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Donnerstag, 19. November 2015

Sind Erwachte Menschen gute Menschen?



Letztens habe ich folgendes gelesen: "Erleuchtete sind bessere Menschen". Und da dachte ich, das ist ein schönes Thema für meinen Blog.

Was macht einen Menschen zum besseren Menschen?

Wir gehen natürlich immer davon aus, das Gut etwas ist, das der Allgemeinheit gut tut und schlecht etwas das der Allgemeinheit nicht gut tut.
Wenn man meinen Blog verfolgt hat, weiß man, dass ich im Laufe der letzten Monate einen anderen Blick zu dem was GUT und NICHT GUT ist bekommen habe.

Erst mal möchte ich die Titel Frage beantworten. NEIN Erwachte (Erleuchtete) sind  nicht automatisch bessere Menschen. Sie sind allgemein reflektierter und klarer in dem was sie tun oder nicht tun. Aber diese Klarheit kann auch genauso gut missbraucht werden um andere Menschen zu beeinflussen.
Ein Erwachter Mensch ist ein Mensch der die Wahrheit hinter den Spiegeln erkannt hat, er hat erkannt, wie diese Welt funktioniert. Diese Erkenntnis bringt Ruhe in den Strudel des Alltags, egal was passiert, aber diese Erkenntnis kann auch Gleichgültig und Arrogant machen, gegenüber denen die die Wahrheit noch nicht erkannt haben.

Das Problem am Erwachen ist nicht der Weg zum Erwachen, das Problem ist wie man mit der Erkenntnis der Ich-Illusion umgeht.

Jemand fragte mich letztens, ob auch Mörder und Vergewaltiger Erleuchtung erlangen können.
Warum sollten sie nicht.
Die Vergangenheit kann kein Mensch ändern, wir haben noch nicht die Möglichkeit zurück zu reisen, um unsere Taten auszuradieren. Aber jeder hat jetzt die Chance sein Leben neu zu überdenken, neu zu gestalten. Sich zu entscheiden.
Diese Chance ist das Stück Freiheit zu dem wir einen Zugang haben.
Sich bewusst zu machen, dass das Leben einer dauerhaften Veränderung unterliegt, heißt auch sich bewusst machen, dass man selbst dieser Veränderung unterliegt. Die Chance ein neues Karma zu schaffen, besteht im JETZT nicht im Gestern und erst recht nicht in der Zukunft. Dieses JETZT, diesen Moment können wir nur in uns beeinflussen. Wir haben immer Zugang zu unseren Gedanken und Taten.

Und hier liegt auch die Entscheidung ein besserer Mensch zu werden, indem man sich bewusst macht, was "besser" überhaupt bedeutet.

Besser heißt letztendlich nichts anderes als sich mit den positiven Energien dieser Welt auseinander zu setzen.

Auf dem Weg zu meinem eigenen Erwachen, habe ich verstanden was Karma bedeutet. Davor waren es nur Worte, Begriffe, Buchstaben.

Ich habe mich gerne mit Worten umgeben, vorallem schriftlichen Worten, die ich in Sätze formte. Zu denken man weiß etwas, heißt nicht, es wirklich im Bewusstsein zu verankern.
Eine Buddhistin fragte gestern in einem Forum:
Ist es möglich liebende Güte an die Terroristen zu senden und ich antwortete:

"Es ist möglich! Ich spreche da aus eigener Erfahrung, seit dem ich weiß wie diese Welt wirkt, wie Karma sich entwickelt, wie es weiter getragen wird - hab ich Mitgefühl mit allen Menschen. Das Schreckliche das wir wahrnehmen, ist für sie etwas anderes,eine treibende Kraft die sie als etwas wahrnehmen, dass sie in ihrer Entwicklung weiter bringt. Es ist ein Irrglaube, aber wenn man von Kind an mit diesem Glauben aufwächst, wird er zur eigenen Wahrheit.

Karma wirkt auch ohne unser Zutun und letztendlich wissen wir nicht wohin es unser TUN trägt. So hart und unglaublich schmerzhaft es ist, es hat seinen Sinn in dieser Welt, jedes Grauen, hat seinen Sinn. Das macht es nicht einfacher und schon gar nicht leichter. Aber wenn verstanden hat was Karma bedeutet und wie es weiter getragen wird, nimmt es ein Stückweit das eigene Leid. Mein Mitgefühl gilt allen Menschen in dieser Zeit... auch den Terroristen.".

Karma wirkt immer und überall.
Als Erwachter Mensch wird dieses Wissen mehr als zur eigenen Wahrheit. Es ist ein Zustand von SEIN, von Existenz.
Ein Sinn ist alles was passiert, egal was es ist.
Solange man es nicht erkannt hat, macht dieses Wissen angst. Es hinterlässt ein Gefühl von Hilflosigkeit.
So ging es mir früher, als ich verstanden habe, dass alles einen Sinn ergibt, auch meine eigene Geschichte. Bekam ich Angst vor der Zukunft, denn die Vergangenheit zeigte  mir, was möglich ist.

Erkennen bedeutet es zu Erfahren. Verstehen heißt nichts anderes, als den eigenen Gedanken und Gefühlen zu glauben, die dadurch entstehen, dass man etwas liest.

Erfahren heißt einzutauchen in das Wissen, es selbst zu überprüfen, darin aufzugehen, eins zu werden mit dieser Erkenntnis - von Wahrheit.
Für einen Erwachten wird dieses Wissen zum eigenen Handwerkszeug. Einmal verstanden kann man immer darauf zugreifen.

Aber es gibt auch Erwachte die damit Manipulieren, die das eigene Wissen missbräuchlich gegen andere Menschen einsetzen.

Es ist naiv zu denken, das jeder Erwachte immer liebende Güte, Freude, Glück und Frieden unter die Menschen bringen möchte. Das Erkennen der  ICH-Illusion schützt nicht vor dem eigenen Ego. Mit dem Erwachen hört es nicht auf.
Im Gegenteil.

Sich selbst bewusst zu werden, wie die Welt funktioniert kann unterschiedliche Motivationen in einem freisetzen. Für die einen ist es die Liebe , die ab da einen großen Anteil an ihrem Wirken einnimmt.
Für die anderen ist es die Macht zu manipulieren.

Für manch einen Guru war es anfangs die Motivation der Liebe, die ihm dazu motiviert hat zu helfen, doch für viele ist es nicht dabei geblieben.

Sich bewusst zu machen, das man selbst manipulieren kann, das man sich am Erfolg des Anderen bereichern kann, ist eine Gefahr in der Arbeit mit anderen Menschen.

Auch hier spreche ich aus Erfahrung. Es ist sehr leicht in den Rausch zu geraten, wenn man von anderen auf einen Sockel gestellt wird.
Ich habe so etwas wie ein natürliches Stoppschild, das mir genau sagt, wenn ich dieses Gefühl von Macht wahrnehme. Ich schau es mir genau an, drehe es von einer Seite zur anderen und werde mir bewusst, was geschieht, wenn ich diese Grenze durchbreche und mich dieser Macht hingebe. Das ist der Moment an dem ich mich gegen finanziellen Erfolg entscheide.

Ich glaube das jeder dieses Stoppschild in sich trägt, der mit Menschen arbeitet. Aber viele das Stopp ignorieren, weil man sich selbst vormacht, es wäre im Interesse des Anderen.
Geld spielt hier eine große Rolle.

Erfolg ist nur ein Synonym für Gier.

Gier ist das was wir alle in uns tragen, mehr als das haben zu wollen was wir haben. Gier ist auch das was Erwachte Menschen wahrnehmen, man wird sich seiner dunklen Seiten bewusst.

Schauen wir uns einfach mal die neuen Gurus dieser Welt an.
Die Wissensträger -  die Menschen die uns die Welt näher bringen.
Wir erkennen die guten Erwachten von denen die Macht in sich tragen, daran, wie sie sich unter das Volk mischen.

Es spielt dabei keine Rolle wie sehr sie einem Menschen helfen. Es spielt nur eine Rolle was sie dadurch gewinnen. Noch mehr Macht?
Noch mehr Ansehen?
Noch mehr überfüllte Regale ihrer Bücher, ihrer Worte, ihrer Sätze?

Und noch mehr Geld.
Vielleicht werdet ihr nun argumentieren: "Auch damit können sie gutes Tun!" und ja natürlich können sie das.

Aber darum geht es hier nicht. Es geht nicht darum, was sie tun können, es geht darum was sie tun und warum sie es tun.

Und glaubt mir, die meisten leben sehr gut von dem, was sie in Seminaren und Workshops verdienen. Und wenn sie 10 % von dem was man ihnen für ihr Wissen gab, in Projekte investieren, leben sie noch besser. Denn ihr Name wird dadurch nur noch berühmter.

Gier ist nicht immer offensichtlich. Es ist ein versteckter Antrieb, der sich weiter trägt. Gier ist eine Sucht nach Erfolg.

Was bewegt einen Menschen dazu das eigene Wissen zu verkaufen?
Was bewegt ihn dieses Wissen nur einer Elite zu präsentieren, die sich den Kauf leisten kann?

Angenommen du bist Arbeitslos, angenommen du bekommst Harz 4, aber du möchtest an einem Seminar eines Erwachten teilnehmen - du wirst es  nicht können, da du dir die Eintrittspreise nicht leisten kannst.

Ich kenne Erwachte die dann sagen: "Es gibt immer einen Weg, wer wirklich daran teilhaben will, schafft das auch!"

Bei solchen Sprüchen muss ich tief einatmen und wieder ausatmen (in solchen Momenten kann es vorkommen, dass ich die Luft anhalte :) ). Alleine das zeigt mir die Motivation hinter all dem.
Es zeigt die Gier.
Hier geht es nicht um den Menschen, um ein Einzelschicksal, es geht um Erfolg, um Macht und es geht darum eine bestimmte Gruppe zu erreichen, eine die ebenfalls Erfolg hat.

In unserer modernen zivilisierten Welt ist Erfolg das was - angeblich - zählt.
Die Wahrheit ist nicht schön, aber je Erfolgreicher ein Mensch ist, desto gieriger wird er, desto mehr Macht übt er aus.

Das Rezept gegen Gier ist  nicht - wie jetzt vielleicht einige glauben - Erfolglosigkeit, sondern das Verteilen des eigenen Erfolgs an andere.

Das sogenannte Glücksprinzip.
Wurde dir etwas Gutes getan - gib es weiter!
Und zwar nicht so, dass man dir etwas "vergleichbares" zurück geben muss.
Gib es Bedingungslos weiter!

Ein guter Erwachter Mensch wird dir sein Wissen unentgeltlich oder durch eine von dir selbst bestimmte Spende zur Verfügung stellen.
Das ist es was wirklich zählt. Dieses Wissen ist allen Menschen zugängig, es ist nichts, das man sich wirklich mit harter Arbeit erkämpft hat. Spiritualität kostet nichts. Erwachen ist kostenlos.
Buddhismus ist für jeden offen.
Die Vorstellung, dass man nur durch einen finanziellen Gegenwert etwas erhalten kann, ist eine Vorstellung von Gier und Anhaftung. Leider hält es sich wie Kaugummi an der Schuhsohle.  - Ein Gegenwert ist es auch, wenn durch mein Wissen, ein anderer ein neues Bewusstsein erlangt und dadurch der Samen von Liebe und Frieden weiter getragen wird.

Mir sagte einmal ein Buddhist: "Buddhismus kann man nicht im Supermarkt kaufen!" und ich sagte darauf hin:

"Stimmt Buddhismus sollte es im Supermarkt umsonst geben!"

Ich bin davon überzeugt, wenn die Seminare Erwachter Menschen umsonst wären, würde sich diese Welt verändern. Denn dann hätten wir alle ein offenes Bewusstsein für den Frieden.

Das ist meine Motivation und ich lade jeden dazu ein, es mir gleich zu tun.


In diesem Sinne...

Namasté

eure Andarnil



Mittwoch, 14. Oktober 2015

Das unsichtbare Tor - Konditionierung, Leid, Bedingtes Entstehen, Einssein



Durch die ICH-Losigkeit erlangt man Freiheit.
Tao-hsin sprach zu seinen Schülern:
„Was sieht ein Käfer, was fühlt er?
Und ein Adler?
Und ein Staubkorn?“

Wir gehen erstmal davon aus, das alles getrennt zu betrachten ist,  so sehen wir den Adler, den Käfer als Tiere, die nicht viel mit uns zu tun haben, da sie keine Haustiere sind und den Staub sehen wir höchstens wenn wir die Wohnung sauber machen. Wir bringen es nicht in Verbindung, weder den Käfer, noch den Adler, noch den Staub.

