Mantra Musik
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Sonntag, 21. Mai 2017
Tagebuch - Kapitel beendet
Tagebuch - Kapitel beendet.
Wie fühlt es sich an, wenn die Menschen alle gestorben sind, die mir Leid antaten?
Ich war selbst überrascht über meine Gefühle. Es kam keine Erleichterung, ich habe sogar anders reagiert als bei dem Tod meines Vaters, damals hab ich total hysterisch gelacht und konnte nicht mehr aufhören, heute habe ich im Auto gesessen und mir kamen die Tränen.
Meine Nichte sagte: "Nun sind endlich alle Teufel tot".
In dem Moment als die Tränen kamen, weinte ich nicht um sie, ich weinte darum nicht traurig sein zu können und das hat mich traurig gemacht.
Die Frau die mich geboren hat ist tot. Ich denke mir, eigentlich müsste ich... ja was?
Feiern, lachen, ausgelassen tanzen. Nichts davon ist in mir.
Ich glaube mehr hass als meine Mutter mir entgegen brachte, kann man nicht hassen und doch kann ich mir vorstellen, dass irgendwas in ihr auch zum Lieben bereit war, hätte sie es irgendwie in sich aktiviert - jeder Mensch kann lieben, denke ich.
Zu ihrer Beerdigung wird kaum jemand erscheinen, zumindest nicht ihre Kinder. Als ich meine Nichte frage wie es meiner Schwester geht, meinte sie nur: "Sie ist froh, dass sie weg ist!"
Wie heftig, sie hat mindestens 7 Kinder geboren und ist einsam gestorben. Wenn man überlegt, dass es noch Enkelkinder und Ur-Enkel gab, wenn man überlegt das alle nun aufatmen, weil jemand tot ist, der nur Leid und Hass säte, dann ist das wirklich schlimm.
Ich suche mir genau solche Gedanken um ein letztes Mal Mitgefühl für ihre Seele zu empfinden, das hilft mir auf meinem Wege. Wie merkwürdig, ich war die erste aus dieser Familie und ich war die sie töten wollte und ich bin vielleicht die einzige die noch dazu bereit ist und in der Lage ist, irgendetwas gutes zu empfinden.
Nun bin ich das was man wohl Weise nennt, etwas das ich schon immer war.
Als Jugendliche hab ich mal gebrüllt: "Kein Mensch wird um euch weinen wenn ihr stirbt!"
Die Träne heute gehört ihr...
Aber ich weine nicht um sie, sondern um mich. Ich gestatte mir heute Mitgefühl für mich selbst zu haben, weil diese Frau mich töten wollte, mir ihren Hass entgegen schrie, mich festgehalten hat, als man mich misshandelte und vergewaltigte. Mich an Männer verkauft hat und sich umdrehte und ging als ich eine Mutter am meisten gebraucht habe.
Ich weine die Träne um eine Mutter die sie nie war. Und darum was ihr alles entgangen ist, die Liebe die ein Kind einer Mutter entgegenbringt ist so unendlich groß, ich erlebe es an meiner Tochter, die mich manchmal vergöttert und mir kleine Liebesbotschaften schreibt.
Meine Mutter hat solche Botschaften von keinem ihrer Kinder erhalten.
Wie gerne hätte ich sie so geliebt wie meine Tochter mich liebt.
Darum weine ich.
Meine letzte Träne gehört meinen Geschwistern und meinen Nichten und Neffen, die genauso wenig eine Mutter, eine Oma oder eine Ur-Oma hatten. Manche werden gar nicht erfahren, dass es diese Frau nicht mehr gibt. Viele werden aufatmen, vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen der feiert. Aber ich denke die meisten werden sich irgendwie wegschießen mit Alkohol oder Drogen.
Meine Nichte sagte: "Ich zünde dem Teufel keine Kerze an!"
Ich bin so froh, dass es dieses Mädchen gibt. Ich hab sie sehr lieb.
Ich werde auch keine Kerze anzünden. Meine letzte Träne ist versiegt.
Bild: das Haus in dem ich aufwuchs.
Dienstag, 6. September 2016
Unser Schulsystem - Gedanken

Ich habe mittlerweile viele Diskussion von Schulgegnern und Schulbefürwortern mitverfolgt.
Und immer wieder begegnen mir drei Totschlargargumente zum Thema, in einer Endlosschleife:
"Das Leben ist kein Ponyhof" und "Mir hat Schule auch nicht geschadet" und das dritte: "Kinder aus anderen Ländern würden sich freuen, wenn sie zur Schule könnten".
