sie ist in der Schule des tibetisch tantrischen Buddhismus aufgewachsen und doch wurde sie von ihren Eltern sehr frei erzogen. Sie ist deutsche und doch durch ihre Kindheit von Anfang an mit den Wurzeln des Buddhismus verbunden. Sie lebt Religion wirklich frei und ich glaube, dass genau dass die Voraussetzung ist, damit sie meine Lehrerin wurde und ich ihre Schülerin.

Eines Tages fragte ich sie ganz offen ob sie sich vorstellen kann, meine Lehrerin zu sein. Sie lächelte nur und schwieg.
Und doch war ich sehr im Zwiespalt, weil sich Freundschaft mit Respekt ihrer Person als Yogini gepaart hatte. Ich dachte beides geht nicht. Nicht mit meiner Schnodderschnauze und meinem unkonventionellen Wesen. Aber je mehr wir miteinander sprachen über Buddhismus, Dukkha, die Welt allgemein und je mehr sie mich wieder auf den Boden hob wenn ich mal wieder grenzenlos in Selbstmitleid und Panik verfiel, desto mehr wurde mir bewusst, das ich meinem eigenen Konzept von Ablehnung einer Meisterin, einer Lehrkraft, eines Gurus - oder wie immer man den spirituellen Lehrer nennen mag (wir haben da keine festen Regeln, vielleicht noch nicht, vielleicht nie) misstraute. Etwas veränderte sich. Ich hinterfragte diese Gefühle, ich wollte davor weglaufen, denn ein Lehrer bedeutete für mich ein Stück Unfreiheit - auch ein Konzept.
Gestern kam ich dann an einem Punkt an dem es wirklich für mich darum ging, mich dafür zu entscheiden ihre Schülerin zu sein. Ich habe die Nacht darüber nachgedacht, mich mit dem Gedanken angefreundet, das ich immer alles bin, Schülerin wie Lehrerin und das ich mir nichts wegnehme wenn ich einen Menschen in mein Leben lasse, der mir wirklich den Buddhismus näher bringen kann. Ich gestand mir auch ein, in einem Engpass zu stecken, ich dachte zu diesem Zeitpunkt ich müsse daran verzweifeln denn Gewalt geschieht und ich habe nicht die Macht es zu ändern. DIE MACHT, das war und ist mein Thema. Freiheit bedeutet für mich die Macht über mich selbst.

Unser Leben verändert sich gerade rapide seit diesem Jahr. Die Veränderung macht Angst. Sie macht mich Unsicher und diese Unsicherheit spiegelte sich wieder in meinen öffentlichen Updates über unseren Tierhof. Mir war das alles bewusst, aber ich konnte es nicht ändern. Es war wie ein Sog der mich unaufhaltsam mit sich trug. Ich steckte fest.
Heute morgen habe ich lange mit meiner Lehrerin darüber gesprochen und sie hat dazu ein wundervolles Beispiel genannt, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnete:


"Ein Bäcker hat noch fünf Brötchen als du den Laden betrittst. Die Kunden vor dir kaufen sie auf. Es sind keine mehr da. Es ist einfach so und es bringt nichts sich zu ärgern oder mit den Kunden um die Brötchen zu streiten oder zu befürchten das du verhungerst. Würdest du das tun, würdest du dem Leben (verstehe Leben als einen Weg, der so gebaut ist, wie er eben ist) deinen Willen aufzwingen. Das funktioniert allerdings nie, denn das Leben ist nicht mit Komponenten ausgestattet, die das möglich machen bzw. vereinbaren. Es sind erdachte Komponenten. Sie existieren nur in unseren Gedanken, sind eine Illusion, Maya.. . Du würdest es also kontrollieren wollen. Und bist dann in stresshaften Gedanken und Emotionen verhaftet. Du leidest dann. So, wie Frieden nicht etwas ist, was man sich wünscht, sondern es macht. Machen, indem man sich mit den Gedanken auseinander setzt und Frieden findet, Frieden vorlebt, Frieden schenkt etc... Jedem. Erst dir. Dann kannst du es der Britta geben. Und den Tieren. Und Shaya. Und allen anderen. Denn dann bist du Frieden. Was man nicht hat, kann man nicht geben. "


Alleine dieses Beispiel hat so viel in mir berührt, das ich hätte weinen können vor Glück, vor Trauer. Etwas zu verstehen heißt nicht, das man es schön finden muss, es heißt nur das es Klarheit in einem selbst bringt.

Diese Woche hat mich durch alle Instanzen geführt und mich sehr berührt. Nachdem ich Ende letzten Jahres feststellte, das meine ganzen Gedanken sich nur darum drehten, wie schlecht es der Welt geht. Wie schlecht es den Tieren geht, den Menschen, mir selbst und je mehr ich es mitbekam, je schlechter ging es mir, war es nur klar für mich, mich dem zu stellen. Diesen Gefühlen in mir. Mir war klar, ich muss etwas tun. Ich habe nach und nach mein Inneres nach Außen gekehrt, mich sichtbar gemacht. Oder anders den Menschen um mich herum die Jenige gezeigt die ich denke zu sein.
Mein Multiple sein, mein Asperger Sein, meine Kreativität, meine Musikalität, Empahtie, das Grauen meiner Kindheit, mein Einsatz für Tiere und für die Welt, mein Einsatz für andere Menschen.
Es war mir wichtig, mich zu zeigen wie ich mich selbst sehe.
Manchmal sind die Blicke auf mich wie Spiegel gewesen.


Im Laufe der letzten Tage wurde mir bewusst, das ich mir nur das gestatte in mir zu sehen, was andere sehen sollen. Mutter sein war und ist ein großes Thema. Meine Tochter hat zwei Mütter, wer bin ich? Die Frage meines Therapeuten ob ich denn finde ob ich eine gute Mutter bin, hat dieses Bewusstsein ausgelöst. Ich möchte das andere mich als gute Mutter wahrnehmen. Das war meine erste Antwort. Sehr ehrlich. Aber er hörte nicht auf zu fragen: "Aber Jo empfinden sie das auch so?" Und ich sagte nein und musste anfangen zu weinen. Ich weinte die ganze Stunde über, weil mir klar wurde, das ich meinem eigenen Idealbild einer guten Mutter nie gerecht werden kann. Es ist keine Realität, sondern eine Illusion. Da ich selbst keine gute Mutter hatte,  musste ich wenigstens das Idealbild einer guten Mutter sein. Da ich dem nicht gerecht werde, muss ich nur rein logisch eine schlechte Mutter sein.
Das war hart. Und an dem Punkt sind wir immer noch, herauszufinden was für eine Mutter ich in Wahrheit bin.

Sei dem stelle ich mein Muttersein in Verbindung mit dem wie meine Tochter sich fühlt. Sie ist mein ganz persönlicher Spiegel. Je wohler sie sich fühlt in meiner Gegenwart, desto leichter kann ich mir mein gutes Mutterbild vorstellen.
Meine Lehrerin fragte mich, woher mein Mutterbild rührt. Ich musste etwas nachdenken. Vor meinem vierten Lebensjahr bin ich oft mit meinem Großvater in die katholische Kirche gegangen. Ich liebte es die Marienbilder anzusehen und sie zu berühren. Wenn ich an die perfekte Mutter in meinem Idealbild denke, dann ist sie heilig, unberührbar, rein. Als vergewaltigtes Kind fühlt man sich nicht mehr rein. Ich fühlte mich niemals mehr rein. Und diese Reinheit konnte ich natürlich auch nicht auf mein eigenes Muttersein übertragen.

Ich bin anderen Müttern gegenüber immer sehr unnachgiebig gewesen, ich verstehe jetzt warum es so ist. Und ich denke das sich nun vieles verändern wird.

Je mehr ich die Welt verstehe, desto weniger kann ich für oder gegen sie kämpfen. Diese Autonomie machte sich letztes Jahr schon bewusst in mir, je mehr Kräfte zum Kampf aktiviert wurden (gerade auf Facebook) je mehr zog ich mich davon zurück. Ich fühlte mich wie eine neutrale Insel. Während ich damals rein intuitiv handelte, weiß ich jetzt was mich wirklich dazu bewogen hat.

Autonom sein, heißt erst einmal bewusst einsame Wege beschreiten, erst während man läuft wird klar, dass man gar nicht einsam ist. Die Einsamkeit der man sich selbst unterwirft ist auch nur ein Teil der Illusion. Oder anders: Ein Teil von Dukkha. Ich war nie Einsam und werde es nie sein. Mir kam es aber oft so vor, das ich altes Alien so anders bin als der Rest der Welt. Aber vielleicht ist die Welt auch einfach nur anders als ich.
Wenn man anfängt sich bewusst zu machen, das man bislang nur Teil einer großen Illusion war, tut es weh, aber es befreit auch gleichzeitig.

Ich weiß noch wie ich hier auf diesen Blog anfing. Wie mein Blogtitel entstanden ist: Wie es ist als Buddhistin das ICH zu genießen. Damals wollte ich aufbegehren gegen die Tradition des Loslassens, so wie es hier im Westen zelebriert wird.
Ich habe nie angefangen mein ICH wirklich zu genießen, weder als Mensch, noch als Buddhistin. Dazu gab und gibt es immer noch zu viele Baustellen in meinem Leben. Als Buddhistin musste ich erkennen, das meine Intelligenz mich keinen Schritt weiter bringt wenn mein Herz auf der Strecke bleibt. Ich musste erkennen, das es nur möglich ist diese Religion zu leben, wenn ich sie in den Alltag integriere. Mich haben die alten Schriften nur insoweit interessiert, wie sie noch lebbar waren. Die Geschichten in Palikanon waren und sind nie mehr als Märchen für mich gewesen. Natürlich hab ich mich gefragt, ob ich mich überhaupt Buddhisten nennen kann, mit dieser westlich fremden Einstellung zum Buddhismus. Ich musste erkennen, das ich selbst auch festhielt an Traditionen, nämlich meiner Tradition gegen den Strom zu schwimmen. Als ich einmal darüber schrieb: Das ich den Pratyekka Weg gehe und von meiner Lehrerin die Antwort bekam: "Nein tust du nicht, du gehst den Weg von Buddha" und ich verwirrt sagte: "Das meine ich doch!" Und ein Lächeln zurück bekam mit dem Hinweis: "In deiner Sangha ist Britta und Shaya und viele andere!" - dauerte es eine Weile, aber dann verstand ich auf einmal, das ich mich an etwas festgehalten habe -  das viele Buddhisten ablehnten -  eben aus diesem Grund um mich aus der Reihe der "normalen Buddhisten" hervor zu heben.
Wie ärgerlich :)

Ich fühlte mich noch nie normal. Ich war immer schon anders. Mein ganzer Werdegang ist anormal. Anders. Das Alien das bin ich. So habe ich mich gesehen und dieses Weltbild ist jetzt ordentlich ins Wanken geraten.

Heute war der Punkt erreicht an dem mir bewusst wurde, das ich genauso so wie ich bin,  bin wie ich bin. Es ist gut. Da gibt es keine Abstufungen in Anders, normal, Anormal, Alienartig. Es ist egal.
Mit dieser Erkenntnis bin ich an einem Wendepunkt in meinem Leben gelangt. Hier kann ich nun ganz von vorne Anfangen mich der Lehre von Buddha zu widmen. Als ich JO, ohne irgendwelche Schubladen die ich mir im Laufe meines Lebens selbst gezimmert habe.

Das wird nicht einfach werden, das weiß ich. Die Schubladen: Asperger, Multiple Persönlichkeit, Pratyekka usw. gaben mir Sicherheit.
Ich fühle mich ziemlich nackt und daran können die Klamotten nichts ändern die ich trage.

