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Montag, 12. Oktober 2015

Das war - das ist...



"Nimm deine Hand und lege sie auf die Tischplatte, was fühlst du?"

Das ist eine der Fragen die mir mein Guide stellte.
Bevor das große Erwachen kam, hätte ich so geantwortet: "na den Tisch"

Ich habe meine Hand auf den Nachttisch gelegt und die Augen geschlossen und habe das Gefühl auf mich einwirken lassen. Was hab ich gefühlt?  Ich fand es merkwürdig zu begreifen, dass es nicht meine Hand ist die fühle, es war auch nicht der Tisch, den ich fühlte. Alles was ich fühlte war kühle, ein leichter Druck und je länger ich mich auf meine Gefühle konzentrierte, desto klarer wurde die Tatsache das ich nicht mehr unterscheiden konnte, wo der Tisch anfängt und meine Hand aufhört. Meine Hand wurde zum Tisch und der Tisch zur Hand.
Damit verschwanden die Grenzen die die ICH Illusion vorgibt.

Im Buddhismus gibt es das Konzept der 8 Winde:


(1) Das Konzept der Acht Winde stammt aus dem Anguttara-Nikaya, der “Sammlung der Angliederungen”, und gehört zum Palikanon des Theravada-Buddhismus, dem Tipitaka.

Pathama-lokadhamma-Sutra im Anguttara-Nikaya:

Acht Weltgesetze, ihr Mönche, folgen dem Weltlauf, und der Weltlauf folgt diesen acht Weltgesetzen. Welches sind sie?
Gewinn und Verlust, Ehre und Verachtung, Lob und Tadel, Freude und Leid.

Gewinn, Verlust, Verehrung und Verachtung,
auch Lob und Tadel, Freude sowie Leid,
gar wandelbar sind diese Weltgesetze,
voll Unbestand, dem Wechsel unterworfen.

Der Weise, der Besonnene durchschaut sie,
erkennt sie als dem Wechsel unterworfen.
Erwünschte Dinge quälen ihn nicht mehr
und auch bei unerwünschten kommt ihm kein Verdruß.

In ihm sind Hingeneigtsein und auch Widerwille
zerstört, vergangen, nicht mehr da.
Die sorgenfreie, laut’re Stätte kennend,
ist zu des Daseins anderem Ufer er gelangt.


Dieses Konzept bedeutet, das alles was ist, einem Wandel der Vergänglichkeit unterzogen ist. Das Gefühl nach einem Lob bleibt nie gleich, es verändert sich mit der Zeit. Zuerst erfreut man sich daran, aber am nächsten Tag ist die Freude vergessen. Das gleiche gilt für die oben genannten Begrifflichkeiten: Gewinn, Verlust, Verehrung, Verachtung, Tadel, Freude und Leid.

Durch die ICH-Losigkeit erkenne ich, das alles vergeht. Es gibt nichts festzuhalten, nichts hinzuzufügen, nichts das ich bewahren kann. Jeder Erinnerung vergilbt, ein Gefühl das gestern war, wird heute niemals wieder so sein. Mein Körper wird geboren, er wird älter, er wird altern und sterben. Das ist der Lauf des Daseins, daran kann ich nichts ändern. Das Altern lässt sich nicht aufhalten, weder durch eine Medizin noch durch ein Sorgenfreies Leben, eines Tages werde ich sterben.
Und da es kein ICH gibt, ist Leben, Altern und Sterben eins.
Die Vorstellung es gäbe irgendwo einen Jungbrunnen ist eine Illusion, genau wie die Vorstellung alles tun zu müssen, um die Jahre die man hat zu verlängern. Da es kein ICH gibt, gibt es auch keinen freien Willen, keine Kontrolle oder Ziel. Dinge geschehen, dieses ist keiner Zeit unterworfen, die wir bestimmen können. Es Ist einfach nur IST, Leben.