In unserer Sicht vergeben wir Werte, je nachdem was wir lieber mögen. So hat die "Haus"Katze für uns einen Wert, wenn sie bei uns lebt, der Käfer bekommt einen Wert, wenn er uns stört, dieser Wert ist Negativ besetzt und den Adler sehen wir auf Bildern und finden ihn vielleicht schön und so erlangt auch er seinen Wert.
Je nachdem was uns gefällt oder nicht gefällt vergeben wir Bewertungen und trennen somit das eine vom anderen.

Etwas bewerten heißt etwas nur oberflächlich zu betrachten. Bewerten wir eine Katze positiv und einen Käfer negativ, ist das nur eine Empfindung und entspricht somit nicht der Wahrheit, das die Katze positiv ist und der Käfer negativ. Diese Bewertung entsteht dadurch das wir im Laufe unseres Lebens positive oder negative Empfindungen mit dem Tier hatten und an dieser negativen Empfindung festhielten. Doch diese Empfindung müssen noch nicht einmal von uns selbst stammen. Es kann auch gut sein, das eines unserer Vorbilder eine negative Erfahrung machte und wir dabei waren. Wir haben dann die Erfahrung eines anderen in unser Gefühlsspektrum eingebunden, als wäre es unsere eigene Erfahrung. So was nennt man auch Konditionierung. Angenommen eine Katze hat während unserer Kindheit eines unserer Vorbilder gebissen, und unser Vorbild  hatte danach schmerzen und war sehr schlecht gelaunt. So haben wir uns gemerkt, wenn eine Katze beißt, dann hat man schlimme Schmerzen und hat schlechte Laune, es ist niemand mehr da der mit uns spielt, dessen Aufmerksamkeit wir gewinnen können, denn der Schmerz ist stärker als wir. Somit bekommt die Katze eine negative Bewertung.
Das gleiche gilt z.B. für eine Spinne, eines unserer Vorbilder hat Angst vor Spinnen, wir merken uns: Angst und Spinne. Somit verknüpfen wir beides miteinander und folglich werden wir bei jeder Spinne in Angstschweiß ausbrechen.

Anfangs gibt es diese Bewertung nicht, ich erinnere gerne daran, das Kinder auch mal einen Regenwurm essen, oder ihre eigene Kacka. Sie machen da keinen Unterschied zwischen Regenwurm, Kacke, oder Nudeln. Für sie ist alles EINS und nur durch den Geschmack zu unterscheiden, aber nicht durch die Bewertung RICHTIG oder FALSCH. Erst wenn wir eingreifen und uns brüllend über die Windel werfen, damit das Kind nicht mehr darin herumpantscht lernt es, das ist BÄH!

Diese Konditionierung ist für ein Miteinander in der Gesellschaft sehr wichtig, aber sie hat auch einen negativen Effekt, wir verlernen uns direkt mit den Dingen näher auseinander zu setzen. Wir erleben die Welt in einem einfachen Winkel von gut und schlecht. Wir Verlassen uns auf das, was andere vor uns erfahren haben.
Die eigene Erfahrung halten wir für unnötig. Ich nenne das, die Vorbild-Erinnerung. Wir lernen Vorbildern zu vertrauen und unseren Gefühl zu misstrauen, das hat im Laufe unserer Entwicklung die Konsequenz, das wir uns lieber an einer Massenmeinung anpassen, als eine eigene zu finden.
Die ICH-Illusion wird dadurch noch verstärkt. Denn die Trennung wird gerade dann am stärksten empfunden, wenn wir einem Vorbild nacheifern wollen. Solange der Mensch Vorbild ist, werden wir alles tun, um ihn in dieser Position zu halten, was passiert ist ein Paradoxum, denn alles in uns strebt danach uns mit gerade diesem Menschen zu verbinden. Auch wenn wir Oberflächlich damit zufrieden sind, den anderen anzuhimmeln, ergibt sich auf der Gefühlsebene eine Art Abhängigkeit die uns im Grunde genommen nur Leid bringt. Denn wenn der andere aus unserem Blickfeld verschwindet, vermissen wir ihn. Und das tut weh.

Interessanterweise funktioniert diese Vorbilderinnerung in alle Richtungen, dabei spielt es keine Rolle ob es sich hier nur um einen Menschen handelt oder eben um eine Masse von Menschen die eine bestimmte Meinung oder ein bestimmtes Interessengebiet teilen.
Die meisten Menschen fühlen sich in ihrem Wesen wohler, wenn sie Teil von etwas sind, statt alleine zu sein.
Wenn man sich dieses Phänomen näher anschaut wird man interessantes feststellen. Alle Wesen suchen das EINSSEIN, ob es nun der Mensch ist, oder ein Wurm. Es spielt keine Rolle. Wir sind unser ganzes Leben auf der Suche nach dem woraus wir entstanden sind - der Symbiose.
Gehen wir mal zurück zu unserer Entstehungsgeschichte: Aus einer Eizelle und einer Samenzelle entsteht der Mensch (durch Zellteilung entstehen alle Lebewesen - soweit ich weiß). Das was getrennt wurde, fügt sich wieder zusammen um sich erneut zu trennen und sich durch ein Gefühl von Liebe wieder zu vereinen. Ein ewiger Kreislauf von werden und vergehen.
Ein normaler Rhythmus des Lebens - Sterben ist Teil davon.

Das ist die Realität in der wir uns bewegen. Sterben ist Teil unseres Leben in jeder Beziehung. Wir geben dem Sterben nur eine andere Form von Vergehen. Wir erleben das Sterben in einer Art Ablösungsprozess unseres Daseins. Doch in Wahrheit erleben wir es jeden Tag aufs Neue.
Zum Beispiel essen wir die Nahrung tot.
Wir zerkauen sie, schlucken sie runter und kacken sie wieder raus. Eine etwas merkwürdige Erklärung?
:)

Wir verlieren jeden Tag Hautschuppen, wir verlieren Haare, wir schneiden Finger und Fußnägel, wir stehen also dauernd mit dem Tod in Verbindung, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Mit der ICH-Auflösung erleben wir den Tod als das was er ist, ein Vergehen. Wir erleben die Welt als das was sie ist, das was wir wahrnehmen, was uns unsere Sinnesorgane vermitteln. Und wir erleben es jetzt in diesem Augenblick und was davor war, wird zur Unwichtigkeit. Erinnerungen verlieren ihre Macht. Ich erlebe meine Erinnerungen Blass und Substanzlos und Neutral. Die Distanz zu dem was einst war, ist für mich selbst Überraschend. Im Ich-Zustand erleben wir Leid als das was uns mit anderen Geschöpfen verbindet, aus dem Grund halten wir an Leidvollen Themen fest, an leidvollen Erinnerungen, an leidvollen Gedanken.
Sie geben uns das Gefühl der Verbindung die wir so schmerzhaft Vermissen.

Im Buddhismus spricht man von:
Leid des Leidens
Leid der Veränderung
Leid der Bedingtheit.

Das Leid des Leidens ist die offensichtlichste Form. Wenn nichts mehr so funktioniert wie wir es uns vorstellen, wenn wir Krank sind, wenn die Menschen sterben die wir lieben, wenn wir Schmerzen haben, oder uns Gefühle, Gedanken quälen. Wir das Empfinden der Sehnsucht verspühren, Gefühle wie Neid, Angst, Hass, Wut sind Leidvoll. Die Geburt ist Leidvoll, auch wenn man danach die Schmerzen nicht mehr fühlt, hat man sie während der Geburt, das Altern wird oft als Leidvoll empfunden, das Sterben wird als Leidvoll empfunden. Darüber hinaus gibt es eine Form des Leidens die mit Glück verwechselt wird - das Verliebtsein, die Schmetterlinge im Bauch, das Gefühl des Vermissens, die Angst den anderen zu verlieren.

Das Leid der Veränderung ist die zweite Form von Leid.
Zuerst erleben wir jede Entwicklung als aufregend, interessant und abwechslungsreich. Aber das verändert sich mit der Zeit, je mehr die Entwicklung in den Alltag eingeht, desto mehr begehren wir die Anfangszeiten zurück. Wir versuchen anhand der Erinnerung die wir haben an den Dingen der Vergangenheit anzuknüpfen und erleben immer wieder aufs neue, dass das nicht funktioniert. Der Zustand der Unzufriedenheit erweckt Trauer in uns. Nichts kann dauerhaft bleiben. Das Leid geschieht wenn wir uns durch die Veränderung  ein dauerhaftes Glück erhoffen.

Das Leid der Bedingheit ist die dritte Form von Leid. Es beinhaltet die Tatsache, dass wir keinerlei Kontrolle über unser Leben haben. Das bedeutet das wir im Dasein unserer bedingten Existenz immer wieder mit Leid konfrontiert werden, selbst die glücklichsten Momenten vergehen wieder und die Erinnerung daran schmerz uns.
Wir werden in dieser Form des Leids damit konfrontiert, das wir selbst vergehen ohne das wir etwas dagegen tun können.

In Buddhismus spricht man von Erleuchtung, wen jemand dieses Leid überwindet und überwinden kann man es nur, indem man versteht, das Leid genau wie der Tod Teil des Lebens sind.
Ich-Los oder anders Erleuchtet zu sein, bedeutet nicht, das man Glückseelig durchs Leben geht, es bedeutet nur das man Leben als das (an)erkennt, was es ist. Das Leben selbst, Leid, der Tod wird somit Neutral. 

Gedanken, Gefühle werden Neutralisiert. Das Leid wird nicht mehr als Leidvoll wahrgenommen, sondern als Teil all dessen. Das dieser Zustand einem Glück gleich kommt, erlebt man selbst als Allumfassend. Es gibt Momente da fühle ich eine unbändige aber stille Freude. Ich erlebe mich selbst, obwohl ich sehr wohl sehr emotional und Temperamentvoll war, als sehr ruhig und gelassen.

Mit der ICH-Auflösung gibt es auch keine Kontrolle, das Leben aufhalten zu wollen, den Tod aufhalten zu wollen, irgendetwas aufhalten zu wollen.
Mit der ICH-Auflösung begreift man das das Leben fließt, egal ob Menschen das wollen oder nicht. Man versteht, das alles ein Kommen und Gehen ist. Vergleichbar mit den Jahreszeiten, oder einem Gewässer das fließt, ein Sturm der kommt und wieder geht, Schneefall oder Regen, Sonnenschein oder Nebel.

Mit der ICH-Auflösung erfährt man eine Gelassenheit, einen Gleichmut, eine Ruhe die man davor nie hatte. Es entsteht Frieden in einem selbst. Und mit diesem Frieden begegnet man auch anderen Menschen. Man erkennt, dass das Getrenntsein einer Illusion entspricht und somit dem ICH entspringt.
Das ICH verhindert das wir uns mit anderen Menschen verbinden und mit Verbinden meine ich keinen Sex, sondern das grenzenlose Eintauchen in das Wesen des anderen. Im ICH-Losen Zustand oder auch der Erleuchtung sind wir EINS mit allen Wesen, Mensch wie Tier, eins mit dieser Welt, eins mit dem Universum.
Die Grenzen die wir uns durch das ICH geschaffen haben, hat es nie gegeben und wird es auch nie geben. Wir sind Grenzenlos frei.

Es gibt einen Text zum Torlosen Tor von Nyogen Senzaki,darin schreibt er auf Seite 3.

* "Der große Pfad hat keine Tore, Tausende von Wegen führen zu ihm. Wenn einer durch dieses torlose Tor geht, so wandert er frei zwischen Himmel und Erde".

Im Anhang habe ich euch den kompletten Text in PDF Formal verlinkt. Dort findet man auch einige meiner mittlerweile heißgeliebten  Kōans.

Ah, ihr wollt sicherlich die Frage zu dem obigen Kōan, na was denkt ihr ist die Antwort?

Stell dir selbst die Frage, was du siehst und was du fühlst... dann weißt du es.


In diesem Sinne
Viel Freude beim Lesen.

Namasté
eure Andarnil


"Torlos deshalb weil es in Wahrheit eine Illusion ist, dass es je ein Tor gegeben hat. In Wahrheit folgt man sich selbst. Einem Weg den man geht weil man Frei sein will, weil man das Leid überwinden will. Es ist die tiefe Sehnsucht nach einem Leben ohne Leid.
Und wenn man einmal begriffen hat, das es niemals ein ICH gab, ist man hindurch. Davor war man noch im ICH Zustand, danach im ICH-Losen Zustand. Das Leben selbst verändert sich dadurch nicht. Man hat seinen Alltag, seine Familie. Nur ist man dann an keine festen Strukturen, keine Muster, keine Wahrheiten, keine Kontrolle und keinen Willen mehr gebunden.

Text: http://www.buddhismus-studium.de/materialdownloads/material_torlosetor.pdf



Sonntag, 2. August 2015

Wahre Argumente gegen Veganismus




In vielen buddhistischen Communities wird das Thema: Vegan vollkommen ausgeblendet. Das ist ein Grund warum ich nur eine Buddhistische Gruppe in Facebook administriere, nämlich meine und mich ansonsten aus dem Gruppen distanziere.