Und ich fühle mich ein klein wenig erleuchtet.
Sehr klar.

Wie es nun weiter geht, keine Ahnung. Ich lass es auf mich zukommen, mein Studium hat eben erst angefangen.
Heute sagte ich zu meiner Lehrerin, dass ich sie mit vollem Herzen als meine Lehrerin annehme.
Ich die ich Lehrer abgelehnt habe, die ich den Tantrisch Tibetischen Buddhismus als zu klassisch hinduistisch angesehen habe, ich habe vor mich allem zu öffnen. Ich denke ich bin nun dort angekommen, wo ich nie hinwollte.  :)

Das Leben trägt merkwürdige Spuren. Ich habe nun ein paar Aufgaben zu lösen.
Was gibt es schöneres als das ICH zu genießen.

In diesem Sinne:

Genießt den Tag, euer Ich, euren Weg!!!
Namasté

Euch alles liebe von der Jo die bald ihren 50 Geburtstag feiert.


Montag, 24. August 2015

Fragen zum Buddhismus






Im Laufe der letzten Jahren wurden mir einige Fragen zum Buddhismus gestellt, ich habe ein paar davon gesammelt und möchte sie heute beantworten:


1) Kann ich als Buddhistin Alkohol trinken?


Es gibt keine Verbote in dem Sinne, ein Buddhist versucht sich jedoch an den Sila als Leitfaden zu orientieren. Alkohol begünstigt die Neigung der unbedachten und unbewussten Handlung. Wie bei jeder Sucht machenden Substanz führt auch Alkohol zur Enthemmung und letztendlich zum Kontrollverlust. Im Buddhismus geht es darum Klar (bei Verstand) zu sein, Alkohol wie jede andere Droge verhindert das klare Denken.


2) Warum tragen Mönche und Nonne Glatze?

Mit ihrem glatt rasierten Kopf zeigen buddhistische Mönche und Nonnen, dass sie sich ihrem Glauben widmen und das weltlich materielle (Er)Leben ablegen - Loslassen von Eitelkeit und Stolz, Symbolkraft für den Glauben den man Lebt, den Glauben in den Alltag integrieren usw. Mönche und Nonnen rassieren sich oft nicht nur die Köpfe sondern entfernen jegliche Körperhaare. Ich bin zwar keine Nonne, jedoch trage ich genau aus diesen Gründen seit 2009 Glatze, meine Augenbrauen rassiere ich mir übrigens auch.

Haare gelten im Buddhismus als ein Ausdruck der Schönheit und der Eitelkeit der Menschen im weltlichen Leben. Wer auf seine Haare verzichtet, zeigt damit, dass er keinen Wert mehr auf weltliche Dinge legen möchte.

Das gilt auch in einigen anderen Religionen. In manchen Glaubensgemeinschaften rasieren sich Nonnen und Mönche auch nur einen Teil der Kopfhaare ab und lassen einen Haarkranz stehen. Das betrifft vor allem christliche Mönche.

Im Judentum ist es anders. Orthodoxe Juden erklären mit langen Schläfenlocken ihren innigen Glauben.


3) Warum gibt es unterschiedliche Schulen im Buddhismus?

Hier kann ich unter anderem die Seite von Bernhard Peter empfehlen:

http://www.bernhardpeter.de/Buddhismus/buddhismusrichtungen.htm

Während seiner 45 Jährigen Lehrzeit gab Buddha seinen Schülern Ratschläge und Erklärungen ab. Da jedoch Buddha immer wieder darauf hinwies, dass man nur aus eigener Erfahrung wirklich wissen konnte, ob seine Worte der Wahrheit entsprachen, hatten seine Schüler alleine durch ihr unterschiedliches Alter, Lebenserfahrung und Fähigkeiten auch unterschiedliche buddhistische Einblicke. Buddha überließ es ganz seinen Schülern wie sie zur Erkenntnis gelangten, so gab er zwar die Theorie weiter, aber die Praxis musste jeder für sich erarbeiten. Da Menschen dazu neigen ihre Sicht als Alleingültig wahrzunehmen, gaben nun seine Zuhörer ihre Sicht an andere weiter und daraus resultierten die unterschiedlichen Richtungen, auch Fahrzeuge oder Schulen genannt.

Ich erkläre es immer gerne so, dass es im Buddhismus einen Samen gab (Buddha) und daraus eine Wurzel entstand (Grundgerüst) und aus dieser einen Wurzel unterschiedliche Äste (Fahrzeuge, Schulen) entstanden sind, die allesamt zu einem großen prächtigen Baum (Buddhismus) heranwachsen. Am Ende treffen wieder alle Schulen zusammen - so sehe ich den Buddhismus.


4) Was macht ein Buddhist wenn er zum Wehrdienst eingezogen wird?

Normalerweise ist es so, dass Buddhisten aus ihrem Glauben heraus weder Töten noch an einem Tod beteiligt sein wollen, somit werden viele entweder aus Glaubensgründen verweigern und statt dessen im Sozialen Dienst arbeiten. Die 1 Sila: pāṇâtipātā veramaṇī sikkhāpadaṃ samādiyāmi bedeutet: ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens Leben zu nehmen an.

Und an diese Übungsregel sind wir gebunden.


5) Dürfen Buddhisten feiern, tanzen, singen, spaß haben?

Ja warum nicht, solange sie niemanden damit verletzen oder behelligen. Ich persönlich halte es damit so, dass ich sobald es Dunkelt wird, keine laute Musik mehr spiele und auch nicht laut bei offenem Fenster lache, oder rede. Ich versuche Rücksicht zu üben und meine Mitmenschen so wenig wie möglich zu stören. Nur Bikhus ist es durch die Erweiterung der Sila (für Haushälter sind es 5 Sila, für Mönche und Nonnen gibt es insgesamt 8 Sila) nicht erlaubt an normalen (also nicht Buddhistischen) Festen teilzunehmen, zu tanzen, Schmuck zu tragen usw.


6) Ist Buddha der Gott der Buddhisten?

Der Buddhismus gehört zum Atheistischen Glaubenssystem, das heißt dass es keinen Gottesglauben in unserer Religion (Religion ist mit dem Begriff Dharma zu erklären. Dharma bedeutet: Gesetz, Recht, Sitte, sowie moralische und ethisch religiöse Verpflichtungen) gibt. Jetzt werden viele sagen, aber der Tibetische Buddhismus verehrt doch Götter? Nein der Buddhismus verehrt keine Götter, die Gottheiten (in Darstellung unterschiedlicher Buddhas, Bodhisattvas, Dharmapalas oder Himmelskönige) im Tibetischen Buddhismus sind nur als "Symbol zur eigenen Erkenntnis zu verstehen", viele dieser "Gottheiten" entsprechen einer bestimmten Weisheit oder Erungenschaft, wie z.B. die Medizinbuddhas und stammen meist aus den Anfängen des Buddhismus, aus dem Hinduismus.

Der Buddhismus lehnt den Gottesglauben anderer Religionen nicht ab, für einen Buddhisten ist das "Göttliche" als eine Metapher zu sehen, für das allumfassende „Ganze“ (Planeten, Welten, Universen, Lebewesen, Natur usw.). Im Buddhismus wird jede Religion respektiert, somit auch jede Theistische Religionsform. Für den Buddhismus ist es nicht wichtig, woher ein Mensch seine gewaltlose und ethische Überzeugung nimmt, wichtig ist nur, das er eine Gewaltlose und ethische Überzeugung hat.


7) Wie steht der Buddhismus zur Homosexualität


Der Buddhismus schreibt keinen Menschen vor wie er zu leben hat, einzig und alleine sollte man sich keiner Praxis bedienen, die andere Lebewesen verletzt oder schadet. Jede Art von Sexualität obliegt den Sittlichkeitsregeln der Sila.

Im Buddhaland (Forum) habe ich folgenden Text gefunden:


* "Der Buddhismus lehrt keine die Sexualität einschränkenden Vorschriften, verurteilt aber
das maßlose Verlangen, das Verhaftetsein und die Ausbeutung anderer. Wesentlich im
Umgang mit der Sexualität (ehelich oder außerehelich) ist – wie bei allen Aktivitäten –
eine bewusste, beherrschte und achtsame Einstellung. Es existiert kein buddhistisches Sa-
krament der Ehe, die Ehe ist auf einen bloßen Ehevertrag ohne spirituelle Bedeutung re-
duziert und unterliegt somit keiner religiösen Legitimation. Grundsätzlich darf Sexualität
nicht dafür benutzt werden, andere zu verletzen (z.B. durch Fremdgehen) oder Macht
auszuüben. Aus dem Grundsatz, dass jeder Mensch für sein eigenes Glück selbst verant-
wortlich ist (Karma), muss jeder gläubige Buddhist heilsam handeln. In den ursprüngli-
chen Schriften steht nichts von einem Verbot des Sex vor der Ehe. Allerdings hat sich
die Ehe als kulturelle Einrichtung in den asiatischen Gesellschaften wie Sri Lanka, Tibet
oder Thailand so entwickelt, dass Sex vor der Ehe aus sozialen Gründen verboten wur-
de. Das Handeln aus Verantwortung führt in dieser Auslegung zur Ehe. Die Ehe eines
anderen Menschen zu brechen, ist nicht erlaubt."

Wiki schreibt dazu:

Buddhistische Sexualethik


Im Gegensatz zu den meisten anderen Glaubensrichtungen, spielt die Sexualethik im Buddhismus keine so wichtige Rolle in der Vermittlung von Werten. Trotzdem gibt es auch hier klare moralische Vorstellungen. Sie ergeben sich aus den fünf Grundsätzen:

Vermeide es, anderen Lebensformen zu schaden – sei liebevoll und freundlich
Vermeide es, das nicht Gegebene zu nehmen – praktiziere Großzügigkeit
Vermeide es, sexuellen Ehebruch zu begehen – sei zufrieden
Vermeide es, zu lügen – sei ehrlich
Vermeide es, Dich zu berauschen – sei aufmerksam

Obzwar der Buddha in den Pali-Schriften nur Ehebruch als sexuelles Fehlverhalten definierte, haben spätere buddhistische Kommentatoren, wie Vasubandhu und Tsongkhapa, sexuelles Fehlverhalten u.a. damit definiert, dass auch Geschlechtsverkehr durch Anus und Mund "sexuelles Fehlverhalten" seien. Der Dalai Lama hatte in seinem Buch Jenseits des Dogmas buddhistische Regeln zitiert, denengemäß homosexuelle Sexualpraktiken als unkorrektes Verhalten eingestuft werden. Der Dalai Lama bezieht sich in seinen Aussagen zur Homosexualität auf diese beiden Autoren. Allerdings sieht er "die Möglichkeit, diese Regeln im Kontext von Zeit, Kultur und Gesellschaft zu verstehen. […] Wenn Homosexualität zu den (heute) akzeptierten Normen gehört, ist es möglich, dass es akzeptabel sein könnte.“ Diese Aussagen traf er bei einem Treffen zu diesem Thema mit einer Gruppe homosexueller Buddhisten am 11. Juni 1997 in San Francisco.[50] Steve Blame berichtet über die Ansicht des Dalai Lama: "Er fände nichts Schlimmes an Homosexualität, sagte er. Es ginge doch um die Qualität der Liebe, nicht um ihre Orientierung. Außerdem sei es für ihn eine Grundregel, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Egal, um was es dabei geht."[51]
Für buddhistische Mönche und Nonnen wird durch die Vinaya jegliche Form von Geschlechtsverkehr untersagt.

