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Dienstag, 6. September 2016

Unser Schulsystem - Gedanken


Ich habe mittlerweile viele Diskussion von Schulgegnern und Schulbefürwortern mitverfolgt.
Und immer wieder begegnen mir drei Totschlargargumente zum Thema, in einer Endlosschleife:

"Das Leben ist kein Ponyhof" und "Mir hat Schule auch nicht geschadet" und das dritte: "Kinder aus anderen Ländern würden sich freuen, wenn sie zur Schule könnten".


 "Das Leben ist kein Ponyhof/Wunschkonzert usw"

- die Schröders (Punkband) gehören geschüttelt - dieses Zitat bedeutet im Klartext das das Leben hart und rau ist. Eltern die so argumentieren bedenken nicht, dass ein Kind den Übergang der Schwangerschaft zur Geburt als unangenehm empfindet. Damit geht es los, der Übergang vom Baby, zum Schulkind ist mit vielen Unwohlsein Zeiten verbunden, das Kind zahnt, Es verliert die ersten Zähne, es entdeckt sein eigenes ICH, es möchte Dinge tun die es nicht kann. Es fängt an sich und die Welt zu hinterfragen. Diese Zeit ist alles andere als einfach, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Und dann kommt der Kindergarten, das erste Abnabeln. Die ersten schmerzhaften Abschiede und das Gefühl Mama kommt vielleicht nie wieder. Kinder lernen hier schon das sie etwas machen müssen, was Eltern von ihnen erwarten, sie müssen aufhören zu weinen, sie müssen sich anpassen... Und dann kommt die Schule. Und von einem Moment zum Anderen wird das Kindsein zum richtigen Problem. Ich frag mich dann immer: Wollen Eltern dass ihre Kinder gleich nach der Geburt erfahren wie schmerzhaft das Leben sein kann? - Das Leben ist kein Ponyhof... ja aber muss man noch einen Draufsetzen, indem man sein Kind quält? Wenn man unser heutiges Schulsystem betrachtet dann ist es ein Pflichtprogramm das alle Kinder gleich unterrichtet werden, sie müssen schnell sein, sie müssen konzentriert sein, sie müssen sich anpassen. Ihre eigene Individualität können sie höchstens 3 Stunden am Tag ausleben - wenn die Schule beendet ist und die Stunden vorbei sind, an denen man an den Hausaufgaben sitzt.
Der Rest des Tages wird jedoch genauso Reglementiert, statt wirklich zu leben und Dinge zu tun, die Spaß machen, haben die meisten Kinder noch ein Pflichtprogramm zu erfüllen: Sport und Vereine, Kindergeburtstage. Ihnen muss das Ganze Spaß machen, sonst werden sie ja psychisch krank. Stellt euch doch einfach mal vor, ihr kommt von der Arbeit nachhause und müsst noch Hausaufgaben machen und danach müsst ihr in den Sportverein (von nichts kommt nicht, sagt mir mal eine Mutter). Und hin und wieder macht ihr Termine aus - wenns passt - um mit anderen Erwachsenen was zu unternehmen. Das ist das Leben unserer Kinder. Ist das toll? Nein ihr Leben ist kein Ponyhof... ja so ist es. Aber wir können eine Menge tun, das sie es trotzdem schön finden. Eine Kindheit ist so unglaublich kurz, lasst sie doch einfach diese Zeit genießen. Es sind doch nur ein paar Jahre.


Totschlagargument zwei: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet"

Wo ist der Spiegel der Wahrheit? Muss es denn erst zum "Schaden" kommen, damit Eltern mal genau hinschauen wie es ihren Kindern geht? Und vielleicht ist ja das Kind ein ganz anderer Mensch, als sie selbst, Was ist mit den Kindern die sich versuchen aus dem System von Schule, Hausaufgaben und sonstigen Verpflichtungen zu winden? Heute weiß man das Burn Out bereits eine anerkannte Psychische Erkrankung bei Schulkindern ist. Aber das ist es nicht alleine, gehen wir mal die ganzen Krankheiten durch, die durch den Druck in Schule und Elternhaus auftreten:
An erster Stelle: Depressionen, Burn Out, Selbstmordgefährdung, Angst, Panik, Verweigerung, ADS, ADHS, Unangepasstes Handeln, Selbstverletzung. Psychosomatische Beschwerden (wie bei meiner Tochter Bauchschmerzen, Kopfschmerzen) usw. Diese Liste ist endlos lang und wird einfach von Seiten der Erwachsenen ignoriert.
Wenn man sich heute betrachtet das viele Erwachsene unter Leistungsdruck zusammenbrechen, dass Burn Out zur Normalität geworden ist, dann frag ich mich allen ernstes wie jemand noch sagen kann: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet!" Seid ihr euch da sicher, liebe Eltern?