Die Vorbereitung zu all dem was ich heute fühlte, begann schon vor Jahren, als ich begriff, das ich keine Wünsche mehr hatte und das ich an die Ziele die ich mir selbst steckte nicht mehr glaubte. Ich fing an alles was ich tat zu hinterfragen. Meine tollen Klamotten blieben im Schrank hängen, denn es lohnte sich nicht sie anzuziehen, wenn man die Tiere füttert oder den Stall mistet.
Es war nahezu unsinnig mit einem teuren  Kleid von Nook oder Sulu (diese Markenkleidung habe ich früher geliebt) mit den Hunden spazieren zu gehen, oder meine kleine Tochter zu füttern. Oder mit ihr zu spielen. Also lies ich meine Kleidung im Schrank hängen und besorgte mir Sekond Hand Kleidung, die so lange auftrug bis sie mir vom Leib fielen. Mit der Geburt meiner Tochter veränderte sich mein Leben. Sie war mein letzter Wunsch an diese Welt. Der größte Wunsch überhaupt, nach ihrer Geburt gab es nichts mehr was mich hätte noch Glücklicher machen können.

Meine Tochter hat etwas in mir in Gang gesetzt, das niemand hätte erreichen können, sie hat nicht umsonst die  Namen Shaya Lee Amoa Jolie bekommen (Shaya - altpersisch Würde, Lee - irisch Pfirsischblüte, Amoa - Sanskrit Klarheit und Jolie - französisch Schönheit)  Amoa abgeleitet von Amoha, eines der drei Gegenstücke zu den Wurzeln der unheilsamen Handlungen (2) (drei Geistesgifte) - Verblendung (Moha), das Gegenstück ist Unverblendung / Klarheit (Amoha).

Durch sie habe ich Demut dem Leben gegenüber empfunden, durch sie habe ich Ahimsa, die Bereitschaft Gewalt abzulegen begriffen und praktiziert. Mit ihr begann mein Weg zum Buddhismus. Meine Tochter war und ist mir der beste Lehrmeister den man als Mensch nur haben kann. 

Durch die Anfangszeiten meines Blogs ist sichtbar, dass ich damals vor drei Jahren und drei Monaten, mit dem Begriff: Erleuchtung absolut nichts zu tun haben wollte. Ich beschloss irgendwann ganz bewusst, das Ich als Buddhistin zu genießen. Und ich tat es auch, mit allem was dazu gehörte. Dem Leid, dem Frust, der Wut und der Liebe als Gegenpol.
Wenn man den Buddhistischen Weg so folgt wie ich ihn gefolgt bin, erlebt man alles hautnah, die Welt mit ihren Veränderungen und die Erkenntnisse, dass man nichts tun kann, weder Politisch noch Gesellschaftlich lässt sich irgendwas aufhalten oder verändern, was seinen Gang bereits genommen hat. Zuletzt war es Facebook mit seinen Polarisierenden Texten zum Tierschutz, der Veganen Lebensweise und zuletzt zur Rechts/Links Thematik zu der ich überhaupt nichts mehr zusteuern konnte. Denn alles was ich las, war bereits passiert. Jeder Text war Vergangenheit. Ich konnte nichts für etwas empfinden, das nicht mehr rational erfahrbar war.  Das hat mich selbst oft irritiert und ich hatte hin und wieder das Gefühl ich bin nicht normal.

Ich konnte mit Mal zu Mal weniger aktiv werden, ich fühlte mich mehr wie eine Beobachterin die den Ablauf der ganzen Geschichte schon kennt und trotzdem ließ ich mich einwickeln in Rechtfertigungen und Verteidigungen zu unterschiedlichen Themen, eben weil ich mich nicht verstricken ließ.

Ich verstand mich selbst nicht, warum ich nicht kämpfen konnte, für unterschiedliche gute Sachen, die mich auch interessierten. Ich fühlte mich immer mehr und mehr wie eine Insel, getrennt von anderen. Diese Trennung bewirkte letztendlich den nächsten Schritt, ich wurde Schülerin  einer Yogini. Sie schenkte mir den Namen Andarnil. Dieser Name symbolisiert Schutz, Weisheit, Wissen, Mitgefühl (Helfen) und dadurch ist er auch Medial (Sehend), er ist Ganzheitlich. EINS mit allem.

