Mantra Musik

Samstag, 19. September 2015

Ein Augenblick



Es ist wie dieser Augenblick als ich auf den Auslöser drückte und das rechte Auge meiner Tochter fotografierte.
Dieser winzige Augenblick ... in ihrem Auge spiegelt sich die Welt. Man sieht den Himmel und die Baumwipfel. Der Wind spielt mit ihren Rotblonden Haaren. Ich war so fasziniert und das bin ich immer noch, wenn diese Bild betrachte. Ihre großen wissenden Blaugrauen Augen in einem ganz jungen Gesicht.

Mein ICH:
Ich halte einen Moment inne und drücke auf den Auslöser, dieser Moment ist für diesen Moment einfach alles. Genau so ist das Leben, nicht anders, nicht schöner oder besser, oder schrecklicher. Es ist einfach da so wie es ist.
Das Bild habe ich gestern aufgenommen, heute ist sie einen Tag älter, dieser Moment wird nie wieder so sein. Wenn ich morgen ihr linkes Auge fotografiere werde ich neue Dinge darin sehen, neue Erkenntnisse, ein neues Wissen. Wenn ich in einem Jahr dieses Auge fotografiere, wird es wieder anders aussehen, in fünf Jahren... in 10 Jahren. Nie wieder wird sie so aussehen wie in diesem einen Moment.

Das Leben zeigt uns jeden Tag aufs Neue die Vergänglichkeit eines Moments. Die schönen Zeiten wollen wir festhalten wie diese Fotografie, wir wollen eintauchen und nie wieder erwachen, aus dem Glück das wir einst fühlten. Doch oft ist es bei dem Unglück das uns begleitet genauso, eintauchen, immer wieder aufs neue, immer wieder aufs neue den Schmerz fühlen.

Warum ist das so?

Thich Nhat Hanh hat es in diesem Hörbuch wundervoll erklärt.




Wie kann man einen Augenblick wirklich in seiner Gänze aufnehmen, verstehen, akzeptieren, annehmen?

Thich sagt: "Wir neigen zu der Ansicht das wir etwas sind, das länger andauert als unser Einatmen, doch das stimmt nicht ..."

"Der Buddha fragte einmal seine Schüler wie lange ein menschliches Leben dauert.
Eine Person sagte 100 Jahre, eine andere sagte 50 Jahre, wieder eine andere meinte, eine Nacht und einen Tag. Und dann sagte jemand: Es dauert einen Einatmem lang. Der Buddha wandte sich dieser Person zu und sagte: Ja du hast die Wirklichkeit des menschlichen Lebens gesehen. Es dauert nur einen Einatmem lang. Und es kann sogar noch kürzer sein, denn während wir einatmen werden wir schon zu einer anderen Person. Das ICH das vor dem Einatmen da war ist nicht mehr das gleiche ICH nachdem wir eingeatmet haben"


Mit jedem Atemzug vergeht die Zeit, jedes ausatmen ist wie ein Blick in die Vergangenheit.Wenn wir uns auf dem Atem konzentrieren, sind wir in der Gegenwart und wir bleiben in der Gegenwart, weil der Atem auf den wir uns konzentrieren fließt. Mit jedem Einatmen werden wir zu einer anderen Person.
Das ICH verändert sich. Die die jetzt schreibt ist beim Ende des Satzes eine andere, als die die den Satz anfing. Wenn du also am Ende meines Blogeintrags angekommen bist, haben wir beide uns zigmal verändert, immer wieder aufs neue.
Die Gegenwart ist immer nur der Buchstabe den du mit den Augen verfolgst. Dabei spielt es keine Rolle wo du im Satz anfängst. Du könntest auch das erste Wort meines Bogeintrag lesen und dann das letzte. Es ist vollkommen egal. Du wirst ein anderer Mensch sein, nachdem du von einem Buchstaben zum anderen gelangt bist. Nachdem du ein und wieder ausgeatmet hast.
Alles kann sich von einer Sekunde zur anderen verändern in dir.

So wie das Auge meiner Tochter,
das heute schon wieder ganz anders aussieht als Gestern...


Somit schicke ich euch bereits jetzt in diesem Moment, während ich hier schreibe, Grüße aus der Vergangenheit...

Namasté

Eure Andarnil


Fotos: (c) "meine Tochter" von Johanna Andarnil Schlitzkus


Donnerstag, 17. September 2015

Das Fliegen Lied

Selbst das einfachste Insekt sucht Schutz vor den Gefahren des Lebens.
Das ist bei allen Wesen so, der Unterschied liegt nur in dem Einfluss, den sie auf ihr Leben haben.
S.H., der VIX. Dalai Lama




RIP - das Fliegenlied

Eine Fliege ist ersoffen, heute morgen in der Dusche
und ich konnte gar nichts für sie tun.
Ich hob sie hoch und sah sie an und dachte nur bei mir:
RIP kleine Fliege komm gut an.

Sie war so störend dieses Ding, hat mich gepiext und mich genervt
Und ich dachte oft bei mir: Verpuff dich selbst
Manchmal saß sie auf meiner Hand und putzte sich die Flügel
Manchmal schwirrte sie herum und ich fühlte mich verfolgt

Eine Fliege ist ersoffen, heute morgen in der Dusche
Und ich konnte gar nichts für sie tun.
Ich hob sie hoch und sah sie an und dachte nur bei mir:
RIP kleine Fliege komm gut an.

Und die Moral von der Geschichte
Auch kleine Fliegen sind wie wir
Manchmal nerven uns die anderen und wir denken.
Verpuff dich doch selbst
Manchmal reicht es schon das es sie gibt, die Menschen
und die  Meinung die mir nicht gefällt.

Eine Fliege ist ersoffen, heute morgen in der Dusche
Und ich konnte gar nichts für sie tun
Ich hob sie hoch und sah sie an und dachte nur bei mir:
RIP kleine Fliege komm gut an.


Zu diesem Lied von mir gibt es auch noch eine Geschichte:

Ich hab wirklich geduscht und eine Fliege ist in den Duschstrahl geraten. Ich hab die leblose Fliege aufgehoben und aufs Fensterbrett gelegt, es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte den Föhn eingeschaltet... irgendwie hat mich das ziemlich traurig gemacht. So ein kurzes kleines Leben ... beendet.

Ich hab die Fliege dann den Rest des Vormittags vergessen und mich über Internet und seine imaginären Bewohner aufgeregt (mich mal wieder in Artikel vertieft, die meinen Herzschlag erhöhten...). Irgendwann mittags bin ich dann ins Bad und da erinnerte ich mich wieder an die tote Fliege, ich wollte sie vom Fensterbrett nehmen und nach draußen werfen. - Sie war verschwunden, dass hat mich dann doch etwas irritiert. Statt dessen summte es um mich herum.

Ich kann euch nicht sagen, ob die kleine summende Fliege meine totgeglaubte Fliege war. Aber meine Stimmung hat sich von Null auf Hundert erhöht.

Danach ist dieses Lied entstanden und ich bin noch am Überlegen wie ich die Melodie in Noten übertrage. Ich mag es und es erinnert mich an das kleine Wunder von der Fliege :)

Ich wünsche euch einen schönen Tag

Namasté

Eure Jo Andarnil



Bild: http://dharmavoicesforanimals.de/

Tagebuch - Entspricht das was wir wahrnehmen, wirklich der Wahrheit?




Meine Lehrerin hat mich vor eine Lernaufgabe gestellt, die mich wirklich sehr beschäftigt.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie lange ich mich in diesem Thema bewege, manchmal hab ich das Gefühl ich bin angekommen, mein Gehirn weitet sich aus und ich fühle mich für ein paar Sekunden total erleuchtet. Wie eine Glühbirne hell und klar und im nächsten Moment fliegt irgendwo die Sicherung raus und der Alltag hat mich wieder, mit den kleinen und großen Illusionen der Wahrheiten.

Manchmal wehre ich mich regelrecht dagegen, ich lehne mich auf: "Lass mich doch mit diesem ganzen Buddhakram in Ruhe" sag ich mir dann und gebe mich in Aufregung, lasse mich vom "Grr" in mir leiten (ich würde es nicht Zorn nennen, es ist ein aufflackern von Erregtheit, ein Mitfiebern, ein auf einen imaginären Sandsack eindreschen. Sei es nun weil ich mein Weltbild verteidige oder mich in einer Diskussion verfange, die mich keinen Schritt weiter bringt. Meine Persönlichkeiten fühlen dieses Grr in unserer Kehle nahen, zu unserem Kopf steigen und dann ist der Buddhismus mit all seinen kleinen wie großen Hürden vergessen. - Scheißdrauf- ).

Und wenn dann in genau diesem Momenten meine Lehrerin aus dem Nichts auftaucht und mir lächelnd den Spiegel vorhält: "Guck mal was du gerade machst?", frag ich mich für ein paar Minuten, ob der Buddhismus und sie als meine Begleiterin wirklich der richtige Weg für mich sind... Ich möchte "Tsss  tss"sagen, mit der Hand wedeln und sie wegscheuchen wie man eine nervige Fliege wegscheucht..
Was ich natürlich nicht mache, ich bleibe ruhig und sage das ich nachdenken muss. Was ich auch tue und im nächsten Moment taucht dann wieder für ein paar Sekunden die Glühbirne auf und verschwindet genauso schnell wieder.

Ein wichtiger Satz geht mir immer wieder durch den Kopf in solchen Glühenden Momenten, mit meinen Worten: "Ist das was du als Wahrheit empfindest wirklich wahr. Kannst du das mit Ja beantworten?

Und mit ihren Worten:

"Man hinterfragt immer die eigenen Wahrheiten. Denn auch die Wahrheiten anderer können wir nur insofern hinterfragen, wie wir sie im Rahmen unserer Möglichkeiten verstanden haben, welche wir aufgrund unserer Wahrheiten ihnen wiederum als deren Wahrheit zugesprochen haben. Dabei können unsere Wahrheiten über deren Wahrheiten äusserst unwahr sein"

Tss tss... scheuch weg..

Tja da bin ich nun in meiner ganzen Menschlichkeit mitten im Dharma angekommen. Ich kann nicht mehr zurück, das ist mir klar. Und doch wehrt sich hin und wieder so ein kleiner Mala (Sanskrit: मल) Teufel in mir, das alles an mich heran zu lassen.

Ich komme mir oft so dumm vor - nicht in ihren Augen - in meinen eigenen. Wenn sich wirklich mal die Glühbirne einschaltet dann sehe ich die Welt auf einmal anders. Mir wird klar, das es stimmt: Meine Wahrheit ist nur eine Illusion.
Dieses NICHTS das sich dann öffnet ist wie ein Schlag in die Magengrube - Bumm klarer Kopf! Bumm Licht an...

Es ist so als würde man die Erde von einer anderen Welt aus betrachten, ähnlich wie als würde man auf dem Mond stehen und zur Erde schauen. Es baut sich erst einmal Distanz auf und dann öffnet sich ein Loch in das man sinkt, die Distanz verschwindet, der Mond verschwindet, die Erde verschwindet. Sanft und zart und im nächsten Moment wacht man auf, weil man Angst hat zu fallen. Und man ist wieder zurück im Dasein von Dukkha.
Ich hab dann das Gefühl die bis dahin leuchtende Glühbirne ist gerade in Tausend Scherben geplatzt.

Ich habe keine Ahnung ob andere Buddhisten dieses hin und her genauso erleben. Ich weiß auch nicht ob es überhaupt ein Mensch (außer meiner ehrwürdigen Lehrerin und vielleicht noch einigen anderen Erwürdigen Lamas, oder wie immer man sie nennen mag) es geschafft haben, die Glühbirne im Dauerzustand brennen zu lassen.
Meine Lehrerin ist mir ein Mysterium und ich bin sehr dankbar und glücklich (die meiste Zeit), das sie mich als Schülerin begleitet aber gleichzeitig gibt es Momente da wird mir bewusst, wie groß die Verantwortung ist, ich denke dann immer... himmel ich bin ein Kleinkind, das dauernd plärrt und sich dagegen wehrt eine neue Windel zu tragen.

Ich habe meine Illusion vom "lieben Buddhismus" verloren, das hat sich letztens in einem Gemälde von mir manifestiert, meinen "entmystifizierter Buddha".



Sich wirklich in der Tiefe mit dem Buddhismus zu beschäftigen ist ein 24 Stunden Job. Nix mit Pause machen. Wenn man sich einmal in den Tiefen bewegt geht kein Weg mehr zurück, zumindest für mich nicht. Ich tauch ab und tauch auf. Wenn ich aufgetaucht bin, bin ich eine kleine Weile wieder die Jo mit ihrer Schnodderschnauze und wenn ich abgetaucht bin... bin ich Andarnil, die Schülerin von Prajna Karma (eine praktizierende weltliche Yogini) und noch vieles andere. Sie ist in so vielen Dingen bewandert, das ich manchmal dazu neige mich zu zwingen sie als Weltlich zu betrachten, hin und wieder möchte ich mich vor ihr verneigen. Aber alles was ich raus bringe ist ein gekrächztes: "Namasté" und ein tiefes Danke.

Dabei ist sie meine Freundin... wobei sich das gerade in mir verändert. Ich schaffe es nicht mehr so richtig mich in meiner flappsigen Art ihr zu nähern. Dieses "Jo hat gerade Bock auf... dich aufzuziehen, dich zu kitzeln, dir die Zunge raus zu strecken, dich zu ärgern, dich zu umarmen, mit dir kuscheln, gerade mal so richtig angepisst zu sein, dir zu sagen, das sie dich lieb hat und dich braucht!"

Dieses Kindliche in mir fängt gerade an Erwachsen zu werden. Ich weiß nicht ob ich mich ihr jemals wieder so zeigen kann, wie ich es anfangs tat. Manchmal kommt es noch rüber, wenn wir Facebook Bildchen austauschen, ein Herz das leuchtet und verbindet. Zwei Füchse die sich "give me five" geben. Ein kurzer Moment an dem sich zwei Freundinnen ihre Zuneigung zeigen. Er vergeht wieder, wenn ich Schülerin bin und sie Lehrerin.

Ich finde den Zustand im Wechsel der Gefühl (Projektion) nicht schlimm - ich nehme es wahr.

Ich nehme wahr das meine Weltbilder ins Wanken geraten. Ein großes Weltbild ist der Blick in meine Vergangenheit, ich fange gerade an meine Ursprungsfamilie mit anderen Augen zu betrachten. Anfangs hab ich sie für das was sie mit antaten gehasst. Irgendwann sah ich das was ich erlebt habe als Qualität für das was ich heute bin. Jetzt fang ich an Dankbar jedem einzelnen zu sein, für das was er ist und getan hat und immer noch tut. Denn dadurch hatte ich die Chance ein anderer Mensch zu werden. Ich konnte mich frei dagegen entscheiden.
Hätte mir Jemand vor einem Jahr gesagt, ich werde eines Tages meinem Vater dankbar sein, für das was er tat, (unter anderem auch das er mich missbraucht hat und mir fast das Leben genommen hat...hm), hätte ich einen Ausraster bekommen und der Jemand wäre im hohen Bogen aus meinem Leben geflogen. 
Dieses Erfahren kann man nicht an andere weiter geben, das würde niemand verstehen, vielleicht erst recht nicht jemand der ähnliches erlebt hat wie ich.
Oft bekam ich leidvolle Kommentare wenn ich Texte über Missbrauch schrieb und die Psychologische Täter und Opferprofile austauschte. Ich versuchte bewusst zu machen, das es nicht um Schuld geht. Aber so richtig konnte ich es nie begreiflich machen, worum es mir in meinem Text wirklich ging. Jetzt ist mir klar, das es keinen Sinn macht, über mein Erleben zu schreiben - nicht in dem Kontext - weil es eben nur mein Erleben ist. Die Erwartung ein anderer könnte es genauso verstehen wie ich, ist absolut unsinnig. Vorallem weil auch mein Erleben rein Subjekt ist und keinesfalls der Wahrheit anderer entsprechen muss - noch nicht mal meiner eigenen Wahrheit.

Es ist wie ein Karma-Karussell in meinem  Kopf das sich dreht und dreht. Ein Kreis, eine surreale Spirale, deren Anfang mit dem Ende verbunden ist. Der Ouroboros - Eine Schlange die sich in den eigenen Schwanz beißt. Vom Ich-Bewusstsein zum...? Ich weiß es nicht wohin es mich führt.
Vielleicht steck ich auch mitten in einer Regression und komme wieder neu zur Welt.

Ich lass mich überraschen....

Und halte euch auf dem Laufenden (sollte ich im Krabbelalter ankommen, ihr werdet es merken :) )

Euch allen alles liebe von eurer Andarnil 



Samstag, 5. September 2015

Wieder zurück im Alltag - Gedanken.



Ich bin ein Jahr älter geworden und sehe noch genauso aus wie Vorgestern. Oberflächlich gesehen scheint sich nicht geändert zu haben. Doch in mir selbst ist etwas unglaubliches passiert, ich merke wie der Boden unter meinen Füßen aufgehört hat zu wackeln und zu schwanken, wenn es um mein Alter geht.
Ich dachte viele Monate vorher, ich würde in ein Loch fallen, wenn mein 50 Geburtstag heraneilt und das Loch wird größer wenn er vor mir steht. Doch weit gefehlt.

Ich habe meinen Geburtstag sehr genossen und das Loch an das ich dachte, hat nie existiert.
Ich war getragen von guten Wünschen und lieben Menschen und wundervollen Gedanken. Doch heute morgen ist der Alltag wieder da, die Welt dreht sich weiter.

Ich war heute Morgen in der Chronik (Facebook) eines mir wirklich wichtigen Menschen und ich las etwas das mir nicht gefiel. Ich hielt einen Moment inne, um zu überlegen ob ich darauf antworte.

Zurück zum Ausgang:

Die Erwartungshaltung von uns Tierschützern ist manchmal sehr hoch, wir erwarten Gerechtigkeit, wir erwarten Solidarität, das jeder Mensch den wir kennen unserem Weg gegen die Schlachtbanken dieser Welt folgt.
Als ich anfing war Facebook noch ein Ort an dem sich jeder aufhalten konnte, und die Meinung eines einzelnen zählte mehr als die Meinung der Massen. Zumindest kam es mir so vor. Vegan war ein kleines Lichtlein für mehr Frieden.
Ich habe mich gerne darin aufgehalten und ich habe davon profitiert um selbst Veganer zu werden. Es ging mir gut.
Doch im Laufe der letzten zwei Jahre ist etwas passiert, das mich von all dem trennt. In mir ist etwas passiert, aber auch als Spiegel im Außen wird mir tagtäglich bewusst, das Facebook im Inneren nur etwas repräsentiert das im Außen schon lange vor sich hinqualmt -
Die Scheiterhaufen sind aufgeschichtet und die ersten Lodern und es dauert nicht lange bis sie anfangen zu brennen.

Das Problem das ich jetzt in diesem Moment habe, ist das ich diesen Blog eigentlich nicht mehr nutzen wollte, um über die Welt und meine Meinung dazu zu schreiben. Ich wollte anfangen andere, mir viel wichtigere Dingen Platz einzuräumen. Meinem buddhistischen Studium. Aber die Welt lässt sich nicht ausklammern. Ich muss einen anderen Weg finden.
Ich werde einen neuen Blog eröffnen, dieser hier wird weiter die Gedanken und Gefühle zeigen, die ich habe. Ich denke das ist der beste Weg.

So kann ich weltlichen MOMENT Gefühlen Ausdruck verleihen und mich dennoch weiter dem Studium widmen.  Die Jo Andarnil die sich einlässt auf den Buddhismus wie noch nie zuvor und die Jo  die im Tierschutz aktiv ist und die Welt dort draußen in ihren ganzen Fassetten wahrnimmt. Beides scheint manchmal miteinander zu harmonieren und manchmal ist es als würden zwei Welten aufeinander treffen. Das alles zusammengehört ist mir bewusst.

Nun zurück zum Anfang meines Textes.

Ich habe darauf geantwortet, ein längerer persönlicher Text der hier nicht relevant ist. Was relevant ist, ist folgendes:

"Facebook ist der große Scheiterhaufen auf den jetzt alle Brennen werden, die auch nur ansatzweise eine bestimmte Meinung vertreten (die nicht eure Meinung ist) und ihr habt alle die Fackeln in der Hand um den Scheiterhaufen brennen zu sehen. Und es scheint niemanden von euch bewusst zu sein."


Das betrifft wirklich jede Meinung, es spielt keine Rolle ob es nun um das Konflikt Thema: Rechts / Links geht, oder um das Thema Vegan/Omnivor, das Thema Kirche und Homosexualität. Es spielt wirklich keinerlei Rolle.
Auch nicht wer nun Opfer und Täter ist, denn oft verschwimmen beiden Begriffe zu einer Person.

Auch geht es mir persönlich nicht um Gut und Böse oder Schuld und Unschuld. Es geht um einen bestimmten Zug in eine Richtung die jeden mitzieht (auch mich selbst, die ich versuche mich als neutrale Insel weiterhin dagegen zur Wehr zu setzen.).

Ich beobachte eine ganz klare Entwicklung, die es schon einmal gab auf dieser Welt.
Wir kennen alle die Geschichte der Hexenverfolgung.

Die Menschen waren davon überzeugt, das es nur die bösen trifft, unabhängig ob sie sich eines anderen Glaubens benannten, oder einfach nur nicht dem gängigen Bild der Gesellschaft entsprachen. Sie gerieten ins Fadenkreuz derer die dachten sie seien besser.

Wir kennen auch die Geschichte der ehemaligen DDR, Hinter der Stasi versteckten sich viele Menschen die andere Menschen ausspionierten um möglichst in einem besseren Licht darzustehen.

Und wenn wir noch ein Stück zurück gehen, kommen wir wieder unweigerlich dorthin. Dem Ergebnis des zweiten Weltkriegs. Auch hier wurden Menschen denunziert und getötet weil sie nicht einem bestimmten Bild einer Nation entsprachen.

Die Apartheit, ein Begriff, der dadurch geprägt ist Rassen zu trennen.
(Volksstämme jeglicher Nation bis heute ein großes Thema)

Eine Kommentatorin meines "Aufrufs zum Nachdenken" hat sehr gut erfasst wie es mir geht::

"... wenn man einem solchem Mob entgegentritt leicht Gefahr läuft es ihnen gleich zu tun, zwar mit "ehrenwerteren" Motiven aber letztlich bleibt Hetze einfach Hetze, egal in welcher Richtung. Aufklärung tut Not, das Gespräch suchen, Hintergründe soweit als möglich beleuchten. doch vor allem nie vergessen das keiner von uns fehlerfrei ist und wir garantiert auch schon in anderer Leute Ansicht falsches getan haben."

Ich bin sehr dankbar über diesen Kommentar, zeigt er doch, dass ich richtig verstanden werde und mein kleiner Appel nicht gänzlich an den Menschen,  die ich mag vorbei geht, oder falsch interpretiert wird - verletzend interpretiert wird.


Ich sehe Parallelen zu vielen Entwicklungen der Zensur mit dem eigentlichen Ergebnis: Zerstörung einer "anderen"  Personengruppe.

Mein Alltag hat mich wieder umzingelt, er spricht zu mir in unterschiedlichen Sprachen mit unterschiedlichen Hautfarben in unterschiedlichen Meinungen zu unterschiedlichen Themen und wenn ich mich frei darin bewege erkenne ich wieder einmal wie sehr wir uns alle gleichen.
Wir möchten wieder EINS werden, denn genau das spiegelt mir dieser Kampf um eine bestimmte Sicht. Dieses:

Ich möchte so sein wie du, du sollst so sein wie ich! 

Zeigt so deutlich was wirklich hinter all dem steckt, verborgen in Wut und Trauer und Glück und Frieden.
Es ist der Wunsch nach dem EINS in uns allen...

In diesem Sinne

Meine Freunde, ich fühle mit euch, ich verstehe euch und ich bin da, auch wenn ich eine ganz andere Meinung vertrete - bin ich doch eins mit euch!

Von Herzen
Namasté
Eure Jo Andarnil 


Freitag, 4. September 2015

Tagebuch: Friday I'm In Love



Heute genieße ich meinen Tag!

Ich wünsche euch alles liebe, Glück, Frieden oder Nichts ;) Was immer ihr braucht!!
Ich tauche heute ab, es ist Freitag und ich bin verliebt in ein Gefühl, denn überraschenderweise ist 50 gar nicht mal so übel wie ich immer dachte...

Alles reine Einstellungssache!

Fortsetzung folgt.

Namasté und alles liebe von eurer Jo Andarnil



Dienstag, 1. September 2015

Immer nur der Moment (Teil 2)



... Wenn wirklich alles wegfällt, das ganze Sicherheitsgebäude von Erfolg nur noch Erinnerung ist, dann hilft es nichts dem hinterher zu weinen. Es hat keinen Sinn, zurück gehen zu wollen, die Vergangenheit verändern zu wollen. Noch hat es einen Sinn sich darüber Gedanken zu machen, was man im nächsten Jahr besser machen kann.

Viele Menschen sagen dann: "Irgendwann versuch ich es" - ich bin übrigens auch so ein Mensch, ich schiebe GANZ unangenehme Dinge (Wie Nahrungsumstellung oder Arztbesuche) gerne auf "Irgendwann".
Die Frage ist - gerade in existenziellen Situationen - warum nicht jetzt sofort? -

Wenn es Leid verursacht, schieb es nicht vor dich her, denn das Leid verändert sich dadurch nicht, es wird nur zur Gewohnheit. 


Der Moment an dem wir innerlich das Gefühl haben zu zerbrechen, ist auch der Moment an dem wir etwas dagegen tun sollten. Wir können uns selbst analysieren, wo tut es gerade weh und warum tut es weh, welche Ursachen hat es - es ist es wirklich wahr, das es genau DIESE Ursache hat? Oder ist die Ursache noch viel tiefer zu finden?
Wenn das Warum klar ist, kennen wir die Wurzel allen Übels.
Wenn wir allerdings das Warum bei anderen suchen, kommen wir keinen Schritt weiter.
Denn wir können niemanden verändern und schon gar nicht die Vergangenheit.

Wenn wir also anfangen zu denken, dass ein anderen an unseren Problemen Schuld ist - muss uns klar sein, das wir weder das verändern können, was passiert, noch die Person verändern können, die angeblich Schuld ist. Wir können nur den Moment verändern. Wenn der Schmerz passiert ist, können wir schauen, das wir diesen Schmerz verarbeiten. Wenn wir in diesen Moment annehmen, es könnte weh tun, können wir uns aus der Situation entfernen, um den Schmerz erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Da wir aber annahmen, das es in der Vergangenheit weh getan hat, konnten wir den Schmerz nicht aufhalten. Nur gehört dieser eben in die Vergangenheit und nicht mehr in die Gegenwart.

Einige werden jetzt den Kopf schütteln und mir klar machen, das Traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit immer noch fühlbar sind.

Richtig als Echo, als Erinnerung, als Narbe.

Wenn wir eine Narbe haben, können wir sie pflegen, wir können sie durch einen Chirurgen entfernen lassen, aber es bleibt auch dann ein Hinweiß, dass dort auf der Haut eine Narbe gewesen ist. Das ist das Echo.

Im Moment zu leben, heißt nicht, das man die Vergangenheit vollständig abschaltet, wie wenn man eine Lampe ausknipsen würde. Es heißt nur das uns bewusst ist, dass das was wir fühlen aus der Vergangenheit stammt. Dieses Bewusstsein kurbelt andere Bewusstmachende Aspekte an, nämlich den Aspekt, was Vergangen ist, existiert jetzt nicht mehr, es ist vorbei. Alleine mit dieser Klarheit können wir arbeiten.

- BEDENKTE: Es ist alles da. Das Bewusste und das Unbewusste, sind Teil eines Ganzen - nämlich WIR/ICH. Wenn wir also darauf beharren das sich Widerholungen aus dem Unbewussten ergeben und wir dagegen nichts tun können, beharren wir auch darauf, das sich Widerholungen nicht auflösen lassen. Das ist das Gleiche, wie wenn man sich einen Müllberg anschafft  und sich auf das Sofa setzt und erhofft der Müllberg verschwindet von alleine -

Leben ist Arbeit an sich selbst. Wenn wir also merken, es geht uns schlecht, hilft es absolut nichts, das Jedem zu erzählen möglichst vom Sofa aus, aber selbst nichts dagegen zu tun (in dem Fall herausfinden warum es einem Schlecht geht und recherchieren welche Möglichkeiten es gibt, dass es einem besser geht).

Es ist nicht Entscheidend was wir in unserer Vergangenheit erlebt haben. Nur was wir jetzt in diesem Moment erleben ist wirklich wichtig für diesen Moment. Es ist nicht entscheidend, ob wir in der Verganenheit Drogen nahmen, uns Prostituierten, unseren Partner betrogen oder uns  selbst aus jeglicher Verantwortung gezogen haben. Wenn wir aus unseren Erleben lernen konnten und uns die Gedanken daran schmerzen, können wir es auch ändern. Wir haben es in der Hand JETZT in diesem Moment. Denn wir können auch nicht entscheiden was in der Zukunft geschieht, denn die Zukunft ist in dauernder Veränderung:

Beispiel aus meinem Leben:

Als Britta mit Shaya schwanger war, machten wir gemeinsam einen Schwangerschaftskurs. Dort erzählte ein Paar am Tag der Vorstellung, das sie einen Jungen bekommen werden, der dann in die Fußstapfen seines Vaters treten wird und dessen Geschäft eines Tages übernimmt.

Damals verdrehte ich die Augen und konnte mir gerade noch eine unliebe Bemerkung verkneifen. Im Laufe der Zeit wurde mir aber bewusst, das viele Eltern so oder so ähnlich denken. Und hinter diesem Gedanken steckt letztendlich ein Sicherheitsbewusstsein. Sie wollen das Beste für ihr Kind und möglichst große Absicherung.

Bei meinem oben genannten Beispiel war es aber so, das die Eltern in unserem alter waren. Man muss als "Spätgebärende"  immer damit rechnen, das man vielleicht  vor dem Erwachsensein seines Kindes stirbt, oder andere Umständen einen zwingen das Leben zu verändern. Eine Erkrankung, frühzeitige Rente oder Pensionierung. Wir wissen nicht was auf uns zukommt. Wenn wir für uns in die Zukunft planen kann das ziemlich schnell in die Hose gehen, wenn wir noch dazu für unsere Kinder in die Zukunft planen, reicht eine Hose nicht.

Wir wissen weder wie sich unsere Kinder entwickeln, noch wissen wir für welchen Beruf sie sich entscheiden, ob sie lieber Schwänzen als die Schule zu besuchen, ob sie das Abitur schaffen, ob sie studieren, ob sie Heterosexuell sind, oder Homosexuell oder gar Transexuell, Heiraten und Kinder bekommen, oder ob sie ein Leben im Kloster führen werden. Manchmal erfahren wir ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, das ist aber auch schon alles was wir wissen werden und manchmal täuscht sich sogar der Arzt im Geschlecht.

Die Vorstellung, dass unsere Kinder einst in unsere Fußstapfen treten werden, ist an eine Hoffnung geknüpft, nämlich der Hoffnung sie sind so wie wir.
Wir erleben oft sehr schnell welcher Illusion wir aufsitzen, denn so wie wir kann niemand sein. Unsere Kinder sind Einzigartige Geschöpfe, genau wie wir einzigartig sind.
Sie werden ihre eigenen Erfahrungen machen und ihr eigenes Leben aufbauen und das muss wahrlich nicht mit unserem korrespondieren. Es kann genauso gut sein, das sie eine vollkommen andere Richtung einschlagen. Damit wollen sie uns nicht weh tun, sie wollen einfach nur ihr Leben in Freiheit leben, genau wie wir auch.

Kinder können uns den Moment näher bringen, sie bringen uns bei, das Leben schön ist. Als Erwachsene erkennen wir nur noch, das es nicht einfach ist - das Schöne verschwindet aus unseren Gedanken. Blicken wir zurück auf das kindliche Spiel entkommt uns aus den Lippen: "Genieße es jetzt, bald kommt der Ernst des Lebens!"

Kennt ihr diesen Spruch?

Die Frage ist doch wirklich, warum wir bereits als Kinder damit konfrontiert wurden, das es später schlimmer wird?
Und die nächste Frage, ist es das wirklich geworden?

Heute habe ich einen Spruch auf einem Blog gelesen: "Das Leben ist schön!"
Ganz schlicht mit einem Pinselstrich auf ein Stück Papier gemalt. Es erschient mir fast Trotzig.
Wann habt ihr das letzte Mal gesagt, das dass Leben das ihr führt schön ist?
Habt ihr es jemals gesagt?

Ich musste selbst erst einmal darüber nachdenken. Und zu meiner eigenen Überraschung und trotz meiner momentan unsicheren Lebenshof Situation habe ich es tief in mir gefühlt.
Ja das leben ist Schön.
Schau ich zurück sehe ich Leid, schau ich in die Gegenwart ist das Leid aus meiner Vergangenheit vollkommen verschwunden. Ich habe eine wundervolle Familie, ich habe ein schönes Leben, ich bin kreativ, konstruktiv, ich bin Glücklich in diesem Moment.
Wenn ich aber mein komplettes Leben inklusive meiner Vergangenheit sehen würde, würde ich vielleicht denken, ich 50 Jahre alt, ich habe 31 Jahre Leid erlebt, die 32 Jahre wiegen mehr als die 18 Jahre danach. Also?

Ist das ein Grund weiter Unglücklich zu sein?

Viele Menschen haben die Waage im Kopf, sie schauen sich an, was sie alles erlebt haben im Leben und werten die schlimmen Tage höher als die guten Tage. Oft können sie sich an die guten Tage gar nicht erinnern, was bleibt ist Leid.

Warum vergisst der Mensch die schönen Dinge schneller als die Leidvollen?
Die Wissenschaft versucht immer noch das Glück und seine Vorraussetzungen zu erforschen. Mittlerweile sind sie auf interessante Ergebnisse gestoßen.

Freude eine Form des Glücks, gehört wie Angst, Ekel, Wut zu den Basisemotionen.
Glück entsteht im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen und durch körpereigene Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.
Diese Botenstoffe sind für unser Wohlbefinden wichtig und heißen deshalb auch Glückshormone.

Noradrenalin steuert, wie ein Mensch positive oder negative Reize wahrnimmt.  Serotonin bestimmt den längerfristigen Gemütszustand eines Menschen. Ein Mangel an Serotonin hat zur Folge das wir wir ängstlicher, depressiver und aggressiver auf Situationen reagieren. Der dritte Botenstoff Dopamin richtet die Aufmerksamkeit des Menschen auf wohltuende Momente, das kann im Grunde genommen alles sein, eine Blume am Wegesrand, ein gutschmeckendes Essen, ein lächelnder Mensch, Sex.

Man nimmt an, das jeder Mensch auf dieser Welt nach Glück strebt, weil der Ausstoß von Dopamin als sehr belohnend erlebt wird.

Heute kann man davon ausgehen, das Glück und Unglück ganz nah beieinander liegen und das die Botenstoffe diese Emotionen beeinflussen, dennoch sind Menschen diesen Gefühlen nicht blind ausgeliefert. Sie können  sich Zuversicht aneignen und somit das Glück beeinflussen.

Natürlich geschieht das nicht von Heute auf Morgen, dazu brauchen wir Zeit und anfangen tun wir damit das wir jeden Tag, jeden Moment daran arbeiten.

Wie war das bei mir:

Als Kind war die Welt nur in Überleben und Leid aufgeteilt. Wenn ich einen Tag überlebt habe, wartete ich auf den nächsten Tag. Es gab also kein Später in diesem Sinne. Ich habe meine Kraft nicht dahingehend investiert, das ich an die Zukunft gedacht habe. Ich habe nur daran gedacht, den Tag zu überstehen.

Dadurch habe ich einen Vorteil erlangt, den vielleicht viele Menschen nicht haben, ich habe nie gelernt an die Zukunft zu denken. Denn die Zukunft war Unwichtig. Natürlich hab ich auch mal darüber nachgedacht, ob ich heiraten werden, Kinder haben werde... aber kaum kam mir der Gedanke in den Sinn, schob ich ihn zur Seite, denn diese Gedanken waren zu schön um wahr zu sein. Ich musste mich wieder zurück besinnen auf das was ist und nicht auf das was sein werden könnte.

Diese Sicht auf die Dinge gab mir die Wurzel um mein Leid aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Denn dadurch das ich im Moment lebe, ist das was wahr nur als Vergleich zu dem was ist zu sehen.
Ich habe mich also sehr früh daran orientiert ob es mir gut geht oder nicht und was ich tun kann, damit es mir besser geht. Wenn man in meinem Leben überhaupt von Ziel sprechen kann, dann lag mein Ziel immer darin, das ich Glücklich werde, wenn ich es noch nicht bin.
Als Kind habe ich gelernt, das es nur zwei Dinge gibt, die wichtig sind. Das Überleben um zu leben. Diese Erkenntnis hat mich bis heute getragen. Später kam hinzu, das ich diese Erkenntnisse auf andere Menschen übertragen habe. Ich nahm sie sozusagen mit in mein Boot. Nun war es mir  nicht mehr nur wichtig, mein Überleben zu sichern. Denn alleine lebt es sich nicht gut. Sondern auch andere Überleben zu sichern. Ich lernte dadurch zwei weitere wichtige Dinge kennen, mein Ego und mein Mitgefühl. Anfangs war mein Ego stärker als mein Mitgefühl, denn ich musste auf mein Überleben achten, doch je älter ich wurde desto bewusster wurde mir, dass das Leben nicht nur aus meinem Leben besteht.
Ich freundete mich mit Menschen an und fühlte ihr Glück, genauso wie ihr Leid, je intensiver die Freundschaft wurde.
Mir wurde bewusst, das es daher wichtig war, dass die Menschen die ich liebte Glücklich sind, damit ich es auch bin. Also versuchte ich sie Glücklich zu machen, um selbst Glücklich zu sein.

Das war der erste Schritt zum Mitgefühl, - mir bewusst zu machen, das alles zusammen hängt. Das Glück und Leid übertragbar sind und daher weiter gegeben werden können.
Damals wusste ich noch nichts über Buddhismus. Ich handelte rein Intuitiv.
Eines Tages begriff ich, das das Glück das ich weiter gebe (genau wie das Leid) nicht bei einer Personen hängen bleibt. Mein Boot wurde größer.
Ich erkannte, das andere die von einem Lächeln profitierten, das Lächeln weitergeben usw. Auf einmal sah ich viele Menschen lächeln und ich stellte mir innerlich die Frage: ok wenn es sich weiter trägt, wer hat dann für mich gelächelt? Mir wurde bewusst, das ich Glücklich bin liegt daran, das ein anderer Glücklich war und mir ein Stück von seinem Glück weiter gab.
Auf einmal wurde mir bewusst, das alle Lebewesen auf diesem Planeten von einander abhängig sind.
Und dann: Unser Überleben kann nur gesichert werden, wenn wir gemeinsam daran arbeiten.

Mein Boot wuchs von Tag zu Tag. Und wenn ich mir heute dieses Boot vor Augen halte, verschwindet es am Horizont.

Glück ist etwas das man lernen kann.
Leid ist schon immer da gewesen, in jedem Wesen auf dieser Welt. Alleine dadurch, das wir leben wollen und glücklich sein wollen. - Wenn wir es JETZT nicht sind, sind wir Unglücklich und das ist gleichzusetzen mit Leid.

Wir sind alle beeinflussbare Wesen, wir können etwas gutes tun und es kann sich fortsetzen. Wir können etwas weniger gutes tun und es setzt sich genauso fort.
Wir haben es in der Hand.
Und aus diesem Grund sind Frieden und Gewalt zwei Seiten einer Münze die sich Leben nennt.

Es ist Unmöglich dem einen aus dem Weg zu gehen und das andere zu fördern. Nur wenn wir erkannt haben, was Leid bedeutet und wohin es führt, können wir auch die andere Seite aktivieren, nämlich bewusst Frieden zu leben.

Und jeder der auch nur Ansatzweise denkt, die Zukunft macht das schon, hat die Gegenwart aus den Augen verloren.
Denn nicht die Zukunft bringt uns das Glück das wir jetzt in diesem Moment brauchen. Es ist immer nur der Moment der hilft Glücklich zu sein.

In diesem Sinne,
ich hoffe ich habe meine Worte so gewählt das jeder verstanden hat worum es mir wirklich geht.
Und ich konnte euch mit diesem sehr langen Artikel bewusst machen, welchem Irrtum wir aufsitzen, wenn wir denken, wir könnten die Dinge die Wichtig sind, in der Zukunft erledigen.

Denn das was uns heute Wichtig ist, ist morgen schon wieder vergessen.

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag

Namasté
Eure Jo Andarnil





Immer nur der Moment ... ( Teil 1)


Die meisten Menschen verweilen in Gedanken und Taten in der Vergangenheit oder in der Zukunft, es gibt nur wenige die wirklich im Moment leben. Meist sind es geistig behinderte Menschen oder Kinder die sich ganz auf das konzentrieren mit dem sie beschäftigt sind, das Gestern und das Morgen existiert nicht, es ist immer nur der Moment.

Die Gestrigen wie Zukünftigen von uns können viel von diesen Menschen lernen.
Die meiste Zeit umgibt sich der Mensch mit Zielen, sowohl in der Arbeit als auch im Privatleben. Da muss das noch geplant werden und den Termin darf man nicht vergessen und das muss muss noch erledigt werden. Völlig erschöpft landen sie dann Abends vorm Fernseher und  wünschen sich nur noch einen leeren Kopf, das dieser dennoch weiter aktiv vor sich hin qualmt merken diese Menschen oft nur anhand der wirren Träume die sie in der Nacht sie haben.

Das kennen wir alle. Auch bei mir, die sehr viel im Moment verbringt und einen Wecker braucht um an Zukünftiges erinnert zu werden - ist die Vergangenheit hin und wieder sehr aktiv in mir.

Statt Zielorientiert zu leben, begebe ich mich in meiner Erinnerung oft an die Orte meiner Kindheit, dort verweile ich Nachts mit wirren Träumen um am nächsten Morgen total erschöpft zu erwachen.

Es gibt eine Lösung aus diesen qualvollen Kreislauf und ich übe mich darin, jeden Tag aufs Neue. Eines ist das bewusste Ausruhen, in sich gehen, sich auf sich selbst einlassen, Ein und Ausatmen, Meditieren, geschehen lassen.

Könnt ihr euch vorstellen nicht arbeiten (an einem Wochenende oder einen Urlaubstag einlegen, völlig außerhalb der Reihe), keinen Fernsehen zu schauen, euch einfach nur im Schlafanzug zurück ziehen, ohne Radio, ohne Zeitung, ohne Handy, Internet, ohne Party, ohne Schminke, nicht geduscht?

Ich und meine Familie zelebrieren diese Art von Faulheit gerne mal am Wochenende. Wir begeben uns auf eine Reise nach Innen. Dort schauen wir, wie wir uns fühlen. "Wie geht es dir" fragen wir uns gegenseitig und dann sprechen wir über unsere Gefühle. Unsere Tochter hat so schon von klein auf gelernt über ihre Befindlichkeiten zu reden: "Ich fühle mich heute scheiße!" Ist einer ihrer Lieblingssätze, als Einleitung ihrer tiefen Sehnsüchte, ihrer kindlichen Ängste, ihrer Wünsche und Vorstellungen aber auch: "Heute ist ein toller Tag Mami, die Sonne scheint und mir geht es richtig gut" Manchmal bleibt es dabei aber manchmal kommt auch ein Aber. Meine Frau musste sich erst daran gewöhnen über ihre Gefühle zu reden, für mich war es auch lange neu, so offen über meine Ängste, Sehnsüchte und Gedanken zu sprechen. Aber mittlerweile ist diese Art der Unterhaltung in unserer Familie zur Normalität geworden und wenn Probleme anstehen, dann reden wir darüber, offen - Bei Problemen setzen wir uns zu einer Familienkonferenz zusammen, mit der Einleitung, "wir müssen uns unterhalten" nehmen wir uns die Zeit zu einer Lösung zu kommen. Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, irgendeiner von uns ist verletzt, oder fühlt sich nicht wohl oder eine Private Veränderung steht an. Unsere Tochter wird bei all dem mit einbezogen. Wir nehmen ihre Gefühle sehr ernst. Wir nehmen uns sehr ernst.

Wann habt ihr das letzte Mal wirklich über eure Gefühle gesprochen? Nein ich meine nicht die Kommentarfunktion über Facebook, ich meine auch nicht den Blog in dem ihr regelmässig schreibt. Ich rede auch nicht von den guten oder schlechten Wetter Gesprächen mit der Nachbarin, auch nicht davon, auch nicht die Gespräche mit dem Arzt.
Ich rede davon sich wirklich auf den Moment zu konzentrieren, inne zu halten und sich selbst analysierend offen sein für das was da ist. Ist es ein Glücksgefühl, ist es Trauer, Angst, Unsicherheit?

Ich beobachte oft das Menschen in Wahrheit nicht über ihre Gefühle sprechen, sondern sich vielmehr über die Gefühle anderer unterhalten. "Mein Mann denkt..." "Meine Frau macht sich Sorgen..."
"Der Lehrer meiner Tochter ...."
""Kommentar" yx hat nicht alle Tassen im Schrank..." "Meine Kollegin ..."
Oft wird dies als Anlass genommen Meinungen auszutauschen, aus denen dann Diskussionen entstehen, aus denen ein Streitgespräch entstehen kann. Der berühmte Satz: "Du hörst mir nie zu!" Endet oft darin das man sich gegenseitig Vorwürfe macht, aber kaum jemand sagt offen wie es einem wirklich geht - was war der Anlass? Was ist wirklich passiert, das dieses Gefühl die Oberhand gewinnt?
Ist es wirklich der Partner der nicht zuhört, oder ist es etwas vollkommen anderes, das sich im Inneren einquartiert hat.
Es ist einfach dem Partner die Schuld am eigenen Gefühl zu geben, dabei ist es oft egal ob das Gefühl bereits vorher vorhanden war und es durch die Bemerkung des Partners an die Oberfläche transportiert wurde. Dadurch das sich viele Menschen im Dauerrythmus ablenken, erkennen sie oft nicht welche Gefühle wirklich in ihnen schlummern.
Wenn ich nicht achtsam bin, geht mir das übrigens  genauso. Es ist einfacher an den Gefühlen anderer anzudogen, dann fühlt man in sich nicht mehr so alleine mit sich selbst.

Dieses Alleinesein entspringt aus einer Illusion, das jeder Mensch nur für sich selbst die Verantwortung trägt. Wenn es wirklich so wäre, wären wir alle sehr einsame traurige Menschen, denn es würde sonst niemanden kümmern wie wir uns fühlen. Aber in Wahrheit sind wir nicht alleine, wir sind es nie gewesen.

Albert Schweizer hat es wundervoll ausgedrückt:

"Wie die Welle nicht für sich sein kann, sondern stetig an dem Wogen des Ozeans teilhat, also können wir unser Leben nie für uns allein erleben, sondern immer nur in dem Miterleben des Lebens, das um uns her statthat".
Einige meiner Leser werden jetzt vielleicht fragen, wie ich das wissen kann. Es ist einfach, ihr seid hier und lest mit, in diesem Moment sind wir schon zwei. Einer der geschrieben hat, einer der gelesen hat und da es mir nicht egal ist, wen ich mit meinen Worten erreiche, freue ich mich darüber das du auf meinem Blog bist. Wenn du in Facebook angemeldet bist, wirst du dich sicherlich auch mit den Leuten dort über PN oder die Kommentarfunktion unterhalten, das gleiche gilt für Google, Web.de, Foren usw. Es gibt so viele Möglichkeiten zu diskutieren. Vielleicht hast du ja kein Dauerinternet, aber du hast sicherlich Familie, Freunde, Verwandte, Nachbarn. Den Bäcker aus deiner Straße, den Postboten.
Irgendjemand ist immer da, weil wir kommunikative Wesen sind gehen wir auch in Kontakt. Vielleicht hast du ja auch einen Hund oder eine Katze die dich begleitet und dir ganz nah sind, wenn du dich einsam fühlst. Vielleicht gehst du auch jeden Tag zur Arbeit und sprichst hin und wieder mit deinen Kollegen.

Das Gefühl: Einsamkeit hat andere Gründe und hat erst einmal nichts mit dem Begriff Alleinsein zu tun. Es ist ein tiefes und schmerzhaftes Gefühl sich nicht eingebunden zu fühlen. Ein wenig als wäre man Unsichtbar für den Rest der Welt. Woher kommt dieses Gefühl?

Stell dir folgendes vor, du bist Jahrelang in einem Verein gewesen, du hattest dort einen große Verantwortung, vielleicht der Kassenwart..
Das war dein Lebensinhalt, es war nicht die Arbeit in deinem Job und auch nicht deine Familie, es war nur dieser Verein, dafür hast du gelebt. Nun beschließt der Vorstand den Verein aufzugeben, warum auch immer. Und du wirst nicht gefragt.
Dein Leben bricht auf einmal zusammen, weil der Lebensinhalt den du hattest fehlt.

Ein anderes Beispiel aus meinem Leben.
Der Vater einer guten Freundin von mir, hatte es auf der Berufsleiter ganz nach oben geschafft. Gesellschaftliche Anlässe waren Normalität, er war Künstler mit einem großen Freundeskreis, er hatte ein schönes altes Haus, eine wundervolle Frau und eine liebenswerte Tochter. Sein Leben war Perfekt. Und dann wurde er krank. Seine Erkrankung war unheilbar, die Schmerzen waren unerträglich. Nach und nach zog er sich von allem zurück. Zuerst aus der Arbeit, dann von den Freunden, er hörte auf zu malen, zuletzt von der Familie. Und eines Tages hörte er einfach auf zu leben, er brachte sich um.

Beide Beispiele zeigen wie sehr wir uns an unseren Sicherheiten festhalten, sie werden zu unserem Lebensinhalt. Wenn dieser Lebensinhalt, die Sicherheit an der wir uns klammern weg fällt, dann fühlen wir uns einsam, nicht mehr eingebunden, alleine, unsichtbar.
Das können unterschiedliche Ursachen sein, eine Krankheit, man verliert seinen Arbeitsplatz, Rente, es stirbt ein Angehöriger, Scheidung, sogar ein Umzug kann diese Gefühle auslösen.
Es sind Veränderungen in unserem Leben mit denen wir nicht gerechnet haben, die uns schlagartig überfallen und uns den Boden unter den Füßen weg nehmen.

Wir sind alle (zumindest normalerweise) mit Zielsetzungen konfrontiert worden und mit einem Leistungsdruck. Wir wurden dahingehend programmiert Erfolg zu haben, bei dem was wir tun, dabei spielt es im seltensten Fall wirklich eine Rolle was wir tun.
Uns wurde suggeriert, das es wichtig ist für unser Leben das wir uns Anpassen, Schulisch, Beruflich, Gesellschaftlich, Religiös - wie auch immer. Und so leben die meisten von uns. Nämlich irgendwo bei irgendwas Erfolg zu haben. Es spielt dabei keine Rolle ob wir Reich oder Arm sind, ob wir einen tollen Job haben, oder von Harz 4 leben, irgendwo in unserem Leben wollen wir Erfolgreich sein. Und wenn das nur bedeutet das wir ein guter Kunde bei einem Versandhandel sind.
Und wenn wir das Gefühl von "Erfolgreich" in uns fühlen, halten wir daran fest, doch wenn der Erfolg von einer Sekunde zur anderen wegbfällt, fallen wir in ein tiefes Loch.

Das was wir denken, das es uns besonders macht, ist verschwunden.

Erfolg ist das was wir fühlen, nicht das was wir tun. Jemand kann sich als Erfolgreich empfinden, ob wohl er nur im Bett liegt und Sportsendungen ansieht. Oder für sich selbst eine Wette abschließt wieviel Kaugummiblasen er in 5 Minuten platzen lassen kann, oder wieviel Gäser Bier er in so und so viel Minuten trinken kann....

Und wenn dann noch Leute dabei sind, die anfangen zu klatschen weil du 33 Bier in einer halben Stunde in dich hinein geschüttet hast, stellt sich ein Gefühl der Euphorie ein. Du hast es geschafft, egal wie es dir dabei geht. Das Klatschen und auf die Schulter hauen zeigen dir das du toll bist - Erfolg hattest.

Und stell dir vor du bist so ein Mensch der sich drei mal die Woche mit Kumpels in der Kneipe trifft und immer wieder schaffst du es 33 Bier zu trinken, du bist der Kneipenheld schlechthin. Doch nach einem Halben Jahr stellt dein Arzt plötzlich fest du hast eine Leberzirrhose und musst deinen Alkoholkonsum sofort einstellen. Kein Kneipenbesuch mehr, keine Kumpels die dir auf die Schulter hauen, dein Erfolg ist gleich NULL. Was dann?

Die Euphorie bleibt aus, Leid zieht ein.

Die meisten Menschen ziehen sich zurück, die wenigsten reden darüber. Aber ganz ehrlich mit wem außer seinen Kneipen Kumpels sollte man darüber reden, das es unglaublich fehlt, 33 Bier zu trinken?
Das Dilemma ist also bereits vorprogrammiert.

Wie kann man das Problem lösen?

Erst einmal muss einem Bewusst werden was man  tut. Oft sind es Mechanismen. Wenn man täglich das gleiche tut, fällt es irgendwann nicht mehr auf. Wenn ich täglich beim Zähnputzen Krimassen im Spiegel schneide, fällt es mir nur dann auf, wenn meine Partnerin mich dabei beobachtet und mir sagt: "Jo du siehst echt merkwürdig aus wenn du so ein Gesicht machst" Tja ;)

Und nun komme ich wieder zum Anfang meiner Ausführung. Wann ist euch wirklich bewusst was ihr tut?
Und wo seid ihr Gedanklich?
In der Vergangenheit, der Zukunft oder wirklich im Moment?


Mit dieser Frage ende ich meinen ersten Teil von: Immer nur der Moment.

Namasté

Eure Jo Andarnil