Mantra Musik

Donnerstag, 24. September 2015

Tagebuch - die Buddhamörderin




Die letzten Tage auf meiner Reise durch und in den Buddhismus haben mich so weit gebracht, das ich in Zweifel gerate ob diese Reise überhaupt weiter geht und wenn ja, wie....

Je mehr ich mich tiefer im Buddhismus bewege, desto mehr komme ich auf der Weltlichen Seite wieder raus.
Wie ein Tunnel, du gräbst dich durch eine schmale Öffnung hinein und dann kommt das Licht, du reißt verzückt die Augen auf und robbst wie eine blöde weiter. Und im nächsten Moment liegst du im Dreck, an dir klebt braunes Zeug von dem du nicht wissen willst was es ist und das Licht ist nichts anderes als eine kleine Glasscherbe die im Schlamm liegt.
Entweder du greifst dir die Glasscherbe die ab sofort dein Nirvana ist. Oder du trittst drauf und ärgerst dich über das braune Zeug das an dir klebt.
Beides hält sich 50/50.

Ich ärgere mich nicht, wenigstens etwas. Aber ich bin auch nicht bereit das illusorische Glasscherben Nirvana  in mein Haus zu lassen. Von mir aus kann die Scherbe da liegen bleiben... bis ein anderer sie entweder aufhebt oder drauf tritt.
"Triffst du Buddha töte ihn!"

Ich hätte eigentlich schon verstehen können, was damit gemeint ist, als ich mein Bild Entmystifizierung
gemalt habe. Rein intuitiv hab ich ein Stück weit in die Zukunft geblickt, als ich mich wie eine Besessene auf der Leinwand austobte. Genau da bin ich jetzt. Der ganze Buddhismus ist Entmystifiziert. Ich hab gerade eben meinen Buddha gekillt.

Entmystifizierung


Nachdem ich mich mit dem Themen: Erwartungen und Ansprüche heute herum geschlagen habe (wortwörtlich), musste ich feststellen, das sich zwar meine Erwartungen (nicht Ansprüche das gebe ich zu, da hab ich schon einige an meine Mitmenschen) an andere Menschen im minimalistischen Rahmen halten aber meine Erwartung und mein Anspruch an mich selbst sind geradezu übermäßig hoch.
Ich wurde immer unsicherer und wenn ich unsicher werde hinterfrage ich den Sinn und Zweck des Ganzen während ich mich eine Weile im Kreis drehe "Check mal deine Base! Alter!".

Irgendwie hat Britta mit ihren Worten dann heute Abend etwas in mir ausgelöst, oder besser erlöst.
Mir sind danach die Tränen gekommen...
sie sagte:

"Ich habe immer an dich und deine Gaben geglaubt. Weißt du, wir haben in den fast 18 Jahren so viel Wundersames erlebt und egal welche Probleme auf dich und uns zukamen, du hast sie gelöst, durch deine Gabe und deinen Zugang zu ihr. Aus irgendwelchen Gründen hast du dir selbst den Zugang blockiert. Aber ich habe immer an dich geglaubt und das wird sich auch nicht ändern. Ich weiß das du ein großes Wissen in dir trägst und ich hab keine Ahnung woher das kommt aber immer wieder beobachte ich verwundert, dass andere denken sie müssten dir noch was beibringen als wärst du ein Kind.  Du bist kein Kind und dir muss man auch nichts beibringen. Du brauchst keine Seminare und kein Studium und erst recht keine Zertifikate,  du trägst das alles schon in dir. Aktiviere dein Wissen und geh deinen Weg und hör auf dich irgendwo anbinden zu wollen. Es ist egal wie es heißt und ob es Buddhismus ist.  Du bist ein guter Mensch und tust gutes, du hältst dich an die Sila und nur das zählt".

Ich habe meine Frau Tränenüberströmt angestarrt. Sie hat in den fast 18 Jahren unserer Beziehung öfter mal so was gesagt, aber erst jetzt hab ich verstanden, dass sie es auch wirklich so meint. Es war gleichzeitig eine Ohrfeige und die schönste Liebeserklärung meines Lebens.

Die letzten zwei Tage verbrachte ich damit die Schülerin in mir wieder zu entthronten, mich zu entbinden. Ich lies es sehr eng werden - Freundschaftlich und öffnete nach und nach wieder den Knoten den ich mir selbst umgebunden hatte. Heute ist es dann aus meiner Sicht eskaliert. Ich hinterfragte auf einmal das Wissen meiner Lehrerin, ich hinterfragte unsere Beziehung und ich hinterfragte mich selbst. Und ich handelte gestern und heute ohne das mir bewusst war, warum es sich auf einmal so eng anfühlte und was das in mir auslöste. Ein subtiles Gefühl nur. Und ich reagiere darauf auf meine Art - Fragen und Hinterfragen, mich erklären und Flucht zur Seite, statt nach vorne oder nach hinten. Beobachten und Hinterfragen und Flucht nach vorne. Fragen und Stillstand.
Ich will diese Respektlosigkeit das Wissen meiner Lehrerin zu hinterfragen, gar nicht entschuldigen, ein anderer hätte es mit Sicherheit achtsamer gemacht. Aber leider geht mir die Achtsamkeit in der Direktheit unter.  Ich weiß jetzt woher es kommt, was es ausgelöst hat und warum ich so reagiere.

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Lehrer als meinen Lehrer akzeptiert. Ich hab mich geweigert Schülerin zu sein, seit dem ich denken kann. Ich verstand dieses hingebungsvolle gesalbte: "Wenn der Lehrer das sagt, ist es richtig" nicht. Für mich war es noch lange nicht richtig, nur weil ein Lehrer es sagte. Gleichzeitig hab ich mich danach gesehnt Schüler zu sein. Absolut Ambivalent. Das Ergebnis war, das ich nur dann Arbeiten mit schrieb, wenn das Thema mich gefesselt hat, die restliche Zeit über schwänzte ich entweder den Unterricht und wenn ich da war starrte ich aus dem Fenster. Ich traute den Lehren der Lehrer nicht.

Als ich älter wurde, habe ich meine Lehrer geduzt um eine gleiche Ebene herzustellen.Ich wiedersetzte mich, wenn sich die Ebene veränderte - entweder gleich oder gar nicht. Ich kann es weder ertragen behimmelt zu werden, noch kann ich mich selbst ertragen wenn ich ins Schwärmen gerate. Ich hole mich dann sehr schnell wieder auf den Boden zurück.
Ein Lehrer/Schüler Verhältnis stand immer Ambivalent unter Spannung.
Hinzu kommt ich lerne anders, als die meisten Menschen. Ein Buch ist für mich nur ein Buch mit Buchstaben und Worten. Ich muss mit dem Gefühl hinein gehen können. Mich darin aufhalten, es schlucken und auskotzen, mich damit bekleckern, besuhlen, ich muss es schmecken und darin versinken bis es mich umschlingt. Dann erst verstehe ich es. Ich lerne durch Erfahrung und nicht durch auswendig lernen. Aus dem Grund war die Schule für mich der langweiligste Ort auf dieser Erde. Hätte es Erfahrungsunterricht im Wald gegeben, zwischen den Baumen die Welt erkennen, dann wäre alles anders gekommen.

Zurück zum gekillten Buddha.
Die Spannungen in mir fingen damit an, das meine Lehrerin mir Texte zum Lesen gab und mir sagte wie wichtig es sei, die Texte zu lesen um weiter zu kommen. Ich las und las und entfernte mich Stück für Stück von ihr und mir. Die Wahrheit in den Texten war nur die Wahrheit in den Texten und wurde nicht zu meiner Wahrheit.
Aber ich konnte es nicht in Worte transportieren. Diese Ebene blieb mir bis jetzt verschlossen.
Jetzt hab ich es verstanden. Es ist zum kotzen, ich muss mich erst entthronen und meinen wie ihren Respekt verlieren, damit ich es verstehe... und so paradox es ist, wahrscheinlich waren es die Texte mit denen ich mich nicht verband, die jetzt das Verstehen in mir angekurbelt haben.

Ich weiß nicht ob es mein Karma ist...
Auf jeden Fall ist es mein Thema und momentan denke ich muss man nicht alle Themen auflösen. Manches löst sich von selbst auf.
Ich hab nicht nur den Buddha gekillt, ich glaub ich habe heute die Schülerin in mir ebenfalls abgetötet.

Mir ist schon länger klar, warum mein Leben so abgelaufen ist, wie es abgelaufen ist. Ich schreibe meine eigene Geschichte um die Dinge um mich herum verstehen zu lernen. Weil mein Gehirn nur so funktioniert, indem ich hinein gehe und es erlebe.

Sei deine eigene Insel! Ein schöner Spruch und nicht so marzialisch wie Kill den Buddha...
Ich gehe Risiken ein, die mich dann bis in die Abgründe tragen wenn es sein muss, um die Risiken und die Abgründe zu verstehen.

Es hat viele Jahre gedauert bis mir bewusst war, das Worte einen Sinn haben, auch wenn man sie nicht anfassen kann. Ähnlich wie Helen Keller musste ich erst das Wasser fühlen, bevor das Wort Wasser einen Sinn ergab. Ich weiß noch wie lange ich  mich mit dem Wort: "Kühlschrank" beschäftigt habe. Denn meine Eltern bekamen erst einen Kühlschrank da war ich schon 7 oder 8 Jahre alt. Das Wort ergab einfach keinen Sinn, bis ich vor der geöffneten Kühlschranktür stand. Es war ein absolutes Wunder für mich, die Tür zu öffnen und die Kühle darin zu spüren. Das gleiche Problem hatte ich lange Zeit mit dem Wort Bad. Ich bin ohne Bad aufgewachsen, wir hatten nur ein WC. Erst als ich das erste Mal in einem Bad stand, konnte ich dazu eine Verbindung aufnehmen: Bad - Baden. Also darin steht eine Badewanne, darin kann man sitzen und wenn das Wasser reinläuft  nennt sich das baden. Später habe ich dann versucht mir vorzustellen das es in Baden-Baden mindestens zwei Badewannen gibt - ich habe einen etwas merkwürdigen Humor :). Wenn das Wort für mich keinen Sinn ergibt, fange ich an den Sinn zu suchen, das kann dazu führen, das ich so lange im Internet suche, bis ich den Wortstamm heraus gefunden habe und dann ergibt das ganze auch wieder einen Sinn.

Um etwas zu lernen, aufzunehmen, zu verinnerlichen brauche ich die nötige Erfahrung. Aus dem Grund sind Zahlen ab einer gewissen Größe auch irrational für mich. Ich habe diese Größe nicht gesehen und kann mir nichts darunter vorstellen. Eine Million Schafe kann man nicht überblicken. Für mich sind das "verdammt viele Schafe". Das ist meine Realität und da können mir Tausend Menschen erzählen das es eine Million Schafe sind, das ändert nichts daran, das ich die eine Million Schafe nicht sehe. Ich kann die Sicht anderer Menschen akzeptieren, weil ich gelernt habe, das das was sie sagen einer Wahrheit entspricht. Aber mein Zugang zu meiner Wahrheit ist ein anderer, ich sehe nur viele Schafe um das zu begreifen, brauche ich keine Zahlen. Ich muss auch nicht wissen, wie lange eine Zeit vergeht. Wenn sie vergeht, vergeht sie. Im Laufe der Zeit habe ich mich dazu trainiert überpünktlich zu sein, um andere nicht vor den Kopf zu stoßen. Ich weiß das mein Gehirn komplett anders arbeitet als bei anderen Menschen. Das wurde in einer Klinik anhand etlicher Gehirn Untersuchungen festgestellt. Ich nehme die Dinge anders wahr, ich habe einen anderen Zugang zur Welt. Einerseits bin ich frei von vielen Dingen, wie Konventionen, Zeiten und Zahlen, andererseits isoliert es mich. Ich nenne es mein Alien sein. Erklären kann ich das anderen Menschen nur bedingt. Sie verstehen nicht das Zahlen für mich surreal sind und sie verstehen auch nicht das ich trotzdem Fraktale liebe und geometrische Figuren, denn für die meisten Menschen ist beides eng mit Zahlen verbunden. Ich sehe es vollkommen frei von Zahlen.
Viele Menschen aus meiner Vergangenheit dachten ich sei dumm oder zumindest nicht normal und viele haben mich auch so behandelt. Es gab Zeiten da dachte ich das auch. Doch Britta hat mir die Freiheit meines Denkens erst möglich gemacht, sie ist der erste Mensch der mich wirklich versteht, obwohl sie so ganz anders ist als ich. Sie steht dadurch zwischen den Welten, meiner und ihrer. Normalität hat viele Fassetten und da es mich gibt, gehöre ich dazu.

Ich bin unglaublich froh, über Brittas Worte. Das hat endlich eine Tür der Klarheit in mir geöffnet.

Wohin diese Tür nun führt... keine Ahnung.
Ich habe "meine Illusion" von  Buddhismus geliebt, ich muss lernen das es eben nur eine Illusion von vielen ist, das ist das einzige was ich jetzt noch weiß.

Namasté

eure Jo Andarnil 




Mittwoch, 23. September 2015

Tagebuch - Erwartungen


Phil Bosmans, ein belgischer Schriftsteller und Ordenspriester sagte einmal:


"Wer die Welt erwärmen will, muss ein großes Feuer in sich tragen."

Ich finde diese Worte sehr tröstend für einen temperamentvollen Menschen wie mich.

Die Welt bewegt mich, ich bewege mich in der Welt.
Es gibt Momente da tauche ich ein und wieder aus und trage das Erlebte eine Weile in mir wie ein mächtig loderndes Feuer.  Wenn ich merke das Feuer durchwühlt mich so sehr, dass ich an nichts anderes mehr denken kann, schöpfe ich meine Kraft aus dem Wasser zu dem ich ebenfalls einen Bezug habe. Ich gieße dann eine ordentliche Portion über meine Flammen, schreibe meine Gefühle nieder und komme wieder in mir an.

Temperament muss lebbar sein für mich. Andernfalls setzt es sich in mir fest wie ein Tumor der sich ausbreitet und mich krank macht.
Auch in der Stille der Meditation erlebe ich mich in meinem Temperament. Ruhe ist nie gänzlich leise für mich. Ich höre meinen Atem zu und ich spüre meinen Herzschlag. Ich fühle wie mein Blut durch meine Adern rauscht.
Das Gute ist, ich fühle mich mehr der Melancholie zugehörig, statt der Cholerik. Somit bleibe ich auch während mein Feuer wütet auf, der Erde und denke über das was ich tue nach. So Impulsiv wie ich als Jugendliche war, bin ich schon lange nicht mehr. Aber ich lasse mich von meinem Gefühl leiten. Ich vertraue meinem Gefühl.  Meine gefühlte Realität.

Aber eigentlich will ich über etwas anderes Schreiben, als über mein Feuer... dennoch gehört auch das zu dem was mich bewegt - nicht durchwühlt.

Es geht um das Thema Erwartungen.

Ich las vor einiger Zeit einen Beitrag den ich schon wieder vergessen hatte und der jetzt gerade sehr aktuell ist:

"Ich bin nicht auf dieser Welt um die Erwartungen anderer zu erfüllen!"

Ich glaube ich habe damals den Beitrag nur registriert, aber nichts dazu geschrieben.

In einigen Religiösen wie esoterischen Lehren geht es darum möglichst Ohne Erwartung an andere Menschen heran zu treten und genauso möglichst den Erwartungen anderer keine Nahrung zu geben.
Wie bewegt man sich zwischen anderen Menschen ohne deren Erwartungen erfüllen zu wollen noch selbst Erwartungen an andere Menschen zu haben?

Ich habe eben darüber nachgedacht, ob ich Erwartungen an andere Menschen habe und ich bin zu dem Schluss gekommen, das zwar Erwartungen da sind, ich aber nicht damit rechne, dass sie wirklich erfüllt werden.  Ähnlich wie, wenn ich auf eine Bahn warte, von der ich weiß, dass sie kommt oder eben nicht. Kommt sie freut es mich, bleibt sie weg, hat es keinen Sinn sich darüber zu ärgern, denn ich wusste ja das es sein kann, das sie nicht kommt.

Meine Erwartung ist also nur an das Gefühl angeknüpft, das ich selbst habe und nicht an das was der andere macht. Ein anderes Beispiel, jemand erzählt mir er habe ein Geschenk für mich, das er mir irgendwann geben wird. Ich freue mich das mir jemand erzählt er habe ein Geschenk für mich, das er mir irgendwann geben wird. Aber ich warte nicht bis ich das Geschenk erhalte. Oft ist es eher so, das ich das Gespräch wieder vergesse und total überrascht bin, wenn das Geschenk eintrifft. Ich aber nicht in eine Wartehaltung gehe, weil ich das Geschenk unbedingt haben will.

Anders sieht es aus mit den Erwartungen anderer an mich. Wenn diese Direkt an eine Aufforderung geknüpft ist (z.B: das musst du machen, das macht man so, mach das mal jetzt!) kann mich das schnell überfordern. Ich habe dann oft das Gefühl dem nicht gerecht werden zu können.  Solange ich das Gefühl habe ich hab die ganze Sache unter Kontrolle bin ich Freundlich. Aber wenn der andere die Gesprächsführung übernimmt und mich weiter drängt reagiere ich mit Abwehr.
Manchmal drehe ich dann einfach den Spieß um, indem ich den anderen mit seiner Erwartung an mich konfrontiere. Und oft spielt dann mein Temperament eine große Rolle, solange ich das Gefühl habe das ich das Thema oder die Sache die von mir erwartet wird, zur Zeit nicht richtig für mich ist, wiedersetze ich mich dem vehement. Das geht so lange bis ich auf Distanz gehe und jedes neue Gespräch in diese Richtung abblocke oder mich ganz zurück ziehe.

Im Privatleben sieht das dann so aus, das ich klar sage: "Ich will jetzt nicht mehr darüber reden" und notfalls den anderen einfach stehen lasse und aus der Situation gehe. Draußen lodert dann eine Weile mein Feuer wie wild und ich muss ziemlich viel Wasser drüber kippen um wieder zur Ruhe zu kommen. Würde ich dann in der Situation bleiben, wäre ein heftiger Streit vorprogrammiert. Meine Frau weiß mittlerweile das es keinen Sinn macht mich zu etwas zu bedrängen, das ich nicht will. Ein Später ist bei mir immer möglich, aber das JETZT - da nehme ich mir die Freiheit darüber nachzudenken.

Wenn eine Erwartung nett und lieb vorgebracht wird, oder als Tipp verpackt wird, gehe ich darauf ein mit den Worten: Ich denke darüber nach und solange der andere nicht die Holzhammermethode anwendet und von mir verlangt sofort darüber nachzudenken, behalte ich es im Hinterkopf und beschäftige mich in aller Ruhe damit.

Ich bin kein einfacher Mensch und will es auch nicht sein. Das ich es nicht bin, weiß ich schon lange, das ich es auch nicht sein will, nun die Erkenntnis kam erst vor kurzem.
Bis dahin dachte ich, ich kann eben nicht aus meiner Haut. Durch diese Erkenntnis ist mir bewusst geworden, das ich gar nicht anders sein will. Ich will ein Alien sein. Und da gibt es noch nicht einmal eine Erklärung dazu. Das ist meine Schublade die mir selbst gestatte.

Das Thema Erwartungen ist wirklich ein spannendes Thema, denn mir kommt gerade der Gedanke ob es auch eine Art von Erwartung ist, das ich die Erwartungen anderer nur dann erfülle wenn sie so und nicht anders vorgebracht werden... hm.

Überhaupt ist es eine Erwartung mit keiner Erwartung konfrontiert zu werden und selbst keine Erwartung zu haben?

Ich muss sagen, darüber muss ich erst nachdenken... interessant ist es auf jeden Fall den Begriff Erwartungen sich näher anzusehen. Denn letztendlich entspringt der Gedanke das andere Erwartungen haben immer aus der Vorstellung heraus, zu wissen das andere Erwartungen haben und selten aus der Vorstellung sich vielleicht nur einzubilden, das andere Erwartungen haben könnten.

Vielleicht ist eine Frage nicht mehr als eine Frage und die Antwort, eben nicht mehr als eine Antwort.

Vielleicht ist es letztendlich so, das die Vorstellung ein anderer könne Erwartungen haben uns sofort in Distanz zu dem anderen bringt, weil die Nähe in diesem Moment bedeuten würde seine Freiheit zu verlieren?

Ich werde darüber nachdenken und vielleicht gibt es noch einen Teil 2 zum Thema Erwartungen.

Mich würde allerdings eure Meinung hierzu sehr interessieren...

In dem Sinne
Namaste und eine wundervolle gute Nacht

Eure Andarnil

Dienstag, 22. September 2015

Glühbirne an - Erkenntnis ein Aspekt der Nondualität



Heute morgen wachte ich gegen 4 Uhr auf. Zuerst war ich genervt, ich wollte so gerne mal länger schlafen, aber seit dem ich mich noch intensiver mit dem Buddhismus beschäftige ist 4 Uhr meine absolute Schlafgrenze, es gibt Zeiten, da gehe ich um 22:00 Uhr schlafen und bin um 1:30 hellwach.
Ich hatte eine Art Eingebung, ausgelöst durch einen Satz den ich in einer Buddhistischen Gruppe gelesen habe:

"Wir sind einfach Buddhisten. Wir sind nicht einmal Zen-Buddhisten. Wenn wir das verstehen, sind wir wahrhaft Buddhisten."
Zitat von Shunryu Suzuki

Und heute morgen hatte ich dann eine Art Eingebung zum WIR, zum NICHTS und somit zur Nondualität.
Ich setzte mein Monatsthema in die Gruppe die ich betreue. Ich schrieb:

"Wir sind einfach Buddhisten. Wir sind nicht einmal Zen-Buddhisten. Wenn wir das verstehen, sind wir wahrhaft Buddhisten."
Shunryu Suzuki
Wie einfach es ist...
Ich hatte letztens ein Gespräch mit einer Freundin aus Frankreich, wir unterhielten uns über die buddhistischen Sila und sie meinte zu mir:
"Also wenn man sich an die Sila hält und auch an einige Buddhistische Inhalte, ohne zu wissen, dass es sie überhaupt gibt, ist man dann ein Buddhist ohne zu wissen, dass man ein Buddhist ist?"
Diese Frage hat mich nachhaltig beschäftigt. Ich sagte zu ihr:
"Ja könnte man sagen, aber da es vollkommen unerheblich ist, wie man das Ganze nennt, ist es auch unwichtig ob man sich Buddhist nennt.. "
Wir seht ihr das?

Ich bekam daraufhin einige Antworten die sich im Sinn gleichen:

"Wir sind nicht Buddhisten..." "Wir sind NICHTS..."

Daraufhin schrieb ich:

Auch NICHTS ist eine Anhaftung.

WIR heißt nicht ICH, heißt nicht Alles und Alles heißt nicht NICHTS. ... mal in meine Philosophiekiste gegriffen.
Der Aspekt das wir nichts sind, würde hier also nicht zutreffen, dazu müsste man wissen was WIR sind, bzw. wer WIR ist. Und ob WIR überhaupt existiert. Wenn WIR existiert ist es dann nicht NICHTS. Wenn WIR nicht existiert, gibt es das NICHS auch nicht. Weil NICHTS ein Bezug zu einer Sache hat. Sogesehen sprecht ihr nicht von WIR sondern von euch. Und somit - so Illusionsraubend es ist, sprecht ihr vom ICH.

Nachdem ich das geschrieben hatte, habe ich wieder überlegt ob ich es löschen soll.
Aber ich ließ es stehen.

Mir ist bewusst was man mir sagen wollte. Das alles Eins ist, entspringt ja einem tiefen Verständnis vom Miteinander. Doch der Begriff NICHTS ist mir zu Oberflächlich und in dem Fall nicht zutreffend (empfinde ich).


Oder anders - meine Sicht auf die Dinge.
Oben seht ihr eine Bank.
Die Bank verändert sich im Laufe der Zeit. In vielleicht 5 Jahren gibt es sie vielleicht nicht mehr, weil durch Schnee und Regen das Holz verrottet ist. Aber die Bank war trotzdem da. Auch wenn du in 5 Jahren an dieser Stelle vorbei gehst und gar nicht weißt das es diese Bank gab.

Genauso ist es mit dem ICH. Ein ICH Bewusstsein, ist das Wissen um die eigene Identität. Diese Identität ist Veränderbar, alleine durch unsere geistige und körperliche Entwicklung.
Viele Wissenschaftler gehen davon aus, das ohne das ICH Bewusstsein keine Entwicklung statt finden kann, zumindest nicht beim Menschen.
Das ICH ist also ein wichtiger Bestandteil unserer Existenz. Das ICH ist aber auch ein sehr dominanter Bestandteil des Egoismus. Heißt:
Ein egoistisch veranlagter Mensch wird sich selbst immer im Mittelpunkt sehen im Vergleich zu anderen Menschen. Ein Stück Egoismus steckt in allen Menschen, denn bedingt durch unsere dauernde körperliche und geistige Entwicklung haben wir gelernt dass das was wir wollen, wichtiger ist als das was wir haben.
- wir lernen zielorientiert zu denken, damit wir das erreichen können, was andere Menschen bereits vor uns erreicht haben. Das fängt beim Kleinkind an und hört erst auf, wenn wir Tot sind.

Zurück zu dem Buddhismus und zur Bank.

Wenn wir Buddhisten (oder nicht Buddhisten) von uns behaupten NICHTs zu sein, verändern wir nur unseren Blick vom ICH zum WIR. Was letztendlich nichts daran ändert das wir immer noch im ICH anhaften.
Denn solange wir nur die Blickrichtung ändern, verändern wir nicht die Tatsache das wir trotzdem dual denken.

NICHTs ist Nondual.

Das beinhaltet das wir uns nicht mehr als eine Person wahrnehmen. Solange wir aber über das Nichts nachdenken, fühlen, uns daran orientieren. Es uns körperlich und geistig beschäftigt. Wir noch verwundert sind über unsere Empfindungen, stehen wir noch mitten im ICH, in der Dualität. Denn wir brauchen in diesem Moment noch die Empfindung und Bestätigung der anderen.
Auch wenn 10 Leute zusammen kommen und alle 10 sagen: wir sind Erleuchtet, weil alle 10 das gleiche fühlen, denken, aussprechen und danach handeln, leben sie noch den Dualismus, das ICH.
Auch wenn 100 Leute zusammen kommen, oder 1000 Leute leben sie noch das ICH. Zusammen erleben sie einen nondualen "Aspekt" ihrer Existenz. Sie fühlen sich in der Gruppe bestätigt und gehalten, geborgen. Dennoch ist jeder für sich ein Individuum.

Zurück zur Bank.

Das ICH ist wie diese Bank. Es ist da und es verändert sich. Wenn wir Glück haben und vielleicht ;) Buddhisten sind, lernen wir Mitgefühl für andere Wesen zu empfinden. Wir lernen auch Aspekte der Nondualität kennen. Wir fangen an zu begreifen, das unser ICH in Wahrheit ein WIR ist. Wenn wir in unserer Entwicklung angekommen sind, das unser WIR Gefühl sich noch weiter vom ICH entfernt, kommen wir an einem Punk der Distanz zu uns selbst und zu anderen Menschen. Wir erleben uns als schwimmendes Teilchen inmitten von anderen Teilchen und je distanzierter wir auf dieses Schwimmende Teilchenbild blicken desto mehr verschwimmt alles zu einem einzigen Teil die Distanz verschwindet, wir sind EINS. UND dann mit noch mehr Distanz wird das EINs immer kleiner und immer kleiner und es passiert NICHTS.

Stellt euch vor ihr steht auf einem riesengroßen Kran Platau und schaut von einer Höhe von 3 Meter auf ein Fußballfeld und irgendwo dort unten sitzt eure Tochter auf der Besucher Tribüne. Ihr könnt sie noch sehen und ihr winkt ihr zu. Am Anfang seht ihr noch lauter Menschen und ihr müsst euch richtig anstrengen das komplette Feld zu überblicken. Dann wird euch der Kran 10 Meter hoch bringen und ihr seht auf einmal das komplette Fußballfeld und eure Tochter ist irgendwo dort verschwunden.  Der Kran bringt euch noch weitere 10 Meter nach oben. Die Menschen sind alle nur noch Punkte, eure Tochter ist ein Punkt darin. Weitere 15 Meter, das Fußballfeld verschwindet inmitten anderer Gebäude, Menschen sind keine mehr zu sehen. Weitere 300 Meter und ihr seht nur noch Wolken. Menschen, Gebäude alles ist weg. 1000 Meter. Bei klarem Himmel sehen wir ein paar Lichter und die eine oder andere Gebirgskuppel, der Himmel erscheint uns unglaublich nah, denn wir werden,  je höher wir kommen, Teil des Himmels werden. Zur Erde haben wir eine Distanz aufgebaut. Obwohl wir immer noch Teil der Erde sind, alleine durch den Kran, mit dem wir verbunden sind.

Das Problem an dem Aspekt der Nondualität ist, dass man nicht lange darin verharren kann, ohne den Bezug zur - vielleicht illusorischen Realität - zu verlieren. Denn bevor es wirklich dazu kommt, das WIR verschwinden fragen wir uns automatisch: Ist das was ich erlebe Real oder das was ich vor meinem Erleben erlebt habe? UND in diesem Moment an dem wir uns das fragen, sind wir wieder genau am Anfang, nämlich dem ICH.


Ein großes Problem bei all dem steckt darin, dass viele Buddhisten sich in dem Zustand des Nondualen Aspekts immer weiter von anderen Menschen entfernen. Sie erleben sich jedoch selbst als Teil von allem. Für andere Menschen die diesen Zustand nicht kennen, werden (WIR) zu der Bank die nicht mehr vorhanden ist, weil Schnee und Regen sie haben verrotten lassen (vielleicht ein doofer Vergleich :) ).

Vieles wird auf einmal nicht mehr wichtig. Auf Fragen antworten WIR einseitig. Manch andere Gefühle werden belächelt oder gar ignoriert. Es entsteht eine greifbare Distanz zu anderen Menschen ohne das es uns bewusst ist. Und wenn es uns bewusst wird, reagieren wir auf eine Subtile Weise ablehnend: "Es ist deine Realität und jeder ist das was er glaubt zu sein..."

WIR merken oft nicht, dass das ICH in uns in diesem Moment wieder vollkommen die Oberhand hat. Wir schwelgen in der Erinnerung des Nondualen Aspekts.

Ich glaube - zumindest ist das mein Weg - es ist wichtig bei all dem Nie den Blick zu dem zu verlieren was wir einst hatten. Denn nur so bleiben wir mit anderen Menschen in Verbindung. Nur so erleben andere in unserem Handeln ein Gefühl von Verständnis, Achtsamkeit, Respekt und Mitgefühl.
Und das wiederum impliziert eine subtile Form von Dualität.
Wenn uns also bewusst ist, das wir Mitgefühl empfinden, ist das ein Teil unseres ICHs.
Die Erinnerung des Nondualen Aspekts verbleibt weiterhin in uns, genau wie die Erinnerung daran, das die Bank existiert hat, auch wenn sie jetzt nicht mehr vorhanden ist.

Die Verbindung zu anderen Menschen besteht nicht im NICHTS. Es ist das WIR und somit das ICH das uns alle miteinander verbindet.


Auch wenn das jetzt dem einen oder anderen nicht gefallen mag...

In diesem Sinne

Namasté

Eure Andarnil


Montag, 21. September 2015

Zu: Stell dir vor...

... es ist Krieg ... 

Mein vorheriges Bild ist sozusagen die Vorbereitung zu diesen Blogeintrag.

Stellt dir vor es ist Krieg...

Ein Krieg kann unterschiedlich aussehen, es kann ein Krieg mit Waffen sein, der den Konflikt unterschiedlicher Länder zeigt und in die Geschichte der Länder eingeht. Sowohl karmisch als auch Psychologisch hinterlässt ein solcher Krieg großes Leid.
Ein Krieg kann auch ganz persönlich sein, ein Krieg der mit Missbrauch, Vergewaltigung und Folter anfängt und vielleicht nie endet.
Ein Krieg der sich in der Seele eines Menschen verhakt wie ein Beil.

Jeder Krieg ist schmerzvoll, leidvoll und bringt neue Qualen mit sich. Die Opfer sind zahlreich auf beiden Seiten. Am Ende eines Krieges gibt es keine Täter mehr nur noch Trümmer, Verzweiflung, Angst, Hass, Blut und Tod.


Mein obiges Bild mag verstörend sein, es ist ein kleines Mädchen mit einem Band um die Augen, stoppt Folter. Es hätte auch ein anderes Band mit einer anderen Aufschrift sein können: Stoppt Krieg! Stoppt Gewalt!

Dieses kleine Mädchen bin ich im Alter von vier Jahren. Einen Tag bevor das Bild (ohne Band) aufgenommen wurde, war meine Welt noch in Ordnung.
Ich hatte Menschen um mich herum die ich Mama und Opa nannte, ich bekam genug zu Essen, einmal in der Woche wurde ich in eine große Zinkbadewanne gesteckt, die Mama dafür von Draußen herein holte, es war mollig warm in der Küche, dabei lief das Radio und meine Mama sang während sie mit mir im Wasser plantschte.
Ich weiß noch es gab Sonntags immer Sauergraut mit Szegediner Gulasch und Opa holte einen Streuselkuchen, den wir dann gemeinsam Nachmittags aßen, dazu gab es Muckefuck, eine Art Kaffee aus Pflanzenteilen, den ich mit viel Milch und Zucker trinken durfte.
Ich fing gerade an zu lesen, denn Opa las jeden Tag mit mir in der Zeitung. Und hin und wieder bauten wir Sachen auseinander und wieder zusammen. Ich lernte wie man einen Wecker auseinander baut und wieder zusammen. Ich liebte es die vielen kleinen Rädchen zu berühren. Es gab auch Dinge die ich nicht verstand, so durfte ich nicht nach Draußen, weil es "Draußen gefährlich" war. Ich durfte auch nicht mit dem Kindern spielen, die im gleichen Haus lebten wie wir: "Weil es gefährlich war". Ich bin also die ersten vier Jahre meines Leben sehr isoliert aufgewachsen, nur mit diesen zwei Menschen die für mich die Welt bedeuteten. Ich verließ nicht die kleine Wohnung in der wir lebten und meine Notdurft verrichtete ich in einem Eimer der von Mama jeden Tag ausgeleert wurde.

Mein persönlicher Krieg fängt ganz anders an als andere Kriege und doch ähneln sie sich sehr. Es war wie eine Bombe die eines Abends in unserer Küche einschlug. Wenn ich zurück blicke, dann gab es eine Art Vorbereitung. Mama hatte alle Türen verriegelt und vor die Küchentür unseren Esstisch geschoben, Opa war morgens schon mit dem Motorrad weggefahren, beide hatten sich gestritten und im ganzen Haus war es laut. Wenn es laut wurde, hielt mir meine Mama die Ohren zu, sie stellte das Radio auf volle Lautstärke um das Gebrüll von Draußen zu übertönen, manchmal sang sie auch ganz schief und je lauter es von Draußen brüllte, desto lauter sang meine Mama.
An diesem Abend kam das Gebrüll in unsere Wohnung.

Ich weiß noch welche Angst ich den ganzen Tag über hatte. Mama hatte ihre Arme um mich geschlungen und wiegte mich hin und her, dabei weinte sie die komplette Zeit über. Es wurde Abend als irgendjemand von Draußen gegen die Küchentür schlug und laut brüllte man solle die Tür aufmachen. Der Tisch vor der Tür vibrierte und Mama hielt mich fest an sich gedrückt. Dann wurde es im Nebenzimmer laut und meine Mama lies mich los und rannte durch die kleine Wohnung um die zweite Tür im Nebenzimmer zu verbarrikadieren. Sie schaffte es nicht. Ich hörte wie die Tür eingetreten wurde und dann sah ich Männer in Uniformen die in unser kleines Zimmer kamen, es waren viele Männer und sie hatten Pistolen die sie auf Mama richteten. Ich schrie und dann warf sich Mama auf mich und die Männer warfen sich auf Mama. Ich weiß noch das ich das Gefühl hatte erdrückt zu werden, ich bekam keine Luft aber ich schrie mir die Seele aus dem Leib.

Die Männer in Uniform hielten Mama fest, einer bedrohte sie mit einer Waffe und dann wurde ich einer mir völlig fremden Milchkaffeefarbenen Frau übergeben und Mama wurde weggebracht. Ich weiß noch wie ich meine Hände nach ihr ausstreckte und nach ihr brüllte, um mich schlug und tritt und ich weiß noch wie Mama ihre Hände nach mir ausstreckte, Hände die sich nie wieder so berührten sollten wie davor. Ab da veränderte sich alles in meinem Leben, meine Mama und mein Opa kamen eine kurze Zeit ins Gefängnis und ich kam zu einer anderen Familie. Zu einer Frau die behauptete meine richtige Mutter zu sein und einem Mann der sagte er sei mein richtiger Vater. Da waren Kinder die sagten sie seien meine Geschwister ...

Das war der Anfang meines ganz persönlichen Krieges der 16 Jahre meines Lebens andauerte. Ich habe all das erlebt was Kinder und Frauen in anderen Kriegen auch erleben. Vergewaltigung, Missbrauch, Gewalt und Folter, Angst und Tod. Und es gibt Momente in meinem Leben, wie jetzt zum Beispiel, da sind diese Bilder sehr real.  Ich bin dem Grauen in diesen 16 Jahren mehrmals begegnet in unterschiedlichen Formen. Ein Kind wurde abgetrieben und ich war dabei, ein Mädchen wurde getötet, Kinder weinten und schrien, Blut floss... dann sollte ich sterben.
Wenn ich über den Tod nachdenke sehe ich Hände die meine Kehle zudrücken, bis ich sterbe. Ich erinnere mich an meinen Tod. Ich sehe mich von oben, sehe die Gestalt die über mir liegt und mich würgt. Dann wird es dunkel, ich sehe einen Tunnel, dann ein gleisendes pulsierendes helles Licht, es wird warm um mich herum und der Schmerz hört auf.
In meiner Erinnerung bin ich 9 Jahre alt als ich sterben sollte. Wieder verändert sich die Welt.

Vor dem Tod habe ich keine Angst. Nach dem Licht habe ich mein ganzes Leben gesucht und ich suche immer noch und ich weiß heute, wenn ich sterbe, wird es nicht schlimmer sein, als damals als die Hände mir die Kehle zudrückten.

Warum erzähle ich euch von diesem Grauen?

Ich erzähle euch davon, weil die Menschheit sich gerade spaltet, statt Mitgefühl mit dem Opfern eines Krieges zu haben, werden sie verurteilt. Statt sie aufzunehmen, werden die Grenzzäune noch höher gebaut.

Bei mit war das genauso. Es gab Momente da war ich auf der Flucht. Ich rannte mit dem am Leib was ich gerade anhatte, manchmal war es nur ein dünnes Hemdchen. Ich rannte um mein Leben. Ich rannte blutend und Barfuß durch den Schnee in den Wald um mich zu verstecken.  Ich rannte zu den Nachbarn und hämmerte gegen ihre Türen. Manchmal war es eine Gardine die sich bewegte, aber die Türen blieben die meiste Zeit verschlossen.
Man wollte sich nicht einmischen, man hatte Angst. Angst vor dem was im Haus am Wald geschah.
Es hat viele Jahrzehnte gedauert bis ich diese Angst in den Augen der Nachbarn verstehen konnte.

Es wird viel gemutmaßt warum Flüchtlinge flüchten. Oft wird angenommen sie seien Wirtschaftsflüchtlinge die sich hier in Deutschland wie in anderen reichen Ländern niederlassen und sich bereichern wollen.
Die Gedanken sind vielfältig, aber alle entspringen einer Illusion. Denn gerade die Leute die sich am meisten darüber aufregen, über die Flut der Menschen die versuchen über die Grenzen zu kommen, haben keine Ahnung von Krieg.
Sie wissen nicht was diese Leute bewegt. Sie wissen nichts von dem Grauen, dass sie erlebt haben.

In den letzten Monaten wurde ich oft über Facebook angegriffen, weil ich so wenig Position bezog, keine Solidarität zeigte für Linksradikale Aktionen.
Ich habe oft versucht es damit zu erklären, dass ich die Gewalt auf beiden Seiten sehe und ich Gewalt ablehne.
Jemand der einen Krieg erlebt hat, denkt nur noch an eines. Wenn es Krieg gibt - musst du Überleben!

Als es in Facebook anfing -  die Menschen Positionen bezogen und statt mit Waffen mit Worten schoßen.
Ab da hielt ich mich im Hintergrund. Ich wurde nach und nach zurückhaltender mit persönlichen Artikeln und jetzt poste ich wenn überhaupt nur noch Buddhistische Inhalte oder Verlinkungen zu anderen Artikeln mit klaren Aussagen zu unterschiedlichen Themen. Wenn mich Nachbarn zu dieser Thematik ansprechen, nicke ich und schweige. Mit mir über diese Themen zu diskutieren wird schnell langweilig. Ich meditiere sehr viel und ich arbeite fast Rund um die Uhr an unterschiedlichen buddhistischen Inhalten.
Ich bereite mich auf meine Art vor. Es gibt Momente da mag ich Flüchten oder mir selbst die Ohren zuhalten vor dem lauten Gebrüll der Pegida Menschen.
Aber ich halte mir nicht die Ohren zu, ich beobachte leise mit Herzklopfen. Ich schätze ab und ich versuche aus dieser Position heraus neutral zu bleiben, damit ich neutral helfen kann, wenn die Fahnen gegen richtige Waffen ausgetauscht werden. Ein Krieg kann so unterschiedlich sein. Wir stehen kurz davor. Das ist die Realität.

Ich bin kein aufbrüllender Möchtegern Soldat. Ich gehöre zu einer kleinen Gruppe von Pazifisten die versuchen sich im Hintergrund zu halten, um die verletzten Menschen zu verpflegen, wenn es soweit ist.  Es gibt jetzt schon Opfer die sich mir anvertrauen und die ich berate und tröste. Das ist meine Aufgabe in diesen Anfangszeiten eines großen Krieges.
Als Kind hätte ich mir einen Pazifisten gewünscht, der mich getröstet, mich umarmte, der mir etwas zu essen gab, als ich vor Hunger zusammenbrach. Der meine blutenden Wunden versorgte und meine Seele beruhigte: Alles wird gut!

Mein Krieg hat tiefe Narben hinterlassen, Wunden die vielleicht nie wieder vollständig abheilen werden. Auch nach 34 Jahren die vergangen sind, sind die Bilder aus meiner Erinnerung noch sehr real. Es gibt Momente da hoffe ich sehr, dass ich nicht Dement werde und wieder eintauche in die Zeit vor meinem 16 Lebensjahr. Wieder das Kind bin, dass sich das eigene Blut vom Körper schrubbt um wieder rein zu sein, mit dem Wissen das es nie wieder rein sein wird.

Ich will keinen Krieg, für nichts auf der Welt. Ich weiß, dass ich zu den Menschen gehören werde, die sich überlegen werden sich selbst zu töten, wenn es so weit ist. Einmal Krieg erleben reicht voll und ganz um zu begreifen, das Gewalt keinen Frieden bringen kann.

Das es nur möglich ist Flüchtlinge aufzuhalten, die um ihr Leben rennen, indem man sie tötet. Unsere Grenzen werden nie hoch genug sein, unsere Mauern nie stark genug sein.  Wenn ein Mensch um sein Leben rennt dann ist er bereit zu fliegen über alle Hürden hinweg.
Krieg ist wie ein Kannibale der sich selbst auffrisst. 

Ich kann euch keinen Tipp geben, wie ihr vorgehen sollt. Ich kann nicht sagen: Reißt die Mauern nieder, öffnet die Grenzen um den Kriegsleidenden hier ein Leben zu ermöglichen. Was immer ihr macht, ich habe darauf keinen Einfluss und ich will keinen Einfluss darauf haben.

Ich kann nur eines sagen: Habt Mitgefühl für alle Beteiligten.
Mitgefühl für die Unwissenden mit ihren Fahnen und ihrem Hassgebrüll und Mitgefühl für die Flüchtenden mit ihren Narben und Wunden. Habt Mitgefühl für die Opfer und Täter auf allen Seiten. Denn am Ende spielt es keine Rolle mehr wer was gebrüllt hat oder wer auf welcher Seite gekämpft hat. Am Ende zählen nur die Toten und die Überlebenden.

Hier endet nun mein Artikel.
Wenn man mich früher fragte ob ich mich als Opfer sehe, sagte ich "NEIN, ich sehe mich als Überlebende".

Überleben bedeutet man hat den Tod besiegt.
In Wahrheit lässt sich der Tod nicht besiegen, er ist Teil vom Leben.
Wenn man mich heute Fragt so zucke ich die Schulter und schweige. Denn eigentlich gibt es nur einen Satz für das was ich erlebt und überlebt habe: Ich lebe! Nur das zählt.

Es sind nicht meine Tränen und der Schmerz meiner Erinnerungen, die meine Kindheit in die Gegenwart transportieren. Es ist Mitgefühl, Metta, Ahimsa.

Es sind die Menschen denen ich begegne, die Momente in denen sich unsere Blicke kreuzen, das Erkennen auf beiden Seiten. Es sind die Schwestern und Brüder (die die Kriege dieser Erde überlebt haben), deren Seelen sich mit meiner Seele verbinden. Dabei spielt es keine Rolle welche Nationalität, Sprache oder Hautfarbe sie haben. Wenn wir uns alle an den Händen fassen umringen wir hunderte um hunderte male die Welt.

Das sind die Menschen die mich an meine Vergangenheit erinnern und ihnen sind meine Worte gewidmet mit denen ich hier Enden werde:

"Ihr seid nicht alleine!"


In diesem Sinne

Namasté
Eure Andarnil






Stell dir vor...


Link zum Urheber des Bildes: Facebook Foto
(c) Falk Bräcklein

Metta oder wie ein Lächeln die Welt verändert





Vor 34 Jahren begegnete mir ein alter Mann, er saß wie ich auf einer Parkbank. Ich saß dort weil ich auf eine Freundin wartete die den Park dazu nutzte um zu dealen. Ich wartete dort mit hochtoupierten Haaren, schwarzen Augen, schwarzen Fingernägeln und schwarzen Lippenstift. Der alte Mann hatte einen Stock und er lächelte die ganze Zeit über, während ich an Tötenköpfe dachte und das neuste Lied von The Cure im Kopf hatte.

Dieses verzückte Lächeln reizte mich, ihn anzusprechen:

"Wieso lächeln sie?" fragte ich. Er sah mich an und lächelte noch mehr, dabei hatte er diesen entrückten Blick, er sah an mir vorbei.

"Weil die Welt so unglaublich schön ist!"
Ich musste loslachen.
"Dann müssen sie wohl blind sein!" sagte ich.
Er lächelte weiter und nickte.
"Ich bin seit dem letzten Weltkrieg blind!"

Mir war das jetzt peinlich, ich wollte ihn nicht demütigen und so entschuldigte ich mich.

"Warum eine Entschuldigung, du hast doch recht!"

Meine Freundin war immer noch nicht in Sicht und der alte Mann interessierte mich.
"Wie sieht man die Welt, wenn man Blind ist?" fragte ich.

Er blickte nun nach oben zu den Bäumen, den Wolken und womöglich noch viel weiter.

"Die Welt ist so wie sie ist. Ich höre die Vögel zwitschern und ich fühle die Sonnenstrahlen auf meinen Armen, ich höre Menschen reden und Kinder lachen. Ich höre Autos fahren und in der Nähe ist ein kleiner Brunnen. Ich höre deinen Atem und ich rieche deine Seife. Ich höre den Wind in deinem hochtoupierten Haaren."

Das war gruselig. Wie konnte er wissen, das meine Haare hochtoupiert waren. Ich stand auf und sah ihn mir genauer an, ich fuchtelte mit den Händen vor seinen Augen herum, tat so als würde ich ihn schlagen, aber er lächelte weiter und ich setzte mich wieder neben ihn.

"Wissen sie wer ich bin?" fragte ich, weil ich dachte, vielleicht kennt er mich ja von irgendwoher und irgendwer hat ihm gesagt wie ich aussehe.

Er sagte:

"Ja ich weiß wer du bist!"

"Ok alter Mann und wer bin ich?" ich hatte einen leichten Zorn in meiner Stimme, das gefiel mir ganz und gar nicht.

Wieder lächelte er.

"Du bist ein Mädchen das sehr traurig ist!" sagte er.

"Was für ein Scheiß!" fuhr ich ihn an. Ich war wütend.
Ich wollte nicht das irgendwer meine Traurigkeit erkannte. Ich wollte unsichtbar sein, unentdeckt, ich fühlte mich durchschaut und das machte mich Zornig.

"Die Welt ist wunderschön und wenn du anfängst zu lächeln, wirst du das erkennen!"

In diesem Moment sah ich meine Freundin. Sie winkte mir zu. Ich stand auf und sagte: "Träum weiter alter Mann!"
Und dann ging ich.

Etwas später besuchte ich wieder mal die Schule nach langer Zeit stand ich im Schulgang vor dem Fenster. Meine Lehrerin kam auf mich zu und lächelte mich an. "Na wieder mal da!"
Ich zeigte ihr den Mittelfinger und wollte mich an ihr vorbei quetschen um vor ihr in der Klasse zu sein. Doch sie hielt mich am Arm fest: "Weißt du, du könntest so ein hübsches Mädchen sein, wenn du mal lächeln würdest".

Ich starte sie einen Moment an, dann rannte ich an ihr vorbei den Gang entlang bis zu mir nachhause. Ich hatte Herzklopfen als ich in meiner Wohnung ankam. Aber ich ging sofort ins Bad und sah mich in dem zerbrochen Badezimmerspiegel an. Ich sah mich lange an bis sich mein Mund zu einem Lächeln formte. Es war das erste Mal das ich mich lächeln sah. Es war fremd dieses Gesicht in diesem zerbrochenen Spiegel, doch dieses Lächeln das ich sah war wunderschön. Ab da übte ich jeden Tag mein Lächeln. Ich verzog die Mundwinkel nach oben, machte eine Fratze und zeigte meine Zähne. Eines Tages ging ich nach Draußen mit den schönsten Lächeln in meinem Gesicht und der erste der mir begegnete lächelte zurück.
Ich kann aus heutiger Sicht sagen, das hat mein Leben verändert. Ich wusste nicht wie man lächelte, ich verstand lächelnde Menschen nicht. Mir war das durch meinen Asperger Autismus fremd. Und ich fühlte mich allein dadurch sehr isoliert.

Manchmal muss ich mich auch heute noch daran erinnern, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Heute weiß ich um die Besonderheit eines Lächelns, ich weiß das Glückhormone ausgeschüttet werden, das es ansteckend ist und es dazu verleitet zurück zu lächeln. Ich weiß das es Menschen miteinander verbindet.
Heute weiß ich das der alte Mann recht hatte.
Er hat mir an dem Tag im Park etwas sehr wichtiges Geschenkt, die Erkenntnis wie schön diese Welt ist wenn man ihr mit einem Lächeln im Gesicht begegnet....

Ich gedenke meiner Lehrerin Frau Plaum für diesen kurzen Augenblick im Gang meiner alten Schule... DANKE !!!...



Namasté eure Andarnil




(co) Johanna Schlitzkova /Andarnil
Bild: ich bin das Mädel auf der linken Seite :)

Samstag, 19. September 2015

Tun im Nichts Tun - Achtsamkeits Meditation Atmen




Tun im Nichts Tun.
Achtsames Atmen - Meditation für Anfänger:

Wir bereiten uns vor. Wir sitzen, oder liegen. Es ist ruhig um uns herum. Unsere Augen sind geschlossen. Wir lockern unsere Muskeln auf, wo immer es gerade jetzt weh tut, wir ändern die Position, bis es um uns herum schön warm und weich ist. Nichts drückt, nichts tut weh, es ist ruhig und wir fühlen uns wohl.
Wir atmen ein und atmen aus.
Wir konzentrieren uns jetzt nur noch auf unseren Atem - wir lassen ihn fließen. Ein und Ausatmen ohne Anstrengung. Es atmet in uns - die Gedanken die kommen kommen, die Gedanken die gehen gehen. Wir lassen sie mit unserem Einatmen kommen und mit unserem Ausatmen gehen. Wir fühlen unseren Atem in uns. Wir sind der Atem.


Wer ein Stopp braucht darf sich gerne einen Wecker stellen. Am Anfang reichen auch schon 10 Minuten. Wenn du während der Arbeit in deiner Pause diese kleine Meditation anwenden möchtest, dann reichen auch 5 Minuten. Schließe die Tür deines Büros, wenn du die Möglichkeit hast einen "Bitte nicht stören" Zettel anzuheften, dann tue das.
Setz dich nun auf deinen Bürostuhl und gib 6 (1. Minute zur Vorbereitung) Minuten in deinen Wecker/PC ein.
Nun versuche dich so zu entspannen, das nichts drückt, nichts zwickt. stelle deine Füße auf den Boden, lege deine Hände in den Schoß, kipp den Kopf ganz leicht nach hinten. So das deine Position angenehm ist. Schließe nun die Augen.
Und atme!

Nach der Meditation trinke einen schluck Wasser. Komm wieder an und versuche es langsam angehen zu lassen, stürze dich nicht sofort wieder in die Arbeit, sondern gehe erst ein paar Schritte, öffne das Fenster, atme noch einmal tief durch. Du bist da wo du bist, im Hier und Jetzt.

Als Vorbereitung empfehle ich:




Namasté eure Andarnil 


Foto: (c) Johanna Andarnil Schlitzkus