Mantra Musik

Samstag, 15. August 2015

The Last - zu meinem Thema Gewalt - mein Blog muss anders werden Teil 2.



Ich habe eben diesen Satz in einem Artikel eines Freundes gelesen:

"Wer Gewalt als Lösungsmittel ablehnt, lebt wohl in den Privileg selbst nicht dauerhaft von Gewalt betroffen zu sein, bzw. lebt in der Gleichgültigkeit, dass es ihm egal ist, wenn andere mit Gewalt konfrontiert sind"

Und ich habe daraufhin geantwortet:

"Ich habe 17 meines Lebens extreme Gewalt erlebt, das hat mich durch alle Instanzen geführt, früher hab ich genauso gedacht wie viele andere, ich wollte die Menschen die mir das antaten tot sehen. Wenn man als Kind schon damit konfrontiert wurde, um das Überleben zu kämpfen, erleben und mitansehen musste wie Kinder vergewaltigt und getötet wurden, dann ist man Teil der Gewalt. Sie steckt in einem ganz tief, weil man die ganze Zeit über damit beschäftigt ist zu überlegen,wie man sich wehrt, wie man überlebt, was man tun muss, um zu entkommen. Das Gehirn rattert im Dauermodus. Das Adrenalin rast im eigenen Sein. Diese 17 Jahre meines Lebens war ich Opfer und manchmal durch Zwang wurde ich zur Täterin. Ich starb mit 9 Jahren und wurde wieder ins Leben geholt, ich bin innerlich in tausend Scherben zerbrochen und habe mich selbst wieder zusammen geflickt. Meine Narben sind Bestandteil meiner Persönlichkeit. Das schlimmste was man mir antat, war das ich nie eigene Kinder haben konnte. Diese Narbe ist Unsichtbar und doch bis zu meinem Lebensende Realität.

Ich hätte mein Leben lang hassen können, mein Leben lang hätte ich mich als Opfer sehen können, weil ich niemals von Seiten der Gesellschaft geschützt wurde, niemand hat mir gratuliert, dass ich überlebt habe und es geschafft habe, andere Kinder zu beschützen. Im Gegenteil man hat erwartet, dass ich irgendwann wieder Teil der konstruktiven Gesellschaft bin - das ist der Weg. Als Opfer musst du trotzdem Gesellschaftsfähig bleiben, sonst bist du Draußen. Ich wurde nie Gesellschaftsfähig, weil ich durch die Isolation in der ich gelebt habe, diese Grenzen die mir auferzwungen waren, die Gesellschaft draußen nicht verstand. Im Laufe der Jahre habe ich vieles aufholen können, ich habe einen wachen Geist, ich bin inteligent und belesen. Aber ich sah wie die Kinder die mit mir damals gefangen waren, diese Chance nicht hatten. Die Gewalt die sie erlebt haben, gaben sie weiter an ihre Ehefrauen und Männer, an ihre Kinder und an ihre Enkelkinder. Weil sie es nicht anders kannten. Ihre Gewalt setzt sich weiter von Generation zu Generation. Denn sie haben gelernt zurückzuschlagen, wenn es weh tat. Das ist die einzige Sprache die sie perfekt sprechen.

Schon als Kind konnte ich nicht zurückschlagen, weil ich im Kopf hatte, das es dem anderen weh tut, so wie es mir selbst weh tut. Also hab ich mich bereits als Kind um die Jenigen gekümmert die blutend in der Ecke saßen, während der Rest um uns ums nackte Überleben gekämpft hat.