Die Argumentation geht vielfältige Wege, man wirft gerne einseitige Kommentare in den Raum, wie z.B. "du hältst noch zu sehr an deiner Ernährung fest!" und vergisst dabei, das man diesen Kommentar auch gerne zurück geben kann.

Das Festhalten ist ein Bestandteil der zu Stande kommt, dass man etwas nicht verändern will. Da Vegan lebende Menschen bereits ihre Ernährung umgestellt haben, trifft das nicht mehr auf sie zu, wobei Menschen die nicht vor haben sich mit dem Thema auseinander zu setzten, sich sehr wohl an alten Strukturen festklammern, daran ändert auch nichts, wenn sie an sich gute Erklärungen vorbringen, wie z.B. "Dogmatischer Veganismus führt zu einer prinzipiellen Stigmatisierung von tierischen Erzeugnissen"*

Wobei man auch hier sehr klar abgrenzen sollte, wo der dogmatische Veganismus anfängt, leider hat der Blogschreiber meine Frage nie beantwortet, also nehme ich an, dass er Veganismus von sich aus schon als Dogmatisch empfindet. Was wiederum ein Indiz dafür ist, das auch er an Meinungen, Vorstellungen und Gedanken Strukturen festhält.
Wer das Loslassen fordert muss mit guten Beispiel voran gehen. Die meisten Menschen heben gerne den Zeigefinger empor, ändern jedoch nichts an ihrem eigenen Leben.

Im Buddhismus ist es Notwendig sein Leben zu verändern, man kann sich davor nicht schützen, sobald man tief in diese Religion eingetaucht ist, ist man bereits mitten in der Entwicklung. Die eigene Sicht geht tiefer und hervor kommen unglaublich vielfältige alte Muster, die durch noch ältere Muster entstanden sind. Gedanken und Gefühle klammern sich wie Klettband an den Mustern fest und wer sich wirklich kennen will, stell fest, wie festgefahren diese Strukturen sind und wie mühsam es ist sie von einander zu lösen um etwas neues freies wachsen zu sehen.

Wir alle haben diese festgefahrenen Muster in uns, wir handeln oft aus einem fremdbestimmten Vorbild heraus, das uns einmal so dermaßen manipuliert hat, das wir denken, es ist unser eigenes Weltbild das wir verteidigen müssen. In Wahrheit wissen viele Menschen nicht um ihrer eigenen Meinung. Sie plappern vielmehr das weiter, was sie in mühsamer Kleinarbeit von Kindheit an gelernt haben. Es ist wie eine Sprache die man erlernt hat, das Aufgeben dieser Sprache erfordert unglaublichen Mut, das aufgeben unterschiedlicher festgefrorener Vorstellungen ebenso.

Wir lernen anhand von Vorbildern, war es einst ein Metzger der unser großes Vorbild war, wird es nur schwerlich sein, das Schlachten als etwas negatives zu betrachten.
Denn wir bringen automatisch die Handlung des Jenigen mit seinem Menschsein in Verbindung und war der Mensch ein liebenswerter Mensch, versuchen wir auch all seine Handlungen mitein zu beziehen.
Der Gedanke dieser liebenswerte Mensch könne einen Fehler begehen, wird sofort von einem noch tieferen Gefühl in uns beiseite geschoben. Der Liebe zu diesem Menschen.
Während vielleicht ein anderer Metzger in unser negatives Sichtfeld gerät, weil über Facebook und Co. Bilder auftauchen die Negative Symbole enthalten.

Unsere Sicht ist sehr geprägt von dem was wir als Gut oder Böse empfinden. Diese zwei Elemente prägen unser komplettes Leben. Wir sehen die Welt also nicht Neutral, sondern immer in Bewertung zu dem was wir an Entwicklung in uns tragen.

Wenn wir einen Veganer als unangenehm empfinden liegt es nicht daran, das er ein unangenehmer Zeitgenosse ist, sondern vielmehr daran, das wir selbst ein inneres Thema mit dem Begriff Vegan haben. Vielleicht auch daran, das wir selbst noch zu sehr an alt hergebrachten Traditionen festhalten. Wenn der Schweinebraten mit der liebenden Großmutter verbunden wird, und immer dann die Erinnerung an sie geweckt wird, wenn es Schweinebraten gibt, wird es schwer sein, vom Schweinebraten Abschied zu nehmen, weil man dann gleichzeitig auch die Erinnerung an die Oma verabschiedet. Das gleiche gilt bei meinem Beispiel mit dem Metzger, wird die Erinnerung an ihn nur dadurch wachgehalten, das man Leberwurst aus eigener Schlachtung isst, wird es schwierig sein, aufs Leberwurstbrot zu verzichten.

Nahrung wird oft mit Gefühlen verbunden, bestimmte Geschmacksrichtungen können tatsächlich Erinnerungen an bestimmte angenehme oder unangenehme Situationen hervorrufen. Wenn diese Situationen unangenehm waren, werden wir die Nahrung zukünftig verweigern, ist die Situation jedoch angenehm, werden wir an genau dieser Nahrung festhalten, um immer wieder in diese auslösenden angenehmen Gefühle einzutauchen.

Auch das könnte ein Grund hierfür sein an bestimmten Nahrungsmitteln festzuhalten. Ich hatte z.B. das Szegediner Gulasch, das meine Großmutter einmal im Monat an einen Sonntag für mich und meinen Opa gemacht hat. Als ich Vegetarierin wurde, habe ich genau dieses Gulasch vermisst. Ich habe dann später das Fleisch durch Soja ersetzt und kann mich heute wieder an dieser schönen Erinnerung an meine Großeltern erfreuen.

Ein anderer Grund um festgefahrene Muster nicht aufgeben zu müssen, ist das Anpassen an bestimmte Gruppierungen.
Wenn wir in einer Gruppe von Menschen sind, die sich allabendlich zu einem Bier treffen, um den Tag damit zu beenden, dann wird es schwierig sein, Alkohol aufzugeben, denn damit gibt man auch ein Stück dieser Gemeinschaft auf.

Wenn sich Menschen von anderen Menschen und Gruppierungen unterscheiden geraten sie sehr schnell ins Außen. Niemand will gerne Aussenseiter sein. Die Angst plötzlich nicht mehr gemocht zu werden, weil man sich Verändert hat, ist sehr groß.

Oft ist diese Angst mit dem Gefühl von Einsamkeit verknüpft, Einsamkeit ist gleichsam Leiden.

Wenn man sich gerne in Gruppen aufhält versucht man natürlich die Gruppe für sich zu gewinnen, die den eigenen Interessen am nächsten kommt um eben diese eigenen Interessen zu stärken.
Es ist einfacher sich in einer Gruppe von Fleischessern zu behaupten, als in einer Gruppe von Veganern - weil hier die Ansprüche noch größer sind.
In einer Gruppe von Fleischessern interessiert es niemanden ob du während des Grillens: Steak, oder Bratwürstchen magst.
In einer Gruppe von Veganern kann es vorkommen, dass heftig diskutiert wird, wenn du erzählst das du am liebsten Sojawürstchen von einem bestimmten Hersteller isst.

Die Vorstellung das dich eine bestimmte Gruppe auffängt, ist genauso irrational wie die Vorstellung das man nur die Meinung der Masse teilen muss, um geschützt zu sein. Und doch ist das der Hauptgrund warum wir uns in Gruppen aufhalten.
Die wenigsten Menschen halten sich gerne in Minderheiten Gruppen auf. Minderheit wird gesellschaftlich als Negativ betrachtet und ist somit Aussenseiter der Mehrheit.

Wenn man sich das Ganze anhand eines Kreises vorstellt, so ist die Mehrheit in der Mitte und die Minderheit außerhalb des Kreises anzutreffen.
Eine Minderheit kann niemals so stark vertreten sein wie die Mehrheit.
Die wenigsten Menschen entscheiden sich daher bewusst für die Außenrandlage, die meisten Menschen möchten im Kreis sein. Dort finden sie dann auch Familienangehörige und co.
Sich dort einer Meinung anzuschließen, ist sehr einfach. Man kann sagen: "die meisten denken genauso wie ich" Und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Die Vorstellung das die Meisten falsch liegen, ist nahezu ausgeschlossen.
Auch das ist ein Grund warum die Vegane Ernährung sogar in Buddhistischen Kreisen abelehnt wird.
Man gleicht sich gerne der Meinung der Mehrheit an, und wenn diese besagt: wenn Buddhas Rede für Bikhsus gilt, gilt es auch für die Allgemeinheit. Dann ist es eben so.

Es ist sehr einfach sich anzugleichen. Sogar einem Buddhisten wird es sehr einfach gemacht, man zitiert sehr gerne aus dem Palikanon, statt auf eigene Erfahrungen hinzuweisen. Man bindet sich an die Meinung der Lamas oder Lehrer an, weil man alleine aus Respekt Ihnen gegenüber keine andere Meinung geltend machen möchte. Interessant ist, wie schnell sich die Meinung doch wieder ändert, wenn man den Lehrer wechselt.
Anpassung ist überall ein Thema. Und oft wird Anpassung als etwas sehr positives gesehen.

Anpassung bedeutet jedoch auch, das man an alten Mustern festhält die oft sogar weit ausserhalb der gegenwärtigen Menschlichen Entwicklung liegen.
Gesellschaftliche Veränderungen werden hier gerne mal ignoriert. Es wird auf Traditionelles hingewiesen, der Satz: "So war es schon immer!" ist dann oft zu lesen.
Aber auch Religiöse Lehrsätze werden hierfür gerne missbraucht, um eine fortschrittliche Entwicklung aufzuhalten.

Menschen benutzen sehr gerne das Wort: "Zielsetzung", dieses hat jedoch nichts mit dem Begriff Entwicklung gemein.
Bei der Zielsetzung entsteht ein Willensentwurf einer Sache die man kurzzeitig erreichen will. Beim Begriff Entwicklung geht es nicht darum eine bestimmte Sache innerhalb kürzester Zeit zu erreichen, sondern vielmehr um eine vollständige Formatierung der eigenen Person.

Eine Entwicklung bedingt immer das eigene Erleben in Verbindung mit äußeren Einflüssen.
Wenn wir ein postives Erlebnis mit z.B. Veganern haben, kann das sehr gut dazu führen, dass wir die Vegane Ernährung in Erwägung ziehen. Ist das Erleben jedoch negativ wird oft an Althergebrachten festgehalten.

Entwicklung beginnt nie an einem Nullpunkt, heißt von heute auf morgen entscheiden wir uns zu etwas das vorher nie dagewesen ist. Irgendjemand hat einen Ansatz gegeben, der uns faszinierte und daraus folgerte das wir uns zu dieser Richtung hingezogen fühlen.

Der Mensch entwickelt sich am laufenden Band, die Frage ist nur in welche Richtung.
Gesellschaftlich steuern wir seit Jahren auf einen Abgrund zu, der darauf hinweist, das die Menschheit sich regrediert.
Statt auf die Umweltprobleme einzugehen, werden Methoden entwickelt um noch bessere Ergebnisse hervorzubringen, den Schaden an der Umwelt wird vorsorglich mit Pflaster und Verbandszeug abgeholfen. Genmutationen werden von Staatlicher Seite befürwortet, das Wasser wird privatisiert.
Unsere Mitlebewesen werden in weiterführender Technik noch effektiver ausgebeutet und die Art des Tötens wird als "human" bezeichnet.
Die Kindheit unserer Kinder wird nach und nach durch die Zielsetzung der Eltern verkürzt um noch schnellere Ergebnisse in ihrer Entwicklung zum anpassenden Menschen zu fördern. Der Satz: "Von nichts kommt nichts" wird zum Leitsatz der Erziehung.
Statt Mitgefühl für Menschen zu fördern, die Hilfe in den reichen Industriestaaten suchen, werden die Menschen systematisch aus diesen Ländern vertrieben. Teilweise mit Hassparolen und mit körperlicher Gewalt.
Ausgrenzung findet in allen Bereichen statt, egal um welches Thema es handelt.

Sich einer Masse anzupassen bedeutet letztendlich, sein individuelles Denken und Handeln aufzugeben, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen und sich seiner mitfühlenden Menschlichkeit zu entledigen.

Wir haben nicht mehr viel Gelegenheit um unseren Planeten vor einer Katastrophe zu schützen.
Wenn wir so weiter machen, haben unsere Enkel die Auswirkungen zu tragen, die dadurch entstehen, das wir selbst uns gegen jegliche positive Entwicklung sperren.
Sich vegan zu ernähren, um die Massenausbeutung der Tiere aufzuhalten, wäre nur ein Weg, er wird vielleicht unseren Mitlebewesen helfen, sich neu zu generieren. Aber damit alleine ist es nicht getan. Wir müssen anfangen Global zu denken. Die Massenbewegung kann uns hier helfen, nicht nur auf uns zu achten, sondern auch auf die Menschen in unseren Gruppen in denen wir uns bewegen.

