Mantra Musik

Dienstag, 4. Februar 2014

Tagebuch ... Gedanken zum Buddhismus


Ich denke oft darüber nach, das Religionen die Menschheit spalten und ich denke darüber nach, welchen Weg ich überhaupt gehe.

Es ist nicht so das ich in eine andere Religion wechseln möchte, im Gegenteil, es gibt keine die freier ist als der Buddhismus, den ich lebe (sollte es sich Buddhismus nennen).
Dennoch ... auch im Buddhismus gibt es Abspaltungen die dogmatisch gelebt werden.
Im Vajrayana (tipetisch orientierter Buddhismus) steht die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler im Vordergrund. Vieles passiert im Geheimen und Meditationsgottheiten (nicht zu vergleichen mit dem christlichen Gott), Yidam, sowie tantrische Praktiken spielen eine große Rolle.

Den Gegenpol gibt der Neo Buddhismus der hier zu lande auch durch die Lehren von Thich Nhat Hanh und Eckart Tolle und somit durch deren christlichen Einfluss gewachsen ist (Ursprünglich stammt der Neo Buddhismus - moderner Buddhismus aus Sri Lanka. Der  Neo - oder auch Buddhistischer Modernismus entkoppeln sich vom ursprünglichen Buddhismus dem Theravada immer mehr.

Westlichen Buddhisten sind oft geprägt durch die Einflüsse des Christentums, die Vorstellung von der Ewigkeit hat immer noch was von Himmel und Hölle und die Lehren die hier zu Lande gelehrt werden, sind Mischlehren die nur wenig mit dem zu tun haben, was Buddha einst gelehrt hat- wenn es ihn wirklich gegeben hat... (Matthias Steingass bezeichnet solche buddhistischen Züge auch gerne X-Buddhismus - Zitat: "schuldbeladene altchristliche Gestalt in neubuddhistischen Gewandt")
Das Problem ist nur, das wir in Wahrheit nicht wissen was Buddha wirklich gelehrt hat, die Lehre ist im Laufe der letzten Jahrtausende unterschiedlich weitergegeben und worden, genau wie die Bibel mehrfach verändert wurde.

Hinzu kommt, das vieles was in den Original Schriften (Tipitaka) steht, eigentlich nur in der Original Sprache wirklich verstanden werden kann, weil viele Worte einfach nicht übersetzt werden können, bzw. durch Interpretationen des Lehrenden und Erklärenden verfärbt sind.
Der wahre Buddhismus ist gestorben, davon bin ich überzeugt, genau wie das wahre Christentum durch unterschiedliche Schulen ging und heute demnach unterschiedlich Interpretiert dargestellt wird.
Ich kann nicht sagen, ob es in anderen Religionen auch so viele Richtungen gibt, aber gerade das Christentum und der Buddhismus sind voll davon.

Als Buddhist ist es schwierig Fragen zu können, da es kaum jemand gibt, der offen antwortet, ich habe in meiner Anfangszeit  oft erleben müssen, das gerade Skeptiker der Einlass in die Welt der buddhistischen Lehre verweigert blieb, die einzige Möglichkeit um den eigenen Horizont zu erweitern - so zumindest wird es dem Anfänger hier vermittelt - ist der Weg in eine Sangha, eine Gemeinschaft von Buddhisten. Die Gemeinschaft ist aber keine Heilsstätte, oder der Weg in die absolute Wahrheit, auch hier wird die Lehre so unterschiedlich wiedergegeben, wie es unterschiedliche Menschen gibt.

Wer alleine gehen will hat schlechte Karten.
Ich werde oft gefragt welchen Weg ich gehe.
Geprägt bin ich mit Sicherheit durch meine frühere Ablehnung des Christentum, mehr dem Theravada zugewandt. tipetische Einflüsse waren jedoch früher für mich nicht ganz unwichtig, gerade Buddha Figuren oder auch Rituale wie die Glocke vor der Meditation, bestimmte buddhistische Klänge oder eine Gebetskette habe ich in meiner Anfangszeit gebraucht um mich einzulassen. Meditationen täglich wurden von mir oft in einem bestimmten Raum zelebriert. 
Vieles was früher notwendig war, ist heute nicht mehr wichtig für mich. Ich brauche kein Ritualwerkzeug wie eine Zimbel, eine Gebetskette oder einen Hausaltar. 