Das war der Impuls den ich noch brauchte. Der Punkt auf dem i. Ich erkannte das ich alleine meinen Weg gehen musste. Ich musste die Welt erfahren, es reichte mir nicht sie rein Intellektuell wahrzunehmen, ich musste es fühlen, es erleben. Ich beschloss mich in Kundalini einweihen zu lassen und die Schlange setzte weitere Impulse frei. Ich fühlte wie all meine Vorstellungen, Konstrukte, meine Sehnsüchte, Empfindungen und Gefühle immer mehr in den Hintergrund traten. Damals noch dachte ich es sei ein Aspekt von Nondualität. Das schien mir die einzig vernünftige Erklärung zu sein. Noch immer wehrte ich mich gegen das Wort Erleuchtung und auch heute noch nenne ich meinen ICH-Losen Zustand lieber WACH sein, statt Erleuchtet sein. 


Durch meine Erfahrung erkannte ich, das dieser Weg von damals zu heute nicht aufhaltbar war. Etwas das mir bereits seit meiner Kindheit bewusst ist, man kann nichts gegen einen Fluß tun, der fließen will. ICH Mensch, Andarnil mit den vielen Namen, musste es erleben. Daran ging kein Weg vorbei.
Um meinen 50 Geburtstag herum hatte ich die ersten Erleuchtungsmomente, die aber genauso schnell wieder gingen. Aber da da hörte ich auf zu kämpfen. Auch Politische Themen die für mich bis dahin noch wichtig waren, verloren ihre Macht. Hinzu kam, der Buddhismus der bis dahin zu meinen wichtigsten Lebensinhalten gehörte, verlor seine Heiligkeit. Ich nahm ihn genauso wahr, wie ich das Christentum wahr nehme, den Islam, den Hinduismus usw.
Mit meinem Blogeintrag: Die Buddhamörderin  war der Zweifel sichtbar, ich war mir nicht bewusst, ob der Buddhismus überhaupt noch die richtige Religion für mich ist, das war noch mal ein richtiger Schockmoment, zu begreifen, das der Buddhismus nur eine kurze Begleitung ist - wenn man es zulässt - und den Rest des Weges muss man alleine gehen. Ohne Anhaftung und ohne ICH.

Was blieb war ein Gefühl von Frieden. Und mit diesem Gefühl ging ich zum Tor (3) und durch das Tor hindurch.
Ich hatte wirklich viel Glück, ich habe einen wundervollen Guide, der mich unterstützt. Und nun bin ich im NICHTS angekommen.
Ich bin sehr rational gerade, sehr ruhig und Gelassen. All das ist noch neu und auch wieder nicht. Ich rede nicht viel, weil es momentan noch nicht so klar ist wie ich was ausdrücken kann. Mein Alltag läuft ganz normal weiter, als hätte es das Gate nicht gegeben. Aber ich schlafe weniger. Und ich träume intensiv, in meinen Träumen erlebe ich das was ich Tags über erkannt habe noch einmal. Heute morgen träumte ich von Palikanontexten und jetzt verstehe ich das Palikanon anders. Die Texte ergeben einen Sinn. 

Im Liberationunleashed findet ihr eine App, wenn ihr mehr über die ICH-Losigkeit wissen wollt, dann empfehle ich die App herunter zu laden und sich in aller Ruhe einzulesen. Diese App gibt es auch in Deutsch. Und wenn ihr dann das Gate betreten wollt, registriert euch im Forum, ihr werdet dann von eurem Guide eingeladen. Und er begleitet euch dann weiter durch eure Reise der Erfahrung. 

Solltet ihr Multis sein, dann empfehle ich absolute Stabilität. Die gedankliche Ruhe ist umwerfend und kann einen erst mal überfordern. 
Wenn man einmal diesen Weg gegangen ist, gibt es kein Zurück. Es erfordert Mut und die Bereitschaft Anzuerkennen, das danach nichts mehr so ist, wie es einst war.

Ich denke darüber nach selbst Guide zu werden, aber erst mal lass ich mir die Zeit die ich brauche, nichts läuft weg. Ich muss nie wieder um mein Leben rennen, noch muss ich um etwas kämpfen. Es gibt keine Ziele mehr, keine Grenzen.