"Das Leben ist kein Ponyhof/Wunschkonzert usw"
- die Schröders (Punkband) gehören geschüttelt - dieses Zitat bedeutet im Klartext das das Leben hart und rau ist. Eltern die so argumentieren bedenken nicht, dass ein Kind den Übergang der Schwangerschaft zur Geburt als unangenehm empfindet. Damit geht es los, der Übergang vom Baby, zum Schulkind ist mit vielen Unwohlsein Zeiten verbunden, das Kind zahnt, Es verliert die ersten Zähne, es entdeckt sein eigenes ICH, es möchte Dinge tun die es nicht kann. Es fängt an sich und die Welt zu hinterfragen. Diese Zeit ist alles andere als einfach, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Und dann kommt der Kindergarten, das erste Abnabeln. Die ersten schmerzhaften Abschiede und das Gefühl Mama kommt vielleicht nie wieder. Kinder lernen hier schon das sie etwas machen müssen, was Eltern von ihnen erwarten, sie müssen aufhören zu weinen, sie müssen sich anpassen... Und dann kommt die Schule. Und von einem Moment zum Anderen wird das Kindsein zum richtigen Problem. Ich frag mich dann immer: Wollen Eltern dass ihre Kinder gleich nach der Geburt erfahren wie schmerzhaft das Leben sein kann? - Das Leben ist kein Ponyhof... ja aber muss man noch einen Draufsetzen, indem man sein Kind quält? Wenn man unser heutiges Schulsystem betrachtet dann ist es ein Pflichtprogramm das alle Kinder gleich unterrichtet werden, sie müssen schnell sein, sie müssen konzentriert sein, sie müssen sich anpassen. Ihre eigene Individualität können sie höchstens 3 Stunden am Tag ausleben - wenn die Schule beendet ist und die Stunden vorbei sind, an denen man an den Hausaufgaben sitzt.
Der Rest des Tages wird jedoch genauso Reglementiert, statt wirklich zu leben und Dinge zu tun, die Spaß machen, haben die meisten Kinder noch ein Pflichtprogramm zu erfüllen: Sport und Vereine, Kindergeburtstage. Ihnen muss das Ganze Spaß machen, sonst werden sie ja psychisch krank. Stellt euch doch einfach mal vor, ihr kommt von der Arbeit nachhause und müsst noch Hausaufgaben machen und danach müsst ihr in den Sportverein (von nichts kommt nicht, sagt mir mal eine Mutter). Und hin und wieder macht ihr Termine aus - wenns passt - um mit anderen Erwachsenen was zu unternehmen. Das ist das Leben unserer Kinder. Ist das toll? Nein ihr Leben ist kein Ponyhof... ja so ist es. Aber wir können eine Menge tun, das sie es trotzdem schön finden. Eine Kindheit ist so unglaublich kurz, lasst sie doch einfach diese Zeit genießen. Es sind doch nur ein paar Jahre.
Totschlagargument zwei: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet"
Wo ist der Spiegel der Wahrheit? Muss es denn erst zum "Schaden" kommen, damit Eltern mal genau hinschauen wie es ihren Kindern geht? Und vielleicht ist ja das Kind ein ganz anderer Mensch, als sie selbst, Was ist mit den Kindern die sich versuchen aus dem System von Schule, Hausaufgaben und sonstigen Verpflichtungen zu winden? Heute weiß man das Burn Out bereits eine anerkannte Psychische Erkrankung bei Schulkindern ist. Aber das ist es nicht alleine, gehen wir mal die ganzen Krankheiten durch, die durch den Druck in Schule und Elternhaus auftreten:
An erster Stelle: Depressionen, Burn Out, Selbstmordgefährdung, Angst, Panik, Verweigerung, ADS, ADHS, Unangepasstes Handeln, Selbstverletzung. Psychosomatische Beschwerden (wie bei meiner Tochter Bauchschmerzen, Kopfschmerzen) usw. Diese Liste ist endlos lang und wird einfach von Seiten der Erwachsenen ignoriert.
Wenn man sich heute betrachtet das viele Erwachsene unter Leistungsdruck zusammenbrechen, dass Burn Out zur Normalität geworden ist, dann frag ich mich allen ernstes wie jemand noch sagen kann: "Mir hat die Schule auch nicht geschadet!" Seid ihr euch da sicher, liebe Eltern?
Nr 3 der Argumentenskala: "In anderen Ländern..."
Ja nach anderen Ländern wird gerne geschaut um auf hiesigen Missstände hinzuweisen, oder auf dortige. Es ist immer fein Vergleiche zu ziehen die letztendlich hinken. In anderen Ländern wird fast nur Reis gegessen und hier ... - und nun, das eine rausholen und das andere ignorieren? Wie ist es mit rohen Fleisch und Fisch in Asien, dort ist es normal. Oder wie ist es mit frisch gebratenen Hund...
Man kann andere Länder nicht mit Deutschland vergleichen, das ist unmöglich, da es riesige gesellschaftliche, kulturelle und politische Unterschiede gibt.
Natürlich würden Kinder gerne zur Schule gehen, wenn es als Alternative nur die Feldarbeit, Fabrikarbeit, oder die Prostitution gibt.
Nach all den Diskussionen habe ich mich ernsthaft gefragt ob Eltern sich nicht vorstellen können oder wollen, das ihre Kinder zwar die Gene ihrer Eltern besitzen, aber dennoch individuelle Wesen sind. Kinder können von ihrem Wesen her vollkommen unterschiedlich zu ihren Eltern sein. Sie haben eigene Vorstellungen, Wünsche und Sorgen. Kein Mensch gleicht dem Anderen. Manchmal denke ich, es ist Eltern vollkommen egal ob einige ihrer Kinder unter dem Schulsystem leiden, solange sie funktionieren, sich anpassen wird das hingenommen.
Was mich schockt ist, dass die Erwachsenen in diesen Diskussionen nicht merken wie sehr sie bereits Instrumentalisiert sind, nach einem bestimmten System zu leben. Eigene Vorstellungen, Gedanken und Gefühl werden unterdrückt und statt dessen wird darauf geachtet sich einer Norm anzupassen und genau das gleiche wird von den eigenen Kindern erwartet.
Bei all diesen Diskussionen ging es letztendlich um den Willen und der Erwartung der Eltern. Andere Vorstellungen von Schule und Erziehung wurden belächelt oder angegriffen.
Erziehung stand unter einem besonderen Deckmantel des moralischen Schutzes. Wehe man schrieb: Das man das Kind nicht erzieht, weil man es nicht einengen und instrumentalisieren möchte, und schon war mal Asozial oder gehörte zur Antiautoritären Elite.
Für mich sind diese Arten von Diskussionen nicht fruchtbar, weil Eltern sich sehr schnell angegriffen fühlen, wenn man ihnen bewusst macht, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.
Man muss nicht gleich sein Kind zuhause unterrichten, es reicht auch, wenn man Alternativen findet, die auf die Individualität unserer kleinen Mitmenschen eingehen. Die Waldorfschule ist sehr praktisch ausgerichtet, hier haben die Kinder noch die Möglichkeit eigene Lösungswege zu finden, sich auszuprobieren mit unterschiedlichen Werkstoffen, statt blinder Gehorsam wird auf ein familiäres Umfeld geachtet (auf diese Schule geht meine Tochter) und ich finde es absolut hervorragend gelöst, dass auch für Eltern mit einem geringen Einkommen einen Lösung gefunden wird.
Noch besser finde ich die freien Schulen die dem Kind die Möglichkeit überlassen, aus eigenem Antrieb zu lernen und zu entdecken.
Mit dem Thema Unschooling habe ich mich noch nicht so intensiv beschäftigt aber auch das ist eine Möglichkeit um dem Kind die Welt näher zu bringen, ohne starren Schulrhythmus. Wichtig ist bei all dem dass Eltern zu Beobachter werden, dass sie sich Zeit nehmen um auf die Belange ihrer Kinder einzugehen.
Nach diesen Diskussionen tun mir die Kinder leid die in dieser Welt aufwachsen, ich habe tiefes Mitgefühl für ihre Nöte und Sorgen und ich finde es schade, dass Erwachsene nicht einfach mal über den Tellerand blicken und das wahrnehmen was ist, statt sich mit dem zu beschäftigen was sein könnte (Mein Kind muss Abi machen, damit es einen guten Beruf lernt...).
In diesem Sinne wiederhole ich mich gerne, wenn ich Khalil Gibrans Gedicht nutze um mich zu verabschieden:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931
Namasté und alles liebe von eurer Andarnil
Samstag, 1. August 2015
Tagebuch: Mein buddhistischer Weg - Vogelfrei!
Ich habe mich sehr früh für Religionen interessiert, bereits als 12 Jährige hatte ich alle großen Religionen durchforst, allerdings nur die Abendländischen Religionen, inklusive des Hindusimus. Und trotzdem war keine darunter, die mein Herz erreichte. Die konservativen Ansichten haben mich abgeschreckt, die Geschichte zu den Anfängen der Religionen erst recht. Was ich suchte war der Frieden. Ich suchte eine Religion die wirklich friedvoll war, ohne Mord und Totschlag und ohne Absolutionsgedanken. Später wurde mir bewusst, dass ich nicht nur den Frieden, sondern auch die Freiheit suchte. Ich denke als Mensch der sehr viel persönlichen Krieg erlebt hat, haben mich gerade diese zwei Richtungen angezogen: Freiheit und Frieden. Die Freiheit zu wählen, zu kritisieren, sich seine eigene Meinung bilden und den eigenen Weg zu finden. Ohne Zwang. Den Frieden im Praktizieren, im Erkennen von Zusammenhängen.
Das hat mich fasziniert. Ich war mitte Zwanzig als ich das erste Mal vom Buddhismus hörte. Ich hatte eine Freundin, die sehr spirituell war und eine ihrer besten Freundinnen war Buddhistin. Dadurch erlangte ich einen ersten Einblick in den Buddhismus - ihre Praxis (Tibetischer Buddhismus) gefiel mir nicht sonderlich, aber das was sie zum Thema Buddhismus zu erzählen hatte faszinierte mich.
Ich fing an Bücher zum Thema zu lesen, besuchte Zentren, unterhielt mich mit Mönchen und fand alles sehr nah und doch distanziert. So richtig Kontakt bekam ich zu den Leuten nicht. Was sicherlich auch an mir lag. Ich bin zu indiskret, zu direkt und zu ehrlich in meinen Fragen. Ich habe kein Benehmen (das weiß ich, möchte es aber auch nicht ändern. Ich fühle mich in mir sehr autharg mit meiner kompromisslosen Ehrlichkeit), ich wusste nicht wie man sich mit Mönchen unterhielt und ich habe mit Sicherheit etliche Etiketten ignoriert.