Im Laufe der Zeit hat sich mein Blick immer mehr nach Außen gekehrt, was vorher noch durch Meditation in Stille umgewandelt wurde, ist heute aktiv im miteinander mit Tier und Mensch. Wenn ich innen Still und Gelassen bin, bin ich außen aktiv beschäftigt. Es gibt nur noch wenige Minuten am Tag, die ich mit bewussten Meditieren verbringe. Am Abend oder manchmal auch am Morgen.

Ich frage mich schon seit langem, ob meine Art Buddhismus zu leben wirklich buddhistisch ist.
Zwar bin ich der Meinung das nur in der Aktivität Mitgefühl und Liebe gelebt werden können, aber die buddhistischen Neigungen im Westen gehen immer mehr in die Inaktivität. Man redet viel, man tut wenig - wenig für diese Welt, mehr für sich selbst - die egozentrierte Darstellung des Mitgefühls ist gerade in der westlichen Welt Bestandteil der eigenen Ich -Auflösung. Ein Paradoxum!

Je mehr der Buddhist versucht sein ICH zu lösen, desto mehr nimmt er narzisstische Züge an.
Was mich am meisten abschreckt ist die Vorstellung man müsse dem Menschen die Verantwortung des eigenen Lebens abnehmen um ihm zu helfen (natürlich aus Eigennutz), der Helfer ist der Held des Tages.
In Facebook tummeln sich gerade Gruppen die hilfsbereit Spenden sammeln um Menschen mit geringen Einkommen oder anderen Problemen (die sich auch von der Person durch Aktivität selbst lösen lassen) zu unterstützen. Das Ganze läuft dann so ab, das der Initiator des ganzen hoch gelobt und mit Herzen überschüttet wird. Eine edle Elite die vor lauter: "Ich will die Welt retten!" keine Zeit mehr für die Welt selbst hat.
So was erschreckt mich.

Diese esoterischen Gruppieren laufen alle unter dem Deckmantel der buddhistischen Nächstenliebe, oder der christlichen - wobei es hier kaum noch Unterschiede gibt, sowohl in den christlichen Gruppen machen Buddhabildchen ihre Runde, wie in den Buddhistischen Engelbildchen. 

Der westliche Buddhismus scheint sich gerade selbst den Gnadenschuß zu verpassen. 
Ich gebe dem Ganzen noch zwei Jahre, dann ist es vorbei. 
Wahrscheinlich sieht man dann in den Schaufenstern kleine runde Buddhas mit dem seeligen Lächeln eines Jesus Christus... und die neue Lehre verbreitet sich wie ein das auslaufende Blut eines geschlachteten Schweins... 

Je mehr ich davon mitbekomme, desto mehr zieht es mich auf meine Insel, fern von buddhistisch-christlicher Nächstenliebe, zurück zu den behinderten Katzen, den vom Mensch missbrauchten Hühnern. Zurück zu den kleinen und großen Problemen meiner Mitmenschen und ihrer Sehnsucht nach einem netten Gespräch und einem offenen Ohr.
Zurück zu dem Kinderbuch meiner Tochter über die Geschichte von Siddhartha Gautama.
Zurück zu der Stille im Stall meiner Schafe.

Ich bin nicht glücklich über all das, es lässt mich leise in mich hinein hören:
Bin ich überhaupt Buddhistin?
Kann ich mich nach dem was ich mittlerweile erfahren habe,  noch so nennen?
Wenn nicht das - was bin ich dann?

Nachdenkliche Grüße
und ein leise plätscherndes Namasté
von eurer Jo


Kommentare:

  1. "Wer alleine gehen will hat schlechte Karten."

    Glaub ich gar nicht mal. Vielleicht ist es ein riesen Vorteil. Keiner redet einem rein, wenn man mit dem Material spielt, darüber spekuliert, Neues erfindet, Altes verwirft usw. Natürlich braucht es immer einen Abgleich oder überhaupt irgend eine Form von Vergleich, aber zumindest löst man sich wenn man alleine geht von der Vordenkern die einem das Nachdenken ersparen wollen. Dabei ist doch gerade das Nachdenken das große Abenteuer.

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  2. Lieber Matthias, ich glaube du hast mich falsch verstanden, nicht man selbst hat schlechte Karten, sondern die Integration des Alleingangs in den Buddhismus - zumindest den westlichen, wird eher abgewertet oder je nach Schule sogar ignoriert.
    Ich selbst empfinde so wie du schreibst. Für mich gab es keine Alternativ...
    Liebe Grüße von Johanna

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