Die Verantwortung kann nicht nur über unser Ego laufen, damit zerstören wir auf Dauer die Welt auf der wir leben.
Die wahren Argumente gegen Veganismus liegen jedoch genau darin begründet. Die Wahrheit ist sehr einfach und leider auch schmerzhaft. Wir halten an Alten Traditionen fest, um sie nicht zu verlieren. Wir haben Angst vor Veränderung und jede Entwicklung ist gleichsam eine Veränderung.
Wir gehen sogar in Regression um eine Entwicklung nach vorne aufzuhalten.

Wir Menschen sind die wahre Geisel unserer Erde.

Warum ist das so?

Ich habe eine wage Vorstellung hiervon, wobei ich noch keine ausreichende Erklärung gefunden habe.

Ich denke unser Dasein ist damit gekoppelt das wir als Individuen die Möglichkeit haben weitreichende Umwelt Veränderungen zu manipulieren. Wir dienen dennoch dem Fressen und Gefressen werden wie alle anderen Tiere auch. Wir haben jedoch auch die Möglichkeit uns an die jeweiligen Klimazonen anzupassen, das hat unser Überleben sehr vereinfacht.
Unsere anfänglichen Fähigkeiten um zu Überleben haben sich im Laufe der Millionen zu einem wahren Egozentrum aufgetürmt. Die Macht die wir über andere Lebewesen haben, hat uns letztendlich keinen Ruhm beschert. Wir haben uns überentwickelt zu einem Lebewesen, das denkt ihm würde die Welt gehören. Aus diesem Grund sind wir heute nicht mehr in der Lage zu begreifen, dass wir mit diesem Denken die Welt auf der wir leben gänzlich zerstören.
Der Mensch lebt nicht mehr in und mit der Natur, sondern hat sich daraus erhoben und denkt er könne ohne Natur und Umwelt überleben. Er ist geistig aus dem System herausgetreten, obwohl er genau wie alle anderen Mitlebewesen Teil aller natürlichen Vorgänge ist. Er hat sich somit ein Trugbild erschaffen.

Man könnte auch sagen, die Menschheit ist Größenwahnsinnig geworden. Der Gedanke, dass wir das was wir zerstören wieder Kitten können, hält sich wie Marmelade auf dem Toastbrot.

Wir sind keine Retter in der Not, das waren wir noch nie. Wir sind Zerstörer. Mittlerweile ist es so, dass unsere Erde sich darurch nicht mehr von alleine regenerieren kann, außer der Mensch stirbt aus. Eine neue Eiszeit wäre hier eine Möglichkeit von vielen.

Wir könnten unsere Umwelt retten, aber dazu müssen wir bewusst hinsehen was wir tun. Es hilft nicht aus der Bequemzone einen Blick auf das Chaos zu werfen und sich damit zu begnügen über Facebook und Co. sich aufzuregen wenn ein Jäger einen Löwen tötet. Wir müssen anfangen uns unserer Verantwortung bewusst zu werden. Wer es nicht schafft beruflich hier eine Veränderung herbeizuführen, kann  es privat tun. Alleine durch ein besseres Verständnis für unsere Ernährung schaffen wir einen kleinen Schritt in Richtung positiver Entwicklung. Ähnlich wie: "es ist Krieg und keiner geht hin" wäre es hier: "Es gibt Fleisch und keiner isst es"

Die Veränderung kann nur von jedem einzelnen Individuum ausgehen, sowohl in positiver als auch in negativer Richtung. indem es sich seiner Verantwortung seines eigenen Handelns bewusst wird.
Unsere geknechteten Mitlebewesen sind aller Macht beraubt und unsere Erde hat bereits zu viel an Kraft eingebüßt.

Es liegt also an jedem einzelnen Menschen.

In dem Sinne,

überdenkt eure Ressentiments gegen die vegane Ernährung. Ich will nicht behaupten das es das Non plus Ultra ist, um unsere Welt zu retten, aber es kann durchaus dazu führen, das sich unsere Natur (zu der auch alle Lebewesen gehören) wieder regeneriert. Allerdings dazu bedarf es eine Massenbewegung in diese Richtung.

So gesehen befürworte ich in diesem Fall mal ausnahmsweise wenn sich Veganer in Zukunft Richtung Mehrheit bewegen.

Wie eine Bekannte einmal sagte: "Wir befinden uns im veganen Zeitalter"
Ich hoffe sie hat Recht.

Namasté
Eure Jo

Ah und wer immer noch nach den wahren Argumenten sucht: Es ist der Egoismus... :)


Linkseiten:
http://www.freiheit-und-bewusstsein.de/gefahren-der-veganen-ideologie/ von Andreas Frickinger

Bild:
http://www.regenbogenkreis.de/vegane-ernaehrung.html

Donnerstag, 4. Juni 2015

Ganz und gar Persönlich - die letzten 50 Jahre.





Aus meiner Erfahrung weiß ich das unheilsame Erlebnisse mit der Einsicht und mit der Klarheit einer Betrachtungsweise die alles beinhaltet, heilsam werden können.

Ich las vor kurzem einen Bericht eines Buddhisten, da ging es darum, das missbrauchte Menschen selbst zu Täter werden. Er schrieb es so, dass es auf alle missbrauchten Menschen zutrifft und es keine Alternativen gibt. Ich war entsetzt über diese Unterstellung. Ich weiß das es nicht so ist.
Heute sah ich einen Vortrag da ging es um Krankheiten und die Einstellung das z.B. Krebs gewollt ist und um ihn zu heilen, müsse man ihn akzeptieren. Dieser Vortrag war anfangs sogar sehr interessant und dann trifdete er ab ins Esoterische. Ich habe ihn nach 35 Minuten beendet. Und frage mich seit dem ob noch eine Entwicklung sichtbar gewesen wäre, hätte ich ihn weiter geschaut.


Heute geht es um ganz und gar Persönliches. Ich möchte die These aufstellen, dass es möglich ist, vergangenes Leid zu heilen und ich nehme mich selbst als bestes Beispiel.

Als Kind einer Prostituierten und eines Soziophaten habe ich schlimme Dinge während meiner ersten 17 Jahre erlebt. Die ersten Jahre während meiner Suche nach religiösen Inhalten, dachte ich, ich muss karmisch etwas ganz schlimmes getan haben, um in diesem Leben so viel Grauen zu erleben. Ich bin also davon ausgegangen, dass ich selbst Schuld an meinem Unglück bin.  Ich war davon überzeugt ein furchtbarer Täter gewesen zu sein. Diese Gedanken haben mich eine ganze Weile gesteuert und mich regelrecht mit Schuldgefühlen zerfressen und doch letztendlich auch dazu gebracht das Beste aus meinem Leben zu machen, wobei das Beste für mich, nicht unbedingt mit dem Besten allgemein zu vergleichen ist.

Mir ging es nie darum viel Geld zu verdienen und einen gewissen materiellen Standard zu erreichen, sondern vielmehr darum, so leben zu können, damit ich noch genug Zeit für wichtigere Dinge habe - wichtigere Dinge als Geldverdienen. Ich habe Zeit meines Lebens für mich die Entscheidung weiter verfolgt nur das zu tun (zu arbeiten) was mich wirklich befriedigt und mir Freunde bereitet. Da ich sehr schnell gelangweilt bin (vom Arbeitsmarkt und den "normalen" Berufen) habe ich dementsprechend sehr oft meine Arbeitsstelle gewechselt, unterschiedliche Studien angefangen und nicht beendet. Denn irgendwann kam der Moment an dem ich innerlich eine ganze Liste weiter war, als mein Lehrstoff und als ich anfing beim Lesen einzuschlafen, war das das Ende des Studiums. Ich habe somit zwar studiert, aber nie lange genug um einen Abschluss vorzuweisen (mit Ausnahmen, aber hier habe ich das Zertifikat entweder selbst zerstört oder nie in Empfang genommen). Ich hatte etliche Jobs in etlichen Firmen und auch einige Ausbildungen begonnen, ohne ein Zertifikat oder ein Zeugnis in den Händen halten zu wollen. Ein wichtiger Grund war die Ereignislosigkeit und die Langeweile, ein anderer war das ich nicht Teil einer Gesellschaft sein wollte, die darauf Wert legt. Es war mir nicht wichtig und das ist es immer noch nicht. Mein Ehrgeiz liegt ganz auf der Eigenentwicklung. Ich bin der Meinung wenn ein Mensch  die Zeit die er mit Ausbildungen, Studien und Zertifikaten verbringt, dafür nutzen würde sich selbst kennen zu lernen, würde sich einiges in dieser Welt verändern.

Mir war immer wichtig etwas Gutes zu hinterlassen, in Form von Mitgefühl für andere Lebewesen. Wenn ich zurückblicke ist mein Weg immer dadurch gezeichnet, dass ich aus dem was ich erlebt habe gelernt habe. Es war wie eine Lehre die nie endet. - Diese Lehre nannte sich ERLEBEN. Und man erlebt nur wenn man sich aus seiner Bequemzone heraus bewegt.

Ich weiß noch als ich ein Kind war, war es für mich total Surreal mir mich als 50 Jährige vorzustellen. Damals liefen viele der Frauen in dem Dorf in dem ich aufwuchs, Tagsüber mit Kittelschürze herum, sie hatten dicke Lockenwickler auf ihren Köpfen und verschmierten Lippenstift auf den Lippen. Sie zogen an ihren Zigaretten, während sie ihren Kaffee schlürften und dabei die Bildzeitung lasen. Nachts - oder in meinem Fall immer dann wenn die Freunde meines Vaters da waren - zogen sie ihre Kittelschürzen aus und dafür Strapse an, die Lockenwickler wurden abgerollt und der Lippenstift nachgezogen.  So waren sie Tagsüber oberflächliche Hausfrauen und Nachts (oder eben wenn gewollt) wechselten sie zur Hure. Die ersten 17 Jahre meines Lebens erlebte ich Frauen nur als Ware und als Opfer.

So wollte ich auf keinen Fall werden. Aber ich kannte auch keine Alternative. Also hörte ich irgendwann bei meiner Jahresaufzählung bei 40 auf und beschloss nicht älter zu werden. Als ich dann als Jugendliche die Blechtrommel im Kino sah, konnte ich Oskar Matzerath total gut verstehen.
Jahrelang habe ich damit gerechnet nicht älter als 40 zu werden, denn alles andere erschien mir zu unlogisch. Ich wollte auf keinen Fall irgendwann mit Kittelschürze und Lockenwickler im Haar auf meinem Balkon sitzen und kniend irgendwelche Männer mit dem Mund bedienen und ansonsten nur oberflächliches Zeug labern.

Das Alter ist so eine Sache wenn man innerlich vielgeteilt ist. Durch das Trauma meiner Kindheit bin ich innen mehrere Personen, die je nachdem wie es ihnen geht, auch nach Außen treten. Ich bin damit aufgewachsen viele zu sein (DISS oder Multiple Persönlichkeit). Das ist mein Leben und ich finde es weder krankhaft, verkrampft, noch geht es mir damit schlecht.
Es gibt jedoch ein paar Dinge die im Miteinander mit anderen Menschen (ver)störend wirken können. Das eine ist meine "Vergesslichkeit",  meine mit unter auftretende Kindlichkeit mit einer großen Spur Naivität, mein Instinkt und meine Intelligenz.

Als ich mich entschloss aus meinem pornografischen, grausamen  und debilen Zuhause abzuhauen war ich 16 und als ich beschloss die mir durch und seit Geburt vertraute unterste Unterschicht den Rücken zu kehren, war ich 17 Jahre alt.
Ich wechselte die Schichten und lernte andere Familienkonstellationen kennen. Wenn man wie ich aus einem Umfeld kommt, indem Kriminalität und Leid alltäglich sind und das in jeglicher Hinsicht, ist ein solcher Wechsel von vorne herein mit Problemen bestückt. Ich fühlte mich nirgends Zuhause. Denn als mir bewusst wurde, das ich all diese Schichten mit all ihren Erwartungen nicht erfülle, fühlte ich mich wie ein Alien.

Es gab tatsächlich Zeiten da verfluchte ich meine Andersartigkeit. Ich las Bücher über Philosophie, Psychologie und Kunst und vertiefte mich in Bücher über Metaphysik. Die Religionswissenschaft wurde mein Hobby und trotzdem oder gerade deswegen fühlte ich mich sehr einsam. Natürlich hatte ich Bekanntschaften, Freunde und damals noch einen Mann an meiner Seite. Aber die meiste Zeit schwieg ich, denn wenn ich anfing über meine Erkenntnisse zu sprechen, verstand kein Mensch was ich sagen wollte. Schweigen war daher sehr viel einfacher.