Im Hinduismus, als der Geburtsreligion des Buddhismus steht man Homosexualität positiv gegenüber. Wiki Yoga Vidja  schreibt hierzu:

Homosexuelle Liebe im Hinduismus

Traditionell stand die Kultur der Veden und der Hinduismus der homosexuellen Liebe positiv gegenüber. Erst unter dem Einfluss von Islam und Christentum wurde homosexuelle Liebe abschätzig angesehen. Unter dem Einfluss der englischen Kolonialherrschaft wurden auch in Indien Gesetze gegen die Homosexualität erlassen, die z.T. auch heute noch in Kraft sind, aber in Indien typischerweise nicht angewandt werden.

Traditionell gibt es im Hinduismus den Begriff "Tritiya Prakriti", was man als "Drittes Geschlecht" bezeichnen kann. Vorschnell wurden da von Europäern zunächst die Eunuchen verstanden, die auch als Hijras bezeichnet werden.
Ursprünglich jedoch wurde der Begriff des tritiya prakriti (Drittes Geschlecht) in einer weiten Definition auf alle nichtrepoduktiven Gruppen der Bevölkerung angewandt, also auf Bisexuelle, Homosexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle und auch Asexuelle. Im Kamasutra findet man eine Reihe von Typisierungen und Kategorisierungen der verschiedenen Gruppen des Dritten Geschlechts. Dort werden recht detailliert die physischen und psychologischen Merkmale der verschiedenen „Napumsakas“ beschrieben, inklusive einer Beschreibung der damit zusammen hängenden Berufsgruppen. Dort lassen sich auch Analysen von Intersexualität finden, welches seit den 1980er Jahren wissenschaftlich untersucht wird.

Was die Homosexualität im Speziellen angeht, so werden in den indischen Schriften sowohl die männlichen Mitglieder dieser Gruppe als auch die weiblichen beschrieben und nach charakterlichen Merkmalen unterschieden. Sie erhalten durch die Erwähnung in den Schriften einen festen Platz innerhalb der Gesellschaft. Zum Beispiel wird das Friseur- und Barbierhandwerk als eine natürliche Beschäftigung für homosexuelle Männer beschrieben, während lesbischen Frauen (die Savarinis) das Recht gegeben wurde, aus dem vorherrschenden Paradigma, dass Frauen unter der Obhut eine Mannes zu leben haben, auszubrechen und sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen durften.
In größeren Städten gab es spezielle Viertel, die der Gemeinschaft des Dritten Geschlechts vorbehalten waren und wo sie wie in einer Art Parallelgesellschaft lebten. Viele Regeln wurde auf sie nicht in der gleiche Weise angewandt wie auf Heterosexuelle; so verurteilt beispielsweise die traditionelle Rechtsgrundlage Indiens, die Manu Samhita bzw. Manu Smriti, den Ehebruch bei Heterosexuellen wesentlich strenger, als sexuelle Vergehen im Bereich der Homosexualität, der homosexuellen Liebe. Gurus, spirituelle Lehrer, erkannten die Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht im Laufe der Kindheit und Jugend ihrer Schüler und stellten sich in der Erziehung und Ausbildung darauf ein. Da nach der vedischen Astrologie Jyotisha die Planetenkonstellationen, die für Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht stehen, auch auf spirituelle Fähigkeiten hindeuten, wurden diese Schüler oft als Priester ausgebildet und eingesetzt, vorausgesetzt, sie konnten und wollten im Zölibat leben.

Manche spirituelle Gruppen aus Indien, die ab den 1960er und 1970er Jahren in Amerika und Europa ihre Verbreitung begannen und indische Spiritualität außerhalb des indischen Subkontinents, teilweise losgelöst von dort herrschenden kulturellen Traditionen (wie dem Kasten-System), präsentieren, vermischten die indische Spiritualität mit der westlichen Homophobie (Feindschaft zur homosexuellen Liebe), welche sich ja unter dem Einfluss von Islam und englischer Kolonialherrschaft auch in der indischen Gesellschaft im 18.-20. Jahrhunderts entwickelte. Die Ironie liegt dabei in der Tatsache, dass sie sich in einigen Fällen auf die Weisheit der vedischen Schriften berufen, jedoch im Bereich der Homosexualität genau die Vorurteile weiter verbreiten, die durch christliche und fremde Einflüsse die ursprüngliche Toleranz und Akzeptanz jeglicher sexueller Orientierung, also auch der homosexuellen Liebe, der Veden verdrängt haben. Festzuhalten bleibt jedoch auch, dass in den hinduistischen spirituellen Wegen im Allgemeinen jegliche sexuelle Aktivität als ein materieller Wunsch angesehen wird, den es gilt, durch spirituelle Reinheit zu ersetzen. Promiskuität und die Zurschaustellung von Sexualität, wie es heutzutage im westlichen Kulturkreis geschieht, war und ist im Falle jeglicher sexuellen Orientierung im Allgemeinen verpönt.


Weitere Fragen und Antworten habe ich hier aus den unterschiedlichen Richtungen in Links zusammengefasst:

http://www.phathue.de/buddhismus/faqs-die-haufigsten-fragen-zum-buddhismus/

http://www.tibet.de/zeitschrift/newsdetail.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=471&tx_ttnews%5BbackPid%5D=996&cHash=27c86752a517fd2e6030c791d2a3abd0

http://buddhistische-ordensgemeinschaft.de/FAQ-buddhistische-Moenche-Nonnen.htm


Tiefsinnige Fragen von Ayya Khema

https://www.youtube.com/playlist?list=PLnDHJJhxnunFNx5B-OqtJjNYilL5XSzST

http://www.netzwolf.info/fushiki/antworten/

http://www.asien-feste.de/Buddhismus/buddhismus.html

Wer war Buddha? von meiner Freundin Wasana

http://www.netzbuddhist.com/wer-war-buddha/


Diese wie viele weitere Fragen begleiteten und begleiten mich auf meinem Weg im Buddhismus.

Im Buddhismus sind Fragen jederzeit Willkommen und erst Recht wenn die Antworten aus der eigenen Erfahrung entstanden sind.
In diesem Sinne:

Glaube nicht einfach an alles,
nur weil du es gehört hast.
Glaube nicht einfach an alles,
nur weil man darüber spricht und redet.
Glaube nicht einfach an alles,
nur weil es in religiösen Büchern geschrieben steht.
Glaube nicht einfach an alles,
nur weil es die Autorität fordert.
Glaube nicht einfach an alles,
nur weil die Tradition  gebietet.
Glaube nur an das was du aus eigener Erfahrung, nach genauer Beobachtung erfährst und erkennst, dass es vernünftig ist und zum Wohlergehen jedes Lebenwesen dient.
Dann akzeptiere es und lebe danach!

Euch allen alles Liebe

Namaste

Eure Jo


Links:

* aus einer Diskussion im Buddhaland entnommen:

http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=14&t=5543

Montag, 17. August 2015

Die Geschichte vom Wasser holen ....



"Geh zum Fluss und hole mir eine Tasse Wasser", sagte der Zen-Meister zu seinem Schüler.

Als der Schüler am Fluss die Tasse mit Wasser füllte, sah er flussaufwärts eine wunderschöne Frau in seinem Alter. Die Frau nahm ihn ebenfalls in Augenschein, und mit einem Mal verliebten sie sich unsterblich ineinander. Er zog zu ihr auf das Gut ihrer Familie in einem ruhigen Dorf, und sie bauten ein Haus. Über die Jahre wurden ihnen Kinder geboren.Sie waren glücklich miteinander und ernährten sich von der Landwirtschaft, die sie betrieben.

Eines Tages kam eine Flut. Das Dorf wurde überschwemmt, und er musste sich mit seiner Familie auf das Dach des Hauses retten. Da zog ein grosser Sturm auf. Seine Kinder wurden eins nach dem anderen vom reißenden Wasser fortgerissen und schließlich ertranken sie darin. Auch seine Frau wurde fort gespült und kam in den Fluten um. Als der Sturm sich legte, sass er einsam und verzweifelt zusammen gekauert auf dem Dach seines Hauses. Er starrte in die Luft. Ein Alptraum – nach all den glücklichen und schönen Jahren!

Da legte sich von hinten eine Hand auf seine Schulter. Es war die Hand seines Meisters, der ihn fragte: "Wo bleibst du so lange? Wolltest du nicht bloß eine Tasse Wasser holen?"

Aus dem Zen-Buddhismus

..................................................................................................


Lasst uns mal tiefer in diese Geschichte eintauchen, was will sie uns sagen?

Diese Geschichte erklärt uns Samsara und dem Weg aus Samsara:
Samsara ist der immerwährende Zyklus des Seins von Werden und Vergehen, den wir alle durchlaufen. In diesem Zyklus lernen wir alle Gefühle des irdischen Lebens anhand von Erfahrungen kennen. Wir erlernen was im höchsten Glücksgefühl mit uns passiert und auch was passiert wenn wir das schlimmste Leid erleben. Wir erleben auch, das alles Vergänglich ist, Glück wie Leid sind nur begrenzt haltbar, sie kommen und vergehen.

In dieser Zen Geschichte spielt der Meister selbst eine untergeordnete Rolle, anfangs ist er nur ein Stück lang ein Wegbegleiter. Damit beide sich ebenbürtig wieder treffen können, musste der Schüler seinen Weg ohne den Lehrer weiter gehen. So erlebt der Schüler den Buddhismus durch die Erfahrung die er macht. Er geht eine Tasse Wasser holen und kommt zurück mit dem Verstehen um Samsara, dieses Verstehen ist notwendig, denn für den weiteren Weg zwischen Schüler und Meister war die Erfahrung des Schülers wichtig. Schüler und Meister begegnen sich an einem Punkt wieder an dem beide gewachsen sind, die Hand des Meisters auf der Schulter des Schülers, sowie die Flapsige Bemerkung, wo er so lange geblieben sei, symbolisiert eine Ebenbürtige Beziehung - die gemeinsame Arbeit steht nun auf einer anderen Ebenen.

Jeder erlebt Samsara durch das was er erlebt. Wenn wir nie Glück erlebt haben, wird uns eine Erklärung über Glück nicht erreichen. Wenn wir nie Leid erfahren haben, werden wir eine Erklärung über Leid nicht verstehen. Wir bleiben Unwissend. Wissen kann uns nur dann erreichen, wenn wir bereit dazu sind. Und wann wir dazu bereit sind, das müssen wir ganz alleine herausfinden.

Nur der Schüler selbst konnte diesen Weg gehen, der Meister hätte ihm nie erklären können, was Samsara bedeutet. Das musste der Schüler erfahren und um Samsara zu erfahren, musste er seinen Meister verlassen. Um den Weg der Buddhistischen Lehre zu folgen, muss man manchmal Wege gehen die scheinbar erstmal von der Lehre wegführen, denn um zu erkennen warum es die Sila gibt, muss man die Sila verstehen. Um zu erkennen was Samsara bedeutet muss man Samsara erfahren.

Buddhismus ist die Lehre von Allem und Nichts. Bei all dem hat der Schüler nie den Pfad verlassen.



Übrigens stellt Wasser eines der fünf Grundelemente dar. Es ist dem Swadhisthana Chakra zugeordnet. Im Ayurveda ist es (zusammen mit dem Element Erde) dem Kapha Typ zugeordnet. Wasser steht unter anderem für Reinigung, Klarheit, für das Weibliche.

Diese buddhistische Geschichte stammt eigentlich aus dem Hinduismus und wurde ursprünglich so erzählt:

Der heilige Narada verzehrte sich in glühender Askese, das göttliche Geheimnis Vishnus zu ergründen. Er flehte den Allgott an, ihm das Wunderspiel seiner Maya zu offenbaren, die den ewigen Wirbel des Alls mit Myriaden Auf- und Untergängen der Geschöpfe und Gestirne webt.


