Mantra Musik

Samstag, 27. Juli 2013

Brücken sind zum überqueren da....




Ich hatte hier ja schon einmal in meinem Blog die Themen aufgegriffen, die bewusst machen wie leicht es scheint zu einem anderen Menschen empor zu blicken und wie sehr die Religionen genau mit dieser gewollten Distanz umgehen und spielen -  die Religionen der Mächtigen und skeptische Erfahrung mit einem "göttlichen" Menschen.


Ich finde es gibt nichts schlimmeres in einem religiösen Kontext als die Distanz die entsteht, wenn sich Menschen nicht auf gleicher Ebene befinden.

Warum brauchen wir immer jemanden zu dem wir hoch blicken können?
Reicht es nicht aus in den Spiegel zu schauen und die eigenen Werte zu erkennen?

Genau das ist mein heutiges Thema: Es geht hier um das Vernachlässigen der eigenenWertschätzung.

Ich glaube dieses Gefühl zu einem hochzublicken liegt in unserer Menschlichen Geschichte, wir mussten von Anfang an auf andere Menschen vertrauen, das war in unserer Entwicklung lebensnotwendig. Wir erleben dieses Urvertrauen bei Kindern, dieses Hochblicken zu Mama und Papa, das Gefühl: die Eltern machen alles Gut.
Und auch wenn nicht alles gut wird, das Hochblicken bleibt trotzdem eine Weile Teil unserer Kindheit.

Ich glaube das Menschen nur allzu leicht anderen Menschen einen höheren Wert zumessen, wenn sie das Urvertrauen zu sich selbst verloren haben.
Es ist leicht jemanden der auf der Kanzel steht, anzublicken als wäre er viel Größer und Mächtiger als man selbst.
Jemand der von oben herab blickt und dem die Hoffnung aus den Worten tropft, als wäre es Balsam für die Seele eines jeden der unten steht.

Es ist leicht sich in einen solchen Menschen zu verlieben, denn er zeigt die Vollkommenheit, die Reinheit die uns in unserem Leben fehlt. Dieses: "Es wird alles Gut".
Oft sind es die eigenen Lebensthemen die dieser Mensch aufgreift und so verpackt, als hätte er die Antwort auf alle Fragen des Lebens parat.

Es ist leicht zuzuhören und das Gefühl zu verspüren in den Worten des Erhabenen ist das Heil das alles wieder Heil macht. Man fühlt sich angesprochen, man fühlt sich getröstet und man fühlt sich letztendlich angekommen und angenommen - in der Distanz eines Anderen erleben wir uns selbst sehr klein und geborgen. Wir klicken an dieses Gefühl an, das wir als Kinder hatten, dieses Hochblicken zu den Eltern oder den Großeltern: "Wird alles Gut?" "Ja alles wird gut" Das "Nichts ist Gut" wird in uns tief verborgen, denn wir wollen das was wir zu erkennen glauben nicht durch die Realität zerstören.

Stückchenweise geben wir damit die Verantwortung für unser Erwachsensein und unser Handeln ab, wir fühlen uns wie Kinder die geführt werden, von einem der es ja wissen muss. Vom Pfarrer auf der Kanzel, vom buddhistischen Lehrer, vom Therapeuten, vom Guru... den Eltern, Großeltern ...
Es ist herrlich sich einfach fallen zu lassen, oder über Feuer zu laufen, ein Zertifikat in den Händen zu halten oder einfach nur mit offenen Mund und großen Augen zuzuhören oder lesen, was der wertvolle Mensch weit über einem selbst sagt/schreibt.

Man muss gar nicht viel Denken, man kann sich zurück lehnen und einfach nur das tun was der andere an Wahrheit vermittelt. Urvertrauen ohne Skepsis. Urvertrauen festgehalten auf einem Papier, welches man sich eingerahmt an die Wand hängt, als Zeichen ein guter Buddhist, Christ, Moslem zu sein. Es wird gelehrt das was eigentlich schon in uns steckt. Das Dharma - Zertifikat beweist letztendlich nur eines, das wir eine Illusion gekauft haben, statt uns mit der Realität auseinander zu setzten.

Mir ist bewusst geworden, während ich die unterschiedlichen Religionen und spirituellen Wege kreuzte, das gerade diejenigen die sich Lehrer oder Guru nennen, absoluten Gehorsam erwarten. Ein Nachhaken, eine skeptische Äußerung, Kritik oder einfach nur Fragen stellen zu bestimmten Themen, ist oft nicht erwünscht.

Ich habe erlebt wie Fragen mit Lehrreichen Phrasen beantwortet wurden (z.B. Zitate aus der Bibel oder dem Pali Kanon) oder auf geschichtliche Hintergründe verwiesen wurden. Skepsis wurde oft als Mangel an Vertrauen bewertet und Kritik als Ungehorsam.

Mir ist bewusst geworden:

Wir müssen lernen Eigenverantwortlich zu sein, dann brauchen wir keine Gurus und Heiligenbilder.
Wir müssen lernen Mitgefühl zu empfinden.
Wir müssen lernen Liebe zu geben, ganz ohne Erwartung.
Dann handeln wir Eigenverantwortlich.
Wir müssen begreifen, das keine Kirche uns unsere Fehler nehmen kann, kein Gebet und auch keine Beichte. Alles was wir sind, sind wir. Wir haben die Entscheidung welches von den Dingen in uns gelebt wird.

Es sind alle Wege vorhanden. Alle Brücken über die wir gehen können. Dazu benötigen wir letztendlich niemanden als uns selbst.

- manchmal begegnen uns Menschen auf gleicher Höhe, dann laufen wir eine Weile Arm in Arm.
Es sind die Menschen die uns sehen, uns wahrnehmen - Aug in Aug ohne Herrschaftsgedanken, ohne das Gefühl mehr zu sein als wir selbst. Nebeneinander. Miteinander. Auf einer Höhe...

Schritt für Schritt, anhalten durchatmen und weiter gehen...

In dem Sinne
Namasté

Eure Jo


Kommentare:

  1. Liebe Jo, sehr gut ausgeführt. Schon als Kind wollte mich mein Vater durch Schläge brechen. Es ist ihm nicht gelungen, es hat mich stark gemacht und das bin ich immer geblieben. Deine Ausführungen sind so wahr. Meine Kinder habe ich immer vom ersten Tag an als gleichwertige Wesen angesehen und behandelt und bin sehr gut damit gefahren. Es war wieder mal sehr schön zu lesen.

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  2. Danke dir Rita!! ♥ Alles liebe von Jo

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