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Donnerstag, 6. Juli 2017

Die Würde des Menschen...



Offener BRIEF (Ich wende mich an alle Politiker die für uns einstehen, ich wende mich an alle Menschen).


Es ist wirklich ganz furchtbar was ich seit dem 30.6. 2017 täglich lesen muss, ich habe damit gerechnet, gerade von Seiten der CDU/CSU, dass sie sich gegen das Gesetz der Ehe für alle zur Wehr setzen. Aber womit ich nicht gerechnet habe, ist der Hass der uns von Seiten Ehe-für-Alle-Gegnern, Homophoben Menschen, Rechtsextremisten und der katholischen Kirche entgegen gebracht wird. Ganz übel und heftigst brutal wird in Kommentaren sprachlich gegen uns und unsere Familien gehetzt. Wir werden mit Tieren verglichen, uns wird vorgeworfen wir seien Pädophil, wir seien krank.
So etwas hinterlässt bei mir ein Gefühl der Scham, ich schäme mich für diese Menschen die in meinem Land leben, in dem ich geboren bin. Ich fühle mich nicht mehr als Deutsche. Im Gegenteil es dauert nicht mehr lange und ich möchte flüchten.

Dabei gibt es für diesen Hass überhaupt keinen Grund. Wir tun niemanden etwas, wir nehmen niemanden etwas weg, im Gegenteil, durch uns wird die Ehe sogar aufgewertet.

Was hier passiert ist eine Schande für Deutschland. Das ist keine Demokratie, sondern Demagogie.

Wir sind Menschen die Frei leben möchten, die sich für eine Ehe entscheiden, weil wir unsere Partner/Innen und unsere Kinder absichern möchten. Wir schätzen die Ehe, weil sie für uns noch Wertvoll ist. Wir sind Menschen, Menschen mit einem Gerechtigkeitsbewusstsein, Gläubige Menschen, Menschen in unterschiedlichen Berufen, Menschen die in der Gesellschaft untergehen, da man unsere Homosexualität nicht erkennen kann. Und genau so soll es sein. Denn wir sind schon seit Menschengedenken Teil dieser Welt.
Und deshalb fordern wir Gerechtigkeit, nicht mehr und nicht weniger.
Wir fordern Respekt, denn eine Toleranz wurde uns all die Jahre gebilligt. Das ist und war nie genug. Toleranz heißt, dass man uns als Minderheit betrachtet. Als Minderwert. Das ist nicht das was wir brauchen, wir brauchen das Gefühl Teil des Ganzen zu sein, Teil aller Menschen, unabhängig des Geschlechts, der Sexualität, Religion, Hautfarbe und Nationalität.

Ich möchte dass es endlich aufhört, dass wir angefeindet werden, verprügelt werden, gehasst werden, getötet werden, abgeschoben, ausgestoßen. Ich möchte mit meiner Familie frei sein dürfen. Ich möchte dass unser Kind endlich als Mensch unter Menschen - Kind unter Kindern akzeptiert wird. Und das möchte ich für jeden Homosexuellen, Bi-Sexuellen, Transsexuellen Menschen und deren Kinder. Es wird endlich ZEIT das man uns erhört. Wir haben eine Stimme, wir haben eine Würde. Die Würde des Menschen ist unanstastbar. Unsere Würde wurde und wird mit Füßen getreten. Ich will das nicht mehr hinnehmen. ICH RUFE HIERMIT ZU EINER STILLEN FRIEDVOLLEN DEMONSTRATION AUF.

Wenn ihr der Meinung seid ist es reicht! Dann teilt meinen Beitrag!

#ICH bin #MUTTER!
#ICH bin #Homosexuell!
#ICH bin #MENSCH!

DANKE fürs Lesen

Johanna Schlitzkus, Mami einer 9 Jährigen Tochter (die ich nicht geboren habe, aber die ich über alles liebe und für dieses Kind kämpfe ich, auf dass sie ihre Rechte niemals erkämpfen muss), Ich bin Frau einer wundervollen Frau.

Samstag, 1. Juli 2017

Jo im Regenbogen


Es war ein wunder - wundervoller Tag und noch immer zehre ich von diesem Glück. Ja wir haben es endlich geschafft. Wir dürfen heiraten. Dieser Tag fing bei mir um kurz nach fünf an und wird wohl lange nicht enden, denn ich bin noch voller Endorphine, voller Serotonin.