Vishnu erbarmte sich seiner und erschien ihm leibhaft in seiner huldvoll beglückenden Gestalt als Krishna, der Hirt und Held, dessen göttliches Lächeln und Wort dem heiligen Narada aus seinem Umgange mit dem Gotte vertraut waren. „Herr, zeige mir deine Maya", rief Narada ihn an, und Krishna gab ihm zur Antwort, „Das will ich, — folge mir!"

Sie gingen nebeneinander und kamen aus Naradas Waldeinsiedelei in wüstes schattenloses Land. Die Sonne brannte vom Himmel, und Narada ward durstig. Der Herr sprach zu ihm, „Ich habe Durst, Narada; willst du mir Wasser holen? dort nahebei sehe ich ein Dorf". — „Gern, Herr", gab Narada zur Antwort und machte sich auf, indes Krishna sich in der Wüste niederließ, seine Rückkehr zu erwarten.

Narada kam ins Dorf und klopfte beim ersten Hause an, um einen Krug Wasser zu erbitten. Ein wunderschönes Mädchen erschien in der Tür, — da geschah dem Heiligen, was er sich nie geträumt hätte. Die dunklen Augen des Mädchens verzauberten ihn, sie waren wie die blauschwarzen Lotosaugen seines göttlichen Freundes und Führers. Er stand und starrte und konnte sich nicht satt sehen an dem sprechenden Liebreiz. Er vergaß ganz, was er von dem Mädchen gewollt hatte, was ihn ins Dorf geführt hatte, er stand und war gefangen. Das Mädchen hieß ihn ehrfürchtig und unbefangen willkommen; seine Stimme war wie eine goldene Zauberschlinge, die sich schmeichelnd um sein Haupt legte; wie im Traume folgte er ihrer Einladung und trat ins Haus.

Er ward wohl empfangen, wie es einem heiligen Manne gebührt; das ganze Haus schien beglückt und fühlte sich durch seine Nähe erhoben. Er blieb wie in einem Traum; was ihm in diesem neuen Leben, das sich wie eine schimmernde Muschel leise um ihn schloss, mit dem Zauber der Fremde und Vertrautheit umwob, war eine stille göttliche Hoheit des Hauses und seiner Bewohner, die in der Anmut und Reinheit des Mädchens ihre schimmernde Blüte trieb. Wo kam er her? Was hatte ihn hergeführt? Wartete draußen in der Welt etwas auf ihn? — Er hatte es vergessen, war sich selbst verloren gegangen und blieb. Das Mädchen hatte es ihm angetan, er bat den Vater um ihre Hand, und es schien, alle hatten nichts Anderes erwartet, als dass er das Mädchen freie und in ihrem Kreise einer der Ihren werde.

Sie heirateten und hatten drei Kinder. Jahre gingen ins Land, der Vater starb, Narada erbte Vieh und Felder und trat in die Spur des Alten. Zwölf Jahre waren vorüber, da raffte eine Überschwemmung zur Regenzeit das ganze Dorf hinweg. Die Strohhütten sanken in den Schlamm, das Vieh ward unter kläglichem Gebrüll vom Wasserschwall fortgetrieben und ertrank in seinen Strudeln, alle mussten fliehen.

Narada nahm seine Frau bei der Hand, an der anderen führte er die beiden größeren Kinder, das kleinste trug er auf der Schulter, — so kämpfte er sich schwankenden Schrittes durch die regengepeitschte pechschwarze Nacht und das gurgelnde Wildwasser, das höher und höher stieg. Seine Gewalt ging über Menschenkraft; Narada konnte sich gegen die Strömung nicht halten, er strauchelte, das Kleinste glitt ihm von der Schulter und verschwand in der rauschenden Flut. Narada stieß einen Schrei des Entsetzens aus, ließ die beiden anderen Kinder los, um das kleine zu haschen, — umsonst, da waren auch die beiden anderen von seiner Seite gerissen und im tosenden Dunkel verschwunden. Noch hielt er die Hand der Frau mit der seinen umkrampft, aber eine Welle brach flutend über ihn herein, riss beide auseinander, spülte ihn fort, trieb ihn durch die Nacht dahin und warf ihn schließlich besinnungslos an eine kleine Erhebung, die das gurgelnde Wasser überragte.

Als er wieder zu sich kam, ermaß er die Grenzenlosigkeit seines Jammers im Blick auf die Wasserwüste rings, über der ein fahler Frühschein graute, und brach in Tränen aus. Da hörte er hinter sich eine vertraute Stimme, die ihm das Herz stillstehen ließ, — „Kind, wo ist das Wasser, das du mir holen wolltest? Seit gut einer halben Stunde warte ich auf dich".

Narada riss die Augen auf und blickte um sich: statt der Wasserwüste — er musste sie geträumt haben, — sah er spielend im Mittagsglast die Wüste liegen, die er mit dem Gotte durchwandelt hatte. Er wandte den Kopf zum Gotte, der hochaufragend hinter ihm stand, und senkte erschauernd die Stirn, als Krishnas grausam schöne Lippen sich lächelnd zu der Frage öffneten: „Weißt du jetzt um das Geheimnis meiner Maya?"

Im Hinduismus bedeutet Maya: Kraft, Energie, aber auch Verblendung, Unwissenheit und Illusion. Um Moksha (buddhistisch: Nirvana) zu erreichen, muss Maya überwunden werden.

Buddha sagte einst:

„Ich habe euch den Weg zur Befreiung gezeigt, die Strecke dorthin könnt ihr nur aus eigener Kraft zurücklegen.“


Namaste

Eure Jo



Geschichte:
Indische Geschichte aus einer Nacherzählung von Heinrich Zimmer aus seinem Buch "Weisheit Indiens. Märchen und Sinnbilder" 1938 im L.C. Wittich Verlag in Darmstadt erschienen

Bild: Aus dem Internet entnommen: Rheinfall von Schaffhausen.

Samstag, 15. August 2015

The Last - zu meinem Thema Gewalt - mein Blog muss anders werden Teil 2.



Ich habe eben diesen Satz in einem Artikel eines Freundes gelesen:

"Wer Gewalt als Lösungsmittel ablehnt, lebt wohl in den Privileg selbst nicht dauerhaft von Gewalt betroffen zu sein, bzw. lebt in der Gleichgültigkeit, dass es ihm egal ist, wenn andere mit Gewalt konfrontiert sind"

Und ich habe daraufhin geantwortet:

"Ich habe 17 meines Lebens extreme Gewalt erlebt, das hat mich durch alle Instanzen geführt, früher hab ich genauso gedacht wie viele andere, ich wollte die Menschen die mir das antaten tot sehen. Wenn man als Kind schon damit konfrontiert wurde, um das Überleben zu kämpfen, erleben und mitansehen musste wie Kinder vergewaltigt und getötet wurden, dann ist man Teil der Gewalt. Sie steckt in einem ganz tief, weil man die ganze Zeit über damit beschäftigt ist zu überlegen,wie man sich wehrt, wie man überlebt, was man tun muss, um zu entkommen. Das Gehirn rattert im Dauermodus. Das Adrenalin rast im eigenen Sein. Diese 17 Jahre meines Lebens war ich Opfer und manchmal durch Zwang wurde ich zur Täterin. Ich starb mit 9 Jahren und wurde wieder ins Leben geholt, ich bin innerlich in tausend Scherben zerbrochen und habe mich selbst wieder zusammen geflickt. Meine Narben sind Bestandteil meiner Persönlichkeit. Das schlimmste was man mir antat, war das ich nie eigene Kinder haben konnte. Diese Narbe ist Unsichtbar und doch bis zu meinem Lebensende Realität.

Ich hätte mein Leben lang hassen können, mein Leben lang hätte ich mich als Opfer sehen können, weil ich niemals von Seiten der Gesellschaft geschützt wurde, niemand hat mir gratuliert, dass ich überlebt habe und es geschafft habe, andere Kinder zu beschützen. Im Gegenteil man hat erwartet, dass ich irgendwann wieder Teil der konstruktiven Gesellschaft bin - das ist der Weg. Als Opfer musst du trotzdem Gesellschaftsfähig bleiben, sonst bist du Draußen. Ich wurde nie Gesellschaftsfähig, weil ich durch die Isolation in der ich gelebt habe, diese Grenzen die mir auferzwungen waren, die Gesellschaft draußen nicht verstand. Im Laufe der Jahre habe ich vieles aufholen können, ich habe einen wachen Geist, ich bin inteligent und belesen. Aber ich sah wie die Kinder die mit mir damals gefangen waren, diese Chance nicht hatten. Die Gewalt die sie erlebt haben, gaben sie weiter an ihre Ehefrauen und Männer, an ihre Kinder und an ihre Enkelkinder. Weil sie es nicht anders kannten. Ihre Gewalt setzt sich weiter von Generation zu Generation. Denn sie haben gelernt zurückzuschlagen, wenn es weh tat. Das ist die einzige Sprache die sie perfekt sprechen.

Schon als Kind konnte ich nicht zurückschlagen, weil ich im Kopf hatte, das es dem anderen weh tut, so wie es mir selbst weh tut. Also hab ich mich bereits als Kind um die Jenigen gekümmert die blutend in der Ecke saßen, während der Rest um uns ums nackte Überleben gekämpft hat.

Irgendwann wurde mir bewusst, dass es einen Weg gibt, das was ich erlebt habe, zu verarbeiten, ich musste die Verbindung zu meinen Tätern von mir abkoppeln, mich von ihnen befreien. Man befreit sich jedoch nicht davon, indem man in Gedanken den anderen töten möchte. Diese Gedanken verhindern das abkoppeln, im Gegenteil diese Gedanken ermöglichen eine Lebenslange Verbindung zu dem was einem angetan wurde, sie machen erst möglich, das man zum Lebenslangen Opfer wird. Ich habe als erstes gelernt die Gedanken an Gewalt zu verändern. Ich hab mir vorgestellt, was gewesen wäre wenn den Tätern aus meiner Kindheit in ihrer Kindheit Liebe begegnet wäre, wären sie dann überhaupt noch im Stande gewesen kleine Kinder zu vergewaltigen und zu ermorden?
Wären die Kinder aus meiner Kindheit heute andere Kinder?
Würden sie an ihre Kinder und Enkelkinder Liebe geben, statt Gewalt?

Diese Frage war die erste Frage, die zu vielen weiteren Fragen und Erkenntnissen führte. Eine Erkenntnis ist, wenn ich das was ich selbst erlebt habe, weiter gebe, wird sich der gewaltvolle Kreislauf immer weiter ausbreiten, es wird kein Ende geben. Das ist Krieg!
Wenn ich aber verhindere das Gewalt weiterhin in meinem Leben eine Rolle spielt, hat jeder der mit mir befreundet ist, jeder der mich liebt, die Möglichkeit durch mich keine Gewalt zu erleben.
Ich gebe Gewalt nicht weiter, somit wird auch der andere keine Gewalt durch mich weiter geben.

Ich bin kein Gewaltfreier Mensch, aber ich habe es geschafft, dass Gewalt keine Herrschafft über mich erlangt und ich habe es geschafft einen friedvollen Umgang mit meinem Leid zu finden. Die ersten 17 Jahre meines Lebens sind Bestandteil meiner Erinnerungen, diese kann ich nicht einfach auslöschen, oder ignorieren. Aber ich habe es geschafft die darauf folgenden 33 Jahre meines Lebens gewaltfrei zu leben (wobei Gewalt immer eine Auslegungssache ist, in meiner Art zu Schreiben, kann ich manchmal ziemlich heftig sein - hier ist die körperliche Gewalt gemeint).

