Mantra Musik

Freitag, 2. Januar 2015

Der Kern des Buddhismus





Ich bin ein sehr gefühlvoller Mensch und durch das Schreiben halte ich diese Gefühle nicht fest, sondern lasse sie fließen.

Ich wurde oft gefragt, ob sich mein Temperament im Schriftlichen mit der Lebensweise im Buddhismus vereinbaren lässt. Weil ich im schriftlichen Fluche und Meckere und Dinge ausspreche, die man vielleicht nicht unbedingt lesen möchte. Hier möchte ich euch Einblick in meine Arbeit geben, so wie ich den Buddhismus wahrnehme und verstanden habe und letztendlich auch lehre und lerne.

Der Kern des Buddhismus ist, sich selbst kennen zu lernen.



Buddha wollte das man ehrlich zu seinen Gefühlen steht, sie betrachtet, ihnen begegnet ungeschönt. Das was viele unter Buddhismus verstehen, hat oft mit dem Buddhismus sehr wenig zu tun. Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit der eigenen Persönlichkeit gegenüber wie den Anderen Gegenüber, ist der Kern des Buddhismus. Daraus lernt man dann die Dinge die da sind zu verarbeiten, so dass sie einem nicht mehr Berühren.
Das Wahrnehmen jeglicher Gefühle, das kennen lernen des eigenen Charakters, die eigenen Schwächen wie Stärken, ist der erste Weg zum Buddhismus. Buddhismus wird oft hier im Westen schön geredet, aber in Wahrheit ist es die Konfrontation mit seinem eigenen "Schweinehund".

Um Buddhismus wirklich zu verstehen, muss man wissen wie man tickt. Welche Schwächen man hat, welche Stärken, ob man ein temperamentvoller Mensch ist, oder ein ruhiger gesonnener. Es geht im Buddhismus nicht darum sich selbst zu formen, um einem bestimmten Bild zu entsprechen, es geht darum einen Weg zu finden, sich selbst zu begegnen ohne das es schmerzt.

Ein Temperamentvoller Mensch wie ich wird sich Wege suchen müssen um das Temperament zu beruhigen, es in der Ruhe wahrnehmen.

Im westlichen Buddhismus wird oft davon gesprochen die Dinge die in einem sind zu zügeln, man solle sich zurückhalten, sich auf Meditative Form besinnen.
Das Problem ist jedoch, dass dadurch das Temperament nicht verschwindet, es wird nur unterdrückt. Auch negative Gefühle oder Wahrnehmungen verschwinden dadurch nicht einfach.

Es ist ähnlich wie eine Decke die man über sich legt, man liegt dennoch darunter.

Ein anderer - für mich weit aus sinnvoller Weg wäre, sich diese Gefühl ungeschminkt ansehen und einen Weg finden sie auszudrücken, ohne das es andere Menschen verletzt. In meinem Fall, ist mein Ventil das Schreiben.

Wenn ich etwas in mir fühle, von dem ich weiß, ich kann es nicht ausleben, ohne das ich andere mir liebe Menschen behellige, schreibe ich es auf. Ich drücke meine Gefühle somit aus und damit schwinden sie in mir.

Ich gebe sie weiter an ein Blatt Papier und - meistens - an die Tastatur meines PCs.

Oft schreibe ich sie auch in Facebook in meine Chronik. Zum Beispiel wenn ich merke, diese Gefühle sind auch in anderen vorhanden. Es entwickeln sich dadurch interessante und gute Gespräche und oft lenken diese die Gefühle in andere Richtungen. Man kommt sich durch Gemeinsamkeiten näher und kann somit die gemeinsamen Gefühle besser verarbeiten. Wenn ich es so öffentlich ausdrücke, weiß ich das es anderen auch so ergeht. Tiefe Gefühle wie Hass, Wut, Schmerz und Trauer drücke ich oft aus, indem ich Gedichte darüber schreibe und immer dann wenn diese Gefühle zurück kommen, lese ich die alten Gedichte. Oft erlebe ich dieses Gefühl erneut während ich lese. Mir wird bewusst, dass ich dieses Gefühl bereits schon einmal in der gleichen Stärke gefühlt habe. Das ist für mich als würde es vorbeifliegen, ich nehme es wahr, aber es ist vergangen.

Diese Art der Aufarbeitung lässt sich wundervoll mit dem Buddhismus vereinbaren. Das was wir unter Negativ oder Positiven Gefühlen verstehen, sind in Wahrheit Neutrale Gefühle die jeder Mensch fühlt.
Wir alle wurden mit den Grundgefühlen, wie Angst, Wut, Schmerz, Freude, Neid, Ekel usw. geboren. Diese Grundgefühle sind unterschiedlich in uns verankert. Je nachdem wie intensiv man Gefühle wahrnimmt, gilt man als Besonnen oder als Temperamentvoll.

Ich bin ein Temperamentvoller Mensch, ich nehme alle Gefühle sehr intensiv wahr. Wenn ich traurig bin, weine ich. Wenn ich Glücklich bin, kann es vorkommen, dass ich auch vor Menschen anfange zu tanzen und laut zu lachen, wenn ich Angst habe, reagiere ich dementsprechend, ich renne davon, ich gehe in Abwehrstellung, ich schreie... Angst ist für mich das intensivste Gefühl.