Das ist MEIN Tagebuch für heute:



Tagebuch - Unser Tag

Wir saßen zusammen auf den Bett und ich hatte insgesamt 3 Seiten geöffnet: Bundestag, ZDF und Spiegel Online. Als dann klar war wir haben die Mehrheit für einen Antrag sind wir das erste Mal in Tränen ausgebrochen und ich konnte ein Freudenschrei nicht zurück halten. Britta nahm meine Hand und küsste sie. Eine Chance endlich. Zwischendurch hatten wir Probleme mit dem Streamen und als dann die Kantine eingeblendet wurde rastete Britta fast aus.
Die Rede von Kahrs und Beck fand ich am beeindruckendsten. Bei Kahrs hatte ich das Gefühl endlich darf er das sagen was er all die Jahre unterdrückt hat. Grossartig. Volker Beck hätte ich am liebsten geknutscht.

Als es dann endlich zur Auszählung kam machte unser Internet dicht.
Aber dann erfuhren wir es, ich hab geschrien und bin auf dem Bett herumgehopst. Ich muss so laut gebrüllt haben, dass Shaya aus ihrem Zimmer kam. Wir haben geweint und uns umarmt, dazwischen unser Kind das sich mit uns mit freute. Britta sah mir in die Augen und sagte: "Meine Frau endlich!"

So emotional und überglücklich.
Es war der Wahnsinn.
Heute abend werden wir mit unseren Freunden feiern. Auch sie haben vor dem PC gesessen zwischen ihren Kindern und auch sie werden heiraten, als wir uns heute morgen sahen gab es Umarmungen und gegenseitige Glückwünsche. Die Freude ist Bombastisch. Unsere Kinder werden Blumenmädchen sein, das steht schon fest.

Ich bin immer noch am weinen, während ich hier sitze, auf dem Weg zu Ikea. Wir haben erst vor ein paar Tagen unsere Ringe gefunden -nach all den Jahren ohne Ring. Trag ich sie nun mit Stolz.

Ich liebe dich unendlich meine Frau und ich freue mich auf unsere Hochzeit. Endlich!!! ❤❤❤


Fazit heute:

In der Welt Online lese ich: "lesbisches Liebespaar und zur Hochzeit soll die Kanzlerin kommen",ich lese von einer Ronja die ihr Leben in Abhängigkeit von Merkel sieht.
In der FAZ lese ich, dass sich ein angeblich schwuler Mann unter einem Pseudonym absolut homophob über die Ehe für alle und den damit verbundenen "Selbstverrat" ausgelassen hat. Und über den Flashmob den er ausgelöst hat. Eigentlich wollte ich mehr lesen, aber dann überkommt mich dieses leise Gefühl von Bitterkeit, einen Moment lang zumindest, bis mein Serotonin wieder die Überhand gewinnt.

Was passiert mit den Menschen da draußen, was macht es mit ihnen, dass wir (das fast möchte ich hier streichen) gleichgestellt sind?
Wen außer uns, sollte es tangieren?
Wieso fühlen sich alle verpflichtet sich zu äussern, zu kommentieren, wütend zu sein, voller hass zu sein?
Viele behaupten: Wir sind nicht homophob, wir haben nur unsere (homophobe) Meinung und ihr solltet Tolerant genug sein, das zu akzeptieren, ihr erwartet ja auch Toleranz von uns. Und ich denke mir: Ist euch nicht bewusst wie schwachsinnig dieser Satz ist, er spiegelt mehr als nur eine homophobe Sicht. Er zeigt euren egozentrierten Stand in der Gesellschaft - so was wie: "Ich habe ältere Rechte als du und ich habe nicht vor meine Rechte mit dir zu teilen und das hast du gefälligst zu akzeptieren!". Als würde euch die Ehe gehören, als hättet ihr sie im letzten Supermarkt gekauft.

Manche greifen öffentlich an, drohen mit Karlsruhe, andere geben sich geradezu heroisch: "Ihr werdet es erleben wenn die Islamisierung kommt, seid ihr als erstes dran". Viele schwören es läge nur an den Sozialisten und dem linksversifften Pack. "Und die Merkel wird es sehen, wir lassen uns nicht von ihr verkaufen".
Verkaufen? Wen hat sie verkauft?? Ich verstehe es nicht.

Deutschland begibt sich auf die rechte Seite und merkt es noch nicht mal. Ich habe selten so einen scheiß gelesen wie: "Kann ich meinen Hamster auch heiraten?" oder: "jetzt gibt es auch die Kinderehe und die Vielehe, wir sind jetzt so weit, die Moslems haben es ja vorgemacht!"