Gewalt kann nie eine gewalt endende Antwort auf Gewalt sein. Gewalt ist immer ein Potential das sich weiter verbreitet. Ähnlich wie ein Zunami nimmt es alles mit und hinterlässt Chaos.

Die meisten Menschen denken sie könnten etwas verändern, wenn sie Gewalt anwenden, um Gewalt zu verhindern. Das Problem ist nur, das man nie wissen kann, welche Auswirkungen das eigene Gewaltpotential hat, was es mit einem tut, wohin es führt. Die meisten Menschen denken nur beschränkt, wenn es um Gewaltthemen geht. Sie glauben Gewalt lässt sich nur dadurch verhindern, indem man auf Gewalt mit Gewalt antwortet. Doch der Kreislauf der danach entfacht wird, den erkennen die Menschen nicht. Sie glauben sie halten etwas auf, doch die Wahrheit ist, sie geben nur etwas weiter und durch ihr Handeln gibt ein anderer die Gewalt wieder weiter usw.
Schmerz und Leid breitet sich aus und hinterlässt ein Massenspektrum an Schmerz und Gewalt.
Das Ergebnis ist oft erschreckend. Unsere Psychiatrien und Krankenhäuser sind voll mit Menschen die Gewalt erlebt haben, sei es nun durch ihr eigenes Handeln oder weil sie Opfer von Gewalt wurden.

Ich habe es geschafft die Täter meiner Kindheit freizugeben, meine Gedanken an sie sind heute nicht mehr voller Hass. Ich wünsche ihnen Glück. Denn nur das Gefühl von Glück verändert die Gewaltbereitschaft in einem Selbst.

Das sind meine Gründe warum ich Gewalt ablehne und diese Gründe sind für mich mehr wert als mein eigenes Leben. Würde ich gewalt anwenden, um mein Kind oder meine Frau zu retten -
wenn es keinen anderen Weg gibt? - Ja das würde ich. Aber mein erster Weg wäre eine Diplomatische Verhandlung, wenn es die Möglichkeit gibt durch friedvolles Handeln etwas zu verändern, dann ist das mein Weg und zwar immer. Nur wird dieser Weg oft als zu beschwerlich angesehen. Es ist leichter mit Gewalt zu antworten, als die Hoffnung zuzulassen, dass der andere auch anders zu erreichen ist. Gewalt ist effektiver, schneller und totbringender. Diplomatische Verhandlungen sind langwieriger, anstrengender, nicht klar erkennbar wohin es führt, aber konstruktiver und zwar für alle Beteiligten.

Gewalt kann niemals die Antwort auf Frieden sein, das ist keine Vermutung, sondern ein tiefes Wissen in mir."


-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


- Ich beschäftige mich gerade sehr mit dem Thema Frieden, der Frieden in einem Selbst ist der erste Weg zum Weltfrieden.
Wenn jeder Mensch diesen Frieden in sich fühlen könnte, würde Krieg absolut nicht möglich sein.

Nur leider binden sich die meisten Menschen an Gewalt, sei es durch gewaltsame Themen oder durch gewaltsames Handeln.

Mein Blog wird sich verändern, das hab ich mir vorgenommen. Ich nehme meine Vorbildfunktion an und ich nehme jede Veränderung in mir an.
Es gibt Momente da fühle ich eine Traurigkeit in mir, vorallem wenn ich mit Freunden diskutiere die Gewalt als Notwendig erachten. Ihre Sicht ist so getrennt von meiner Sicht. Ich verstehe sie, aber ich kann ihnen nicht mehr folgen, weil ich die Welt anders betrachte. Ich lehne Gewalt als Energie nicht ab, denn auch die Welt selbst hat Gewalt zur natürlichen Ordnung gemacht, so gibt es Zunami, Erdbeben und andere Katastrophen, die alle ihren natürlichen Ursprung haben. Doch während die Welt ohne Groll reagiert, ohne Botschaft: Uns Lebewesen auszumerzen, hat der Mensch immer die Entscheidung, darüber nachzudenken was er tut.

Ich weiß nicht wohin mich mein Weg führt, es tun sich viele Türen auf, gerade im Buddhismus erlebe ich das erste Mal eine volle Integration, das erste Mal in meinem Leben das ich nicht für etwas kämpfen muss, das erste mal das mir Menschen in Augenhöhe begegnen. Ich bin sehr Glücklich für diese Begegnungen, ohne die berühmte Leiter von der ich mich selbst stoßen muss.

Es ist gleichberechtigt und somit frei von Machtgedanken. Wahrscheinlich fahre ich an meinem Geburtstag nach Köln mit einer sehr lieben gehörlosen Freundin. Dort wird ein Vortrag der Dharma voice for Animals stattfinden, auch wurde mir angeboten, dass uns Lama Geshe Ngawang Thapkhe mit seiner Schülerin besuchen kommt. Ich bin sehr gerührt über das was ich gerade von buddhistischer Seite erlebe...

Ich werde auf jeden Fall weiter berichten, ich weiß nur noch nicht genau ob hier auf dem Blog oder ob ich ein neues Projekt eröffne, ein wenig anders, aber trotzdem in meiner "Handschrift", ihr werdet mich also nicht los. Die Schnodderschnauze bleibt, nur eben nicht mehr so angepisst wie in den letzten Jahren. Ich habe vor mich weniger über Politik und Menschen allgemein aufzuregen, ob es mir gelingt... nun wir werden sehen.

Euch allen noch ein schönes Wochenende.

Namasté
Eure Jo


Links: http://dharmavoicesforanimals.org/
Bild: Unser Tierhof Amoa (www.tierhof-amoa.de) Facebook: Tierhof Amoa

Montag, 10. August 2015

Mein Blog muss anders werden...



Mir ist bewusst geworden, das ich einen anderen Weg gehen muss. Frieden kann nicht dadurch aufgebaut werden, indem man sich über nicht friedvolle Menschen aufregt. Aber so ging es mir gerade. Ich habe gerade einen Blogeintrag von mir gelöscht, weil ich erkannt habe, das meine Gedanken nicht friedvoll waren. Ich möchte für Frieden appellieren. Dazu muss ich ganz anders anfangen, neue Gedanken zulassen, mich von alten Gedanken trennen. Dazu gehört auch andere Menschen zu verurteilen. Das ist so unglaublich schwer, dass mir bei dieser Erkenntnis erstmal die Tränen gekommen sind.

Vorhin habe ich wieder überlegt mich von Facebook zu verabschieden, weil ich es kaum noch ertrage, an allen Ecken und Kanten brennt es. Die Gruppendynamiken nehmen zu, sogar friedvolle Freunde sind voller Wut und Hass in ihren Kommentaren, zum Thema Pegida und co, Rechtsradikal, Massentierhaltung usw. Ich fühle mich so alleine und ich merke, dass das einer der Gründe ist warum sich Menschen in Gruppen bewegen, weil sie sich in sich alleine fühlen. Ich möchte Frieden und ich weiß nicht wie ich es umsetze. Den Weg den ich bisher gegangen bin, kann ich nicht mehr gehen - weil es kein Weg für den Frieden ist. Das ist mir bei meinem Blogeintrag bewusst geworden. Diese Erkenntnis ist Oberscheiße...

Ich fühle mich gerade als würde mein ganzes SEIN umgekrempelt werden. Von einem Moment zum anderen verändert sich alles. Ich habe gerade erkannt, dass ich nicht anders bin als andere. Das meine Gefühle und Gedanken manchmal gewaltvoll sind, weil ich mich darin über andere stelle - obwohl ich das gar nicht will. Das ist so paradox.

Mir ist bewusst, das es das menschliche in mir ist, das ich erkannt habe. Aber ich weiß nicht wohin mich diese Erkenntnis führt. Alles was ich bisher geschrieben habe, alle Gedanken, Kommentare zu gesellschaftlichen und politischen Ereignissen könnte ich gerade in die Tonne kloppen. Sie schüren nur weiteres Gruppendenken.

Seit Wochen schon fühle ich mich auf diesen Tag vorbereitet. Im Zwiespalt habe ich mich teils distanziert von allem, meinem Blog, Facebook und co, meinen Freunden, Nachbarn. Ich bin bin dauernd dabei mich vor dem schützen was ich wahrgenommen habe, nämlich das es brennt, es brennt lichterloh. Politisch, Gesellschaftlich... Ein Video von Panorama war dann heute morgen einfach zu viel. Die Grundaussage war: "die guten Leute sollten rechtsradikale anprangern und gemeinsam dagegen vorgehen!"

In solchen Sätzen steckt so viel Gewalt und es scheint niemand der Kommentatoren zu merken, wie sehr sie sich in dieser Spirale bewegen. Ich habe daraufhin einen Blogeintrag verfasst, den ich zuerst super fand, weil er die Manipulation in der wir uns bewegen erklärt hat. Dann hab ich ihn meiner Frau vorgelesen, die meine beste Kritikerin ist. Und danach saß ich hier mit offenen Mund und konnte das nicht fassen was ich begriffen habe. Ich sagte ihr. Ich muss den Blogeintrag löschen. Und sie fragte: Warum?

Und da sagte ich: "Weil er nicht friedvoll ist!" Und dann musste ich weinen, weil mir klar wurde, das meine eigentlich friedvollen Freunde mit unfriedvollen Kommentaren nur ein Spiegel sind.

Britta war so lieb, sie meinte: "Das finde ich super Jo! Einfach toll!" Und hat mich umarmt und ich saß da wie ein begossener Pudel. In Ansätzen habe ich den Frieden in mir, das weiß ich. Ich habe nur nie begriffen wie ich ihn wirklich umsetzen kann. Ich bin mitgeschwommen, mit dieser Masse an unfriedvollen Bloggern, weil ich dachte es ist der richtige Weg. Wie blind ich doch war.

Jetzt muss ich umdenken lernen, anders denken lernen... und ich weiß noch nicht wie. Aber den Weg den ich bisher ging, kann ich nicht mehr gehen...
Ich muss neuanfangen....

Habt Verständnis dafür das mein Blog sich verändern wird. Ich verändere mich... Ich weiß nicht wohin noch weiß ich, wie ich meine Gefühle umsetzen kann, aber aus Unfrieden kann kein Frieden entstehen, das weiß ich schon lange. Nur mit der Umsetzung hat es bisher noch nicht geklappt...

Euch allen alles liebe und ein Namasté

Eure Jo

Sonntag, 2. August 2015

Wahre Argumente gegen Veganismus




In vielen buddhistischen Communities wird das Thema: Vegan vollkommen ausgeblendet. Das ist ein Grund warum ich nur eine Buddhistische Gruppe in Facebook administriere, nämlich meine und mich ansonsten aus dem Gruppen distanziere.

Die Argumentation geht vielfältige Wege, man wirft gerne einseitige Kommentare in den Raum, wie z.B. "du hältst noch zu sehr an deiner Ernährung fest!" und vergisst dabei, das man diesen Kommentar auch gerne zurück geben kann.