Meine Beziehung war sehr paradox, ich wünschte mir ein Kind, einen kleinen Menschen der durch einen Teil von mir, vielleicht genauso ver"rückt" war wie ich. Aus heutiger Sicht wünschte ich mir einfach jemanden der mich liebte so wie ich war, ohne meine Art zu denken in Frage zu stellen und ohne mich nach einem Abbild einer Gesellschaft formen zu wollen. Das war der einzige Grund warum ich mich auf einen Mann einließ. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, das es möglich war mit einer Frau ein Kind aufzuziehen, ich musste es erst viele Jahre später erfahren. Das ich lesbisch war, war kein Geheimnis, ich sagte es jedem der mir begegnete. Zwar hielten mich meine Freunde eher für Bi, aber in mir war alles klar. Es gab nur Frauen in meinen Phantasien, in die ich mich regelmässig flüchtete sobald der Alltag über mir zusammen brach. Es ist tatsächlich möglich über Jahre hinweg ein Doppelleben zu führen, das Leben innen mit der Erkenntnis und dem Wissen, das ich wirklich nur mit einer Frau an meiner Seite glücklich werden kann und das Leben im Außen mit der Erkenntnis und dem Wissen, das mein Unglücklichsein unteranderem aus der Beziehung zu einem Mann resultierte. Glück ist etwas das man kennen lernen muss, um es zu vermissen.

Ich fing an aus Langeweile Kunst zu studieren, ich hatte vor meiner Begegnung mit meinem Ex-Mann bereits viele Jahre Kunsterfahrung gesammelt, alleine durch zwei wundervolle Lehrer. Mein erster Lehrer war ein Landschaftsmaler mit Nachnamen Dengler, mein zweiter war Charlie van Riek, ein Holländer der im gleichen Ort lebte wie ich. Wir wurden Freunde. Bei ihm habe ich viele Jahre den Surrealismus studiert und ich danke ihm heute noch für diese lehrreiche Zeit. Er war ein toller Freund. Leider haben wir uns aus den Augen verloren... solltet ihr ihn kennen, schickt ihm liebe Grüße von mir. Ich war seine "la Protégée".

Nach meiner (damals noch) Kunst -"Phase" fing ich an Psychologie zu studieren. Eines meiner Schwächen ist, wie ich bereits erwähnt habe, das ich - wenn sich Langeweile einstellt - schnell das Interesse an Ausbildungen und Studien verliere. Ich bin ein absoluter Autodidakt und ein Praktiker. Ich lerne durch Erleben. Dieses handlungsorientierte Lernen funktioniert nur wenn ich die Möglichkeit habe Erfahrungen zu sammeln. Theorie ist mir meist nicht genug und gipfelt schnell in absolute Langeweile. Ich lese somit auch nie die Gebrauchsanweisung, ich schau mir das Teil von allen Seiten an und tüftel so lange bis ich es verstanden habe - meine Frau macht das wahnsinnig und mich macht es wahnsinnig wenn sie stundenlang den Text studiert bis das Teil funktioniert :) .

Das Psychologiestudium endete mit dem Ende meiner Ehe. Ich musste mich auf meinen Lebensunterhalt konzentrieren und das Studium war a) zu Zeit intensiv und b) zu teuer. Da ich einen Ehevertrag unterschrieben hatte, ging ich aus dieser Beziehung wie ich gekommen war - Mittellos.

Ich wechselte wieder mal die Schicht in dem ich statt 1000 DM am Tag für Schwachsinn auszugeben, gerade mal so viel verdiente das ich im Monat überleben konnte. Ich hatte zwei Arbeitsstellen, tagsüber jobte ich halbtags in einer Bäckerei und abends als Bedienung in einer Bar. Mein Ex-Mann hatte eine Behinderung die auch nach meiner Beziehung zu ihm meinen Alltag begrenzte. Er hat(te - da ich nicht weiß ob er noch lebt) Multiple Sklerose, die schwere Form die zum Tode führt.

Es war ein langer Weg mich trennen zu können, ohne allzu großes Leid zu verursachen. Diesen Weg habe ich 1 Jahr bis ins kleinste Detail geplant. Als ich ihn verließ konnte er in der für ihn erbauten und von mir konstruierten behindertengerechten Wohnung mit einer Pflegekraft gut leben.
Dennoch endete unsere Trennung sehr Tränenreich und zuletzt von seiner Seite aus ziemlich zornig.

Natürlich hatte ich Frauenbekanntschaften, meine erste Frau lernte ich mit 9 kennen und sexuell lieben und ab da wurde mir auch klar, das ich Frauen anziehender finde als Männer. Bei Freundschaften spielte das Geschlecht absolut keine Rolle, im Bett schon. Nach meiner Ehe gab es einige Frauen, ich fühlte mich bei ihnen schön und begehrenswert. Verliebt war ich oft. Aber ich liebe nur einmal in diesem Leben eine Frau. Und das ist meine Frau die ich 1998 kennen lernte. Dieses Exklusivrecht ist für mich bindend, für dieses Leben wie für alle weiteren. Ich gehe davon aus, werde ich noch einmal auf diese Welt kommen, dann als buddhistische Nonne oder wir treffen uns wieder ;) eine andere Vorstellung von einem zukünftigen Leben habe ich nicht. Ich habe noch nicht mal eine Vorstellung von Morgen. Auch etwas das mich von anderen Menschen unterscheidet - ich bin nicht zukunftsorientiert. Ich denke nur an den heutigen Tag, was morgen ist, interessiert mich nicht (zum Leidwesen meiner Freunde, die tolerieren, das ich sehr oft vergesse das wir verabredet sind. Ich muss mir jede Kleinigkeit notieren, sonst ist sie weg aus meinem Gedächtnis.).

Britta ist die Frau meines Lebens, der Stern der für mich glänzt. Der Himmel der sich öffnet und das Licht das in der absoluten Dunkelheit für mich leuchtet. Sie war der erste Mensch für die ich mein ICH aufgegeben habe. In unserer Partnerschaft leben wir das WIR.

Mit 35 wurde ich sehr krank, ich dachte ich sterbe und es hätte auch zu meiner Vorstellung als Kind gepasst. Aus heutiger Sicht denke ich, dass ich diese Erkrankung,  die zwei Jahre anhielt  und noch heute Teil meines Lebens ist, brauchte um zu erkennen das ich alt werden will.

In meinem ganzen Leben - denn ich gehe davon aus, das sich das nicht ändern wird - erkenne ich Entwicklungen anhand von harten bisweilen schmerzhaften Prozessen, ich fühle mich geführt, denn so oft schon gab es Momente da war der Tod ein sehr naher Begleiter. Er hat mich berührt, damit ich ihn fühlen konnte und dann ging er wieder.
Für mich ist es so, als würde er einfach nur eine Frühstückspause einlegen um mir dann wieder freundlich zuzuwinken, manchmal aus der Ferne und manchmal direkt neben mir, so das ich seinen Luftzug spüre wenn er die Hand freundlich erhebt und winkt.

Ich habe in den letzten fast 50 Jahren viele Menschen und Tiere sterben sehen. Wäre mein Leben ein Friedhof, so hätte ich viele Gräber zu pflegen.
Die Begegnungen waren manchmal lang und manchmal sehr kurz, viele dieser Begegnungen sind immer noch sehr präsent und haben in mir vieles verändert.

Das erste Erlebnis mit dem Tod hatte ich in meiner Kindheit. Annabell war vielleicht ein wenig älter als ich, als sie ermordet wurde. Wenn ich zurück blicke sehe ich sie mit langen braunen Haaren. Ein genaues Bild habe ich nicht mehr. Es ist zu lange her. Sie war meine Freundin und die Tochter einer Prostituierten und ihres Zuhälters. Beide gingen ein und aus in meiner Familie. Ihre Mutter ging mit meiner Mutter auf den Strich und hin und wieder standen Annabell, meine Geschwister und ich nackt vor der Kamera. Für mich war das eines der schlimmsten Erlebnisse in meiner Kindheit. Für Annabell läutete das, das Ende ihres Lebens ein.
Annabell wurde in einer Badewanne ertränkt. Etwas später sollte auch ich sterben, aber ich habe den Mordversuch meines Vaters überlebt. Wie kann ich euch nicht sagen, da mir hier die Erinnerung fehlt. Er hat versucht mich zu erwürgen und als er dachte ich sei tot, warf er mich aus dem zweiten Stock unseres Hauses. Eine Nachbarin hat das beobachtet und die Polizei und den Notarzt verständigt. Meine Erinnerung setzt erst wieder Wochen später ein. Ich saß in dem Auto das mich zu einer Pflegefamilie brachte (bei der ich knapp ein Jahr lebte) und hatte keine Ahnung wie ich dort hin gelangte noch wohin es mich fuhr. Es gab Momente da fiel ich von einer Verwirrung in die Andere, weil ich mich nicht erinnern konnte wieviel Zeit vergangen war von einem Erlebnis zum anderen. Mein Leben war wie eine Perlenkette mit vielen fehlenden Perlen. Es gab mit Sicherheit auch ruhige Zeiten aber ich erinnere mich kaum daran.

Ich weiß nur es gab eine Zeit da dachte ich alles verändert sich, in dieser Zeit versuchte meine Familie ein "normales Leben" zu führen. Mein Vater hatte ein kleines Kiosk und wir fuhren einmal im Monat zum Autokino, wir Kinder lagen dann den Rest der Nacht im Kofferraum des hellblauen Opels. Diese Zeit ist in meiner Erinnerung sehr sehr kurz, ich weiß noch wie ich mich fühlte als mein Vater mir sagte, das nun alles besser wird. Ich fühlte das erste mal so etwas wie Freude. Kurze Zeit später verpuffte diese wie eine Seifenblase und das Grauen von Missbrauch und Gewalt fing von vorne an.

Wie so oft in meinem Leben ergibt alles irgendwann einen Sinn. Ich hatte schon immer das "zweite Gesicht" wie meine Großmutter das nannte. Ich konnte Dinge vorraussehen, die  kurze Zeit später mit einer Genauigkeit ein trafen und meine  Familie regelmässig irritierte und faszinierte. So kam es, dass mein Vater irgendwann beschloss mich wie Uri Geller zu vermarkten. Er wollte das ich den Leuten die Zukunft vorraussagte. Er dachte damit verdient man viel Geld. Und genau das war der Moment in dem ich mich wehrte. Ich weiß nicht wie alt ich damals war, vielleicht so um die 10 Jahre alt. Ich weigerte mich vehement und auch die Tatsache das ich in dieser Zeit viele Schläge eingesteckt habe, änderte nichts daran. Einer meiner Ausbrüche war legendär, ich brüllte er kann mich töten, aber ich werde es niemals zulassen, so zur Schau gestellt zu werden wie Uri Geller. Er schlug mich und ich schlug das erste mal zurück. Danach lässt mich mein Gedächtnis wieder im Stich. Ich habe in der Zeit zwischen meinem 9. und meinem 16. Lebensjahr viele Lücken, man nennt das auch Redrograde oder Partielle Amnesie. Aus Erzählungen weiß ich, dass ich mich wehrte und aufsässig wurde. Immer dann wenn ich wieder aus meiner Amnesie erwachte fühlte ich mich wie ein Alien. Es gab Momente da war ich davon überzeugt ein Wechselbalg zu sein. Ich konnte mich nie mit meiner Familie identifizieren, es waren so viele unterschiedliche Welten zwischen uns, da war die Vorstellung ein Kind zu sein, das vertauscht wurde, genauso real wie die Vorstellung ein Alien zu sein.