Erschreckend wie unreflektiert und wie unglaublich dumm manche Kommentare sind.
Und bei all dem fühle ich mich wie auf einer Samtblauen Wolke, ganz oben. Die Bitterkeit war nur eine Sekunde und dann hat mich wieder das Glück eingeholt.

Es ist als wäre ich in Watte getaucht, egal was kommt, den heutigen Tag, die heutige Nacht kann uns niemand nehmen.
Daran halte ich mich fest, trotz des öffentlichen Hass, trotz der Widerlichkeit so mancher Kommentare.
Was immer da in den Köpfen der Menschen vor sich geht, es kam heute ganz deutlich zu Tage. Wir haben hier in Deutschland gespaltene Persönlichkeiten, sehr viele Rechtsextreme die sich hinter einem C verstecken. Menschen die eine tiefe Wut in sich tragen, gegen alles was nicht in ihr Weltbild passt. So viel Zorn und Gewalt. Was muss passiert sein in ihnen, das so zerstörerisch ist.

Aber wir haben auch die andere Seite, es gab heute viele Gratulanten, viele Menschen die mitweinten und feierten. Es gab Familien die sich für ihre Töchter und Söhne freuten und es gab und gibt einige Partys. In vielen Städten wird gefeiert, das Glück ist sichtbar. So sichtbar wie ein Regenbogen nach einer verregneten Zeit, wenn die Sonne hervorkommt und das Land erhellt.
Ich erlebe sehr viel Liebe und Zuneigung. Nur das zählt, dieses Näherrücken, diese unendlich schöne Liebe. Das Gemeinsame ist wie eine zarte Umarmung. Ich habe selten so geliebt wie heute, es strömte in mir, es floss über vor Mitfühlen und Miterleben.

Kein Mensch kann uns das nehmen, wenn ich an einen Gott glauben würde, wäre dieser Tag Göttlich. Im Buddhismus sagen wir mettâ dazu, allumfassende liebende Güte.
Das ist es was ich heute fühle, für jeden meiner Brüder und Schwestern, jeden der sich involviert fühlt. Von mir aus die ganze Welt, egal ob Homo, Trans oder Hetero. Wir alle sind in meinen Augen nur eine große Familie.

Auch wenn die hass und wutverzerrten Kommentare die andere Seite zeigen, zeigen sie doch nur eine Welt in der ich nicht bin, mit der ich nichts zu tun habe. Diese Menschen können niemals mitfühlen was ich fühle, nie das Glück erleben das ich erlebte als ich heute morgen die Hand meiner Frau hielt während ich gleichzeitig schrie vor Glück und Fassungslosigkeit.
Es ist wie eine warme Welle die mich immer noch umarmt.

Sie tun mir leid, diese wütenden traurigen Menschen. Es wird noch eine Weile so weiter gehen, es werden hasstiraden über den Äther laufen, vielleicht wird es erneut eine Zeit mit Merkel an der Spitze geben, vielleicht versinkt auch irgendwann unsere Welt in einen braun/schwarzen Loch.
Momentan ist mir das egal. Momentan zählt nur dieser Blick in die Augen meiner Frau - MEINER FRAU!!! Und nur das zählt, nur diese tiefe unendliche Liebe die ich fühle.

Möge dieser eine Augenblick nie enden....

DANKE von Herzen, dass es euch liebende mitfühlende Menschen gibt.

Es war ein wundervoller Tag.

Herzlichst eure Jo


Namasté ihr wundervollen Menschen... mein Traum wird sich erfüllen, es darf sein!

Mittwoch, 1. Juli 2015

Ehe für Alle Nr. 2




Es geht weiter und lauter, demütigender, irrationaler, dümmer und ignoranter,  intoleranter.

Die CDU wird diesen Monat ihre Parteimitglieder in Berlin zur Abstimmung aufrufen.
Und zur Zeit versucht sie in einem offenen Brief dahingehend zu manipulieren, die Ehe für alle mit einem NEIN abzustimmen.

Ihre Reden sind wie auswendig gelernt.
Sie argumentieren, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare stelle die Werteordnung der Gesellschaft in einem grundlegenden Punkt in Frage. Die Ehe unterscheide sich von homosexuellen Bindungen zwar nicht in der Wertigkeit der Beziehung oder ihrer Verlässlichkeit, aber in ihrer prinzipiellen Ausrichtung. "Die Ehe ist die lebenslang angelegte Gemeinschaft von Mann und Frau zur Gründung einer Familie, in deren Geborgenheit Kinder aufwachsen sollen." Sie sei nicht mit anderen Lebensformen gleichzusetzen. Eine Gleichstellung von homosexuellen Paaren sei auch in Form der eingetragenen Lebenspartnerschaft und damit ohne Ehe möglich.