Das Festhalten ist ein Bestandteil der zu Stande kommt, dass man etwas nicht verändern will. Da Vegan lebende Menschen bereits ihre Ernährung umgestellt haben, trifft das nicht mehr auf sie zu, wobei Menschen die nicht vor haben sich mit dem Thema auseinander zu setzten, sich sehr wohl an alten Strukturen festklammern, daran ändert auch nichts, wenn sie an sich gute Erklärungen vorbringen, wie z.B. "Dogmatischer Veganismus führt zu einer prinzipiellen Stigmatisierung von tierischen Erzeugnissen"*

Wobei man auch hier sehr klar abgrenzen sollte, wo der dogmatische Veganismus anfängt, leider hat der Blogschreiber meine Frage nie beantwortet, also nehme ich an, dass er Veganismus von sich aus schon als Dogmatisch empfindet. Was wiederum ein Indiz dafür ist, das auch er an Meinungen, Vorstellungen und Gedanken Strukturen festhält.
Wer das Loslassen fordert muss mit guten Beispiel voran gehen. Die meisten Menschen heben gerne den Zeigefinger empor, ändern jedoch nichts an ihrem eigenen Leben.

Im Buddhismus ist es Notwendig sein Leben zu verändern, man kann sich davor nicht schützen, sobald man tief in diese Religion eingetaucht ist, ist man bereits mitten in der Entwicklung. Die eigene Sicht geht tiefer und hervor kommen unglaublich vielfältige alte Muster, die durch noch ältere Muster entstanden sind. Gedanken und Gefühle klammern sich wie Klettband an den Mustern fest und wer sich wirklich kennen will, stell fest, wie festgefahren diese Strukturen sind und wie mühsam es ist sie von einander zu lösen um etwas neues freies wachsen zu sehen.

Wir alle haben diese festgefahrenen Muster in uns, wir handeln oft aus einem fremdbestimmten Vorbild heraus, das uns einmal so dermaßen manipuliert hat, das wir denken, es ist unser eigenes Weltbild das wir verteidigen müssen. In Wahrheit wissen viele Menschen nicht um ihrer eigenen Meinung. Sie plappern vielmehr das weiter, was sie in mühsamer Kleinarbeit von Kindheit an gelernt haben. Es ist wie eine Sprache die man erlernt hat, das Aufgeben dieser Sprache erfordert unglaublichen Mut, das aufgeben unterschiedlicher festgefrorener Vorstellungen ebenso.

Wir lernen anhand von Vorbildern, war es einst ein Metzger der unser großes Vorbild war, wird es nur schwerlich sein, das Schlachten als etwas negatives zu betrachten.
Denn wir bringen automatisch die Handlung des Jenigen mit seinem Menschsein in Verbindung und war der Mensch ein liebenswerter Mensch, versuchen wir auch all seine Handlungen mitein zu beziehen.
Der Gedanke dieser liebenswerte Mensch könne einen Fehler begehen, wird sofort von einem noch tieferen Gefühl in uns beiseite geschoben. Der Liebe zu diesem Menschen.
Während vielleicht ein anderer Metzger in unser negatives Sichtfeld gerät, weil über Facebook und Co. Bilder auftauchen die Negative Symbole enthalten.

Unsere Sicht ist sehr geprägt von dem was wir als Gut oder Böse empfinden. Diese zwei Elemente prägen unser komplettes Leben. Wir sehen die Welt also nicht Neutral, sondern immer in Bewertung zu dem was wir an Entwicklung in uns tragen.

Wenn wir einen Veganer als unangenehm empfinden liegt es nicht daran, das er ein unangenehmer Zeitgenosse ist, sondern vielmehr daran, das wir selbst ein inneres Thema mit dem Begriff Vegan haben. Vielleicht auch daran, das wir selbst noch zu sehr an alt hergebrachten Traditionen festhalten. Wenn der Schweinebraten mit der liebenden Großmutter verbunden wird, und immer dann die Erinnerung an sie geweckt wird, wenn es Schweinebraten gibt, wird es schwer sein, vom Schweinebraten Abschied zu nehmen, weil man dann gleichzeitig auch die Erinnerung an die Oma verabschiedet. Das gleiche gilt bei meinem Beispiel mit dem Metzger, wird die Erinnerung an ihn nur dadurch wachgehalten, das man Leberwurst aus eigener Schlachtung isst, wird es schwierig sein, aufs Leberwurstbrot zu verzichten.

Nahrung wird oft mit Gefühlen verbunden, bestimmte Geschmacksrichtungen können tatsächlich Erinnerungen an bestimmte angenehme oder unangenehme Situationen hervorrufen. Wenn diese Situationen unangenehm waren, werden wir die Nahrung zukünftig verweigern, ist die Situation jedoch angenehm, werden wir an genau dieser Nahrung festhalten, um immer wieder in diese auslösenden angenehmen Gefühle einzutauchen.

Auch das könnte ein Grund hierfür sein an bestimmten Nahrungsmitteln festzuhalten. Ich hatte z.B. das Szegediner Gulasch, das meine Großmutter einmal im Monat an einen Sonntag für mich und meinen Opa gemacht hat. Als ich Vegetarierin wurde, habe ich genau dieses Gulasch vermisst. Ich habe dann später das Fleisch durch Soja ersetzt und kann mich heute wieder an dieser schönen Erinnerung an meine Großeltern erfreuen.

Ein anderer Grund um festgefahrene Muster nicht aufgeben zu müssen, ist das Anpassen an bestimmte Gruppierungen.
Wenn wir in einer Gruppe von Menschen sind, die sich allabendlich zu einem Bier treffen, um den Tag damit zu beenden, dann wird es schwierig sein, Alkohol aufzugeben, denn damit gibt man auch ein Stück dieser Gemeinschaft auf.

Wenn sich Menschen von anderen Menschen und Gruppierungen unterscheiden geraten sie sehr schnell ins Außen. Niemand will gerne Aussenseiter sein. Die Angst plötzlich nicht mehr gemocht zu werden, weil man sich Verändert hat, ist sehr groß.

Oft ist diese Angst mit dem Gefühl von Einsamkeit verknüpft, Einsamkeit ist gleichsam Leiden.

Wenn man sich gerne in Gruppen aufhält versucht man natürlich die Gruppe für sich zu gewinnen, die den eigenen Interessen am nächsten kommt um eben diese eigenen Interessen zu stärken.
Es ist einfacher sich in einer Gruppe von Fleischessern zu behaupten, als in einer Gruppe von Veganern - weil hier die Ansprüche noch größer sind.
In einer Gruppe von Fleischessern interessiert es niemanden ob du während des Grillens: Steak, oder Bratwürstchen magst.
In einer Gruppe von Veganern kann es vorkommen, dass heftig diskutiert wird, wenn du erzählst das du am liebsten Sojawürstchen von einem bestimmten Hersteller isst.

Die Vorstellung das dich eine bestimmte Gruppe auffängt, ist genauso irrational wie die Vorstellung das man nur die Meinung der Masse teilen muss, um geschützt zu sein. Und doch ist das der Hauptgrund warum wir uns in Gruppen aufhalten.
Die wenigsten Menschen halten sich gerne in Minderheiten Gruppen auf. Minderheit wird gesellschaftlich als Negativ betrachtet und ist somit Aussenseiter der Mehrheit.

Wenn man sich das Ganze anhand eines Kreises vorstellt, so ist die Mehrheit in der Mitte und die Minderheit außerhalb des Kreises anzutreffen.
Eine Minderheit kann niemals so stark vertreten sein wie die Mehrheit.
Die wenigsten Menschen entscheiden sich daher bewusst für die Außenrandlage, die meisten Menschen möchten im Kreis sein. Dort finden sie dann auch Familienangehörige und co.
Sich dort einer Meinung anzuschließen, ist sehr einfach. Man kann sagen: "die meisten denken genauso wie ich" Und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Die Vorstellung das die Meisten falsch liegen, ist nahezu ausgeschlossen.
Auch das ist ein Grund warum die Vegane Ernährung sogar in Buddhistischen Kreisen abelehnt wird.
Man gleicht sich gerne der Meinung der Mehrheit an, und wenn diese besagt: wenn Buddhas Rede für Bikhsus gilt, gilt es auch für die Allgemeinheit. Dann ist es eben so.

Es ist sehr einfach sich anzugleichen. Sogar einem Buddhisten wird es sehr einfach gemacht, man zitiert sehr gerne aus dem Palikanon, statt auf eigene Erfahrungen hinzuweisen. Man bindet sich an die Meinung der Lamas oder Lehrer an, weil man alleine aus Respekt Ihnen gegenüber keine andere Meinung geltend machen möchte. Interessant ist, wie schnell sich die Meinung doch wieder ändert, wenn man den Lehrer wechselt.
Anpassung ist überall ein Thema. Und oft wird Anpassung als etwas sehr positives gesehen.

Anpassung bedeutet jedoch auch, das man an alten Mustern festhält die oft sogar weit ausserhalb der gegenwärtigen Menschlichen Entwicklung liegen.
Gesellschaftliche Veränderungen werden hier gerne mal ignoriert. Es wird auf Traditionelles hingewiesen, der Satz: "So war es schon immer!" ist dann oft zu lesen.
Aber auch Religiöse Lehrsätze werden hierfür gerne missbraucht, um eine fortschrittliche Entwicklung aufzuhalten.

Menschen benutzen sehr gerne das Wort: "Zielsetzung", dieses hat jedoch nichts mit dem Begriff Entwicklung gemein.
Bei der Zielsetzung entsteht ein Willensentwurf einer Sache die man kurzzeitig erreichen will. Beim Begriff Entwicklung geht es nicht darum eine bestimmte Sache innerhalb kürzester Zeit zu erreichen, sondern vielmehr um eine vollständige Formatierung der eigenen Person.

Eine Entwicklung bedingt immer das eigene Erleben in Verbindung mit äußeren Einflüssen.
Wenn wir ein postives Erlebnis mit z.B. Veganern haben, kann das sehr gut dazu führen, dass wir die Vegane Ernährung in Erwägung ziehen. Ist das Erleben jedoch negativ wird oft an Althergebrachten festgehalten.

Entwicklung beginnt nie an einem Nullpunkt, heißt von heute auf morgen entscheiden wir uns zu etwas das vorher nie dagewesen ist. Irgendjemand hat einen Ansatz gegeben, der uns faszinierte und daraus folgerte das wir uns zu dieser Richtung hingezogen fühlen.

Der Mensch entwickelt sich am laufenden Band, die Frage ist nur in welche Richtung.
Gesellschaftlich steuern wir seit Jahren auf einen Abgrund zu, der darauf hinweist, das die Menschheit sich regrediert.
Statt auf die Umweltprobleme einzugehen, werden Methoden entwickelt um noch bessere Ergebnisse hervorzubringen, den Schaden an der Umwelt wird vorsorglich mit Pflaster und Verbandszeug abgeholfen. Genmutationen werden von Staatlicher Seite befürwortet, das Wasser wird privatisiert.
Unsere Mitlebewesen werden in weiterführender Technik noch effektiver ausgebeutet und die Art des Tötens wird als "human" bezeichnet.
Die Kindheit unserer Kinder wird nach und nach durch die Zielsetzung der Eltern verkürzt um noch schnellere Ergebnisse in ihrer Entwicklung zum anpassenden Menschen zu fördern. Der Satz: "Von nichts kommt nichts" wird zum Leitsatz der Erziehung.
Statt Mitgefühl für Menschen zu fördern, die Hilfe in den reichen Industriestaaten suchen, werden die Menschen systematisch aus diesen Ländern vertrieben. Teilweise mit Hassparolen und mit körperlicher Gewalt.
Ausgrenzung findet in allen Bereichen statt, egal um welches Thema es handelt.

Sich einer Masse anzupassen bedeutet letztendlich, sein individuelles Denken und Handeln aufzugeben, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen und sich seiner mitfühlenden Menschlichkeit zu entledigen.

Wir haben nicht mehr viel Gelegenheit um unseren Planeten vor einer Katastrophe zu schützen.
Wenn wir so weiter machen, haben unsere Enkel die Auswirkungen zu tragen, die dadurch entstehen, das wir selbst uns gegen jegliche positive Entwicklung sperren.
Sich vegan zu ernähren, um die Massenausbeutung der Tiere aufzuhalten, wäre nur ein Weg, er wird vielleicht unseren Mitlebewesen helfen, sich neu zu generieren. Aber damit alleine ist es nicht getan. Wir müssen anfangen Global zu denken. Die Massenbewegung kann uns hier helfen, nicht nur auf uns zu achten, sondern auch auf die Menschen in unseren Gruppen in denen wir uns bewegen.

Die Verantwortung kann nicht nur über unser Ego laufen, damit zerstören wir auf Dauer die Welt auf der wir leben.
Die wahren Argumente gegen Veganismus liegen jedoch genau darin begründet. Die Wahrheit ist sehr einfach und leider auch schmerzhaft. Wir halten an Alten Traditionen fest, um sie nicht zu verlieren. Wir haben Angst vor Veränderung und jede Entwicklung ist gleichsam eine Veränderung.
Wir gehen sogar in Regression um eine Entwicklung nach vorne aufzuhalten.

Wir Menschen sind die wahre Geisel unserer Erde.

Warum ist das so?

Ich habe eine wage Vorstellung hiervon, wobei ich noch keine ausreichende Erklärung gefunden habe.

Ich denke unser Dasein ist damit gekoppelt das wir als Individuen die Möglichkeit haben weitreichende Umwelt Veränderungen zu manipulieren. Wir dienen dennoch dem Fressen und Gefressen werden wie alle anderen Tiere auch. Wir haben jedoch auch die Möglichkeit uns an die jeweiligen Klimazonen anzupassen, das hat unser Überleben sehr vereinfacht.
Unsere anfänglichen Fähigkeiten um zu Überleben haben sich im Laufe der Millionen zu einem wahren Egozentrum aufgetürmt. Die Macht die wir über andere Lebewesen haben, hat uns letztendlich keinen Ruhm beschert. Wir haben uns überentwickelt zu einem Lebewesen, das denkt ihm würde die Welt gehören. Aus diesem Grund sind wir heute nicht mehr in der Lage zu begreifen, dass wir mit diesem Denken die Welt auf der wir leben gänzlich zerstören.
Der Mensch lebt nicht mehr in und mit der Natur, sondern hat sich daraus erhoben und denkt er könne ohne Natur und Umwelt überleben. Er ist geistig aus dem System herausgetreten, obwohl er genau wie alle anderen Mitlebewesen Teil aller natürlichen Vorgänge ist. Er hat sich somit ein Trugbild erschaffen.

Man könnte auch sagen, die Menschheit ist Größenwahnsinnig geworden. Der Gedanke, dass wir das was wir zerstören wieder Kitten können, hält sich wie Marmelade auf dem Toastbrot.

Wir sind keine Retter in der Not, das waren wir noch nie. Wir sind Zerstörer. Mittlerweile ist es so, dass unsere Erde sich darurch nicht mehr von alleine regenerieren kann, außer der Mensch stirbt aus. Eine neue Eiszeit wäre hier eine Möglichkeit von vielen.

Wir könnten unsere Umwelt retten, aber dazu müssen wir bewusst hinsehen was wir tun. Es hilft nicht aus der Bequemzone einen Blick auf das Chaos zu werfen und sich damit zu begnügen über Facebook und Co. sich aufzuregen wenn ein Jäger einen Löwen tötet. Wir müssen anfangen uns unserer Verantwortung bewusst zu werden. Wer es nicht schafft beruflich hier eine Veränderung herbeizuführen, kann  es privat tun. Alleine durch ein besseres Verständnis für unsere Ernährung schaffen wir einen kleinen Schritt in Richtung positiver Entwicklung. Ähnlich wie: "es ist Krieg und keiner geht hin" wäre es hier: "Es gibt Fleisch und keiner isst es"

Die Veränderung kann nur von jedem einzelnen Individuum ausgehen, sowohl in positiver als auch in negativer Richtung. indem es sich seiner Verantwortung seines eigenen Handelns bewusst wird.
Unsere geknechteten Mitlebewesen sind aller Macht beraubt und unsere Erde hat bereits zu viel an Kraft eingebüßt.

Es liegt also an jedem einzelnen Menschen.

In dem Sinne,

überdenkt eure Ressentiments gegen die vegane Ernährung. Ich will nicht behaupten das es das Non plus Ultra ist, um unsere Welt zu retten, aber es kann durchaus dazu führen, das sich unsere Natur (zu der auch alle Lebewesen gehören) wieder regeneriert. Allerdings dazu bedarf es eine Massenbewegung in diese Richtung.

So gesehen befürworte ich in diesem Fall mal ausnahmsweise wenn sich Veganer in Zukunft Richtung Mehrheit bewegen.

Wie eine Bekannte einmal sagte: "Wir befinden uns im veganen Zeitalter"
Ich hoffe sie hat Recht.

Namasté
Eure Jo

Ah und wer immer noch nach den wahren Argumenten sucht: Es ist der Egoismus... :)


Linkseiten:
http://www.freiheit-und-bewusstsein.de/gefahren-der-veganen-ideologie/ von Andreas Frickinger

Bild:
http://www.regenbogenkreis.de/vegane-ernaehrung.html

Samstag, 1. August 2015

Tagebuch: Mein buddhistischer Weg - Vogelfrei!




Ich habe mich bisher mit keiner Schule verbunden geführt und ich weiß nicht ob ich mich je mit einer Schule verbinde - was (so mir bewusst ist) viel mit meiner Geschichte zu tun hat. Ich lehne jeglichen Zwang ab, ich kann mich mit nichts verbinden, das andere Schulen z.B. heruntersetzt oder ablehnt, oder sich als Besser bezeichnet.

Ich habe mich sehr früh für Religionen interessiert, bereits als 12 Jährige hatte ich alle großen Religionen durchforst, allerdings nur die Abendländischen Religionen, inklusive des Hindusimus. Und trotzdem war keine darunter, die mein Herz erreichte. Die konservativen Ansichten haben mich abgeschreckt, die Geschichte zu den Anfängen der Religionen erst recht. Was ich suchte war der Frieden. Ich suchte eine Religion die wirklich friedvoll war, ohne Mord und Totschlag und ohne Absolutionsgedanken. Später wurde mir bewusst, dass ich nicht nur den Frieden, sondern auch die Freiheit suchte. Ich denke als Mensch der sehr viel persönlichen Krieg erlebt hat, haben mich gerade diese zwei Richtungen angezogen: Freiheit und Frieden. Die Freiheit zu wählen, zu kritisieren, sich seine eigene Meinung bilden und den eigenen Weg zu finden. Ohne Zwang. Den Frieden im Praktizieren, im Erkennen von Zusammenhängen.

Das hat mich fasziniert. Ich war mitte Zwanzig als ich das erste Mal vom Buddhismus hörte. Ich hatte eine Freundin, die sehr spirituell war und eine ihrer besten Freundinnen war Buddhistin. Dadurch erlangte ich einen ersten Einblick in den Buddhismus - ihre Praxis (Tibetischer Buddhismus) gefiel mir nicht sonderlich, aber das was sie zum Thema Buddhismus zu erzählen hatte faszinierte mich.
Ich fing an Bücher zum Thema zu lesen, besuchte Zentren, unterhielt mich mit Mönchen und fand alles sehr nah und doch distanziert. So richtig Kontakt bekam ich zu den Leuten nicht. Was sicherlich auch an mir lag. Ich bin zu indiskret, zu direkt und zu ehrlich in meinen Fragen. Ich habe kein Benehmen (das weiß ich, möchte es aber auch nicht ändern. Ich fühle mich in mir sehr autharg mit meiner kompromisslosen Ehrlichkeit), ich wusste nicht wie man sich mit Mönchen unterhielt und ich habe mit Sicherheit etliche Etiketten ignoriert.

Dann kam ich ins Forum Buddhaland, als Neuling war das mein erster direkter Weg mit nicht Ordinierten und ich war entsetzt. Bis dahin dachte ich noch alle Buddhisten sind friedvoll. Im Buddhaland wurde mir Bewusst, das ein Mensch immer die Entscheidung hat, ob er friedvoll sein möchte oder nicht, egal ob er sich Christ oder Buddhist nennt. Friedvoll ist eine Entscheidung die wir in uns tragen, ein Ja oder ein Nein.


Im Buddhaland wurde ich oft angegriffen, die Leute fanden ich stellte zu viele Fragen und gab mich nicht mit Zitaten aus dem Palikanon zufrieden, ich wollte IHRE Meinung zum Thema hören, ich wollte in die Tiefe eintauchen und wurde regelmässig an die Oberfläche katapultiert. Ich verließ das Buddhaland, doch ein Moderator hatte wohl anfangs großes Mitgefühl, er schrieb mich über EMail an und daraus entstand eine wundervolle Freundschaft.

2009 entschied ich mich dann die Zuflucht zu nehmen. Das war eine wirklich wichtige und große Entscheidung. Die für mich nachhaltige Wirkung hat. Ich begriff das ich schon immer Buddhistin bin, das was ich mittlerweile gelernt habe, was einen Buddhistischen Namen trägt, ist bereits seit ewigen Zeiten Bestandteil meines Lebens. Bereits als Kind habe ich meditiert, ohne zu wissen was Meditation bedeutet. Es ist nicht schwer für mich, den Geist zu leeren, was sicherlich an dieser Jahrelangen Technik liegt. Als Kind war es Lebenswichtig für mich mich innerlich Ruhig zu halten. Meine Panik und Angst zu beruhigen, ich musste erkennen können, wenn Gefahr droht, daher war Achtsamkeit gepaart mit Aufmerksamkeit für mich Notwendig. Ich hatte oft Phasen da dauerte die Meditation mehrere Stunden, trotz Lautstärke konnte ich meinen Geist auf mich selbst konzentrieren, auf meinem Atem, meinen Herzschlag. Für meine Aussenwelt war ich in dieser Zeit nicht erreichbar, ich war wie eine Autistin deren Welt im Inneren stattfand. Heute denke ich, das diese Art des Abschaltens mich vor weiteren Unheil geschützt hat. Wenn ich dann wieder aus meiner Meditation auftauchte war ich ruhig und besonnen, ich konnte viel besser mit dem im Außen umgehen.
Logische Schlussfolgerungen fielen mir leichter nach einer Meditation. Ich kam besser mit der Gewalt klar, die mir täglich begegnete. Ich hatte manchmal so heftiges Herzklopfen das ich dachte mein Herz bleibt gleich stehen, immer dann sagte ich mir: "Ruhig Atmen!", ich schloss dann die Augen und konzentrierte mich aufs Atmen, dann auf mein Herz, dessen Takt sich beruhigte und wenn ich dann die Augen öffnete sah die Umgebung anders aus, klarer, ich konnte die Situation anders beurteilen, anders reagieren.