Ich war anders als meine Geschwister, ich war belesen und ich interessierte mich bereits als Kind für die Wunder dieser Welt. Darin erkannte ich die Schönheit die mir in meiner Kindheit verborgen blieb. Ich liebte (und liebe) die Natur mit ihren Entwicklungen. Ich war schon als Säugling (meine erste Erinnerung) fasziniert von natürlichen Vorgängen, (in dem Fall von Sonnenstrahlen die von den Blättern aufgefangen wurden) Wenn mein Vater klar bei Verstand war, was nicht oft der Fall war,  diskutierten wir über Physikalische Zusammenhänge, wir sprachen über die Relativitätstheorie, über Einstein und seine Thesen. Mein Vater war sehr intelligent, nur leider auch vollkommen wahnsinnig. Er war ein Soziopath der uns studierte wie man Amöben oder Einzeller studiert. Ich denke er betrachtete mich als etwas Besonderes, das es galt zu besitzen. Wir hatten eine merkwürdige Beziehung. Auf der einen Seite war er der Einzige mit dem ich überhaupt reden konnte, er forderte mich sogar oft heraus für meine Überzeugung und Meinung einzustehen. Er sagte: "Überzeuge mich!" und ich fiel auf dieses Spiel herein. Wenn ich nach Draußen wollte, musste ich erst mit ihm über alle möglichen Sachverhalte diskutierten und wenn ich verlor musste ich in der Wohnung bleiben. Als Kinder haben wir Hunger und Durst erlebt, eingesperrt in unserem "Kinderzimmer" verbrachten wir Tage ohne Kontakt nach Außen. Wir hatten einen Eimer für unsere Notdurft und einen Topf mit Wasser. Ich habe absolut Extreme Situationen kennen gelernt. Hunger ist eine davon. Im Winter ohne Schuhe und Strümpfe im Nachthemd in der eisigen Kälte, ist eine andere. Ich habe die absolute Gewalt erlebt, die mich dem Tod meinem ewigen Begleiter sehr nahe gebracht haben - Vergewaltigung und Misshandlung, Missbrauch und Gewalt. Mein Vater war nur einer von vielen. Aber er war der erste, der mir beibrachte das Leid allgegenwärtig ist. In der Natur habe ich meinen Frieden gefunden und ich habe die schlimmsten Dinge hingenommen, um meinen Baum umarmen zu können. Eine Umarmung ließ mich wieder auftanken, ausatmen, einatmen. Eine alte Eiche (oder war es eine Buche...ich glaube es war eine Eiche) war meine Tankstelle.  Ich habe diesen Baum wirklich sehr geliebt. Oft saß ich ganz oben in seiner Krone, während die Welt unten immer kleiner wurde. Ich saß da und fühlte mich frei wie ein Vogel. Als ich mit Britta viele Jahre später wieder an diesen Ort fuhr sah ich nur noch die Wurzel, den Baum hatte man abgeholzt. Es war als hätte ich einen alten Freund verloren. Ich saß da und weinte.


2012 erfuhr ich vom Tod meines Vaters, er starb wie er gelebt hatte, er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes zwei Jahre davor selbst in die Luft gesprengt. Eigentlich dachte ich, das seine Todesnachricht ein Freudentag für mich wird. Aber ich fühlte gar nichts, es war als wäre alles was er in mir hinterlassen hat, alle Narben und alles Leid mit ihm gestorben.
An diesem Tag sprach ich mit einer Bekannten und ich erzählte ihr davon das ich erfahren habe, dass mein Vater gestorben war. Und dann fing ich an zu lachen und meine Bekannte stieg mit ein. Wir lachten bestimmt über eine Stunde am Telefon, mir tat alles weh, aber es war so unglaublich befreiend. Erst nach diesem Lachanfall wurde mir bewusst, das ich nun endlich frei bin. Die Erleichterung ist auch heute noch, nach all den Jahren fühlbar. Endlich frei.

Während meiner Kindheit habe ich zweimal versucht mir das Leben zu nehmen. Einmal mit einem Schnitt durch die Pulsadern (ich schloss die Augen dabei uns schnitt daneben, diese Narbe ist immer noch ganz zart zu sehen), da war ich 12 und einmal durch die Einnahme von Tabletten, da war ich 15 Jahre alt. Ich nahm die Schlaf und Schmerztabletten meiner Oma ein. Allerdings habe ich dazu Milch getrunken und kurze Zeit später mir die Seele aus dem Leib gekotzt. Geschlafen habe ich trotzdem, fast 24 Std. lang. Diese Selbstmordversuche hat keiner so richtig mitbekommen. Zwar haben sich alle gewundert warum ich so lange schlief und nicht wach zu bekommen war, aber man zuckte nur die Schultern, ich war eben merkwürdig. Da ich als Kind sehr viele Wunden und Narben hatte, war auch der Schnitt kein großes Ereignis. Ich wusch meine Wunde aus, wickelte ein Handtuch drum und wartete bis der Blutfluss beendet war,  damit war die Sache erledigt. Ich habe so viele kleine zarte oder große sichtbare Narben, das die kleine Narbe an meinem Handgelenk nicht weiter auffällt.

Nach einem missglückten Fluchtversuch mit 16, verließ ich mit 17 Jahren endgültig mein Elternhaus. An diesem Tag sah ich meinen Vater das letzte Mal.

Irgendwann zwischen meinem 32. und 35. Lebensjahr versuchte meine Mutter Kontakt zu mir aufzunehmen. Meine Telefonnummer hatte sie von meinem Bruder, den ich in seiner Behinderteneinrichtung besuchte. Ich war geschockt ihre Stimme zu hören, sie sagte mir, das mein Vater krank sei und sein größter Wunsch sei mich noch einmal zu sehen. Diesen Wunsch habe ich ihm nicht erfüllt. Ich glaube wirklich mein Vater hat in mir vielleicht etwas gesehen, dass er selbst gerne geworden wäre. Eine Freundin meinte einmal zu mir: "Er hat versucht das Gute zu zerstören!". Vielleicht hatte sie damit recht. Ich war die Einzige die sich ihm stellte, die Einzige mit der er über die Dinge reden konnte, die weit über den Horizont meiner restlichen Familie gingen. Aber zwischen uns blieb diese distanzierte Kluft. Als Kind dachte ich ich würde ihn Hassen, ich hatte Angst vor seinem Wesen, das sehr unberechenbar war. Ich hatte Angst vor seinen hellblauen Augen, deren Pupillen sich verengten und manchmal so groß wurden, dass das Hellblau kaum noch zu sehen war. Es gab einen sehr bewussten Moment, da tat er mir leid. Er zog seine Waffe hervor und steckte sich die Mündung in den Mund und schoß, während wir Kinder auf dem Sofa saßen und zusehen mussten. Danach weinte er wie ein Kleinkind. Russisches Roulette war ein regelmässiges Spiel das er mit uns wie mit sich selbst spielte.
Die Angst schnürrte mir manchmal die Kehle zu, wir mussten die Augen offen lassen, wenn er uns die Mündung an den Kopf setzte, wir durften nicht zucken, als er abdrückte. Er wollte uns in die Augen sehen, er wollte sehen, was mit unseren Augen passierte. Meine Augen haben jedesmal gezittert, in mir brüllte alles die Augen zu schließen um seinen Augen zu entkommen. Erst später habe ich begriffen, das er die Patronen vor dem Spiel entfernte. Ab da war keine Angst mehr in meinen Augen, ich sah ihn an und verzog keine Miene.


Als Kind habe ich eine Macht in mir gefühlt die mir Zuversicht vermittelte. Ich fühlte mich trotz der traumatischen Erlebnisse von etwas geführt. Zeitweise dachte ich wirklich es sei Gott der meine Hand hält. Ich habe zu viel erlebt um es mit einem Zufall abzutun. Ich sollte zu oft sterben und der Tod war dauernd an meiner Seite. Aber ich überlebte. Das ich so anders war als meine Geschwister brachte viele Probleme mit sich. Ich sprach anders, ich dachte anders, ich handelte anders. Mein Vater war der erster der vermutete ich sei hochintelligent. Ein Test viele Jahre später bestätigte diese Vermutung. Ich bin Inselbegabt, ein normaler IQ konnte nicht gewertet werden, da ich keinen Bezug zur Mathematik habe, dafür aber einen großen Bezug zur Sprachkenntnis und zum wahrnehmungsgebundenen logischen Denken. Mein Arbeitsgedächtnis ist nahezu misserabel, was aber wiederum mit meiner DISS in Folge meines Traumatas in Verbindung stehen könnte.  Ich denke divergent und ich kann unterschiedliche Dinge zur gleichen Zeit verfolgen, meine Begabungen liegen im künstlerischen Bereich. Mein räumliches Denken ist über dem Durchschnitt. Aber mein hauptsächlicher  Bereich der Intelligenz ist im kognitiven Bereich zu finden. Man nennt es auch EQ Emotionale Intelligenz. Ich bin ein Empath, was erklärt, warum ich als Kind bereits eine Art Vorahnung hatte, die mich bis heute beschützt hat.

Mein EQ liegt wohl zwischen 120 und 130, wobei ich hier ein Problem mit dem Erkennen von Emotionen in den Gesichtern habe, was unteranderem die Diagnose Asperger erklärt.
Kurz um, ich habe keine Ahnung wie intelligent ich wirklich bin. Alles was ich weiß ist, dass ich anders denke als viele andere Menschen. Ich gebe mich nicht zufrieden etwas "Normal" zu finden. Ich hinterfrage alles, mich inklusive und ich bin sehr oft mit Gefühlen beschäftigt, mit meinen eigenen, wie den meiner Mitlebewesen.

Aus dieser etwas schrägen Kombination von Intelligenz, Wahrnehmung und Empathie hat sich  mein Glauben entwickelt den ich seit 2009 offen lebe.

Im Buddhismus wurden so ziemlich alle Fragen beantwortet die ich im Laufe meines Lebens stellte. Als Kind verstand ich nicht warum Menschen sich gegenseitig Leid antun. Ich fand das paradox, denn niemand möchte durch einen anderen Menschen Schmerz empfangen (außer er ist Masochist, aber auch hierzu habe ich eine eigene Erklärung gefunden).

Wir alle sind darum bemüht so heil wie möglich aus unserem Leben zu scheiden. Und doch ist Leid der größte Faktor im menschlichen Dasein. Aus dem Leid sind wir entstanden (zu denken das ein Kind glückstrahlend auf die Welt kommt ist unsinnig, der Pressvorgang während der Wehen ist nicht angenehm für ein Kind, durch den Adrenalinausstoß und die Verbindung zur Nabelschnurr wirkt der Vorgang zwar betäubend, doch nach dem Austritt ins Leben, ist alles was vorher beschützend war nicht mehr vorhanden. Es ist ein neues Dasein. Womit viele Säuglinge konfrontiert werden, ist vergleichbar mit einem Autounfall, eben noch alles in Ordnung und im nächsten Moment friert man und alles tut weh. Leid erfahren wir während unserer Entwicklung von der Zeugung bis zum Säugling. Vom  Säugling zum Kleinkind. Vom Kleinkind zum Schulkind. Vom Schulkind zum Pubertierenden. Vom Pubertierenden zum Erwachsenen. Vom Erwachsenen zum Alten. Vom Alten zum Sterbenden. Vom Sterbenden zum Toten. Leid ist allgegenwärtig.

Viele Menschen empfinden das Leid das ihnen widerfährt als Normalität. Sie ignorieren, vergessen, wenden sich ab oder Leiden stumm oder laut vor sich hin. Leid hat so viele Gesichter, vom selbst weh tun, bis dahin das andere einem körperlich und geistig weh tun. Vom psychischen Schmerz bis zum Körperlichen Schmerz sind es manchmal nur winzig kleine Schritte.
Von der Kränkung bis hin zur rohen Gewalt. Leid ist unglaublich vielfältig.
Leid setzt sich fest, Glück vergisst man. Es ist genauso schwer Leid zu verarbeiten, wie sich an Glück zu erinnern.

Wenn ein Psychologe Menschen bei der ersten Sitzung fragt was sie erlebt haben, erzählen sie von den schlimmen Dingen in ihrem Leben und wenn man sie dann fragt, ob sie auch glückliche Momente erlebt haben, verneinen sie das oft oder müssen lange überlegen bis ihnen ein solcher Moment einfällt.
Wir sind mit dem Leid dieser Welt vertraut und können uns somit leichter anbinden an Menschen die ebenfalls Leid erlebt haben.

Im Laufe meines Leben habe ich versucht (und versuche es immer noch) mich nicht mehr an Leidfaktoren zu binden. Ganz bewusst schneide ich dieses unsichtbare Band durch. Es ist nicht so, das ein Mal durchschneiden für immer gilt. Man muss sich immer wieder aufs Neue daran erinnern, das es darum geht, Leid zu verhindern und dazu gehört auch das eigene Leid, denn damit hat alles angefangen.

Da Leid für viele Menschen Normalität ist, erkennen sie auch oft nicht, wenn sie selbst Leid erzeugen. Das eigene Ego steht immer im Mittelpunkt.

Interessanter Weise ist mir das gerade in größeren Gruppen von Menschen aufgefallen. Sogar in solchen die sich gezielt dafür aussprechen etwas am Leid zu verändern.
Dabei spielt es keine große Rolle ob es sich hier um Buddhisten handelt oder um Tierschützer, Kinderhilfswerke, "Humane" Einrichtungen usw.

Bei den Buddhisten existieren viele Gruppen die immer noch Fleisch essen, obwohl ihnen die Massentierhaltung und das Leid der Tiere bewusst ist. Und die sich in Debatten verstricken welche Buddhistische Schule die wahre sei.  Bei den Tierschützern findet man ebenfalls genug Menschen die Fleisch essen und die Unterschiede zwischen den Tieren machen und bei den Menschen die sich für Kinderhilfswerke einsetzen, findet man Eltern die ihre Kinder schlagen.

Das eigene Ego zeigt uns den Weg den wir nehmen. Je größer das Ego desto enger der Pfad.

Bei einem sehr groß ausgeprägten Ego hat der Pfad wahrscheinlich die Enge einer Stecknadel.