Zudem habe die CDU in ihrem Grundsatzprogramm von 2007 ausdrücklich klargestellt, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann. "Daran halten wir fest."

Ja meine Güte bindet euch doch ein rosa Schleifchen um das Grundsatzprogramm!

So langsam bin ich genervt von all diesen gottesfürchtigen Menschen, die statt Nächstenliebe nur das Trennen von menschlichen Bedürfnissen im Sinn haben. Natürlich machen sie Dampf, denn so langsam dürfte es sogar im hintersten Bayern angekommen sein, das sich unsere deutsche Weltordnung modernisiert zeigt und die meisten Menschen die Ehe für alle Unterstützenswert finden. Was mich bei all diesen Dagegen Argumenten wahnsinnig stört, ist die Tatsache das unsere Kinder damit zu Kindern zweiter Klasse werden, ihnen wird das Recht auf Familie abgesprochen und uns das Recht auf Elternschaft.

Während immer wieder das Argument auftaucht die Ehe sei zur Gründung einer Familie da, sind gerade die, die am lautesten dagegen protestieren Kinderlos. Viele sind geschieden. Wenn sich wirklich mal ein Politiker vom "unserem Ufer" traut laut zu sagen: "Und warum hat Merkel keine Kinder?" wird er abgemahnt und kann womöglich gleich sein Handtuch vom Haken nehmen.
Was soll denn das Ganze? Es ist doch zu offensichtich, das diese Argumente schon lange out of order sind. Wer soll das denn noch ernst nehmen. Hören sich die alten C-Politiker eigentlich selbst zu?

Ich versuche mich trotz dieser offen gezeigten Homophobie noch in Toleranz zu üben. Die Politiker die das C am höchsten halten sind wahrscheinlich so alt, dass sie sowieso bald sterben. Es kann sich nur noch um eine kurze Zeit handeln, dann ist diese ganze Diskussion nur noch ein  Eintrag in den Sozialkunde Bücher meiner Enkelkinder, zum Thema Homophobie.

Ich denke ich werde nur im kleinen Kreis heiraten, denn ich vermute mal, das die eingetragene Partnerschaft nicht einfach so umgewandelt wird. Wenn es soweit ist, lass ich es euch wissen... vielleicht nächstes Jahr oder so :)

In diesem Sinne

Es ist egal wen du liebst, genieße es!!!

Ganz liebe Grüße von eurer Jo 



Linktipps zur Ehe für alle:

https://www.fes.de/de/gutachten-verfassungsmaessigkeit-der-oeffnung-der-ehe/

http://www.tagesspiegel.de/downloads/11992176/1/Offener%20Brief

http://justizministerium-bw.de/pb/site/jum2/get/documents/jum1/JuM/Justizministerium%20NEU/JuMiKo/Beschl%C3%BCsse/2015%20Fr%C3%BChjahr/TOP%20I.18%20-%20Ehe%20f%C3%BCr%20alle%20(oA).pdf

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/07/Ehe-fuer-alle-CDU-Berlin-Offener-Brief-Nein.html
https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10153297898594407/
https://www.campact.de/gleichstellung/appell/teilnehmen/?gclid=Cj0KEQjwn86sBRDroPiR0LrSzNYBEiQAzOaSYH6UGDcHwzWlKl2JwtweydubxDMSuo88k_vkMvTjEFEaAkN58P8HAQ

https://www.openpetition.de/petition/online/endgueltige-gleichstellung-der-homo-ehe

https://www.freitag.de/autoren/benjamin-immanuel-hoff/grundgesetzaenderung-zur-ehe-fuer-alle

https://yougov.de/news/2015/05/29/mehrheit-der-deutschen-fur-ehe-fur-alle/


Montag, 29. Juni 2015

Vom Fremden zum Menschlichen und umgekehrt...

Vorwort:

Dieser Blogbeitrag dient nicht dazu Heterosexuelle Menschen zu beleidigen, sondern lediglich aufzuzeigen, das es diese sogenannte Minderheit, die uns Homosexuellen übergestülpt wird nicht gibt.  




Wie ihr vielleicht wisst, liebe ich ja Wortspiele und manchmal finde ich es unglaubich interessant ein Wort das aus dem latainischen oder dem griechischen kommt zu übersetzen.

