Mantra Musik

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Freitag, 23. Dezember 2016

Weihnachten 2016




Weihnachten

Während überall die Lichter funkeln und die Gänse, Truthähne, Kälber, Schweine und Rinder ihr Leben lassen müssen, denken wir darüber nach Weihnachten dieses Jahr ausfallen zu lassen.
Jeden Tag überlegen wir jetzt aufs neue, ob wir unseren Plastikbaum aufstellen und das Esszimmer schmücken und jeden Tag gibt es wichtigere Gedanken und Gefühle die Vorrang haben. Ich habe dieses Jahr noch nicht einmal begonnen Geschenke einzupacken. Es ist nicht die Stimmung die fehlt - die kam noch nie auf, ich konnte mich noch nie anstecken lassen von Facebook freudestrahlenden Gesichtern, Nikoläusen und Christkindern, Weihnachtsmusik in den Gängen der Lebensmittelläden, festlich geschmückten Schaufenstern und Straßenlaternen, verschickten Karten die Jahr für Jahr weniger wurden - meine Schuld, ich verschicke weder Karten noch sitz ich Stundenlang am Telefon, ich persönlich habe noch nie freiwillig Weihnachten gefeiert. Für mich ist dieses Fest genauso bedeutungslos wie Ostern, oder Silvester. Sogar meinen Geburtstag würde ich vergessen, wenn man mich nicht daran erinnert.

Ich habe den Rummel um Tannenbäume und Lametta nie so recht verstanden, wir bauen unsere weiße Plastiktanne auf und schmücken ein Zimmer, weil unsere Tochter das gerne wollte. Dieses Jahr ist sie genauso Feierfaul wie wir.

Überall funkelte ein Licht.
Diesmal ist es sehr dunkel bei uns.

Für mich war es nie ein Fest der Liebe, eher ein Fest der Triebe, getrieben von Kommerz und einem aufgezwungenen Beisammensein der Familie, die sich selten friedvoll begegnet. Wie oft hab ich von Freunden, Bekannten und Verwandten gehört das sich die Familie mal wieder zu Weihnachten zerstritten hatte, man sprach dann nicht miteinander und das Jahr ging mit einem Gefühl von Wut zu Ende.

Ich habe das Gefühl, Weihnachten versinnbildlicht alles was ich persönlich ablehne Konventionalität und Doppelmoral.

Der Frieden, das Wort das zwar in jeder Munde ist, aber selten bis zum Abend anhält, die Moral die an vielleicht einem Tag im Jahr sehr hoch gehalten wird und die restlichen Tagen vergessen wird.
Es gibt so wenig Menschen von denen ich sagen kann, sie leben zu Weihnachten genauso wie das ganze Jahr, ehrbare, moralische, ethische und gläubige Menschen, christliche Menschen für die Nächstenliebe nicht nur ein Wort ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ich bin froh, dass ich eine Familie kenne... und hier freue ich mich sogar, das wir am 25 Dezember zusammen den Tag verbringen.

Moral, Ethik - Das vermisse ich übrigens auch von anderen Gläubigen. Auch im Buddhismus wird oft nur so getan als hätte man Mitgefühl, oft hab ich das Gefühl dieses Wort wird sehr gerne benutzt von uns Buddhisten, aber nur selten gebraucht. In der Meditation bestimmt es den Ablauf, den Anfang und das Ende, im Alltag geht man seiner Tätigkeit nach ohne zu überlegen, ob sich diese mit den Silas vereinbaren lässt. Den Übungsregeln die die geistige Nahrung eines Buddhisten sind.


Die wenigsten Buddhisten die ich kenne halten sich an die Sila. Gerade während der Feiertage wird Alkohol in Massen getrunken, werden Tiere verzehrt, es wird in jeder Religion gelogen und betrogen, egal ob man Christ, Buddhist, Moslem, Hindu oder Esoteriker ist.

Wir Menschen lassen uns treiben von Trieben. Und Feierlichkeiten sind dafür bekannt, das sie oft von Trieben gelenkt werden.

Wir vergessen es nur jedes Jahr aufs neue und verstecken uns hinter Lametta und Weihnachtskugeln. Und fast jedes Jahr ecke ich damit an, das ich die unschönen Dinge hervorkrame und sie den Menschen um die Ohren haue, ein Spiegelbild das man nur verzerrt wahr nehmen möchte, wenn überhaupt. Auch dieser Text wird Unmut auslösen und womöglich werden mich wieder ein paar Facebook Freunde aus ihrem Leben verbannen, weil sie sich ausgesprochen beleidigt fühlen. - persönlich ist es allemal... nur spreche ich von mir als Person, von meinen Gefühlen.

Ich entdecke jedes Jahr aufs neue wie sehr mich diese Welt in der ich lebe ankotzt. Ja ich gebe es offen zu, ich bin während der kalten Feiertage eher Melancholisch.
Wäre ich alleine würde ich diese Tage im Bett verbringen und mir wahrscheinlich die Seele aus dem Leib heulen und verheult aber entleert und erfrischt - losgelassen - das nächste Jahr beginnen, so aber bin ich nicht alleine.
Ich nehme mich also zusammen und versuche zumindest den Schein zu wahren, indem ich meiner Familie das Zepter überlasse.


"Lasst uns feiern, lasst uns Glücklich sein" - wenn ihr wollt. Dieses Jahr scheint niemand zu wollen.


Ich bin nicht glücklich und  nicht unglücklich und schon gar nicht in Feierstimmung. Ich bin zufrieden, in mir ist Ruhe. Aber spontan kann ich nicht so tun als sei ich mehr als das was ich bin. Um wirklich Glücklich zu sein braucht es bei mir mehr als nur einen Plastikbaum, und ein paar Lichter.
In mir ist ein großes offenes Loch, das erwartungsvoll vor sich hin brennt.
Ich warte auf den großen Knall, auf die offizielle Ankündigung das wir im Krieg sind.
Ich warte darauf das Frau Merkel von ihrem Thron herunter steigt und verkündet sie würde jetzt in den Bunker einziehen der schon seit Jahren für sie offen steht.
Ich warte darauf das die Mauern eingerissen werden, von den Menschenmassen die bereits davor stehen.
Ich warte darauf dass das passiert, was ich seit letztem Jahr wahrnehme, ein Gefühl von Zusammenbruch. Und ein Stück Hoffnung der Erneuerung... aber das ist Zukunftsmusik, bleiben wir in der Gegenwart.


Es ist schwer dieser Wahrnehmung zu vertrauen, wenn um einem herum so getan wird als sei alles in Ordnung.
Diese Welt ist nicht in Ordnung, daran werden auch die Kerzen nichts helfen, die gestern oder war es vorgestern an den Fenstern standen, als gedenken an Berlin.

Wir müssten mittlerweile alle Fenster der Häuser mit Kerzen bestücken, wenn wir an die Toten denken wollen, die gewaltsam umkamen, so viele Kerzen wird es in den Läden nicht geben und so viele Fenster wird kein Haus haben.

Ich hab auch hier bewusst gestreikt. Denn ich will nicht einem Facebook Aufruf folgen, der sich wiederholt der Solidarität bedient, nur die Kerzen und Bilder ändern sich, aber nicht das Echo.


"Sei nicht das Echo, sei die Stimme!" Manchmal braucht es mehr als eine Kerze am Fenster um bewusst zu machen, wie sehr ich dieses Land verachte. Ja, ich fühle mich nicht als Deutsche und ich bin nicht stolz auf etwas, das so vor die Hunde geht, wie Deutschland. Ich verachte diese Doppelmoral die auf der einen Seite sich mit einer mitfühlenden Religion schmückt und auf der anderen Seite immer tiefer in die rechte Scheiße rutscht in der wir schon einmal waren.

Ich will nicht an die Toten denken, an die Gefallenen eines Krieges der es noch nicht einmal für Nötig hält, als ein solcher betitelt zu werden. Die Medien meiden das Wort wie die Pest und doch fühlt es jeder, es ist Krieg und alle ignorieren es.


Ich will an die Lebenden und Liebenden denken, die noch vor den Toren ihres eigenen Todes stehen.
Die eine Chance haben.
Ich will an die Soldaten denken die unterwegs sind in die Kriegsgebiete. Ich will an die Kinder denken die um ihr Leben kämpfen, mit Waffen bestückt die unsere Regierung bereitwillig zur Verfügung stellte.

Ich will an die Mörder denken die hinter den Gardinen hocken und Kommandos geben und dann Abends im Lichterglanz ihrer Familien fröhlich mit Wein und Sekt anstoßen, während  das Lichtergewitter Menschen vernichtet. Diese Mörder haben viele Gesichter und sprechen alle Sprachen dieser Welt.

Ich möchte heute an all die denken die sich in Armeedecken hüllen, oder in Schlafsäcken, die keinen Platz mehr bekommen haben in den Obdachlosenheimen. Ich möchte an die Tiere denken die bereits unterwegs sind zum nächsten Schlachthof. Ich möchte an die Menschen denken die in den Gefängnissen sitzen, vor sich ein leeres Blatt Papier und die nicht wissen was sie schreiben sollen, grüße zu Weihnachten aus dem Knast? An wen?
Ich möchte an die Polizisten denken die schon seit Stunden auf der Wache sitzen und warten. Oder die die morgen Nachtschicht haben.

Ich will an all die Lebenden denken die die nächsten Tage damit beschäftigt sind, Menschenleben zu retten. All die Ärzte und Krankenschwester. Für sie wird es ein kurzes Weihnachten geben, vielleicht eine Kerze in der Kantine und ein Schluck O-Saft aus dem Pappbecher, während der nächste Patient schon wartet.

Ich möchte an die Flüchtlinge denken die vor den Toren stehen und warten und an die Menschen die während ihrer Flucht alles verloren haben und doch im Geiste reich sind, weil sie überlebt haben.

Ich möchte an die Kranken und Behinderten denken und an die Alten, ich möchte an die denken die sich Arm nennen und an die Menschen die wirklich Arm sind.
An alle Menschen dieser Welt die noch leben. Ich möchte Ihnen die Kerze in die Hand drücken, auf das sie hell erleuchten, so das alle gesehen werden.

Wenn schon eine Kerze, dann wenigstens so und nicht anders.

Wir gedenken viel zu oft der Toten und ignorieren die Lebenden.
Unsere Kultur ist eine Kultur die mehr in der Vergangenheit oder Zukunft lebt als in der Gegenwart.

Ich fühle mich wie ET der nach Hause telefonieren möchte.
Nachhause in eine Welt die friedvoller ist als diese, sie muss nicht viel tun, einfach nur miteinander sein, statt gegeneinander. Und wenn in dieser anderen Welt Weihnachten gefeiert wird, werde ich vielleicht endlich dazu gehören, zu den Feiernden.


Aber bis dahin bleibt meine Weihnachtstür geschlossen.


Wir sehen uns erst am 31 wieder...
Ich gedenke den Lebenden... und zünde eine Kerze für EUCH an... für jeden einzelnen


Alles liebe eure Jo Andarnil



Samstag, 19. November 2016

Die Feder und die Brücke - Tagebuch




Das Jahr geht langsam dem Ende zu.