Irgendwann wurde mir bewusst, dass es einen Weg gibt, das was ich erlebt habe, zu verarbeiten, ich musste die Verbindung zu meinen Tätern von mir abkoppeln, mich von ihnen befreien. Man befreit sich jedoch nicht davon, indem man in Gedanken den anderen töten möchte. Diese Gedanken verhindern das abkoppeln, im Gegenteil diese Gedanken ermöglichen eine Lebenslange Verbindung zu dem was einem angetan wurde, sie machen erst möglich, das man zum Lebenslangen Opfer wird. Ich habe als erstes gelernt die Gedanken an Gewalt zu verändern. Ich hab mir vorgestellt, was gewesen wäre wenn den Tätern aus meiner Kindheit in ihrer Kindheit Liebe begegnet wäre, wären sie dann überhaupt noch im Stande gewesen kleine Kinder zu vergewaltigen und zu ermorden?
Wären die Kinder aus meiner Kindheit heute andere Kinder?
Würden sie an ihre Kinder und Enkelkinder Liebe geben, statt Gewalt?

Diese Frage war die erste Frage, die zu vielen weiteren Fragen und Erkenntnissen führte. Eine Erkenntnis ist, wenn ich das was ich selbst erlebt habe, weiter gebe, wird sich der gewaltvolle Kreislauf immer weiter ausbreiten, es wird kein Ende geben. Das ist Krieg!
Wenn ich aber verhindere das Gewalt weiterhin in meinem Leben eine Rolle spielt, hat jeder der mit mir befreundet ist, jeder der mich liebt, die Möglichkeit durch mich keine Gewalt zu erleben.
Ich gebe Gewalt nicht weiter, somit wird auch der andere keine Gewalt durch mich weiter geben.

Ich bin kein Gewaltfreier Mensch, aber ich habe es geschafft, dass Gewalt keine Herrschafft über mich erlangt und ich habe es geschafft einen friedvollen Umgang mit meinem Leid zu finden. Die ersten 17 Jahre meines Lebens sind Bestandteil meiner Erinnerungen, diese kann ich nicht einfach auslöschen, oder ignorieren. Aber ich habe es geschafft die darauf folgenden 33 Jahre meines Lebens gewaltfrei zu leben (wobei Gewalt immer eine Auslegungssache ist, in meiner Art zu Schreiben, kann ich manchmal ziemlich heftig sein - hier ist die körperliche Gewalt gemeint).

Gewalt kann nie eine gewalt endende Antwort auf Gewalt sein. Gewalt ist immer ein Potential das sich weiter verbreitet. Ähnlich wie ein Zunami nimmt es alles mit und hinterlässt Chaos.

Die meisten Menschen denken sie könnten etwas verändern, wenn sie Gewalt anwenden, um Gewalt zu verhindern. Das Problem ist nur, das man nie wissen kann, welche Auswirkungen das eigene Gewaltpotential hat, was es mit einem tut, wohin es führt. Die meisten Menschen denken nur beschränkt, wenn es um Gewaltthemen geht. Sie glauben Gewalt lässt sich nur dadurch verhindern, indem man auf Gewalt mit Gewalt antwortet. Doch der Kreislauf der danach entfacht wird, den erkennen die Menschen nicht. Sie glauben sie halten etwas auf, doch die Wahrheit ist, sie geben nur etwas weiter und durch ihr Handeln gibt ein anderer die Gewalt wieder weiter usw.
Schmerz und Leid breitet sich aus und hinterlässt ein Massenspektrum an Schmerz und Gewalt.
Das Ergebnis ist oft erschreckend. Unsere Psychiatrien und Krankenhäuser sind voll mit Menschen die Gewalt erlebt haben, sei es nun durch ihr eigenes Handeln oder weil sie Opfer von Gewalt wurden.

Ich habe es geschafft die Täter meiner Kindheit freizugeben, meine Gedanken an sie sind heute nicht mehr voller Hass. Ich wünsche ihnen Glück. Denn nur das Gefühl von Glück verändert die Gewaltbereitschaft in einem Selbst.

Das sind meine Gründe warum ich Gewalt ablehne und diese Gründe sind für mich mehr wert als mein eigenes Leben. Würde ich gewalt anwenden, um mein Kind oder meine Frau zu retten -
wenn es keinen anderen Weg gibt? - Ja das würde ich. Aber mein erster Weg wäre eine Diplomatische Verhandlung, wenn es die Möglichkeit gibt durch friedvolles Handeln etwas zu verändern, dann ist das mein Weg und zwar immer. Nur wird dieser Weg oft als zu beschwerlich angesehen. Es ist leichter mit Gewalt zu antworten, als die Hoffnung zuzulassen, dass der andere auch anders zu erreichen ist. Gewalt ist effektiver, schneller und totbringender. Diplomatische Verhandlungen sind langwieriger, anstrengender, nicht klar erkennbar wohin es führt, aber konstruktiver und zwar für alle Beteiligten.

Gewalt kann niemals die Antwort auf Frieden sein, das ist keine Vermutung, sondern ein tiefes Wissen in mir."


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- Ich beschäftige mich gerade sehr mit dem Thema Frieden, der Frieden in einem Selbst ist der erste Weg zum Weltfrieden.
Wenn jeder Mensch diesen Frieden in sich fühlen könnte, würde Krieg absolut nicht möglich sein.

Nur leider binden sich die meisten Menschen an Gewalt, sei es durch gewaltsame Themen oder durch gewaltsames Handeln.

Mein Blog wird sich verändern, das hab ich mir vorgenommen. Ich nehme meine Vorbildfunktion an und ich nehme jede Veränderung in mir an.
Es gibt Momente da fühle ich eine Traurigkeit in mir, vorallem wenn ich mit Freunden diskutiere die Gewalt als Notwendig erachten. Ihre Sicht ist so getrennt von meiner Sicht. Ich verstehe sie, aber ich kann ihnen nicht mehr folgen, weil ich die Welt anders betrachte. Ich lehne Gewalt als Energie nicht ab, denn auch die Welt selbst hat Gewalt zur natürlichen Ordnung gemacht, so gibt es Zunami, Erdbeben und andere Katastrophen, die alle ihren natürlichen Ursprung haben. Doch während die Welt ohne Groll reagiert, ohne Botschaft: Uns Lebewesen auszumerzen, hat der Mensch immer die Entscheidung, darüber nachzudenken was er tut.

Ich weiß nicht wohin mich mein Weg führt, es tun sich viele Türen auf, gerade im Buddhismus erlebe ich das erste Mal eine volle Integration, das erste Mal in meinem Leben das ich nicht für etwas kämpfen muss, das erste mal das mir Menschen in Augenhöhe begegnen. Ich bin sehr Glücklich für diese Begegnungen, ohne die berühmte Leiter von der ich mich selbst stoßen muss.

Es ist gleichberechtigt und somit frei von Machtgedanken. Wahrscheinlich fahre ich an meinem Geburtstag nach Köln mit einer sehr lieben gehörlosen Freundin. Dort wird ein Vortrag der Dharma voice for Animals stattfinden, auch wurde mir angeboten, dass uns Lama Geshe Ngawang Thapkhe mit seiner Schülerin besuchen kommt. Ich bin sehr gerührt über das was ich gerade von buddhistischer Seite erlebe...

Ich werde auf jeden Fall weiter berichten, ich weiß nur noch nicht genau ob hier auf dem Blog oder ob ich ein neues Projekt eröffne, ein wenig anders, aber trotzdem in meiner "Handschrift", ihr werdet mich also nicht los. Die Schnodderschnauze bleibt, nur eben nicht mehr so angepisst wie in den letzten Jahren. Ich habe vor mich weniger über Politik und Menschen allgemein aufzuregen, ob es mir gelingt... nun wir werden sehen.

Euch allen noch ein schönes Wochenende.

Namasté
Eure Jo


Links: http://dharmavoicesforanimals.org/
Bild: Unser Tierhof Amoa (www.tierhof-amoa.de) Facebook: Tierhof Amoa

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