Ein kleines Wortspiel zum Nachdenken:
"Hetero" kommt aus dem griechischen und heißt übersetzt: Anders, Ungleich, abweichend, fremd.
"Homo" kommt aus dem latainischen und bedeutet Mensch.
Setzt man das Wörtchen Sexualität dahinter und übersetzt das Ganze, wird es sehr interessant.
Heterosexualität bedeutet somit: "Ungleiche, Abweichende, fremde Sexualität"
Und
Homosexualität bedeutet somit: "Menschliche Sexualität"


Wiki hat erklärt:
"Der Begriff „Heterosexualität“ ist eine hybride Wortneubildung aus dem Jahre 1868, geprägt vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus Griech. ἕτερος heteros ‚der andere‘, ‚ungleich‘ und lat. sexus ‚das männliche und das weibliche Geschlecht‘. Gleichzeitig prägte er als Antonym den Begriff „Homosexualität“. Nach ihm verwendete den Begriff erstmals Gustav Jäger 1880 in der zweiten Auflage seines Buches Die Entdeckung der Seele."

Vor 1868 gab es diesen Begriff Heterosexualität also nicht. Erst ab 1880 gibt es den Begriff Homosexualität.
Die Frage ist also wie können zwei Schriftsteller es schaffen, dass sich die Menschheit in Begrifflichkeiten spaltet und wie kommt Gustav Jäger dazu die Homosexualität als "Menschlich" darzustellen, während Karl M. Kertbeny aus der Heterosexualität etwas "Ungleichendes" macht.

Und wir springen alle drauf wie die Motten aufs Licht.

Man könnte jetzt echt gemein sein und sagen, die zwei Autoren haben die Weltsicht ins Negative verändert mit ihren Begrifflichkeiten.

Wir werden von klein auf dazu erzogen es hin,- und anzunehmen, das wir unterschiedlich sind, ganz unabhängig davon wie diese Unterschiedlichkeiten aussehen, ob nun Hautfarbe, Religion, oder Ethnische Angehörigkeit.
Auf die Sexuelle Zugehörigkeit bezogen gab es schon immer Homosexualität und die wurde genauso geachtet wie Heterosexualität. Es war im wahrsten Sinne des Wortes egal wer mit wem Sex hat. Und da möchte ich persönlich wieder hin. Ich möchte dieses "Egal" für meine Tochter erreichen. Denn wir wissen nicht in wen sie sich verliebt und für uns spielt das auch überhaupt keine Rolle. Ich möchte das sie frei aufwächst und sich wirklich entscheiden kann ohne Angst vor Mobbing oder vor Familiärer Problematik.

Ich möchte die Menschen zum Nachdenken anregen, die denken wir sind die abweichende Norm. Das waren wir noch nie und wir sind auch keine Minderheit. Im Gegenteil. Wenn man die ganze LGBT (auch GLBT und LSBTTIQ) Community zusammen fasst, dann überragen wir die hetero Normativität über Längen.

Es wird von Seiten der Politik und der Gesellschaft ignoriert, das viele Homosexuelle (ich beziehe hier mal kurz alle mit ein) ein Doppelleben führen, bei der Arbeit, im Privatleben. Es gibt so viele die sich nicht trauen den Partner ihres Herzens zu suchen, aus Angst gemieden, geschnitten, aus der Gesellschaft aus gestoßen und gar abgeschoben zu werden.

In vielen Ländern ist Homosexualität noch eine Straftat (wobei sich das auch gerade ändert). Da leben Homosexuelle im Untergrund. Wenn man all diese Menschen zusammen zählt, dann gibt es keine Minderheit mehr. Es ist also eine Illusion zu denken wir gehören einer Minderheit an... Und genau das wollte ich mit meinem Wortspiel ausdrücken.

Und als eine von vielen Menschen bin ich zufälligerweise Homosexuell.
Aber wenn ich mich in eine Gruppe von vielleicht einer Million anderen Menschen geselle, dann bin ich nichts anderes als ein winzig kleiner Punkt in einer Gruppe von Menschen.



Bei einer solchen Betrachtung sollte es unerheblich sein, ob ein Mensch schwarz, oder weiß, christlich oder buddhistisch, homosexuell oder heterosexuell ist.

In Wahrheit gibt es keine Minderheit, in Wahrheit sind wir alle nur eines: Menschen!

In diesem Sinne:

Gerade wenn man das Gefühl hat, anders zu sein, sollte man die Gemeinsamkeiten suchen und verstärken, denn nur das garantiert auf Dauer Glück und Zufriedenheit als Mensch unter Menschen.

Namasté
Eure Jo


Mein Bild:
Created with facebook.com/celebratepride

Samstag, 13. Juni 2015

Gleich und Ungleich zusammen ergeben: "Ubuntu"




Habt ihr euch schon mal überlegt warum wir Minderheiten abwerten und Mehrheiten einen Siegel der gesellschaftlichen Norm aufdrücken?

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht. Eine Mehrheit zeigt einfach auf, das alle gleich denken, diese macht sich bemerkbar in der Sprache, der Religion, der politischen Einstellung, Kultur und - anhand der Hautfarbe, der sexuellen Identität usw.
Wiki beschreibt es unter anderem so: 
"Die Sozialpsychologie unterscheidet zwei Arten von Minoritäten: Eine numerisch-statistische und eine soziale. Letztere beschreibt eine Minderheit, die sich durch kulturelle und/oder psychische Merkmale vom Rest der Gesellschaft unterscheidet und so von der sozial dominierenden Gruppe als minderwertig angesehen und auch so behandelt wird."
So gesehen hat ein Mensch nur dann einen gesellschaftlichen Wert, wenn er sich Anpasst. Sich gleich mit der Mehrheit macht. Jeder der eine eigene Ideologie verfolgt ist Ungleich und dementsprechend sinkt der Wert.  Er wird zur Minderheit.
Aber auch die Tatsache das er Merkmale aufweist die nicht änderbar sind, wie z.B. Hautfarbe oder Aussehen allgemein können ihn schon zur Minderheit werden lassen.

Wie makaber diese Betrachtung ist zeigt sich anhand eines einfachen Beispiels, nehmen wir Südafrika und die Apartheid.
Ein Land in dem Ursprünglich Dunkelhäutige Menschen lebten, wurde von weißen Einwanderern infiltriert und zu eigen gemacht. Eine kleine Gruppe von weißhäutigen Menschen die es sich zur Aufgabe machten die schwarze Bevölkerung auszugrenzen. Was daraus entstanden ist, zeigen unsere Geschichtsbücher. Wir wissen um die Gewalt die durch diese Ausgrenzung ausgebrochen ist und die meisten Menschen empfinden es als Schlimm und Ungerecht was in den 20gern begann und auch heute noch von einer wesentlich kleineren Gruppe weiter geführt wird. Die Apartheid ist ein Zeichen dafür wie belastend der Begriff Minderheit für unsere Gesellschaft ist.

Er teilt auf in gut und nicht gut.
In Whites und Non-Whites.

In Hetero und Homosexuell
In Gleich und Ungleich.

Ich bin ja momentan intensiv am politischen Geschehen interessiert, warum zeigen meine letzten Blogeinträge. Daher interessiert mich natürlich auch warum Menschen sich in Minderheiten und Mehrheiten kategorisieren.
Und woran es liegt, dass sich eine, immer größer werdende, Gruppe nicht dagegen wehrt als Minderheit bezeichnet zu werden.
Wir haben es doch alle erlebt, was passiert, wenn wir ausgegrenzt werden. Wir kennen es aus dem Kindergarten, der Schule, der Arbeitsstelle. Wir wissen wie man sich fühlt. Jeder einzelne weiß es. Und doch möchte man den Begriff weiterhin aufrecht erhalten.

Ich habe im Laufe meines Lebens etwas sehr entscheidendes begriffen, solange ich Menschen in Mehrheit und Minderheit bewerte, solange bewerte ich mich selbst je nach Blickwinkel in Gut oder Schlecht.
Apartheid!

Solange wir anhand dieser Begrifflichkeit den Menschen werten, solange machen wir uns an der Apartheid schuldig.

Natürlich greifen hier alle möglichen Gesetze die Minderheiten schützen und ganze Volksgruppen unter einem (Deck)Mantel von Kulturgut stellen. Aber seien wir doch mal ehrlich, solange nicht der Begriff aus unseren Köpfen verschwindet, solange wird der Mensch in Gleich und Ungleich eingeteilt. Solange herrscht auch noch die Apartheid. Ob sie jetzt als solche genannt wird, oder nicht, es spielt keine Rolle. In den Geschichtsbüchern steht es sei eine Periode, eine begrenzte Zeit. Dass das nicht stimmt wird bewusst, wenn man als Weiße nach Afrika geht und dort nach Zeichen der Ausgrenzung sucht. Man findet sie auch heute noch.

Durch Abwertung wird ein Mensch in zwei Gruppen geteilt. Mehr sagt das Wort: Apartheid nicht aus.