Ich sehe mich auf einer Brücke stehen, der Wind saust mir um die Ohren, aber die Brücke steht sicher, das überqueren ist nicht schwer. Also lauf ich los, doch irgendwann verändert sich der Wind. Aus einem kleinen Sturm ist ein Orkan geworden und ich fühle wie sich die Brücke bewegt, wie sie anfängt nach allen Seiten auszuschlagen und ich höre wie die Verankerungen quietschen und sich gegen diese Bewegung wehren. Ich halte mich mit beiden Händen fest und mein Blick geht zurück.

Erinnerungen tauchen auf, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre. Wenn ich zurück gehe ist der Weg genauso beschwerlich wie wenn ich nach vorne gehe. Nur das was war, das kenne ich, das was sein wird, ist für mich der unbekannte Fleck.

Ich bin mein Leben lang fasziniert von dieser Brücke, die mich vorwärts treibt, die mich schwanken lässt, die mich offen für das Unbekannte macht, die mich zurück blicken lässt auf eine Zeit die ich passiert habe. Bis dahin hab ich es geschafft, den Rest werde ich auch noch schaffen.
Ich hatte noch nie das Bedürfnis zurück zu gehen, wieder zurück zu das was ich kannte, was mir Vertraut war. Was mir schmerz bereitet hat.

Wenn ich eines im Buddhismus gelernt habe, dann das Leid wirklich allgegenwärtig ist. Keine Zeit ohne Leid, keine Erinnerung ohne Leid, keine Gegenwart ohne Leid und so auch keine Zukunft ohne Leid. Leid ist immer da, davon hat jeder Mensch genauso viel zur Verfügung wie vom Glück.
Doch während das Glück wie eine Feder über unseren Kopfen weht, müssen wir schwer am Leid tragen.
So ist es auch einfacher sich zu erinnern wie sehr man gelitten hat als sich zu erinnern wie glücklich man war.

Die Feder über unseren Köpfen symbolisiert die Freiheit, im Leid war noch nie jemand frei. Und wirklich frei kann man sich erst ohne Leid fühlen.
Ich möchte die Feder gerne fassen und mich von ihr in die Lüfte treiben lassen. Den Wind und die Gezeiten fühlen dort oben, wo mir das Schwanken der Brücke  nichts anhaben kann.

In den letzten zwei Jahren hat meine Brücke so sehr geschwankt das ich manchmal dachte gleich bricht sie zusammen und ich gehe mit ihr unter. Aber die Jahre haben mir gezeigt wie viel sie ertragen kann, das leise Quietschen der Verankerungen ist nichts gegen das Zerren und Reißen der Taue die vorher die Brücke hielten.

Ich hab so vieles erlebt, manchmal denke ich, ich bin ein alternder Soldat der den Blick zurück zum Schlachtfeld schweifen lässt und dann ohne seine Kameraden los läuft... immer weiter und weiter. Die Zerstörung ganzer Leben liegt hinter ihm.

In den letzten zwei Jahren wurde ich zu Andarnil, einer Schülerin des Lebens. Kein Lehrer kann mir das beibringen was diese Brücke bislang erreicht hat. Ich lerne das Leben von allen Seiten kennen.
Es gibt Tage da denke ich darüber nach, warum das so ist, wieso musste ich all das erfahren um es zu verstehen. Die Antwort ist in mir.
Der Weg des Bodhisattva lehrt das es notwendig ist, die Dinge zu erfahren um sie aufzulösen. Man kann nur wirklich verstehen, wenn man es verinnerlicht hat, wenn man mitten im Geschehen ist. Der Sturm wird immer vor einem stehen bleiben, wenn man ihn nicht am eigenen Leib erlebt hat.

Menschen urteilen gerne über Dinge die sie nicht kennen, von denen sie aber überzeugt sind, genug Wissen angebaut zu haben, um darüber reden zu können.
In Wahrheit ist das Wissen um die Dinge die man nicht kennt, nur eine Illusion, eine Phantasie.

Wer über Schokolade reden will, muss wissen wie Schokolade aussieht und wie sie schmeckt.

Das ist die erste Lektion die ich lernen musste. Um über etwas zu sprechen, musste ich es erlebt haben. Um zu wissen wie Leid sich anfühlt, muss ich Leid erlebt haben. Um zu wissen wie sich Glück anfühlt, muss ich Glück erlebt haben.

Meine Brücke wird immer wieder schwanken und wieder zur Ruhe kommen und sich wieder im Sturm des Lebens bewegen, bis ich das Ende erreicht habe und dieses Leben verlassen darf.
Für mich ist die Brücke nichts was mich sorgt, oder mir Angst macht. Sie gehört einfach zu meinem Leben dazu. Der Sturm zeigt mir, dass ich noch bereit bin, für die Lebendigkeit des Seins. Mit allen Höhen und Tiefen, mit all dem Schmerz und all dem Glück.

Das Jahr geht seinem Ende zu. Ein neues Jahr mit neuen Abenteuern steht bereits in den Startlöchern. Vieles ist bereits vorgegeben, aus alten Karma Erkenntnissen gesponnen. Diese Dinge können wir nicht kontrollieren, es wird geschehen was geschehen muss, unabhängig ob es uns gefällt oder nicht. Die Brücke wird wieder schwanken und die Gischt wird hoch schlagen, die Feder wird über meinem Kopf kreisen wie ein Adler über seinem Nest.
Das Leben wird mir weitere Erkenntnisse schenken und ich werde weinen und lachen.
Oft denke ich - "Ach was für ein scheiß Jahr!" und ich hoffe - "Möge uns das nächste Jahr schöner in Erinnerung bleiben"

Egal wie das Jahr war und die das nächste wird, ich kann es nicht ändern, nicht beeinflussen, nichts tun, um die Jahre die vergangen sind aus meiner Erinnerung zu streichen und nichts tun um mich auf der Feder über meinem Kopf in die Lüfte zu schwingen, auf dass ich nur Glück erfahren möge.
Die Feder ist frei und der Wind weht sie über unseren Köpfen und die Brücke schwankt dazu zu einer Melodie.

Und so lerne ich mal wieder ein neues Lied in einer neuen Sprache, auf das ich dazu singen werde...

In diesem Sinne
lasst uns zum Leben singen, dass lässt die Feder noch freier über unseren Köpfen schweben.
Leid vergeht.

Namasté
Eure Andarnil





Donnerstag, 11. August 2016

Tagebuch - wieder ein Gefühl von Glück


Schnecken gehören wie Katzen und Affen zu meinen Lieblingstieren, diese hier hat mich besonders fasziniert.
- In unserem Garten. 


Meine Freunde und Nachbarn hier bringen mich echt zum Weinen... alle sind so unglaublich liebenswert. Es ist da - das Gefühl endlich nach Hause zu kommen.
Ich kenne das nicht, dass Nachbarn für einander da sind - nicht so wie hier. Da hilft man sich gegenseitig, hat für einander ein Ohr, es entwickeln sich sehr schnell private Gespräche. Man duzt sich...alles sehr fremd für uns. Dadurch das wir schon immer sehr unkonventionell leben, kamen wir in Südhessen nicht so schnell in Kontakt wie hier. Hier ist vieles unkompliziert. Aber auch schlichter, dadurch das viele Tiere haben, ist ein schickes und gestyltes Aussehen nicht wichtig. Mir scheint wichtig ist nur der Kern, der Charakter. Mich hat hier noch niemand gefragt, warum ich Glatze trage, ich tue es und es wird akzeptiert.

Gegenseitige Hilfe ist hier normal. Und was ich wirklich als sehr angenehm empfinde, niemand hat bisher über Flüchtlinge gemeckert, keiner meint er währe ein besorgter Bürger - im Gegenteil, ich erlebe die Leute hier sehr offen, auch Fremden gegenüber - denn letztendlich sind auch wir das. Aber sobald wir erwähnen das wir hier her gezogen sind, fangen sie an zu strahlen und freuen sich.
Anders als in Südhessen, da bleibt man Zugezogene.

Innerhalb von nur einen Monat haben wir Menschen kennen gelernt die uns Tür und Tor öffnen. Toll ist auch, dass unsere Tochter so nett in der Schule aufgenommen wurde. Ich bin sehr happy, dass sie sich hier wohl fühlt. Sie hat innerhalb kürzester Zeit Freunde gefunden und ist in der Kindergemeinschaft so integriert, dass sie sogar ihr Tablet vergisst.

Es ist anders hier, für uns noch fremd, ungewohnt. Ich bin immer noch irritiert und sehr glücklich und auch traurig, denn ich bin in Hessen geboren und immer schon hat mir etwas gefehlt. Ich habe diese Art der Offenheit in Niederlande kennen gelernt und mich dort immer wohl gefühlt. Aber ich hätte nie geglaubt, das Deutschland auch so einen Pfleckchen Erde hat, an dem Mensch endlich ankommen kann, sich wohl fühlen kann. Sich niederlassen kann mit dem Gefühl nicht allein zu sein.
Hier wird mir bewusst, wie einsam ich in Südhessen war. Es wird mir auch bewusst, wie anders ich Freundschaften gelebt habe. Ich lerne eine ganz andere Seite an mir kennen - diese Intensität der gegenseitigen Hilfe, des miteinanders - es ist wundervoll. Wir sind mittendrin und nicht mehr am Rand.

Und das obwohl wir Homosexuell sind, obwohl wir eine andere Religion haben. Das macht mich Glücklich.


Herzlichst eure Jo

Donnerstag, 2. Juni 2016

Mitgefühl, Achtsamkeit, Liebe... ein Geben und Nehmen...


Ein Geben ohne Erwartung erhält ein Geben ohne Erwartung zurück.

Wir erleben die Welt in ihrer Ganzheitlichkeit - sehr viele traurige Momente. Denn meine Bella hat Krebs. Wir wissen nicht ob sie die Op gut übersteht, oder zu den anderen Vierbeiner über die Regenbogenbrücke geht. Als ich es erfuhr war ich so starr wie ein Felsen und genauso kalt war es in mir. Ich fühlte erst einmal gar nichts und dann kam die Angst und Trauer, sie gesellte sich zu den anderen Ängsten um unsere Existenz und das Überleben unserer Tiere.
Die letzten Monate haben tiefe Gräben in mir hinterlassen, ein dauerndes Hoch und Tief zerrt an meinen Nerven.
Ich bin erschöpft und falle Frühabends schon todmüde ins Bett um dann in der Nacht aufzuwachen und zu grübeln. Der Buddhismus der mich all die Jahre in seinen weichen Händen hielt zeigt mir nun die komplette Vielfalt seiner Erfahrung - das Leid in seiner Ganzheit, wie das Glück in seiner Ganzheit. Beides gemeinsam so voll und ganz ohne das ich die Möglichkeit habe weg zu sehen, oder abzutauchen, mich in Nebensächlichkeiten zu verstecken. Ich bekomme alle Ebenen ab und muss damit leben. 

Es war schon immer so, das bei jedem Neuanfang etwas altes ging. Meist waren es Tiere die kurz davor krank wurden und starben. Auch aber lieb gewonnenen Freundschaften gingen zu Ende, oder Partnerschaften. Ich kenne es gar nicht anders.
Das ist die dunkle Seite der Medaille, die Seite die man gerne wieder vergisst, oder an der man sich festklammert... je nachdem welch ein Mensch man ist.

Ich möchte sie schnellstmöglich vergessen um mich  immer wieder um das JETZT zu kümmern ohne an die Zeit zurückzudenken die mir weh tat.
Die letzten Monate waren sehr schmerzhaft und sind es immer noch.
Wir haben erleben müssen, das Menschen sich zurück zogen, einige haben uns verurteilt, andere wiederum haben uns Halt gegeben, uns mit Liebe und Zuneigung überschüttet.