Empathie entsteht dadurch, dass man seine eigenen Gefühle sehr intensiv wahrnimmt. Denn nur dadurch das man sich selbst kennt, erkennt man auch die Gefühle anderer Menschen.
Empathie ist der Grundstock zum Mitgefühl.

Ohne Empathie wird man nie wirklich verstehen was Mitgefühl bedeutet.


Somit ist die ungeschminkte Selbstwahrnehmung die Grundlage für Mitgefühl und die Grundlage des Buddhismus.
Denn der Buddhismus bassiert auf dem Wissen von Mitgefühl. Wer dieses nicht ausreichend in sich gefunden hat, wird den Buddhismus nicht begreifen.

Im westlichen Buddhismus steht oft die Meditation im Mittelpunkt, das ist für mich oft unverständlich.

Man kann zwar durch Meditation eine innere Ruhe erlangen, aber es wird sich am eigenen Verständnis der Gefühlswelt nichts verändern.
Wichtiger wäre man lernt seinen eigenen Gefühle kennen, bevor man zur intensiven Arbeit in der Meditation übergeht.


In der Arbeit mit einem Lehrer wird man vor Aufgaben gestellt die man immer wieder überprüfen muss. Man muss sich dem Unangenehmen genauso stellen wie dem Angenehmen.
Man begreift nach und nach, das die eigene Sicht nur eine von vielen ist. Und das was man selbst Wahrnimmt nicht für andere gilt. Man lernt, das die eigene Meinung nur ein Abbild der eigenen Wahrnehmung ist und das andere Meinungen genauso wahr sein können.

Diese Arbeit an sich selbst führt zu einem besseren Verständnis der eigenen Person und somit zu einem besseren Verständnis der Welt.

Leider kommt diese Arbeit in vieler Hinsicht zu kurz

Dadurch dass sich der Mensch gerne führen lässt, von einem Guru, oder einem Lama, verlernt er das eigene Hinterfragen, dass im Buddhismus regelrecht verlangt wird.

In Deutschland ist Hinterfragen verpönt.
Eine gute Sangha ist nur dann eine gute Sangha, wenn man sowohl seine Gefühle wahrnehmen darf ohne Einschränkung, als auch das was andere rezitieren hinterfragen kann. Skepsis bedeutet oft etwas negatives.

Dabei ist Skepsis den Lehren gegenüber angebracht. Man begreift nur etwas, wenn man es verinnerlicht hat und verinnerlichen bedeutet, es wirklich im Kern zu verstehen.

Um etwas zu verstehen, muss man es innerlich in seine Einzelteile betrachten.
Um zu verstehen was Mitgefühl ist, muss man verstehen, dass es auf Emphatie aufbaut und das Emphatie nur durch Selbstwahrnehmung entstehen kann.


Wenn man diese Einzelteile nicht betrachtet hat, bleibt das Wort Mitgefühl nur das was wir uns darunter vorstellen.
Es hinterlässt kein Echo in uns.

Das gilt im Grunde genommen für alles was wir tun.

Buddhismus ist keine meditative Religion wie viele annehmen. Buddhismus ist Arbeit mit sich selbst. Buddhismus fordert heraus sich selbst kennen zu lernen, bis auf den Grund.


Buddhismus macht Schutzlos, da wir unsere eigenen Mauern niedereissen müssen, um zum Grund zu kommen.
Wir erleben uns Nackt und offen.
Wir lernen unsere Scham kennen, wir lernen die von uns gewerteten negativen Aspekte zu neutralisieren.

Im Buddhismus wird uns unsere Menschlichkeit bewusst. Uns wird bewusst, dass wir nicht besser sind, als andere Menschen, egal was sie tun. Wir sind dazu imstande, es ebenfalls zu tun.

Diese Betrachtung ist sehr schmerzhaft und wichtig um das eigene Ego zu verstehen.

Wir begreifen, dass wir immer die Entscheidung haben etwas zu tun, oder zu lassen. Und wir begreifen, dass man zu dieser Entscheidung Mitgefühl braucht.


Das große Wörtchen "Loslassen" das so oft und so gerne im buddhistischen Sinne verwendet wird, heißt nichts anderes, als das man sich seiner Gefühle bewusst ist und man Wege gefunden hat sie anzunehmen, als Teil von sich selbst. Wenn man Wütend ist und sich dieser Wut bewusst ist und gleichzeitig genug Emphatie besitzt um für andere Mitgefühl zu empfinden, wird man sich Wege suchen die Wut zu verarbeiten, ohne das andere darunter leiden müssen UND das ist LOSLASSEN!
Wir lassen los von dem Impuls andere für die eigenen Gefühle Verantwortlich zu machen. Wir lassen los von dem Impuls andere mit unserer Wut zu verletzen.

- weil wir wissen, das es andere verletzt und somit Schmerz in ihr Leben bringt.


Die Meditation die hier im Westen so oft und so gerne mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht wird, hilft erst, wenn man sich all dem Bewusst ist.
Erst dann kann die Meditation eine große Stütze sein, auf dem Weg zu noch mehr Mitgefühl, zu noch mehr Achtsamkeit.

Ich wünsche euch alles Liebe!

Namasté
Euro Jo

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Andarnil :-) Mit diesem Beitrag sprichst du mir aus der Seele <3
    Hab einen schönen Tag.
    Namasté Michaela

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    1. Ich danke dir Michaela <3 Herzliche Grüße und Namasté von Andarnil

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