Meine ersten Erfahrungen mit dem Buddhismus  - von dem ich nicht wusste, das es der Buddhismus ist - geschahen im Leid. Und als ich viele Jahrzehnte später las, das Leid allgegenwärtig ist, verstand ich um so besser das Leben.
Durch die für mich damals namenlose Religion fing ich an Leben zu wollen. Schon als Kind begriff das es das das einzige ist, worum man wirklich kämpfen muss. Um das Überleben. Alles andere ist unwichtig. Geld, Ansehen, Macht all das ist unwichtig. Wichtig ist nur das Leben selbst. Durch meine Kindheit war der Tod tagtäglicher Begleiter. Ich sah wie Tiere und Menschen starben. Ich selbst sollte Sterben. Der Tod war nichts ungewöhnliches. Er kam und ging. Als Kind dachte ich, der Tod ist eine Art Erlösung und trotzdem kämpfte ich um mein Leben, als man mich töten wollte. Während ich starb lies ich vom Leben los, dieser eine Moment wo auf einmal alles leer ist, dieser Moment ist vielleicht vergleichbar mit der Erleuchtung. Ich habe tatsächlich eine Art Tunnel gesehen und ein Licht und dann nichts mehr. Ich kann euch nicht sagen, wie lange ich tot war. Vielleicht waren es nur Sekunden, bis ich wieder lebendig wurde. Aber dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geschützt. Egal was mir danach noch passiert ist, ich kam immer mit dem Leben davon. - Weil ich im Grunde meines Herzens Überleben wollte.

Als ich sterben sollte war ich neun Jahre alt, zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon alles an Gewalt hinter mir, das ein Mensch verkraften kann. Ich wurde vergewaltigt und verkauft, körperlich und psychisch misshandelt, ich litt unter Hunger, Lieblosigkeit, Einsamkeit und Isolation.
Ich sollte sterben, weil meine Mutter es meinem Vater befohl: "Ich will das dieses Balg stirbt!" sagte sie und mein Vater wütend und alkoholisiert drückte mir die Kehle zu, während meine Mutter schwankend neben ihm stand. Meine Geschwister hatten sich ängstlich zu einer Kugel umarmt, sie weinten als mein Vater zudrückte. Es ist unglaublich schmerzhaft nicht mehr atmen zu können, der Körper schreit danach zu atmen, er wehrt sich. Im letzten Moment verändert sich die Welt um einem herum, sie verschwimmt zu einer Wabernden Masse, dann verschwindet alles. Der Blick wird zu einen Tunnelblick und dann sah ich dieses helle Licht das auf mich zukam.
Und dann war nichts mehr.

Es fehlen mir ab da Wochen oder gar Monate. Ich habe keine Ahnung was passiert ist. Ich weiß nur von einer Nachbarin die aus ihrem Fenster sah, womöglich weil sie wieder einmal aus unserem Haus kommendes Gebrüll gehört hatte. Sie sah wie mein Vater meinen leblosen Körper aus dem Fenster warf. Danach rief sie die Polizei an und einen Krankenwagen. Meine Nachbarin war über 80 als sie mir von diesem Tag erzählte, an dem sie Jahre später annahm ich sei wirklich gestorben. Es war für sie der schrecklichste Tag ihres Lebens, sie hatte große Angst, um mich wie um sich selbst. Ein direktes Eingreifen war für sie nicht möglich. Aber sie rettete mir das Leben und dafür werde ich ihr immer dankbar sein.

Meine Erinnerung setzt erst wieder im Auto einer Sozialarbeiterin ein, die mich und meine Schwester zu unseren Pflegeeltern fuhr. Was davor passiert ist, das weiß ich leider nicht mehr und leider erhielt ich keinen Einblick in meine Akte, aus Datenschutzgründen. Mein Fall ist vor vielen Jahrzehnten bereits verjährt, ich habe keine Ahnung wo die fehlenden Monate hin sind, die seit meinem Tod vergangen sind....

Der Buddhismus hat mir geholfen, dieses Erlebnis wie viele andere Erlebnisse davor und danach zu verarbeiten und vor allem zu erklären.
Es gab eine Zeit da existierte meine Kindheit und Jugend nur anhand von fehlenden Puzzlesteinen. Es war so ein Durcheinander in meinem Kopf, das Erlebte ergab oft keinen Sinn, weil mir ein Großteil einfach fehlte. Zeiten waren teilweise verschwunden. Ich konnte das Durcheinander nicht zu ordnen, was dann in der weiterführenden Schule zu einem richtig großen Problem wurde, denn ich konnte dadurch keinen Lebenslauf schreiben. Als es darum ging, hatte ich meinen ersten Zusammenbruch. Ich saß vor dem Lebenslauf und alles drehte sich in meinem Kopf zu einem einzigen Wort: NICHTS.

Da gab es nichts was ich hätte hin schreiben können, weil es in meinem Kopf nichts gab, was die Fehlenden Zeiten erklären könnte. Ein großes NICHTS.
Nach diesem Nervenzusammenbruch wurde mir bewusst, dass ich noch mal zurück zu meiner Kindheit musste, ich musste herausfinden, wo die fehlenden Zeiten sind. Ich musste herausfinden, was wirklich passiert ist.
Damals war ich noch keine Buddhistin, aber ich handelte wie eine Buddhistin.

Finde zu dir selbst - das ist der erste Weg zum Buddhismus. Im Buddhismus geht es darum sich selbst kennen zu lernen. Seine Schwächen wie Stärken zu erkennen. Im Buddhismus lernt man sich ungeschminkt zu betrachten. Ehrlich mit sich selbst umzugehen und eine Entscheidung zu treffen, die für einen selbst wie für alle Mitlebewesen friedvoll ist.
Sich selbst kennen zu lernen, ist daher Notwendig für alle weitere Weg innerhalb des Buddhismus. Denn nur so versteht man was Mitgefühl wirklich bedeutet.

Ich ging noch einmal zurück zu den Anfängen und dann weit zurück zu meinen Wurzeln. Ich erkannte Strukturen in meiner Familienchronik die sich immer wieder erneut bildeten, eine Wiederholung von Leid und ich begriff, das es wichtig ist die Wiederholung zu beenden um erneutes Leid zu verhindern. Eine Wiederholung war das Kinder missbraucht und misshandelt wurden. Sowohl meine Großmutter, die Mutter meiner Großmutter, als auch mein Vater, als auch der Vater meines Vaters, als auch meine Mutter, die Mutter meiner Mutter - wurden als Kinder schwerst misshandelt und missbraucht.

Diese Struktur zog sich durch die Geschichte meiner Familie wie ein roter Faden. Und noch immer zieht sie sich durch das Leben meiner Geschwister wie das deren Kinder.
Ich begriff das es Lebensnotwendig ist diesen Faden zu durchschneiden und auch wenn ich am Leben der restlichen Verwandschaft nichts ändern konnte, mein eigenes Leben und das meiner Familie musste befreit werden - Fadenlos - das war mein erstes Verstehen.
Ich begriff karmische Zusammenhänge anhand meines Lebens und das meiner Ursprungsfamilie.
Ich begriff das es notwenig ist, einen Faden durchzuschneiden und damit einen bestehenden Zustand zu verändern.
Ich begriff dadurch das bedingte Entstehen. Mir wurde bewusst, das ich die Chance habe mein Leben neu zu beginnen, wenn ich mich aus der bestehenden Abhängigkeit und des bestehenden Leids meiner Geschichte befreie. Als ich begriff wie verzweigt Leid in meiner Ursprungsfamilie ist, meldete sich Mitgefühl. Es war unglaublich schmerzhaft und Heilsam, weil mir bewusst wurde, wie stark verwurzelt das Thema Leid in meiner Familie vorhanden ist.

Doch manchmal geht es mir so, dass sich in mir ein großes Fragezeichen aufbaut, die Frage nach dem Warum (mir all das passiert ist) wird wohl immer in mir vorhanden sein. Gleichzeitig formt sich die Frage: Warum nur ich es geschafft habe...
Mir ist im Laufe der Zeit bewusst geworden, das es mein (Er)Leben ist und das ich nicht nicht davon ausgehen kann, das meine Ursprungsfamilie die gleichen Voraussetzungen haben wie ich, noch kann ich davon ausgehen, das sie das gleiche Empfinden haben. Ihr (Er)Leben ist ein anderes, genauso wichtiges und notwendig wie meines.

Als junge Frau hab ich mich oft über meine Familie gestellt. Ich habe die Schule beendet und studiert. Meine Intelligenz war immer wie ein erhobener Mittelfinger, ein Trotzzeichen für die Schicht aus der ich komme.  Mein Leidspruch: "Egal woher du kommst du kannst dich davon befreien!" war gleichzeitig ein Kriegschrei an die Jenigen die zurück blieben.

Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, das es niemanden dient hinab zu blicken oder hinauf zu blicken. Wir werden alle nackt geboren, dass ist das was wir wirklich haben. Egal ob wir eines Tages reich oder arm sind, ob wir intelligent oder einfach gestrickt sind, wir sind nur nackt. Und niemand sieht uns an, wer wir wirklich sind, nackt sehen wir alle gleich aus.

Mittlerweile muss ich niemanden mehr sagen, wie intelligent ich bin, um meine Geschichte zu überdecken mit einem neuen Gewandt von Eitelkeiten. Heute fühl ich mich nackt und alles was ich tue, tue ich, weil ich es tun will, nicht weil ich es muss.
Ich schäme mich nicht mehr für meine Vergangenheit und ich fühle mich auch nicht mehr Schuldig daran, das ich als Einzige meiner Familie daraus hinaus gewachsen bin - weil ich es nicht bin. Vor ein paar Wochen sprach ich mit meiner kleinen Nichte, die zum zweiten Mal Mama geworden ist. Ich verfolge seit Jahren schon ihren Weg und ich sehe wie toll sie ihr Leben meistert. Ihre Kinder sind wundervoll und es spricht so viel Lieben aus ihren Worten. Das macht mir Mut das eine neue Generation aus meiner Familie entstanden ist. Vielleicht ist mit ihr und ihren Kindern der Faden endgültig verschwunden. Das macht mich sehr Glücklich und ich begreife, ich muss nichts mehr tun. Ich kann mich nun endgültig auf meine Familie konzentrieren.

Meine Vergangenheit ist Vergangen, was immer passiert ist, es ist nicht mehr wichtig.

Und doch muss ich darüber immer noch schreiben. Es gibt Nächte die mich wieder zurück bringen in eine Zeit in der ich selbst noch Kind war. In diesen Träumen wiederholen sich die Angriffe und Misshandlungen, der Schmerz und die Begegnungen mit dem Tod. Und wenn ich aufwache, erlebe ich die gleichen Symptome wie früher, Herzrasen, umglaubliche Angst, ein Gefühl Flüchten zu müssen, sterben zu müssen. Dann greife ich nach dem Lichtschalter und wiche mir die Tränen weg und dann fühle ich die Hand meiner Frau die meine Schulter berührt, sachte und voller Liebe. Und mein Atem wird ruhiger. Dieses: "Alles ist gut!" meiner Realität lässt den Traum schnell in den Hintergrund treten.

Am Tag darauf fange ich an zu schreiben, ich schreibe mir den Traum aus der Seele.
Es ist meine Art meine Vergangenheit immer wieder aufs neue zu verarbeiten, mir bewusst zu machen, das es wirklich vorbei ist. Die bösen Geister von Damals sind schon lange nicht mehr da und nur die leisen Echos sind noch fühlbar. Es ist notwendig sich bewusst zu machen woher man kommt und wer man ist. Es gehört zu mir und meinem Leben und dieses Echo hilft mir es besser zu verstehen und es besser zu machen. Jeden Tag aufs neue, bewusst zu sein, was mir als Mensch geschenkt wurde. Aus der Kraft des Überlebens ist Leben geworden. 

Der Buddhismus hilft mir dieses Leben - mein Leben zu schützen.

Ich bin unglaublich dankbar Buddhistin zu sein.
Und ich bin dankbar für meine wundervolle Familie.
Meine Geburtslinie werde ich in diesem Leben nicht weiterführen, auch dafür bin ich unendlich dankbar.

Meine Tochter ist frei davon!!!

Namasté

Eure Jo


Bild: (c) Jo Schlitzkus: Vogelfrei, Kopieren und Vervielfältigen nicht erlaubt!