Apartheid bedeutet ‚Getrenntheit‘, gebildet aus dem Afrikaans- oder niederländischen Adjektiv apart für ‚getrennt, einzeln, besonders, anders‘, was ursprünglich aus dem Lateinischen stammt: pars ‚der Teil‘, ad partem ‚(nur) zu einem Teil‘ In weiteren Sprachen:
Im Französischen bedeutet à part de ‚abseits von, ausgenommen von‘.
Im Englischen bedeutet apart ‚abseits, getrennt‘, aber auch ‚merkwürdig‘.
Im Deutschen gibt es eine Verwandtschaft im Wort Partei, während das Wort apart hauptsächlich im Sinne von ‚reizend, attraktiv‘ verwendet wird.
Südafrika ist nur EIN negatives Beispiel für den Begriff der Apartheid.
Auch hier in Deutschland, wie überall auf der Welt, wird dieser Begriff weiterhin angewendet.

Der Artikel 1 des Grundgesetzes für Deutschland ist nur dann wirklich anwendbar, wenn wir aufhören Menschen in Minderheiten und Mehrheiten einzuteilen, nur anhand ihres Aussehens, ihre ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Sexualität usw.

Erst dann sind wir wirklich das Volk von dem hier die Rede ist:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Ich selbst empfinde mich nicht als Minderheit und ich lehne es strikt ab als solche bezeichnet zu werden. Fangt endlich an euch aus euren Schneckenhäusern empor zu heben, egal ob ihr Dunkelhäutig seid, oder Grüne Haare habt, egal ob ihr der Christlichen Religion angehört oder einen anderen Glauben habt. Egal ob ihr Homosexuell seid oder Heterosexuell (Transexuell, Bisexuell - vollkommen egal).
Solange ihr euch selbst als Minderheit seht, wird sich die Gesellschaft nicht verändern, sie wird weiterhin daran festhalten, das ihr eine Minderheit seid, weil ihr Ungleich seid in ihren Augen. UND weil ihr euch selbst als Minderheit bezeichnet.

Eine Minderheit ist immer etwas negatives in den Augen einer Mehrheit und aus diesem Grund müssen wir aufhören diese Minderheitenpolitik mitzumachen. Wenn wir uns alle an den Händen fassen, können wir die sogenannte Mehrheit umrunden. - und vielleicht ist es gerade das was den Konservativen solche Angst macht, denn was wäre wenn wir alle eine Mehrheit werden, während der Kreis in unserer Mitte die Minderheit ist?

Und was würde geschehen wenn wir dann die Mitte in unseren Kreis mit einbinden, Hand in Hand?

Dann geschieht das was die Zulu und Xhosa als Ubuntu bezeichnen - Menschlichkeit*.

Es gibt eine wunderschöne Geschichte hierzu:

Ein Anthropologe bot Kindern eines afrikanischen Stammes ein neues Spiel an. Er stellte einen Korb voller Obst in der Nähe eines Baumes ab und sagte ihnen, wer zuerst dort ist, gewinnt die süßen Früchte. Als er ihnen das Startsignal gab, liefen sie alle zusammen und nahmen sich gegenseitig an den Händen, setzte sich dann zusammen hin und genossen ihre Leckereien.
Als er sie fragte, weshalb sie so gelaufen sind, wo doch jeder die Chance hatte, die Früchte für sich selbst zu gewinnen, sagten sie: “Ubuntu, wie kann einer von uns froh sein, wenn all die anderen traurig sind?”
Ubuntu in der Xhosa-Kultur bedeutet: »Ich bin, weil du bist, und ich kann nur sein, wenn du bist.«.
Wir müssen anfangen die Menschheit mit den Augen dieser Kinder wahrzunehmen. Denn die Frage ist wirklich berechtigt: Wie können wir Glücklich sein, wenn der Rest traurig ist?

Stellt euch alle diese Frage, wenn ihr mal wieder jemanden als Minderheit bezeichnet:
Macht es euch wirklich Glücklich, dass er weniger wert ist als ihr?

In diesem Sinne

Ubuntu - ich bin, weil du bist, und ich kann nur sein, wenn du bist!

Namasté

eure Jo





* http://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu_(Philosophie)


Samstag, 30. Mai 2015

Ehe für alle!


Facebook hat eine Veranstaltung eröffnet um auf eine Petition aufmerksam zu machen:
https://www.openpetition.de/petition/online/endgueltige-gleichstellung-der-homo-ehe

Dabei gab es natürlich wieder eine Endlosdiskussion, viele Gegner kamen von der Christlichen Ecke, die Idee die Bibel zu zitieren wurde dazu genutzt einen Shitstorm auszulösen, was zur Folge hat, dass das Eigentlich - darum worum es vielen von uns Homosexuellen geht, mal wieder verschüttet wurde.
Nämlich das die Ehe im Grundgesetz verankert ist und somit losgelöst ist vom Glauben und von der Kirche. Wäre das nicht der Fall, hätten wir keine Chance, so aber liegt hier eindeutig ein Verfahrensfehler vor. Da im Grundgesetz auch verankert ist, das es keine Ungleichbehandlung geben darf.
Wenn man sich alleine an diesen Punkt hält der meiner Meinung nach über allem steht, müssten wir schon längst heiraten dürfen. Dieses Problem ist also Menschgemacht.

Die CDU/CSU bekommt ihre meisten Spendengelder (wie auch die SPD) aus christlich orientierten Reihen. Man verliert also eine Menge Kohle wenn man uns per Gesetz für Gleichwertig hält, es ist also einfacher die Wertigkeit herunterzuschrauben und Homosexuelle immer noch als Bürger zweiter Klasse bezeichnet. Das man dann gegen die eigenen Gesetze verstößt nimmt man einfach mal so hin.
So was nenne ich eine verlogene Demokratie!!

Die Wahrheit sieht einfach aus und das sollte wirklich jedem klar sein: Wenn wir unsere Gesetze wirklich für ernst nehmen, dann muss sich hier etwas grundlegendes ändern. Wir können nicht für die einen (die Mehrheit) ein Gesetz fabrizieren und die anderen (die sogenannte Minderheit) aus diesem Gesetz ausschließen.
Damit öffnen wir ein Kastensystem in dem nur bestimmte Kasten in der Wertigkeit nach oben rücken, während andere im Keller bleiben.
Das ist keine Demokratie sondern ein religiös abgestürztes soziales System.

Zu meinem Profilbild und neuem Blogbild:

Noch mal ganz klar für alle:
Warum muss das eigentlich immer alles Exklusive sein? Das ist meine Frage an alle Seiten. Ihr wollt alles nur für euch, statt zu teilen. Zum Thema Religion:
Es ist vollkommen egal welchen Glauben man vertritt, die Liebe sollte frei davon sein, ihr streitet hier über Exklusivrechte, den Begriff Ehe. Es ist doch vollkommen egal. Die Ehe ist in unserem Recht verankert und somit frei von kirchlichen Belangen. Religion hat im Gesetzbuch nichts verloren und das heißt im Klartext, was für den einen gilt, muss auch für den anderen gelten, dabei spielt es keine Rolle ob er Homosexuell, Ausländer oder einem anderen Glauben angehört. So einfach ist das. Von meiner Seite aus, können Christen ja den Begriff der Ehe für sich anders benennen: Christliche Ehe z.B. Damit wäre das Problem gelöst, aber die Wahrheit ist sehr einfach, die Ehe hat keinen Bezug zum Glauben, was in der Kirche passiert spielt hier bei dieser Diskussion absolut keine Rolle. Es geht um Rechtliche Gleichstellung und alles andere ist Irrelevant!

Also haltet doch einfach mal den Glauben aus dieser Diskussion heraus und konzentriert euch auf den Kernpunkt der Aussage:
Was sind die Nachteile von Heterosexuellen Menschen, wenn Homosexuelle heiraten dürfen (von mir aus nur im Standesamt und nicht in der Kirche!!!)? Diese Frage ist wirklich relevant, alles andere ist eine Glaubensfrage und diese ist hier absolut nicht von Belang. Denn das bringt uns auf keinen gemeinsamen Nenner.

Also:


In diesem Sinne:
Demokratie bezeichnet eine Rechtsform die vom Volk ausgehen muss. Und das Volk sagt eindeutig Ja zur Gleichstellung (würde es das nicht tun, würde es gegen die Gesetze sein, hier müssten dann eindeutig die Gesetze verändert werden!!!).

Wenn wir also für eine Demokratie sind, müssen wir uns an unser Grundgesetz halten, das besagt das die Würde des Menschen nicht angreifbar.
 ius respicit aequitatem - Das Recht achtet auf Gleichheit

Dieses Recht ist im Verfassungsrecht verankert. Und somit ist eine Ehe für alle längst überfällig.

Wer mehr zur buddhistischen Einstellung (Mahayana Tradition) wissen möchte, dem ich lege ich dieses Video nahe, eine wirklich sehr schöne Rede des Mönchs Ajahn Brahmavamso Mahathera (Ajahn Brahm).


Namasté

Grüße von der Jo