Mantra Musik

Sonntag, 25. August 2013

Tagebuch ... Auf der Suche nach Glück 2





Nachdem ich nun fast eine ganze Woche dem Glück hinterher gejagt bin und die negativen Weltgeschehen ignorieren wollte, bin ich zu einem Ergebnis gekommen:

Das funktioniert so nicht.

Die Dinge geschehen, ob ich sie nun mitverfolge oder nicht, sie hinterlassen Spuren, sei es nur, dass sie mich streifen, während ich beim Bäcker Brötchen kaufe, oder indem ich die News meiner Freunde lese, ihrem Leben zuhöre, mich mit meinem eigenen Leben beschäftige.
Das Glück das ich mir erhoffte, dadurch, dass ich dem Leid den Rücken kehre, macht Bocksprünge und zwischen den einzelnen Sprüngen erhasche ich die Kriegsschauplätze, das ist so, als würde man auf einem Berg stehen, auf der einen Seite strahlt der Himmel in einem blau, auf der anderen Seite kommen Gewitterwolken auf. Bisher erlebte ich mein Leben zwischen strahlend blauen Gewitterwolken. Ich nahm beide Dinge gemeinsam auf, ohne zu sie abzuwerten.

Durch meinen Rückzug erlebte ich, gerade weil ich mich nicht mit dem Leid beschäftigen wollte, die Dinge getrennt von einander.
Sehr spannend fand ich, das in dieser Zeit einiges auch in meinem privaten Leben rüttelte, wie die Fracht eines alten Flugzeugs, hatte ich das Gefühl von einer Seite zur anderen zu rollen.
Ich bin zu einem Fazit gekommen, das Leid lässt sich nicht aufhalten und schon gar nicht ignorieren.
Es ist da.

Natürlich können wir denken, so schwer ist es gar nicht, uns mit den schönen Dingen zu beschäftigen, unseren "Spaß haben" und den Rest zu ignorieren.
Aber wir erleben dann nichts anderes als eine Illusion.
Unser Wattebausch den wir uns umgehängt haben, erleidet spätestens dann Risse, wenn wir merken, wie süchtig es uns macht, dem Leid zu entgehen und wie anstrengend es ist, nur dem Glück die Tür zu öffnen und den Rest außen vor zu lassen. "Spaß haben" kann somit in Stress ausarten. Und somit wiederum in Leid (z.B. wenn man nach einer durchzechten Nacht, am nächsten Morgen erwacht, ist der Spaß nur noch die fahle Erinnerung, gepaart mit einem pochendem Hirn.)

Im letzten Blogeintrag schrieb ich: "... das Leben will ... "
Das Leben ist ein Egoist der brüllt: "Warum soll ich mich nur mit einem zufrieden geben, ich will alles!"

Genau das ist es, das Leben will das man alle Dinge wahrnimmt. Dazu gehören auch all die Eigenschaften die wir versuchen von uns zu schieben.
Für mich ist das Leben ein einziges Lernen. Ich gebe mir selbst Aufgaben (wie dem Leid eine Weile aus dem Weg gehen und schauen was passiert...) und bekomme Antworten.
Global etwas zu betrachten, heißt letztendlich Aufnahmebereit zu sein und zwar immer und überall.

Ich betrachte die Welt oft aus der Distanz (Nachrichten, Internet, Geschriebenes...) und erlebe sie in meinem inneren jedoch als Ganzes, eben global. So erlebe ich natürlich das Leid Anderer (Tiere wie Mensch) als Teil meines eigenen Leids. Ich verbinde mich.  Genau das war der Grund warum ich eine Pause brauchte.
Eine Möglichkeit mich vom Ganzen zu erholen.


Kann ich mich wirklich so weit von anderen entfernen, um das Leid anderer nicht mehr an mich herankommen zu lassen? So das ich NUR Beachte, aber nicht Verfolge? 


Das ist die Frage die ich mir stellte und dabei machte ich wieder einmal folgende Beobachtung:

Leid ist allgegenwärtig.
Ich bin ein mitfühlender Mensch.
Wenn ich mich dem Leid anbinde (mein eigenes erlebtes Leid), bin ich selbst betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.
Wenn ich es aus der Distanz erlebe, lese, sehe, fühle ich mich betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.

Leid lässt sich nicht ignorieren.
Interessanterweise habe ich gerade in der Zeit in der ich eigentlich kein Leid erleben wollte, sozusagen die Schnauze voll hatte vom Leid, selbst Leid erfahren. Beinahe wäre eine Beziehung zu einem liebenden Freund in die Brüche gegangen. Wir waren kurz davor uns wieder zu trennen.
Auch wenn ich versuche bestimmte Themen auszugrenzen, sie erreichen mich dennoch, auf subtilerer Art, indem sie einfach meine Tür eintreten und sich in meiner Wohnung breit machen. Da helfen auch keine Schlösser oder Riegel. Ignoriere ich das eine, kommt das andere von hinten und klopft mir auf die Schulter.
Diese Erfahrung war sehr interessant für mich. Reine Kausalität. Und schon sind wir wieder beim Buddhismus und dem bedingten Entstehen.


Glück und Leid sind untrennbar miteinander verbunden.
Tja, Autsch!
"Wer nie das Leid erblickt, wird nie die Freude sehen" von Kahlil Gibran

Der Dalai Lama macht folgende Aussage:
"Das Nicht-Wahrnehmen von etwas, beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
Er sagt auch:
"Heute sind wir alle von einander abhängig, niemand kann sich mehr in seine persönliche Festung zurückziehen, ein Inseldasein pflegen"

Gerade diese Abhängigkeit macht es nahezu unmöglich das Leid anderer vom eigenen Leid vollständig zu trennen. Im Buddhismus ist es eine Art Pflichtprogramm Mitgefühl zu entwickeln, es verbindet mit anderen, macht aber auch deutlich, das man nicht mehr alleine ist. Sich zu verbinden bedeutet, das man sich dessen bewusst ist, gebraucht zu werden und selbst zu brauchen.
Und genau DAS ist das Problem.

"Gebraucht werden" ist jedoch heut zu Tage ein negativer Satz. Noch negativer ist der Satz: "Ich brauche dich!"

Viele Menschen distanzieren sich vom "Gebraucht werden", sie implizieren die Vorstellung, der andere hat Erwartungen die man selbst nicht erfüllen kann oder will.
Abhängigkeit ist verpönt. Eine Beziehung die in einer Symbiose mündet ist gleich zum Scheitert verurteilt.
Distanz wird normativiert.

Ich habe während der letzten Woche erlebt, das Distanz nur zu leicht in Oberflächlichkeit enden kann. Wenn man statt beobachtet, weg sieht.
Die Oberflächlichkeit besteht darin, das man bewusst aussucht, was man nicht sehen will. Heißt man beschäftigt sich unbewusst mit dem Thema um es oberflächlich auszugrenzen.
Und somit erliegt man einer Illusion.

Die Distanz zu einem Thema ist also nichts anderes als eine Illusion.
Das ist genau das gleiche, wie man man sich sich nackt in den Regen stellt und steif und fest behauptet:
Man werde nicht nass.

Das was mir in Wirklich zu viel war, an Leid. Ist ein Zuviel an Realitäten.
Es hält sich für mich nicht in der Waage, zumindest erscheint es mir so, wenn ich eintauche in die Welt der geschriebenen Worte, der fotografierten Bilder, der Blickrichtungen die manipulieren und gleichzeitig das Glück verhöhnen, das man selbst empfindet im Moment.

Man kommt sich so winzig vor, wenn man mit dem Weltgeschehen konfrontiert wird. Aus dem Ganzen, wird wieder ein Teil, zumindest in der Illusion.

Ich habe den Überblick verloren, mich nur noch mit den Leid beschäftigt, ich muss also lernen die Waage zu halten.

Irgendjemand sagte: "Freud und Leid sind die zwei Seiten einer Medaille!"

Ich stellte eben noch die Frage, ob es möglich ist die Dinge nur zu beachten und nicht mehr zu verfolgen.
Die Antwort:

Um die Dinge wirklich zu verstehen, reicht es nicht sie nur vorbei ziehen zu lassen. Man muss den Sinn dahinter begreifen.

Ansonsten versteht man es nicht.

Leid ist somit Mittel zum Zweck. In der Psychologie habe ich gelernt, das Leid oft ein Wegweiser zu einer inneren Ablehnung ist. Glück ist bejahend. Leid verneinend.

Wenn wir lernen das Leid als Teil des Lebens zu integrieren, verneinen wir es auch nicht mehr, sondern geben ihn genau wie das Glück einen Platz in unserem Leben.

DAS LEBEN WILL!

Das Leben will wahrgenommen werden, nicht nur zum Teil, sondern im Ganzen.
Das Leben ist ein Spiegelbild von uns selbst, es zeigt sowohl die guten Freude bringenden Anteile, als auch die traurigen, leidvollen.
Alles ist vorhanden und alles darf sein.

Diese Woche hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wichtig es ist inne zu halten und sich zu regenerieren. Aber auch wie wichtig ist es ist, das "was da ist" nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Realität ist nun einmal gespickt mit Leidvollen Dingen.

Leid zu bejahen heißt nicht das man Leid als etwas Gutes wahrnimmt, sondern lediglich nur das es da ist. Genau wie das Glück.

Wenn man sich dessen bewusst ist, ist man sich auch des Glücks bewusst, das man empfinde, wenn das Leid vergeht... Leid bewegt. Auch etwas das ich während meines Psychologie Studiums gelernt habe.

Ich kann also Glücklich sein, dass ich diese Woche überlebt habe.
Denn wer weiß schon was das Leben so in petto hat.

In diesem Sinne
Namasté
eure Jo



Kommentare:

  1. Ich verstehe was du meinst. Leid und Glück sind unmittelbar miteinander verknüft. Das eine kann man ohne das andere nicht haben. Und dann passiert etwas eigenartiges - wir sind so mit dem Leid von vielen Dingen beschäftigt, dass wir das Leid in unserer unmittelbaren Umgebung nicht mehr wahrnehmen. Im Internetzeitalter werden wir mit so viel Negativitäten konfrontiert wie es zu keiner Zeit gegeben hat. Es ist die extreme Überflutung von Leid und eben auch Glücksrausch nebeneinander. Ich empfinde das manchmal als eine "emotionale Verunreinigung", die wir uns freiwillig aussetzten. Es ist Vergleichbar mit monatelang nicht waschen oder Zähne putzten. Wenn man sich nicht freimacht zerfällt man, wird krank. Das Leid als gegeben zu akzeptieren ist eines unserer größten Herausforderungen. Es ist unangenehm und unbequem. Dem Glück allerdings hinterherzujagen ist anstrengend, da die Angst diese zu verlieren uns wieder in Leid versetzt, und wir fühlen und "disconnected" die Welt als Eins zu betrachten.
    Liebe Jo, es ist einfach nur wunderbar, dass du Deine Erfahrung mitteilst! Deine Suche nach dem Glück, hat angeregt mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich danke dir von ganzen Herzen!
    Liebe Grüße, Wasan

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  2. Ich glaube, dass ist genau der Sinn des Ganzen (Sinn - hier eher negativ). Wir Menschen binden uns gerne an Leid an, um das eigene Leid zu vergessen. Wie einfach und beruhigend ist es doch zu sagen: "Na da ist mein Leben ja noch Gold dagegen!"
    Die schlimmen Dinge werden gerne auf eine Waage gelegt, entweder durch egozentrik: "Mein Leben ist aber schlimmer als deins!" oder eben dadurch, das man das Leben (Leid) eines anderen viel schlimmer empfindet.

    Ich erkläre gerne und oft, das sich Leid nicht messen lässt, für den Jenigen der Leidet.
    Da ist es gleich ob die Krankheit schlimmer verläuft als die andere.
    Leid ist Leid!

    Dir alles liebe von Jo

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