Mantra Musik

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Samstag, 19. November 2016

Die Feder und die Brücke - Tagebuch




Das Jahr geht langsam dem Ende zu.

Ich sehe mich auf einer Brücke stehen, der Wind saust mir um die Ohren, aber die Brücke steht sicher, das überqueren ist nicht schwer. Also lauf ich los, doch irgendwann verändert sich der Wind. Aus einem kleinen Sturm ist ein Orkan geworden und ich fühle wie sich die Brücke bewegt, wie sie anfängt nach allen Seiten auszuschlagen und ich höre wie die Verankerungen quietschen und sich gegen diese Bewegung wehren. Ich halte mich mit beiden Händen fest und mein Blick geht zurück.

Erinnerungen tauchen auf, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre. Wenn ich zurück gehe ist der Weg genauso beschwerlich wie wenn ich nach vorne gehe. Nur das was war, das kenne ich, das was sein wird, ist für mich der unbekannte Fleck.

Ich bin mein Leben lang fasziniert von dieser Brücke, die mich vorwärts treibt, die mich schwanken lässt, die mich offen für das Unbekannte macht, die mich zurück blicken lässt auf eine Zeit die ich passiert habe. Bis dahin hab ich es geschafft, den Rest werde ich auch noch schaffen.
Ich hatte noch nie das Bedürfnis zurück zu gehen, wieder zurück zu das was ich kannte, was mir Vertraut war. Was mir schmerz bereitet hat.

Wenn ich eines im Buddhismus gelernt habe, dann das Leid wirklich allgegenwärtig ist. Keine Zeit ohne Leid, keine Erinnerung ohne Leid, keine Gegenwart ohne Leid und so auch keine Zukunft ohne Leid. Leid ist immer da, davon hat jeder Mensch genauso viel zur Verfügung wie vom Glück.
Doch während das Glück wie eine Feder über unseren Kopfen weht, müssen wir schwer am Leid tragen.
So ist es auch einfacher sich zu erinnern wie sehr man gelitten hat als sich zu erinnern wie glücklich man war.

Die Feder über unseren Köpfen symbolisiert die Freiheit, im Leid war noch nie jemand frei. Und wirklich frei kann man sich erst ohne Leid fühlen.
Ich möchte die Feder gerne fassen und mich von ihr in die Lüfte treiben lassen. Den Wind und die Gezeiten fühlen dort oben, wo mir das Schwanken der Brücke  nichts anhaben kann.

In den letzten zwei Jahren hat meine Brücke so sehr geschwankt das ich manchmal dachte gleich bricht sie zusammen und ich gehe mit ihr unter. Aber die Jahre haben mir gezeigt wie viel sie ertragen kann, das leise Quietschen der Verankerungen ist nichts gegen das Zerren und Reißen der Taue die vorher die Brücke hielten.

Ich hab so vieles erlebt, manchmal denke ich, ich bin ein alternder Soldat der den Blick zurück zum Schlachtfeld schweifen lässt und dann ohne seine Kameraden los läuft... immer weiter und weiter. Die Zerstörung ganzer Leben liegt hinter ihm.

In den letzten zwei Jahren wurde ich zu Andarnil, einer Schülerin des Lebens. Kein Lehrer kann mir das beibringen was diese Brücke bislang erreicht hat. Ich lerne das Leben von allen Seiten kennen.
Es gibt Tage da denke ich darüber nach, warum das so ist, wieso musste ich all das erfahren um es zu verstehen. Die Antwort ist in mir.
Der Weg des Bodhisattva lehrt das es notwendig ist, die Dinge zu erfahren um sie aufzulösen. Man kann nur wirklich verstehen, wenn man es verinnerlicht hat, wenn man mitten im Geschehen ist. Der Sturm wird immer vor einem stehen bleiben, wenn man ihn nicht am eigenen Leib erlebt hat.

Menschen urteilen gerne über Dinge die sie nicht kennen, von denen sie aber überzeugt sind, genug Wissen angebaut zu haben, um darüber reden zu können.
In Wahrheit ist das Wissen um die Dinge die man nicht kennt, nur eine Illusion, eine Phantasie.

Wer über Schokolade reden will, muss wissen wie Schokolade aussieht und wie sie schmeckt.

Das ist die erste Lektion die ich lernen musste. Um über etwas zu sprechen, musste ich es erlebt haben. Um zu wissen wie Leid sich anfühlt, muss ich Leid erlebt haben. Um zu wissen wie sich Glück anfühlt, muss ich Glück erlebt haben.

