Ich bin durch den Buddhismus aus den Buddhismus herausgewachsen... ich weiß nicht ob ich noch Buddhistin bin. Glauben stößt mich eher ab. Da gibt es nichts was mich noch mit irgendeinem Glauben verbindet. Alles was ist IST. Keine Lehre dieser Welt kann das IST erklären, man muss es fühlen. Es atmen, Es SEIN. Und wenn man ES ist - ist Es NICHTS. Es wird bedeutungslos.
Ich habe mich oft realistisch gefühlt, doch ich habe mich noch nie so realistisch gefühlt wie jetzt in diesem Moment innerhalb dieser Bedeutungslosigkeit.
Bis heute wusste ich nicht das ich ein Nihilist bin. Ich dachte von mir das ich alles mögliche bin. Und in Wahrheit ist auch der Nihilismus nur eines von vielen Möglichkeiten innerhalb der Illusion überhaupt irgendwas zu sein. Ich stehe mit mir selbst auf den Kriegsfuß. Das menschliche will erkannt werden und will sich erneut auf die Suche begeben um sich selbst zu verstehen. Das Andere hat sich erkannt und lehnt jegliche Suche ab.
Es müsste mir egal sein, das Leben, das Tatsächliche, die Realität hinter dem Tatsächlichen. Aber noch ist da der Phönix der sich erneuern möchte... Eines Tages wird er endlich verbrennen....
Ich weiß diese Gedanken mögen negativ sein, aus einer Ecke des psychologischen mag es schon richtig sein, diese Empfindung. Aber das ist das wenigste was mir gerade vollkommen egal ist.
Ich weiß nicht ob ich hier noch weiter schreiben soll... Manchmal denke ich, ich habe eigentlich alles gegeben. Jede erdenkliche Stufe meiner buddhistischen Entwicklung habe ich festgehalten. Meine Blog erzählt eine SEINS-Geschichte. Vom Werden und Vergehen.
Das Ende ist in Sicht vom Blog, vielleicht auch von mir... vielleicht löse ich mich doch eines Tages auf, wie der Phönix der zur Asche wird.
Meine Tochter meinte heute:"vielleicht gibt es Menschen damit sie die Welt zerstören und ihr Sinn ist, damit etwas Neues entstehen kann. Vielleicht eine Zuflucht für Marsianer"
Was für ein Glück ich habe Mutter zu sein. Ich bin gesegnet mit diesem Kind...
Ich hätte mein Tagebuch auch: "Zwischen leben und sterben" nennen können. Ich weiß nicht ob es anderen Menschen auch so geht. Ich habe immer mal wieder Phasen, da habe ich so dermaßen den Durchblick, dass ich mein menschliches Dasein verabscheue. Ich denke dann wirklich darüber nach mir das Leben zu nehmen. Das ist nicht das gleiche wie bei einem depressiven Menschen. Ich leide nicht unter dem Leben. Eigentlich ist es eher das Gegenteil, Ich bin gesegnet mit Liebe, mit Menschen die mich achten, die mich berühren auf vielfältige Weise. Ich bin gesegnet und sehe gleichzeitig die Trauer, das Leid - das Leid der Lebewesen, Wut, Hass, die Schnelligkeit in der Menschen unseren wundervollen Planeten zerstören. Die Angst der Lebewesen, Hunger und Wohlstand, nebeneinander. Ich sehe die Vielschichtigkeit in der wir leben und die Illusion mit der jeder Mensch sich umgibt.
Ich habe aus Beobachtungen erkannt, das nur wir so sind. Tiere sind anders, sie akzeptieren den IST Zustand, die Realität. Je wilder ein Tier ist, desto instinkthafter ist sein Leben.
Ich wünschte ich wäre ein Tier, ein wildes Tier ohne Beziehung zum Menschen. Ich hätte keine Bürde zu tragen, keine Verantwortung für andere Tiere. Ich würde mein Leben leben und sterben. Eingehen in die Natur aus der neues entwächst.
Ja ich denke an den Tod, daran weg zu sein. Eingeäschert und entsorgt. Als Mensch habe ich den Sinn meines Daseins verloren.
Ich muss oft an einen Bekannten denken, ein streitbarer Zeitgenosse, der oft nicht ernst genommen wurde. Der die Welt durch seine Intelligenz wie durch eine Lupe sah und wie durch ein Stethoskop hörte. Er hat oft mit mir über den Sinn des Lebens gesprochen. Er war ein Misanthrop und als wir uns kennen lernten fühlte ich mich von ihm genervt. Sein Tod ging mir sehr nah. Gerade heute habe ich wieder an ihn gedacht. Er fehlt mir in dieser klaren Zeit. Ich denke er würde genau verstehen wie ich mich fühle.
Ich bin in der Zwischenzeit angekommen, eine Zeit in der das Alter mein Leben bestimmt. Alles was jetzt neu sein wird, wird mir fremd werden. In dieser Zeit gehen wir Schritt für Schritt unseres Ursprungs entgegen, wir werden noch einmal jung im Geiste für eine Weile und dann sterben wir. Es ist wie eine neue Geburt. Mir ist diese Zeit sehr bewusst. Meine Familie weiß um meine Gedanken und Gefühle. Wir reden viel und ich bin unglaublich froh um meine Tochter, die mir ihre Sicht näher bringt, die sich gar nicht so sehr von meiner Unterscheidet.
Ihre Wahrnehmung ist so gereift und sie begegnet mir wie eine Erwachsene, wenn sie mir den Sinn des Menschlichen Daseins erklärt. Sie glaubt das der Menschen den Planeten zerstören muss, damit neues entsteht - sie glaubt, dass ist die Kraft des Universums. Meine Frau glaubt das wir eine Art Virus sind, der existiert, um zu existieren, um sich zerstörend weiter zu entwickelt.
Ich finde diese Gedanken unglaublich bereichernd und ich bin dankbar für diese Familie, die mir einfach ebenbürtig ist. Beide sind so weise in ihrem Denken und in ihrem Sein. In solchen Momenten fühle ich mein Glück noch stärker als sonst. Und gleichzeitig die Trauer.
Beides steht nebeneinander berührt sich gegenseitig, hält sich in Armen die so stark sind. Ich glaube diese Welt kann nur durch diese beiden so starken Gefühle existieren.
Ich bin so unendlich frei, weil ich all das fühlen kann, sehen kann. Dieses ganze Wissen unseres Universums...
Meine Frau sagte: "dir muss das alles egal sein Jo. Daraufhin solltest du arbeiten." Sie hat recht.
Aber zur Zeit bin ich froh, dass es mir nicht egal ist. Zur Zeit bin ich froh, dass ich im Glück leide....
und - ich brauche keinen Alkohol um besoffen vom Leben zu sein... Alles was ich brauche trage ich in mir...
Im Buddhistischen Sinne, also im Sinne derer die die Buddhistische Lehre verbreitet haben, ist die Überwindung des Selbst das Ziel eines jeden Buddhisten.
Wenn ich positiv über das ICH und das Selbst schreibe, bekomme ich das von irgendeinem Buddhisten sehr gerne um die Ohren gehauen und dann frage ich immer: "Warum sollte man ein Selbst überwinden, wenn es gar kein Selbst gibt" und meistens kommt dann entweder eine Art von Beleidigung oder gar nichts mehr.
Es gibt im obigen Satz zwei Widersprüche an sich über die ich heute reden möchte.
Der eine Widerspruch ist der Begriff: Überwindung. Im Buddhismus steht die Gegenwart an erster Stelle. Nur das JETZT, das HIER ist das was wichtig ist. Die Realität findet im Jetzt statt, die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht vorhanden. Wir wissen nur was wir jetzt in diesem Augenblick tun. In diesem Moment sind wir das was wir sind. Zwar ist die Vergangenheit Teil unserer Entwicklung, aber da wir nichts verändern können, noch können wir etwas dazu tun, ist die Vergangenheit für das was wir in dem Moment des Jetzt tun, nicht relevant. Wir haben jetzt die Entscheidung, alles was wir vorher getan haben zu beenden und einen neuen Weg zu gehen. Diese Entscheidung haben wir immer nur in diesem Moment des Jetzt, der im nächsten Moment wieder zur Vergangenheit gehört.
Das Überwinden von etwas zielt darauf hinaus, das wir das was wir getan haben, verändern. Nur kann man das was vorher war, nicht mehr ändern. Wir können auch nicht in die Zukunft blicken um ein Ziel das wir jetzt planen zu überwinden, oder zu besiegen. Wer sich also mit dem Begriff Überwinden identifiziert, lebt entweder in der Vergangenheit, oder in der Zukunft.
Überwinden heißt sich ein Ziel setzen, ein Ziel ist immer etwas das in der Zukunft ist. Wenn man das Ziel durchleuft, braucht man nichts mehr zu überwinden, bzw. man braucht sich kein Ziel mehr zu setzen, denn man hat das Ziel erreicht.
Im Buddhismus geht es also nicht darum ein Ziel zu erreichen. Es geht nur darum jetzt in dem Moment zu gehen, das Ziel ist dabei vollkommen gleichgültig, es kann 200 Meter weiter sein, oder zwei Jahre entfernt liegen.
Der zweite Begriff ist das Selbst, oder auch ICH. Das ICH ist eine illusion laut der Übersetzungen von Buddhas Reden. Alles was eine Illusion ist, ist nicht vorhanden. Es existiert nicht und was nicht existiert, bzw. nie existiert hat, kann auch nicht verändert werden. Die Überwindung des Selbst ist also ein Satz der im Buddhismus keinen Sinn ergibt.
Warum sollte man sich mit etwas beschäftigen, das eigentlich nie da war?
Nun könnte man hier einwenden, dass wir aber alle in der Illusion des Selbst leben und daher der Begriff des Überwindens richtig ist.
Ich wende ein:
Eine Illusion ist ein Trugbild, jeder Buddhist der sich der Lehre zugewendet hat, weiß im Laufe der Zeit, dass das ICH eine Illusion ist, weil er den Reden Buddhas Glauben schenkt. Es gibt nur wenige Buddhisten die das in Frage stellen. Die meisten versuchen im Laufe ihrer buddhistischen Ausbildung das ICH in sich selbst zu verändern, bzw. sie erhoffen sich durch Meditation und des Studiums des buddhistischen Weges zu erwachen. Die wenigsten erkennen, dass die Illusion des ICHs keine Überwindung oder Veränderung braucht, da es kein ICH gibt, ist es auch nicht wichtig überhaupt etwas in der Richtung zu unternehmen.
Es geht - meiner Meinung nach - vielmehr darum zu akzeptieren, dass wir in einer Illusion leben und das ICH nutzen um diese Illusion aufrecht zu erhalten. Man muss nichts mehr verändern, wenn man eine Tatsache akzeptiert.
Buddha selbst hat im Laufe seines Lebens mehrere Erfahrungen innerhalb der Illusion des ICHs gemacht. Er hat begriffen, das Leid Teil dieser Welt ist. Er konnte nur sein eigenes Leid erkennen und somit verändern, nicht das der anderen Menschen. Jedoch indem er sein Leid veränderte, veränderte er auch auch sich selbst. Er wurde zu einem Vorbild.
Das ist ein wichtiger Schritt, wir lernen dass wir Machtlos sind. Jede Kraft und Energie scheitert wenn es um den Tod geht. Wir müssen erkennen, dass wir den Tod nicht aufhalten können. Der Prozess des Todes ist das erste was wir akzeptieren müssen. Dieser Prozess - das Sterben lässt sich nicht aufhalten. Der Tod ist immer gegenwärtig. Natürlich kann man jetzt einwenden, dass es immer mal Möglichkeiten gab den Tod aufzuhalten, die Medizin hat hier einen großen Stellenwert. Nun dazu kann ich sagen: Wenn die Medizin verhilft das Leben eines Menschen zu verlängern - ist der Tod noch nicht anwesend gewesen. Vielleicht war der Mensch sehr nah am Sterbeprozess, aber er war praktisch noch nicht wirklich tot.
Buddha hat erkannt das sich im Leben alles um Akzeptanz dreht. In dem Moment wenn man die Dinge um einen Herum akzeptiert, hört das kämpfen auf. Man gibt sich einfach in die Hand dessen was Gegenwärtig da ist.
Und wenn man sich in dem Kreislauf des Lebens und Sterbens befindet, wird auch das ICH - die Illusion des ICHs nicht mehr wichtig, denn auch das gehört letztendlich zur Akzeptanz.
Eine Illusion ist nichts schlimmes, noch ist es etwas das man bekämpfen muss.
Die Illusion ist wie eine warme Decke die uns vor der Kälte der Realität schützt. Wäre diese Decke nicht da, gäbe es auch keine Entwicklung, denn wenn einen IST Zustand von Anfang an akzeptiert hätten, hätten wir uns als Menschen nicht weiterentwickeln können, weil jede Entwicklung auch Motivation braucht. Und Motivation setzt vorraus, das wir uns Ziele setzen.
Und genau da setzt wieder das Selbst ein.
Buddha erkannte, das alles mit einander verbunden ist. Das Selbst, ICH, die Illusion des ICHS, die Akzeptanz der Illusion und das Erwachen.
All das ist letztendlich ein und dasselbe.
Es gibt Menschen die irgendwann im Laufe ihres Lebens erkannt haben, das sie einfach nur akzeptieren müssen, die aber noch nie etwas von Erwachen gehört haben und dennoch erwacht sind.
Und es gibt Menschen die ihr Leben lang auf den Zustand des Erwachens hinarbeiten und sich selbst immer wieder beweisen müssen, dass sie nah am Erwachen sind.
Auch das ist ein Kreislauf der miteinander verbunden ist.
Das Erwachen selbst ist letztendlich nichts was wirklich wichtig ist. Das Erwachen ist nicht von belang.
Wenn es überhaupt um ein Ziel im Buddhismus gehen sollte, dann das Ziel das Leben mit all seinen Illusionen und Realitäten zu akzeptieren. Denn all das ist da um gelebt zu werden.
Ich wünsche mir das es Weihnachten gar nicht gibt. Ich wünsche mir es gäbe keine Religion die das Erleben und Wahrnehmen dieser Welt bestimmt, die macht, dass wir Menschen uns selbst nur dann sehen, wenn wir uns in den Tempeln und Kirchen treffen die uns sagen, wie wir Moral und Nächstenliebe ausleben sollen. die gleichsam aber auch beschreibt was Moral und Nächstenliebe ist, wer sie bekommen darf und wer nicht. Ich wünsche mir ein friedliches Miteinander auf ethischen Werten, fern von Göttern und Propheten. Ich wünschte unsere Politik würde erkennen, das religiöse Werte auch gleichsam verbunden sind, mit Traditionen die so dermaßen veraltet sind, dass sie uns in unserer Entwicklung einschränken. Ich wünsche mir die Erkenntnis das wir mehr als nur Gläubige Wesen sind, das unser tiefes Wissen und Verständnis von dieser Welt frei ist jeglicher Vorgaben und das dieses Wissen keinen Namen braucht um gerecht und ethisch allen Wesen gegenüber zu handeln. Ich wünschte mir wir würden uns alle bei den Händen halten, egal welche Nationalität, welche Sprache wir sprechen, welche Hautfarbe wir haben oder ob wir Homo. Bi, Hetero, Trans oder Intersexuell sind. Ich wünschte wir würden aufhören Sieger sein zu wollen, denn dann gäbe es auch keinen Verlierer. Ich wünschte wir würden uns achten und lieben, bis der Tod uns scheidet unabhängig davon ob wir uns kennen oder nicht. Ich wünschte einfach unsere menschliche Solidarität würde Mauern durchbrechen auf das jeder einzelne aus seinem inneren Gefängnis bricht und endlich frei atmen kann. Ich wünschte wir würden Frieden als etwas natürliches betrachten, statt Gewalt zu verherrlichen und dadurch Krieg zu entfachen.
Ich wünschte einfach es gäbe keine Religion und somit auch keine Religionskriege, keine Waffen und keinen Hass, ich wünschte einfach wir können alle an einen besonderen Tag den wir gemeinsam bestimmen feiern und uns daran erinnern, das wir alle Zufriedenheit als das höchste Gut eines Lebewesens betrachten.
Ich wünschte es gäbe kein Weihnachten, sondern ein Globaler Tag aller Lebewesen dieser Erde, der uns bewusst macht, dass egal wo wir sind, egal wer wir sind, es dieser Ort ist, den wir Erde nennen, der uns alle verbindet. Den wir schützen müssen, um uns selbst zu schützen.
Ich wünschte dieser Tag käme bald, denn dann hätten wir alle gemeinsam etwas zu feiern und nicht jeder für sich allein...
Ich wünsche es für euch Ich wünsche es für mich.....
Eure Jo
BILD:
Jährlich sterben Gänse, Puten, Enten und Hühner in Millionenhöhe zu Weihnachten. http://www.spiegel.de/panorama/gefluegelengpass-die-qual-der-weihnachtsgaense-a-453847.html
Wir schreiben das Jahr 2017 nach Christus, 2530 nach Buddha, 1396 nach Mohammed, 5778 vor Christus (jüdisch), 1938 nach dem indischen (gregorianischen) Nationalkalender.
Wir haben es in all der (unterschiedlichen religiösen) Zeit nicht geschafft Politik und Religion zu trennen, obwohl es ersichtlich ist, dass genau in der Vermischung zwischen Phantasie und Realität das große Problem der Fairen Handlungsfähigkeit liegt, die unsere Welt letztendlich zerstören wird.
Unsere Moral wird an Büchern gemessen die zu einer Zeitrechnung geschrieben wurden, die weit hinter unserem Verständnis von Entwicklung liegt. Alles was der Großteil der Menschheit über diese Zeit vermutet, entnimmt er einem Märchen über Götter und Propheten. Und dieses Märchen wird immer noch politisch dafür genutzt um ein Volk zu führen.
Wir reden von Christlichen, Islamischen, Buddhistischen, Hinduistischen und Jüdischen Werten und meinen in Wahrheit - Werte aus einer Zeit die nicht die unsere ist und nie war (ich spreche hier ganz bewusst die großen Weltreligionen an, die sehr großen Einfluss auf unser Weltgeschehen haben).
Nationalbewusstsein, Politik, Gesellschaft, Moral, Frieden und Gewalt werden durch diese Weltreligionen beeinflusst. Die Politik bemächtigt sich dieser Religion um den Menschen in seinem Moralverständnis einzuschränken, sie gibt also Werte vor, die weit unter dem Niveau und dem Wissen der heutigen Zeit stehen und die letztendlich eine Art Rahmen um die Handlungsfähigkeit aber auch die Denkfähigkeit des Menschen setzen. Das der Mensch dadurch unfrei in seiner Handlung, seinem Denken und Fühlen wird, ist beabsichtigt.
Ich bin der Meinung das Politik und Religion getrennt betrachtet werden sollten. Das würde vieles in unserer Welt vereinfachen.
Wenn man statt von Religiösen Werten von "allgemein gültigen Gesellschaftlichen Werten" spricht bezieht man die Entwicklung der Gesellschaften mitein, jede Gesellschaft will Frieden für das Volk, unabhängig wo das Volk auf dieser Welt zu finden ist. Eine allgemein gültige Gesellschaftliche Ordnung kann diesen Frieden aufgrund objektiven Betrachtungen leichter umsetzen, als auf Grund der Religiösen Werte des jeweiligen Landes.
Statt sich auf Traditionelle Werte aus einer Zeit zu beziehen, die nicht mehr existiert, könnte man die gegenwärtige Sozialstruktur innerhalb der Gesellschaft betrachten und näher darauf eingehen, ohne das Religion den Blick vernebelt oder einschränkt.
Ein friedliches Miteinander ist viel einfacher zu gestalten, wenn es keine machthungrigen Götter oder Propheten, gibt, die sich in das Leben der Menschen einmischen. Ein Miteinander ist nur dann Möglich, wenn statt einer Religion der Frieden im Vordergrund steht.
Philosophen und Wissenschaftler beschäftigen sich schon lange mit der Frage ob religiöse Einflüsse ganz aus der Politik zu entfernen sind. Die meisten sind der Meinung, dass eine Politik nicht auf Religion verzichten kann. Man geht davon aus, das man einem Volk Rahmen vorgeben muss, da sonst ein Miteinander nicht funktioniert und Religion gibt moralische Werte vor, die diesen Rahmen in seinen Grundfesten stärkt.
Ich habe einen sehr interessanten Artikel in der Zeit gelesen, der Artikel ist schon älter, aber er verdeutlicht letztendlich genau in welchem Dilemma zum Beispiel unsere Politik steckt, wenn es um die Frage nach der Trennung von Religion und Politik geht.
Ich denke das Wolfgang Thierse hier die Meinung vieler Politiker wieder gibt, er geht davon aus, "dass Religionslosigkeit gefährlich sein kann und das die freiheitliche Gesellschaft fundamental darauf angewiesen ist, dass es in ihr verbindende Normen, gemeinsame Maßstäbe und eine Vorstellung von Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Toleranz gibt. Doch das diese Gemeinsamkeiten nicht von alleine entstehen können, sondern von Weltanschauungsgemeinschaften wie den Religionen traditionell lebendig erhalten werden.
Gleichzeitig sagt er jedoch das der Staat säkular sei".
Was sich für mich wie ein Widerspruch liest.
Er sagt also folgendes: Der Staat ist Säkular (Neutral, Weltlich), der Bürger sollte es jedoch nicht sein. Er sagt auch: er könne das Christliche vom Politischen nicht trennen. Da er als Politiker den Staat jedoch repräsentiert, kann der Staat somit nicht säkular sein, sondern beinhaltet christliche Werte.
Diesen Wiederspruch an sich erkennt er jedoch nicht, auch dann nicht, als der Reporter ihn darauf aufmerksam macht.
Ich finde diesen Artikel bezeichnend für die Problematik die hinter meiner Vorderung liegt, man möge Politik von Religion trennen.
Wenn ein Politiker so dermaßen voll ist mit christlichen Moral Vorstellungen und Werten und den Atheismus geradezu als Gefährlich betrachtet scheint ein Trennen so gut wie unmöglich.
Daher sage ich ganz klar, wir brauchen mehr Säkulare Politiker um wirklich ein friedvolles Miteinander zu gewährleisten.
Wir brauchen mehr ethische Werte damit das was IST im Vordergrund steht und nicht das was irgendwann von irgendwem in Bücher verfasst wurde, die dann zigmal umgeschrieben wurden und die so dermaßen fern unserer Realität sind, dass sie nahezu in jede x-beliebige Richtung interpretiert werden können.
Unsere Welt sollte seine Werte und Moralvorstellungen aus einem gerechten Topf schöpfen, der nicht durch Religionen getrennt oder vereinnahmt wird. Wir brauchen mehr Zusammenhalt und klare Linien.
Ja wir brauchen ethische Werte und keine Religion, gar keine...
In dem Sinne
heute mal ohne Namsté :D denn das würde gerade unter diesem Artikel ziemlich ironisch wirken (glaub ich zumindest)...
Einige Songs von Balbina berühren mich tief, ich fühle mich wieder gegeben, erkannt, erklärt, gesehen. Ich finde sie ist eine großartige Lyrikerin mit einer umwerfenden Stimme. Und sie erinnert mich ein klein wenig an meine erste Porzelanpuppe. Ich bekam sie mit 18 von meinem damaligen Freund geschenkt. Sie hatte weiße Haut und schwarze Haare. Damals war ich in meinem Inneren noch ein Kind. Ich habe meine Puppe behandelt wie ein zartes Baby. Ich legte sie schlafen, zog sie an und aus und küsste ihre blassen Lippen. Ich bin nie wirklich erwachsen geworden...
Alles was ich wollte war Spielen, mit meiner Puppe, mit der Welt, in der Welt. Balbina erinnert mich daran - an das Kind in mir.
Ich weiß ehrlich gesagt rein gar nichts von ihr. Ihre Biografie wird sehr einfach auf ihrer Seite wieder gegeben, einfache Worte die viel vermuten lassen. Ähnlich wie ihre Lieder, könnte man sich wieder finden, immer wieder.
"»Warum lassen Maiglöckchen den Kopf hängen? Warum bin ich nur immer so müde, was hält mich an – was hält mich am Leben und warum?« Die Liedermacherin BALBINA stellt sich auf ihrer neuen Langspielplatte einen Katalog an Fragen und nimmt uns mit auf eine Forschungsreise nach Antworten. BALBINA tastet sich pragmatisch an Rätsel heran, die ihr alltäglich begegnen. Forscht mit Worten, sucht die Antworten auf ihre Fragen in den Fragen selbst. Sie beobachtet ihre Umwelt und ihren Alltag akribisch, stößt auf interessante Details und Abläufe, die sie stutzig machen. Sucht nach »Wortgruppen in der Buchstabensuppe« oder nach dem Glück, gemeinsam mit einem »Suchtrupp im Moor«. Was auf das erste Hören naiv klingen mag, ist ihre Liebhaberei der Einfachheit. Komplexe Mysterien glaubt sie in simplen, fassbaren Situationen lösen zu können. Ihr fallen einfache Dinge auf, weil sie in ihnen eine interessante und relevante Schönheit erkennt. BALBINA fühlt sich hinein in teures Porzellan, das in der Spülmaschine zu zerbrechen droht oder beobachtet Glühwürmchen mit Fieber. Sie malt mit ihren Sätzen ein Abbild der Welt, das im Alltag schwer erkennbar scheint und findet Methoden, um jede Facette zu entdecken: Sie »klebt sich Tesa auf die Brillengläser und sieht das Leben wie Monet«. Ihre Realität verschmilzt eng mit der eigenen Empfindsamkeit und Fantasie. Auch weil sie die Definition von Realität grundsätzlich in Frage stellt. Sensibel analysiert sie Gefühle, sucht nach Gründen für Emotionen. Und wie so häufig , schwingt stets eine ruhige Melancholie in ihren Kompositionen mit. Vielleicht deshalb, weil sie so gern »im Trübsaal sitzt«. Aber auch, weil die Person BALBINA eine Grundtraurigkeit auf diesem Album gesteht. Sie beschreibt uns ihr Leben als Misfit, fühlt sich oftmals unverstanden und versteht sich wohl selbst auch häufig gar nicht. Aus all den Fragen, die sie stellt, wird am Ende des Albums ein bedrücktes sich selbst hinterfragen. BALBINA hat mit ihrem dritten Album wieder ein zusammenhängendes Werk aus Text, Komposition und Bild geschaffen. Die Visualisierung und Musikalisierung bleibt für die Künstlerin essentielles Sprachrohr für ihre Worte. Sie sagt zwar von sich selbst, sie sei mit den Sätzen verheiratet, aber der korrespondierende Soundtrack und das Bildmaterial seien ihre besten Freunde.
»FRAGEN ÜBER FRAGEN« ist ein Album, das sowohl das Ohr auf eine interessante Reise mitnimmt, als auch aufwendige Eindrücke für das Auge präsentiert."
Eigentlich ist es mehr eine Beschreibung ihrer Musik, oder besser: Eine Beschreibung ihres Albums. Oder noch besser, eine Beschreibung von ihr... das würde ich mir wünschen. Aber ich will mehr wissen. Also hab ich mal weiter gegooglt.
Balbina heißt wirklich so.... unglaublich. Das fand sie in Wiki:
"Balbina (bürgerlich Balbina Monika Jagielska, 13. Mai 1983 in Warschau), vormals Bina, ist eine deutsche Sängerin, Komponistin und Liedtexterin, die bei Four Music unter Vertrag steht.
Leben Balbina wuchs bis zu ihrem dritten Lebensjahr in Warschau auf und siedelte 1986 mit ihren Eltern nach Berlin-Moabit über. Nach der Trennung der Eltern zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin-Neukölln,wo sie später das Albert-Einstein-Gymnasium besuchte und 2002 mit dem Abitur abschloss. Ein anschließendes Studium der Betriebswirtschaftslehre beendete sie nach der Diplom-Vorprüfung.
Musik Bereits während ihrer Grundschulzeit begann Balbina, Gedichte und Lieder zu schreiben, inszenierte Theaterstücke mit Mitschülern und übte autodidaktisch Gesang, um Lieder von Whitney Houston möglichst authentisch interpretieren zu können. Ende der 1990er Jahre trat sie wegen ihrer Affinität zur Berliner Hip-Hop- und Rap-Szene in Kontakt mit dem Independent-Label Royal Bunker und lernte dort zahlreiche Genrevertreter wie Prinz Pi, M.O.R. und Biztram kennen. Mit Letztgenanntem produzierte sie 2011 ihr erstes Studioalbum Bina, außerdem hatte sie zu dieser Zeit zahlreiche Auftritte in kleineren Clubs, tourte mit den Atzen und featurete Prinz Pi. Bei Live-Auftritten wird sie seit 2014 von Nicolas Rebscher (Gitarre, Bass, Klavier), Tobias Rebscher (Gitarre) und Christian Vinne (Schlagzeug) begleitet.[10] Im Jahr 2015 war Balbina mit ihren Musikern Vorband bei Herbert Grönemeyers Dauernd Jetzt-Tour."
Milchglas (mein derzeitiger Favorit)
[Verse 1:]
Ich fühl mich wie Porzellanservice in der Spülmaschine-
Entsetzlich zerbrechlich, ich nehme viel
So gut auf wie eine weiße Couch und kriegs nicht raus
Ich sehne mich nach einem Filter
Der schlimmes gut verdünnt
Ich klebe mir Tesa auf die Brillengläser
Und seh das Leben wie Monet
[Bridge:]
Ich weichzeichne all das
Was mich begleitet
Radier die harten Kontraste ganz weich
[Hook:]
Ich schau mir den Tag an, wie durch Milchglas
Ich erkenn das, was ich sehen mag
Durch Milchglas- glasklar
Wie durch Milchglas
[Verse 2:]
Ich bin so weich, wie drei- minuten- Ei, Kartoffelbrei-
-man kann mich einfach beißen
Ich merke mir viel zu viel!
Das macht mir immer nachts zu schaffen
Deshalb nehm ich mir nicht viel von dem
Was mir der Wochentag serviert
Ich lege die Realität weg in den Keller
Denn sie ist so schrecklich schwer
[Bridge:]
Ich weichzeichne all das
Was mich begleitet
Radier die harten Kontraste ganz weich
[Hook:]
Ich schau mir den Tag an, wie durch Milchglas
Ich erkenn das, was ich sehen mag
Durch Milchglas- glasklar
Wie durch Milchglas
Auf dem Bild sieht man meine Tochter mit Isi, dem Hund meines besten Freundes.
Mein Titel: Über die Kunst des Faulseins, hat eigentlich nicht viel mit diesem Bild zu tun. Für mich jedoch ist das Bild als Einleitung genau Richtig, warum erfahrt ihr gleich.
Dieser Tag am Meer ist für uns zur Normalität geworden, wir genießen die Zeit mit Nichtstun, während unsere Tochter noch fröhlich herumspringt und mit den Wellen um die Wette rennt, sitzen wir oft wie zwei alte Damen auf der Bank und schauen ihr dabei zu ohne den Willen irgendwas zu machen. Wir lassen die Zeit einfach verstreichen. Manchmal reden wir über Dinge die uns gerade beschäftigen, aber oft schweigen wir einfach, halten unsere Hände und schauen auf das Wasser.
Mein liebster Platz im Haus ist das Bett, ich genieße die Stille im Schlafzimmer, ich genieße die warme Decke, die kühle Luft die durchs gekippte Fenster hereinweht, oft sitze ich mit einer Mütze auf dem Kopf, angelehnt an viele Kissen und schreibe meine Gedanken nieder. Ich könnte mir nicht vorstellen, meinen Laptop mit ins Esszimmer zu nehmen und dort zu schreiben. Für mich ist die gemütlichste Art zu schreiben im Bett. Vor dem Bett sieht es oft aus, als wäre ein Mülleimer umgefallen, oft sogar ist das der Fall, weil ich an meinem Papierkorb angestoßen bin und der wirklich umfiel und all das was ich im laufe der Woche weggeworfen habe liegt neben meinem Bett und anstatt es sofort wegzuräumen lass ich es so lange liegen, bis ich keine Lust mehr habe auf Bonbonpapier und alten Zeitungen auszurutschen.
Vor meiner Bettseite herrscht wildes Chaos, vor der Bettseite meiner Frau ist es ordentlich aufgeräumt.
Ich bin ein Messie, ich horte gerne und irgendwann wenn sich genug Müll und Zeug angesammelt hat und ich nichts mehr finde, räume ich auf. Aus dem Grund darf auch niemand außer meiner Frau und meine Tochter das Schlafzimmer betreten.
Paradoxerweise liebe ich es ordentlich schön und gemütlich. Ich hätte gerne ein romantisches Schlafzimmer in dem alles seinen Platz hat - Aber ich schaff das nicht - spätestens einen Tag nachdem ich aufgeräumt habe und mir vorgenommen habe, das es jetzt so bleibt sieht es wieder so aus. Irgendwann hab ich mich damit angefreundet, das es eigentlich vollkommen egal ist, ob aufgeräumt ist oder nicht. Es ist mein Chaos, das ist auch eine Seite von mir. Die Seite die keinen Bock hat aufzustehen und das was ich benutzt habe wieder an seinen festen Platz zu stellen.
Meine Bettseite zeigt wer ich wirklich bin. Womit ich mich beschäftige, was wichtig für mich ist. Wichtig ist nicht Ordendlich zu sein. Wichtig ist mir meine unkonventionelle Unordnung, meine Faulheit, mein Chaos.
Ich kenne viele Menschen die Ordnung brauchen, die Ordnung im Außen gibt ihnen Sicherheit. Die Sicherheit nach hause zu kommen und alles dort wieder zu finden, wo sie es hingelegt haben. Alles hat seinen Platz.
Und ich kenne Menschen die genauso Chaotisch sind wie ich und solche die Ordentlich in ihrem Chaos sind.
Die kreativsten unter meinen Freunden sind Chaoten. Die unkreativsten sind strukturierte Ordnungsfanatiker.
Für mich hat mein Chaos viel mit meiner Faulheit zu tun.
Dieses: "Ich hab kein Bock jetzt aufzustehen" ist für mich zur Kunst geworden.
Ich muss nicht aufstehen. Ich muss nichts tun, ich kann hier sitzen bleiben während sich der Müll bis zur Decke stapelt. Es ist mein Müll, es ist ok. Ich kann auch dort am Stand auf der Bank sitzen bleiben bis ich festgefroren bin, ich habe alle Zeit der Welt.
Meine Art Faul zu sein, ist Zeitlos. Ich habe begriffen, wenn ich Stress habe, dann liegt das nicht an anderen Menschen sondern an mir selbst. Ich setze mir ein Ziel und ich verfolge das Ziel in einer bestimmten Zeit. Das ist so als würde ich mit einer Stoppuhr neben mir stehen und mit mir um die Wette rennen, wer ist schneller ich oder ich?
Diesen Stress habe ich FAST vollständig abgeschafft. Und auch meine Frau lebt nach einem ähnlichen Prinzip, seit dem sie Pensioniert ist, wobei sie immer noch sagt: "Das muss ich tun und das muss ich tun und dafür hab ich so und soviel Zeit" Wäre sie nicht, ich wäre womöglich noch viel Fauler.
So aber sind ihre Ziele auch meine Ziele und auch wenn ich nicht mit der Stoppuhr neben mir stehe, ihr Wecker klingelt uns beide wach.
Ich lasse es zu, das sie die Zeit vorgibt. Das ist das einzige was mich dazu bringt aufzustehen und einen normalen Tagesablauf anzustreben. Sie, meine Tochter und die Tiere, ansonsten ist die Zeit mir egal. Oder genauer, sie kann mich mal.
Wäre ich alleine, ich würde womöglich nur das Haus verlassen um Essen einzukaufen. Ansonsten würde sich mein Leben im Bett am PC abspielen.
Ich brauche relativ wenig um Zufrieden zu sein. Ein PC der funktioniert, hin und wieder Streicheleinheiten, ein Lachen das durch die Räume schallt. Hin und wieder Meeresrauschen und Menschen mit denen ich schreiben und reden kann.
Mein Faulsein hab ich bis zur Perfektion ausgefeilt. Es funktioniert hervorragend. Als wir heute Shayas Papa zur Bahn brachten unterhielten wir uns auf der Fahrt. Ich sagte:
"Manchmal würde ich gerne wissen wie andere Menschen leben?" Meine Frau meinte: "Sie sind bestimmt aktiver als wir, sie haben einen Job, sind Dienstags und Donnerstags im Sport, Montags im Verein, haben noch ein Pferd das gepflegt werden muss und beritten werden muss und wenn sie Kinder haben sind sie dauernd unterwegs um die Kinder von einem Ort zum anderen zu bringen".
Darauf sagte ich: "Ich bin froh dass ich faul sein kann"
Und meine Frau: "Ich auch!".
Etwas tun zu müssen, spielt sich im Kopf ab.
Was müssen wir wirklich tun?
Ich schrieb vor ein paar Monaten über das Freisein in mir selbst. Frei von Zwängen, Zensuren, Frei zu arbeiten oder eben nicht.
Das hat einige Kritiker dazu gebracht mir zu erzählen, was sie alles tun und das sie solche Menschen wie ich es bin durchfüttern, wenn nicht per Nahrung dann durch ihre Steuern.
Ja einige Leute waren richtig Sauer.
Ich habe mich daraufhin gefragt, was sie denn wirklich wütend gemacht hat. Das ich berentet bin? Weil ich behindert bin und nicht mehr arbeiten kann - kann es ja wohl kaum sein. Zumindest konnten sie mir keine Antwort geben, sie waren einfach Sauer, weil sie glauben mir geht es besser als ihnen, weil ich mehr Zeit habe.
Ich denke es war meine Einstellung, aus meiner Rente das Beste zu machen, nämlich einfach so zu leben wie ich Bock drauf habe. Mal eine Weile rein gar nichts tun, noch nicht mal meine Bettseite aufräumen und mal eine Weile viel tun. Dieses: "Komme was will, mir egal!"
Dieses: "Ich fühle mich in meiner Faulheit befreit".
Die meisten Menschen wären auch mal gerne faul, aber der kleine Teufel in ihrem Kopf sagt: "Du darfst das nicht!"
Er schreibt ihnen vor was normal ist und was nicht.
Faul sein ist hier zu lande Asozial. Man muss etwas tun. "Von Nichts kommt auch Nichts".
Ich habe heute Bernie gefragt wie lange er noch arbeiten will. Er geht auf die 60 zu und arbeitet noch genauso viel wie vor 25 Jahren. Er pendelt von Ausland zu Ausland und lebt aus dem Koffer. Shaya ist das einzige Beständige in seinem Leben, ansonsten hat er schon die ganze Welt bereist, immer von einem Ort zum Anderen. Und das geht so weiter von Jahr zu Jahr.
Er zuckte die Schultern und sagte: "Das würde ich auch gerne wissen!"
Sein Traum ist, im Alter irgendwo in Asien zu leben. Ein Traum den er womöglich nur ein paar Jahre erleben wird, denn wenn er wirklich bis 68 arbeitet, bleibt nicht mehr viel um in Asien ein schönes Leben aufzubauen.
Alle Menschen haben Träume, meist höre ich: "Wenn ich alt bin, dann hab ich mir ein schönes Leben aufgebaut und dann...."
Wir unterhielten uns auch über das Alter, ich sagte: "Bevor ich ins Altersheim komme, bringe ich mich um!" und er sagte: "Das machen eher Männer, wenn sie merken sie können nicht mehr so wie vorher!"
Ich verstehe das man nicht mehr leben will, wenn man nicht mehr frei leben kann. Für mich gibt es nichts schlimmeres als vollständig von anderen Abhängig zu sein. Gruselige Vorstellung.
Frauen denken dann oft an die Familie, wenn der/die PartnerIN gestorben ist, denken sie an die Kinder, wenn die Kinder groß und aus dem Haus sind, denken sie an die Enkel.
Irgendeinen gibt es immer an dem eine Frau denkt. Männer sind da egoistischer.
Ich glaube ich wäre wie ein Mann. Bevor ich meiner Familie eine Pflege zumute geh ich lieber aus dem Leben.
Auch das ist eine Art Freiheit im Geiste. Zu wissen, das man niemanden das zumuten möchte. Windeln und Dekubitus - Nein danke!
Faulsein hat für mich viel mit Freisein zu tun.
Sich selbst keinerlei Verpflichtungen aufzulegen. Einfach so in den Tag hinein leben.
Letztens sind wir mit einer Freundin am Strand gewesen. Ich konnte nicht lange laufen, weil ich Schmerzen hatte, also setzte ich mich auf die besagte Bank. Es waren an diesem Tag viele Leute am Strand. Kinder ließen ihre Drachen steigen, meine Familie und meine Freundin liefen am Strand entlang und ich saß dort auf dieser Bank und lies das Treiben einfach auf mich wirken.
An diesem Tag musste ich dagegen ankämpfen den dreien nicht einfach hinterher zu hinken, dass Alleinsein auf dieser Bank hat mir zuerst was ausgemacht, aber je länger ich dort saß, desto entspannter wurde ich. Ich sagte mir selbst: "Genieße es doch einfach!" Und so war das dann auch. Ich genoß es einfach dort zu sitzen, während alle Menschen um mich herum etwas taten. Sie redeten, liefen, spielten, stritten, diskutierten, fuhren Fahrrad, führten ihren Hund aus, saßen 5 Minuten neben mir um dann auf die Uhr zu schauen und weiter zu gehen.
Und ich saß dort und sah wie die Wolken vorbeizogen und machte rein gar nichts außer zu sitzen und den Wolken zuzuschauen. Ich hatte alle Zeit der Welt, denn ich wusste nicht wann meine Familie und und Freundin wieder kamen.
Ich hörte das Rauschen des Meeres, schloß meine Augen und gab mich einfach diesem Gefühl des Nichtstuns hin.
Solche Momente machen mich unglaublich glücklich.
Das Nichts tun macht mich Glücklich. Das Faulsein erfüllt mich mit Freude.
Keine Uhr zu haben, macht mich Happy.
Ich habe keine Zeit ergibt einen vollkommen anderen Sinn. Ich habe keine Zeit, weil ich keine Zeit brauche. Ich könnte jetzt auf der Stelle sterben und ich würde Zeitlos sterben. Gut sterben, weil ich hier sitze und nichts tue - das heißt wenn ich gleich meinen Satz beendet habe.
Denn nach diesem Satz beendet ich das Tun. Dann bin ich wieder Faul, weil ich Lust darauf habe.
Weil Faulsein mich erfüllt.
"Vielleicht ist das etwas das sich andere Menschen nicht vorstellen können" sagt meine Frau.
"Vielleicht brauchen sie das um nicht nachzudenken"
Sag ich.
Wenn man nichts tut, sind die Gedanken und Gefühle lauter. Sie klopfen an und machen sich bemerkbar.
Die Kunst des Faulseins ist - das einfach hinzunehmen. Zu lächeln und einfach weiter dort zu sitzen, wo man gerade sitzt.
Loriot hat einen wundervollen Sketch gemacht, in dem Herrmann einfach dort saß, während seine Frau fragte, was er denn gerade tut. Da sagte er: "Ich sitze hier"
Genau das ist es, so liebe ich es!
Ich bin Hermann :D