Nr 3 der Argumentenskala: "In anderen Ländern..."

Ja nach anderen Ländern wird gerne geschaut um auf hiesigen Missstände hinzuweisen, oder auf dortige. Es ist immer fein Vergleiche zu ziehen die letztendlich hinken. In anderen Ländern wird fast nur Reis gegessen und hier ... - und nun, das eine rausholen und das andere ignorieren? Wie ist es mit rohen Fleisch und Fisch in Asien, dort ist es normal. Oder wie ist es mit frisch gebratenen Hund...
Man kann andere Länder nicht mit Deutschland vergleichen, das ist unmöglich, da es riesige gesellschaftliche, kulturelle und politische Unterschiede gibt.
Natürlich würden Kinder gerne zur Schule gehen, wenn es als Alternative nur die Feldarbeit, Fabrikarbeit, oder die Prostitution gibt.

Nach all den Diskussionen habe ich mich ernsthaft gefragt ob Eltern sich nicht vorstellen können oder wollen, das ihre Kinder zwar die Gene ihrer Eltern besitzen, aber dennoch individuelle Wesen sind. Kinder können von ihrem Wesen her vollkommen unterschiedlich zu ihren Eltern sein. Sie haben eigene Vorstellungen, Wünsche und Sorgen. Kein Mensch gleicht dem Anderen. Manchmal denke ich, es ist Eltern vollkommen egal ob einige ihrer Kinder unter dem Schulsystem leiden, solange sie funktionieren, sich anpassen wird das hingenommen.

Was mich schockt ist, dass die Erwachsenen in diesen Diskussionen nicht merken wie sehr sie bereits Instrumentalisiert sind, nach einem bestimmten System zu leben. Eigene Vorstellungen, Gedanken und Gefühl werden unterdrückt und statt dessen wird darauf geachtet sich einer Norm anzupassen und genau das gleiche wird von den eigenen Kindern erwartet.
Bei all diesen Diskussionen ging es letztendlich um den Willen und der Erwartung der Eltern. Andere Vorstellungen von Schule und Erziehung wurden belächelt oder angegriffen.
Erziehung stand unter einem besonderen Deckmantel des moralischen Schutzes. Wehe man schrieb: Das man das Kind nicht erzieht, weil man es nicht einengen und instrumentalisieren möchte, und schon war mal Asozial oder gehörte zur Antiautoritären Elite.
Für mich sind diese Arten von Diskussionen nicht fruchtbar, weil Eltern sich sehr schnell angegriffen fühlen, wenn man ihnen bewusst macht, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.

Man muss nicht gleich sein Kind zuhause unterrichten, es reicht auch, wenn man Alternativen findet, die auf die Individualität unserer kleinen Mitmenschen eingehen. Die Waldorfschule ist sehr praktisch ausgerichtet, hier haben die Kinder noch die Möglichkeit eigene Lösungswege zu finden, sich auszuprobieren mit unterschiedlichen Werkstoffen, statt blinder Gehorsam wird auf ein familiäres Umfeld geachtet (auf diese Schule geht meine Tochter) und ich finde es absolut hervorragend gelöst, dass auch für Eltern mit einem geringen Einkommen einen Lösung gefunden wird.
Noch besser finde ich die freien Schulen die dem Kind die Möglichkeit überlassen, aus eigenem Antrieb zu lernen und zu entdecken.
Mit dem Thema Unschooling habe ich mich noch nicht so intensiv beschäftigt aber auch das ist eine Möglichkeit um dem Kind die Welt näher zu bringen, ohne starren Schulrhythmus. Wichtig ist bei all dem dass Eltern zu Beobachter werden, dass sie sich Zeit nehmen um auf die Belange ihrer Kinder einzugehen.

