Mantra Musik
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Mittwoch, 15. Juni 2016
Das langsame Sterben ...
Ich weiß das meine Ausführung den einen oder anderen schocken wird. Es wird mit Sicherheit sehr kontrovers diskutiert, vielleicht werde ich auch angegriffen. Ich bin gespannt.
Gestern wurde meine Hündin Bella operiert, sie hat Gesäugekrebs, wir nehmen an er ist bösartig.
Heute liegt sie still in ihrem Körbchen, sie hat sehr gekämpft bis die Narkose gewirkt hat. Von meiner hyperaktiven Bella ist nicht viel übrig... sie hat Schmerzen. Und ich leide mit.
Heute schreibe ich über meine Zwiespältigen Empfindungen, über das was ich weiß und das was ich an mir gerne verändern möchte.
Ich möchte so gerne das menschliche in mir ablegen, wenn es um das Leben eines Tieres geht. Klingt merkwürdig, das ist es auch. Denn es beinhaltet das ich all meine Gefühle ignoriere und statt dessen das Tier in seiner Ganzheitlichkeit wahrnehme mit all dem was es an natürlichen Instinkten in sich trägt. Das bedeutet auch, das ich das Tier, sein Leben, seinen Instinkt und sein Sterben genauso akzeptiere wie meinen Schmerz es zu verlieren.
Ich möchte mir bewusst machen, das mir kein Tier dieser Welt - genau wie kein Mensch dieser Welt gehört.
Und das ich nicht das Recht habe in einen natürlichen instinktiven Prozess von Leben und Sterben einzugreifen.
Ich möchte mich ändern.
Das ist die eine Seite.
Die andere Seite in mir möchte noch mehr tun für Tiere, ihnen ein Stück ihrer Würde zurück geben. Ihnen den Raum bieten, den Menschen ihnen weggenommen haben. Und ihnen durch die Möglichkeiten die wir Menschen haben das Leben und Sterben erleichtert.
Ich möchte das, was ich mir selbst auch wünsche - Freiheit für jedes Tier.
Wenn ich beide Gedanken nebeneinander stelle merke ich, das es nicht funktionieren kann.
Mir kamen diese Gedanken gestern als wir Bella nach der Op abholten. Wir brachten sie hin, da war sie noch unsere Bella. Sie hatte keine Schmerzen, war wie immer hyperaktiv und leicht ängstlich. Dann bekam sie die Spritze und wir merkten wie sehr sie sich dagegen sträubt, sie wollte partout nicht einschlafen. Allein das tat mir weh, weil ich begriff, wie unnatürlich und angstmachend das für sie sein musste. Sie verstand ja nicht, das wir nur ihr Bestes wollten, nämlich dass sie wieder gesund wird.
Als wir sie dann holten kam sie uns zitternd und voller Panik im Blick entgegen, sie konnte nicht wie sonst an mir hochspringen, aber sie freute sich, das wir wieder da waren.
Und nun liegt sie in ihrem Körbchen, sehr ruhig - so gar nicht das Wesen das sie sonst immer ist.
Hin und wieder zittert sie und oft fiepst sie wie ein Welpe. Ich werde ihr nachher Medikamente geben, gegen die Schmerzen.
In solchen Momenten denke ich mir, was tun wir eigentlich den Tieren an. Wir versuchen sie auf der einen Seite zu vermenschlichen und ignorieren ihre genetische instinktive Art mit Leben und Tod umzugehen und auf der anderen Seite nehmen wir ihnen jede Würde ihrer Existenz. Wir missbrauchen sie, quälen sie, töten sie, essen sie auf, ein Teil wird anderweitig verwertet und der Rest kommt auf dem Müll.
Was für ein schreckliches Dasein.
Tiere sind für uns Sklaven.
An solchen Tagen wie heute möchte ich keine Tiere mehr halten, weil ich Mensch bin und egal was ich mache, es nicht gut genug ist für das Tier.
Denn ein Mensch kann nie einem Tier das geben, was es wirklich braucht. Genug Freiraum und die Möglichkeit der eigenen Entscheidung, das fressen zu wollen was es will, Jagen zu wollen, töten zu wollen, in die Richtung zu laufen in die es laufen will ohne das ein Auto es anfährt. LEBEN zu wollen, STERBEN zu wollen.
Als Mensch sehe ich es nur von meiner Seite.
Da ist ein Hund der mich braucht, eine Katze die gestreichelt werden will, ich der Dosenöffner.
Wir Menschen erkennen nicht den wahren Wert eines Tieres, weil wir entweder unser Herz total verschließen und Tiere zum Opfer machen, zur Ware. Oder weil wir unser Herz weit öffnen und das Tier den Part eines Freundes bekommt, den man ein ganzes Leben lang begleiten will und der keine Widerworte gibt und auch sonst dem Menschen jeden Wunsch von den Augen abliest und wenn er das nicht kann, wird er verschenkt oder kommt ins Tierheim oder wird eingeschläfert und dann holt sich der Mensch einen neuen Freund.
Es gibt Tiere die für uns arbeiten und die ihren Stellenwert dadurch erhöhen solange sie in der Lage sind zu arbeiten: Polizeihunde die ihr Leben aufs Spiel setzen, oder Zootiere die sich begaffen lassen, Tiere in der Forschung, die nur deshalb leben, um gequält zu werden.
Es ist so falsch. Manchmal denke ich das menschliche Gehirn hat hier einen Fehler. Ein Teil fehlt, oder ein Teil ist zuviel. Nur deshalb sind wir in der Lage all dieses Grauen umzusetzen Tagtäglich immer wieder aufs Neue.
Wir missbrauchen unsere Mitgeschöpfe aufs schlimmste. Wir nehmen ihnen den Raum den sie brauchen um zu leben, wir domestizieren sie und misshandeln sie, wenn ihr Instinkt die Oberhand bekommt. Hunde werden erzogen, damit sie dem Menschen dienen und wenn das nicht funktioniert, sagen wir: der Hund stimmt nicht. Er ist böse und wenn er böse ist, muss er dafür bestraft werden, wir töten und rechtfertigen es damit das wir andere Menschen schützen wollen. Wir freuen uns, wenn Tiere mit uns spielen und wir sagen: Wir tun ihnen einen Gefallen das wir mit IHNEN spielen. Wir halten uns für Helden, wenn wir ein Tier retten, das ohne uns nicht gerettet werden müsste. Wir erschießen Rehe, angeblich um die Überpopulation zu verhindern - in Wahrheit nennen wir die Jägerei - genau wie die Fischerei Sport - und Sport ist gerade in diesem Fall Mord.
All das ist so verrückt.
Diese Sicht auf die menschliche Seite ist hart. Und nach reiflicher Überlegung wird bewusst, dass wir womöglich nicht anders können. Das es eine Schuld in dem Sinne nicht gibt. Wir haben wahrscheinlich gar keine Wahl.
Die einzige Chance um an diesem Leid der Tierwelt etwas zu verändern, ist wohl das menschliche in einem Selbst abzulegen.
Die Buddhistin in mir sagt: Wir müssen erkennen, dass es kein ICH gibt.
Der Mensch in mir sagt: Wir müssen erkennen, das wir nicht gut sind.
Das wir von Grund auf die Monster auf diesem Planeten sind.
Ich muss es wohl akzeptieren, das ich meiner Bella leid angetan habe, um Leid zu verhindern. Ein ewiger Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt, solange ich das menschliche in mir trage.
Während ich das hier schreibe fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu Monster und Tier.
Während ich das hier schreibe habe ich eine Entscheidung gefasst.
Sollte der Krebs noch einmal ausbrechen, werde ich ihr das nicht noch einmal antun. Ich liebe sie zu sehr. Noch haben wir etwas Zeit.
Das (wenn auch ICH-lose ) Monster in mir akzeptiert.
In diesem Sinne...
Leben und Tot liegen so nah beieinander das es unmöglich ist, beides voneinander zu trennen. Am Ende müssen wir akzeptieren, dass jedes Lebewesen sterben wird. Mit unserem Zutun oder ohne unser Zutun. Es tut immer weh.
Namasté eure Andarnil
Dienstag, 31. Mai 2016
Organspende?

Ein Thema das mich immer wieder beschäftigt.
Ich Teile die Ansicht, das ein Gehirntod nicht gleichbedeutend sein muss mit dem Tod des Menschen. Ich denke vielmehr das wir viel zu wenig über die Seelenprozesse wissen, um wirklich sicher zu sein, das der Stillstand des Gehirns alles Leben auslicht.
Für mich ist es klar ersichtlich, das es zwei Bereiche gibt die abgeklärt werden müssen, bevor ich einer Organspende zustimme. Das eine ist die Seele - wann wird sie geboren, wann stirbt sie. Ich habe selbst ein Nahtoderlebnis und war im Sterbeprozess mehrerer Menschen wie Tiere dabei, was ich immer wieder beobachten konnte, war das wenn das Lebewesen gestorben war, seine Präsens noch fühlbar war. Erst Stunden oder Tage später war diese Präsens verschwunden.
Anfangs dachte ich, ich spinne. Doch bei einem Erlebnis wurde mir klar, das ich nicht alleine so fühle. Eine Frau starb vor Jahren in meinen Armen, sie nahm sich das Leben. Als sie gestorben war, fühlte ich immer noch ihre Anwesenheit. Auch als ihr Leichnam abgeholt wurde, fühlte ich diese Anwesenheit in der Umgebung an dem sie gelegen hatte. Meine Freunde hielten mich für durchgeknallt, sie dachten ich stünde unter Schock,denn ich hatte ja ihr Ableben mitbekommen und es war sehr gewaltvoll für alle beteiligten, denn sie sprang vom siebten Stock und kam direkt vor meinem Wohnzimmer Fenster auf.
Am Anfang dachte ich sogar das sie recht haben. Aber dann passierte etwas, dass mich vom Gegenteil überzeugte. Es gingen viele Leute mit ihren Hunden dort spazieren und ich konnte beobachten wie die Hunde einen großen Bogen um ihren Sterbeort machten, während die Leute einfach darüber liefen. Das passierte nicht nur bei einem Hund, sondern bei vielen. Die Hunde zogen an der Leine um den Platz nicht betreten zu müssen. Das war so überraschend und gleichzeitig erleichternd für mich. Diese Präsens blieb mehrere Tage an diesem Platz und irgendwann war sie verschwunden.
Natürlich könnte man jetzt sagen, dieser seelische Prozess hat ja nichts mit dem Körper zu tun, aber auch hier sehe ich es anders. Wir sind im Inneren genauso vernetzt wie im Außen, damit meine ich, alles was in uns ist, gehört auch dort hin, es hat seine Berechtigung sonst wäre es nicht dort. Wenn uns ein Teil während unseres Lebens fehlt, geht es uns nicht gut, dann müssen wir Medikamente nehmen, um einen Ausgleich herzustellen.
Warum sollte es im Tod anders sein?
Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Organspende, ich habe darüber gelesen, darüber diskutiert, man wollte mich überzeugen, manipulieren, man hat mich beleidigt weil ich - in meinem Fall - dagegen bin. Bislang kann ich spenden, nicht weil ich anderen nicht helfen will, im Gegenteil, wenn ich wieder einen Bericht lese mit einem Kind das eine Organspende oder eine Zellspende braucht, dann denke wieder darüber nach und wieder. Es lässt mich nicht kalt, es verfolgt mich gerade zu, denn auch ich bin Mutter.
Und dennoch habe ich bisher kein für mich schlüssiges Argument gefunden, das meine Meinung ändert.
Ich habe auch darüber nachgedacht ob ich Egoistisch bin, das wurde mir oft vorgeworfen. Aber ich kenne mich sehr gut und ich weiß, das ich bei manchen Dingen Egoistisch sein kann, wenn es z.B. darum geht meine Meinung zu äussern, oder etwas zu tun, was mir gut tut - aber eben anderen nicht schadet.
Aber in diesem Fall ist es kein Egoismus. Ich denke da viel darüber nach und ich stelle meine Meinung immer wieder in Frage. Das ist kein leichtes Thema für mich, vorallem weil ich auch ein Kind habe das ich natürlich schützen möchte, da verfolgen mich die Bilder von Kinder die eine Spende brauchen im Schlaf. Aber ich stell mir auch die Frage, das vieles Heutzutage sehr leichtsinnig und schnell umgesetzt werden muss um den Menschen mit aller Gewalt am Leben zu halten. Der Tod ist nicht mehr Natürlich und Sterbeprozesse gibt es nur noch wenige. In unserer technisierten Welt hat das Sterben keinen Platz.
Und das Altern, Wechseljahre, Hormone usw. sowieso nicht. Alles muss möglichst lange am Leben gehalten werden. Und ich finde so eine Herangehensweise macht den Missbrauch zur Normalität. Ich wurde oft verurteilt weil ich nicht einfach einen Wisch ausfüllen kann, der garantiert das meine Organe entnommen werden dürfen.
Ich finde es merkwürdig darüber entscheiden zu dürfen, das man mich ausnimmt wenn mein Hirn seine Aktivität eingestellt hat, aber nicht selbst entscheiden kan wie und wann ich sterben darf wenn mein Gehirn noch aktiv ist - das ist für mich nicht logisch.
Und genau das macht es für mich zum legalen Handel mit Organen, nämlich das es hier immer nur um die Lebenserhaltung geht aber nicht um die freie Entscheidung sterben zu können, wenn man noch die Möglichkeit hat den Tod selbst zu bestimmen.
Oft wurde ich gefragt, wie ich denn handeln würde, wenn mein eigenes Kind ein Organ bräuchte. Ich antwortete jedesmal, das ich es nicht weiß. Im Leid erlicht jegliche Moral und Ethik, Menschen sind bereit zu töten um andere zu schützen. Diese Frage kann man also gar nicht ehrlich beantworten, wenn man noch nicht in der Situation ist. Ob ich selbst ein Organ annehmen würde, ich denke nicht, aber auch hier weiß ich es nicht wirklich. Momentan erhoffe ich mir einen selbstbewussten und selbstgewollten Sterbeprozess. Ein bewusstes Abschiednehmen von den Menschen die ich liebe. Das wünsche ich mir. Was ich auf keinen Fall will ist eine Lebensverlängerung.
Ich will nicht an Apparaten dahinvegetieren. Ich möchte sterben dürfen, wenn meine Zeit gekommen ist.
Aber womöglich ist das so ein ungewöhnlicher Wunsch in unserer heutigen Zeit das auch dieser ignoriert wird...
Mir ist bewusst das ich hier Grenzen anspreche.
Aber das ist ja nichts Neues :)
In diesem Sinne meine Divise:
Genieße das Leben solange du es noch frei und in eigen Verantwortung genießen kannst!
Namasté
und alles liebe eure Andarnil
Aber das ist ja nichts Neues :)
In diesem Sinne meine Divise:
Genieße das Leben solange du es noch frei und in eigen Verantwortung genießen kannst!
Namasté
und alles liebe eure Andarnil
Den obigen NICHT Organausweis kann man hier herunterladen, ausdrucken, laminieren und mit sich führen.
http://www.transplantation-information.de/download/organspendeausweis_widerspruch.pdf
Donnerstag, 23. April 2015
Über das Sterben - über den Tod ...
Nach einem Posting einer Freundin in ihrer Chronik über Selbstmord, habe ich darüber nachgedacht, wie das bei mir so war, und welche Beziehung ich zum Tod habe.
Zum Thema Selbstmord:
Ich habe insgesamt 4 Freunde/Bekannte durch Selbstmord verloren, eine Frau ist in meinen Armen gestorben und ich habe meiner damals besten Freunden den Selbstmord ihres Vaters schonend beigebracht. Ich selbst habe 2 mal versucht mir das Leben zu nehmen und einmal habe ich es geplant um nur einen Tag davor eine Veränderung zu erfahren, die mich davon abhielt es um zusetzen. - Nur zu meiner Vorgeschichte.
Meine Meinung hierzu, Selbstmord ist oft eine Momententscheidung. Im Kopf ist alles bereits über Monate oder Wochen geplant, aber es zu tun, entscheidet eine einzige Sekunde. Ein Moment und dann gibt es kein Zurück mehr. Diese Entscheidung hat absolut nichts mit Egoismus zu tun, man denkt nicht darüber nach, irgendwem weh zu tun, der eigene Schmerz ist einfach zu groß. Es gibt auch keine Vorstellung von Zukunft. Alles was zählt ist dieser eine Moment, alles andere ist egal. Dieses "Egal" braucht man um wirklich den Schritt zu machen. Es ist eine Art Notventil im Kopf, das den eigenen Schmerz, die Erinnerung, das eigene Leben vollkommen einnimmt. Alles andere schaltet man in diesem Moment aus.
Jeder der Menschen die ich verloren habe, hatte eine Vorgeschichte von viel Leid, ein Leid das nicht zu verkraften war. Es war das absolute Aus. Die Vorstellung das es Besser wird, war nicht da. Es gab keine Hoffnung. Nur noch Schmerz. Ich verstehe, dass Menschen die das nicht nachvollziehen können, den Selbstmord als Egoismus wahrnehmen. Aber auch Menschen die selbst jemanden verloren haben, können den Sinn darin nicht erkennen.
Wenn ich zurück blicke zu meinen eigenen Versuchen mir das Leben zu nehmen So war ich jedesmal am absoluten Ende. In meinem Kopf gab es nur dieses Loch von Schmerz und nichts anderes. Der Gedanke nahm mich vollkommen ein. Dieses Gefühl: "Es ist dann endlich vorbei!" war so unglaublich befreiend. Ich dachte nur daran, erlöst zu werden. Mein erster Selbstmord geschah als ich 12 Jahre alt war. Ich war ein Kind und dem was man mir antat hilflos ausgeliefert. Ich denke dieses Gefühl des Ausgeliefert sein, des - absolut nichts dagegen tun können - ist ein Gefühl das jeder Selbstmord-Kandidat mit anderen teilt. Keinen Weg mehr nach vorne, keinen mehr zurück. Man ist in einer Sackgasse angelangt und es gibt nichts mehr was hilft, kein Mensch mehr, keine Tatsache, niemand. Da gibt es nur noch diesen einen Ausweg.
Eine Kommentatorin des Postings meiner Freundin schrieb: "All die Leute die sich versucht haben umzubringen, sind jetzt Glücklich das überlebt zu haben" - Es ist ein Trost für die Jenigen die ihren Menschen zurück bekommen: "Er hat es überlebt!" Die Wahrheit ist jedoch, entweder es hat sich danach grundlegend etwas verändert oder er tut es noch mal und zwar besser!
Mein nächster Selbstmord war mit 15. Ich hatte davor keine Gelegenheit. Aber alles was mich in diesen drei Jahren innerlich am Leben hielt war der Gedanke es irgendwann zu tun. Ich plante meinen Selbstmord drei Jahre nach meinem Überleben. Das ich wieder scheiterte lag daran, das ich einfach keine Ahnung hatte, ich nahm eine Packung Schlaftabletten meiner Oma mit der letzten Milch ein die ich im Kühlschrank fand und kotzte mir danach die Seele aus dem Leib, danach schlief ich fast zwei Tage durch und wachte mit fürchterlichen Kopf und Magenschmerzen auf. Danach habe ich weitere 2 Jahre gewartet, ich nahm Drogen und plante meinen "goldenen Schuß". Doch einen Tag bevor ich es tun wollte - genauer gesagt der 4 Juni 1983, veränderte sich mein Leben. Aber meine beste Freundin, mit der ich es geplant habe, war lange Jahre Junkie und ist heute womöglich nicht mehr am leben.
Ich hatte aus heutiger Sicht viel Glück. Und oft denke ich darüber nach, was mir alles erspart geblieben wäre. Weitere Jahre voller Schmerz und Trauer, Erfahrungen, Erkenntnisse, Wissen, Weisheit, Wahrheit und Liebe.
Damals als Kind wusste ich das alles nicht, ich wusste nicht wie es sein wird zu lieben und geliebt zu werden. Ich wusste nicht, das ich eines Tages eine kleine Tochter haben werde und eine wundervolle Frau die mich auf Händen trägt. Ein Leben in Glück. Für mich war lange Jahre Glück schwarze Farbe. Die komplette Kindheit geprägt von Schmerz, Hunger, Übelkeit, Schuldgefühlen und Angst und dieses ewige Gefühl von Ausgeliefertsein. Als Kind hatte ich keine Möglichkeit dem zu entgehen. Ich kenne es wenn das Adrenalin deinen Körper vollkommen einnimmt, alles was dann noch da ist, ist der Impuls flüchten zu wollen, dem entkommen zu wollen. Es war ein Leben im absolutem Grauen. Denn wenn der Adrenalinspiegel sinkt, kommt die große Erschöpfung, die Leere, das Gefühl, es ist egal was mir geschieht. Da geht ein Zittern durch den Körper der hellwach ist, Stundenlang, Tagelang. Dieses ewige Warten darauf was als nächstes Passiert und dann die Gewissheit, es geht von vorne los. Immer und Immer wieder. Das erste Mal, das ich mich an diese Gefühle erinnere, war ich vier Jahre alt. Ich wehrte mich damals wie wild. Ich biß und schrie und trat um mich. Ich entwickelte unglaubliche Kräfte. Man musste mich zu zweit festhalten, solange bis ich vor Erschöpfung aufgab. Man erzählte mir später, es waren Stunden die ich kämpfte und Tage danach hatte ich noch die Hoffnung, das sich etwas verändert an meiner Situation.
Das letzte mal das ich diese Erinnerung habe, war ich fast 17, kurz nach meinem letzten Versuch mir das Leben zu nehmen - ich war endlich frei!!! Ich stand meinen Peiniger gegenüber und schrie ihn an, ich brüllte mir all den Schmerz aus der Seele. Es war vorbei!! Das war ihm bewusst und mir auch. Er schlug mich ein letztes mal. Ich stand auf und ging und kam nie wieder zurück. Er starb ohne mich je wieder gesehen zu haben.
Es gibt ein Sprichwort: "Die Hoffnung stirbt zuletzt" Ich glaube es ist die Hoffnung die zuerst stirbt, bevor man wirklich tot ist.
Natürlich bin ich heute froh überlebt zu haben. Aber ich erinnere mich an das was ich als Kind fühlte. Ich verstehe meine Entscheidung sterben zu wollen. Auch Rückblickend gab es nur eine Alternative - die Zeit - aber das wusste ich als Kind und Jugendliche nicht. Und aus dem Grund habe ich jeden einzelnen meiner Freunde/Bekannte die sich im laufe der letzten Jahre das Leben nahmen verstanden.
Ich werde es immer verstehen, wenn jemand aus freien Stücken geht, weil es das einzige ist, das wir wirklich entscheiden können. Alles andere wird von Außen diktiert, von Menschen die uns lieben, von solchen die es nicht tun.
Sich hier raus zu krallen ist ein Ausweg. Natürlich gibt es auch andere Auswege - die Zukunft ist aber ungewiss, die Vergangenheit ist bekannt.
Es gibt für mich heute nur einen Grund mir das Leben zu nehmen und das ist Siechtum und ein grausamer Tod.
Sollte ich erfahren, ich habe Krebs im Endstadium, Alzheimer oder schlimmeres das unaufhaltsam zum Tode führt,dann werde ich meine Entscheidung neu überdenken. Ansonsten habe ich so viel erlebt, das ich mit fast jedem Schmerz klarkomme, das ist mein Geschenk an mich selbst. Es kann nicht schlimmer sein, als die ersten 17 Jahre meines Lebens.
Zum Thema Tod:
Der Tod selbst macht mir keine Angst, vorvor ich Angst habe ist der Schmerz der kommen könnte.
Diese Woche war voll mit Todesnachrichten. Ein Hund einer Kollegin meiner Frau hat einen Köder mit Rasierklingen gefressen und ist innerhalb von einer halben Stunde innerlich verblutet. Ich erfuhr von meiner Tierärztin und Freundin, das eine ihrer Katzen (die ich sehr liebte) beim Spielen einfach umfiel und starb. Die Medien waren wieder mal voll mit Nachrichten über Todesfälle. Der Tod ist Teil des Lebens.
Das ist mir schon seit vielen Jahren bewusst. Es ist kein Ende, sondern einfach nur ein Moment der das Leben in dieser Exsistenz beendet. Wir wissen nicht was danach passiert. Vielleicht gar nichts, vielleicht ist es aber auch wirklich so, dass wir nur die Exsistenz wechseln und die Dinge die wir erfahren haben mitnehmen in eine andere Lebensform.
Der Kreislauf des Lebensende ist gespickt mit Vorstellungen, Illusionen und Wünschen und diese gehen oft sogar soweit, das Menschen mit bekannten Drogen und anderen Substanzen versuchen den Tod zu erforschen.
Er hat eine Faszination auf uns Menschen. Letztenlich ist der Tod manchmal sogar noch intensiver in unseren Köpfen als das Leben selbst.
Er begleitet uns jeden Tag den wir erleben, denn jeder Tag könnte der letzte sein.
Letztendlich werden wir dauernd mit dem Tod konfrontiert, indem wir den Tod als Nahrung zu uns nehmen. Auch ich als Veganerin ernähre mich vom Tod anderer (Kleinst-)Lebewesen. Das ist etwas womit sich die wenigsten Menschen wirklich konfrontieren. Sie essen Leichen (ein Aas ist ein verwesendes Tier). Der Tod ist somit allgegenwärtig Teil des Lebens.
Wenn ich über den Tod nachdenke, dann denke ich auch an meine Hinterbliebenden. Sie bleiben zurück, wenn ich gehe. Im Laufe der Zeit habe auch ich Wünsche entwickelt, die mir den Tod einfacher machen. Ich würde gerne als erste Sterben, rein egoistisch entgeht mir dann der Verlust meiner geliebten Menschen, der Schmerz der zurück bleibt als letzter zu gehen. Ich habe keinen Trost, wie viele andere Menschen ihn haben, mit der Vorstellung der geliebte Mensch wartet schon am Ende des Regenbogens. Ich glaube nicht an eine Regenbogenbrücke, oder an ein Wiedersehen mit meinen Lieben - nicht so wie ich jetzt bin.
Ich glaube aber an eine Begegnung in einer anderen Existenz. Man läuft aneinander vorbei, man sieht sich in die Augen, man lächelt sich zu - irgendwas in einem weiß es, aber das Bewusstsein fehlt, auf dieses Wissen zurück zu greifen. Dieser eine Moment und dann ist die Begegnung vorbei. Man läuft weiter und es zieht in einem sich umzudrehen und zurück zu blicken. Manchmal tut man es, aber die Begegnung ist in der Menschenmasse verschwunden. Was zurück bleibt ist ein Moment des Bedauerns. Solche Erfahrungen hatte ich schon oft. Ich schüttel sie dann ab, wie man Wassertropfen abschüttelt. Es ist eine Art Erkennen, dieser eine Moment in den Augen des anderen.
Das verstehe ich unter karmischer Beziehung. Ja ich habe die Hoffnung, das beide zurück blicken, im gleichen Augenblick sich erneut die Augen begegnen, das Lächeln. Beide stehen bleiben und lachen wieder aufeinander zu gehen, nicht wissen warum, sondern einfach nur diesen Impuls folgen. Vielleicht passiert das nicht oft, aber ich habe die Hoffnung, das es oft genug passiert und man erneut die gleichen Gefühle empfindet... Ich habe sogar die Vermutung, dass meine Frau und ich, genau diesen einen Moment der Begegnung erlebten als wir uns kennen lernten.
Wenn ich an den Tod denke, so hole ich mir auch genau diese Vorstellung. Ich stell mir vor, genau das zu tun, nicht weiter gehen, schnell zurück blicken. Vielleicht rufen: "Hey warte, ich will dir was sagen. Da ist etwas zwischen uns. Ich weiß das und ich weiß, dass du es auch weißt!"
Und ich hoffe sehr, das der Mensch den ich jetzt in dieser Existenz mit ganzen Herzen liebe, wieder stehen bleibt. Wir uns ansehen, uns anlächeln und einen Kaffee oder Tee zusammen trinken. Ich stell mir vor, wie wir uns erneut kennen lernen mit einer ganz anderen Geschichte. Wir ganz andere Menschen uns erneut lieben lernen. Vielleicht sind wir nur Freunde fürs Leben, aber die Verbundenheit die ist da.
Es gibt Momente da schau ich meine Frau an und sehe diese ganzen Schichten von Existenzen, zumindest nehme an, dass es genau das ist. Ich sehe in sie hinein und durch sie hindurch in andere Epochen, andere Zeiten, andere Leben. Und das gibt mir die Kraft meinen Tod zu empfangen, wenn es einmal so weit ist. Denn ich habe nicht die Vorstellung, das es vorbei ist.
Es gibt so viele Konstrukte von Leben. Paralelluniversen, andere Welten, andere Existenzen. Ich weiß das nichts vergeht, alles hat seinen Sinn. So das Leben wie auch der Tod.
Der Tod hat nichts grausames oder gruseliges wenn man weiß, dass alles da ist, alles vorhanden ist auf dieser Welt. Das ist meine Vorstellung vom Tod.
Euch allen wünsche ich ein schönes Leben voller Glück und einen schönen Tod wann immer er kommen mag.
Namasté
Eure Jo
Foto: von meiner Freundin Enna Janov. Alter Friedhof
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