Dann kam ich ins Forum Buddhaland, als Neuling war das mein erster direkter Weg mit nicht Ordinierten und ich war entsetzt. Bis dahin dachte ich noch alle Buddhisten sind friedvoll. Im Buddhaland wurde mir Bewusst, das ein Mensch immer die Entscheidung hat, ob er friedvoll sein möchte oder nicht, egal ob er sich Christ oder Buddhist nennt. Friedvoll ist eine Entscheidung die wir in uns tragen, ein Ja oder ein Nein.
Im Buddhaland wurde ich oft angegriffen, die Leute fanden ich stellte zu viele Fragen und gab mich nicht mit Zitaten aus dem Palikanon zufrieden, ich wollte IHRE Meinung zum Thema hören, ich wollte in die Tiefe eintauchen und wurde regelmässig an die Oberfläche katapultiert. Ich verließ das Buddhaland, doch ein Moderator hatte wohl anfangs großes Mitgefühl, er schrieb mich über EMail an und daraus entstand eine wundervolle Freundschaft.
2009 entschied ich mich dann die Zuflucht zu nehmen. Das war eine wirklich wichtige und große Entscheidung. Die für mich nachhaltige Wirkung hat. Ich begriff das ich schon immer Buddhistin bin, das was ich mittlerweile gelernt habe, was einen Buddhistischen Namen trägt, ist bereits seit ewigen Zeiten Bestandteil meines Lebens. Bereits als Kind habe ich meditiert, ohne zu wissen was Meditation bedeutet. Es ist nicht schwer für mich, den Geist zu leeren, was sicherlich an dieser Jahrelangen Technik liegt. Als Kind war es Lebenswichtig für mich mich innerlich Ruhig zu halten. Meine Panik und Angst zu beruhigen, ich musste erkennen können, wenn Gefahr droht, daher war Achtsamkeit gepaart mit Aufmerksamkeit für mich Notwendig. Ich hatte oft Phasen da dauerte die Meditation mehrere Stunden, trotz Lautstärke konnte ich meinen Geist auf mich selbst konzentrieren, auf meinem Atem, meinen Herzschlag. Für meine Aussenwelt war ich in dieser Zeit nicht erreichbar, ich war wie eine Autistin deren Welt im Inneren stattfand. Heute denke ich, das diese Art des Abschaltens mich vor weiteren Unheil geschützt hat. Wenn ich dann wieder aus meiner Meditation auftauchte war ich ruhig und besonnen, ich konnte viel besser mit dem im Außen umgehen.
Logische Schlussfolgerungen fielen mir leichter nach einer Meditation. Ich kam besser mit der Gewalt klar, die mir täglich begegnete. Ich hatte manchmal so heftiges Herzklopfen das ich dachte mein Herz bleibt gleich stehen, immer dann sagte ich mir: "Ruhig Atmen!", ich schloss dann die Augen und konzentrierte mich aufs Atmen, dann auf mein Herz, dessen Takt sich beruhigte und wenn ich dann die Augen öffnete sah die Umgebung anders aus, klarer, ich konnte die Situation anders beurteilen, anders reagieren.
Meine ersten Erfahrungen mit dem Buddhismus - von dem ich nicht wusste, das es der Buddhismus ist - geschahen im Leid. Und als ich viele Jahrzehnte später las, das Leid allgegenwärtig ist, verstand ich um so besser das Leben.
Durch die für mich damals namenlose Religion fing ich an Leben zu wollen. Schon als Kind begriff das es das das einzige ist, worum man wirklich kämpfen muss. Um das Überleben. Alles andere ist unwichtig. Geld, Ansehen, Macht all das ist unwichtig. Wichtig ist nur das Leben selbst. Durch meine Kindheit war der Tod tagtäglicher Begleiter. Ich sah wie Tiere und Menschen starben. Ich selbst sollte Sterben. Der Tod war nichts ungewöhnliches. Er kam und ging. Als Kind dachte ich, der Tod ist eine Art Erlösung und trotzdem kämpfte ich um mein Leben, als man mich töten wollte. Während ich starb lies ich vom Leben los, dieser eine Moment wo auf einmal alles leer ist, dieser Moment ist vielleicht vergleichbar mit der Erleuchtung. Ich habe tatsächlich eine Art Tunnel gesehen und ein Licht und dann nichts mehr. Ich kann euch nicht sagen, wie lange ich tot war. Vielleicht waren es nur Sekunden, bis ich wieder lebendig wurde. Aber dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geschützt. Egal was mir danach noch passiert ist, ich kam immer mit dem Leben davon. - Weil ich im Grunde meines Herzens Überleben wollte.
Als ich sterben sollte war ich neun Jahre alt, zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon alles an Gewalt hinter mir, das ein Mensch verkraften kann. Ich wurde vergewaltigt und verkauft, körperlich und psychisch misshandelt, ich litt unter Hunger, Lieblosigkeit, Einsamkeit und Isolation.