Nach diesen Diskussionen tun mir die Kinder leid die in dieser Welt aufwachsen, ich habe tiefes Mitgefühl für ihre Nöte und Sorgen und ich finde es schade, dass Erwachsene nicht einfach mal über den Tellerand blicken und das wahrnehmen was ist, statt sich mit dem zu beschäftigen was sein könnte (Mein Kind muss Abi machen, damit es einen guten Beruf lernt...).

In diesem Sinne wiederhole ich mich gerne, wenn ich Khalil Gibrans Gedicht nutze um mich zu verabschieden:


Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931


Namasté und alles liebe von eurer Andarnil

Freitag, 28. August 2015

Jahres Erkenntnisse - meine Zeit als Schülerin beginnt!


Meiner Lehrerin gewidmet.

Heute ist mein letzter Tag meiner selbst auferlegten friedvollen Woche auf Facebook und überhaupt. Welche Erkenntnisse habe ich gesammelt:
Unglaubliche Erkenntnisse, unglaubliche Sichten in unglaubliche Welten.
Ich musste erkennen, das mein komplettes Selbstbild veränderbar ist, das sich jedes Konstrukt hinterfragen lässt, eigene Gedanken, Gefühle können Wahrheiten sein, müssen es aber nicht. Ich habe endlich eine Lehrerin gefunden die mir ein guter Spiegel ist, sie reizt mich manchmal mich zurück zu ziehen, weil sie mich mit mir selbst konfrontiert und ich bin dankbar zu bleiben, es auszuhalten mich selbst zu sehen in allen Widersprüchen. Ich begreife so langsam das Frieden und Krieg, Gewalt und Liebe nur zwei Seiten einer Medaille sind und somit zur Medaille selbst gehören. Ich begreife das alles vorhanden ist und somit auch auslebbar in alle Richtungen. Das wir alle unseren eigenen Vorstellungen unterliegen und das die Wahrheiten die wir denken,  in Wahrheit nur eine Wahrheit von vielen ist. Mir scheint diese Art der Sicht ist schon immer in mir gewesen. Es ist nur unglaublich schwierig es umzusetzen, anzunehmen und zu leben. Ich bin mitten im Prozess des Zulassens und des Loslösens.

Heute morgen noch war ich ganz angespannt, wegen unserer Tierhof Situation, jetzt wird mir bewusst, das ich die Anspannung gehen lassen kann. Das was passieren wird, wird passieren, wir haben nur begrenzt Zugriff in die Realität weil sie von unserschiedlichen Faktoren abhängig ist, die wir gar nicht alle überblicken können. Ich begreife gerade was Loslassen wirklich bedeutet. Früher dachte ich es ist ein erzwungenes Abschied nehmen von Dingen von denen andere denken, man bräuchte sie nicht, oder von Dingen von denen man selbst denkt, man braucht sie nicht unbedingt. Ein Konstrukt durch Esoterik und asiatischer Philosophie um den Menschen zur Genügsamkeit zu bringen. Auch das ist nur eine Wahrheit von vielen und ich fange gerade an, diese Wahrheit zu überdenken.
Das Loslassen hat viel mit einem selbst zu tun und weniger mit Materiellen Gefäßen. Ich halte oft an Gefühlen fest, weil sie meine Identität erklären und bewusst machen, was ich will und was nicht.
Momentan übe ich mich darin mir bewusst zu machen, das es nicht wichtig ist was ich will und was nicht. Wenn es geschehen soll, wird es geschehen. Wenn es nicht geschehen wird, wird es auch nicht geschehen.
Loslassen ist nichts anderes als Zulassen das es geschieht. Zu handeln durch nicht handeln. Ich wollte mich nie einreihen in die Buddhisten die sich mit ihren Lehrern schmücken, ich wollte keinen Lehrer, mich keiner Schule unterwerfen, ich wollte frei sein. Und während ich noch mit mir kämpfte, was ich überhaupt für eine merkwürdige Buddhistin bin, begegnete mir eine gehörlose Frau mit einer wundervollen Bildsprache. Sie ist in der Schule des tibetisch tantrischen Buddhismus aufgewachsen und doch wurde sie von ihren Eltern sehr frei erzogen. Sie ist deutsche und doch durch ihre Kindheit von Anfang an mit den Wurzeln des Buddhismus verbunden. Sie lebt Religion wirklich frei und ich glaube, dass genau dass die Voraussetzung ist, damit sie meine Lehrerin wurde und ich ihre Schülerin.

Eines Tages fragte ich sie ganz offen ob sie sich vorstellen kann, meine Lehrerin zu sein. Sie lächelte nur und schwieg.
Und doch war ich sehr im Zwiespalt, weil sich Freundschaft mit Respekt ihrer Person als Yogini gepaart hatte. Ich dachte beides geht nicht. Nicht mit meiner Schnodderschnauze und meinem unkonventionellen Wesen. Aber je mehr wir miteinander sprachen über Buddhismus, Dukkha, die Welt allgemein und je mehr sie mich wieder auf den Boden hob wenn ich mal wieder grenzenlos in Selbstmitleid und Panik verfiel, desto mehr wurde mir bewusst, das ich meinem eigenen Konzept von Ablehnung einer Meisterin, einer Lehrkraft, eines Gurus - oder wie immer man den spirituellen Lehrer nennen mag (wir haben da keine festen Regeln, vielleicht noch nicht, vielleicht nie) misstraute. Etwas veränderte sich. Ich hinterfragte diese Gefühle, ich wollte davor weglaufen, denn ein Lehrer bedeutete für mich ein Stück Unfreiheit - auch ein Konzept.
Gestern kam ich dann an einem Punkt an dem es wirklich für mich darum ging, mich dafür zu entscheiden ihre Schülerin zu sein. Ich habe die Nacht darüber nachgedacht, mich mit dem Gedanken angefreundet, das ich immer alles bin, Schülerin wie Lehrerin und das ich mir nichts wegnehme wenn ich einen Menschen in mein Leben lasse, der mir wirklich den Buddhismus näher bringen kann. Ich gestand mir auch ein, in einem Engpass zu stecken, ich dachte zu diesem Zeitpunkt ich müsse daran verzweifeln denn Gewalt geschieht und ich habe nicht die Macht es zu ändern. DIE MACHT, das war und ist mein Thema. Freiheit bedeutet für mich die Macht über mich selbst.

Unser Leben verändert sich gerade rapide seit diesem Jahr. Die Veränderung macht Angst. Sie macht mich Unsicher und diese Unsicherheit spiegelte sich wieder in meinen öffentlichen Updates über unseren Tierhof. Mir war das alles bewusst, aber ich konnte es nicht ändern. Es war wie ein Sog der mich unaufhaltsam mit sich trug. Ich steckte fest.
Heute morgen habe ich lange mit meiner Lehrerin darüber gesprochen und sie hat dazu ein wundervolles Beispiel genannt, dass mir im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnete:


"Ein Bäcker hat noch fünf Brötchen als du den Laden betrittst. Die Kunden vor dir kaufen sie auf. Es sind keine mehr da. Es ist einfach so und es bringt nichts sich zu ärgern oder mit den Kunden um die Brötchen zu streiten oder zu befürchten das du verhungerst. Würdest du das tun, würdest du dem Leben (verstehe Leben als einen Weg, der so gebaut ist, wie er eben ist) deinen Willen aufzwingen. Das funktioniert allerdings nie, denn das Leben ist nicht mit Komponenten ausgestattet, die das möglich machen bzw. vereinbaren. Es sind erdachte Komponenten. Sie existieren nur in unseren Gedanken, sind eine Illusion, Maya.. . Du würdest es also kontrollieren wollen. Und bist dann in stresshaften Gedanken und Emotionen verhaftet. Du leidest dann. So, wie Frieden nicht etwas ist, was man sich wünscht, sondern es macht. Machen, indem man sich mit den Gedanken auseinander setzt und Frieden findet, Frieden vorlebt, Frieden schenkt etc... Jedem. Erst dir. Dann kannst du es der Britta geben. Und den Tieren. Und Shaya. Und allen anderen. Denn dann bist du Frieden. Was man nicht hat, kann man nicht geben. "


Alleine dieses Beispiel hat so viel in mir berührt, das ich hätte weinen können vor Glück, vor Trauer. Etwas zu verstehen heißt nicht, das man es schön finden muss, es heißt nur das es Klarheit in einem selbst bringt.