Um zu begreifen, das Leid sehr eng mit dem eigenen Ego verbunden ist, muss man seinen Horizont erweitern. Und dazu muss man die eigene Bequemzone verlassen.

Das ist total schwierig, denn die Bequemzone zu verlassen bedeutet sich mit der unangenehmen Tatsache befassen, dass man selbst am eigenen Leid sowie am Leid anderer beteiligt ist.

Jeder Erwachsene weiß letztendlich das - um beim Beispiel Massentierhaltung zu bleiben - wenn er ein Steak im Supermarkt kauft, dass das Tier in der Massentierhaltung gelebt hat. Doch nicht jeder weiß was die Massentierhaltung für ein Tier bedeutet. Den eigenen Horizont erweitern, bedeutet sich das Wissen anzueignen, wie ein Tier in der Massentierhaltung lebt.

Und das erfordert Mut. Denn zu verstehen das diese Tiere Schmerz erleiden, zu begreifen, dass man unmittelbar daran beteiligt ist, ist schwer zu verkraften. In dem Moment wenn einem selbst bewusst wird, wie schmerzhaft ein Leben in einer Zangshaltung ist, in dem Moment verändert sich auch das eigene Ego.

Sobald man aus seiner Bequemzone heraustritt um die Wahrheit fern von den Kuschelkissen zu erkennen, wird der Horizont erweitert und je weiter er ist, desto größer wird auch der Pfad den man ab da geht. Das Ego wird nur dann kleiner wenn es sich mit dem Ego anderer Wesen verbindet.

So war es eigentlich sehr einfach für mich den Buddhismus als Religion anzunehmen, denn diese Religion erklärt im Grunde genommen das ganze System Mensch mit allem was dazu gehört. Es macht bewusst, jeder Mensch hat ein Ego und jeder Mensch kann sein Ego verändern. Jeder Mensch kann Mitgefühl in sich entfachen und jeder Mensch hat letztendlich die Entscheidung für sein Leben und das seiner Mitgeschöpfe.

Durch diese Erkenntnisse habe ich meine Kindheit besser verstanden, denn mir wurde bewusst - um das zu erreichen, was ich mittlerweile erreicht habe, musste ich (alleine durch meinen Charakter bedingt) lernen was Leid ist, dadurch das ich kein Mensch bin der mit Dingen die andere für sich entdeckt haben, zufrieden gestellt ist -  Alleine dadurch das ich alles Hinterfrage was andere Menschen für Normal halten - war es nur logisch die Dinge erfahren zu müssen.  Ich muss die Dinge selbst wahrnehmen. Ich muss hinein gehen um sie erkennen zu können.

Und so ist meine Erkenntnis dahingehend geboren, das jeder Schmerz, jedes Leid darauf bassiert, das es eine Lehrstufe im Erkennen von Zusammenhängen gibt.

Wenn noch mehr Menschen wie ich erst dann einen Aha Effekt verspüren, wenn sie die Wahrheit wirklich am eigenen Leib erfahren, dann würde das eine Erklärung dafür sein, warum es überhaupt erst Leid auf dieser Welt gibt.

Die nächste Frage die ich mir stellte war:
Wenn das alles bereits angelegt ist, haben wir dann überhaupt einen Einfluss darauf?

Bewusst im Sinne von - diesen Weg musst du gehen um das zu verstehen.
Leid musst du erst erfahren um zu begreifen was Leid ist.
Glück musst du erst erfahren um zu begreifen was Glück ist.
Liebe musst du erst erfahren, um zu begreifen was Liebe ist.

Vielleicht ist es genau das Ziel eines jeden Menschen auf dieser Welt. Das Leid zu verändern, das da ist.

Wenn man diese Überlegung noch weiter spinnt, kommt man zu dem Urknall, dem Anfang.
Unsere Welt ist geboren aus Zerstörung. Das ist das Grundprinzip unserer Existenz.
Oder unsere Welt ist einfach nur geboren ohne wenn und Aber.

Ich habe noch keine Antwort darauf gefunden, ich weiß aber das sich seit Jahrhunderten Philosophen und Wissenschaftler mit genau den gleichen Fragen auseinander setzen.
Vielleicht werden wir nie eine Antwort finden.

Doch eines weiß ich, man kann Leid verändern und zwar jedes Leid.

In unserer Existenz ist die Lösung bereits vorhanden, der große Bauplan hat nichts dem Zufall überlassen, zumindest nichts was die Lebensexistenzen auf diesem Planeten betrifft.
Wir haben eine Chance das Leid zu verändern (ich möchte hier gar nicht von Sieg sprechen, denn das wäre wieder ein Zusammenspiel zwischen Sieger und Verlierer. Es geht nicht um Sieg, es geht um Leben).

Wir müssen nur anfangen uns bewusst zu werden, was wir tun. Wir müssen anfangen uns aus unserem Ego heraus zu bewegen.

Es ist immer schön und befriedigend zu wissen, dass es einem gut geht. Unschön wird es zu wissen, das es zwar einem selbst gut geht, aber auf Kosten anderer. Und genau das ist meiner Meinung nach der Weg. - Wir schaffen es wirklich erst Leid zu verhindern, wenn uns das Leben anderer  nicht mehr egal ist. Wenn wir versuchen so zu leben, dass andere nicht auf unsere Kosten Leid erleben. Wenn wir versuchen so zu leben, um Leid zu verhindern.

Ich bin davon überzeugt, das wir alle bei uns selbst anfangen müssen, unsere Erfahrung ist unser Lehrmeister. Er zeigt uns genau was weh tut und was nicht und wenn uns bewusst ist, dass das was uns weh tut, auch anderen weh tun kann. Ist der nächste Schritt zu begreifen, dass alles was anderen Weh tut auf uns zurück fällt. Denn wenn uns bewusst ist, das wir daran beteiligt sind, das andere Lebewesen Schmerz empfinden, empfinden wir ein Gefühl von Schuld und somit beginnt der Kreislauf von Leid von vorne.

Schuld ist nämlich auch nur eines von vielen Leidfaktoren auf dieser Welt...

Hier ende ich nun meinen langen langen Text durch die letzten 50 Jahre meines Leben.

Im September endet mein 50. Lebensjahr und es beginnt ein neues Jahr in meinem Kreislauf.
Ich lebe ab da mehr als ein halbes Jahrhundert auf diesem Planeten. Solange habe ich gebraucht um mich durch alle Leidfaktoren zu bewegen.
Ich weiß nicht wie lange ich noch lebe, noch weiß ich, was die Zukunft mir bringen mag.

Ich weiß aber eines: ich bin ein sehr glücklicher Mensch. Ich habe alle Dinge die ich je erreichen wollte erreicht. Ich habe erkannt, was bedingtes Entstehen bedeutet und ich habe verstanden was ich tun muss, um mein Leid zu verändern.


Ich wünsche euch Frieden und Gelassenheit und die Erkenntnis:

Alles wird Gut -  Wenn du es selbst willst!!!

Namasté oder wie ein Freund von mir sagt: Gasho

Eure Jo







Sonntag, 25. August 2013

Tagebuch ... Auf der Suche nach Glück 2





Nachdem ich nun fast eine ganze Woche dem Glück hinterher gejagt bin und die negativen Weltgeschehen ignorieren wollte, bin ich zu einem Ergebnis gekommen:

Das funktioniert so nicht.

Die Dinge geschehen, ob ich sie nun mitverfolge oder nicht, sie hinterlassen Spuren, sei es nur, dass sie mich streifen, während ich beim Bäcker Brötchen kaufe, oder indem ich die News meiner Freunde lese, ihrem Leben zuhöre, mich mit meinem eigenen Leben beschäftige.
Das Glück das ich mir erhoffte, dadurch, dass ich dem Leid den Rücken kehre, macht Bocksprünge und zwischen den einzelnen Sprüngen erhasche ich die Kriegsschauplätze, das ist so, als würde man auf einem Berg stehen, auf der einen Seite strahlt der Himmel in einem blau, auf der anderen Seite kommen Gewitterwolken auf. Bisher erlebte ich mein Leben zwischen strahlend blauen Gewitterwolken. Ich nahm beide Dinge gemeinsam auf, ohne zu sie abzuwerten.

Durch meinen Rückzug erlebte ich, gerade weil ich mich nicht mit dem Leid beschäftigen wollte, die Dinge getrennt von einander.
Sehr spannend fand ich, das in dieser Zeit einiges auch in meinem privaten Leben rüttelte, wie die Fracht eines alten Flugzeugs, hatte ich das Gefühl von einer Seite zur anderen zu rollen.
Ich bin zu einem Fazit gekommen, das Leid lässt sich nicht aufhalten und schon gar nicht ignorieren.
Es ist da.

Natürlich können wir denken, so schwer ist es gar nicht, uns mit den schönen Dingen zu beschäftigen, unseren "Spaß haben" und den Rest zu ignorieren.
Aber wir erleben dann nichts anderes als eine Illusion.
Unser Wattebausch den wir uns umgehängt haben, erleidet spätestens dann Risse, wenn wir merken, wie süchtig es uns macht, dem Leid zu entgehen und wie anstrengend es ist, nur dem Glück die Tür zu öffnen und den Rest außen vor zu lassen. "Spaß haben" kann somit in Stress ausarten. Und somit wiederum in Leid (z.B. wenn man nach einer durchzechten Nacht, am nächsten Morgen erwacht, ist der Spaß nur noch die fahle Erinnerung, gepaart mit einem pochendem Hirn.)

Im letzten Blogeintrag schrieb ich: "... das Leben will ... "
Das Leben ist ein Egoist der brüllt: "Warum soll ich mich nur mit einem zufrieden geben, ich will alles!"

Genau das ist es, das Leben will das man alle Dinge wahrnimmt. Dazu gehören auch all die Eigenschaften die wir versuchen von uns zu schieben.
Für mich ist das Leben ein einziges Lernen. Ich gebe mir selbst Aufgaben (wie dem Leid eine Weile aus dem Weg gehen und schauen was passiert...) und bekomme Antworten.
Global etwas zu betrachten, heißt letztendlich Aufnahmebereit zu sein und zwar immer und überall.

Ich betrachte die Welt oft aus der Distanz (Nachrichten, Internet, Geschriebenes...) und erlebe sie in meinem inneren jedoch als Ganzes, eben global. So erlebe ich natürlich das Leid Anderer (Tiere wie Mensch) als Teil meines eigenen Leids. Ich verbinde mich.  Genau das war der Grund warum ich eine Pause brauchte.
Eine Möglichkeit mich vom Ganzen zu erholen.


Kann ich mich wirklich so weit von anderen entfernen, um das Leid anderer nicht mehr an mich herankommen zu lassen? So das ich NUR Beachte, aber nicht Verfolge? 


Das ist die Frage die ich mir stellte und dabei machte ich wieder einmal folgende Beobachtung:

Leid ist allgegenwärtig.
Ich bin ein mitfühlender Mensch.
Wenn ich mich dem Leid anbinde (mein eigenes erlebtes Leid), bin ich selbst betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.
Wenn ich es aus der Distanz erlebe, lese, sehe, fühle ich mich betroffen und erlebe es als mitfühlender Mensch.

Leid lässt sich nicht ignorieren.
Interessanterweise habe ich gerade in der Zeit in der ich eigentlich kein Leid erleben wollte, sozusagen die Schnauze voll hatte vom Leid, selbst Leid erfahren. Beinahe wäre eine Beziehung zu einem liebenden Freund in die Brüche gegangen. Wir waren kurz davor uns wieder zu trennen.
Auch wenn ich versuche bestimmte Themen auszugrenzen, sie erreichen mich dennoch, auf subtilerer Art, indem sie einfach meine Tür eintreten und sich in meiner Wohnung breit machen. Da helfen auch keine Schlösser oder Riegel. Ignoriere ich das eine, kommt das andere von hinten und klopft mir auf die Schulter.
Diese Erfahrung war sehr interessant für mich. Reine Kausalität. Und schon sind wir wieder beim Buddhismus und dem bedingten Entstehen.


Glück und Leid sind untrennbar miteinander verbunden.
Tja, Autsch!
"Wer nie das Leid erblickt, wird nie die Freude sehen" von Kahlil Gibran

Der Dalai Lama macht folgende Aussage:
"Das Nicht-Wahrnehmen von etwas, beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
Er sagt auch:
"Heute sind wir alle von einander abhängig, niemand kann sich mehr in seine persönliche Festung zurückziehen, ein Inseldasein pflegen"

Gerade diese Abhängigkeit macht es nahezu unmöglich das Leid anderer vom eigenen Leid vollständig zu trennen. Im Buddhismus ist es eine Art Pflichtprogramm Mitgefühl zu entwickeln, es verbindet mit anderen, macht aber auch deutlich, das man nicht mehr alleine ist. Sich zu verbinden bedeutet, das man sich dessen bewusst ist, gebraucht zu werden und selbst zu brauchen.
Und genau DAS ist das Problem.

"Gebraucht werden" ist jedoch heut zu Tage ein negativer Satz. Noch negativer ist der Satz: "Ich brauche dich!"

Viele Menschen distanzieren sich vom "Gebraucht werden", sie implizieren die Vorstellung, der andere hat Erwartungen die man selbst nicht erfüllen kann oder will.
Abhängigkeit ist verpönt. Eine Beziehung die in einer Symbiose mündet ist gleich zum Scheitert verurteilt.
Distanz wird normativiert.

Ich habe während der letzten Woche erlebt, das Distanz nur zu leicht in Oberflächlichkeit enden kann. Wenn man statt beobachtet, weg sieht.
Die Oberflächlichkeit besteht darin, das man bewusst aussucht, was man nicht sehen will. Heißt man beschäftigt sich unbewusst mit dem Thema um es oberflächlich auszugrenzen.
Und somit erliegt man einer Illusion.

Die Distanz zu einem Thema ist also nichts anderes als eine Illusion.
Das ist genau das gleiche, wie man man sich sich nackt in den Regen stellt und steif und fest behauptet:
Man werde nicht nass.

Das was mir in Wirklich zu viel war, an Leid. Ist ein Zuviel an Realitäten.
Es hält sich für mich nicht in der Waage, zumindest erscheint es mir so, wenn ich eintauche in die Welt der geschriebenen Worte, der fotografierten Bilder, der Blickrichtungen die manipulieren und gleichzeitig das Glück verhöhnen, das man selbst empfindet im Moment.

Man kommt sich so winzig vor, wenn man mit dem Weltgeschehen konfrontiert wird. Aus dem Ganzen, wird wieder ein Teil, zumindest in der Illusion.

Ich habe den Überblick verloren, mich nur noch mit den Leid beschäftigt, ich muss also lernen die Waage zu halten.

Irgendjemand sagte: "Freud und Leid sind die zwei Seiten einer Medaille!"

Ich stellte eben noch die Frage, ob es möglich ist die Dinge nur zu beachten und nicht mehr zu verfolgen.
Die Antwort:

Um die Dinge wirklich zu verstehen, reicht es nicht sie nur vorbei ziehen zu lassen. Man muss den Sinn dahinter begreifen.

Ansonsten versteht man es nicht.

Leid ist somit Mittel zum Zweck. In der Psychologie habe ich gelernt, das Leid oft ein Wegweiser zu einer inneren Ablehnung ist. Glück ist bejahend. Leid verneinend.

Wenn wir lernen das Leid als Teil des Lebens zu integrieren, verneinen wir es auch nicht mehr, sondern geben ihn genau wie das Glück einen Platz in unserem Leben.

DAS LEBEN WILL!

Das Leben will wahrgenommen werden, nicht nur zum Teil, sondern im Ganzen.
Das Leben ist ein Spiegelbild von uns selbst, es zeigt sowohl die guten Freude bringenden Anteile, als auch die traurigen, leidvollen.
Alles ist vorhanden und alles darf sein.

Diese Woche hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wichtig es ist inne zu halten und sich zu regenerieren. Aber auch wie wichtig ist es ist, das "was da ist" nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Realität ist nun einmal gespickt mit Leidvollen Dingen.

Leid zu bejahen heißt nicht das man Leid als etwas Gutes wahrnimmt, sondern lediglich nur das es da ist. Genau wie das Glück.

Wenn man sich dessen bewusst ist, ist man sich auch des Glücks bewusst, das man empfinde, wenn das Leid vergeht... Leid bewegt. Auch etwas das ich während meines Psychologie Studiums gelernt habe.

Ich kann also Glücklich sein, dass ich diese Woche überlebt habe.
Denn wer weiß schon was das Leben so in petto hat.

In diesem Sinne
Namasté
eure Jo



Montag, 19. August 2013

Tagebuch ... Auf der Suche nach Glück ... Ein ganz persönlicher Brief



Guten Morgen liebe Freunde,

ich kam Vorgestern von CSD ziemlich müde nachhause, gestern war ich sowieso kaum zu gebrauchen, solche Kopfschmerzen hatte ich, also wollte ich heute nach den News in Facebook schauen. Ich las von Männer die aus Spaß einen Hund abschlachteten, ich las von einer Frau die einen Hund misshandelt hat. Ich las davon das Ziegen und Schafe geschlachtet werden sollen, ich las von misshandelten Kinder... Ich kann einfach nicht mehr!!! Mir reicht es gerade... die Welt scheint nur noch Pervers zu sein, grausam, angeekelt klicke ich meine Mails weg. Geht es nur mir so, oder macht ihr ähnliche Erfahrungen?

Das ist die eine Seite, natürlich drehen sich meine Interessen ja nicht nur um Tierschutz und Co, nein ich lese auch von Veganern die anderen Veganern die Hölle wünschen, weil diese nicht Vegan genug leben, ich lese von Fleischessern, die mir "Gutmensch" hinterher brüllen, weil ich an die Tiere denke. Ich lese über unsere Wahl und die "Neuigkeit" das wohl bei der nächsten Bundestagswahl alles beim alten bleibt und die Gleichstellung* weitere Jahre auf sich warten lässt. Diese Woche habe ich auch die Erfahrung gemacht, das man mir zwar Fragen stellt, aber eigentlich keine Antwort will, weder was Kindererziehung, noch was das Leben eines Legebatteriehuhns betrifft.

Ich komme mir mal wieder vor, als wäre ich auf einem Planeten,  ein Planet der mir gänzlich fremd ist. Da schlagen sich die Leute gegenseitig die Köpfe ein, weil eine Lebensart nicht dominant genug betrachtet wird (Vegan - Großes Thema die einen sind Veganerer als die anderen und machen den Anderen das Leben schwer... seufz...), Menschen killen Tiere aus Freude am Leid, Politiker erzählen Dünnkack von Kühen die Laktosefreie Milch produzieren und ein Blick in die Nachrichten zeigt mir das genau diese Politiker auch noch gewählt werden (siehe Bundestagswahl, siehe Gleichstellung... seufz). Buddhisten reden was das Zeug hält und tun - genau das Gegenteil. Es ist einfach nur erschreckend und ich frage mich, ob es außer mir Alien noch andere Aliens gibt, oder ob die Welt gerade versinkt in ihrer Ignoranz, ihrer Intoleranz, ihrem Dogmatismus, ihrer Überheblichkeit.

Ich habe gerade mal wieder so die Schnauze voll von Facebook, Google Nachrichten, und Co. Ich möchte einmal was schönes lesen, einfach mal was tolles, überraschendes, was zum mitfreuen. Eine Geschichte mit Happy End, eine Liebe auf den ersten Blick die bis zum Nirvana reicht, ein Tier das noch nie Qualen erlebt hat, noch nie Leid. Existiert das hier überhaupt noch?
Oder sind wir Menschen nur noch verroht und auf uns fixiert?

Wo verdammt noch mal ist eigentlich unser ach so tolles Mitgefühl geblieben? Wo ist unsere Zivielcourage hin? Wo steckt unsere Menschlichkeit?

Ich lese von Menschen die die gleichen Nachrichten lesen und dann Kommentare darunter schreiben:

"Man sollte ihn kastrieren!"
"Man sollte dieses Miststück bei lebendigen Leib verbrennen!"
"Ich würde ... Man sollte ... "
Ich höre die Massen nach Vergeltung schreien. Für etwas das bereits passiert ist, das Vergangenheit ist. Bei solchen Kommentaren sehe ich Scheiterhaufen entzünden und vermummte Gesichter. In der Anonymität ist das Grauen so grau wie ein nebelverhangener Tag.

Da frag ich mich was ist barbarischer, der Mensch der Leid verursacht oder der Jenige der darüber schreibt?

Ich lese Texte von Menschen die Wut empfinden, dabei steht der Täter wie immer im Mittelpunkt, statt Mitgefühl dem Tier / Menschen gegenüber entläd sich der Hass für etwas das bereits vergangen ist.

Was können wir tun?
Welche Möglichkeiten haben wir?

Unter euch sind viele Tierschützer, viele Tierhalter. Es sind junge Politiker und solche die es werden wollen, es sind Künstler unter euch, Mütter und Väter, Homosexuelle und Heteros, ehemals Transexuelle und Leute die mich schon eine ganze Weile begleiten. Veganer, Vegetarier, Fleischesser und solche die keine mehr sein wollen, ernsthafte und Komiker, Philosophen und Wissenschaftler, Schriftsteller und Köche. Es sind Freunde die mich bereits live umarmt haben, mich umarmen wollen und solche die mich vielleicht nie umarmen werden. Fremde junge und alte... ihr repräsentiert ein Stückchen weit meine Welt. Denn ihr hinterlasst eure Kommentare, ihr lest mit, diskutiert mit  mir auf Plattformen wie Google +, Facebook oder Twitter. Ich brauch mal eine Antwort, wenn wir alle an einem Strick ziehen würden, würde sich dann die Welt verändern? Würde es dann weniger Leid geben. Ihr seid gemeinsam so viele Leute.

Können wir was bewirken?

Diese Frage ist ernst gemeint, wenn auch vielleicht naiv. Schaffen wir es eine Woche lang kein Leid in unsere Herzen zu lassen? Schaffen wir es, eine Woche lang die Dinge auszukramen, die uns und andere Glücklich machen, Dinge die die Herzen berühren und nicht zuschnüren lassen?

Ab Heute werde ich eine Woche lang das Leid mal aus meinem Leben bannen, ich fange Heute an, sobald dieser Text hochgeladen ist. Ich teile eine Woche lang keine leidvollen Themen, kein Hund der misshandelt wurde, kein Kind das starb, kein Huhn das geschlachtet werden soll. DIESE FÜR MICH WICHTIGE MASSNAHME bedeutet nicht, das ich Leid ignorieren will, sondern es bedeutet lediglich, das ich versuchen will die Schönen Dinge in meinem Leben nach oben zu bringen, ihnen wieder einen Platz einzuräumen. Ich möchte euch daran teilhaben lassen. Das Leid ist dennoch da, ich werde es weder in dieser Woche verhindern können, noch kann ich es aufhalten. Aber ich muss Kraft sammeln, ich muss wieder Energievoll sein, dann kann ich weiter machen. Nächste Woche darf es dann auch wieder Tiere in meinem Leben geben die misshandelt wurden, geschlachtet werden sollen, Politische Themen die mich aufregen, Diskussionen über Religion, über Buddhismus, usw... doch diese eine Woche will ich mir selbst die Möglichkeit geben, das Leben auch von der anderen Seite wahrzunehmen, der Seite  die ich gerade dabei bin zu verlieren, das Glück welches ich habe, das Lachen in meiner Seele, die Schönheit eines Augenblicks...

Wer mitmachen möchte, ist herzlich Willkommen... die Frage ist nur, schaffen wir das?  Eine Woche lang ohne Leid?

Ich will mal wieder von Herzen Glücklich sein, ohne im Hinterkopf einen erhängten und misshandelten Hund zu sehen, kein Kind das vergewaltigt wurde, keinen Buddhisten der mir erzählen will, wie ich mein ICH loswerden soll, keine Christen die gegen Homosexuelle demonstrieren, keinen Veganer der mir vorwirft mein Kind zu vergiften, weil ich ihr Oreo Kekse zum Essen gebe, kein Tierschützer der mir erklären will, das meine Katze nur wegen dem Katzenfutter das ich ihr gebe eine Niereninsuffizienz hat, keine Nachrichten von Kriege und Hungersnöte.

Ich will eine Woche lang schöne Dinge erleben, Dinge die die andere Seite der Welt zeigen und mich wieder aufatmen lassen. Mir zeigen, das ich gar kein so fremdes Alien auf diesem Planeten bin.
Wir haben jetzt 9:41, gleich schicke ich diese Nachricht los, wer mit machen will, ist herzlichst willkommen.

Lasst uns mal ein anderes Zeichen setzten, von Hunden die ihre Menschen gefunden haben und jetzt Glücklich sind. Von Kindern die das Lachen nicht verloren haben, von Kühen auf Weiden und alten Schafen und Hühnern. Ich möchte es eine Woche nur erleben, das die schönen Dinge vorrang haben, vor dem Leid.

Ich will eine Woche auf die Suche nach Glück gehen und ich würde mich total freuen, wenn ihr mich begleitet... Auf Facebook bin ich zu finden unter: Johanna Schlitzkus
Auf Google unter: Johanna Schlitzkus, auf Twitter: Johanna Schlitzkus.

Ich bin kein anonymer Blog, mich gibt es wirklich!

In dem Sinne

Namasté und Grüße von einer die echt die Schnauze vom Leid voll hat!

Eure Jo

*http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichstellung