Mantra Musik

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Samstag, 3. März 2018

Verheiratet


So sahen wir 1998 aus.
Damals zählte nur der Augen Blick. Ich sah sie an, sie sah mich an. Ich kann mich noch an meine Gefühle erinnern, die Luft knisterte zwischen uns, wie an einem Gewittertag. Alles versank, nichts hatte eine Bedeutung, außer diese Nähe, diese Intimität.

Nach 20 Jahren verändert sich alles. Unsere Körper sind gealtert und unsere Gefühle für einander sind tiefer und reifer geworden. Wir erleben uns ebenbürtig in dieser Welt.


"Wir haben Welten durchquert um uns zu finden und für immer über alle Leben zu binden. Gemeinsam haben wir Gipfel bestiegen und tiefe Wässer beschwommen. Wir haben uns gesucht und haben uns bekommen.
Wir haben einander gehalten und gezogen. Wir haben uns gestützt und niemals verbogen.

Wir haben tief in uns das EINS entdeckt. miteinander sind wir gewachsen, wir haben uns immer gesehen und niemals versteckt.
Wir sind uns nah und niemals fern.
Ich bin deine Sonne und du bist mein Stern."



20 Jahre nach unserem Kennen lernen durften wir endlich heiraten. 

Es war ein wundervolles Fest.
Und wenn ich sie ansehe, fühle ich immer noch die gleichen Gefühle wie damals.

ICH LIEBE SIE

Jo und Britta
für immer...


Sonntag, 18. Februar 2018

Noch vier Tage bis ein Leben lang





Ihr Lieben in vier Tagen werden wir heiraten.
Endlich. Wir warten schon seit fast 20 Jahren auf diesen Tag.
Wir sind jetzt beide im Vorbereitungsstress und ich werde einen Blogbeitrag nur unserer Hochzeit widmen.

Also seht das als Vorankündigung.

Wir freuen uns unglaublich auf diesen Tag...

Bis nächste Woche.

Herzlichst eure Jo Andarnil

Sonntag, 12. November 2017

Tagebuch: Fragen zu meinem Tagebuch





Meine Freundin Arev hat mir auf Facebook zwei interessante Fragen zu meinem Tagebuch gestellt, denen ich mich auch hier widmen möchte.

Frage 1:
Warum trage ich als Buddhistin nicht einfach nur zum Gemeinwohl bei?

(Das finde ich eine sehr bereichernde und reife Frage, ich gehe später im Text noch mal tiefer drauf ein).

Weil ich als Buddhistin nicht mehr diese Aufgabe verspüre.

Ich habe viele Jahre genau danach gehandelt, ich habe Gutes getan und mich dabei total ignoriert, ich habe nach dem was viele spirituelle Führer und Gruppen einem um die Ohren hauen, nur positiv gedacht. Meine Frustration und mein Leid hab ich höchstens meiner Frau um die Ohren gehauen und sonst niemanden. Ich war wie ein brodelnder Vulkan innerlich. Weil ich dauernd mit dem Tod, mit Krankheiten, mit dem Leid Anderer - Mensch, wie Tier - mit ihrem Leben - konfrontiert wurde, es aber mehr im Innen verarbeitet habe, statt im Außen. Weil man ja nicht brüllt und emotionsgescheucht durch die Gegend rennt und Heult und Jammert.
Gerade mein Anfang vom Buddhismus war unglaublich darauf bedacht GUT zu sein, für mich selbst und die Menschheit um mich herum. Ich wollte geliebt werden, weil ich ein liebenswerter Mensch bin. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Leute zu frustrieren, zumindest willentlich nicht. Und doch habe ich es getan, es ist nahezu unmöglich es jedem Recht zu machen.
Ich habe ehrenamtlich gearbeitet für alle - nur nicht für mich.
All die Jahre habe ich für andere gearbeitet. Ich habe konstruktive Wege entwickelt und weiter getragen, damit es anderen Menschen und Tieren gut geht und Tiere wie Menschen überleben. Ich habe Ideen geboren und immer wieder dazu beigetragen, das andere Menschen sich entwickeln, sei es nun durch Wünsche die Wirklichkeit wurden, oder im Tierschutz. Das war mein Leben. So war ich schon immer, von klein auf.

Was ich nicht gemacht habe - mich wirklich gezeigt. Niemand kannte mich wirklich, es hat auch niemanden interessiert. Alle waren damit zufrieden, das ich ein guter Mensch bin, mehr wollte man nicht wissen.
Das war sogar damals so als ich Punk war und eigentlich mit meiner Art angeeckt habe, doch wehe jemand kam und war krank oder kurz vor dem Selbstmord, ich habe alles liegen und stehen lassen und so bin ich immer noch, wenn ich helfen kann, dann helfe ich.
Und ich lasse immer noch alles stehen und liegen, wenn man meine Hilfe braucht.

Ich habe ehrlich gesagt nicht gewusst, wer ich bin und warum das Innere Bild so anders war als das Äussere Bild.
Ich wollte einfach nur Lieb sein.

Mein Tagebuch auf Facebook, sowie mein Blog hat mir endlich die Möglichkeit gegeben mein Inneres nach Außen zu kehren. Das liebe Mädchen ist jetzt ganzheitlich geworden. Und da ich ganzheitlich bin, kann ich jetzt viel besser arbeiten als früher. Das menschliche in mir ist mehr Wert als das Buddhistische, oder das Liebe.
Meine "Facebook" Freunde sind meine richtigen Freunde, andere habe ich nicht und will ich auch nicht haben. Ich treffe sie und wenn sie es zulassen, nicht nur hier sondern auch in meinem Wohnzimmer. Ich bin sichtbar für sie, sie wissen: Jo ist angreifbar und sensibel, sie wissen wo es mir wehtut - statt darüber nachzudenken warum ich hier anders bin als in Natura, bekommen sie die Antwort vorher geliefert. In Natura bin ich oft wie ein Kind, das man führen möchte, ein Kind das man streicheln möchte und berühren, lieb haben. Das ist meine Natur. Das Innere Erwachsene ICH kommt oft in Natura zu kurz. Weil ich stark bedürftig bin. Mein Autismus ist immer Präsent und das verwirrt meine Mitmenschen manchmal. Daher finde ich es einfacher wenn sie durch mein Tagebuch erfahren, das da noch jemand anderer in mir ist, der zwar schreiben kann, aber nicht unbedingt in Natura zu sehen ist. Ich bin die Widersprüchlichkeit in Person, ich bin ein mutiger ängstlicher Mensch. Ich bin ein starker schwacher Mensch, ich bin ein gesunder kranker Mensch, ich bin ein liebenswerter frustverbreitender Mensch, ich bin ein strukturierter Chaot. Ich bin jemand der in keine normale Schubladen passt, meine wurden von einem Surrealen Maler gezeichnet.

Frage Nr. 2:
Warum verbreitest du mit deinem Tagebuch eher Leid und Frust.

Ich würde sagen ich verbreite eher Frust, statt Leid. Wobei wahrscheinlich das Gleiche herauskommt. Aber ich will kein Leid entstehen lassen. Meine Motivation ist anders gestrickt.
Der Frust entsteht, weil Menschen sich mit Themen verbinden, die sie toll finden. Und ich komme dann als "Freundin" daher und trete das gleiche Thema mit meinen Schuhen in den Boden, bis fast nichts mehr da ist.
Zumindest kommt es vielen so vor. In Wahrheit habe ich wirklich keine Ahnung mit welchen Themen sich meine Freunde gerade beschäftigen.
Ich guck nicht auf deren Chronik und suche gezielt nach etwas womit ich ihnen weh tun kann. Noch kenne ich sie wirklich um zu wissen was sie schmerzt. Denn im Gegensatz zu mir, habe ich keine Ahnung von ihrem Innenleben.
Die meisten verschließen sich hinter Stahlharten Türen und lassen niemanden rein.
Die meisten Menschen sind so wie ich einst war, undurchsichtig begrenzt und zensiert.
Kaum einer ist so offen, dass ich herausfinden könnte, wie er denkt und fühlt.

In Wahrheit kenne ich keinen meiner Freunde, noch nicht einmal meinen besten Freund, noch nicht mal meine Frau wirklich. Ich kenne nur das was sie mir zu erkennen geben und sonst nichts.

Aber ich bin ein Empathi und das macht es so kompliziert. Ich greife Informationen auf die im verborgenen liegen. Und genau über diese Informationen mach ich mir Gedanken. Am Tag denke ich über extrem viele Dinge nach. Würde man meine Gedanken notieren, würde es eine Matrix geben, die wahrscheinlich eine ganzes Dorf ausfüllen würde. Es gibt keine Sekunde wo ich nicht denke. Auch wenn ich in Tiefenmeditation bin, arbeitet mein Gehirn, meine Gedanken treten in den Hintergrund, sind aber trotzdem da. Ich denke das alle Menschen so leben, mit ihren Gedankenerleben.

Ein paar dieser Gedanken kreisen dann wie Vögel in meinem Gehirn herum, meist sind es Fragen die dann dabei entstehen: Warum ist das so oder so? Gefällt mir das? Kann ich damit umgehen?

Und oft sitze ich dann irgendwann am PC, nehme einen dieser Gedanken auseinander und erarbeite mir so meine Antwort.
Und daraus entstehen dann die Themen-Tagebücher.
Einfach aus der Luft gegriffene Themen die mich interessiert haben, die ich aber nicht mehr will, denn eigentlich gehören sie nicht zu mir. Es sind empathische Worte, Gefühle die an mir vorbeirrauschen und mich dazu beflügeln darüber zu schreiben. Und manchmal auch Themen die mir am Tag begegnen und mich selbst total frustrieren.

Manchmal hinterlässt das ganze in mir ein Gefühl von Wiederwillen, ein Gefühl von Eigenleben. Das will ich nicht in meinem Leben. Und dann muss ich es los werden.
Ich schreibe dann darüber voller Ekel und voller Wut, Frust, KOTZ. Genau in dem Gefühl bin ich dann. Es nervt und macht mich kirre. Und wenn ich es aufgeschrieben habe, bin ich es los. Es ist erst mal weg und ich fühle mich befreit.

Und interessanter Weise liest es dann irgendeiner meiner Freunde und fühlt sich negativ berührt, entweder weil ich mich negativ berührt fühle, oder weil es genau ihr/sein Thema ist, dass ich gerade mit Worten gen Gulli schiebe.

Und schon fühlt es sich an, als hätte ich meinen Frust weiter gegeben und es hagelt Vorwürfe. Man möchte darüber diskutieren und wenn ich was dazu schreibe dann möchte man weiter diskutieren, bis ich mich entschuldige weil ich den Freund gerade mit meinen Worten verletzt habe. Und auf diese Diskussionen lass ich mich nicht mehr ein, weil es nichts bringt. Ich kann mich nicht für ein Thema entschuldigen das ich zum Kotzen finde. Ich kann mich nur entschuldigen, das es dem anderen weh tut. Aber daran das ich es zum kotzen finde, daran ändert sich nichts. Und dann ist es oft so, das die Freunde sich von mir abwenden, weil ich ihr Heiligtum verletzt habe.

Selten versteht jemand das ich nicht SIE damit verletzen wollte.
Sie identifizieren sich mit etwas und daraus entsteht dann eine Verbindung. Ich bekomme diese Verbindung vielleicht unbewusst mit und reagiere darauf.
Das gehört nur peripher zu mir, aber ich werde konfrontiert. Was tut man wenn man etwas über gestülpt bekommt, das eigentlich nichts mit einem zu tun hat - man versucht alles mögliche damit man es los wird und genau das tue ich indem ich darüber schreibe.

Ich will das nicht in meinem Leben. Egal ob es nun Fußball ist, die Deutschland Fahne, Silvester, die Machthaberische Art von Sahra Wagenknecht, AFD, CDU, die Art wie Menschen mit Tieren umgehen.
Ich will niemanden verletzen, ich will nur mein Innenleben entmüllen.

Ich hab keine Ahnung von dem Innenerleben meiner Freunde.

Und weil ich es nicht weiß... tja, dann passiert so was. Dann schreibe ich über Fußball weil mich dieser Sport extrem ankotzt und ein Freund fühlt sich tief beleidigt und total verletzt, weil Fußball alles für ihn ist. Dann schreibe ich über meine Freiheit und ein anderer fühlt sich verletzt weil er diese Freiheit nicht leben kann - aber gerne leben würde und es frustriert ihn, dass ich einfach tue was ich tue und sage was ich denke. Dann schreibe ich über Sahra Wagenknecht und jemand entfreundet sich, weil sie Fan von Sahra ist.
Dinge die ich ohne das ich schreibe, nie erfahren hätte. Weil ich nicht nachfrage und andere es mir nicht erzählen.
Alles was ich wirklich weiß, ist das ich sie mag oder nicht. Und auch das ist nur eine Momentaufnahme.

Ich erfahre erst wie es meinen Mitmenschen geht, womit sie sich beschäftigen, wenn ich darüber schreibe.

Für mich sind die meisten FREMDEN Menschen - Menschen mit zugenähten Mündern und geschlossenen Augen. Ich sehe sie nur durch meine Empathie, ansonsten sind sie für mich huschende verwirrte traurige in sich zensierte Wesen. Ich weiß das klingt extrem gemein. Aber das ist meine Sicht. Ich rede hier auch nicht von meinen Freunden, sondern von Menschen die mir sonst begegnen draußen. DAS TUT MAN NICHT, SO MUSS MAN SEIN, SO WILL ICH SEIN, DAS DARF ICH NICHT ZEIGEN.

In Wahrheit wollen sie alle geliebt werden, für das was sie sind. Und in Wahrheit weiß niemand wirklich wie sie sind.

Hier habe ich wenigstens die Möglichkeit zu zeigen wer ich bin. Manchmal gehe ich durch die Stadt und bin wie sie und dann tue ich etwas merkwürdiges, ich fange an laut zu lachen, oder zu tanzen, oder ich ziehe mein Tuch runter und zeige meinen kahlen Schädel und auf einfach erwacht die Welt und ich spüre Blicke, ich schließe die Augen und sehe SIE. Eine Sekunde nur werden diese Menschen sichtbar. Ihre Zensur bröckelt.

GENAU deshalb schreibe ich Tagebuch, ich lass die Welt um mich herum bröckeln. Die Menschen die hier mitlesen involviere ich mit sichtbarer Zu oder Abneigung.
Das ist Buddhismus pur.
Ich mache mich sichtbar damit andere sichtbar sein können. Ich gebe ihnen das Gefühl wichtig zu sein, denn ich teile mein Inneres mit ihnen. Ich habe so großes Vertrauen, selbst dadurch verletzt zu werden.

Für mich ist das auch (vielleicht denkt ihr jetzt: in meinem verwirrten Kopf) Liebe.
Ich liebe meine Freunde, auch dann noch, wenn sie mir weh tun. Auch dann noch, wenn ich ihnen weh tue, weil ich Dinge beschreibe die sie hassen, oder verletzend finden. Wenn all das was in mir ist, wirklich hervor käme, gäbe es keine Worte mehr. Ich würde nur ein weißes Blatt Papier nehmen und rote Punkte malen, bis das Papier gänzlich gefüllt wäre.
So viel ist da was mich verbindet, ob ich es will oder nicht. DAS hier ist nur ein winzig kleines Stück einer winzig kleinen Fläche roter Punkte.

Buddhismus bedeutet nicht nur bewusst gutes zu tun für diese Welt. Buddhismus bedeutet sich sichtbar zu machen, sichtbar zu werden. Sich auszuziehen und sich zu entblößen. Angreifbar zu sein. Sich selbst kennen zu lernen, mit allem was da ist. Und der beste Spiegel für die eigene Welt ist die Welt des anderen zu berühren.

Buddhismus bedeutet auch sich und andere mit einer Realität zu konfrontieren die weit über das hinaus geht, was sichtbar ist. Dem Inneren Konflikt zwischen dem nahbaren und unnahbaren. Der Verbindung zwischen Negativ und Positiv. Den Polen die alles zusammen halten. Mein Tagebuch ist für mich eine Art Offenbarung. Ich schaue in den Spiegel und sehe mich wirklich. Verwundbar, nackt, heroisch und wütend, kalt und heiß. Ein Spiel mit den Wiedersprüchen die alle in sich tragen, ich will das gar nicht mehr verbergen.

Das Leben ist voller Leid und Frust und ich (be)schreibe das und mit jedem Wort wird es in mir ruhig.
Und am Ende des letzten Satzes kann ich einschlafen, denn nichts mehr tut weh... bis zum nächsten Mal.

Wer mich liest kennt mich wirklich und wahrscheinlich auch sich...

Ich liebe euch meine Freunde 

Namasté eure Adarnil

Donnerstag, 27. Juli 2017

Nehmt euch Zeit für einander ...




Anders als in Asien oder Afrika entfernen sich in Europa Eltern von ihren Kindern und umgekehrt. Jeder geht irgendwann seinen eigenen Weg und man trifft sich höchstens mal zu Weihnachten, Geburtstagen oder Hochzeiten, ansonsten weiß der eine nicht wie es dem anderen geht. 
Diese Distanz ist in unserer Gesellschaft Normalität.
Erst heute hatte ich wieder eine sehr schöne aber auch traurige Diskussion mit zwei meiner Freundinnen, beide haben kaum Kontakt zu den Eltern und die Beziehung ist Distanz geprägt. Warum das so ist, können beide nicht so recht beantworten, es hat sich so ergeben. Ich hatte das Gefühl es tut weh, näher an dieses Thema zu gehen. Es sprengt eine innere Kette die sich um die Brust schmiegt.

Meine Freundinnen sind nicht die einzigen die dieses Problem haben. Distanz verschließt und Zuneigung öffnet.
Ich schrieb heute in meinem öffentlichen Tagebuch über meine Beziehung zu meiner Tochter und das Heimweh das sie gerade hat und das ich hoffe dass sich unsere Türen zueinander nie schließen, egal wo sie ist und welchen Weg sie verfolgt.

Ich erlebe es oft - dieses Türen schließen. Die Zuneigung die Menschen eigentlich für einander empfinden bleibt oft vor einem oberflächlichen Geplänkel stehen, weiter traut sich niemand. Da ist die Angst vor dem Alter, Krankheit, Tod, da gibt es unterschiedliche Wege, der eine hat dieses Interesse, der andere das, was verbindet ist die Vergangenheit, dieses Gefühl in den Armen der Eltern zu liegen. Diese Zuneigung die man fühlt ist eine alte Zuneigung und mit dem Alltag des Erwachsenseins kamen andere Empfindungen und Erfahrungen, die sich über die Zuneigung legten wie ein Stein auf einen anderen. Auf einmal war man nicht mehr einer Meinung, auf einmal fühlte man diese Distanz und je älter man wurde, desto distanzierter wurde die Beziehung. Man ging sich aus dem Weg.

Ich hatte letztens eine heftige Auseinandersetzung mit meiner Schwiegermutter, ähnlichen Ursprungs. Da gab es Missverständnisse und unausgelebte Gefühle und eine Bandbreite unterschiedlicher Empfindungen, Meinungen und Betrachtungen, ganze Weltenbreit war die Distanz zwischen uns. Es tat uns beiden weh, denn letztendlich lieben wir uns.
Wir haben beide unsere Leben gelebt und dadurch Erfahrungen gesammelt. Unser Erleben und unsere Erfahrungen sind so unterschiedlich wie sie nur sein können. Und das schafft Distanz. 

Wir sind gerade wieder dabei uns an die Zuneigung zueinander zu erinnern. Ich gebe zu, wenn ich jemanden mag, schaffe ich es nicht lange böse zu sein. Ich sag mir selbst, es ist immer ein Versuch wert, sich wieder anzunähern und sollte der Versuch nicht klappen, dann vielleicht später und sollte es später nicht klappen, dann hat man wenigstens sein Bestes getan und kann den anderen in Frieden und mit Zuneigung gehen lassen.

Drei Versuche der Annäherung Zeitversetzt - beim letzten Versuch entscheidet sich alles... 

Ich glaube das wir nicht daran gewöhnt sind in einer Gruppe von Menschen Familie zu leben, wir sind es gewohnt, dass man sich aus dem Weg geht. Kinder werden geboren und dann heißt es: Schnell wieder arbeiten gehen. Sie kommen in den Hort, dann Kindergarten, dann in die Schule, man sieht sich Morgens und Abends und dazwischen ist man mit sich selbst beschäftigt. Irgendwann wird man älter und man sieht die Kinder vielleicht mal am Wochenende und wenn sie selbst eine Familie haben, dann sieht man sie vielleicht zwei, drei Mal im Jahr, zu Weihnachten und Geburtstagen. Mit dem Alter kommen Krankheiten und Gebrechen und dann wenn man die eigenen Kinder wirklich am meisten braucht, haben sie selbst ihren Alltag und Geschichten und Erlebnisse aufgebaut, sie haben selbst Kinder und gehen vielleicht noch Arbeiten um für den nächsten Urlaub zu sparen, viel Platz bleibt da nicht für die altern Eltern, die vielleicht nicht mehr gut hören und sehen, vielleicht noch nicht mal mehr laufen können. Irgendwann sitzt man in einem Altersheim mit lauter Gleichaltrigen die genauso vergesslich sind und irgendwann stirbt man und an den Gräbern versammelt sich die komplette Familie und beweint den Toten.

Wie unglaublich traurig ist diese Dynamik der Distanz und wie sehr verbreitet sie sich als Normalität.

Ist das wirklich alles?

Ich finde wir brauchen eine andere Familienkultur, nein ich will nicht zurück zu den Ältesten die über die Jüngeren bestimmen, etwas neues, etwas das es noch nicht gegeben hat, oder vielleicht gibt es das schon?

Vielleicht in den Mehrgenerationshäusern in dem alt und jung zusammen leben und sich gegenseitig unterstützen. 

Ich weiß nur eines, so möchte ich nicht enden, nicht in einem Altersheim mit der Gewissheit, dass meine Tochter keine Zeit mehr hat, weil sie eingespannt ist in Beruf und Familie.

Ich möchte noch dazu gehören, zu ihrem Leben und mir ist bewusst, dass ich dafür etwas tun muss. Es reicht nicht diese Gefühle zu haben, die sich jetzt langsam mit Anfang 50 in mir entwickeln. Die Gefühle alt zu sein und älter zu werden. Das Bewusstsein bald nicht mehr laufen zu können, weil meine Behinderung von Schub zu Schub schlimmer wird. Es reicht nicht zu sagen: "Ich hab dich lieb Schatz".

Ich möchte nicht, dass meine Tochter in Arbeit versinkt, egal ob das nun in der Schule ist, oder später in der Ausbildung. Schon heute sage ich ihr: 

"Nimm dir Zeit liebes! Werde nicht so schnell erwachsen. Werde nicht so wie der Großteil der Menschen da draußen. Eilend, Unachtsam und mit sich selbst und dem Geld beschäftigt das man scheffelt für den nächsten Urlaub, oder das Häuschen mit Zaun und Mauer und wohlgeformten Garten. Nimm dir Zeit für deine Freunde, für deine Liebsten und nimm dir Zeit für dich und für deine Gefühle und nimm dir Zeit für mich... "

Es wird eines Tages die Zeit kommen, an dem ich nicht mehr da bin und was ich auf keinen Fall möchte ist diese Beerdigung an dem sich alle wieder finden, die nie Zeit für  mich hatten, als ich noch lebte....

Namasté meine Freunde

Nehmt euch Zeit ihr Lieben!!!

Herzlichst eure Andarnil








Samstag, 1. Juli 2017

Jo im Regenbogen


Es war ein wunder - wundervoller Tag und noch immer zehre ich von diesem Glück. Ja wir haben es endlich geschafft. Wir dürfen heiraten. Dieser Tag fing bei mir um kurz nach fünf an und wird wohl lange nicht enden, denn ich bin noch voller Endorphine, voller Serotonin.

Das ist MEIN Tagebuch für heute:



Tagebuch - Unser Tag

Wir saßen zusammen auf den Bett und ich hatte insgesamt 3 Seiten geöffnet: Bundestag, ZDF und Spiegel Online. Als dann klar war wir haben die Mehrheit für einen Antrag sind wir das erste Mal in Tränen ausgebrochen und ich konnte ein Freudenschrei nicht zurück halten. Britta nahm meine Hand und küsste sie. Eine Chance endlich. Zwischendurch hatten wir Probleme mit dem Streamen und als dann die Kantine eingeblendet wurde rastete Britta fast aus.
Die Rede von Kahrs und Beck fand ich am beeindruckendsten. Bei Kahrs hatte ich das Gefühl endlich darf er das sagen was er all die Jahre unterdrückt hat. Grossartig. Volker Beck hätte ich am liebsten geknutscht.

Als es dann endlich zur Auszählung kam machte unser Internet dicht.
Aber dann erfuhren wir es, ich hab geschrien und bin auf dem Bett herumgehopst. Ich muss so laut gebrüllt haben, dass Shaya aus ihrem Zimmer kam. Wir haben geweint und uns umarmt, dazwischen unser Kind das sich mit uns mit freute. Britta sah mir in die Augen und sagte: "Meine Frau endlich!"

So emotional und überglücklich.
Es war der Wahnsinn.
Heute abend werden wir mit unseren Freunden feiern. Auch sie haben vor dem PC gesessen zwischen ihren Kindern und auch sie werden heiraten, als wir uns heute morgen sahen gab es Umarmungen und gegenseitige Glückwünsche. Die Freude ist Bombastisch. Unsere Kinder werden Blumenmädchen sein, das steht schon fest.

Ich bin immer noch am weinen, während ich hier sitze, auf dem Weg zu Ikea. Wir haben erst vor ein paar Tagen unsere Ringe gefunden -nach all den Jahren ohne Ring. Trag ich sie nun mit Stolz.

Ich liebe dich unendlich meine Frau und ich freue mich auf unsere Hochzeit. Endlich!!! ❤❤❤


Fazit heute:

In der Welt Online lese ich: "lesbisches Liebespaar und zur Hochzeit soll die Kanzlerin kommen",ich lese von einer Ronja die ihr Leben in Abhängigkeit von Merkel sieht.
In der FAZ lese ich, dass sich ein angeblich schwuler Mann unter einem Pseudonym absolut homophob über die Ehe für alle und den damit verbundenen "Selbstverrat" ausgelassen hat. Und über den Flashmob den er ausgelöst hat. Eigentlich wollte ich mehr lesen, aber dann überkommt mich dieses leise Gefühl von Bitterkeit, einen Moment lang zumindest, bis mein Serotonin wieder die Überhand gewinnt.

Was passiert mit den Menschen da draußen, was macht es mit ihnen, dass wir (das fast möchte ich hier streichen) gleichgestellt sind?
Wen außer uns, sollte es tangieren?
Wieso fühlen sich alle verpflichtet sich zu äussern, zu kommentieren, wütend zu sein, voller hass zu sein?
Viele behaupten: Wir sind nicht homophob, wir haben nur unsere (homophobe) Meinung und ihr solltet Tolerant genug sein, das zu akzeptieren, ihr erwartet ja auch Toleranz von uns. Und ich denke mir: Ist euch nicht bewusst wie schwachsinnig dieser Satz ist, er spiegelt mehr als nur eine homophobe Sicht. Er zeigt euren egozentrierten Stand in der Gesellschaft - so was wie: "Ich habe ältere Rechte als du und ich habe nicht vor meine Rechte mit dir zu teilen und das hast du gefälligst zu akzeptieren!". Als würde euch die Ehe gehören, als hättet ihr sie im letzten Supermarkt gekauft.

Manche greifen öffentlich an, drohen mit Karlsruhe, andere geben sich geradezu heroisch: "Ihr werdet es erleben wenn die Islamisierung kommt, seid ihr als erstes dran". Viele schwören es läge nur an den Sozialisten und dem linksversifften Pack. "Und die Merkel wird es sehen, wir lassen uns nicht von ihr verkaufen".
Verkaufen? Wen hat sie verkauft?? Ich verstehe es nicht.

Deutschland begibt sich auf die rechte Seite und merkt es noch nicht mal. Ich habe selten so einen scheiß gelesen wie: "Kann ich meinen Hamster auch heiraten?" oder: "jetzt gibt es auch die Kinderehe und die Vielehe, wir sind jetzt so weit, die Moslems haben es ja vorgemacht!"

Erschreckend wie unreflektiert und wie unglaublich dumm manche Kommentare sind.
Und bei all dem fühle ich mich wie auf einer Samtblauen Wolke, ganz oben. Die Bitterkeit war nur eine Sekunde und dann hat mich wieder das Glück eingeholt.

Es ist als wäre ich in Watte getaucht, egal was kommt, den heutigen Tag, die heutige Nacht kann uns niemand nehmen.
Daran halte ich mich fest, trotz des öffentlichen Hass, trotz der Widerlichkeit so mancher Kommentare.
Was immer da in den Köpfen der Menschen vor sich geht, es kam heute ganz deutlich zu Tage. Wir haben hier in Deutschland gespaltene Persönlichkeiten, sehr viele Rechtsextreme die sich hinter einem C verstecken. Menschen die eine tiefe Wut in sich tragen, gegen alles was nicht in ihr Weltbild passt. So viel Zorn und Gewalt. Was muss passiert sein in ihnen, das so zerstörerisch ist.

Aber wir haben auch die andere Seite, es gab heute viele Gratulanten, viele Menschen die mitweinten und feierten. Es gab Familien die sich für ihre Töchter und Söhne freuten und es gab und gibt einige Partys. In vielen Städten wird gefeiert, das Glück ist sichtbar. So sichtbar wie ein Regenbogen nach einer verregneten Zeit, wenn die Sonne hervorkommt und das Land erhellt.
Ich erlebe sehr viel Liebe und Zuneigung. Nur das zählt, dieses Näherrücken, diese unendlich schöne Liebe. Das Gemeinsame ist wie eine zarte Umarmung. Ich habe selten so geliebt wie heute, es strömte in mir, es floss über vor Mitfühlen und Miterleben.

Kein Mensch kann uns das nehmen, wenn ich an einen Gott glauben würde, wäre dieser Tag Göttlich. Im Buddhismus sagen wir mettâ dazu, allumfassende liebende Güte.
Das ist es was ich heute fühle, für jeden meiner Brüder und Schwestern, jeden der sich involviert fühlt. Von mir aus die ganze Welt, egal ob Homo, Trans oder Hetero. Wir alle sind in meinen Augen nur eine große Familie.

Auch wenn die hass und wutverzerrten Kommentare die andere Seite zeigen, zeigen sie doch nur eine Welt in der ich nicht bin, mit der ich nichts zu tun habe. Diese Menschen können niemals mitfühlen was ich fühle, nie das Glück erleben das ich erlebte als ich heute morgen die Hand meiner Frau hielt während ich gleichzeitig schrie vor Glück und Fassungslosigkeit.
Es ist wie eine warme Welle die mich immer noch umarmt.

Sie tun mir leid, diese wütenden traurigen Menschen. Es wird noch eine Weile so weiter gehen, es werden hasstiraden über den Äther laufen, vielleicht wird es erneut eine Zeit mit Merkel an der Spitze geben, vielleicht versinkt auch irgendwann unsere Welt in einen braun/schwarzen Loch.
Momentan ist mir das egal. Momentan zählt nur dieser Blick in die Augen meiner Frau - MEINER FRAU!!! Und nur das zählt, nur diese tiefe unendliche Liebe die ich fühle.

Möge dieser eine Augenblick nie enden....

DANKE von Herzen, dass es euch liebende mitfühlende Menschen gibt.

Es war ein wundervoller Tag.

Herzlichst eure Jo


Namasté ihr wundervollen Menschen... mein Traum wird sich erfüllen, es darf sein!

Mittwoch, 23. November 2016

Für zwei wundervolle Menschen - Tagebuch




Seit dem wir hier im Norden sind erleben wir Mitgefühl und Liebe - Agape - , Achtsamkeit und Respekt von einer Seite die ich noch nie erlebt habe.

Mein heutiger Eintrag gilt zwei besonderen Menschen, meinen Freundinnen N. und V.
Durch sie haben wir überhaupt erst unsere neue Heimat gefunden, durch die Beiden hat Heilung ein neues Wort bekommen. Durch die Beiden habe ich christliche Nächstenliebe kennen gelernt wie ich sie vorher noch nie erfahren habe.
Durch die Beiden können wir Leben, statt nur zu existieren.

Ich bezweifle dass sie wirklich wissen was für tolle Menschen sie sind und deshalb diese öffentlichen Worte an sie.

Ihr Lieben,

ich habe noch nie solche Menschen kennen gelernt wie euch, die uns so ähnlich sind, in ihrer Art menschlich, mitfühlend, liebevoll und respektvoll und achtsam zu sein. Bislang war es immer so, das wir die Jenigen waren die sofort zur Stelle waren, wenn sich Not zeigte. Ich selbst habe das von anderen Menschen noch nie erlebt, ich habe es auch noch nie erwartet. Es war eben so wie es war.

Ihr gebt uns das Gefühl Besonders zu sein. Obwohl wir uns kaum kannten habt ihr eure Tür und euer Herz geöffnet und uns aufgenommen wie zwei gestrandete alte Soldaten. Wir standen vor euch halb zerbrochen und ihr habt sofort Uhu geholt und uns wieder zusammengeflickt. Nächstenliebe ist ein Wort aus dem Christlichen, dass ich bis dahin nicht erlebt habe, daher war es auch für mich schwer die christliche Religion als Positiv zu empfinden, ihr gebt dieser Nächstenliebe Raum, ihr zeigt wie es sein kann, wenn das Wort wirklich gelebt wird.

Ihr gebt uns so viel, dass ich oft nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Das Annehmen fällt mir oft schwer und ein einfaches Danke reicht mir nicht aus. Da ich diese Art der Zuneigung, der Hilfsbereitschaft und des Respekts vorher nicht kannte, stehe ich oft vor euch und möchte die Hände falten und Namasté sagen, aber das wäre irgendwie komisch, - auch wenn es genau das ist was ich fühle, ihr würdet es nur als Wort unter vielen verstehen -  also umarme ich euch, sage Danke und geh wieder. Abends wenn ich im Bett liege gehen mir dann die Stunden durch den Kopf die ich mit euch verbracht habe und dann kommen die Tränen und ich lass sie laufen.

In solchen Zeiten weiß ich, dass es noch weh tut, die letzten zwei Jahre sind noch nicht verdaut. Es ist so viel passiert, dass ich oft das Gefühl hatte, ich steh mit meiner Familie am Abgrund und nun ist es vorbei.... Ich bin keine starke Frau, auch wenn das oft scheinen mag. In Wahrheit bin weder ich es, noch Britta. Aber wir halten einander fest. Es war nicht einfach alles abzubrechen und hier neu anzufangen, wir wussten nicht was auf uns zukommt, welche Hürden wir noch überstehen müssen und wäre Shaya nicht gewesen, vielleicht hätten wir beide es nicht geschafft.

Aber wir hatten uns, das gab uns die Kraft die über das Limit von dem hinaus ging, was machbar war. Körperlich gesehen sind wir beide total am Ende. - Und dann seid ihr aufgetaucht, wie aus dem Nichts. Gerade am Anfang war ich total irritiert und wusste überhaupt nicht wie ich mit eurer Liebenswürdigkeit und eurer Fürsorge umgehen sollte. Da waren zwei Menschen die ich schon etwas länger aus der Ferne zu kennen glaubte, aber in Wirklichkeit waren sie mir Fremd. Und sie tauchten einfach aus dem Nichts auf und fingen uns auf.
Es gab so viel, womit ich überhaupt nicht zurecht kam, dass mir fremd war. Die Art und Weise wie ihr für uns da wart - ist viel zu groß um es in Worte zu fassen.
Vielleicht ist das wirklich Familie, dieses winzig kleine Wort, dessen Wahrhaftigkeit ich immer vermisst habe. Dieses Gefühl das jemand für mich - für uns - da ist, so 100%.
Das muss Familie sein.

Durch euch erfahre ich etwas, das ich noch nie erfahren habe. Es gab immer Menschen die mein Herz erreicht haben. Ich liebe gerne. Ich bin selbst uneigennützig und hilfsbereit. Das ich eines Tages auch dieses Gefühl bei anderern erlebe, damit hab ich nicht gerechnet.

Es gab oft Momente da wusste ich nicht was ich sagen sollte, alles wäre zuviel oder zuwenig gewesen. Es gibt einfach keine Worte oder Gesten für das was ich fühle.
Ihr tut mir gut, euer Vertrauen in uns ist gleichzeitig eurer größte Stärke. Ich wusste wirklich nicht das wir so wichtig für euch sind.
Es ist einfach schön, euch in eurer Familie kennen zu lernen, zu erkennen welche Qualitäten ihr habt, welche Schwächen, welche Stärken, euch so wie ihr seid zu sehen. Eure Seele zu sehen.
So einen tiefen und innigen Einblick habe ich selten in Menschen. Die meisten Menschen verbergen ihr Wesen hinter vielen Masken, eure hab ich hinterblickt und dahinter wahre Schönheiten gesehen. Menschen die Gutes tun und ich hoffe ich kann Gutes zurück geben.

Es wird in unserer Freundschaft immer mal wieder Momente der Missverständnisse oder Fehlinterpretationen geben, das ist so wenn man eng zusammen ist - mit mir. Aber ich glaube wir bekommen das hin, denn eines weiß ich, nach den 4 Monaten intensiver Freundschaft mit euch, wir wollen nicht verletzen. Unser Miteinander ist durch Respekt und Zuneigung geprägt.

Auch wenn das was ich schreibe noch lange nicht das ausdrücken kann was ich - Wir - fühlen. So seid gewiss, wir lieben euch, für das was ihr für uns getan habt und immer noch tut. So etwas bleibt als Schöne Erinnerung in meinem Herzen zurück.

DANKE
Namasté

Ich sehe euch.
Ich liebe euch
Eure Jo




Dienstag, 25. Oktober 2016

Pazifismus - wie man ihn erlernt.



Ich bin ein Anhänger der Gewaltlosigkeit (leider nicht unbedingt in Worten, dafür aber in Taten.. und ich sag jetzt mal frech, die zählen mehr).

Ich bin ein absoluter Pazifist (man sagt auch "strenger Pazifist" dazu. Die Bezeichnung Absolut bedeutet, das ich alles tun werde um Gewalt zu vermeiden, das bedeutet jedoch nicht, dass ich dabei zusehe wie Mensch oder Tier getötet oder verletzt werden und nicht eingreife - das wird mir oft vorgeworfen. Wer mich kennt, wird erst gar nicht auf die Idee kommen, das ICH zusehe und nichts tue. Pazifist heißt letztendlich nur, das ich alle anderen Alternativen ausschlöpfen werde, bevor ich selbst Gewalt anwende und ich habe eine Menge Alternativen gespeichert. Gewalt ist für mich weder die erste, zweite, noch die dritte Wahl. Es kommt jedoch darauf an, wieviel Zeit ich habe um alles auszuschöpfen was mir zur Verfügung steht.) so nennt man Menschen wie mich.

Ich werde oft mit Beispielen aus dem Leben beworfen, die darauf zielen, dass man gar nicht anders handeln kann, als mit Gewalt - Gewalt verändern.
Ich hab dazu bislang nicht viel gesagt, weil ich gemerkt habe, meine Argumente bringen in einer Diskussion nichts. Denn die meisten Menschen gehen von dem aus was sie selbst erlebt haben und je älter man wird, desto schwieriger ist es sich geistig andere Möglichkeiten/ Alternativen vorzustellen und sie dann Aktiv in Situationen anzuwenden.


Wir alle lernen durch Gewalt, das fängt mit der Erziehung der Eltern an und setzt sich weiter in Kindergärten, Schulen, Arbeitsplätzen. Wären wir im Krieg wüssten wir uns alle mit Gewalt zu wehren. Darauf zielt diese Art der sehr frühen Konditionierung auf einen normalen Umgang mit Gewalt letztendlich hinaus. Es geht bei all dem darum einen Maßstab zu erreichen um im Notfall schnellstmöglich Menschen dazu zu bringen Gewaltvoll zu handeln.

Den meisten Menschen ist es nicht bewusst, in welchem System sie leben. Sie reagieren oft mit Gewalt ohne es zu merken, weil Gewalt in dieser Welt in der wir Leben zur Normalität geworden ist.
Die Vorstellung Gewaltsame Handlungen friedvoll zu verändern werden oft belächelt oder gar als Naiv bezeichnet.
Es ist sehr schwierig klar zu machen, das jede gewaltvolle Handlung die durch Gewalt beantwortet wird, nur in Gewalt endet
Die meisten Menschen denken, dadurch das man jemanden mit Gewalt zum Aufgeben zwingt, hat man die Situation im Griff und das weiterführen der Gewalthandlung ist beendet. Die Wahrheit jedoch liegt im Bewusstsein das sich der Mensch nicht ändern wird, auch wenn die bestehende Situation verändert wurde. Er verändert sich erst durch Eigenimpulse, durch Aufklärung, Klarheit, Bewusstmachen das Gewalt schädlich ist für die eigene Seele, für das Karma, die familiäre Beziehung, die Gesellschaft...

Das ist ein sehr gängiges Problem dass der Psychologie und der Rechtswissenschaft  sehr wohl bekannt ist. Man verändert nicht den Charakter eines Menschen, sondern man beendet nur seine Handlungsfähigkeit.
Dass der Mensch der wieder frei ist, genau da weiter macht wo er aufgehört hat, ist allseits bekannt. Die Gewaltspirale setzt sich also fort.
Und zwar in beide Richtungen. Derjenige der eine Gewaltsituation beantwortet hat, wird sie immer wieder so beantworten, ohne andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und derjenige der die Situation durch Gewalt erst entfacht hat, wird immer wieder ähnliche Situation entstehen lassen.

Wenn man sich dieses Beispiel näher anschaut dann wird einem Bewusst, das es immer zwei Parteien geben muss, um diese Spirale weiter zu führen.
Einen der Gewalt auslöst und einen der Gewalt beantwortet.
Fällt einer dieser zwei Parteien weg kann die Spirale nicht weitergeführt werden.

Nehmen wir ein Beispiel:
Ein öffentliches Fußballspiel kann nur dann im Fernsehen und Rundfunk ausgetragen werden, wenn es zwei Mannschaften gibt, die gegeneinander spielen. Nur so funktioniert dieses Spiel.
Gibt es nur eine Mannschaft und die andere fällt aus, wird das Spiel abgesagt.

Und genau das ist das Ziel eines Pazifisten, er sagt der Gewalt ab.
Er verhindert bewusst, das das Spiel der Gewaltspirale fortgeführt wird.
Dazu benötigt er erst einmal das Bewusstsein, dass er immer und überall Alternativen zur Verfügung hat.
Und die muss er lernen.
Und zwar schon als Kind.

Meine Tochter hat als erste Alternative zur Gewaltanwendung das STOPP gelernt.
Sie stellt sich direkt vor dem Angreifer, schaut ihn in die Augen, streckt beide Hände weit vor ihre Brust mit den Handflächen nach Aussen und sagt Laut und Vernehmlich: "STOPP das will ich nicht!"
Dazu geht sie auf ihn zu, statt vor ihm weg zu gehen.

Die normale Reaktion des anderen Kindes ist einen Schritt zurück zu gehen. Weil es von der Reaktion meiner Tochter irritiert ist. Das ist auch die entscheidende Wendung des Ganzen. Meine Tochter macht einen weiteren Schritt nach vorne, dazu hält sie die Hände weit ausgestreckt, Handflächen weiter nach Außen. Sie drängt das andere Kind somit von sich weg.  Ohne Gewalt anzuwenden macht sie bewusst, das ist mein Feld, hier hast du nichts zu suchen. Geh Weg.

Kinder die Gewalt anwenden wollen, werden sich von diesem Stopp erholen und dann versuchen meine Tochter zu bedrängen. Ein Beispiel sie stoßen die Hände weg. Meist fangen sie jedoch an zu schimpfen.
Meine Tochter hat während sie zum Bus oder Bahn läuft eine Trillerpfeife dabei die sie auch anwendet wenn es sein muss. Sind die Kinder so auf Gewalt gepolt, dass sie versuchen auf Angriff zu gehen, hält sie eine Hand weiter nach vorne um das Kind abzuwehren, die andere greift zur Trillerpfeife und pfeift.

Das Pfeifen hilft andere Leute auf sich aufmerksam zu machen. Wenn die Pfeife nicht zur Hand ist, fängt sie an zu schreien.
Sie brüllt sich die Seele aus dem Leib, schreit Aua und Hilfe.
Das verwirrt die Angreifer noch mehr. Kinder lassen dann spätestens jetzt von ihr ab und laufen davon. 

Meine Tochter hat somit das erste wichtige Prinzip der Gewaltlosigkeit gelernt: man kann sich auch zur Wehr setzen, ohne andere Menschen zu verletzen.
Das funktioniert ganz gut wenn es um Kinder geht, bei Erwachsenen wird es schwieriger.

Kinder reagieren mehr auf körperlichen Einsatz - Augenkontakt, Schritt nach vorne, Hände ausgestreckt, Signal: Stopp das will ich nicht.

Erwachsene reagieren auf Akustische Signale: klare laute Ansage: "Was tust du da?" "Lass die Frau los!" "HIER IST FEUER, HILFE!" "Lautes Pfeifen mit der Trillerpfeife!" "extrem lautes Schreien!"

Ich habe als Kind Abwehrmechanismen kennen gelernt, die ich hier nicht explizit empfehlen kann. Nur soviel. Wenn eine Frau Opfer einer Vergewaltigung wird und die ersten Versuche der Abwehr (Reden, Schreien, sich zur Wehr setzen, wegrennen) nichts helfen, dann gibt es nur wenige Möglichkeiten die Gewalt abzuwehren und am Leben zu bleiben. Eine sehr drastische Möglichkeit ist sich tot stellen.
Das macht man indem man sich unglaublich kontrolliert, man hält den Atem an und lässt sich fallen. Man hört auf sich zu wehren, sich zu bewegen. Man gibt alle Funktionen des Körpers auf. Ich selbst habe zweimal in meinem Leben vollkommen aufgegeben. Das Gefühl zu sterben war übermächtig, Mächtiger als das Gefühl ums Leben zu kämpfen. Mir hat dieses Gefühl geholfen zu überleben. Ich habe mich vollkommen aufgegeben. Ich habe den Atem reduziert, meine Körperspannung gelockert, ich habe mich fallen lassen, mich schwer gemacht. Den Mund leicht geöffnet, die Augen zufallen lassen.

Die zweite Möglichkeit erfordert die gleiche Kontrolle über den Körper und für die Seele. Man gibt sich dem anderen einfach hin.

In Fernsehen und Rundfunk werden Frauen oft gedemütigt die es "zuließen", das Männer sie vergewaltigten. Das ist leider ein weit verbreitetes Vorurteil und Missverständnis in unserer Gesellschaft. Ich sage es ganz klar, lieber man tut als hätte man Gefallen an dieser traumatischen Misshandlung und bleibt dafür am Leben, als dass man am Ende mit Behinderungen leben muss, oder gar getötet wird.

Wir Frauen sind, wenn wir nicht gerade im Kampfsport ausgebildet sind, körperlich dem Mann unterlegen. Die Chancen, dass wir uns bei einer gezielten Vergewaltigung so gut zur Wehr setzen, um den Angreifer KO zu schlagen sind sehr gering.

Ein Kind hat noch viel weniger Möglichkeiten der Gewalthandlung eines Erwachsenen zu entgehen.
Ich habe von klein auf gelernt Situationen voraus zu sehen und daher konnte ich oft schon bei den kleinsten Anzeichen reagieren. Meine Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Als erstes habe ich immer versucht zu beschwichtigen. Ich war ein Meister um Situationen zu entschärfen. Dazu habe ich mich bestimmter Tricks bedient:

Den anderen in ein Gespräch verwickeln.

Ich habe - so merkwürdig es klingt, Fragen gestellt. Über alle möglichen Dinge. Meist waren es Fragen zum Bereich von dem ich genau wusste, dass der Angreifer sich dafür interessiert. Fragen zu Autos, Fragen zum Universum, Fragen zur Technik, oder Wissenschaft.
Ich habe den Angreifer in ein Gespräch verwickelt um ihn von seiner Wut, seiner Gewaltbereitschaft abzulenken.

Den anderen ablenken.

Lautes Weinen bringt oft (leider) nicht sehr viel. Mit Lachen sieht das schon anders aus. Es ist sehr schwierig für Angreifer wenn man komplett anders reagiert als sie es gewohnt sind. In einer Situation die ganz klar darauf abzielt, dass es zur Gewalthandlung kommt, bin ich in Lachen ausgebrochen. Ich hab mich auf dem Boden gekringelt vor Lachen. Oft musste mein Angreifer ebenfalls lachen und das hat bisweilen die Situation entschäft. Ich hatte zwar den Nachteil, dass er mich für total Übergeschnappt hielt, aber ich hatte zumindest kurzzeitig meine Ruhe. 

Betteln

Auch das ist eine Methode um Gewalt zu verändern. Darum bitten das man aufhört. "BITTE TU MIR NICHTS!"
So merkwürdig es klingt, es funktioniert oft wirklich. Jeder Mensch trägt in sich Mitgefühl. Wir haben leider verlernt dieses Mitgefühl in anderen Menschen zu aktivieren. Wir sehen es als Schwäche für unser Dasein einzustehen, indem wir darum bitten.
Wir lernen von klein auf, das wir das Recht auf NEIN haben, aber wir lernen nicht, das wir auch das Recht haben, darum zu bitten, dass ein anderer unser NEIN akzeptiert. Um etwas zu bitten, statt es einfordern, erfordert Mut. Den Mut Demütig sein zu dürfen. Sich klein machen zu dürfen. Schwach sein zu dürfen.
- Und die Erkenntnis, dass genau diese Schwäche unsere größte Stärke sein kann.

Im Falle eines Gewaltakts ist Schwäche manchmal ausschlaggebend das wir überleben.

Im Krieg ist derjenige Feige der davon läuft, er wird von der Gesellschaft verhöhnt und gemieden. Aber er ist am Leben geblieben.
In unserer Gesellschaft wird erwartet das wir für unser Land sterben und das zieht sich durch alle Altersentwicklungen hinweg. Wenn wir uns nicht wehren, sind wir feige. Wenn wir nicht zurück schlagen sind wir Schwach.
Das lernen Kinder von klein auf.
Und da steckt das Problem.

Wir verhindern somit, das Kinder von klein auf Alternativen gegen Gewalt lernen. Sie lernen nur mit der Gewalt zu leben. Sie als etwas vollkommen normales zu betrachten.
Gewalt ist somit Gesellschaftsfähig geworden.

Um eine Gewaltlose Entwicklung zu fördern, muss man umdenken lernen. Man muss aus der bestehenden "Normativen Umgebung" ausbrechen und etwas neues, fremdes zulassen und letztendlich ausprobieren. Wir lernen nur anhand von Situationen.
Statt zuzuschlagen sich lächerlich machen und darum bitten das der andere einem nichts tut.
Oder statt zurück zu schlagen, laut FEUER brüllen, oder HILFE oder schreien bis die Wände wackeln.

Natürlich erhofft man sich damit die Aufmerksamkeit anderer.

Als meine Tochter noch sehr klein war und ich mit ihr im Kinderwagen mitten in einer Menschenmasse eingekeilt wurde und Panik bekam, habe ich die Leute damit auseinander bekommen, indem ich gebrüllt habe: "Achtung Heiß und Fettig!"
Verrückt ich weiß, aber die Leute bildeten eine Straße vor mir und ich konnte ohne Probleme mit meiner Tochter im Kinderwagen durch sie hindurch fahren.

Man muss bereit sein Verrückte Dinge zu tun um sein Ziel zu erreichen. 
Man muss bereit sein Verrückte Dinge zu tun, um ohne Gewalt anzuwenden durch Leben zu kommen.

Was glaubt ihr wie irritiert Angreifer reagieren, wenn ihr anfangt auf einem Bein zu springen und anfangt zu brüllen "Heiß, oh Gott das ist so Heiß, Scheiße ist das Heiß", verzieht dabei das Gesicht, als hättet ihr irre Schmerzen. Wälzt euch auf den Boden, fangt an in eure Hände zu blasen, Hüpft herum.
Sie werden denken ihr seid durchgedreht und das lenkt sie von ihrer Gewaltbereitschaft ab.
Sie werden sich vielleicht lustig machen über euch. Sie werden ihre Witze reißen, vielleicht werden sie euch auch verspotten. Aber wenn sie weg sind, habt ihr euer Leben zurück gewonnen. Dieser Gewinn ist weit aus mehr wert, als einige Narben die man sein Leben lang behält.


Natürlich funktioniert es nicht immer. Es gibt Situationen und Menschen die trotzdem zuschlagen. Die einem trotzdem weh tun.
Zurück schlagen, Abwehren, Gesicht schützen... und hoffen.
Ich kenne alle Situationen.

Ich habe tiefe Narben zurück behalten und doch bin ich davon überzeugt, das Gewalt nur auf Gewalt trifft. Ich hoffe ihr schafft es durchs Leben zu gehen, ohne Narben.
Vielleicht helfen euch diese kleinen Tipps...
Ich wünsche allen Menschen Frieden, auch solchen die Gewalt anwenden...

Möge euch ein Licht aufgehen.
Und möge das Spiel wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden.
Das wünsche ich dieser Welt...

Und wenn ich es hiermit geschafft habe, nur einen einzigen Menschen zu überzeugen... dann hab ich genau das erreicht was ich wollte.

Namasté eure Jo 






Freitag, 9. September 2016

Eltern-Kind Beziehung mal ganz anders ...

Shaya am Tag ihrer Geburt.


Man geht in Asien davon aus, das die Neugeborenen Babys noch nicht fertig entwickelt sind, wenn sie auf die Welt kommen. Und daher versucht man die Enge des Bauches auch nach der Geburt zu imitieren, die Babys werden gleich nach Geburt gepuckt. Tibety Baby Pucken bedeutet sie werden sehr eng in ein Tuch eingeschlagen. Ein fertig gepucktes Baby sieht aus wie ein kleines Paket
  . 
Eigentlich hätte ich es schon früher machen sollen - einen Anti-Erziehungsratgeber herausbringen, denn nach der Diskussion letztens, scheint das wirklich von Nöten zu sein.
Viele Eltern denken sie müssten besonders streng zu ihren Kindern sein und das fängt meistens schon kurz nach der Geburt an. "Kinder müssen schlafen lernen", "Kinder werden zu kleinen Tyrannen, wenn man sich dauernd mit ihnen beschäftigt", "Kinder müssen sich an Lebensstil der Eltern anpassen"... usw.

Kinder müssen... Kinder sollen... Kinder haben zu sein...

Ich erlebe es oft, dass Eltern total überfordert sind mit ihren Neugeborenen und wenn sich die Überforderung dann auf die Kinder überträgt ist ein stressfreies Miteinander kaum noch möglich.
Und wenn ich in einer solchen Situation vorsichtig frage: "Darf ich dir einen Tipp geben?" heißt es meistens: "Du, weißt du ich bekomme so viele Tipps, fang du nicht auch noch an!" Also halte ich die Klappe und lass Kind und Mutter weiter brüllen. Ich halte mich dann vollkommen raus.

Es hat außer unserer Kinderärztin noch nie jemand gefragt, wie wir das hinbekommen haben, dass Shaya so gut wie nie weinte. Als wir anfingen uns über Erziehung Gedanken zu machen, war unsere Tochter noch gar nicht da. Auch wir haben "normale" Bücher gekauft, Bücher über Erziehung, Bücher über die Entwicklungspsychologie des kleinen Menschen, Bücher über alles mögliche, rund um Schwangerschaft, Stillen, Ernährung usw.
Doch fast jedes Buch das wir lasen, landete kopfschüttelnd bei Ebay um es zu versteigern, oder im Müll. Ich hatte immer wieder das Gefühl - irgendwas läuft da falsch. Wir haben sogar einen Elternführerschein gemacht. Wir wollten das es ihr/ihm gut geht, dem kleinen Wesen in Brittas Bauch.
Irgendwann, ich glaube es war mein Geburtstag, bekam ich ein buddhistisches Buch geschenkt, indem die tibetische Kindererziehung beschrieben wurde.
Und das war das erste mal, das ich das Gefühl hatte ja, dieses Buch kann uns wirklich unterstützen.

In Tibet berühren die Kinder das erste mal den Boden wenn sie anfangen zu laufen. Davor werden sie die meiste Zeit von ihren Müttern in Tragetücher getragen, egal was die Mütter taten, sie hatten das Kind immer bei sich und zwar Tag und Nacht. 
Beim Pucken haben weder Arme noch Beine die Möglichkeit sich zu bewegen. Was für uns erst mal grausam klingt, ist beim näheren Hinschauen nur logisch.
Zuerst haben wir es auch nicht geglaubt. Ich dachte der schreibt Müll und so war Shaya die ersten drei Tage ohne Pucken sehr unruhig.
Wir konnten beobachten, wie sich ihre kleinen Arme und Beine wild bewegten, so wild das sie sich sogar selbst kratzte, aus dem Grund zogen die Schwestern im Krankenhaus ihr kleine Handschuhe an. Und trotzdem bewegten sich die Ärmchen und Beinchen und je wilder sie sich bewegte desto weinerlich wurde sie. Ich beobachtete dieses umherschwenken der Arme und Beine und wenn ich meine Hand gegen diese kleinen Arme drückte, wurde unser Kind ruhiger. Es war als brauchte sie die Begrenzung die sie im Mutterleib hatte,  auch außerhalb des Mutterleibes. Und so kam es, dass ich am ersten Tag nach dem Krankenhaus zuhause puckte. Die ersten Male mussten wir uns überwinden, die kleinen Ärmchen festzuhalten und die Decke darüber zu legen, stramm anzuziehen um das andere Ende der Decke darüber zu legen und festzustecken, es war gar nicht so einfach. Und die ersten Versuche gingen auch echt in die Hose, das Tuch war viel zu locker und unser Kind brüllte los. Die ersten zwei Tage waren am schwierigsten bis wir endlich herausgefunden hatten, wie man das Tuch am besten einschlug. Im Buch wurde beschrieben, dass die Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt tanzten wenn die Babys weinte. Sie bewegten sich heftig vor und zurück und summten dabei den Oberton. Sie zischten wie eine Schlange oder taten so als würde ein heftiger Wind wehen, indem sie die Luft herausstießen und wieder laut einsogen.
Überhaupt ging es alles andere als Leise zu. Es wurde gezischt, geschunkelt, getanzt, geOMt und gesungen.

Aber am interessantesten erschien mir die Tatsache das die Babys durchschliefen. Tibeter kennen keine unausgeschlafenen Nächte, keine Schreizeiten. Beim lesen des Buches hatte ich das Gefühl die Frauen sind total relaxt.
Und das erschien mir damals so gut wie unmöglich.

Ich muss dazu sagen, wir mussten uns zwingen egal wo wir waren laut zu zischen oder zu OMen, einfach mal im Supermarkt zu tanzen, wenn Shaya unruhig wurde. Aber wir zogen das durch. Am Anfang hatten wir Hemmungen, Es war nicht einfach die Blicke anderer Menschen zu ignorieren. Aber wir vertrauten auf auf die Intuition und gaben uns dem Muttersein hin.

Die ersten 5 Wochen waren anstrengend, in dieser Zeit haben wir uns fast nur tanzend bewegt. Manchmal waren wir heiser weil wir die komplette Zeit über OMten, oder sangen. Es war die Zeit der Umstellung. Shaya brauchte Zeit um sich an dieses Leben ohne Bauch zu gewöhnen. Wir hatten weder Stillzeiten noch Schlafzeiten, wir haben uns ganz auf unser Kind eingestellt.  Wenn sie einschlief schliefen wir auch, wenn sie Hunger hatte, wurde sie von Britta gestillt, während ich uns eine schnelle Mahlzeit zubereitete. Wenn sie unruhig wurde, fingen wir an zu tanzen und zu singen. 
Unser Leben war vollkommen Shaya. Etwas anderes existierte nicht. Wir gingen nur ganz kurz einkaufen, je weniger Eindrucke von Außen desto besser ging es ihr. Wir puckten sie und trugen sie abwechselnd in einem Tuch, so dass sie nie alleine war. Wir waren beide die komplette Zeit über bei ihr, in ihrer Nähe. Ich weiß noch am Ende der 5 Woche waren wir beide fix und fertig. Total erschöpft und so bekamen wir uns wegen einer Kleinigkeit in die Haare. Wir stritten uns das erste mal und dann lagen wir uns weinend in den Armen.
Und während wir da auf dem Bett lagen mit unserer kleinen Maus in der Mitte, schlief sie einfach ein. Ohne das wir etwas machen mussten.
Wir haben in dieser Nacht das erste Mal durchgeschlafen. Ich weiß noch irgendwann wachte ich auf und war total panisch, weil ich unser Kind nicht hörte. Ich berührte sie aber sie schlief weiter, also bewegte ich sie etwas fester. Ich hatte so unglaubliche Angst vor dem plötzlichen Kindstot. Shaya wachte auf und sah mich mit ihren großen Augen an und dann fing sie an zu weinen.
Es war unglaublich, während Britta sie stillte, sahen wir uns nur an. Wir wussten an diesem Morgen, Shaya hatte die Umstellung in diese Welt geschafft.

Ich weiß noch, Shaya war vielleicht 2 oder 3 Monate alt, da waren wir bei Brittas Eltern und während wir am Tisch saßen schunkelte ich unser Baby wild auf meinem Arm und zischte immer mal wieder zwischen dem Gespräch. Meine Schwiegereltern sahen mich an als wäre ich nicht ganz dicht. Sie runzelten die Stirn und meinten, dem Kind würde bei dem Geschunkel ja schlecht werden, ob ich nicht mal damit aufhören kann. Aber ich lächelte nur und sagte: "Shaya möchte das!" Damals war ich mit dieser ganzen Situation eins mit uns. Ich glaube es lag auch daran, das Britta und ich ein Team waren, diese Liebe zu unserem Kind, hat uns noch enger zusammengeschweißt. Uns war egal was andere Menschen über unser Schunkeln und Zischen und OMen dachten. Wir taten es, weil wir davon überzeugt waren das Richtige zu tun. Und Shaya zeigte uns jeden Tag aufs Neue, das es richtig war.
Ab der sechsten Woche schlief sie 6 Stunden am Stück durch. Sie hatte sich dem Tag und Nacht Rhythmus angepasst. Britta stillte sie wann immer Shaya nach der Brust verlangte und dadurch das wir auf jede Mimik und Gestik unseres Kindes achteten wussten wir oft schon bevor sie weinte, was sie brauchte.
Wir besorgten uns bereits vor der Geburt ein Anstellbett, da unser Bett nur 1,40m groß war, hatten wir Angst unser Kind zu erdrücken. Das Bettchen war auf meiner Seite und so konnte ich sie Nachts berühren wenn sie unruhig wurde. Meine Hand lag die komplette Nacht über neben ihrem Bauch und ich fühlte bereits bevor sie sich bewegte, dass sie unruhig wurde, also schunkelte ich sie in den Schlaf.

Diese Zeit der Nähe und Geborgenheit war für uns alle unglaublich schön. Und zwischen mir und Shaya entwickelte sich eine Art Gedankenverständigung die bis heute anhält. Ich weiß genau wie Shaya sich fühlt, wie es ihr geht. Und auch heute noch nehm ich sie in den Arm wenn es ihr nicht gut geht und schunkel sie und dabei OMen wir, oder zischen leise. Diese Laute sind nach wie vor beruhigend für sie. Ich merke dann wie sich mein Kind entspannt und wie die Trauer oder der Schmerz vergeht. Wir haben auf den Zeitpunkt gewartet an dem sie selbst in ihr Bett wollte. Das waren die Momente an denen sie nicht mehr gepuckt werden wollte, die Momente an denen sie sich von sich aus wegdrehte, wenn meine Hand zu nah an ihrem Körper lag. Sie zog etwas im Alter von 1 Jahr in ihr eigenes Bett und im Alter von etwa 2 Jahren war es überhaupt kein Problem, dass sie alleine in ihrem Zimmer lag und dort die Nacht durchschlief.
Wir hatten nie eine Durchschlaf, Einschlafregel. Erst kurz vor der Einschulung baten wir Shaya früher ins Bett zu gehen, weil sie morgens auch früher aufstehen musste. Auch das war überhaupt kein Problem. Am Wochenende geht sie oft zwischen 21 und 22 Uhr schlafen und während der Woche wird es meist so 21 Uhr, dann sagt ihr Körper ihr, das sie müde wird. Shaya hat gelernt auf ihren Körper zu hören. Auch was das Essen betrifft reagiert sie nach ihren Bedürfnissen und so gibt es auch bei uns keine festen Essenszeiten, noch pochen wir darauf das der Teller lehr gegessen wird.
Sie isst exakt so viel wie sie Essen mag, nicht mehr und nicht weniger.

Wir haben zum Beispiel auch keinen Schnuller gegeben, anfangs haben unsere kleinen Finger ausgereicht, vorallem während des Zahnens und danach hat Shaya ihren Daumen zur Selbstberuhigung genommen.
Auch heute noch gibt es kein festes Bettritual, das heißt wenn Shaya krank ist und Kummer hat, dann schläft sie auch heute noch bei uns. Wenn sie Albträume hat, kommt sie zu uns.
Wir haben ihr immer die Wahl gelassen.

Britta hat gestillt.
Shaya hat Babyflaschen abgelehnt. Nachdem Britta wieder arbeiten ging, habe ich die abgepumpte Muttermilch mit glutenfreien Brei gemischt und mit dem Löffel gefüttert. Später habe ich dann die Muttermilch in Becher gefüllt. Shaya hat nie süsse Tees, oder Säfte zu trinken bekommen,   und als sie anfing am Tisch mit zu essen, bekam sie das gleiche Getränk wie wir - Wasser. 
Shaya trinkt auch heute noch am liebsten stilles Wasser, am zweitliebsten Tee und hin und wieder Orangensaft, oder Apfelsaft.
Nur haben wir damit erst sehr spät angefangen, während der Kindergartenzeit.
Süssigkeiten gabs natürlich auch bei uns, allerdings isst Shaya nur eine Süssigkeit am Liebsten Oreokekse.

Shaya ist Vegetarisch aufgewachsen, Kuhmilch hat sie das erste Mal im Kindergarten getrunken, bei uns gab es keine Milch.
Die ersten Nahrungen waren sehr einseitig: Karottenbrei, Pastinakenbrei selbstgemacht.
Nach ein paar Wochen habe ich dann Kartoffelbrei gemischt mit Pastinake, Karotte oder Kürbis.
Als sie etwa 2 Jahre alt wurde, hat sie das gegessen was wir auch gegessen haben.
Ihr Lieblingsobst sind Äpfel. Die bekam sie als erstes Obst und daran hat sich auch nichts geändert.
Zweitlieblingsobst Erdbeeren. Da Britta mit Allergien auf Obst reagiert, waren wir sehr vorsichtig. Wir haben erst ganz spät mit dem Zufüttern von unterschiedlichen Obstsorten angefangen. Zuerst Apfel, Banane, dann auch anderes Obst: Trauben, Mandarinen, Wassermelone usw. und zuletzt Erdbeere. Eine Allergie hat sie nie entwickelt.
Shaya hat noch nie Fleisch gegessen, das kennt sie nicht.
Shaya hat im Alter von 4 Monaten das erste Wort gesprochen, Haare. Damals hatte ich noch Haare und sie griff morgens beim Wickeln mit ihren beiden Händen in meine Locken und sagte sehr deutlich "Haare".

Ich war total von den Socken und konnte das erst nicht fassen. Und als ich später Britta davon erzählt glaubte sie mir erst nicht. Aber dann hörte sie es selbst: "Haare".
Das zweite Wort war: Mami. Alles war für sie anfangs Mami. Wir beide waren Mami, die Katzen waren Mami, andere Menschen waren Mami :D

Das dritte Wort war Mann, das vierte Katze. Das fünfte Mama, das sechste Papa.
Im Alter von etwa 1 Jahr konnte sie sich bereits mit einfachen Worten verständigen. Für uns war das unglaublich erleichternd, denn jetzt erfuhren wir endlich aus ihrem Mund wie es ihr erging.

Ich weiß noch das ich Shaya bereits im Bauch von Britta zuhörte. Wir fingen da schon an zu kommunizieren. Meine Hand lag immer auf Brittas Bauch wenn sie schlief. Ich hörte ihrem Atem zu während ich die zarten Bewegungen unseres Kindes spürte.
Auch wenn es Britta die komplette Schwangerschaft schlecht ging, denn sie litt unter Schwangerschaftserbrechen, hatte ich das Gefühl Teil von allem zu sein und dieses Gefühl hat sich nie verändert.

Unsere dreier Beziehung zu einander ist sehr eng und sehr liebevoll. Shaya wächst nicht mit Verboten oder festen Regeln auf. Natürlich gibt es Dinge die gemacht werden müssen, aber bei all dem steht die Flexibilität an erster Stelle. Nichts ist ein absolutes Muss, alles darf von ihr hinterfragt werden. Und das wird es auch. Nachdem sie anfing zu sprechen, stellte Shaya fragen über die Welt. Sie war fasziniert von Tieren und anderen Menschen. Aber sie verstand nicht, warum tote Fische im Ladenfenster liegen. Sie fragte mich: "Warum sind die Fische tot" und ich erinnere mich noch, wie ich antwortete: "Weil es Menschen gibt die sie essen, deshalb sind sie tot."
Shaya verstand nicht warum Menschen Fische essen, sie fand Fische toll und sie mochte es Fische im Aquarium im Tierfachläden zu beobachten. Also erzählte ich von den Meeren und Ozeanen. Wir kauften ein Buch das zeigte wie Fische wirklich leben.
Und da saß meine kleine Tochter und weinte um die Fische in den Aquarien und um die toten Fische in den Fenster der Verkaufstresen.
Als Shaya fast 4 Jahre alt war, starb unsere Katze Mummel. Sie war sehr krank und wir mussten sie einschläfern lassen. Damals dachte ich noch, ich könnte unserem Kind etwas abnehmen, schmerz, leid.
Wir baten unsere Freunde in der Zeit auf Shaya aufzupassen, während unsere Tierärztin unsere Mummel in den ewigen Schlaf versetzte. Aber Shaya schrie wie wahnsinnig, sie wehrte sich und brüllte sich die Seele aus dem Leib. Also ließen wir zu, das sie dabei sein durfte, während Mummel starb.
Shayas Reaktionen haben mich oft irritiert und überrascht, aber diesen Tag werde ich nie vergessen. Sie saß während der Untersuchung und während unsere Tierärztin die Spritzen gab neben Mummel und streichelte ganz sanft ihr Fell und dann fing Shaya an zu summen, ganz leise. Dabei bewegte sie ihren Körper vor und zurück. Ich musste so sehr weinen das ich mich mit bewegte und so bewegte sich das ganze Bett während Mummel starb.
Als es vorbei war nahm mein kleines Mädchen mich zärtlich in den Arm und sagte: "Jetzt musst du nicht mehr weinen Mami, Mummis Seele ist jetzt im Himmel und schaut auf uns herunter!"
Unsere Tierärztin war über die Reaktion von Shaya geschockt das auch sie anfing zu weinen. An dem Tag weinten wir Erwachsenen während uns unsere Tochter mit einem lächeln tröstete.

Obwohl das mittlerweile 5 Jahre her ist, kann sich Shaya noch an Mummel erinnern, es war das erste Tier das starb. Danach gab es viele Tiere. Shaya malte oft ein Bild und gab es mit in das Grab. Der Tod eines Tieres ist nichts das sie erschreckt. Für sie ist es der Lauf der Dinge. Alles kommt und alles vergeht.

Shaya stellte viele Fragen, über eigentlich alles. Warum ist das so wie es ist?
Ihre erste Frage nach dem Fischerlebnis war: "Warum essen Menschen Fleisch und warum essen wir kein Fleisch?"

Diese Frage nahmen wir zum Anlass ihr anhand von Bildern und Kindgerechten! Videos zu zeigen wie Tiere gehalten werden. Sie verstand sehr schnell warum wir kein Fleisch essen. Denn sie sagte: "Tiere wollen genauso leben wie wir, deshalb essen wir kein Fleisch!" das war für sie nur logisch. Aber sie verstand nicht warum wir dann irgendwann anfingen keinen Käse mehr zu essen.
Ich muss dazu sagen, mit WIR sind Britta und ich gemeint. Wir überließen es unserer Tochter zu entscheiden ob sie weiterhin Vegetarierin blieb oder wie wir Vegan leben wollte. Und diese Entscheidung ist letztendlich noch nicht abgeschlossen.
Shaya trinkt keine Milch, aber sie isst auch gerne mal ein Eis, oder mal Käse bei Oma oder Freunden.
Für sie ist das Leben der Tiere stark abhängig von dem wie Menschen mit ihnen umgehen. Hier merkt sie, das Kühe doch ganz anders leben können als zum Beispiel in Hessen. Viele Kühe sind auf der Weide, oft sieht man sie sogar mit ihren Kälbern.
Daher ist eine Vegetarische Ernährung für sie gleichwertig mit einer Veganen Ernährung.
Wie lassen sie diese Entscheidung selbst finden, genau wie wir sie entscheiden lassen, ob sie irgendwann Fleisch isst, oder eine andere Religion als den Buddhismus für sich findet. Es ist ihre Entscheidung. Und die akzeptieren wir.

Überhaupt kann Shaya viele Dinge entscheiden. Da es keine Verbote gibt, reden wir viel über das was sich unser Kind wünscht, da sie Taschengeld erhält kann sie sich viele ihrer kleinen Wünsche selbst erfüllen und die großen, die besprechen wir. Sie weiß das wir nicht so viel Geld zur Verfügung haben und es gab oft Situationen da wollte sie für uns einkaufen, sei es nun Katzenfutter oder Nahrung. Shaya hat gelernt zu teilen. Sie kauft oft von ihrem Taschengeld Hundeleckerlies weil sie der Meinung ist Blue bräuchte hin und wieder eine Belohnung. Ich lass sie, es ist ihr Geld.
Unsere Art von Miteinander kann ich nicht Erziehen nennen, es ist eine Beziehung die durch Achtsamkeit und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Ich erziehe nicht, ich begleite.

Es gibt in unserer Beziehung keine Verbote (ausgenommen solche die sie gefährden), sondern Absprachen, wir diskutieren über Dinge die ihr nicht gefallen. Es gab nie einen Tag an dem wir sie haben weinen lassen. Wenn sie etwas auf dem Herzen hat, so kann sie immer zu uns kommen, dafür sind wir da.
Uns gab es die ersten Jahre nur im Dreierpack, egal wo ich war, Shaya war dabei. Wir haben erst mit dem Kindergarten angefangen Shaya auch mal bei anderen Menschen zu lassen.
Diese Zeit des Abnabelns tat uns allen dreien weh. Es war nicht einfach sie gehen zu lassen, aber es war notwendig. Denn Shaya ist ein Einzelkind, sie hatte keinen Kontakt zu anderen Kindern, weil ich keinen Kontakt zu anderen Müttern hatte.
Wir lebten sehr für uns. Wir drei und ein paar Freunde. Am Anfang dachte ich noch, ich müsste Shaya mit anderen Kindern zusammen bringen. So war ich wie fast jeder Mutter mit ihr in Krabbelgruppen. Aber das ging nach hinten los, unser Kind wollte nicht mit anderen Kindern spielen. Sie zeigte nicht das typische neugiere Verhalten anderer Kinder. Sie wollte nur uns.
Also akzeptierten wir ihre Entscheidung.
Mit Eintritt des Kindergarten veränderte sich ihr Verhalten nicht sonderlich. Sie ging nicht gerne in den Kindergarten. Die Kinder waren ihr zu laut und zu wild.
Raufereien lehnte sie ab. Sie war sehr friedlich und sehr sanftmütig.
Es gab sowas nicht wie Trotzphasen, auf den Boden werfen oder lautes Geschrei. Soetwas kannten wir nicht. Shaya war von sich aus ein sehr leises nachdenkliches Kind. Mit etwa 1,5 Jahren kam Emolie in unser Leben. Shayas "imaginäre" Freundin. Emolie gehörte ab da mit zu unserem Alltag, sie aß mit uns am Tisch, Shaya sprach mit ihr, sie spielte mit ihr. Emolie stellte Fragen die Shaya dann an uns weiter reichte.

Als Shaya etwa 5 Jahre alt war, verschwand Emolie. Shaya erklärte uns: "Emolie ist nachhause gegangen und kommt nicht mehr!"
Damit war das Thema beendet. Wir haben am Anfang immer mal wieder nach ihr gefragt wie es ihr geht, jetzt da Emolie nicht mehr da ist, aber Shaya hat immer nur gelächelt und gesagt es geht ihr gut. Heute kann sie sich nicht mehr an Emolie erinnern, obwohl sie einen so intensiven Anteil an ihrem Leben nahm.
Ich erinnere mich gerne an die Zeit mit Emolie zurück. Sie gehörte einfach mit zu unserer Familie, fast wie ein unsichtbares Kind begleitete sie unsere Tochter bis sie in den Kindergarten kam.

Shaya hatte anfangs Probleme sich im Kindergarten zurecht zu finden. Es gab auf einmal Verbote, Regeln, laute Kinder, wütende Kinder. Kinder die etwas taten das anderen Kindern schmerzen bereitete.
Shaya verstand nicht warum Kinder anderen Kindern weh tun.
Und so sprachen wir oft darüber das jedes Kind anders ist. Wir sprachen über Individualität. Und das verstand Shaya. Jedes Kind ist anders, kein Kind ist gleich. Jeder Erwachsene ist anders, kein Erwachsener ist gleich.
Shaya hat noch nie irgendjemanden weh getan, das kennt sie nicht. Für sie ist Schmerz etwas so unangenehmes, dass sie gar nicht auf die Idee kommt anderen Schmerz zuzubereiten.
Und sie versteht auch nicht, warum andere Kinder so lange weinen müssen, bis Erwachsene reagieren.
Wenn sie weint sind wir da und zwar immer. Wenn sie Probleme hat, dann sind wir da und versuchen das Problem zu lösen. Und wenn wir es nicht lösen können, dann versuchen wir Kompromisse oder Alternativen zu finden.
Während der Kindergartenzeit wurde mir klar, das die Schulzeit nicht einfach wird. Shaya will sich nicht anpassen. Im Kindergarten ging es die komplette Zeit über darum das sie sich anzupassen hat. Am Anfang wählten wir den Waldorfkindergarten, darin fühlte sich Shaya geborgen. Sie wurde als Individuum geachtet. Nur leider schloss der Waldorfkindergarten, also wählte wir als Alternative, den Waldkindergarten. Auch hier ging es ihr - bis auf die Anpassungsschwierigkeiten gut. Dann kauften wir unser Haus und zogen um, es gab weder einen Waldorfkindergarten in unserer Nähe, noch einen Waldkindergarten. Also entschieden wir uns schweren Herzens für einen Dorfkindergarten, in der Hoffnung, dass sie dort Freunde findet die dann auch mit ihr in die Schule gehen.

Dieser Kindergarten war aus heutiger Sicht ein Fehler, denn Shaya fühlte sich absolut nicht wohl, sie entwickelte psychosomatische Probleme, wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen.
Ich lies sie oft zuhause, weil es ihr nicht gut ging. Erst nachdem die Leiterin wechselte blühte unser Kind etwas auf, wir erfuhren im Nachhinein, das die alte Leitung oft streng zu den Kindern war. Einige Kinder mussten in der Ecke sitzen, wenn sie andere Kinder hauten. Für Shaya war das unbegreiflich, die Kinder taten ihr leid. Sie selbst kam nie in diese Situation, sonst hätten wir eingegriffen.

Was ich nicht verstand war, dass die Eltern diese Art von "Erziehung" zu ließen. Ich sprach oft mit den Kindergarteneltern und alle fanden den Kindergarten toll. Das war die Zeit in der ich sehr unsicher war. Ich hinterfragte unseren Stil des Miteinanders. Shaya war anders als andere Kinder. Sie war empathischer und ruhiger. Sie konnte sich gut auch selbst beschäftigen und sie liebte es Hörbücher zu hören. Wutanfälle gab es nicht und auch später mit dem Eintreten in die Schule wurde sie zwar mal Sauer, aber nie so, dass sie brüllte. Sie sagte: "Ich finde euch ungerecht und gemein" oder: "Ihr seid gerade richtig ätzend!"
Oder: "Ich fühle mich gerade scheiße!" Das ist ihre Art uns zu zeigen, dass sie mit dem was wir tun nicht einverstanden ist. Das ist auch unsere Art zeigen, dass wir mit irgendwas nicht einverstanden sind.
In unserer Familie darf man wütend sein, sie dürfte auch schreien, sogar Türen zuwerfen. Sie darf das, weil sie es fühlt. Und das was sie fühlt nehmen wir sehr ernst.
Sie geht im Grunde genommen mit Wut genauso um wie wir, ich brülle mal Scheiße, ich weine auch mal. Aber ich atme danach durch und die Welt dreht sich weiter.

Ich begriff bereits kurz nach der Geburt, das unser Kind unsere Art mit der Welt umzugehen spiegelt. Das was wir tun, ist für sie richtig, das was wir nicht tun, ist für sie falsch. In der Schule kam das besonders zum Vorschein. Wenn Shaya mit etwas nicht klar kommt, dann äussert sie das sehr direkt.
Während sie im Kindergarten noch die Alternative hatte, hin und wieder zuhause bleiben zu dürfen, war das in der Schule anders.
Es galt die Schulpflicht.

Für so sensible und behütete und dennoch freiheitsbewusste Kinder wie Shaya kann eine Regelschule zum Problem werden. Und sie wurde zum Problem. Shaya liebt die Natur, sie liebt es Vorgänge innerhalb der Natur zu beobachten. Sie mag Magnete, sie mag Energien, sie liebt Erde unter ihren Fingern. Sie mag Blumen und Gräser und Tiere. Sie findet es spannend wenn wir ihr ihre Fragen beantworten. Sie mag es, wenn wir gemeinsam im Internet auf die Suche gehen und uns über alle möglichen Dinge informieren. So hat sie bereits erste Erfahrungen in Physik, Chemie, Biologie, Astronomie und Sozialkunde machen können, bevor sie überhaupt in die Schule kam. Weil das alles Dinge sind die mich auch interessieren. Sie findet das Universum spannend. Und sie liebt es die Sterne zu beobachten.
Die Schule fand sie von Anfang an langweilig und das überforderte sie enorm. Sie saß manchmal stundenlang an Hausaufgaben, die für sie nicht verständlich waren.
Ihr Kopf war woanders. Auch entwickelte sie eine komplett andere Art des Schreibens, sie verzierte ihre Buchstaben mit Klingeln und kleinen Symbolen, als die Schule dann mit der einfachen Ausgangsschrift anfing, fing Shaya an Probleme beim Schreiben zu entwickeln.
Sie entwickelte nach Prüfung der Schule eine Legasthenie.

Es gab Momente da geriet ich mit Britta in Streit, denn ich merkte einfach, dass diese Art der Schule unser Kind auffrisst, Britta dachte bis zu diesem Zeitpunkt ich übertreibe. In der zweiten Klasse hatte Shaya fast nur noch Bauchschmerzen und weinte jeden Morgen. Ich hasste es, sie zur Schule zu schicken. Wie gerne hätte ich sie einfach zu Hause gelassen. Aber wir sind Regenbogeneltern, wenn wir nicht nach einem System handeln, werden wir eher beäugt als andere Eltern und dann schadet es nur unserem Kind. Also nahm ich mich zusammen. Aber ich litt mit meiner Tochter.

Dann wurde Britta pensioniert, es kam wie aus dem heiteren Himmel. Sie hatte vor Jahren einen Dienstunfall und ihr Bein wurde dreimal operiert. Sie behielt eine Behinderung zurück und da man sie nicht so einfach kündigen konnte, pensionierte man sie.
Dadurch das sie zuhause war bekam auch sie die Veränderung unserer Tochter mit, dieses Leid morgens bevor sie zur Schule musste.
Durch die Pensionierung veränderte sich unser Leben.

Uns war beiden klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Wir zogen nach Norddeutschland und somit hatte Shaya die Chance auf eine neue Schule. Shaya brauchte etwas anderes als diese "normale" Regelschule, sie brauchte auf der einen Seite mehr Input und auf der anderen Seite musste der Hausaufgaben und Notendruck genommen werden. Also entschieden wir uns für eine Waldorfschule.
Shaya geht seit 2 Monaten auf die Waldorfschule und ich wir sehen eine große Veränderung in ihr, kein Leid mehr morgens nach dem Aufstehen, sie ist gelöster, freier, gelassener und freut sich auf den Unterricht. Sie erzählt uns was in der Schule passiert und trifft sich auch hin und wieder mit ihren Freunden. Sie ist immer noch gerne für sich, aber sie geht mehr aus sich heraus, sie hat hier Hobbys angefangen, sie hat angefangen Gitarre zu lernen.
Ich merke wie mein Kind wieder auftaut, wieder fröhlich ist und das macht mich Glücklich.

Shaya ist anders als andere Kinder und ich glaube mittlerweile das es daran liegt, das sie bereits als Baby anders gesehen wurde. Wir haben von Anfang an, Erziehung abgelehnt. Und ich bin immer noch der Meinung, man muss Kinder nicht erziehen, alles was sie brauchen ist einen liebevolle Begleitung und ein gutes Vorbild.
Durch ihre Introvertiertheit und ihre Empathie ist Shaya sehr empfindsam und empfänglich für die Bedürfnisse anderer Lebewesen. Schon im Kindergarten hat Shaya mit Kindern gespielt die kleiner und zarter waren. Gerade mit Behinderungen kommt sie wundervoll zurecht, sie ist sehr achtsam und geht jedem Streit aus dem Weg.
In der neuen Schule hat sie sofort Freundschaft mit einem Mädchen geschlossen das auf einem Auge blind ist. Shaya wertet nicht. Für sie zählt nur der innere Kern, nicht das äussere Gewandt.

Als Shaya noch nicht geboren war, habe ich mir oft gewünscht einen kleinen Wildfang zu bekommen, eines dieser Kinder die auf Bäume klettern und dabei laut brüllen.
Stattdessen bin ich Mutter meines eigenen Ebenbildes. Wenn ich Shaya ansehe, sehe ich mich selbst wie ich gewesen wäre, hätte ich eine Mutter gehabt wie ich es bin.
Auf der einen Seite macht es mich Glücklich, auf der anderen Seite hätte ich mir gewünscht dass sie es leichter hat, diese Sensibilität kann Trauer anziehen.

Aber ich glaube, das dieses Kind zu uns gekommen ist, weil wir so sind wie wir sind.
Und ich bin davon überzeugt, dass sie uns genau gezeigt hat was wir tun müssen, damit sie Glücklich wird.
Und das sie Glücklich ist, das zeigt sie uns jeden Tag. Ich höre ihr Singen, ich höre sie lachen. Fast jeden Tag erzählt sie uns über die Dinge in ihrem Leben, die kleinen und großen Wunder die ihr begegnen.

Noch heute bin ich froh über dieses kleine buddhistische Buch das uns geschenkt wurde, so konnten wir fern von gesellschaftlichen Systemen unser Kind schützend aufnehmen. Wir haben gelernt auf ihr Wesen einzugehen und wir haben uns ihr angepasst und nicht umgekehrt.

Ein Kind zu bekommen in dieser Welt bedeutet für viele Menschen Verzicht. Verzicht auf Bequemlichkeit. Viele Eltern erwarten das sich der kleine Mensch anpasst, damit sich ihr altes Leben nicht verändert. Unsere Gesellschaft tut ihr übriges dazu, so haben heute Eltern die Möglichkeit ihr Kind gleich nach der Geburt im Hort unterzubringen, danach kommt es in den Ganztageskindergarten und danach in die Schule. Es gibt Eltern die verbringen am Tag nur maximal 2 bis 3 Stunden mit ihrem Kind. Die Erziehung findet dann in diesen wenigen Stunden statt in Form von Regeln.
Heutige Kinder lernen sich anzupassen, auf das angepasste Erwachsene aus ihnen werden.
Gesellschaftlicher Druck fordert seinen Preis.

Wir wissen alle das Druck nur Druck erzeugt. Die Psyche eines Menschen leidet darunter enorm. Aber die meisten Menschen befinden sich in einem Hamsterrad indem kaum ein Ausweg zu sehen ist.

Bevor wir unsere Tochter bekamen, hab ich einen Eid abgelegt. Ich habe geschworen alles zu tun, damit ich eine gute Mutter werde.
Damals dachte ich noch eine gute Mutter ist man, wenn man sich bestimmten gesellschaftlichen Regeln unterwirft. Heute weiß ich, eine gute Mutter ist man, wenn man alles dafür tut, damit das Kind glücklich ist. Materielle Dinge können wir unserer Tochter nicht bieten, Geld ist uns unwichtig, alles was wir ihr geben können, ist - das wir sie sehen, das wir sie ernst nehmen, das wir achtsam mit ihrer Seele sind. Nicht ich habe mich zu einer guten Mutter gemacht, sie hat mich gelehrt eine achtsame Mutter zu sein - ob ich eine gute Mutter bin, wird sie mir eines Tages zeigen. In unserer heutigen Zeit kommt die Zeit miteinander viel zu kurz.
Man lernt kein Kind kennen, wenn man es nur 2 Stunden am Tag sieht.
Wir hatten ganz viel Glück denn ich war die komplette Zeit über zuhause und so konnte ich die kleinen und großen Veränderungen im Inneren meiner Tochter wahrnehmen. Viele Eltern sind durch ihren Beruf gezwungermaßen leider nicht in der Lage so viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Elternzeit ist für mich Arbeit an mir selbst. Ich muss immer wieder hinterfragen ob das was ich tue wirklich richtig ist. Und ich muss mich in diese kleine Seele hinein versetzen, das Erwachsene ICH ein Stück beiseite schieben und mir mein inneres Kind ansehen. Erst dann verstehe ich wirklich wie es meiner Tochter geht.

Heute morgen dachte ich darüber nach, warum ich noch nie einen Elternratgeber geschrieben habe. Es gäbe so viel zum Thema Erziehung zu sagen. Alle Konzepte die ich bisher gelesen habe, waren für mein Kind nicht gut genug, weil es immer wieder darum ging, den Willen des Kindes zu brechen.
Viele dieser Erziehungsratgeber gehen von Anfang an davon aus, dass das Kind schwierig ist, das es Probleme innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung gibt. Wenn man als Neugeborene Mutter diese Zeilen liest, dann interpretiert man zu leicht hinein, dass es bei allen Kinder gleich ist. Und man fängt an zu Erziehen unabhängig der Individualität des Kindes.

Und darin sehe ich ein großes Problem.
Kinder kommen auf diese Welt ohne Probleme, sie haben auch nicht vor Probleme zu verursachen. Alles was sie wollen ist angekommen. Im Bauch hatten sie es noch mollig warm, dort stimmte alles. Alles war auf sie vorbereitet. Und nach der Geburt erleben sie die Welt in ihrer gänzlichen Härte.
Es ist hell und kalt und nirgends gibt es eine Begrenzung, keine Bauchwand die sie berühren können. Keine Sicherheit, keine Geborgenheit.
Die Welt öffnet sich wie ein großer Schlund ins Ungewisse.

Ich vergleiche dieses Trauma gerne mit der Vorstellung, man geht durch eine Zimmertür und auf einmal steht man mitten in der Wüste. Überall nur Sand und Hitze, über einem die Weite des Himmels. Die Füße brennen auf dem heißen Sand und man man bekommt kaum Luft. Und wenn man sich umdreht um die sichere Tür wieder zurück in den Raum zu erreichen, ist die Tür verschwunden und somit auch der Raum. Es ist so als hätte es niemals eine Tür gegeben und niemals diesen Raum.
Das Leben beginnt von vorne und der Mensch macht einen Schritt in eine Umgebung die er weder kennt noch schön findet.
Erwachsene Menschen können an so einer Veränderung zerbrechen, sie brauchen ihren Schutzraum, ihre Insel.

Von Babys erwartet man einfach das sie sich anpassen.
Und das von Anfang bis zum Erwachsensein.

Ja das Leben ist hart, aber gerade deshalb brauchen wir schützende Hände, damit wir sachte aufgefangen werden, während wir fallen.

Mir ist bewusst das sich die eine oder andere Mutter angegriffen fühlen könnte. Ich möchte ihr gerne sagen: Glaub mir ich möchte nicht angreifen, du tust das Beste für dein Kind und das glaube ich dir. Alles was ich mit diesen Sätzen möchte, ist zum Nachdenken anregen.
Jede Mutter tut das Beste, das was für sie Möglich ist und fast jede Mutter liebt ihr Kind, mehr als sich selbst - das stelle ich nicht in Frage.
Das einzige was ich wirklich in Frage stelle, ist das Leben, unsere Gesellschaft die mich zum Freak macht, weil ich Erziehung ablehne. Die erwartet das kleine Menschen sich anpassen an ein System das sie mit ihren Nöten und Gefühlen nicht wahr nimmt. Es ist nicht die Mutter oder der Vater, es ist unsere Gesellschaftsform die ich hiermit öffentlich kritisiere. Ich bin für die Kinder dieser Welt. Denn sie brauchen viele Stimmen, damit sie endlich erhört werden.


Ich ende hiermit und hätte mir so gewünscht euch einen Link zu dem buddhistischen Buch zu hinterlassen. Aber ich habe es nicht im Internet gefunden. Sollte ich es noch finden, werde ich es hier einfügen. Es ist wirklich empfehlenswert.

Euch alles liebe von der Jo



Montag, 28. März 2016

Refugees wellcome - Ein Frühstück mit zwei jungen Frauen aus Eritrea




Mein Frühstück mit zwei jungen Flüchtlings Frauen aus Eritrea



Meine Freundin Yolanda arbeitet ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung. Dort lernte sie Azra und Merat kennen, die beiden nennen Yolanda liebevoll Mami.

Heute trafen wir uns mit den beiden Mädchen zum Frühstück.

Azra und Merat sind vor zwei Jahren aus Eritrea geflüchtet. Ein langer Weg bis nach Deutschland. Wir haben uns auf Deutsch unterhalten, denn überraschenderweise spricht vorallem Azra ganz gut deutsch. Sie erzählt das sie jeden Tag lernt.
Sie backten für uns  einen "Kuchen" den sie zum Frühstück mitbrachten. Eine Art warmes süsses Brot, sehr sehr lecker. Bestehend aus: Weizenmehl, Wasser, Öl, Salz, Zucker und Hefe. Dieses Brot wird in der Pfanne gebacken und sieht aus wie ein großer Fladen. Ich liebe es!

Die beiden waren sehr liebenswert, sie lachten viel. Und weil meine Freundin Volanda nur klassische Musik hatte, spielten wir über Youtube Musik aus Afrika.
Beide kommen aus Eritrea (in Eritrea spricht man  9 verschiedene Sprachen, im Nachbarland sind es 38!). Der Name Eritrea heißt übersetzt: Rotes Meer.

Während Azra irgendwann die scheu verliert und über ihr Leben hier erzählt ist Merat, die jüngere von beiden, eher schweigsam und lächelt viel. Auch wenn sie keine Geschwister sind, fühle ich die Verbindung zwischen den beiden, eine tiefe Freundschaft, es ist die Sprache die sie verbindet, das Land, das gemeinsame Leid, die Freude nicht alleine zu sein, sich auf der Flucht gefunden zu haben.

Beide, hatten einen sehr langen Weg bis nach Deutschland. Sie sind mehrere Wochen durch die Wüste gelaufen, sie hatten kein Essen und nur ganz wenig Wasser. Azra erzählt, dass sie irgendwann an den Punkt kam, da war Leben oder Tod egal, sie ist einfach nur automatisch gelaufen, Tage lang, Wochen lang. Die Zeit war Egal.
Von Sudan aus sind sie dann teilweise mit Autos gefahren (eine teure Angelegenheit), Hier sind viele Menschen gestorben, erzählten die Mädchen. Weitere Menschen starben auf dem Schiff.

Die Vorstellung, dass Flüchtlinge alle Geld haben ist total irrwitzig. Für die Mädels haben die Verwandten alles zusammengetragen was sie hatten und das Geld haben die Mädchen bei sich am Körper getragen. Ihre Verwandten in Eritrea sind jetzt arm. Eltern und Geschwister mussten sie zurück lassen. Alles was sie noch haben ist das Handy, dass sie mit ihrer Familie verbindet. Ohne dieses Handy wären sie verloren. Sie halten es fest als sei es das kostbarste das es gibt. Heute hat Azra ein älteres Handy von Yolanda geschenkt bekommen, denn ihres gibt so langsam den Geist auf. Azra strahlte über das ganze Gesicht. Azra und Merat sind Christen, vor dem Frühstück waren sie etwas unsicher und so sagten wir ihnen sie können ruhig beten wenn sie das wollen. Also beteten sie während wir ruhig warteten. Zur Zeit fasten beide und so  gab es nur eine Suppe, das Kuchen-Brot und einen Kaffee mit Hafermilch.

Wir hielten uns mit Fragen zurück und ich erzählte ihnen nicht, das Britta und ich verheiratet sind. In Eritrea ist Homosexualität verboten und wird bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft. Ich wollte die Mädchen nicht in Verlegenheit bringen. Azra fragte mich, mit einen Blick auf Shaya, ob ich noch mehr Kinder habe, als ich nein sagte, sah sie mich mit großen überraschten Augen an. Ich sagte ihr wahrheitsgemäß das ich keine Kinder bekommen kann. Da nickte sie verständnisvoll und wir lächelten. Azra erzählte sie habe noch 6 Schwestern und einen Bruder, Merat sagte, sie habe 5 Schwestern und drei Brüder.

Die beiden Leben in Groß-Umstadt.  Ihre kleine Welt besteht aus dem Wohnraum in dem sie leben und dem Handy, dass sie mit ihren Verwandten in Eritrea verbindet und aus der innigen Freundschaft die entstanden ist auf der Flucht vor den Gefahren in ihrem Land.

Azra und Merat haben Träume, sie träumen davon Kindergärtnerin zu werden, oder Köchin. Sie würden gerne einen deutschen Mann heiraten und mindestestens 3 Kinder bekommen. Auf die Frage ob sie wieder zurück wollen, schauen mich beide nur lächelnd an. Keine antwortet - ich kann mir vorstellen das die Gedanken an Zuhause überschüttet sind mit vielen Erinnerungen.

Als sie kamen war die Begrüßung formell und sehr Deutsch, doch als wir gingen verabschiedeten wir uns mit einer Umarmung und einem tiefen Gefühl von Zuneigung. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit den beiden und ich wünschen ihnen, dass sich ihre Träumen erfüllen mögen. 

Heute habe ich mal wieder zwei Menschen mehr in mein Herz geschlossen... 

Warum sie geflüchtet sind, hat keiner von uns gefragt, es kam uns einfach nicht in den Sinn. Im Auto habe ich dann darüber nachgedacht und ich kam zu der Erkenntnis: Alles was wirklich zählt, ist das Überleben. Azra und Merats Familie wollten das die beiden Mädchen überleben und sie hatten ihre Gründe warum sie die beiden losgeschickt haben - die Gefahr während der Flucht, war nicht so schlimm, wie die Gefahr im eigenen Land. Sie hatten ihre Gründe - Nur das zählt. 
Alles andere ist Irrelevant. 

In diesem Sinne

Refugees wellcome!!!

Namasté eure Andarnil 




Montag, 22. Februar 2016

Wir sind EINS! An meine Frau



Heute vor 14 Jahren haben Britta und ich "geheiratet"* genauer gesagt vor 14 Jahren und einer halben Stunde (11 Uhr Standesamt Pfungstadt, wir waren die ersten lesbischen Frauen vor einer sehr aufgeregten Standesbeamtin). Und vor 18 Jahren wurden wir zu einem Paar (21 März 1998).

Die Zeit vergeht unglaublich schnell und das was wir gemeinsam erlebt haben, lässt sich nicht in diesem Blogbeitrag zusammenfassen, dazu braucht es ein Buch mit Hunderten von Seiten.

Aber in kurzen Worten ergibt es ein unglaublich schönes gemeinsames Leben, voller Liebe und Geborgenheit.

Meine geliebte Frau

Ich danke dir von ganzen Herzen für diese tollen Jahre an deiner Seite. Du bist der Beste und Liebste Mensch den ich je kennen lernen durfte. Eine Seele von einem Menschen.
Du hast mir die Liebe, die Welt eröffnet - ich bin an deiner Seite gewachsen und geheilt. Es gibt nichts was mir je gefehlt hat, denn du hast mir jeden noch so kleinen Wunsch erfüllt - einfach weil es dich gibt, weil wir zusammen sind, weil du meine Sinne vollständig ausfüllst.
Kein Mensch auf dieser Welt könnte mir das geben, was du mir gegeben hast.- Du hast mir ein Kind geschenkt, das ich selbst nie hätte bekommen können und damit hast du zu unserer wundervollen Zweisamkeit noch einen kleinen Menschen hinzugefügt - der uns beide vollständig erfüllt. Du bist die Frau meines Lebens. Die beste Freundin, Geliebte die sich ein Mensch nur vorstellen kannst.
Noch immer fühle ich dieses Kribbeln im Bauch wenn wir nicht zusammen sind, die Schmetterlinge voller Sehnsucht umkreisen meine Gedanken. Das ist so einmalig und wundervoll das mir manchmal die Worte wegbleiben und manchmal kommen mir die Tränen wenn ich dich nur ansehe.
Ich liebe dich wie man nur einen Menschen lieben kann.


Du bist Eins mit mir.

DANKE Liebes für alles!!

Deine Jo










*Eingetragene Lebespartnerschaft