Ich sollte sterben, weil meine Mutter es meinem Vater befohl: "Ich will das dieses Balg stirbt!" sagte sie und mein Vater wütend und alkoholisiert drückte mir die Kehle zu, während meine Mutter schwankend neben ihm stand. Meine Geschwister hatten sich ängstlich zu einer Kugel umarmt, sie weinten als mein Vater zudrückte. Es ist unglaublich schmerzhaft nicht mehr atmen zu können, der Körper schreit danach zu atmen, er wehrt sich. Im letzten Moment verändert sich die Welt um einem herum, sie verschwimmt zu einer Wabernden Masse, dann verschwindet alles. Der Blick wird zu einen Tunnelblick und dann sah ich dieses helle Licht das auf mich zukam.
Und dann war nichts mehr.
Es fehlen mir ab da Wochen oder gar Monate. Ich habe keine Ahnung was passiert ist. Ich weiß nur von einer Nachbarin die aus ihrem Fenster sah, womöglich weil sie wieder einmal aus unserem Haus kommendes Gebrüll gehört hatte. Sie sah wie mein Vater meinen leblosen Körper aus dem Fenster warf. Danach rief sie die Polizei an und einen Krankenwagen. Meine Nachbarin war über 80 als sie mir von diesem Tag erzählte, an dem sie Jahre später annahm ich sei wirklich gestorben. Es war für sie der schrecklichste Tag ihres Lebens, sie hatte große Angst, um mich wie um sich selbst. Ein direktes Eingreifen war für sie nicht möglich. Aber sie rettete mir das Leben und dafür werde ich ihr immer dankbar sein.
Meine Erinnerung setzt erst wieder im Auto einer Sozialarbeiterin ein, die mich und meine Schwester zu unseren Pflegeeltern fuhr. Was davor passiert ist, das weiß ich leider nicht mehr und leider erhielt ich keinen Einblick in meine Akte, aus Datenschutzgründen. Mein Fall ist vor vielen Jahrzehnten bereits verjährt, ich habe keine Ahnung wo die fehlenden Monate hin sind, die seit meinem Tod vergangen sind....
Der Buddhismus hat mir geholfen, dieses Erlebnis wie viele andere Erlebnisse davor und danach zu verarbeiten und vor allem zu erklären.
Es gab eine Zeit da existierte meine Kindheit und Jugend nur anhand von fehlenden Puzzlesteinen. Es war so ein Durcheinander in meinem Kopf, das Erlebte ergab oft keinen Sinn, weil mir ein Großteil einfach fehlte. Zeiten waren teilweise verschwunden. Ich konnte das Durcheinander nicht zu ordnen, was dann in der weiterführenden Schule zu einem richtig großen Problem wurde, denn ich konnte dadurch keinen Lebenslauf schreiben. Als es darum ging, hatte ich meinen ersten Zusammenbruch. Ich saß vor dem Lebenslauf und alles drehte sich in meinem Kopf zu einem einzigen Wort: NICHTS.
Da gab es nichts was ich hätte hin schreiben können, weil es in meinem Kopf nichts gab, was die Fehlenden Zeiten erklären könnte. Ein großes NICHTS.
Nach diesem Nervenzusammenbruch wurde mir bewusst, dass ich noch mal zurück zu meiner Kindheit musste, ich musste herausfinden, wo die fehlenden Zeiten sind. Ich musste herausfinden, was wirklich passiert ist.
Damals war ich noch keine Buddhistin, aber ich handelte wie eine Buddhistin.
Finde zu dir selbst - das ist der erste Weg zum Buddhismus. Im Buddhismus geht es darum sich selbst kennen zu lernen. Seine Schwächen wie Stärken zu erkennen. Im Buddhismus lernt man sich ungeschminkt zu betrachten. Ehrlich mit sich selbst umzugehen und eine Entscheidung zu treffen, die für einen selbst wie für alle Mitlebewesen friedvoll ist.
Sich selbst kennen zu lernen, ist daher Notwendig für alle weitere Weg innerhalb des Buddhismus. Denn nur so versteht man was Mitgefühl wirklich bedeutet.
Ich ging noch einmal zurück zu den Anfängen und dann weit zurück zu meinen Wurzeln. Ich erkannte Strukturen in meiner Familienchronik die sich immer wieder erneut bildeten, eine Wiederholung von Leid und ich begriff, das es wichtig ist die Wiederholung zu beenden um erneutes Leid zu verhindern. Eine Wiederholung war das Kinder missbraucht und misshandelt wurden. Sowohl meine Großmutter, die Mutter meiner Großmutter, als auch mein Vater, als auch der Vater meines Vaters, als auch meine Mutter, die Mutter meiner Mutter - wurden als Kinder schwerst misshandelt und missbraucht.
Diese Struktur zog sich durch die Geschichte meiner Familie wie ein roter Faden. Und noch immer zieht sie sich durch das Leben meiner Geschwister wie das deren Kinder.
Ich begriff das es Lebensnotwendig ist diesen Faden zu durchschneiden und auch wenn ich am Leben der restlichen Verwandschaft nichts ändern konnte, mein eigenes Leben und das meiner Familie musste befreit werden - Fadenlos - das war mein erstes Verstehen.
Ich begriff karmische Zusammenhänge anhand meines Lebens und das meiner Ursprungsfamilie.
Ich begriff das es notwenig ist, einen Faden durchzuschneiden und damit einen bestehenden Zustand zu verändern.
Ich begriff dadurch das bedingte Entstehen. Mir wurde bewusst, das ich die Chance habe mein Leben neu zu beginnen, wenn ich mich aus der bestehenden Abhängigkeit und des bestehenden Leids meiner Geschichte befreie. Als ich begriff wie verzweigt Leid in meiner Ursprungsfamilie ist, meldete sich Mitgefühl. Es war unglaublich schmerzhaft und Heilsam, weil mir bewusst wurde, wie stark verwurzelt das Thema Leid in meiner Familie vorhanden ist.
Doch manchmal geht es mir so, dass sich in mir ein großes Fragezeichen aufbaut, die Frage nach dem Warum (mir all das passiert ist) wird wohl immer in mir vorhanden sein. Gleichzeitig formt sich die Frage: Warum nur ich es geschafft habe...
Mir ist im Laufe der Zeit bewusst geworden, das es mein (Er)Leben ist und das ich nicht nicht davon ausgehen kann, das meine Ursprungsfamilie die gleichen Voraussetzungen haben wie ich, noch kann ich davon ausgehen, das sie das gleiche Empfinden haben. Ihr (Er)Leben ist ein anderes, genauso wichtiges und notwendig wie meines.
Als junge Frau hab ich mich oft über meine Familie gestellt. Ich habe die Schule beendet und studiert. Meine Intelligenz war immer wie ein erhobener Mittelfinger, ein Trotzzeichen für die Schicht aus der ich komme. Mein Leidspruch: "Egal woher du kommst du kannst dich davon befreien!" war gleichzeitig ein Kriegschrei an die Jenigen die zurück blieben.
Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, das es niemanden dient hinab zu blicken oder hinauf zu blicken. Wir werden alle nackt geboren, dass ist das was wir wirklich haben. Egal ob wir eines Tages reich oder arm sind, ob wir intelligent oder einfach gestrickt sind, wir sind nur nackt. Und niemand sieht uns an, wer wir wirklich sind, nackt sehen wir alle gleich aus.
Mittlerweile muss ich niemanden mehr sagen, wie intelligent ich bin, um meine Geschichte zu überdecken mit einem neuen Gewandt von Eitelkeiten. Heute fühl ich mich nackt und alles was ich tue, tue ich, weil ich es tun will, nicht weil ich es muss.
Ich schäme mich nicht mehr für meine Vergangenheit und ich fühle mich auch nicht mehr Schuldig daran, das ich als Einzige meiner Familie daraus hinaus gewachsen bin - weil ich es nicht bin. Vor ein paar Wochen sprach ich mit meiner kleinen Nichte, die zum zweiten Mal Mama geworden ist. Ich verfolge seit Jahren schon ihren Weg und ich sehe wie toll sie ihr Leben meistert. Ihre Kinder sind wundervoll und es spricht so viel Lieben aus ihren Worten. Das macht mir Mut das eine neue Generation aus meiner Familie entstanden ist. Vielleicht ist mit ihr und ihren Kindern der Faden endgültig verschwunden. Das macht mich sehr Glücklich und ich begreife, ich muss nichts mehr tun. Ich kann mich nun endgültig auf meine Familie konzentrieren.
Meine Vergangenheit ist Vergangen, was immer passiert ist, es ist nicht mehr wichtig.
Und doch muss ich darüber immer noch schreiben. Es gibt Nächte die mich wieder zurück bringen in eine Zeit in der ich selbst noch Kind war. In diesen Träumen wiederholen sich die Angriffe und Misshandlungen, der Schmerz und die Begegnungen mit dem Tod. Und wenn ich aufwache, erlebe ich die gleichen Symptome wie früher, Herzrasen, umglaubliche Angst, ein Gefühl Flüchten zu müssen, sterben zu müssen. Dann greife ich nach dem Lichtschalter und wiche mir die Tränen weg und dann fühle ich die Hand meiner Frau die meine Schulter berührt, sachte und voller Liebe. Und mein Atem wird ruhiger. Dieses: "Alles ist gut!" meiner Realität lässt den Traum schnell in den Hintergrund treten.
Am Tag darauf fange ich an zu schreiben, ich schreibe mir den Traum aus der Seele.
Es ist meine Art meine Vergangenheit immer wieder aufs neue zu verarbeiten, mir bewusst zu machen, das es wirklich vorbei ist. Die bösen Geister von Damals sind schon lange nicht mehr da und nur die leisen Echos sind noch fühlbar. Es ist notwendig sich bewusst zu machen woher man kommt und wer man ist. Es gehört zu mir und meinem Leben und dieses Echo hilft mir es besser zu verstehen und es besser zu machen. Jeden Tag aufs neue, bewusst zu sein, was mir als Mensch geschenkt wurde. Aus der Kraft des Überlebens ist Leben geworden.
Der Buddhismus hilft mir dieses Leben - mein Leben zu schützen.
Ich bin unglaublich dankbar Buddhistin zu sein.
Und ich bin dankbar für meine wundervolle Familie.
Meine Geburtslinie werde ich in diesem Leben nicht weiterführen, auch dafür bin ich unendlich dankbar.
Meine Tochter ist frei davon!!!
Namasté
Eure Jo
Bild: (c) Jo Schlitzkus: Vogelfrei, Kopieren und Vervielfältigen nicht erlaubt!
Und ich bin dankbar für meine wundervolle Familie.
Meine Geburtslinie werde ich in diesem Leben nicht weiterführen, auch dafür bin ich unendlich dankbar.
Meine Tochter ist frei davon!!!
Namasté
Eure Jo
Bild: (c) Jo Schlitzkus: Vogelfrei, Kopieren und Vervielfältigen nicht erlaubt!
Mittwoch, 4. September 2013
4.9.1965 Tabula rasa*
Gerade eben um genau 2 Uhr bin ich 48 Jahre alt geworden.
Aus dem Grund mal wieder ein etwas anderer Eintrag hier auf meinem Blog.
Erst mal Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag ICH!
Du gingst mir oft genug auf den Geist mit deinen vielen Denkspiralen, aber es war auch genauso oft spannend, das Leben mit dir. Einfach war es nie, aber wenn das Leben Einfachheit geplant hätte, wärst du womöglich nie auf diese Welt gekommen.
Einmal da sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"
Erinnere dich!
Kannst du dich an deine Geburt erinnern, weißt du noch wie es ist sterben zu sollen, aber die Abtreibung zu überleben?
Kannst du dich erinnern, das du zu deiner Oma kamst, die dich geliebt hat, zumindest eine Zeit lang?
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| Meine Oma und ich im Kinderwagen |
Erinnerst du dich das deine Oma es zuließ, das du mit 4 Jahren das erste Mal vergewaltigt wurdest?
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| Ich mit 4 Jahren, das erste mal bei meinen Eltern. |
Erinnerst du dich an den hellblauen Mantel, den deine Oma weggeschmissen hat, weil er schmutzig vom Sperma fremder Männer war?
| Ich 1970 bei meiner Einschulung |
An deinen Vater, der dich mit seinen Freunden vergewaltigt und misshandelt hat und töten wollte, als du 9 Jahre alt warst und deine Mutter die dich Wechselbalg nannte, weil du so anders warst, voll mit Intellektuellen Phrasen die kein Mensch verstanden hat?
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| Mein Vater mit einen meiner Geschwister. Ich weiß nicht welches er da im Arm hielt. Ich war es nicht. |
Kannst du dich an die Kinder erinnern die mit dir gemeinsam vor der Kamera standen, während irgendwelche Männer und Frauen sich auszogen... ?
Weißt du noch wie dein Opa alle möglichen Tiere gerettet hat und dir so beigebracht hat, das ein Tier ein Teil dieser Welt ist?
Erinnerst du dich daran, wie sehr du ihn geliebt hast?
| Mein Opa |
Kannst du dich an die Zigeuner erinnern die dich haben haufenweise Wohnwagen schrubben lassen, und dir versprachen dich mitzunehmen auf ihre Reisen - was aber nie geschehen ist?
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| Ich mit 14 Jahren |
Weißt du noch wie du so getan hast, als würdest du in einen Jungen verliebt sein, dabei hattest du nur Augen für seine Schwester?
Erinnerst du dich an deine Punkzeit?
Erinnerst du dich daran, wie du auf deinen Arm: "Punk not Dead!" geritzt hast, weil du kein Geld für ein Tattoo hattest?
Und erinnerst du dich an das Mädchen, das dich darum bat Schmiere zu stehen, als sie sich das erste Mal prostituierte?
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| Ich und Heike 1982 |
Weißt du noch diese Drogen und Alkohlexesse?
Erinnerst du dich an Gaby, die sich den goldenen Schuss setzte und dann die "soundsovielte Drogentote in Frankfurt" war?
Erinnerst du dich an ihr Lächeln?
Und weißt du noch wie es war, als du das erste mal mit einem Jungen gevögelt hast und ihm weisgemacht hast das du noch Jungfrau bist?
| Ich mit 17 Jahren |
Weißt du noch als du 18 wurdest und dir dein Abgangszeugnis abholen wollest und erfahren hast, das du in Wirklichkeit Prüfungen bestanden hast, die du nie abgelegt hast?
Erinnerst du dich an dein Gesicht, als du das Abschlusszeugnis entgegen nahmst?
Erinnerst du dich an deine Lehrer und Lehrerinnen die immer sagten, du wärst hoch intelligent?
Erinnere dich: "Sie sind so intelligent, sie können alles werden!" Na vieviele Leute haben das gesagt und wem hast du geglaubt?
Erinnerst du dich an deine erste Ehe und an die Erkrankung deines damaligen Mannes?
Und erinnerst du dich wie er seinen ersten Rollstuhl erhielt und wie du dich gefühlt hast?
| Ich mit Anfang 20 |
Wann war noch mal der Tag an dem dir Bewusst wurde, das es besser ist zu sterben als zu leben?
Und weißt du noch was dein ICH sagte, als du es in die Tat umsetzen wolltest: "Aber wenn dir das Glück begegnet, was dann?"
Erinnerst du dich wie du es ignoriert hast und trotzdem überlebt hast - wieder einmal?
Erinnerst du dich noch an die Kinder die du verloren hast, weil du ignoriert hast, das du gar keine bekommen kannst... nie wieder?
Weißt du noch, den Moment als dir der Arzt genau das sagte?
Und weißt du noch wie du es vor deinem damaligen Mann und vor dir selbst verborgen hast, es nicht wahrhaben wolltest?
Erinnerst du dich an den Selbstmord deiner Nachbarin und den Moment als du sie in den Armen hieltst als sie ihren letzten Atemzug tat?
Und die Wut und den Schmerz, nichts tun zu können?
Und die Erkenntnis das du das nie mehr versuchen wirst ... nie wieder?
Erinnerst du dich daran, warum du dich letztendlich von deinem damaligen Mann getrennt hast und daran, wie schwer es dir fiel ihn zurück zu lassen?
Erinnerst du dich daran, das dein bester Freund, ein kleiner Kater namens Tinker Bell am 24.12 1997 starb und ein Fremder es dir mitteilte?
| Mein geliebter Tinker-Bell |
Kannst du dich noch an den Moment erinnern, an dem du deine Frau das erste Mal gesehen hast?
Und gemerkt hast wie Schmetterlinge anfingen zu fliegen?
| Ich und Britta 1999 |
Erinnerst du dich wie du ihr sagtest, das sie wieder gehen soll, weil du nicht an die Liebe glauben wolltest?
Und weißt du noch was sie sagte: "Wenn du mich wirklich nicht liebst, gehe ich!"?
Und dein Gesicht voller Tränen, weil du nicht lügen konntest?
Erinnerst du dich an Frosch, den Kater der eigentlich sterben solle und bei dir noch weitere 8 Jahre überlebte?
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| Ich mit Flosch |
Erinnerst du dich daran, als man dir sagte das du Aids hast und du nur an eines denken konntest, das deine große Liebe es womöglich auch hat?
Weißt du noch, das Wochen danach vergingen und du in dem Glauben gelebt hast zu sterben --- wieder einmal?
Und durch Zufall hast du erfahren, das in Wahrheit der Aidstest negativ war?
Erinnerst du dich an dem Tag an dem du die Frau deines Lebens heiraten durftest?
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| Britta und ich stehen vor dem Standesamt und warten auf die Gäste - es war Schneesturm. |
Und erinnerst du dich an die Geburt deiner Tochter, die du nicht geboren hast?
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| Shaya am kurz nach der Geburt. |
Weißt du noch wie lange das her ist?
Und erinnerst du dich an deine Gefühle damals?
Und erinnere dich an ihr erstes: "Mami ich will dich heiraten, wenn ich groß bin!"
Erinnerst du dich daran, als du zur Buddhistin wurdest?
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| Ich 2010 |
Das ist lange her!
Nun sind 48 Jahre vergangen. Eigentlich mehr als ein ganzes Leben, wenn man bedenkt, was du erlebt hast.
Und erinnere dich, dass das Leid das du einst gefühlt hast, Vergangenheit ist.
Erinnere dich daran wie Glücklich du jetzt bist und erinnere dich daran, was du an schönen Dingen erlebt hast!
Erinnere dich an deine große Liebe, deren Wecker gleich klingelt und die zur Arbeit muss.
Erinnere dich an deine Tochter, die schlafend und träumend in ihrem Bett liegt.
Erinnere dich an das Glück das du fühlst wenn du dich erinnerst.
Und lass ihn gehen diesen Tag der Erinnerung!
Einmal sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"
Weißt du noch, das ist lange, lange her...
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| Ich 2013 |
Und vielleicht noch einige Jahre hier auf diesem Planeten.
Ich würde mich freuen!
ICH liebe DICH !!! ... mal wieder!
In deinem Sinne
Namasté
Alles liebe deine Jo
Und bevor jetzt jeder meiner Freunde zum Telefon rennt und Panik hat, mich mit einem Depri am anderen Ende vorzufinden.
Mir geht es Wirklich gut (die die mich kennen, wissen sowieso, wäre das nicht der Fall, ich würde es erst gar nicht versuchen zu verheimlichen). Ich gestatte mir nur einmal im Jahr zurück zu denken, um das was ich bin, an zu erkennen und das was ich habe wert zuschätzen.
Kurze Erklärung zu den Personen auf meine Bildern:
Mein Vater starb 2010 (Bild 4)
Mein Großvater starb 1978 (Bild 5)
Meine Großmutter starb 1998 (Bild 1)
Die Freundin auf meinem Punkbild - ich weiß nicht ob sie noch lebt, doch sollte sie noch leben, sie ist heute genauso alt wie ich und mit Sicherheit kein Punk mehr. Der Widererkennungswert ist gleich NULL.
Und sollte sie irgendwann diesen Blog lesen, dann würde ich mich freuen, wenn sie sich meldet...
Es ist immer schön Erinnerungen auszutauschen und zu wissen... es war einmal, es kommt nie mehr zurück!!!
Und noch was:
*Im buchstäblichen Sinne war Tabula rasa in der Antike eine wachsüberzogene Schreibtafel, von der die Schrift wieder vollständig entfernt werden konnte ;)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_rasa
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