Mantra Musik

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Samstag, 19. September 2015

Ein Augenblick



Es ist wie dieser Augenblick als ich auf den Auslöser drückte und das rechte Auge meiner Tochter fotografierte.
Dieser winzige Augenblick ... in ihrem Auge spiegelt sich die Welt. Man sieht den Himmel und die Baumwipfel. Der Wind spielt mit ihren Rotblonden Haaren. Ich war so fasziniert und das bin ich immer noch, wenn diese Bild betrachte. Ihre großen wissenden Blaugrauen Augen in einem ganz jungen Gesicht.

Mein ICH:
Ich halte einen Moment inne und drücke auf den Auslöser, dieser Moment ist für diesen Moment einfach alles. Genau so ist das Leben, nicht anders, nicht schöner oder besser, oder schrecklicher. Es ist einfach da so wie es ist.
Das Bild habe ich gestern aufgenommen, heute ist sie einen Tag älter, dieser Moment wird nie wieder so sein. Wenn ich morgen ihr linkes Auge fotografiere werde ich neue Dinge darin sehen, neue Erkenntnisse, ein neues Wissen. Wenn ich in einem Jahr dieses Auge fotografiere, wird es wieder anders aussehen, in fünf Jahren... in 10 Jahren. Nie wieder wird sie so aussehen wie in diesem einen Moment.

Das Leben zeigt uns jeden Tag aufs Neue die Vergänglichkeit eines Moments. Die schönen Zeiten wollen wir festhalten wie diese Fotografie, wir wollen eintauchen und nie wieder erwachen, aus dem Glück das wir einst fühlten. Doch oft ist es bei dem Unglück das uns begleitet genauso, eintauchen, immer wieder aufs neue, immer wieder aufs neue den Schmerz fühlen.

Warum ist das so?

Thich Nhat Hanh hat es in diesem Hörbuch wundervoll erklärt.




Wie kann man einen Augenblick wirklich in seiner Gänze aufnehmen, verstehen, akzeptieren, annehmen?

Thich sagt: "Wir neigen zu der Ansicht das wir etwas sind, das länger andauert als unser Einatmen, doch das stimmt nicht ..."

"Der Buddha fragte einmal seine Schüler wie lange ein menschliches Leben dauert.
Eine Person sagte 100 Jahre, eine andere sagte 50 Jahre, wieder eine andere meinte, eine Nacht und einen Tag. Und dann sagte jemand: Es dauert einen Einatmem lang. Der Buddha wandte sich dieser Person zu und sagte: Ja du hast die Wirklichkeit des menschlichen Lebens gesehen. Es dauert nur einen Einatmem lang. Und es kann sogar noch kürzer sein, denn während wir einatmen werden wir schon zu einer anderen Person. Das ICH das vor dem Einatmen da war ist nicht mehr das gleiche ICH nachdem wir eingeatmet haben"


Mit jedem Atemzug vergeht die Zeit, jedes ausatmen ist wie ein Blick in die Vergangenheit.Wenn wir uns auf dem Atem konzentrieren, sind wir in der Gegenwart und wir bleiben in der Gegenwart, weil der Atem auf den wir uns konzentrieren fließt. Mit jedem Einatmen werden wir zu einer anderen Person.
Das ICH verändert sich. Die die jetzt schreibt ist beim Ende des Satzes eine andere, als die die den Satz anfing. Wenn du also am Ende meines Blogeintrags angekommen bist, haben wir beide uns zigmal verändert, immer wieder aufs neue.
Die Gegenwart ist immer nur der Buchstabe den du mit den Augen verfolgst. Dabei spielt es keine Rolle wo du im Satz anfängst. Du könntest auch das erste Wort meines Bogeintrag lesen und dann das letzte. Es ist vollkommen egal. Du wirst ein anderer Mensch sein, nachdem du von einem Buchstaben zum anderen gelangt bist. Nachdem du ein und wieder ausgeatmet hast.
Alles kann sich von einer Sekunde zur anderen verändern in dir.

So wie das Auge meiner Tochter,
das heute schon wieder ganz anders aussieht als Gestern...


Somit schicke ich euch bereits jetzt in diesem Moment, während ich hier schreibe, Grüße aus der Vergangenheit...

Namasté

Eure Andarnil


Fotos: (c) "meine Tochter" von Johanna Andarnil Schlitzkus


Dienstag, 1. September 2015

Immer nur der Moment ... ( Teil 1)


Die meisten Menschen verweilen in Gedanken und Taten in der Vergangenheit oder in der Zukunft, es gibt nur wenige die wirklich im Moment leben. Meist sind es geistig behinderte Menschen oder Kinder die sich ganz auf das konzentrieren mit dem sie beschäftigt sind, das Gestern und das Morgen existiert nicht, es ist immer nur der Moment.

Die Gestrigen wie Zukünftigen von uns können viel von diesen Menschen lernen.
Die meiste Zeit umgibt sich der Mensch mit Zielen, sowohl in der Arbeit als auch im Privatleben. Da muss das noch geplant werden und den Termin darf man nicht vergessen und das muss muss noch erledigt werden. Völlig erschöpft landen sie dann Abends vorm Fernseher und  wünschen sich nur noch einen leeren Kopf, das dieser dennoch weiter aktiv vor sich hin qualmt merken diese Menschen oft nur anhand der wirren Träume die sie in der Nacht sie haben.

Das kennen wir alle. Auch bei mir, die sehr viel im Moment verbringt und einen Wecker braucht um an Zukünftiges erinnert zu werden - ist die Vergangenheit hin und wieder sehr aktiv in mir.

Statt Zielorientiert zu leben, begebe ich mich in meiner Erinnerung oft an die Orte meiner Kindheit, dort verweile ich Nachts mit wirren Träumen um am nächsten Morgen total erschöpft zu erwachen.

Es gibt eine Lösung aus diesen qualvollen Kreislauf und ich übe mich darin, jeden Tag aufs Neue. Eines ist das bewusste Ausruhen, in sich gehen, sich auf sich selbst einlassen, Ein und Ausatmen, Meditieren, geschehen lassen.

Könnt ihr euch vorstellen nicht arbeiten (an einem Wochenende oder einen Urlaubstag einlegen, völlig außerhalb der Reihe), keinen Fernsehen zu schauen, euch einfach nur im Schlafanzug zurück ziehen, ohne Radio, ohne Zeitung, ohne Handy, Internet, ohne Party, ohne Schminke, nicht geduscht?

Ich und meine Familie zelebrieren diese Art von Faulheit gerne mal am Wochenende. Wir begeben uns auf eine Reise nach Innen. Dort schauen wir, wie wir uns fühlen. "Wie geht es dir" fragen wir uns gegenseitig und dann sprechen wir über unsere Gefühle. Unsere Tochter hat so schon von klein auf gelernt über ihre Befindlichkeiten zu reden: "Ich fühle mich heute scheiße!" Ist einer ihrer Lieblingssätze, als Einleitung ihrer tiefen Sehnsüchte, ihrer kindlichen Ängste, ihrer Wünsche und Vorstellungen aber auch: "Heute ist ein toller Tag Mami, die Sonne scheint und mir geht es richtig gut" Manchmal bleibt es dabei aber manchmal kommt auch ein Aber. Meine Frau musste sich erst daran gewöhnen über ihre Gefühle zu reden, für mich war es auch lange neu, so offen über meine Ängste, Sehnsüchte und Gedanken zu sprechen. Aber mittlerweile ist diese Art der Unterhaltung in unserer Familie zur Normalität geworden und wenn Probleme anstehen, dann reden wir darüber, offen - Bei Problemen setzen wir uns zu einer Familienkonferenz zusammen, mit der Einleitung, "wir müssen uns unterhalten" nehmen wir uns die Zeit zu einer Lösung zu kommen. Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, irgendeiner von uns ist verletzt, oder fühlt sich nicht wohl oder eine Private Veränderung steht an. Unsere Tochter wird bei all dem mit einbezogen. Wir nehmen ihre Gefühle sehr ernst. Wir nehmen uns sehr ernst.

Wann habt ihr das letzte Mal wirklich über eure Gefühle gesprochen? Nein ich meine nicht die Kommentarfunktion über Facebook, ich meine auch nicht den Blog in dem ihr regelmässig schreibt. Ich rede auch nicht von den guten oder schlechten Wetter Gesprächen mit der Nachbarin, auch nicht davon, auch nicht die Gespräche mit dem Arzt.
Ich rede davon sich wirklich auf den Moment zu konzentrieren, inne zu halten und sich selbst analysierend offen sein für das was da ist. Ist es ein Glücksgefühl, ist es Trauer, Angst, Unsicherheit?

Ich beobachte oft das Menschen in Wahrheit nicht über ihre Gefühle sprechen, sondern sich vielmehr über die Gefühle anderer unterhalten. "Mein Mann denkt..." "Meine Frau macht sich Sorgen..."
"Der Lehrer meiner Tochter ...."
""Kommentar" yx hat nicht alle Tassen im Schrank..." "Meine Kollegin ..."
Oft wird dies als Anlass genommen Meinungen auszutauschen, aus denen dann Diskussionen entstehen, aus denen ein Streitgespräch entstehen kann. Der berühmte Satz: "Du hörst mir nie zu!" Endet oft darin das man sich gegenseitig Vorwürfe macht, aber kaum jemand sagt offen wie es einem wirklich geht - was war der Anlass? Was ist wirklich passiert, das dieses Gefühl die Oberhand gewinnt?
Ist es wirklich der Partner der nicht zuhört, oder ist es etwas vollkommen anderes, das sich im Inneren einquartiert hat.
Es ist einfach dem Partner die Schuld am eigenen Gefühl zu geben, dabei ist es oft egal ob das Gefühl bereits vorher vorhanden war und es durch die Bemerkung des Partners an die Oberfläche transportiert wurde. Dadurch das sich viele Menschen im Dauerrythmus ablenken, erkennen sie oft nicht welche Gefühle wirklich in ihnen schlummern.
Wenn ich nicht achtsam bin, geht mir das übrigens  genauso. Es ist einfacher an den Gefühlen anderer anzudogen, dann fühlt man in sich nicht mehr so alleine mit sich selbst.

Dieses Alleinesein entspringt aus einer Illusion, das jeder Mensch nur für sich selbst die Verantwortung trägt. Wenn es wirklich so wäre, wären wir alle sehr einsame traurige Menschen, denn es würde sonst niemanden kümmern wie wir uns fühlen. Aber in Wahrheit sind wir nicht alleine, wir sind es nie gewesen.

Albert Schweizer hat es wundervoll ausgedrückt:

"Wie die Welle nicht für sich sein kann, sondern stetig an dem Wogen des Ozeans teilhat, also können wir unser Leben nie für uns allein erleben, sondern immer nur in dem Miterleben des Lebens, das um uns her statthat".
Einige meiner Leser werden jetzt vielleicht fragen, wie ich das wissen kann. Es ist einfach, ihr seid hier und lest mit, in diesem Moment sind wir schon zwei. Einer der geschrieben hat, einer der gelesen hat und da es mir nicht egal ist, wen ich mit meinen Worten erreiche, freue ich mich darüber das du auf meinem Blog bist. Wenn du in Facebook angemeldet bist, wirst du dich sicherlich auch mit den Leuten dort über PN oder die Kommentarfunktion unterhalten, das gleiche gilt für Google, Web.de, Foren usw. Es gibt so viele Möglichkeiten zu diskutieren. Vielleicht hast du ja kein Dauerinternet, aber du hast sicherlich Familie, Freunde, Verwandte, Nachbarn. Den Bäcker aus deiner Straße, den Postboten.
Irgendjemand ist immer da, weil wir kommunikative Wesen sind gehen wir auch in Kontakt. Vielleicht hast du ja auch einen Hund oder eine Katze die dich begleitet und dir ganz nah sind, wenn du dich einsam fühlst. Vielleicht gehst du auch jeden Tag zur Arbeit und sprichst hin und wieder mit deinen Kollegen.

Das Gefühl: Einsamkeit hat andere Gründe und hat erst einmal nichts mit dem Begriff Alleinsein zu tun. Es ist ein tiefes und schmerzhaftes Gefühl sich nicht eingebunden zu fühlen. Ein wenig als wäre man Unsichtbar für den Rest der Welt. Woher kommt dieses Gefühl?

Stell dir folgendes vor, du bist Jahrelang in einem Verein gewesen, du hattest dort einen große Verantwortung, vielleicht der Kassenwart..
Das war dein Lebensinhalt, es war nicht die Arbeit in deinem Job und auch nicht deine Familie, es war nur dieser Verein, dafür hast du gelebt. Nun beschließt der Vorstand den Verein aufzugeben, warum auch immer. Und du wirst nicht gefragt.
Dein Leben bricht auf einmal zusammen, weil der Lebensinhalt den du hattest fehlt.

Ein anderes Beispiel aus meinem Leben.
Der Vater einer guten Freundin von mir, hatte es auf der Berufsleiter ganz nach oben geschafft. Gesellschaftliche Anlässe waren Normalität, er war Künstler mit einem großen Freundeskreis, er hatte ein schönes altes Haus, eine wundervolle Frau und eine liebenswerte Tochter. Sein Leben war Perfekt. Und dann wurde er krank. Seine Erkrankung war unheilbar, die Schmerzen waren unerträglich. Nach und nach zog er sich von allem zurück. Zuerst aus der Arbeit, dann von den Freunden, er hörte auf zu malen, zuletzt von der Familie. Und eines Tages hörte er einfach auf zu leben, er brachte sich um.

Beide Beispiele zeigen wie sehr wir uns an unseren Sicherheiten festhalten, sie werden zu unserem Lebensinhalt. Wenn dieser Lebensinhalt, die Sicherheit an der wir uns klammern weg fällt, dann fühlen wir uns einsam, nicht mehr eingebunden, alleine, unsichtbar.
Das können unterschiedliche Ursachen sein, eine Krankheit, man verliert seinen Arbeitsplatz, Rente, es stirbt ein Angehöriger, Scheidung, sogar ein Umzug kann diese Gefühle auslösen.
Es sind Veränderungen in unserem Leben mit denen wir nicht gerechnet haben, die uns schlagartig überfallen und uns den Boden unter den Füßen weg nehmen.

Wir sind alle (zumindest normalerweise) mit Zielsetzungen konfrontiert worden und mit einem Leistungsdruck. Wir wurden dahingehend programmiert Erfolg zu haben, bei dem was wir tun, dabei spielt es im seltensten Fall wirklich eine Rolle was wir tun.
Uns wurde suggeriert, das es wichtig ist für unser Leben das wir uns Anpassen, Schulisch, Beruflich, Gesellschaftlich, Religiös - wie auch immer. Und so leben die meisten von uns. Nämlich irgendwo bei irgendwas Erfolg zu haben. Es spielt dabei keine Rolle ob wir Reich oder Arm sind, ob wir einen tollen Job haben, oder von Harz 4 leben, irgendwo in unserem Leben wollen wir Erfolgreich sein. Und wenn das nur bedeutet das wir ein guter Kunde bei einem Versandhandel sind.
Und wenn wir das Gefühl von "Erfolgreich" in uns fühlen, halten wir daran fest, doch wenn der Erfolg von einer Sekunde zur anderen wegbfällt, fallen wir in ein tiefes Loch.

Das was wir denken, das es uns besonders macht, ist verschwunden.

Erfolg ist das was wir fühlen, nicht das was wir tun. Jemand kann sich als Erfolgreich empfinden, ob wohl er nur im Bett liegt und Sportsendungen ansieht. Oder für sich selbst eine Wette abschließt wieviel Kaugummiblasen er in 5 Minuten platzen lassen kann, oder wieviel Gäser Bier er in so und so viel Minuten trinken kann....

Und wenn dann noch Leute dabei sind, die anfangen zu klatschen weil du 33 Bier in einer halben Stunde in dich hinein geschüttet hast, stellt sich ein Gefühl der Euphorie ein. Du hast es geschafft, egal wie es dir dabei geht. Das Klatschen und auf die Schulter hauen zeigen dir das du toll bist - Erfolg hattest.

Und stell dir vor du bist so ein Mensch der sich drei mal die Woche mit Kumpels in der Kneipe trifft und immer wieder schaffst du es 33 Bier zu trinken, du bist der Kneipenheld schlechthin. Doch nach einem Halben Jahr stellt dein Arzt plötzlich fest du hast eine Leberzirrhose und musst deinen Alkoholkonsum sofort einstellen. Kein Kneipenbesuch mehr, keine Kumpels die dir auf die Schulter hauen, dein Erfolg ist gleich NULL. Was dann?

Die Euphorie bleibt aus, Leid zieht ein.

Die meisten Menschen ziehen sich zurück, die wenigsten reden darüber. Aber ganz ehrlich mit wem außer seinen Kneipen Kumpels sollte man darüber reden, das es unglaublich fehlt, 33 Bier zu trinken?
Das Dilemma ist also bereits vorprogrammiert.

Wie kann man das Problem lösen?

Erst einmal muss einem Bewusst werden was man  tut. Oft sind es Mechanismen. Wenn man täglich das gleiche tut, fällt es irgendwann nicht mehr auf. Wenn ich täglich beim Zähnputzen Krimassen im Spiegel schneide, fällt es mir nur dann auf, wenn meine Partnerin mich dabei beobachtet und mir sagt: "Jo du siehst echt merkwürdig aus wenn du so ein Gesicht machst" Tja ;)

Und nun komme ich wieder zum Anfang meiner Ausführung. Wann ist euch wirklich bewusst was ihr tut?
Und wo seid ihr Gedanklich?
In der Vergangenheit, der Zukunft oder wirklich im Moment?


Mit dieser Frage ende ich meinen ersten Teil von: Immer nur der Moment.

Namasté

Eure Jo Andarnil












Sonntag, 16. November 2014

Heute ...






Heute habe ich das erste mal in meinem Leben eine Stechmücke angefasst.
Ich habe sie auf meiner Hand gehalten und das Fenster geöffnet und als sie nach Draußen flog, hab ich mich gefreut.

Heute wurde mir bewusst, das ich etwas nicht ändern kann, ob wohl ich es ändern möchte. Meine Katze Toffy will schon eine ganze Weile nach Draußen, Gestern war der große Tag, ein Sprung und sie war im Gebüsch verschwunden. Nun kam sie heute Nacht nicht rein. Ich habe eine ganze Nacht gehofft und gebangt, aus Angst, das sie sich verlaufen hat. Heute Morgen habe ich sie dann in unserem Heuschober gefunden. Ich wollte sie hochnehmen und sie hat mir beide Hände zerkratzt. Also bin ich wieder nach Drinnen, habe meine Wunden versorgt, habe eine Dose Katzenfutter geöffnet und bin wieder nach Draußen, damit sie wenigstens was zu essen hat.
Toffy kommt aus der Freiheit und ich verstehe jetzt, dass es sein kann, das sie frei sein will. Das ist ein Zustand den ich akzeptieren muss, ob es mir behagt oder nicht. Es kann sein, das sie wieder die wilde kleine Katze wird, die sie einst war. Wir werden sehen.

Heute habe ich mich erneut mit dem "Nicht haben können!" beschäftigt, auf einer Veganen Seite wurden Schuhe gepostet, die ich wunderschön fand. Da ich momentan wiedermal in einer Abnehmphase meines Körpers stecke, passt mir so gut wie gar nichts mehr, meine Kleidung schlackert an meinem Körper, meine Hose versuche ich so gut es geht mit einem Gürtel in Form zu halten. Ich bräuchte eine neue Hose, aber keine Schuhe. Trotzdem, sie sind wunderschön. Als ich sie mir dann genauer ansah, stellte ich fest, es gibt sie nicht mehr in meiner Größe. Da musste ich Lachen. Manchmal braucht es einen Wink mit dem Zaunpfahl um zu begreifen, das es zwar schöne Dinge gibt, man sie aber nicht braucht.

Heute wurde mir bewusst, das es manchmal gut ist einfach die Zeit zu vergessen und sie gar nicht zu nutzen. Dieses Wochenende ist das erste Wochenende seit vielen ... ich glaube es sind bereits Monate ... an denen wir nichts vor hatten und wir endlich mal  Entspannen konnten. Zwar liegt immer noch die ungewaschene Wäsche im Flur herum. Aber es war uns beiden egal. Die einzige Verpflichtung die wir heute haben, sind unsere  Menschen und Tiere. Und alles andere kann auf Morgen warten.

Heute habe ich viel über Buddhismus gelesen, ich habe mich innerlich entschieden den Weg etwas intensiver zu gehen - so intensiv wie es mir möglich ist - ohne meinen Bezug zu meinem ICH zu verlieren ;)

Heute bin ich Glücklich, gerade eben ist mir das wieder bewusst, meine Tochter liegt neben mir im Bett und kettelt ihre Gummiringe zu Armbändern und Ringen. Gleich werden wir ins Wohnzimmer gehen und Fenstersterne basteln, das ist unsere Art der Vorweihnachtszeit. Als ich letztens gefragt wurde, ob auch wir Weihnachten feiern, sagte ich Nein, aber wir machen  es uns warm und kuschelig und am Heilig Abend werden wir zusammen frühstücken und am Frühstückstisch liegen dann auch schon ihre Geschenke. Es sind Kleinigkeiten die sie braucht, oder die sie sich wünscht. Nichts großes, es ist eine Geste der Liebe.


Jetzt werde ich enden und gehe mit meiner Tochter Sterne basteln, sie geht vor um alles vorzubereiten... und ich folge ihr.


Namasté eure Jo vom Tierhof Amoa

Mittwoch, 4. September 2013

4.9.1965 Tabula rasa*

Aktualisierung: 24.04.2017 - Bilderbeschreibungen




Gerade eben um genau 2 Uhr bin ich 48 Jahre alt geworden.
Aus dem Grund mal wieder ein etwas anderer Eintrag hier auf meinem Blog.

Erst mal Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag ICH!


Du gingst mir oft genug auf den Geist mit deinen vielen Denkspiralen, aber es war auch genauso oft spannend, das Leben mit dir. Einfach war es nie, aber wenn das Leben Einfachheit geplant hätte, wärst du womöglich nie auf diese Welt gekommen.

Einmal da sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"

Erinnere dich!

Kannst du dich an deine Geburt erinnern, weißt du noch wie es ist sterben zu sollen, aber die Abtreibung zu überleben?
Kannst du dich erinnern, das du zu deiner Oma kamst, die dich geliebt hat, zumindest eine Zeit lang?

Meine Oma und ich im Kinderwagen

Kannst du dich an deine Kindheit erinnern?
Erinnerst du dich das deine Oma es zuließ, das du mit 4 Jahren das erste Mal vergewaltigt wurdest?


Ich mit 4  Jahren, das erste mal bei meinen Eltern.



Erinnerst du dich an den hellblauen Mantel, den deine Oma weggeschmissen hat, weil er schmutzig vom Sperma fremder Männer war?


Ich 1970 bei meiner Einschulung

An deinen Vater, der dich mit seinen Freunden vergewaltigt und misshandelt hat und  töten wollte, als du 9 Jahre alt warst und deine Mutter die dich Wechselbalg nannte, weil du so anders warst, voll mit Intellektuellen Phrasen die kein Mensch verstanden hat?


Mein Vater mit einen meiner Geschwister. Ich weiß nicht welches er da im Arm hielt. Ich war es nicht.



Kannst du dich an die Kinder erinnern die mit dir gemeinsam vor der Kamera standen, während irgendwelche Männer und Frauen sich auszogen... ?
Weißt du noch wie dein Opa alle möglichen Tiere gerettet hat und dir so beigebracht hat, das ein Tier ein Teil dieser Welt ist?
Erinnerst du dich daran, wie sehr du ihn geliebt hast?

Mein Opa

Kannst du dich an die Zigeuner erinnern die dich haben haufenweise Wohnwagen schrubben lassen, und dir versprachen dich mitzunehmen auf ihre Reisen - was aber nie geschehen ist?

Ich mit 14 Jahren

Weißt du noch wie du so getan hast, als würdest du in einen Jungen verliebt sein, dabei hattest du nur Augen für seine Schwester?
Erinnerst du dich an deine Punkzeit?
Erinnerst du dich daran, wie du auf deinen Arm: "Punk not Dead!" geritzt hast, weil du kein Geld für ein Tattoo hattest?
Und erinnerst du dich an das Mädchen, das dich darum bat Schmiere zu stehen, als sie sich das erste Mal prostituierte?

Ich und Heike 1982

Weißt du noch diese Drogen und Alkohlexesse?
Erinnerst du dich an Gaby, die sich den goldenen Schuss setzte und dann die "soundsovielte Drogentote in Frankfurt" war?
Erinnerst du dich an ihr Lächeln?

Und weißt du noch wie es war, als du das erste mal mit einem Jungen gevögelt hast und ihm weisgemacht hast das du noch Jungfrau bist?

Ich mit 17 Jahren


Weißt du noch als du 18 wurdest und dir dein Abgangszeugnis abholen wollest und erfahren hast, das du in Wirklichkeit Prüfungen bestanden hast, die du nie abgelegt hast?
Erinnerst du dich an dein Gesicht, als du das Abschlusszeugnis entgegen nahmst?
Erinnerst du dich an deine Lehrer und Lehrerinnen die immer sagten, du wärst hoch intelligent?
Erinnere dich: "Sie sind so intelligent, sie können alles werden!" Na vieviele Leute haben das gesagt und wem hast du geglaubt?
Erinnerst du dich an deine erste Ehe und an die Erkrankung deines damaligen Mannes?
Und erinnerst du dich wie er seinen ersten Rollstuhl erhielt und wie du dich gefühlt hast?

Ich mit Anfang 20

Erinnerst du dich daran, wie du dich fühltest als dir klar wurde, das deine Ehe eine Lüge ist?

Wann war noch mal der Tag an dem dir Bewusst wurde, das es besser ist zu sterben als zu leben?


Und weißt du noch was dein ICH sagte, als du es in die Tat umsetzen wolltest: "Aber wenn dir das Glück begegnet, was dann?"
Erinnerst du dich wie du es ignoriert hast und trotzdem überlebt hast - wieder einmal?
Erinnerst du dich noch an die Kinder die du verloren hast, weil du  ignoriert hast, das du gar keine bekommen kannst... nie wieder?

Weißt du noch, den Moment als dir der Arzt genau das sagte?
Und weißt du noch wie du es vor deinem damaligen Mann und vor dir selbst verborgen hast, es nicht wahrhaben wolltest?
Erinnerst du dich an den Selbstmord deiner Nachbarin und den Moment als du sie in den Armen hieltst als sie ihren letzten Atemzug tat?
Und die Wut und den Schmerz, nichts tun zu können?
Und die Erkenntnis das du das nie mehr versuchen wirst ...  nie wieder?
Erinnerst du dich daran, warum du dich letztendlich von deinem damaligen Mann getrennt hast und daran, wie schwer es dir fiel ihn zurück zu lassen?

Erinnerst du dich daran, das dein bester Freund, ein kleiner Kater namens Tinker Bell am 24.12 1997 starb und ein Fremder es dir mitteilte?

Mein geliebter Tinker-Bell



Kannst du dich noch an den Moment erinnern, an dem du deine Frau das erste Mal gesehen hast?
Und gemerkt hast wie Schmetterlinge anfingen zu fliegen?

Ich und Britta 1999

Erinnerst du dich wie du ihr sagtest, das sie wieder gehen soll, weil du nicht an die Liebe glauben wolltest?
Und weißt du noch was sie sagte: "Wenn du mich wirklich nicht liebst, gehe ich!"?
Und dein Gesicht voller Tränen, weil du nicht lügen konntest?

Erinnerst du dich an Frosch, den Kater der eigentlich sterben solle und bei dir noch weitere 8 Jahre überlebte?

Ich mit Flosch


Erinnerst du dich daran, als man dir sagte das du Aids hast und du nur an eines denken konntest, das deine große Liebe es womöglich auch hat?
Weißt du noch, das Wochen danach vergingen und du in dem Glauben gelebt hast zu sterben --- wieder einmal?
Und durch Zufall hast du erfahren, das in Wahrheit der Aidstest negativ war?
Erinnerst du dich an dem Tag an dem du die Frau deines Lebens heiraten durftest?


Britta und ich stehen vor dem Standesamt und warten auf die Gäste - es war Schneesturm.

Und erinnerst du dich an die Geburt deiner Tochter, die du nicht  geboren hast?


Shaya am kurz nach der Geburt.


Weißt du noch wie lange das her ist?
Und erinnerst du dich an deine Gefühle damals?
Und erinnere dich an ihr erstes: "Mami ich will dich heiraten, wenn ich groß bin!"

Erinnerst du dich daran, als du zur Buddhistin wurdest?

Ich 2010

Das ist lange her!


Nun sind 48 Jahre vergangen. Eigentlich mehr als ein ganzes Leben, wenn man bedenkt, was du erlebt hast.
Und erinnere dich, dass das Leid das du einst gefühlt hast, Vergangenheit ist.
Erinnere dich daran JETZT und dann vergiss es wieder.
Erinnere dich daran wie Glücklich du jetzt bist und erinnere dich daran, was du an schönen Dingen erlebt hast!

Erinnere dich an deine große Liebe, deren Wecker gleich klingelt und die zur Arbeit muss.
Erinnere dich an deine Tochter, die schlafend und träumend in ihrem Bett liegt.
Erinnere dich an das Glück das du fühlst wenn du dich erinnerst.
Und lass ihn gehen diesen Tag der Erinnerung!

Einmal sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"
Weißt du noch, das ist lange, lange her...

Ich 2013
Weiterhin viel Glück liebes ICH!
Und vielleicht noch einige Jahre hier auf diesem Planeten.



Ich würde mich freuen!
ICH liebe DICH !!! ... mal wieder!

In deinem Sinne
Namasté
Alles liebe deine Jo



Und bevor jetzt jeder meiner Freunde zum Telefon rennt und Panik hat, mich mit einem Depri am anderen Ende vorzufinden.
Mir geht es Wirklich gut (die die mich kennen, wissen sowieso, wäre das nicht der Fall, ich würde es erst gar nicht versuchen zu verheimlichen). Ich gestatte mir nur einmal im Jahr zurück zu denken, um das was ich bin, an zu erkennen und das was ich habe wert zuschätzen.



Kurze Erklärung zu den Personen auf meine Bildern:

Mein Vater starb 2010 (Bild 4)
Mein Großvater starb 1978 (Bild 5)
Meine Großmutter starb 1998 (Bild 1)
Die Freundin auf meinem Punkbild - ich weiß nicht ob sie noch lebt, doch sollte sie noch leben, sie ist heute genauso alt wie ich und mit Sicherheit kein Punk mehr. Der Widererkennungswert ist gleich NULL.
Und sollte sie irgendwann diesen Blog lesen, dann würde ich mich freuen, wenn sie sich meldet...
Es ist immer schön Erinnerungen auszutauschen und zu wissen... es war einmal, es kommt nie mehr zurück!!!

Und noch was:
*Im buchstäblichen Sinne war Tabula rasa in der Antike eine wachsüberzogene Schreibtafel, von der die Schrift wieder vollständig entfernt werden konnte ;)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_rasa