Heute will ich von "den Anderen" erzählen.
...
Von einer lieben Freundin die in Australien lebt und mich in jeder Hinsicht unterstützt. So einen Menschen habe ich bisher noch nie kennen gelernt. Ihr Leitsatz ist: "Ich weiß wie es ist wenn es einen schlecht geht. Mir geht es gerade gut, also warum nicht helfen, wo Hilfe nötig ist"
Sie hat uns schon so oft in der Not geholfen, dass ich es nicht mehr aufzählen kann. Auch wenn wir uns nur selten sehen und eigentlich nur über Whats App Kontakt pflegen ist sie für mich zu einer wirklichen Freundin geworden, ich möchte sie nicht missen.

...
Von meinen neuen Nachbarn. Die ich schon sehr lange kenne. Wir haben das gleiche Schicksal, denn wir mussten sehr lange auf unseren Herzenswunsch warten - auf unsere Kinder. Dieses Schicksal hat uns zusammengeführt. Früher war ich so etwas wie "Die Mutter der Nation" , wir trafen uns in einer Online Selbsthilfegruppe die ich gründete. Wir trafen uns auch einmal persönlich und ansonsten pflegten wir den Kontakt über das Forum. Als ich dann das Forum aus persönlichen Gründen schloss, waren viele der Frauen enttäuscht und traurig. Der Kontakt wurde erst einmal auf Eis gelegt. Doch dann trafen wir uns wieder auf Facebook. Diese liebe Menschen unterstützen unseren Tierhof seitdem und halfen uns unser neues Zuhause zu finden. Ohne die zwei hätten wir keine Chance gehabt, aber das war es nicht alleine. Als die Besichtigung unseres Hauses näher rückte boten sie uns sofort an, bei ihnen zu übernachten und dann geschah etwas das ich ganz ehrlich noch nie erlebt habe. Sie schenkten uns die schönste Zeit seit langem inklusive veganer Bewirtung (obwohl sie omnivor leben). Wir haben uns so wohlgefühlt bei der großen kleinen Familie wie schon lange nicht mehr und das erste mal seit Jahren konnte ich mich so richtig entspannen, es war wie Urlaub.
Aber es gab noch mehr was sie für uns taten, wir dürfen auch während der Renovierung des Hauses bei ihnen übernachten, zusammen mit einer Freundin von uns, die sie gar nicht kennen. Als wir überlegten wie wir das mit der Kaution hinbekommen, legten unsere Freunde  die Kaution vor und boten sogar an, die Katzen zu holen. Aber das lehnte ich dankend und mit Tränen in den Augen ab. Die zwei hatten schon wirklich genug für uns getan. Und bei alldem was sie für uns tun, sorgen sie noch für 1 eigenes Kind und 3 Pflegekinder. Das ist für mich so was von unglaublich, das ich es oft nicht fassen kann.
...
von einer lieben Freundin die extra Urlaub genommen hat um unsere Katzen von Süddeutschland nach Norddeutschland zu fahren. Vor einigen Jahren half  ich ihr mal in einer Notsituation und seit dem sind wir sehr gut befreundet. Wir sehen uns nicht sehr oft, wir telefonieren auch kaum miteinander, aber wir haben etwas miteinander geteilt, das uns verbindet, wir sehr war mir gar nicht bewusst.
Sie unterstützt unsere Tiere seit einigen Monaten. Angefangen hat es damit das wir uns beim Einkauf trafen und sie mir beim Abschied einfach 20 Euro für unsere Tiere in die Hand drückte. Wir hatten beide Tränen in den Augen vor Rührung. Später sagte sie mir, dass sie schon länger darüber nachdenkt uns zu unterstützen. Dabei war ihr Leben alles andere als Einfach. Es gibt Momente da ist sie so erschöpft das sie im Stehen einschlafen könnte, sie arbeitet sehr viel und sehr hart.
Und nun fährt sie 600 km mit 15 Katzen im Gepäck und sagt: " Wo es mir schlecht ging, hatte ich Freunde und dafür bin ich Dankbar. Jetzt ist es an mir diese Hilfe die ich bekommen habe, an Menschen die mir wichtig sind weiter zu geben. Licht in dunkle Ecken tragen..."

Es gibt Momente da sitze ich hier und weine vor Glück das ich solche Freunde habe. Und die drei sind nur ein Beispiel von Vielen Momenten mit sehr unterschiedlichen Menschen.

...
So gibt es z.B. eine Freundin die ich schon über 20 Jahre kenne. Einst trafen wir uns, weil wir beide dachten, vielleicht steckt hinter den Zeilen die Frau des Lebens - aber dem war nicht so, stattdessen . wurde daraus eine Freundschaft. Wir haben Zeiten erlebt, da waren wir getrennt, weil ich mich trennen musste. Aber es kam auch die Zeit da trafen wir uns wieder und lebten die Freundschaft erneut auf. Wir haben viel gemeinsam erlebt. Trauer und Glück steht eben nebeneinander und hält sich an der Hand.
So ist es auch mit meiner Freundin. Durch ein traumatisches und gefährliches Erlebnis während ihrer Arbeit, konnte sie ihren Beruf als Intensiv Krankenschwester nicht mehr ausführen und sie saß fast auf der Straße. Während dieser Zeit kamen wir uns wieder näher, wir rückten zusammen und ich gab ihr seelischen Beistand. Es war keine einfache Zeit für sie. Mittlerweile ist auch sie berentet.
Und als sie erfuhr das wir endlich ein neues Zuhause gefunden haben, bot sie spontan an zu helfen. Also wird sie nächste Woche mit nach Norddeutschland fahren und mit uns renovieren.
Das ist nicht das erste Mal das wir gemeinsam renovieren. Irgendwie scheint das bei uns so etwas wie ein liebevolles Ritual geworden zu sein. 

...
Dann gibt es noch meine niederländische Freundin. Die sich sorgt und mehrmals am Tag anruft um zu fragen wie es uns geht. Jede Niederlage wird mit einem herzlichen Auffangen unterstützt und jeder glückliche Moment wird mit Freude begrüßt.
Die letzten Monate war sie wie ein Fels in der Brandung für uns. Sie ist körperlich sehr eingeschränkt weil sie die gleiche Rheuma Erkrankung hat wie ich. Aber wir sehen uns sehr oft und jedesmal empfinde ich eine tiefe liebe zu ihr.
Dabei hat auch sie sehr viel schlimmes erlebt in den letzten Jahren und es gab immer wieder Momente da brach ein neuer Staudamm in ihrem Leben ein. Jetzt hab ich das Gefühl kommt sie endlich bei sich selbst an und das zeigt sie anhand ihrer Lebensfreude.
Sie gibt sehr viel an Zuneigung und Liebe, nicht nur uns sondern auch Flüchtlinge die sie betreut. Durch sie habe ich einen Einblick in das Leben der Menschen die um ihr Leben geflohen sind. Menschen deren Schicksale von Seiten unserer Gesellschaft oft ignoriert werden. Meine Freundin kümmert sich um sie und sie leidet mit und freut sich mit - jedes Lächeln in den Gesichtern der Menschen die sie betreut ist ein kleiner Sieg gegen den Neid und der Missgunst.

Was ich sehr schön an all diesen Freundschaften finde - wir teilen miteinander Freude und Leid und das auf allen Ebenen.

All diese Freunde haben mitgefiebert als klar war das wir ein Haus suchen, weil wir dieses verlassen müssen. Teilweise war es ein Rennen zwischen lieben Menschen wer es schafft dass wir in dessen Richtung ziehen. Man schickte uns Anzeigen aus den  Regionalzeitungen in denen sie lebten. Und als wir die Anzeige aus Cuxhaven bekamen, telefonierten meine Norddeutschen Freunde hinter uns her: "Ihr müsst da gleich anrufen, das ist in unserer Nähe!"
So viele liebevolle Aufmerksamkeit ist gerade Balsam für meine gebeutelte Seele.
Das macht mich unglaublich Glücklich, mehr als ich in Worte fassen kann.

Ich habe das noch nie so vorher erlebt.
Für mich und Britta ist es immer schon selbstverständlich gewesen zu helfen, wenn Hilfe notwendig war. Das wir Hilfe auch zurück bekommen, damit haben wir nicht gerechnet. Ich bin jedesmal irrtiert und es treibt mir immer noch die Tränen in die Augen.
Und tief in mir ist dieser berühmte Satz, den wohl jeder schon einmal gedacht oder ausgesprochen hat: 
Womit hab ich das verdient. 

Ja ich bin davon nicht entfernt. Wir denken alle wenn uns Glück widerfährt womit wir nicht gerechnet haben, das wir nichts getan haben, um das zu verdienen.
Mein Herz schaltet sich mittlerweile bei diesen Gedanken sofort ein -
"Du stellst keine Erwartungen wenn du etwas tust, oder hilfst. Warum gönnst du nicht den anderen die gleiche Freude zu helfen?" Das schüttelt mich wieder wach.

Glück ist da wenn man gibt und auch das annehmen, ist ein geben.
Das wird mir erst jetzt bewusst. Ich hoffe sehr das meine Freunde sich genauso über ihr Geben und mein Annehmen freuen wie ich selbst.
Ich hoffe das ich gute Gefühle in ihnen entstehen lassen kann, weil ich so unendlich Dankbar bin für ihr Dasein, für ihr Vertrauen, für ihre Freundschaft, für dieses Geben und Annehmen. 
Wir haben so unglaublich tolle Menschen um uns herum. 

Und während ich das hier schreibe muss ich weinen... Britta fragt mich ob es Glück ist, Trauer oder Liebe und ich fühle einfach alles zusammen.
Es tut weh tief in mir, weil ich so viel Geben nur von Britta kenne. Ich kann es einfach nicht anders beschreiben, ich bin tief berührt das ich einen Kloß im Hals habe.
Und gleichzeitig kommen Gedanken an meine Kindheit hoch, das ich erst 50 Jahre alt werden musste, um Menschen zu finden die mir in der Not zur Seite stehen...

Glück hat so viele, unwahrscheinlich viele Facetten. Und zu jedem Glück gehört eben auch ein Stück Trauer dazu.

Es gab Zeiten da war ich noch verzweifelter als jetzt und ich habe es geschafft zu überleben... das hier ist eigentlich nichts dagegen und doch bin ich unendlich froh, wenn wir endlich ein Leben im Norden anfangen können - Ankommen... ich denke daran und freue mich von Herzen auf meine lieben Nachbarn. 

Die nächsten Wochen komme ich kaum zum Schreiben, wir ziehen am 1 Juli um. Der Umzug wird zwei Tage andauern. Es wir sehr stressig.

In diesem Sinne 

In solchen Situationen merkt man erst wie wichtig Freunde sind.
Deshalb mein Tipp an euch:
Sagt doch einfach mal euren Freunden wie lieb ihr sie habt und freut euch darüber wenn sie sich freuen...

Euch alles Liebe - bis bald.
Eure Andarnil 





Montag, 9. November 2015

Tagebuch - Flocke ist tot...



Ein Zustand von Herbst.

Das Blatt das eben noch am Baum gehangen,
nun vor meinen Füße fällt.
Fällt auch das Leben welches eben noch gelebt
Das Herz welches eben noch geschlagen.
Die Augen welche eben noch gefunkelt haben.

So viele kleine Leben sind gegangen.
Ein ewiges Abschied nehmen
Ein ewiges Willkommen heißen
Ich gedenke heute deinen Namen.


Vorgestern ist unser ältester Kater gestorben, er hieß Flocke und war gehörlos.
Er war viele Jahre Teil unseres Lebens.

Dieses Jahr war kein einfaches Jahr für uns, es gab viele Veränderungen, viele kleine Tode.
Meine Trauer ist nun bewusster und kürzer.
Der Schmerz in meiner Brust ist kurz und präsent.
Das Vermissen ist wie ein kleiner Schleier der sich über mein Leben gelegt hat, ein kurzes Aufflackern einer Präsens die es nicht mehr gibt.
Wir haben ihn beerdigt, während die Sonne unterging und sein Grab in ein goldrotes Licht tauchte.
Shaya sang schief: Gate Gate Paragate Parasamgate bodhi svaha.
Dann sprachen wir das Sutra gemeinsam. Sie legte noch einige Blätter zu ihm ins Grab.
Es war so schön ruhig, genauso ruhig wie er gestorben war.
Er fiel einfach um und war tot.
Ich habe noch versucht durch Mund zu Mund Beatmung und Herzmassage sein Herzchen zum schlagen zu bewegen. Aber er wollte gehen und so lies ich ihn gehen.

Es ist ein anderer Tod, wenn er unvorbereitet kommt. Schnell, unaufhaltsam. Es reißt einem mit, wo immer man gerade ist. Ein Schock, den man erst einmal verarbeiten muss. Nachdem ich versucht hatte, ihm zum Leben zu bringen, standen wir drei eine Weile in der Küche und sahen auf ihn hinab, wie er dort leblos lag. Mein Gehirn konnte es nicht fassen. Er war nicht mehr da.
Gestern habe ich mir die Zeit genommen um zu trauern. Es war ein anderes Trauern. Es war ruhig um mich herum, in mir. Eine wohlige Ruhe ohne nachhallenden Schmerz. Ich hatte alles an Schmerz ausgelebt, danach kam nichts mehr. Wenn ich mich jetzt erinnere, taucht ein Flocke kurz auf und geht wieder. Eine ruhige Erinnerung, eine schöne Zeit mit ihm.

Es geht weiter, jeden Tag ein Stück weiter.
ohne ihn....


Wo immer du bist, vielleicht kannst du jetzt die Vögel singen hören... sei Frei!!!



Namasté

Eure Adarnil






Dienstag, 1. September 2015

Immer nur der Moment (Teil 2)



... Wenn wirklich alles wegfällt, das ganze Sicherheitsgebäude von Erfolg nur noch Erinnerung ist, dann hilft es nichts dem hinterher zu weinen. Es hat keinen Sinn, zurück gehen zu wollen, die Vergangenheit verändern zu wollen. Noch hat es einen Sinn sich darüber Gedanken zu machen, was man im nächsten Jahr besser machen kann.

Viele Menschen sagen dann: "Irgendwann versuch ich es" - ich bin übrigens auch so ein Mensch, ich schiebe GANZ unangenehme Dinge (Wie Nahrungsumstellung oder Arztbesuche) gerne auf "Irgendwann".
Die Frage ist - gerade in existenziellen Situationen - warum nicht jetzt sofort? -

Wenn es Leid verursacht, schieb es nicht vor dich her, denn das Leid verändert sich dadurch nicht, es wird nur zur Gewohnheit. 


Der Moment an dem wir innerlich das Gefühl haben zu zerbrechen, ist auch der Moment an dem wir etwas dagegen tun sollten. Wir können uns selbst analysieren, wo tut es gerade weh und warum tut es weh, welche Ursachen hat es - es ist es wirklich wahr, das es genau DIESE Ursache hat? Oder ist die Ursache noch viel tiefer zu finden?
Wenn das Warum klar ist, kennen wir die Wurzel allen Übels.
Wenn wir allerdings das Warum bei anderen suchen, kommen wir keinen Schritt weiter.
Denn wir können niemanden verändern und schon gar nicht die Vergangenheit.

Wenn wir also anfangen zu denken, dass ein anderen an unseren Problemen Schuld ist - muss uns klar sein, das wir weder das verändern können, was passiert, noch die Person verändern können, die angeblich Schuld ist. Wir können nur den Moment verändern. Wenn der Schmerz passiert ist, können wir schauen, das wir diesen Schmerz verarbeiten. Wenn wir in diesen Moment annehmen, es könnte weh tun, können wir uns aus der Situation entfernen, um den Schmerz erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Da wir aber annahmen, das es in der Vergangenheit weh getan hat, konnten wir den Schmerz nicht aufhalten. Nur gehört dieser eben in die Vergangenheit und nicht mehr in die Gegenwart.

Einige werden jetzt den Kopf schütteln und mir klar machen, das Traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit immer noch fühlbar sind.

Richtig als Echo, als Erinnerung, als Narbe.

Wenn wir eine Narbe haben, können wir sie pflegen, wir können sie durch einen Chirurgen entfernen lassen, aber es bleibt auch dann ein Hinweiß, dass dort auf der Haut eine Narbe gewesen ist. Das ist das Echo.

Im Moment zu leben, heißt nicht, das man die Vergangenheit vollständig abschaltet, wie wenn man eine Lampe ausknipsen würde. Es heißt nur das uns bewusst ist, dass das was wir fühlen aus der Vergangenheit stammt. Dieses Bewusstsein kurbelt andere Bewusstmachende Aspekte an, nämlich den Aspekt, was Vergangen ist, existiert jetzt nicht mehr, es ist vorbei. Alleine mit dieser Klarheit können wir arbeiten.

- BEDENKTE: Es ist alles da. Das Bewusste und das Unbewusste, sind Teil eines Ganzen - nämlich WIR/ICH. Wenn wir also darauf beharren das sich Widerholungen aus dem Unbewussten ergeben und wir dagegen nichts tun können, beharren wir auch darauf, das sich Widerholungen nicht auflösen lassen. Das ist das Gleiche, wie wenn man sich einen Müllberg anschafft  und sich auf das Sofa setzt und erhofft der Müllberg verschwindet von alleine -

Leben ist Arbeit an sich selbst. Wenn wir also merken, es geht uns schlecht, hilft es absolut nichts, das Jedem zu erzählen möglichst vom Sofa aus, aber selbst nichts dagegen zu tun (in dem Fall herausfinden warum es einem Schlecht geht und recherchieren welche Möglichkeiten es gibt, dass es einem besser geht).

Es ist nicht Entscheidend was wir in unserer Vergangenheit erlebt haben. Nur was wir jetzt in diesem Moment erleben ist wirklich wichtig für diesen Moment. Es ist nicht entscheidend, ob wir in der Verganenheit Drogen nahmen, uns Prostituierten, unseren Partner betrogen oder uns  selbst aus jeglicher Verantwortung gezogen haben. Wenn wir aus unseren Erleben lernen konnten und uns die Gedanken daran schmerzen, können wir es auch ändern. Wir haben es in der Hand JETZT in diesem Moment. Denn wir können auch nicht entscheiden was in der Zukunft geschieht, denn die Zukunft ist in dauernder Veränderung:

Beispiel aus meinem Leben:

Als Britta mit Shaya schwanger war, machten wir gemeinsam einen Schwangerschaftskurs. Dort erzählte ein Paar am Tag der Vorstellung, das sie einen Jungen bekommen werden, der dann in die Fußstapfen seines Vaters treten wird und dessen Geschäft eines Tages übernimmt.

Damals verdrehte ich die Augen und konnte mir gerade noch eine unliebe Bemerkung verkneifen. Im Laufe der Zeit wurde mir aber bewusst, das viele Eltern so oder so ähnlich denken. Und hinter diesem Gedanken steckt letztendlich ein Sicherheitsbewusstsein. Sie wollen das Beste für ihr Kind und möglichst große Absicherung.

Bei meinem oben genannten Beispiel war es aber so, das die Eltern in unserem alter waren. Man muss als "Spätgebärende"  immer damit rechnen, das man vielleicht  vor dem Erwachsensein seines Kindes stirbt, oder andere Umständen einen zwingen das Leben zu verändern. Eine Erkrankung, frühzeitige Rente oder Pensionierung. Wir wissen nicht was auf uns zukommt. Wenn wir für uns in die Zukunft planen kann das ziemlich schnell in die Hose gehen, wenn wir noch dazu für unsere Kinder in die Zukunft planen, reicht eine Hose nicht.

Wir wissen weder wie sich unsere Kinder entwickeln, noch wissen wir für welchen Beruf sie sich entscheiden, ob sie lieber Schwänzen als die Schule zu besuchen, ob sie das Abitur schaffen, ob sie studieren, ob sie Heterosexuell sind, oder Homosexuell oder gar Transexuell, Heiraten und Kinder bekommen, oder ob sie ein Leben im Kloster führen werden. Manchmal erfahren wir ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, das ist aber auch schon alles was wir wissen werden und manchmal täuscht sich sogar der Arzt im Geschlecht.

Die Vorstellung, dass unsere Kinder einst in unsere Fußstapfen treten werden, ist an eine Hoffnung geknüpft, nämlich der Hoffnung sie sind so wie wir.
Wir erleben oft sehr schnell welcher Illusion wir aufsitzen, denn so wie wir kann niemand sein. Unsere Kinder sind Einzigartige Geschöpfe, genau wie wir einzigartig sind.
Sie werden ihre eigenen Erfahrungen machen und ihr eigenes Leben aufbauen und das muss wahrlich nicht mit unserem korrespondieren. Es kann genauso gut sein, das sie eine vollkommen andere Richtung einschlagen. Damit wollen sie uns nicht weh tun, sie wollen einfach nur ihr Leben in Freiheit leben, genau wie wir auch.

Kinder können uns den Moment näher bringen, sie bringen uns bei, das Leben schön ist. Als Erwachsene erkennen wir nur noch, das es nicht einfach ist - das Schöne verschwindet aus unseren Gedanken. Blicken wir zurück auf das kindliche Spiel entkommt uns aus den Lippen: "Genieße es jetzt, bald kommt der Ernst des Lebens!"

Kennt ihr diesen Spruch?

Die Frage ist doch wirklich, warum wir bereits als Kinder damit konfrontiert wurden, das es später schlimmer wird?
Und die nächste Frage, ist es das wirklich geworden?

Heute habe ich einen Spruch auf einem Blog gelesen: "Das Leben ist schön!"
Ganz schlicht mit einem Pinselstrich auf ein Stück Papier gemalt. Es erschient mir fast Trotzig.
Wann habt ihr das letzte Mal gesagt, das dass Leben das ihr führt schön ist?
Habt ihr es jemals gesagt?

Ich musste selbst erst einmal darüber nachdenken. Und zu meiner eigenen Überraschung und trotz meiner momentan unsicheren Lebenshof Situation habe ich es tief in mir gefühlt.
Ja das leben ist Schön.
Schau ich zurück sehe ich Leid, schau ich in die Gegenwart ist das Leid aus meiner Vergangenheit vollkommen verschwunden. Ich habe eine wundervolle Familie, ich habe ein schönes Leben, ich bin kreativ, konstruktiv, ich bin Glücklich in diesem Moment.
Wenn ich aber mein komplettes Leben inklusive meiner Vergangenheit sehen würde, würde ich vielleicht denken, ich 50 Jahre alt, ich habe 31 Jahre Leid erlebt, die 32 Jahre wiegen mehr als die 18 Jahre danach. Also?

Ist das ein Grund weiter Unglücklich zu sein?

Viele Menschen haben die Waage im Kopf, sie schauen sich an, was sie alles erlebt haben im Leben und werten die schlimmen Tage höher als die guten Tage. Oft können sie sich an die guten Tage gar nicht erinnern, was bleibt ist Leid.

Warum vergisst der Mensch die schönen Dinge schneller als die Leidvollen?
Die Wissenschaft versucht immer noch das Glück und seine Vorraussetzungen zu erforschen. Mittlerweile sind sie auf interessante Ergebnisse gestoßen.

Freude eine Form des Glücks, gehört wie Angst, Ekel, Wut zu den Basisemotionen.
Glück entsteht im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen und durch körpereigene Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.
Diese Botenstoffe sind für unser Wohlbefinden wichtig und heißen deshalb auch Glückshormone.

Noradrenalin steuert, wie ein Mensch positive oder negative Reize wahrnimmt.  Serotonin bestimmt den längerfristigen Gemütszustand eines Menschen. Ein Mangel an Serotonin hat zur Folge das wir wir ängstlicher, depressiver und aggressiver auf Situationen reagieren. Der dritte Botenstoff Dopamin richtet die Aufmerksamkeit des Menschen auf wohltuende Momente, das kann im Grunde genommen alles sein, eine Blume am Wegesrand, ein gutschmeckendes Essen, ein lächelnder Mensch, Sex.

Man nimmt an, das jeder Mensch auf dieser Welt nach Glück strebt, weil der Ausstoß von Dopamin als sehr belohnend erlebt wird.

Heute kann man davon ausgehen, das Glück und Unglück ganz nah beieinander liegen und das die Botenstoffe diese Emotionen beeinflussen, dennoch sind Menschen diesen Gefühlen nicht blind ausgeliefert. Sie können  sich Zuversicht aneignen und somit das Glück beeinflussen.

Natürlich geschieht das nicht von Heute auf Morgen, dazu brauchen wir Zeit und anfangen tun wir damit das wir jeden Tag, jeden Moment daran arbeiten.

Wie war das bei mir:

Als Kind war die Welt nur in Überleben und Leid aufgeteilt. Wenn ich einen Tag überlebt habe, wartete ich auf den nächsten Tag. Es gab also kein Später in diesem Sinne. Ich habe meine Kraft nicht dahingehend investiert, das ich an die Zukunft gedacht habe. Ich habe nur daran gedacht, den Tag zu überstehen.

Dadurch habe ich einen Vorteil erlangt, den vielleicht viele Menschen nicht haben, ich habe nie gelernt an die Zukunft zu denken. Denn die Zukunft war Unwichtig. Natürlich hab ich auch mal darüber nachgedacht, ob ich heiraten werden, Kinder haben werde... aber kaum kam mir der Gedanke in den Sinn, schob ich ihn zur Seite, denn diese Gedanken waren zu schön um wahr zu sein. Ich musste mich wieder zurück besinnen auf das was ist und nicht auf das was sein werden könnte.

Diese Sicht auf die Dinge gab mir die Wurzel um mein Leid aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Denn dadurch das ich im Moment lebe, ist das was wahr nur als Vergleich zu dem was ist zu sehen.
Ich habe mich also sehr früh daran orientiert ob es mir gut geht oder nicht und was ich tun kann, damit es mir besser geht. Wenn man in meinem Leben überhaupt von Ziel sprechen kann, dann lag mein Ziel immer darin, das ich Glücklich werde, wenn ich es noch nicht bin.
Als Kind habe ich gelernt, das es nur zwei Dinge gibt, die wichtig sind. Das Überleben um zu leben. Diese Erkenntnis hat mich bis heute getragen. Später kam hinzu, das ich diese Erkenntnisse auf andere Menschen übertragen habe. Ich nahm sie sozusagen mit in mein Boot. Nun war es mir  nicht mehr nur wichtig, mein Überleben zu sichern. Denn alleine lebt es sich nicht gut. Sondern auch andere Überleben zu sichern. Ich lernte dadurch zwei weitere wichtige Dinge kennen, mein Ego und mein Mitgefühl. Anfangs war mein Ego stärker als mein Mitgefühl, denn ich musste auf mein Überleben achten, doch je älter ich wurde desto bewusster wurde mir, dass das Leben nicht nur aus meinem Leben besteht.
Ich freundete mich mit Menschen an und fühlte ihr Glück, genauso wie ihr Leid, je intensiver die Freundschaft wurde.
Mir wurde bewusst, das es daher wichtig war, dass die Menschen die ich liebte Glücklich sind, damit ich es auch bin. Also versuchte ich sie Glücklich zu machen, um selbst Glücklich zu sein.

Das war der erste Schritt zum Mitgefühl, - mir bewusst zu machen, das alles zusammen hängt. Das Glück und Leid übertragbar sind und daher weiter gegeben werden können.
Damals wusste ich noch nichts über Buddhismus. Ich handelte rein Intuitiv.
Eines Tages begriff ich, das das Glück das ich weiter gebe (genau wie das Leid) nicht bei einer Personen hängen bleibt. Mein Boot wurde größer.
Ich erkannte, das andere die von einem Lächeln profitierten, das Lächeln weitergeben usw. Auf einmal sah ich viele Menschen lächeln und ich stellte mir innerlich die Frage: ok wenn es sich weiter trägt, wer hat dann für mich gelächelt? Mir wurde bewusst, das ich Glücklich bin liegt daran, das ein anderer Glücklich war und mir ein Stück von seinem Glück weiter gab.
Auf einmal wurde mir bewusst, das alle Lebewesen auf diesem Planeten von einander abhängig sind.
Und dann: Unser Überleben kann nur gesichert werden, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.

Mein Boot wuchs von Tag zu Tag. Und wenn ich mir heute dieses Boot vor Augen halte, verschwindet es am Horizont.

Glück ist etwas das man lernen kann.
Leid ist schon immer da gewesen, in jedem Wesen auf dieser Welt. Alleine dadurch, das wir leben wollen und glücklich sein wollen. - Wenn wir es JETZT nicht sind, sind wir Unglücklich und das ist gleichzusetzen mit Leid.

Wir sind alle beeinflussbare Wesen, wir können etwas gutes tun und es kann sich fortsetzen. Wir können etwas weniger gutes tun und es setzt sich genauso fort.
Wir haben es in der Hand.
Und aus diesem Grund sind Frieden und Gewalt zwei Seiten einer Münze die sich Leben nennt.

Es ist Unmöglich dem einen aus dem Weg zu gehen und das andere zu fördern. Nur wenn wir erkannt haben, was Leid bedeutet und wohin es führt, können wir auch die andere Seite aktivieren, nämlich bewusst Frieden zu leben.

Und jeder der auch nur Ansatzweise denkt, die Zukunft macht das schon, hat die Gegenwart aus den Augen verloren.
Denn nicht die Zukunft bringt uns das Glück das wir jetzt in diesem Moment brauchen. Es ist immer nur der Moment der hilft Glücklich zu sein.

In diesem Sinne,
ich hoffe ich habe meine Worte so gewählt das jeder verstanden hat worum es mir wirklich geht.
Und ich konnte euch mit diesem sehr langen Artikel bewusst machen, welchem Irrtum wir aufsitzen, wenn wir denken, wir könnten die Dinge die Wichtig sind, in der Zukunft erledigen.

Denn das was uns heute Wichtig ist, ist morgen schon wieder vergessen.

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag

Namasté
Eure Jo Andarnil





Samstag, 6. Juni 2015

Ganz und gar Persönlich - Alles wird gut, wenn du es selbst willst!

Ich habe meinen letzten Eintrag damit geendet, das ich schrieb:

"Ich wünsche euch Frieden und Gelassenheit und die Erkenntnis
Alles wird Gut - Wenn du es selbst willst!!!"

Weil diese kleine Botschaft falsch verstanden werden könnte, will ich kurz erklären was ich damit meine.

Alles wird gut, wenn du es selbst willst!

Anhand meines eigenen Beispiels:

Ich bin ein Wokaholic Multi bedingt, meine unterschiedlichen Persönlichkeiten (für alle die neu auf meinem Blog sind, einfach mal MPS, oder DISS googlen) haben alle unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen und diese leben sie auch unterschiedlich aus. Wenn ich zuviel arbeite fängt mein Körper an die Funktion aufzugeben, er lässt mich krank werden oder total erschöpft und so muss ich kürzer treten, das heißt im Klartext meine Persönlichkeiten müssen sich ausruhen.

Eine Krankheit wird allgemein als Negativ  bewertet. Niemand will gerne krank sein und trotzdem ist es für mich positiv, weil ich weiß, das die Signale meines Körpers von uns allen nur so wahrgenommen werden. Mein Körper macht das so lange bis wir ihn endlich wahrnehmen und klar unsere Arbeit runter schrauben.

Da wir durch unsere DISS oft kein sehr gutes Körpergefühl haben, bekommen wir diese Signale erst dann ab, wenn wir krank sind.
Das bedeutet für uns im Klartext: "Wir haben zu viel getan, wir haben uns verausgabt!"

Würde unser Körper nicht mit Krankheit reagieren, würde er irgendwann einfach abschalten, weil wir seine Funktion vollkommen ausreizen. Die Krankheit dient uns also als Stoppsignal. Und je nachdem wer im Außen anwesend ist, kann die Krankheit entweder eine Erkältung sein, oder eben eine Grippe, ein Bänderriss oder sonstiges.

Ich bin davon überzeugt, wenn ich es schaffe die Signale meines Körpers früher wahrzunehmen, nämlich beim ersten Erschöpfungsgefühl, werde ich auch nicht mehr so oft körperlich ausfallen.
Diese Erkenntnis habe ich erst vor kurzem gewonnen.

Alles was uns passiert können wir negativ bewerten, wir können aber auch darüber nachdenken ob es nicht genau richtig ist.

Wir haben die Möglichkeit die Dinge die uns widerfahren positiv zu betrachten oder auch negativ. Alles was uns passiert hat zwei Seiten. - nicht unbedingt im ersten Moment.
Oft zeigt es sich erst im Nachhinein, dass auch im Negativen ein Sinn vorhanden ist. Und sei es nur weil genau genau Erfahrung ganz neu für uns war. Wir lernen anhand der Erfahrungen und wenn wir etwas negativ empfinden, versuchen wir dieser Erfahrung aus dem Weg zu gehen. Wir handeln also im positiven Sinne, wenn uns bewusst wird, das es negativ enden könnte, wenn wir unsere Handlung nicht überdenken.

Gedanken und Handlungen sind im Grunde genommen Neutral - wir selbst sind es die sie in positive (gute Erfahrungen) und negative (schlechte Erfahrungen) Gedanken und Handlungen bewerten.
Krankheit wird im Esoterischen oft als Störung wahrgenommen, eine Störung ist somit etwas negatives. Wenn wir aber begreifen lernen das Krankheit dazu dient, bestimmte Faktoren in unserem Leben zu kontrollieren oder gar zu verändern, ist Krankheit auch keine Störung mehr, sondern einfach nur ein Zeichen das uns bewusst macht, hier stimmt was nicht, da muss du näher hingucken.

Ich habe für mich begriffen, das es wichtig ist, eine Krankheit zu akzeptieren, denn nur dann nimmt sie einen Neutralen Wert ein in meinem Leben.

Ich muss also lernen damit zu leben.
Ich kann sie nicht einfach wegschicken, oder ignorieren und oft lässt sie sich noch nicht einmal durch Medikamente heilen. Alles was ich tun kann, ist zu akzeptieren das ich krank bin und dann muss ich lernen die Krankheit in meinem Leben zu integrieren.

Wenn ich nicht mehr laufen kann, wäre es Unsinnig Joggen zu wollen, aber es ist möglich einen Rollstuhlsport zu machen.
Das Leid das durch die Behinderung aufgetreten ist, könnte sich verändern, wenn man feststellt, dass man gerade durch die Behinderung eine neue - vielleicht sogar - wertvolle Erfahrung gemacht hat.
Und somit wird aus einem Leidvollen Moment etwas positives.

Ihr werdet jetzt sicherlich einwenden: "das kann nicht immer klappen!" Und ihr werdet sicherlich viele Beispiele haben die das beweisen. Und ihr habt recht. Es klappt nicht immer.
Wenn ein geliebter Partner stirbt tut es so verflucht weh, das nicht mal der Ansatz eines schönen Gedankens etwas daran ändert und auch wenn genug Zeit vergangen ist, wird der Tod des geliebten Menschen nichts an positiven Erfahrungen beeinhalten.

Das ist Realität und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Das einzige Positive was vielleicht daraus resultiert, ist das man einen neuen Partner kennen lernt, oder in ein anderes Land/Stadt/Dorf umzieht um neue Erfahrungen zu machen, aber dennoch ist und bleibt diese Erfahrung schmerzhaft.

Ist meine kleine Botschaft: Alles wird gut, wenn du es selbst willst!
hier überhaupt noch anwendbar?

Es ist schwierig, sehr schwer. In der Trauer sehen wir die Welt farblos und destruktiv, der Schmerz der da ist, macht uns blind für die Dinge die uns gut tun. Wenn ich trauere möchte ich nur noch ins Bett, mir die Decke über den Kopf ziehen und nichts mehr mitbekommen. Das einzige was vielleicht noch positiv für unsere Mitmenschen ist, das wir weiter leben.

Alles wird gut- heißt nicht, das es irgendwann nicht mehr schmerzt, sondern einfach nur:
Ich muss es akzeptieren!

Es nicht zu akzeptieren würde bedeuten, ich sterbe mit. Oder ich versinke so stark in Trauer das die Welt um mich herum nicht mehr existiert. Für unsere geliebten Mitmenschen sind wir nicht mehr erreichbar.

Ich muss es akzeptieren heißt im Klartext: Es geht weiter, auch wenn mein geliebter Partner nicht mehr da ist. Wir erleben trotzdem einen neuen Alltag und neue Erfahrungen. Und vielleicht irgendwann auch wieder Momente des Glücks - alles wird gut, heißt im Grunde genommen: Lass es zu das es weh tut, lass es zu das du krank bist. Akzeptiere!
Durch die Akzeptanz werden neue Impulse gestartet. Wir lernen ein neues Leben zu leben. Und je mehr wir das Leid akzeptieren, desto neutraler wird dieses Gefühl irgendwann.

Alles wird gut, wenn wir es selbst wollen -
Wir haben vieles in der Hand, unsere Handlungen unsere Gedanken. Was wir oft nicht bewusst kontrollieren können ist Krankheit, Leid, Tod.
Alles wird gut, heißt hier einfach nur, dass es zum Leben dazu gehört.
Unser Leben wird irgendwann enden, sei es durch Alter, Krankheit, Unfall, oder aus eigenen Antrieb - Suizid.

Das ist der Lauf der Dinge. Meist werden wir im Alter so richtig krank und diese Krankheit geht in Siechtum über und dann folgt der Tod. Das wäre noch der normale Weg.

Es ist eine Tatsache das unser Leben so endet. Wir können darüber weinen, uns in Leid vergraben, wir können es ignorieren, aber wir können es auch akzeptieren und uns damit trösten, dass wir viele Jahre Erfahrungen angesammelt haben. Wir können zurück blickend sagen: Es war gut das was wir erlebt haben, weil es uns zu den Menschen gemacht hat, der wir sind.
Versteht ihr was ich sagen möchte?

Es liegt in unserer Hand die Erfahrungen die wir gemacht haben als Gut oder Schlecht zu empfinden. Aber es ändert nichts an der Erfahrung, es ist passiert.
Wir haben also die Möglichkeit die Erfahrungen als Ton zu betrachten, der uns in unserem ganzen Wesen geformt hat.

Und wenn wir wirklich ganz und gar nicht mit dem Wesen zufrieden sind das wir sind, was dann?
Nun  ja, ich sag es mal so. Wenn uns das JETZT bewusst ist, das wir uns nicht mögen, dann sollten wir JETZT anfangen das zu ändern.

Es gibt Kleinigkeiten um in sich selbst ein positives Bild entstehen zu lassen, wir können andocken an den schönen Dingen die andere Menschen erleben, wir können bewusst ein Lächeln einsetzen um ein Lächeln bei unserem Gegenüber zu entlocken. Wir können Geld spenden, damit anderen Lebewesen geholfen wird. Und wir können nachverfolgen was alles mit unserem Geld tolles passiert. Wir können bewusst eingreifen wenn anderen Leid geschieht.

Wichtig ist nur, das wenn du Jetzt nicht zufrieden mit dir als Mensch bist, wenn du Gedanken in dir findest wie: "ich bin kein guter Mensch" dann ändere das!

Du hast es wirklich in der Hand, du hast die Kontrolle über das was du gut und das was du schlecht findest.

Das meinte ich mit alles wird gut - wenn du es selbst willst!

Niemand sonst kann dir das abnehmen. Nur du alleine.

In diesem Sinne

Namasté

eure Jo








Mittwoch, 4. September 2013

4.9.1965 Tabula rasa*

Aktualisierung: 24.04.2017 - Bilderbeschreibungen




Gerade eben um genau 2 Uhr bin ich 48 Jahre alt geworden.
Aus dem Grund mal wieder ein etwas anderer Eintrag hier auf meinem Blog.

Erst mal Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag ICH!


Du gingst mir oft genug auf den Geist mit deinen vielen Denkspiralen, aber es war auch genauso oft spannend, das Leben mit dir. Einfach war es nie, aber wenn das Leben Einfachheit geplant hätte, wärst du womöglich nie auf diese Welt gekommen.

Einmal da sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"

Erinnere dich!

Kannst du dich an deine Geburt erinnern, weißt du noch wie es ist sterben zu sollen, aber die Abtreibung zu überleben?
Kannst du dich erinnern, das du zu deiner Oma kamst, die dich geliebt hat, zumindest eine Zeit lang?

Meine Oma und ich im Kinderwagen

Kannst du dich an deine Kindheit erinnern?
Erinnerst du dich das deine Oma es zuließ, das du mit 4 Jahren das erste Mal vergewaltigt wurdest?


Ich mit 4  Jahren, das erste mal bei meinen Eltern.



Erinnerst du dich an den hellblauen Mantel, den deine Oma weggeschmissen hat, weil er schmutzig vom Sperma fremder Männer war?


Ich 1970 bei meiner Einschulung

An deinen Vater, der dich mit seinen Freunden vergewaltigt und misshandelt hat und  töten wollte, als du 9 Jahre alt warst und deine Mutter die dich Wechselbalg nannte, weil du so anders warst, voll mit Intellektuellen Phrasen die kein Mensch verstanden hat?


Mein Vater mit einen meiner Geschwister. Ich weiß nicht welches er da im Arm hielt. Ich war es nicht.



Kannst du dich an die Kinder erinnern die mit dir gemeinsam vor der Kamera standen, während irgendwelche Männer und Frauen sich auszogen... ?
Weißt du noch wie dein Opa alle möglichen Tiere gerettet hat und dir so beigebracht hat, das ein Tier ein Teil dieser Welt ist?
Erinnerst du dich daran, wie sehr du ihn geliebt hast?

Mein Opa

Kannst du dich an die Zigeuner erinnern die dich haben haufenweise Wohnwagen schrubben lassen, und dir versprachen dich mitzunehmen auf ihre Reisen - was aber nie geschehen ist?

Ich mit 14 Jahren

Weißt du noch wie du so getan hast, als würdest du in einen Jungen verliebt sein, dabei hattest du nur Augen für seine Schwester?
Erinnerst du dich an deine Punkzeit?
Erinnerst du dich daran, wie du auf deinen Arm: "Punk not Dead!" geritzt hast, weil du kein Geld für ein Tattoo hattest?
Und erinnerst du dich an das Mädchen, das dich darum bat Schmiere zu stehen, als sie sich das erste Mal prostituierte?

Ich und Heike 1982

Weißt du noch diese Drogen und Alkohlexesse?
Erinnerst du dich an Gaby, die sich den goldenen Schuss setzte und dann die "soundsovielte Drogentote in Frankfurt" war?
Erinnerst du dich an ihr Lächeln?

Und weißt du noch wie es war, als du das erste mal mit einem Jungen gevögelt hast und ihm weisgemacht hast das du noch Jungfrau bist?

Ich mit 17 Jahren


Weißt du noch als du 18 wurdest und dir dein Abgangszeugnis abholen wollest und erfahren hast, das du in Wirklichkeit Prüfungen bestanden hast, die du nie abgelegt hast?
Erinnerst du dich an dein Gesicht, als du das Abschlusszeugnis entgegen nahmst?
Erinnerst du dich an deine Lehrer und Lehrerinnen die immer sagten, du wärst hoch intelligent?
Erinnere dich: "Sie sind so intelligent, sie können alles werden!" Na vieviele Leute haben das gesagt und wem hast du geglaubt?
Erinnerst du dich an deine erste Ehe und an die Erkrankung deines damaligen Mannes?
Und erinnerst du dich wie er seinen ersten Rollstuhl erhielt und wie du dich gefühlt hast?

Ich mit Anfang 20

Erinnerst du dich daran, wie du dich fühltest als dir klar wurde, das deine Ehe eine Lüge ist?

Wann war noch mal der Tag an dem dir Bewusst wurde, das es besser ist zu sterben als zu leben?


Und weißt du noch was dein ICH sagte, als du es in die Tat umsetzen wolltest: "Aber wenn dir das Glück begegnet, was dann?"
Erinnerst du dich wie du es ignoriert hast und trotzdem überlebt hast - wieder einmal?
Erinnerst du dich noch an die Kinder die du verloren hast, weil du  ignoriert hast, das du gar keine bekommen kannst... nie wieder?

Weißt du noch, den Moment als dir der Arzt genau das sagte?
Und weißt du noch wie du es vor deinem damaligen Mann und vor dir selbst verborgen hast, es nicht wahrhaben wolltest?
Erinnerst du dich an den Selbstmord deiner Nachbarin und den Moment als du sie in den Armen hieltst als sie ihren letzten Atemzug tat?
Und die Wut und den Schmerz, nichts tun zu können?
Und die Erkenntnis das du das nie mehr versuchen wirst ...  nie wieder?
Erinnerst du dich daran, warum du dich letztendlich von deinem damaligen Mann getrennt hast und daran, wie schwer es dir fiel ihn zurück zu lassen?

Erinnerst du dich daran, das dein bester Freund, ein kleiner Kater namens Tinker Bell am 24.12 1997 starb und ein Fremder es dir mitteilte?

Mein geliebter Tinker-Bell



Kannst du dich noch an den Moment erinnern, an dem du deine Frau das erste Mal gesehen hast?
Und gemerkt hast wie Schmetterlinge anfingen zu fliegen?

Ich und Britta 1999

Erinnerst du dich wie du ihr sagtest, das sie wieder gehen soll, weil du nicht an die Liebe glauben wolltest?
Und weißt du noch was sie sagte: "Wenn du mich wirklich nicht liebst, gehe ich!"?
Und dein Gesicht voller Tränen, weil du nicht lügen konntest?

Erinnerst du dich an Frosch, den Kater der eigentlich sterben solle und bei dir noch weitere 8 Jahre überlebte?

Ich mit Flosch


Erinnerst du dich daran, als man dir sagte das du Aids hast und du nur an eines denken konntest, das deine große Liebe es womöglich auch hat?
Weißt du noch, das Wochen danach vergingen und du in dem Glauben gelebt hast zu sterben --- wieder einmal?
Und durch Zufall hast du erfahren, das in Wahrheit der Aidstest negativ war?
Erinnerst du dich an dem Tag an dem du die Frau deines Lebens heiraten durftest?


Britta und ich stehen vor dem Standesamt und warten auf die Gäste - es war Schneesturm.

Und erinnerst du dich an die Geburt deiner Tochter, die du nicht  geboren hast?


Shaya am kurz nach der Geburt.


Weißt du noch wie lange das her ist?
Und erinnerst du dich an deine Gefühle damals?
Und erinnere dich an ihr erstes: "Mami ich will dich heiraten, wenn ich groß bin!"

Erinnerst du dich daran, als du zur Buddhistin wurdest?

Ich 2010

Das ist lange her!


Nun sind 48 Jahre vergangen. Eigentlich mehr als ein ganzes Leben, wenn man bedenkt, was du erlebt hast.
Und erinnere dich, dass das Leid das du einst gefühlt hast, Vergangenheit ist.
Erinnere dich daran JETZT und dann vergiss es wieder.
Erinnere dich daran wie Glücklich du jetzt bist und erinnere dich daran, was du an schönen Dingen erlebt hast!

Erinnere dich an deine große Liebe, deren Wecker gleich klingelt und die zur Arbeit muss.
Erinnere dich an deine Tochter, die schlafend und träumend in ihrem Bett liegt.
Erinnere dich an das Glück das du fühlst wenn du dich erinnerst.
Und lass ihn gehen diesen Tag der Erinnerung!

Einmal sagtest du: "Glück ist schwarze Farbe!"
Weißt du noch, das ist lange, lange her...

Ich 2013
Weiterhin viel Glück liebes ICH!
Und vielleicht noch einige Jahre hier auf diesem Planeten.



Ich würde mich freuen!
ICH liebe DICH !!! ... mal wieder!

In deinem Sinne
Namasté
Alles liebe deine Jo



Und bevor jetzt jeder meiner Freunde zum Telefon rennt und Panik hat, mich mit einem Depri am anderen Ende vorzufinden.
Mir geht es Wirklich gut (die die mich kennen, wissen sowieso, wäre das nicht der Fall, ich würde es erst gar nicht versuchen zu verheimlichen). Ich gestatte mir nur einmal im Jahr zurück zu denken, um das was ich bin, an zu erkennen und das was ich habe wert zuschätzen.



Kurze Erklärung zu den Personen auf meine Bildern:

Mein Vater starb 2010 (Bild 4)
Mein Großvater starb 1978 (Bild 5)
Meine Großmutter starb 1998 (Bild 1)
Die Freundin auf meinem Punkbild - ich weiß nicht ob sie noch lebt, doch sollte sie noch leben, sie ist heute genauso alt wie ich und mit Sicherheit kein Punk mehr. Der Widererkennungswert ist gleich NULL.
Und sollte sie irgendwann diesen Blog lesen, dann würde ich mich freuen, wenn sie sich meldet...
Es ist immer schön Erinnerungen auszutauschen und zu wissen... es war einmal, es kommt nie mehr zurück!!!

Und noch was:
*Im buchstäblichen Sinne war Tabula rasa in der Antike eine wachsüberzogene Schreibtafel, von der die Schrift wieder vollständig entfernt werden konnte ;)
http://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_rasa


Sonntag, 25. August 2013

Tagebuch ... Auf der Suche nach Glück 2





Nachdem ich nun fast eine ganze Woche dem Glück hinterher gejagt bin und die negativen Weltgeschehen ignorieren wollte, bin ich zu einem Ergebnis gekommen:

Das funktioniert so nicht.

Die Dinge geschehen, ob ich sie nun mitverfolge oder nicht, sie hinterlassen Spuren, sei es nur, dass sie mich streifen, während ich beim Bäcker Brötchen kaufe, oder indem ich die News meiner Freunde lese, ihrem Leben zuhöre, mich mit meinem eigenen Leben beschäftige.
Das Glück das ich mir erhoffte, dadurch, dass ich dem Leid den Rücken kehre, macht Bocksprünge und zwischen den einzelnen Sprüngen erhasche ich die Kriegsschauplätze, das ist so, als würde man auf einem Berg stehen, auf der einen Seite strahlt der Himmel in einem blau, auf der anderen Seite kommen Gewitterwolken auf. Bisher erlebte ich mein Leben zwischen strahlend blauen Gewitterwolken. Ich nahm beide Dinge gemeinsam auf, ohne zu sie abzuwerten.

Durch meinen Rückzug erlebte ich, gerade weil ich mich nicht mit dem Leid beschäftigen wollte, die Dinge getrennt von einander.
Sehr spannend fand ich, das in dieser Zeit einiges auch in meinem privaten Leben rüttelte, wie die Fracht eines alten Flugzeugs, hatte ich das Gefühl von einer Seite zur anderen zu rollen.
Ich bin zu einem Fazit gekommen, das Leid lässt sich nicht aufhalten und schon gar nicht ignorieren.
Es ist da.

Natürlich können wir denken, so schwer ist es gar nicht, uns mit den schönen Dingen zu beschäftigen, unseren "Spaß haben" und den Rest zu ignorieren.
Aber wir erleben dann nichts anderes als eine Illusion.
Unser Wattebausch den wir uns umgehängt haben, erleidet spätestens dann Risse, wenn wir merken, wie süchtig es uns macht, dem Leid zu entgehen und wie anstrengend es ist, nur dem Glück die Tür zu öffnen und den Rest außen vor zu lassen. "Spaß haben" kann somit in Stress ausarten. Und somit wiederum in Leid (z.B. wenn man nach einer durchzechten Nacht, am nächsten Morgen erwacht, ist der Spaß nur noch die fahle Erinnerung, gepaart mit einem pochendem Hirn.)

Im letzten Blogeintrag schrieb ich: "... das Leben will ... "
Das Leben ist ein Egoist der brüllt: "Warum soll ich mich nur mit einem zufrieden geben, ich will alles!"

Genau das ist es, das Leben will das man alle Dinge wahrnimmt. Dazu gehören auch all die Eigenschaften die wir versuchen von uns zu schieben.
Für mich ist das Leben ein einziges Lernen. Ich gebe mir selbst Aufgaben (wie dem Leid eine Weile aus dem Weg gehen und schauen was passiert...) und bekomme Antworten.
Global etwas zu betrachten, heißt letztendlich Aufnahmebereit zu sein und zwar immer und überall.

Ich betrachte die Welt oft aus der Distanz (Nachrichten, Internet, Geschriebenes...) und erlebe sie in meinem inneren jedoch als Ganzes, eben global. So erlebe ich natürlich das Leid Anderer (Tiere wie Mensch) als Teil meines eigenen Leids. Ich verbinde mich.  Genau das war der Grund warum ich eine Pause brauchte.
Eine Möglichkeit mich vom Ganzen zu erholen.


Kann ich mich wirklich so weit von anderen entfernen, um das Leid anderer nicht mehr an mich herankommen zu lassen? So das ich NUR Beachte, aber nicht Verfolge? 


Das ist die Frage die ich mir stellte und dabei machte ich wieder einmal folgende Beobachtung:

Leid ist allgegenwärtig.
Ich bin ein mitfühlender Mensch.
Wenn ich mich dem Leid anbinde (mein eigenes erlebtes Leid), bin ich selbst betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.
Wenn ich es aus der Distanz erlebe, lese, sehe, fühle ich mich betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.

Leid lässt sich nicht ignorieren.
Interessanterweise habe ich gerade in der Zeit in der ich eigentlich kein Leid erleben wollte, sozusagen die Schnauze voll hatte vom Leid, selbst Leid erfahren. Beinahe wäre eine Beziehung zu einem liebenden Freund in die Brüche gegangen. Wir waren kurz davor uns wieder zu trennen.
Auch wenn ich versuche bestimmte Themen auszugrenzen, sie erreichen mich dennoch, auf subtilerer Art, indem sie einfach meine Tür eintreten und sich in meiner Wohnung breit machen. Da helfen auch keine Schlösser oder Riegel. Ignoriere ich das eine, kommt das andere von hinten und klopft mir auf die Schulter.
Diese Erfahrung war sehr interessant für mich. Reine Kausalität. Und schon sind wir wieder beim Buddhismus und dem bedingten Entstehen.


Glück und Leid sind untrennbar miteinander verbunden.
Tja, Autsch!
"Wer nie das Leid erblickt, wird nie die Freude sehen" von Kahlil Gibran

Der Dalai Lama macht folgende Aussage:
"Das Nicht-Wahrnehmen von etwas, beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
Er sagt auch:
"Heute sind wir alle von einander abhängig, niemand kann sich mehr in seine persönliche Festung zurückziehen, ein Inseldasein pflegen"

Gerade diese Abhängigkeit macht es nahezu unmöglich das Leid anderer vom eigenen Leid vollständig zu trennen. Im Buddhismus ist es eine Art Pflichtprogramm Mitgefühl zu entwickeln, es verbindet mit anderen, macht aber auch deutlich, das man nicht mehr alleine ist. Sich zu verbinden bedeutet, das man sich dessen bewusst ist, gebraucht zu werden und selbst zu brauchen.
Und genau DAS ist das Problem.

"Gebraucht werden" ist jedoch heut zu Tage ein negativer Satz. Noch negativer ist der Satz: "Ich brauche dich!"

Viele Menschen distanzieren sich vom "Gebraucht werden", sie implizieren die Vorstellung, der andere hat Erwartungen die man selbst nicht erfüllen kann oder will.
Abhängigkeit ist verpönt. Eine Beziehung die in einer Symbiose mündet ist gleich zum Scheitert verurteilt.
Distanz wird normativiert.

Ich habe während der letzten Woche erlebt, das Distanz nur zu leicht in Oberflächlichkeit enden kann. Wenn man statt beobachtet, weg sieht.
Die Oberflächlichkeit besteht darin, das man bewusst aussucht, was man nicht sehen will. Heißt man beschäftigt sich unbewusst mit dem Thema um es oberflächlich auszugrenzen.
Und somit erliegt man einer Illusion.

Die Distanz zu einem Thema ist also nichts anderes als eine Illusion.
Das ist genau das gleiche, wie man man sich sich nackt in den Regen stellt und steif und fest behauptet:
Man werde nicht nass.

Das was mir in Wirklich zu viel war, an Leid. Ist ein Zuviel an Realitäten.
Es hält sich für mich nicht in der Waage, zumindest erscheint es mir so, wenn ich eintauche in die Welt der geschriebenen Worte, der fotografierten Bilder, der Blickrichtungen die manipulieren und gleichzeitig das Glück verhöhnen, das man selbst empfindet im Moment.

Man kommt sich so winzig vor, wenn man mit dem Weltgeschehen konfrontiert wird. Aus dem Ganzen, wird wieder ein Teil, zumindest in der Illusion.

Ich habe den Überblick verloren, mich nur noch mit den Leid beschäftigt, ich muss also lernen die Waage zu halten.

Irgendjemand sagte: "Freud und Leid sind die zwei Seiten einer Medaille!"

Ich stellte eben noch die Frage, ob es möglich ist die Dinge nur zu beachten und nicht mehr zu verfolgen.
Die Antwort:

Um die Dinge wirklich zu verstehen, reicht es nicht sie nur vorbei ziehen zu lassen. Man muss den Sinn dahinter begreifen.

Ansonsten versteht man es nicht.

Leid ist somit Mittel zum Zweck. In der Psychologie habe ich gelernt, das Leid oft ein Wegweiser zu einer inneren Ablehnung ist. Glück ist bejahend. Leid verneinend.

Wenn wir lernen das Leid als Teil des Lebens zu integrieren, verneinen wir es auch nicht mehr, sondern geben ihn genau wie das Glück einen Platz in unserem Leben.

DAS LEBEN WILL!

Das Leben will wahrgenommen werden, nicht nur zum Teil, sondern im Ganzen.
Das Leben ist ein Spiegelbild von uns selbst, es zeigt sowohl die guten Freude bringenden Anteile, als auch die traurigen, leidvollen.
Alles ist vorhanden und alles darf sein.

Diese Woche hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wichtig es ist inne zu halten und sich zu regenerieren. Aber auch wie wichtig ist es ist, das "was da ist" nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Realität ist nun einmal gespickt mit Leidvollen Dingen.

Leid zu bejahen heißt nicht das man Leid als etwas Gutes wahrnimmt, sondern lediglich nur das es da ist. Genau wie das Glück.

Wenn man sich dessen bewusst ist, ist man sich auch des Glücks bewusst, das man empfinde, wenn das Leid vergeht... Leid bewegt. Auch etwas das ich während meines Psychologie Studiums gelernt habe.

Ich kann also Glücklich sein, dass ich diese Woche überlebt habe.
Denn wer weiß schon was das Leben so in petto hat.

In diesem Sinne
Namasté
eure Jo



Montag, 19. August 2013

Tagebuch ... Auf der Suche nach Glück ... Ein ganz persönlicher Brief



Guten Morgen liebe Freunde,

ich kam Vorgestern von CSD ziemlich müde nachhause, gestern war ich sowieso kaum zu gebrauchen, solche Kopfschmerzen hatte ich, also wollte ich heute nach den News in Facebook schauen. Ich las von Männer die aus Spaß einen Hund abschlachteten, ich las von einer Frau die einen Hund misshandelt hat. Ich las davon das Ziegen und Schafe geschlachtet werden sollen, ich las von misshandelten Kinder... Ich kann einfach nicht mehr!!! Mir reicht es gerade... die Welt scheint nur noch Pervers zu sein, grausam, angeekelt klicke ich meine Mails weg. Geht es nur mir so, oder macht ihr ähnliche Erfahrungen?

Das ist die eine Seite, natürlich drehen sich meine Interessen ja nicht nur um Tierschutz und Co, nein ich lese auch von Veganern die anderen Veganern die Hölle wünschen, weil diese nicht Vegan genug leben, ich lese von Fleischessern, die mir "Gutmensch" hinterher brüllen, weil ich an die Tiere denke. Ich lese über unsere Wahl und die "Neuigkeit" das wohl bei der nächsten Bundestagswahl alles beim alten bleibt und die Gleichstellung* weitere Jahre auf sich warten lässt. Diese Woche habe ich auch die Erfahrung gemacht, das man mir zwar Fragen stellt, aber eigentlich keine Antwort will, weder was Kindererziehung, noch was das Leben eines Legebatteriehuhns betrifft.

Ich komme mir mal wieder vor, als wäre ich auf einem Planeten,  ein Planet der mir gänzlich fremd ist. Da schlagen sich die Leute gegenseitig die Köpfe ein, weil eine Lebensart nicht dominant genug betrachtet wird (Vegan - Großes Thema die einen sind Veganerer als die anderen und machen den Anderen das Leben schwer... seufz...), Menschen killen Tiere aus Freude am Leid, Politiker erzählen Dünnkack von Kühen die Laktosefreie Milch produzieren und ein Blick in die Nachrichten zeigt mir das genau diese Politiker auch noch gewählt werden (siehe Bundestagswahl, siehe Gleichstellung... seufz). Buddhisten reden was das Zeug hält und tun - genau das Gegenteil. Es ist einfach nur erschreckend und ich frage mich, ob es außer mir Alien noch andere Aliens gibt, oder ob die Welt gerade versinkt in ihrer Ignoranz, ihrer Intoleranz, ihrem Dogmatismus, ihrer Überheblichkeit.

Ich habe gerade mal wieder so die Schnauze voll von Facebook, Google Nachrichten, und Co. Ich möchte einmal was schönes lesen, einfach mal was tolles, überraschendes, was zum mitfreuen. Eine Geschichte mit Happy End, eine Liebe auf den ersten Blick die bis zum Nirvana reicht, ein Tier das noch nie Qualen erlebt hat, noch nie Leid. Existiert das hier überhaupt noch?
Oder sind wir Menschen nur noch verroht und auf uns fixiert?

Wo verdammt noch mal ist eigentlich unser ach so tolles Mitgefühl geblieben? Wo ist unsere Zivielcourage hin? Wo steckt unsere Menschlichkeit?

Ich lese von Menschen die die gleichen Nachrichten lesen und dann Kommentare darunter schreiben:

"Man sollte ihn kastrieren!"
"Man sollte dieses Miststück bei lebendigen Leib verbrennen!"
"Ich würde ... Man sollte ... "
Ich höre die Massen nach Vergeltung schreien. Für etwas das bereits passiert ist, das Vergangenheit ist. Bei solchen Kommentaren sehe ich Scheiterhaufen entzünden und vermummte Gesichter. In der Anonymität ist das Grauen so grau wie ein nebelverhangener Tag.

Da frag ich mich was ist barbarischer, der Mensch der Leid verursacht oder der Jenige der darüber schreibt?

Ich lese Texte von Menschen die Wut empfinden, dabei steht der Täter wie immer im Mittelpunkt, statt Mitgefühl dem Tier / Menschen gegenüber entläd sich der Hass für etwas das bereits vergangen ist.

Was können wir tun?
Welche Möglichkeiten haben wir?

Unter euch sind viele Tierschützer, viele Tierhalter. Es sind junge Politiker und solche die es werden wollen, es sind Künstler unter euch, Mütter und Väter, Homosexuelle und Heteros, ehemals Transexuelle und Leute die mich schon eine ganze Weile begleiten. Veganer, Vegetarier, Fleischesser und solche die keine mehr sein wollen, ernsthafte und Komiker, Philosophen und Wissenschaftler, Schriftsteller und Köche. Es sind Freunde die mich bereits live umarmt haben, mich umarmen wollen und solche die mich vielleicht nie umarmen werden. Fremde junge und alte... ihr repräsentiert ein Stückchen weit meine Welt. Denn ihr hinterlasst eure Kommentare, ihr lest mit, diskutiert mit  mir auf Plattformen wie Google +, Facebook oder Twitter. Ich brauch mal eine Antwort, wenn wir alle an einem Strick ziehen würden, würde sich dann die Welt verändern? Würde es dann weniger Leid geben. Ihr seid gemeinsam so viele Leute.

Können wir was bewirken?

Diese Frage ist ernst gemeint, wenn auch vielleicht naiv. Schaffen wir es eine Woche lang kein Leid in unsere Herzen zu lassen? Schaffen wir es, eine Woche lang die Dinge auszukramen, die uns und andere Glücklich machen, Dinge die die Herzen berühren und nicht zuschnüren lassen?

Ab Heute werde ich eine Woche lang das Leid mal aus meinem Leben bannen, ich fange Heute an, sobald dieser Text hochgeladen ist. Ich teile eine Woche lang keine leidvollen Themen, kein Hund der misshandelt wurde, kein Kind das starb, kein Huhn das geschlachtet werden soll. DIESE FÜR MICH WICHTIGE MASSNAHME bedeutet nicht, das ich Leid ignorieren will, sondern es bedeutet lediglich, das ich versuchen will die Schönen Dinge in meinem Leben nach oben zu bringen, ihnen wieder einen Platz einzuräumen. Ich möchte euch daran teilhaben lassen. Das Leid ist dennoch da, ich werde es weder in dieser Woche verhindern können, noch kann ich es aufhalten. Aber ich muss Kraft sammeln, ich muss wieder Energievoll sein, dann kann ich weiter machen. Nächste Woche darf es dann auch wieder Tiere in meinem Leben geben die misshandelt wurden, geschlachtet werden sollen, Politische Themen die mich aufregen, Diskussionen über Religion, über Buddhismus, usw... doch diese eine Woche will ich mir selbst die Möglichkeit geben, das Leben auch von der anderen Seite wahrzunehmen, der Seite  die ich gerade dabei bin zu verlieren, das Glück welches ich habe, das Lachen in meiner Seele, die Schönheit eines Augenblicks...

Wer mitmachen möchte, ist herzlich Willkommen... die Frage ist nur, schaffen wir das?  Eine Woche lang ohne Leid?

Ich will mal wieder von Herzen Glücklich sein, ohne im Hinterkopf einen erhängten und misshandelten Hund zu sehen, kein Kind das vergewaltigt wurde, keinen Buddhisten der mir erzählen will, wie ich mein ICH loswerden soll, keine Christen die gegen Homosexuelle demonstrieren, keinen Veganer der mir vorwirft mein Kind zu vergiften, weil ich ihr Oreo Kekse zum Essen gebe, kein Tierschützer der mir erklären will, das meine Katze nur wegen dem Katzenfutter das ich ihr gebe eine Niereninsuffizienz hat, keine Nachrichten von Kriege und Hungersnöte.

Ich will eine Woche lang schöne Dinge erleben, Dinge die die andere Seite der Welt zeigen und mich wieder aufatmen lassen. Mir zeigen, das ich gar kein so fremdes Alien auf diesem Planeten bin.
Wir haben jetzt 9:41, gleich schicke ich diese Nachricht los, wer mit machen will, ist herzlichst willkommen.

Lasst uns mal ein anderes Zeichen setzten, von Hunden die ihre Menschen gefunden haben und jetzt Glücklich sind. Von Kindern die das Lachen nicht verloren haben, von Kühen auf Weiden und alten Schafen und Hühnern. Ich möchte es eine Woche nur erleben, das die schönen Dinge vorrang haben, vor dem Leid.

Ich will eine Woche auf die Suche nach Glück gehen und ich würde mich total freuen, wenn ihr mich begleitet... Auf Facebook bin ich zu finden unter: Johanna Schlitzkus
Auf Google unter: Johanna Schlitzkus, auf Twitter: Johanna Schlitzkus.

Ich bin kein anonymer Blog, mich gibt es wirklich!

In dem Sinne

Namasté und Grüße von einer die echt die Schnauze vom Leid voll hat!

Eure Jo

*http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichstellung