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Freitag, 23. Dezember 2016

Ole Nydahl und der Kinder Gehörschutz - Gruselig.



Ich habe gerade einen Bericht von Ole Nydahl gelesen, wie immer kräuseln sich bei mir die Fußnägel wenn ich irgendwas von diesem selbsternannten Guru-Lama lese und wie immer fiel mir dieses Interview zufällig in den Schoß, als ich auf der Suche nach einem Thema war. Diesmal recherchierte ich zum Thema Sangha und Kinder. Ich wollte wissen ob es hier in Deutschland bereits die in Asien übliche Form der Familiensangha gibt, in denen auch Kinder willkommen sind.
Es hat sich leider nicht viel getan in den letzten Jahren und Dank Ole wird sich hier wahrscheinlich auch nicht viel verändern.

Das Interview ist - Sorry für meine Ausdrucksweise - Oberscheiße!

Auf der einen Seite sagt Ole, Kinder gehören zur Sangha, auf der anderen ganz klar - aber nur wenn sie die Klappe halten und sich den Ruhepol der Eltern anpassen. Der Mann hat weder von Kindern eine Ahnung, noch von Meditation. Er spricht davon das Kinder "nur" 10000 Wiederholungen einer Übung machen sollen und das Verbeugen die Muskeln stärken, statt hinderliches Fett. Eltern sollten möglichst bei Vorträgen in der Nähe der Tür sitzen um die Kinder "davon zu tragen" sollten sie auffällig werden. Er meint Eltern könnten bei den Meditationssitzungen abwechselnd auf die Kleinen aufpassen, denn Störungen begünstigen schlechtes Karma. Er widerspricht sich oft in seinen Sätzen, auf der einen Seite meint er wäre es gut Betreuungseinrichtungen für Kinder in den jeweiligen Sanghas einzurichten, auf der anderen macht er klar wer ordendlich meditieren will, braucht so wenig Zerstreuung wie möglich und was zerstreut mehr als ein Kind.

Ihm geht es - wenn überhaupt - um getrennte Bereiche, das wäre für ihn gedanklich machbar, wenn die Räumlichkeiten und natürlich der Lärmschutz es zulassen.
Als er gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, mit Kindern zu meditieren, meint er, er hätte keine Ausbildung. Und empfiehlt Gehörschutz...

Ehrlich das ist das übelste was ich bislang von ihm gelesen habe.
Ich selbst war auf thailändisch buddhistischen Vorträgen und habe Eltern mit ihren Kindern gesehen, die Kinder saßen oft am Rand und spielten ein Spiel mit Steinen (das ich nicht kannte) oder sie spielten Karten, während die Eltern den Vorträgen lauschten, oder sie saßen auf deren Schoß und hörten zu, sie lachten, machten Scherze aber gehörten dazu und waren dabei. Ich sah Kinder während und bei den jeweiligen Meditationen. Ich war selbst mit meiner Tochter im Meditationsraum und wir meditierten gemeinsam, ohne das irgendjemand sich daran störte, das Shaya irgendwann aufstand und sich den Altag näher ansah.
Teils ist es etwas lauter mit Kinder, aber auch das ist eine gute Möglichkeit sich in Achtsamkeit zu üben und bei sich zu bleiben, trotz der Geräusche um  einen herum.

Kinder gehören unbedingt zum Buddhismus und in die Sanghas und wenn der "deutsche" Buddhismus es nicht hinbekommt, dass in den Zentren Familien willkommen sind, dann stimmt was mit dem "deutschen" Buddhismus nicht und nicht mit dem angeblich "störenden" Kind und seinem "schlechten" Karma das es verbreitet.

Was Ole möchte ist ein Ruhezentrum ganz nach deutschen Vorbildern, strukturiert, sauber und brav.
Somit kann man sich natürlich auch seine Schäfchen halten, denn wer nur im Zentrum meditieren kann, kommt natürlich auch wieder.

Der deutsche Wohlstands Buddhist sollte möglichst keine Kinder haben, bzw. sich frühzeitig einen Hort suchen, der auch während der Meditationszeiten auf hat, damit die Kleinen ja nicht stören.
Der deutsche Buddhist kann sich ja ansonsten einen Gehörschutz besorgen...
Ich bin entsetzt über so viel Diskriminierung unserer kleinen Menschen.

Da ich jetzt neugierig wurde (nicht nur neugierig, ich verstehe nicht das dieser selbsternannte Lama überhaupt noch praktiziert, Hallo kann ihn mal jemand bitte vor die Tür setzen!), habe ich mal geschaut ob es noch andere Interviews dieser Art gab.
Und ich wurde fündig, Ole gab Eltern Ratschläge. Als er z.B. gefragt wurde, woran es lag das so wenig Buddhisten Kinder hätten, antwortete Ole:
"Es ist schwieriger zu praktizieren mit Kindern. Es ist leicht, Geduld zu entwickeln, aber für die meisten anderen Sachen sind Kinder eine Belastung. Ich verstehe, dass viele gerne Kinder haben wollen und ich bin auch froh, wenn ich sehe, dass Europäer Kinder kriegen, weil ich unsere Kultur für die beste Kultur der Welt halte. Nachdem ich seit vielen Jahren um die Welt reise, kann ich sagen, dass nirgendwo auf der Welt mehr Glück und mehr Sinn für so viele Menschen entsteht wie in Europa. Ich verstehe aber auch, wenn Menschen sagen, ich will mich lieber verwirklichen und praktizieren."

Kinder sind für ihn somit eine Belastung und sich verwirklichen und praktizieren kann man mit Kindern auch nicht. Aha... ein wahrer Europa Fan also.

Auf die Frage ob Buddhisten Kinderlos bleiben sollten antwortete er:
"... Buddhistisch gesehen, ist es eine Frage von karmischen Verbindungen. Wenn man im letzten Leben viele karmische Bindungen hatte, dann kriegt man wohl auch in diesem Leben eine große Familie. Wenn man im letzten Leben eher meditiert hat und mehr alleine war, wird man wohl in diesem Leben auch nicht so viele Kinder bekommen. Das ist je nach Karma verschieden. Diese karmischen Verbindungen kann man zum einen daran erkennen, was man für Vorlieben hat. Aber auch daran, wie Menschen oder insbesondere Kinder auf ein Paar reagieren. Es gibt Paare, zu denen sich schnell Kinder hinzugesellen. Bei anderen würde das nicht passen, weil sie die notwendigen Eigenschaften nicht mitbringen. Also, ich finde, Kinder sind toll."
Und nur wer zu viele karmische Verbindungen hatte, bekommt auch viele Kinder - Verstehe...

Er findet also Kinder toll - sehr witzig. Womöglich solange sie bei keiner Sangha erscheinen und /oder möglichst die Klappe halten und sich brav den Vorschriften der Eltern und natürlich denen von Ole Nydahl fügen.

Was bin ich froh, dass ich kein Interesse am Diamantweg (Karma Kagyü Linie) habe.

Und ich bin froh, dass ich nie einem solchen Lehrer wie Ole Nydahl begegnet bin, der Buddhismus hätte sonst nur sehr kurz meinen Weg gekreuzt. Spätestens wenn ich hätte an der Tür sitzen müssen, um meine Tochter "davonzutragen" wenn sie auch nur einen Laut von sich gab, wäre für mich das Thema beendet gewesen.

Möge der Zweig von Ole Nydahl aussterben, dass ist sicherlich nicht böse von mir wenn ich das sage, denn es ist ja ganz in seinem Interesse.

Mich kann dieser Mann mal und NEIN ich habe Null Respekt vor so einem Kinderverachtenden Idioten.

So und nun tief einatmen...
OM...

Ich werde jetzt meine Tochter umarmen und den Kerl vergessen...

Ich wünsche euch noch einen guten Abend
In dem Sinne..


Kinder sind die wahren Buddhisten... das wusste schon Thich Nhat Hanh.

Eure Andarnil








Bildquelle: https://dhammadana.fr/de/3nonnen.htm

Interviews mit Guru Lama Nydahl:
http://www.lama-ole-nydahl.de/fragen/?tag=kinder
http://www.buddhismus-heute.de/archive.issue__45.position__0.de.html

Dienstag, 6. September 2016

Unser Schulsystem - Gedanken


Ich habe mittlerweile viele Diskussion von Schulgegnern und Schulbefürwortern mitverfolgt.
Und immer wieder begegnen mir drei Totschlargargumente zum Thema, in einer Endlosschleife:

"Das Leben ist kein Ponyhof" und "Mir hat Schule auch nicht geschadet" und das dritte: "Kinder aus anderen Ländern würden sich freuen, wenn sie zur Schule könnten".


 "Das Leben ist kein Ponyhof/Wunschkonzert usw"

- die Schröders (Punkband) gehören geschüttelt - dieses Zitat bedeutet im Klartext das das Leben hart und rau ist. Eltern die so argumentieren bedenken nicht, dass ein Kind den Übergang der Schwangerschaft zur Geburt als unangenehm empfindet. Damit geht es los, der Übergang vom Baby, zum Schulkind ist mit vielen Unwohlsein Zeiten verbunden, das Kind zahnt, Es verliert die ersten Zähne, es entdeckt sein eigenes ICH, es möchte Dinge tun die es nicht kann. Es fängt an sich und die Welt zu hinterfragen. Diese Zeit ist alles andere als einfach, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Und dann kommt der Kindergarten, das erste Abnabeln. Die ersten schmerzhaften Abschiede und das Gefühl Mama kommt vielleicht nie wieder. Kinder lernen hier schon das sie etwas machen müssen, was Eltern von ihnen erwarten, sie müssen aufhören zu weinen, sie müssen sich anpassen... Und dann kommt die Schule. Und von einem Moment zum Anderen wird das Kindsein zum richtigen Problem. Ich frag mich dann immer: Wollen Eltern dass ihre Kinder gleich nach der Geburt erfahren wie schmerzhaft das Leben sein kann? - Das Leben ist kein Ponyhof... ja aber muss man noch einen Draufsetzen, indem man sein Kind quält? Wenn man unser heutiges Schulsystem betrachtet dann ist es ein Pflichtprogramm das alle Kinder gleich unterrichtet werden, sie müssen schnell sein, sie müssen konzentriert sein, sie müssen sich anpassen. Ihre eigene Individualität können sie höchstens 3 Stunden am Tag ausleben - wenn die Schule beendet ist und die Stunden vorbei sind, an denen man an den Hausaufgaben sitzt.
Der Rest des Tages wird jedoch genauso Reglementiert, statt wirklich zu leben und Dinge zu tun, die Spaß machen, haben die meisten Kinder noch ein Pflichtprogramm zu erfüllen: Sport und Vereine, Kindergeburtstage. Ihnen muss das Ganze Spaß machen, sonst werden sie ja psychisch krank. Stellt euch doch einfach mal vor, ihr kommt von der Arbeit nachhause und müsst noch Hausaufgaben machen und danach müsst ihr in den Sportverein (von nichts kommt nicht, sagt mir mal eine Mutter). Und hin und wieder macht ihr Termine aus - wenns passt - um mit anderen Erwachsenen was zu unternehmen. Das ist das Leben unserer Kinder. Ist das toll? Nein ihr Leben ist kein Ponyhof... ja so ist es. Aber wir können eine Menge tun, das sie es trotzdem schön finden. Eine Kindheit ist so unglaublich kurz, lasst sie doch einfach diese Zeit genießen. Es sind doch nur ein paar Jahre.


Totschlagargument zwei: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet"

Wo ist der Spiegel der Wahrheit? Muss es denn erst zum "Schaden" kommen, damit Eltern mal genau hinschauen wie es ihren Kindern geht? Und vielleicht ist ja das Kind ein ganz anderer Mensch, als sie selbst, Was ist mit den Kindern die sich versuchen aus dem System von Schule, Hausaufgaben und sonstigen Verpflichtungen zu winden? Heute weiß man das Burn Out bereits eine anerkannte Psychische Erkrankung bei Schulkindern ist. Aber das ist es nicht alleine, gehen wir mal die ganzen Krankheiten durch, die durch den Druck in Schule und Elternhaus auftreten:
An erster Stelle: Depressionen, Burn Out, Selbstmordgefährdung, Angst, Panik, Verweigerung, ADS, ADHS, Unangepasstes Handeln, Selbstverletzung. Psychosomatische Beschwerden (wie bei meiner Tochter Bauchschmerzen, Kopfschmerzen) usw. Diese Liste ist endlos lang und wird einfach von Seiten der Erwachsenen ignoriert.
Wenn man sich heute betrachtet das viele Erwachsene unter Leistungsdruck zusammenbrechen, dass Burn Out zur Normalität geworden ist, dann frag ich mich allen ernstes wie jemand noch sagen kann: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet!" Seid ihr euch da sicher, liebe Eltern?

Nr 3 der Argumentenskala: "In anderen Ländern..."

Ja nach anderen Ländern wird gerne geschaut um auf hiesigen Missstände hinzuweisen, oder auf dortige. Es ist immer fein Vergleiche zu ziehen die letztendlich hinken. In anderen Ländern wird fast nur Reis gegessen und hier ... - und nun, das eine rausholen und das andere ignorieren? Wie ist es mit rohen Fleisch und Fisch in Asien, dort ist es normal. Oder wie ist es mit frisch gebratenen Hund...
Man kann andere Länder nicht mit Deutschland vergleichen, das ist unmöglich, da es riesige gesellschaftliche, kulturelle und politische Unterschiede gibt.
Natürlich würden Kinder gerne zur Schule gehen, wenn es als Alternative nur die Feldarbeit, Fabrikarbeit, oder die Prostitution gibt.

Nach all den Diskussionen habe ich mich ernsthaft gefragt ob Eltern sich nicht vorstellen können oder wollen, das ihre Kinder zwar die Gene ihrer Eltern besitzen, aber dennoch individuelle Wesen sind. Kinder können von ihrem Wesen her vollkommen unterschiedlich zu ihren Eltern sein. Sie haben eigene Vorstellungen, Wünsche und Sorgen. Kein Mensch gleicht dem Anderen. Manchmal denke ich, es ist Eltern vollkommen egal ob einige ihrer Kinder unter dem Schulsystem leiden, solange sie funktionieren, sich anpassen wird das hingenommen.

Was mich schockt ist, dass die Erwachsenen in diesen Diskussionen nicht merken wie sehr sie bereits Instrumentalisiert sind, nach einem bestimmten System zu leben. Eigene Vorstellungen, Gedanken und Gefühl werden unterdrückt und statt dessen wird darauf geachtet sich einer Norm anzupassen und genau das gleiche wird von den eigenen Kindern erwartet.
Bei all diesen Diskussionen ging es letztendlich um den Willen und der Erwartung der Eltern. Andere Vorstellungen von Schule und Erziehung wurden belächelt oder angegriffen.
Erziehung stand unter einem besonderen Deckmantel des moralischen Schutzes. Wehe man schrieb: Das man das Kind nicht erzieht, weil man es nicht einengen und instrumentalisieren möchte, und schon war mal Asozial oder gehörte zur Antiautoritären Elite.
Für mich sind diese Arten von Diskussionen nicht fruchtbar, weil Eltern sich sehr schnell angegriffen fühlen, wenn man ihnen bewusst macht, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.

Man muss nicht gleich sein Kind zuhause unterrichten, es reicht auch, wenn man Alternativen findet, die auf die Individualität unserer kleinen Mitmenschen eingehen. Die Waldorfschule ist sehr praktisch ausgerichtet, hier haben die Kinder noch die Möglichkeit eigene Lösungswege zu finden, sich auszuprobieren mit unterschiedlichen Werkstoffen, statt blinder Gehorsam wird auf ein familiäres Umfeld geachtet (auf diese Schule geht meine Tochter) und ich finde es absolut hervorragend gelöst, dass auch für Eltern mit einem geringen Einkommen einen Lösung gefunden wird.
Noch besser finde ich die freien Schulen die dem Kind die Möglichkeit überlassen, aus eigenem Antrieb zu lernen und zu entdecken.
Mit dem Thema Unschooling habe ich mich noch nicht so intensiv beschäftigt aber auch das ist eine Möglichkeit um dem Kind die Welt näher zu bringen, ohne starren Schulrhythmus. Wichtig ist bei all dem dass Eltern zu Beobachter werden, dass sie sich Zeit nehmen um auf die Belange ihrer Kinder einzugehen.

Nach diesen Diskussionen tun mir die Kinder leid die in dieser Welt aufwachsen, ich habe tiefes Mitgefühl für ihre Nöte und Sorgen und ich finde es schade, dass Erwachsene nicht einfach mal über den Tellerand blicken und das wahrnehmen was ist, statt sich mit dem zu beschäftigen was sein könnte (Mein Kind muss Abi machen, damit es einen guten Beruf lernt...).

In diesem Sinne wiederhole ich mich gerne, wenn ich Khalil Gibrans Gedicht nutze um mich zu verabschieden:


Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931


Namasté und alles liebe von eurer Andarnil

Samstag, 20. Februar 2016

Tagebuch: Reichtum


Die letzten Wochen waren voller Polaritäten:
Dinge die mir aufgefallen sind, Dinge die passiert sind, Veränderungen unaufhaltsam die mich vorwärts tragen, ohne das ich etwas dafür oder dagegen tun kann - es tut für mich.

Wir werden unseren Hof verlieren und auch wenn ich immer noch nicht die Einzelheiten öffentlich preis geben kann, so doch das - denn es belastet uns sehr. 
Die letzten Wochen waren nervenaufreibend und zu der Trauer die da ist, ist auch ein Gefühl von Abschied gekommen, das - ähnlich wie es Hesse in meinem Lieblingsgedicht (Stufen) beschreibt - auch ein Gefühl von Hoffnung bereit hält. 
Es ist ein Auf und Ab voller Klarheiten - ich bin der Kontrolle beraubt, die mir einst Sicherheit gab - Kontrolle über mein eigenes ICH - das es nun nicht mehr gibt. - Nie gab.

Diese Kontrolllosigkeit hat vieles in Gang gebracht, unter anderem die Erkenntnis das es so etwas wie einen finanziellen Reichtum nicht gibt. Wir schwimmen alle auf einen Sack voller Papier, das von Bäumen abstammt, das jederzeit verbrennen kann, verschimmeln kann, sich im Wasser auflösen kann, verschwinden kann, wie eine Seifenblase die durch den Wind zum platzen gebracht wird. 
Finanzieller Reichtum ist eine absolute Illusion und nur der der einmal arm war, wird darüber lächeln können, wenn er sein letztes Brot an die Ratten verfüttert - Was bin ich dankbar, das ich einst arm war, denn ich kann darüber lächeln und mich darüber freuen, das es den Ratten schmeckt. 

Nach zwei ganz unterschiedlichen Telefonaten habe ich festgestellt wie unterschiedlich Reichtum definiert wird.
Für die einen bedeutet es, Golf zu spielen, oder in der größten Therme Deutschlands einen Wellnesstag zu feiern. Oder in einem Schloss zu frühstücken. Für mich bedeutet Reichtum:

Morgens aufzuwachen und den Menschen den ich liebe neben mir atmen zu hören.
Reichtum bedeutet für mich, das Lachen meiner Tochter zu hören, oder ihr Gemotze kurz bevor sie zur Schule muss.
Reichtum bedeutet für mich, das Wort Liebe, das ich seit 18 Jahren täglich höre und in den Augen meiner Frau sehe.
Reichtum bedeutet zu fühlen und zu erfahren, dass es Menschen gibt, die an meinem Leben teilnehmen - die ich teils noch nie in Wirklichkeit gesehen habe. Reichtum heißt in den Augen eines Tieres die Wunder zu sehen, wenn es das erste mal in Freiheit ist und über die Wiesen und Felder läuft. Reichtum heißt für mich, den Tau auf meiner Haut zu fühlen, nach einer Sommernacht. Es heißt warme Füße zu haben weil meine Frau sie mir mit ihren Füßen wärmt - oder kalte Füße zu bekommen, weil ich ihre kalten Füßen wärme. Reichtum heißt zu dritt im Badezimmer zu sein, das so eng ist, das man sich eigentlich nicht mehr bewegen kann und trotzdem zu lachen und zu quatschen obwohl eine von uns auf Toilette sitzt. Reichtum heißt für mich Intimität und Zuneigung, ein Gefühl von Geborgenheit, das Gefühl mit dem Rücken vor jemanden zu stehen und sich einfach nach hinten fallen zu lassen - mit dem Wissen, man wird aufgefangen. Reichtum heißt neben jemanden zu liegen der Weint, weil er traurig ist und neben jemanden zu sitzen, der krank ist und dem Rotze aus der Nase läuft. Reichtum heißt wenn mein Kind sich weh getan hat und zu mir läuft, weil es mich noch braucht und sich an mich schmiegt und wir gemeinsam einen Film ansehen. Reichtum heißt ehrlich antworten zu können, wenn jemand fragt wie es mir geht und zu wissen, das er es wirklich wissen will. Reichtum heißt das Gefühl in sich zu tragen, das Geld nur aus Papier oder Metall besteht und das es viel schöner ist, etwas zu tauschen oder zu verschenken was man nicht mehr braucht. Reichtum heißt für mich Menschen zu kennen die Katzenfutter für Tiere spenden die sie gar nicht kennen oder einfach alles stehen und liegen lassen, weil wir uns gerade scheiße fühlen - obwohl sie 24 Std. durchgearbeitet haben und eigentlich nur noch schlafen wollen. Reichtum heißt zu wissen das es einen Platz gibt, an dem ich Schlafen kann, immer und egal um wieviel Uhr und Reichtum heißt im inneren zu fühlen, man ist ein guter Mensch, weil man das Beste tut für sich und andere, um für andere da zu sein - damit sie den gleichen Reichtum fühlen wie ich selbst.

DANKE an meine Freunde und an meine Familie ! !  und ein sanftes und friedvolles (auch wenn die letzten Sätze in meinem Blog das nicht vermuten mögen)
Namasté an meine Leser.

Herzlichst eure Jo

PS: auch wenn ich mich hier politisch doch sehr zurück halte: Reichtum bedeutet für mich auch: kein "besorgter Bürger" zu sein, bzw. niemals ein "besorgter Bürger" zu werden.
Es sollten sich die Menschen schämen, die vor einem Bus stehen und Kindern angst machen, die hier her kamen voller Hoffnung und alles was ihnen begegnet, sind Augen voller Hass... Leider bleiben solche Nachrichten nicht vor mir stehen. Und auch wenn so manch eine Halbwahrheit in den Berichterstattungen steckt... Videomaterial zeigt zwar nur eine Momentaufnahme, aber der eine Moment voller ängstlicher Kinder hat mir für den Rest des Monats gereicht. Ich fühle mich ins Mittelalter versetzt...

Freitag, 31. Januar 2014

Heilig Unhei(m)lig angepisst!



In den letzten Tagen habe ich vermehrte Diskussionen mitverfolgt zum Thema Heilig. Dabei spielten Religionen erst mal eine untergeordnete Rolle.
Es ging um Heilige, Gurus, Menschen allesamt, die allesamt von anderen Menschen heilig gesprochen wurden. Die letzte Diskussion handelte von Kamala Reddy (Mutter Meera, ich schrieb bereits schon einmal von ihr).

Ich reagiere mittlerweile gereizt wenn ich damit konfrontiert werde und möchte hier in aller Form offen legen, das ich mich davon distanzieren möchte, was als "Heilig" oder "Göttlich" bezeichnet wird. Ich finde menschliche Taten als absolut Unheilig. Es gibt nichts und niemanden der "Sünden" bereinigen kann, kein Gebet hilft wenn du Scheiße gebaut hast. Die einzige Möglichkeit die man hat, ist dazu stehen und sich dem Stellen, manchmal hilft es sich zu entschuldigen. Aber meistens ist es zu spät.

Der Mensch erhofft sich mit einem Vater Unser den Qualen der Hölle zu ergehen, auch eine tolle Erfindung um dem Schuldprinzip immer gegenüber zu stehen und sich selbst als ewiger Sünder zu bekennen.
Interessanterweise sind einige westliche Buddhisten der gleichen Meinung.

In einem Video der Shamadi Sangha Berlin zum Thema Himmel und Hölle heißt es z.B. Zitat: " wir sollten versuchen nicht in die niederen Bereiche hinabzusteigen, sozusagen in den niederen Bereich wiedergeboren zu werden..."
Und dann:
"Der Buddha erklärt ganz klar, dass diese Bereiche tatsächliche Orte sind. ... das sind tatsächliche Orte wo man wiedergeboren wird, nach dem Tode..."
(Der Link zum Video setze ich am Ende des Textes.)

Die Interpretation von buddhistischen Texten hinterlässt bei mir so etwas wie ein leichtes kitzeln im Hals, wie beginnende Halsschmerzen oder ein leichtes Würgegefühl. Christliche, Esoterische und Buddhistische Werte werden mal kurz zusammengewürfelt und in cool inszenierten Videos wieder rausgehauen - Buddhismus in 10 Minuten!
Für den Westlich geprägten Buddhist natürlich. Bei solchen Texten weiß ich warum ich in keiner Sangha bin.

Wir haben es uns super einfach gemacht Gurus auf eine Höhe weit über unseren Köpfen zu heben, das Knien fällt den wenigsten schwer, sie knien nieder um Buße zu tun, oder um nach Heilung zu flehen.
Kritik, egal ob Sachlich oder (wie man mir im Falle von meinem Blogeintrag zu Kamala Reddy vorwarf) unsachlich - also Gefühlvoll, werden nicht geduldet.
Die Hölle ist überall und könnte an die nächste Tür klopfen, daher schnell den Kopf einziehen (nur nicht größer werden) und am besten Augen zu und Knien nicht vergessen.
Mich kotzt dieses Unheilige "Heiligmachen" von Menschen die doch nur ihr Ego aufpolieren, heftigst an.
Mir ist bewusst, das ich mich jetzt ins Fadenkreuz derer setze die nur auf so einer lesbischen "Höllenfürstin" wie mich gewartet haben.
Jemanden der all das was von Kirche, Esoterischen Gruppierungen und Sektierern aufgebaut wurde, niedermetzelt und in Frage stellt.
Ich schrieb unter meiner Kritik zu meiner Kritik ( ;) ) wer mit meiner unbequemen Art nicht umgehen kann, sollte mich meiden und das meine ich Wörtlich.

Offiziell bekenne ich mich hiemit zu KEINER Heiligkeit, egal ob sie nun Papst oder Dalai Lama heißt,
Die Welt braucht nicht noch mehr Gurus, die Welt hat bereits genug von diesen Menschgemachten Unsterblichen.
Genauso wenig bekenne ich mich zu Sanktionierern (sollte es das Wort noch nicht geben, sollte man es schnellst möglich in die Duden setzen), die nichts besseres zu tun haben, als "alte Werte" aufrecht zu erhalten. So wie z.B. in einem Artikel,  ein Bischof meinte: "Homos müssten wie Kinder gezüchtigt werden!"

Hallo in welcher Welt leben wir? Dürfen sich Bischöfe über das Gesetz stellen und Kinder schlagen? Allein das Wort: "Züchtigen" treibt mir die Spucke aus dem Mund.
Interessanterweise ist diese Betrachtung wohl nicht neu, der nächste Artikel ist auch nicht viel besser:
"Kinder schlagen im Namen Gottes".
Wir schreiben das Jahr 2014, gut der letztere Artikel ist von 2011 - ich wiederhole: zweitausendelf!!!

Nein es handelt sich hier nicht um eine Sekte, die Kindesmisshandlung betreibt, sondern um Christen. Leute die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihre Schäfchen zu zählen.
Und Nein ich bin jetzt nicht polemisch, die Artikel kann man beide nachlesen. Man kann sich sogar Bücher zu diesem Tränentreibenden Thema bestellen.
Bücher mit dem Titel: "Eltern Hirten der Herzen" oder "Kinderherzen lehren"
Mal ganz im Ernst mit der größten Schnodderschnauze die ich gerade aufbieten kann:
Leute seid ihr noch ganz dicht?

Gurus die so viel gutes tun - ja was denn um alles in der Welt? Was tun sie denn schon, außer Menschen manipulieren und sie knien lassen und ihnen erzählen wie die Welt funktioniert, dabei die Hände aufhalten und Shirts mit dem eigenen Namen verkaufen.
Und Bischöfe die meinen sie müssten zur Gewalt aufrufen, gegen Homosexuelle und Kinder.
Es erschreckt mich zu tiefst. Ich finde das ganze so was von widerlich und pervers. Ich distanziere  mich von all dem und ja... ich bin gerade so was von geladen.

Mensch wach endlich auf...

Ach und weil wir gerade dabei sind:
Ich habe keinen Bock auf Leute die mich anrufen und fragen wie es  mir geht und dann wieder auflegen, weil sie keine Zeit haben die Antwort zu hören!!

Freude, Friede und Kuchen ohne Ei ist heut nicht!
Es kotzt mich an und wenn das wo weiter geht, hat Facebook und Co mich von hinten gesehen!!

Grüße von einer die gerade Unheimelig drauf ist!
Jo -  ohne Namasté, da müsste ich mich nämlich verneigen und darauf habe ich gerade keinen Bock!!



Quellen
Video Shamadi Sangha Berlin:
http://www.youtube.com/watch?v=od1J7nkDAt4

http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Sanktion
Artikel: http://www.queer.de/detail.php?article_id=20934
Artikel: http://www.ndr.de/regional/zucht101.html
Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Heilig von mir etwas abgeändert. Wer ein Problem damit hat, kann sich ja melden ;)