Diese Woche hat mich durch alle Instanzen geführt und mich sehr berührt. Nachdem ich Ende letzten Jahres feststellte, das meine ganzen Gedanken sich nur darum drehten, wie schlecht es der Welt geht. Wie schlecht es den Tieren geht, den Menschen, mir selbst und je mehr ich es mitbekam, je schlechter ging es mir, war es nur klar für mich, mich dem zu stellen. Diesen Gefühlen in mir. Mir war klar, ich muss etwas tun. Ich habe nach und nach mein Inneres nach Außen gekehrt, mich sichtbar gemacht. Oder anders den Menschen um mich herum die Jenige gezeigt die ich denke zu sein.
Mein Multiple sein, mein Asperger Sein, meine Kreativität, meine Musikalität, Empahtie, das Grauen meiner Kindheit, mein Einsatz für Tiere und für die Welt, mein Einsatz für andere Menschen.
Es war mir wichtig, mich zu zeigen wie ich mich selbst sehe.
Manchmal sind die Blicke auf mich wie Spiegel gewesen.


Im Laufe der letzten Tage wurde mir bewusst, das ich mir nur das gestatte in mir zu sehen, was andere sehen sollen. Mutter sein war und ist ein großes Thema. Meine Tochter hat zwei Mütter, wer bin ich? Die Frage meines Therapeuten ob ich denn finde ob ich eine gute Mutter bin, hat dieses Bewusstsein ausgelöst. Ich möchte das andere mich als gute Mutter wahrnehmen. Das war meine erste Antwort. Sehr ehrlich. Aber er hörte nicht auf zu fragen: "Aber Jo empfinden sie das auch so?" Und ich sagte nein und musste anfangen zu weinen. Ich weinte die ganze Stunde über, weil mir klar wurde, das ich meinem eigenen Idealbild einer guten Mutter nie gerecht werden kann. Es ist keine Realität, sondern eine Illusion. Da ich selbst keine gute Mutter hatte,  musste ich wenigstens das Idealbild einer guten Mutter sein. Da ich dem nicht gerecht werde, muss ich nur rein logisch eine schlechte Mutter sein.
Das war hart. Und an dem Punkt sind wir immer noch, herauszufinden was für eine Mutter ich in Wahrheit bin.

Sei dem stelle ich mein Muttersein in Verbindung mit dem wie meine Tochter sich fühlt. Sie ist mein ganz persönlicher Spiegel. Je wohler sie sich fühlt in meiner Gegenwart, desto leichter kann ich mir mein gutes Mutterbild vorstellen.
Meine Lehrerin fragte mich, woher mein Mutterbild rührt. Ich musste etwas nachdenken. Vor meinem vierten Lebensjahr bin ich oft mit meinem Großvater in die katholische Kirche gegangen. Ich liebte es die Marienbilder anzusehen und sie zu berühren. Wenn ich an die perfekte Mutter in meinem Idealbild denke, dann ist sie heilig, unberührbar, rein. Als vergewaltigtes Kind fühlt man sich nicht mehr rein. Ich fühlte mich niemals mehr rein. Und diese Reinheit konnte ich natürlich auch nicht auf mein eigenes Muttersein übertragen.

Ich bin anderen Müttern gegenüber immer sehr unnachgiebig gewesen, ich verstehe jetzt warum es so ist. Und ich denke das sich nun vieles verändern wird.

Je mehr ich die Welt verstehe, desto weniger kann ich für oder gegen sie kämpfen. Diese Autonomie machte sich letztes Jahr schon bewusst in mir, je mehr Kräfte zum Kampf aktiviert wurden (gerade auf Facebook) je mehr zog ich mich davon zurück. Ich fühlte mich wie eine neutrale Insel. Während ich damals rein intuitiv handelte, weiß ich jetzt was mich wirklich dazu bewogen hat.

Autonom sein, heißt erst einmal bewusst einsame Wege beschreiten, erst während man läuft wird klar, dass man gar nicht einsam ist. Die Einsamkeit der man sich selbst unterwirft ist auch nur ein Teil der Illusion. Oder anders: Ein Teil von Dukkha. Ich war nie Einsam und werde es nie sein. Mir kam es aber oft so vor, das ich altes Alien so anders bin als der Rest der Welt. Aber vielleicht ist die Welt auch einfach nur anders als ich.
Wenn man anfängt sich bewusst zu machen, das man bislang nur Teil einer großen Illusion war, tut es weh, aber es befreit auch gleichzeitig.

Ich weiß noch wie ich hier auf diesen Blog anfing. Wie mein Blogtitel entstanden ist: Wie es ist als Buddhistin das ICH zu genießen. Damals wollte ich aufbegehren gegen die Tradition des Loslassens, so wie es hier im Westen zelebriert wird.
Ich habe nie angefangen mein ICH wirklich zu genießen, weder als Mensch, noch als Buddhistin. Dazu gab und gibt es immer noch zu viele Baustellen in meinem Leben. Als Buddhistin musste ich erkennen, das meine Intelligenz mich keinen Schritt weiter bringt wenn mein Herz auf der Strecke bleibt. Ich musste erkennen, das es nur möglich ist diese Religion zu leben, wenn ich sie in den Alltag integriere. Mich haben die alten Schriften nur insoweit interessiert, wie sie noch lebbar waren. Die Geschichten in Palikanon waren und sind nie mehr als Märchen für mich gewesen. Natürlich hab ich mich gefragt, ob ich mich überhaupt Buddhisten nennen kann, mit dieser westlich fremden Einstellung zum Buddhismus. Ich musste erkennen, das ich selbst auch festhielt an Traditionen, nämlich meiner Tradition gegen den Strom zu schwimmen. Als ich einmal darüber schrieb: Das ich den Pratyekka Weg gehe und von meiner Lehrerin die Antwort bekam: "Nein tust du nicht, du gehst den Weg von Buddha" und ich verwirrt sagte: "Das meine ich doch!" Und ein Lächeln zurück bekam mit dem Hinweis: "In deiner Sangha ist Britta und Shaya und viele andere!" - dauerte es eine Weile, aber dann verstand ich auf einmal, das ich mich an etwas festgehalten habe -  das viele Buddhisten ablehnten -  eben aus diesem Grund um mich aus der Reihe der "normalen Buddhisten" hervor zu heben.
Wie ärgerlich :)

Ich fühlte mich noch nie normal. Ich war immer schon anders. Mein ganzer Werdegang ist anormal. Anders. Das Alien das bin ich. So habe ich mich gesehen und dieses Weltbild ist jetzt ordentlich ins Wanken geraten.

Heute war der Punkt erreicht an dem mir bewusst wurde, das ich genauso so wie ich bin,  bin wie ich bin. Es ist gut. Da gibt es keine Abstufungen in Anders, normal, Anormal, Alienartig. Es ist egal.
Mit dieser Erkenntnis bin ich an einem Wendepunkt in meinem Leben gelangt. Hier kann ich nun ganz von vorne Anfangen mich der Lehre von Buddha zu widmen. Als ich JO, ohne irgendwelche Schubladen die ich mir im Laufe meines Lebens selbst gezimmert habe.

Das wird nicht einfach werden, das weiß ich. Die Schubladen: Asperger, Multiple Persönlichkeit, Pratyekka usw. gaben mir Sicherheit.
Ich fühle mich ziemlich nackt und daran können die Klamotten nichts ändern die ich trage.

Und ich fühle mich ein klein wenig erleuchtet.
Sehr klar.

Wie es nun weiter geht, keine Ahnung. Ich lass es auf mich zukommen, mein Studium hat eben erst angefangen.
Heute sagte ich zu meiner Lehrerin, dass ich sie mit vollem Herzen als meine Lehrerin annehme.
Ich die ich Lehrer abgelehnt habe, die ich den Tantrisch Tibetischen Buddhismus als zu klassisch hinduistisch angesehen habe, ich habe vor mich allem zu öffnen. Ich denke ich bin nun dort angekommen, wo ich nie hinwollte.  :)

Das Leben trägt merkwürdige Spuren. Ich habe nun ein paar Aufgaben zu lösen.
Was gibt es schöneres als das ICH zu genießen.

In diesem Sinne:

Genießt den Tag, euer Ich, euren Weg!!!
Namasté

Euch alles liebe von der Jo die bald ihren 50 Geburtstag feiert.


Montag, 3. Februar 2014

(christliche?) Werte





Ich und meine Familie gehören zu einer Minderheit (auch wenn ich das anders sehe, für die Gesellschaft sind wir eine Minderheit), wir sind keine Christen, wir sind Homosexuell und wir drei Elternteile haben eine Tochter.
Letztens gingen wir zum Informations-Elternabend der Schule in die unsere Tochter im Sommer gehen wird.
Es kam auch das Thema Religionsunterricht auf, ich fragte, ob auch alternativ das Unterrichtsfach: Ethik angeboten wird.
Natürlich wird es nicht angeboten. Shaya wird wie ihre anderen andersgläubigen Schulkameraden Deutschunterricht haben, während christliche Kinder Religionsunterricht haben. Ich finde das weniger gut - vielleicht wird das ein Grund sein, mich doch noch näher mit dieser Thema auseinander zu setzten, denke ich...
Kurz nach diesem Info Abend habe ich einige unschöne Artikel gelesen zum Thema Homosexualität und Kirche (ich habe hier auf meinem Blog berichtet) oder auch Homosexualität und Christliche Werte.
Da ich schon lange mal einen Blogeintrag zum Thema "Werte" schreiben wollte, habe ich heute noch mal intensiv recherchiert und bin auf folgende Seite gekommen:

Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft

Ich habe mich auf dieser Seite eingelesen und erschreckt musste ich feststellen, das ich meine Sicht auf das Christentum noch einmal überdenken muss. Eine Frage die zwingend gestellt werden müsste:

Was unterscheidet das Christentum vom Christentum?

Denn mittlerweile scheint es unglaublich viele Gruppierungen zu geben, die alle von sich das eine behaupten: Wir sind Christen.

Aber zurück zur Webseite.

Dieses deutsche Institut für Jugend und Familie beschäftigt sich intensiv mit der Frage wie die "Minderheit der Minderheit", nämlich diejenigen die unter ihrer homosexuellen Neigung leiden, zu therapieren ist.

Oberflächlich betrachtet wird Homosexualität durch die Beiträge nicht in Frage gestellt, doch schaut man sich die Webseite mal genauer an, gruselt es einen...

Ich zitiere: "Seit über dreißig Jahren setzt sich das DIJG für jene Minderheit innerhalb der Minderheit homosexuell empfindender Menschen ein, die sich mit einem homosexuellen Lebensstil nicht identifizieren kann oder will.
Diese Menschen sind überzeugt, dass Sex mit Menschen des eigenen Geschlechts ihre tiefste Identität als geschlechtliche Person, als Frau oder Mann, nicht widerspiegeln kann. Sie suchen konstruktive Wege zur Veränderung ihres Verhaltens, zur Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen und – soweit es ihnen möglich ist – auch zur Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials."

Artikel wie: http://www.dijg.de/homosexualitaet/kirche/warum-ich-als-christ-nicht-homosexuell-leben-kann/

Sehr interessant hier beschreibt ein ehemals homosexueller das man als Christ nicht Homosexuell leben kann, denn es widerspricht sich mit den christlichen Werten.

oder:
http://www.dijg.de/homosexualitaet/lebensberichte/mein-weg-heraus/

setzen das schreckliche Leben homosexueller Menschen gut in Szene.

Christl Ruth Vonhold, die Betreiberin der Webseite, scheint davon überzeugt zu sein Homosexuelle therapeutisch behandeln zu können, so dass sie sich für ein heterosexuelles Leben entscheiden können. Zwar behauptet sie auf ihrer Seite, dass eine Umpolung nicht möglich sei, sie beschreibt jedoch "Therapien" die sie und ihre Kollegen anbieten, wie z.B. Reorientierungstherapie, Reparativtheorie und Gay-affirmative Therapien.

Desweiteren verlinkt sie auf diese Seite:
http://www.homosexualitaet-veraenderung.de/ 

Hier wird  Homosexualität als "nicht angeboren" bezeichnet, man spricht auf dieser Webseite von: "Homosexueller Anziehung" und davon das mit Hilfe geeigneter Therapien die unerwünschte homosexuelle Anziehung verringert werden kann und ein heterosexuelles Potential entwickelt werden kann.

Erschreckend für  mich - Diese sogenannten "Therapeuten" arbeiten bei uns im Odenwald, in meiner Nähe sogar.

Es ist wissenschaftlich bewiesen (1993 das erste mal vom Humangenetiker: Dean Hammer, später konnten das William Rice und seine Kollegen durch eine Studie noch bekräftigen) dass Homosexualität angeboren ist. Diese Therapeuten sind jedoch in ihrem  "Christlichen" Verständnis so dermaßen verhärtet, das sie solche Wissenschaftlich fundierte Studien ignorieren und immer noch junge Leute therapieren. Das ist für mich unverständlich und geradezu grotesk.

Erschreckend ist auch, dass Vonhold diese Therapien unter dem Deckmantel der Christlichen Nächstenliebe gibt, die Ratschläge an betroffenen Eltern homosexuell orientierter "Kinder"  von  Dr. Socarides:
http://www.homosexualitaet-veraenderung.de/rat-fuer-eltern/was-eltern-tun-koennen

Zitat:
(Dr. Socarides): "Ich sage ihnen dasselbe, das ich auch Eltern sage, deren Kinder Drogen nehmen. Ich sage ihnen: Sie haben als Eltern nicht versagt, Sie sind jetzt nicht hilflos und Sie sind auch nicht allein."

Auf die Frage ob man kleinen Jungen Puppen zum Spielen geben darf:

Zitat:
"Auf keinen Fall. Ich weiß nicht, woher der Gedanke stammt, aber diese modische Idee, kleine Jungen sollten mit Puppen spielen, ist dumm und gefährlich. Empfindsamkeit, Sensibilität lernen Jungen normalerweise von ihren Schwestern. Oder von ihren weiblichen Spielkameraden oder später von Klassenkameradinnen. Sie brauchen keine Puppen. Was sie am dringendsten in diesem Alter brauchen, ist ein Gefühl für ihre Identität als kleine Männer, die später Väter werden wollen"

Natürlich durchleuchtet diese Webseite auch den Wunsch nach Ehe und Familie homosexueller Paare - diesen Bereich habe ich jedoch bewusst nicht gelesen (ich kenne mich, wenn es um DAS Thema geht, geht mein Blutdruck schnell mal nach oben), daher kann ich nichts darüber sagen.

Was mich jedoch wirklich interessiert:

Symbolisiert diese Seite wirklich das Christliche Gedankengut?


Meine persönlichen Gedanken hierzu: Das ganze passiert hier um die Ecke, was mich echt erschreckt hat... dachte ich doch, solche Gruppierungen gibt es nur in Großstädten und nicht gleich neben an...
Der Odenwald ist ein Multi-Kulti Bereich, gerade hier bei uns leben viele Nicht Christen zusammen mit Christen unter einem Dach. Wir sind zwar eine Minderheit als Buddhisten, aber nicht als Nicht-Christen.
Es betrifft ja nicht nur uns, sondern auch andere Eltern und Andersgläubige. 
Das Wörtchen Toleranz wird in dem Zusammenhang mit einem großen Fragezeichen versehen.


Wenn ja, können sich Christen überhaupt erlauben Tolerant zu sein?


Wie denkt ihr darüber?

Nachdenkliche Grüße und ein Namasté

von eurer Jo



Bildquelle: Martina Schradi
http://www.achsoistdas.com/
Biografische Comic Reportagen, unter anderem auch mit uns als Familie:

Ach , so ist das?!

Das obige Bild ist von mir ein klein wenig verändert:  All You need is Love ;)