Das Leben fließt, ich fließe... es geht weiter mit meinem Blog.. immer weiter ...

In diesem Sinne

wünsche ich euch eine gute Nacht
träumt schön

Namasté
Eure Andarnil










Quelle:
(1) http://www.palikanon.com/angutt/a08_001-010.html#a_viii5
(2) http://www.palikanon.de/khuddaka/it/it050t059.html
(3) http://liberationunleashed.com/

Donnerstag, 4. Juni 2015

edler achtfacher Pfad - आर्याष्टाङ्गमार्ग



Da es wirklich gute und Lesenswerte Erklärungen gibt, mach ich es mir heute einfach und verlinke hier die für mich besten Erklärungen zum edlen Achfachen Pfad:

http://www.bernhardpeter.de/Buddhismus/buddhismus3.htm

http://www.unterwegsmitbuddha.de/der-edle-achtfache-pfad/

Kleiner Denkanstoß von mir zur:

Rechte Gesinnung
Zitat von (c) Bernhard Peter
    "Rechte Gesinnung, Absicht, Entschlossenheit, Sanskrit: Samyag Samkalpa, Pali: Samma Sankappa.
    Wichtig ist im Buddhismus, daß vor der eigentlichen Tat die gedanklichen Vorbereitungen für die Tat stehen. Vor der Ausführung steht die Absicht, und die ist es eigentlich, die es zu bewerten gilt. Rechte Absicht bedeutet, gemäß der erkannten Einsichten (s.o.) zu handeln, indem man allen Lebewesen Barmherzigkeit, Mitgefühl und Wohlwollen statt Haß und Gewalt entgegenbringt. Rechte Absicht bedeutet die Reinigung des Geistes von allen negativen Gedanken und Taten, die nicht mit dem Buddhismus vereinbar sind. Im einzelnen werden unterschieden:
  • Gesinnung der Entsagung - Nekkhamma-sankappa
  • Gesinnung des Nicht-Schadens bzw. des Nicht-Übelwollens - Abyâpâdasankappa
  • Gesinnung der Nichtschädigung von Lebewesen - Avihimsâsankappa"

Wenn wir also wissen, dass unser Handeln Leid verursacht, ist es Absicht, wenn wir dennoch Handeln.
Wenn wir es vermuten, dass  unser Handeln Leid verursacht, ist es ebenfalls Absicht, wenn wir ohne Überprüfung handeln.

Bei der Absicht geht es unter anderem um Gedankenprozesse die uns mit dem was wir tun wollen konfrontieren. Viele Mensch ignorieren diese Gedanken die ihnen sehr wohl sagen, dass das was sie vorhaben evtl. falsch ist. Die Rechte Gesinnung gelingt nur, wenn man der inneren Stimme Gehör schenkt und sich dem Zweifel, der sich durch diese Stimme bemerkbar macht, öffnet. Buddha hat ganz klar gefordert: Überprüfe deine Absicht, bevor du sie in die Tat umsetzt.

Ich möchte hier auch noch mal ausdrücklich auf den Blog meiner buddhistischen Freundin Christiane hinweisen, sie hat es sehr schön in Worte gefasst.

"Buddhismus ist eine Religion ohne Glauben!"

http://www.unterwegsmitbuddha.de/religion-ohne-glauben/


In diesem Sinne glaubt nur das was ihr überprüft habt, das gilt natürlich auch für meinen Blog :)

Euch ganz liebe Grüße und ein
Namasté

Eure Jo





Quellenverzeichnis Bild:
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Achtpfad.png

Mittwoch, 28. November 2012

Zwischen Bibel, Edda, Koran, Talmut und Palikanon



Die Bibel hat je zweifel in mir gesät.  Ich war 12 als ich sie das erste Mal las. 
Mit 14 sollte ich dann konfirmiert werden, ich weigerte mich damals mit einer großen Ansprache vor dem Pfarrer und der Christengemeinschaft. Das war in dem Dorf in dem ich lebte fast Frevel , ich hinterfragte das komplette System und habe dort das erste Mal von Gewalt gesprochen, von Kriegen und Missbrauch. Ich wollte damals Antworten, die mir aber niemand geben konnte. Ich wollte das man mir die Bibel erklärt, die Stellen die ich rot angestrichen hatte. Ich weiß noch wie wütend ich damals war, als mein Pfarrer mir sagte: "Bedenke das du dann keine Geschenke bekommst, wenn du dich gegen eine Konfirmation entscheidest"Und ich weiß auch noch genau was ich damals sagte, ich nannte ihn einen Dummen Mann, weil er versuchte mich mit Geschenken zu ködern, die ich davor noch nie in meinem Leben erhalten hatte. Ich fragte ihn ob man im Krieg Geschenke erwarten kann und lies ihn stehen.

Ich glaube das Religionen einen Teil des eigenen Lebens spiegeln. In der Bibel habe ich mich nie gefunden. Weder im alten noch im neuen Testament. Ich habe mich im Laufe meines Lebens durch alle möglichen Schriften gelesen. Mit etwa 16 hatte ich einen 70 Jährigen Freund, er war Theologe und wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und diskutierten über die Bibel und über die einzelnen Evangelien. Ich habe ihn sehr geliebt, er war auch der erste der zu mir meinte, das ich irgendwann mal eine Frau und Kinder haben werde und wir haben beide darüber herzlich gelacht. Für mich stand die Bibel immer im Zweifel zu dem was mich als Mensch ausmachte. Ich muss dazu sagen, ich habe auch mehr erwartet, ich wollte tiefer einsteigen, ein Zwiegespräch mit Gott führen und ich kam nur bis zur Kanzel und von dort keinen Schritt weiter.


Gleich nach der Bibel kam die Edda, sie las sich wie ein Märchen und ich brauchte wesentlich länger für die Edda als ich für das alte Testament gebraucht hatte.Und nach der Edda kam der Talmut, dann der Koran, den ich von meiner türkischen Freundin geschenkt bekam.In keinen dieser Bücher fand ich mich.
Ich las, aber sie erreichten mich nicht, sie blieben vor mir stehen, als Zeugnisse einer alten und teils auch vergessenen Zeit. Was ich aber brauchte war etwas das ich integrieren konnte, in die Zeit in der ich lebte, das mir antworten auf Dinge gab die ich erlebt habe. Ich brauchte mehr als nur ein Kopfstreicheln und dem Satz: "alles wird gut!"Ich brauchte auch mehr als dieses Gefühl als Sünder geboren zu sein. Damals war ich sehr wütend und teils auch unfair den Gläubigen gegenüber. Hätte ich damals die Möglichkeit gehabt zu studieren hätte ich womöglich Theologie und Philosophie als Studienfach genommen. Denn die Suche die mich leitete war sehr geprägt davon, etwas zu erkennen, das sich nicht erkennen lies. Zumindest nicht für mich.


Die ganzen Straßen waren voll mit Menschen die auf der Suche waren. Da ich eine ganze Weile meines Lebens auf der Straße lebte, zwischen Pennern und Alks und Drogendealer und Prostituierten, war es nur logisch, das ich etwas Frieden suchte. Den ich aber nicht in den Religionen fand, in die ich mich vertiefte.
Ich arbeitete damals als kleine Straßen Künstlerin, nahm Drogen und war ein Punk. Das war meine Zeit der Beobachtung. Ich begriff, das man Gewalt nur dann anwendet, wenn es keine Möglichkeit mehr gibt. Rückzug erfordert Kraft und Energie. Zu dem Zeitpunkt war mein Freund der Theologe schon tot, aber ich fand andere Menschen die mich begleiteten. Einen Künstler der mich unter seine Fittiche nahm und mir viele Kunstrichtungen offenbarte. Ich tauchte ein in Farben die ich vorher noch nie gesehen hatte. Das war absolut Göttlich. Ich fing an mit meinem Blut zu malen und empfand das Gefühl ein Teil allem zu sein. Vielleicht war das der Anfang von meiner eigenen Religion. Er war Alkoholiker und drogenabhängig das wusste ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Wir malten wie Besessene und er zeigte mir Wege mit meiner eigenen Wut umzugehen. Irgendwann begriff ich, das man zu Gott finden kann, ohne einen Pfarrer zuzuhören, man musste nur die Augen aufmachen und die Welt erblicken und auf einmal ist ein Gänseblümchen ein Wunder. Es gab eine Zeit da habe ich alles in Blau gemalt. Wie so viele Künstler vor mir, tauchte die Welt in ein blaues Licht und von dort in ein Lichtermeer der Farben.Als dann meine Bilder geklaut wurden, hörte ich auf zu malen. Und seit dem habe ich kein einziges Gemälde beendet. Auf meinem Dachboden sind so viele angefangene Bilder und seit fast 4 Jahren wartet eine Auftraggeberin auf ihre Gemälde, die ich einfach nicht fertigstellen kann, weil mir der Funke fehlt den ich damals durch den Diebstahl verloren habe - ich habe Glück die Auftraggeberin  kennt mich schon sehr lange und weiß das ich - was Kunst betrifft, so langsam bin wie eine Schnecke, die die Welt umkreisen will.


Heute habe ich meinen Frieden gefunden, auch wenn ich nicht mehr male. Es war eine Zeit da musste ich meine Energie und meine Wut in Farben tauchen. Das war eine Religion die ich lebte. Heute schreibe ich Texte und empfinde den Weg dorthin als nicht mehr steinig sondern fließend. Religion ist eine Kraft der Schöpfung. Dabei spielt es keine Rolle welche man wählt. Je mehr man sich damit befasst, desto mehr Geheimnisse werden sichtbar und je mehr Geheimnisse sichtbar werden, desto mehr erkennt man sich darin.
Ich glaube es spielt keine Rolle welche Religion man hat, ob man dem Gott einen anderen Namen gibt. Ich glaube alle Religionen können verbinden, vereinen und vermitteln. Wir glauben weil wir den Sinn in unserem Menschsein nicht verlieren wollen.Wir wollen an der Hoffnung festhalten, der uns diese Einsicht lehrt. Ob dieser nun Jesus, oder Abraham oder Jahwe heißt, letztendlich spielt es keine Rolle, wenn man es friedfertig lebt.
Als ich dann zum Buddhismus kam, vergingen viele Jahre, ich begriff, das es auch hier einen Anfang gab, der sich im Hinduismus findet. 


Und ich fand es interessant das sich das Leben des Buddha mit dem des Jesus spiegelt. Beide Menschen hatten eine gesteigerte Wahrnehmung sie fanden Wege um die Welt mit ihrem Dasein zu begreifen und sie hielten nicht inne, sondern zogen von Ort zu Ort um das Wissen mündlich weiter zu geben. Es sind die kleinen Menschen, das Volk das Religion macht und die großen Menschen die Politiker und Adligen die versuchten die Religion zu unterbinden. Religion ist Macht, weil es dem Volk Hoffnung verleiht. Und Hoffnung kann man nur schwerlich töten.
Religion bedeutet für mich, mich vielen Wegen zu öffnen. Über mich hinaus zu sehen. Die Welt als solches mit ihrem Inhalt wahrzunehmen. Ich kann die Wissenschaft neben der Religion stehen lassen, beide haben ihre Berechtigung. Und der Zweifel spornt an, noch tiefer zu tauchen, so wohl in die eine Richtung als auch in die andere - so geht es zumindest mir.


Ich habe in meiner Religion endlich den Frieden gefunden den ich vergebens in anderen Religionen suchte. Man läuft immer die gleichen Ziele ab, Ansporn, Wut und Macht und am Ende kommt man wieder dort an, wo man selbst zu finden ist. Für mich war es ein wichtiger Lauf, ohne Grenzen. Während ich noch bei dem Christentum voller Wut war, teils wegen meinem eigenen Leben, meiner Kindheit und meiner Entsagungen und teils weil ich es unfair fand, was hinter den Mauern so ehrbarerer Christen so alles zerschlagen wird, ohne das andere davon erfahren, geisterte ich durch das Judentum, bei dem ich nur kurz verharrte, der Koran hat mich etwas länger fasziniert. Aber der Buddhismus hat mich gelehrt, das nichts umsonst ist, dass wir die Dinge die wir erleben auch erfahren müssen, fühlen müssen um sie zu verstehen. Das es manchmal auch weh tun muss, um den Sinn im Schmerz zu erkennen. Warum er geschah, wie er sich anfühlt und wohin er mich trägt.


Im Buddhismus ist Leid allgegenwärtig. Das ist die Grundsubstanz allen Werdens und Vergehens. Und das war logisch für mich, das konnte ich endlich so stehen lassen. Daran gab es nichts zu rütteln.Ich konnte mich endlich finden und das gab mir die gleiche Hoffnung wie den anderen Gläubigen die unter uns weilen. Ich tauchte ein in die Reden des Buddha, doch mir wurde bewusst, um es wirklich zu verstehen, kann ich nicht einfach sitzen bleiben und lesen. Ich muss es erleben.Ich glaube wenn man anfängt die Religion mit dem eigenen leben zu verbinden, wird sie zum eigenen Spiegelbild. So ging es mir und so geht es mir immer noch.
Ich konnte anhand des Buddhismus begreifen, das es einen Sinn gibt, hinter den Kriegen und Morden. Hinter dem Missbrauch und der Gewalt. Das gab mir ein Gefühl von Zugehörigkeit. Im Leid findet man auch andere Menschen die ähnliches teilen.Man ist nicht mehr ganz so alleine. Auch eine Möglichkeit um Religion zu begreifen, dieses umarmen im Mitgefühl, Respekt und Achtsamkeit.Ich wurde eine weltliche Nonne (so bezeichne ich mich manchmal selbst), die nur im leisen lehrt.


Und ich stehe seit dem zwischen zwei Welten, dem großmäuligen ICH und der leisen Achtsamkeit die sich in der Natur wiederfindet und lehrt. Beides nebeneinander. Ich kann genauso herbe Sprüche verteilen wie ich buddhistische Mantren lesen und singen kann. Das ist für mich eintauchen in die Welt meiner Mitmenschen. Was nutzt es mir, wenn ich achtsam bin und niemand versteht mich.Ich weiß nicht ob ich jemals initiere, ich glaube nicht. Das würde bedeuten ich verlasse die Menschen die mich lieben und bringe Leid in ihr Leben. 
Es reizt vollkommen abzuhauen und ein Nonnenleben zu führen, hinter Mauern umsorgt und in der Stille sich selbst nur findend. Aber gleichzeitig ist es eine Flucht vor dem was uns Menschen ausmacht, ich lebe Dana, ich gebe weil ich darin einen Sinn finde. Ich liebe es wenn andere Menschen sich freuen. Das bringt Glück in die Herzen anderer. Meine große Schnodderschnauze macht mich sichtbar, und anstatt mich auf eine Leiter zu stellen, hocke ich neben meinen Nachbarn auf dem Boden. Das ist es was ich will und das ist auch das was Buddha und Jesus wollten, sie wollten unter den anderen wandern. Aus dem Grund bin ich auch so offen, hier wie bei mir zuhause. 


Das ist meine Religion, darin finde ich mich wieder und ich gebe es weiter indem ich einfach zuhöre und verständnis habe und liebe gebe. Friedvoll bin so gut ich kann (ich kann nicht immer ;O) ), aber an erster Stelle steht Mitgefühl allen Wesen gegenüber.Ich mach mich bewusst angreifbar, denn nur so kann man etwas vermitteln - Frieden.


Sorry wegen der Länge - aber ich wollte euch so gerne mitteilen, woran ich glaube, was mir wichtig ist. 
Ich hätte hier auch ganz viel über Buddhismus reden können. Aber was bedeutet das Wort, wenn man den Menschen dahinter nicht erblickt.

Ich wünsche euch eine gute Vorweihnachtszeit, der erste Advent steht vor der Tür, lasst ihn einfach ein, egal in welcher Religion ihr verweilt.
Grüße von Jo, Alias Amoha, Alias Jobrisha und -  Alias Yen ;O)