Meine Brücke wird immer wieder schwanken und wieder zur Ruhe kommen und sich wieder im Sturm des Lebens bewegen, bis ich das Ende erreicht habe und dieses Leben verlassen darf.
Für mich ist die Brücke nichts was mich sorgt, oder mir Angst macht. Sie gehört einfach zu meinem Leben dazu. Der Sturm zeigt mir, dass ich noch bereit bin, für die Lebendigkeit des Seins. Mit allen Höhen und Tiefen, mit all dem Schmerz und all dem Glück.

Das Jahr geht seinem Ende zu. Ein neues Jahr mit neuen Abenteuern steht bereits in den Startlöchern. Vieles ist bereits vorgegeben, aus alten Karma Erkenntnissen gesponnen. Diese Dinge können wir nicht kontrollieren, es wird geschehen was geschehen muss, unabhängig ob es uns gefällt oder nicht. Die Brücke wird wieder schwanken und die Gischt wird hoch schlagen, die Feder wird über meinem Kopf kreisen wie ein Adler über seinem Nest.
Das Leben wird mir weitere Erkenntnisse schenken und ich werde weinen und lachen.
Oft denke ich - "Ach was für ein scheiß Jahr!" und ich hoffe - "Möge uns das nächste Jahr schöner in Erinnerung bleiben"

Egal wie das Jahr war und die das nächste wird, ich kann es nicht ändern, nicht beeinflussen, nichts tun, um die Jahre die vergangen sind aus meiner Erinnerung zu streichen und nichts tun um mich auf der Feder über meinem Kopf in die Lüfte zu schwingen, auf dass ich nur Glück erfahren möge.
Die Feder ist frei und der Wind weht sie über unseren Köpfen und die Brücke schwankt dazu zu einer Melodie.

Und so lerne ich mal wieder ein neues Lied in einer neuen Sprache, auf das ich dazu singen werde...

In diesem Sinne
lasst uns zum Leben singen, dass lässt die Feder noch freier über unseren Köpfen schweben.
Leid vergeht.

Namasté
Eure Andarnil





Dienstag, 20. September 2016

Gedanken - Leid


Mein Leben ist seit langen nicht mehr im Gleichgewicht. Wie sollte es auch, alles ist im Aufruhr. Ich halb die letzten 30 Jahre nicht mehr so eine Zeit erlebt. Man kann es sich schön reden, indem man sich alle möglichen guten Zitate vor die Nase hält, indem man sich bewusst macht, was man alles in seinem Leben erreicht hat. Welche kraft und energie man besessen hat. Ja das war alles großartig. Ich habe so viel erlebt, das ich Bücherwände damit zieren könnte. 
Nur ist es jetzt so, das ich meine Ruhe will, ich will einfach in mir ruhen. - und das scheint nicht zu gehen. Weder meditieren, noch die buddhistische Lehre kann mir da helfen. Mir ist nicht zu helfen. Keiner und nichts kann das. Ich muss es einfach akzeptieren, das es keine Ruhe gibt in meinem Leben.

Die Vorstellung im Schaukelstuhl auf der Terrasse zu sitzen ist Sojaquark mit Kartoffeln, genauso schnell wie sie zubereitet sind, sind sie auch schon wieder gegessen. - Nichts hält ewig.

Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit einfach abzutauchen, mich des Erwachens weiterhin hingeben, ich habe diese Möglichkeit dankend abgelehnt, nachdem ich gemerkt habe, das mich mein Mitgefühl für alle Wesen auf dieser Welt nur von den Wesen dieser Welt trennt.
Mir wurde bewusst das wir alle die Wahl haben, entweder wir sind mitten im Leid aller oder wir sind außerhalb. Je weiter weg wir sind, desto unerreichbar sind wir für alle.

Ja wir können Guru spielen, jeder einzelne kann sich auf die Schulter hauen und sagen: Ich bin erwacht/erleuchtet usw. Und man kann Vorbild für andere sein. Aber man steht nicht mit ihnen, man steht auf ihnen - zumindest in der Sicht der anderen.
Auch Buddha hat diese Erfahrung gemacht, die eigene Erleuchtung kann dafür sorgen, das auch andere davon profitieren, aber die meisten fühlen sich neben einem Erleuchteten, als hätte man ihnen die Glühbirne geklaut. Man muss sich bewusst sein, das die eigene Erleuchtung nichts ist, worauf man Stolz sein sollte - denn Stolz verhindert Mitgefühl. Sobald man Solz fühlt ist da nichts mehr als Ego.

Ich hatte die Wahl, die habe ich immer noch - und immer wieder. Einmal das Tor geöffnet und es schließt sich nicht mehr. Ich kann mich entscheiden, mich wieder dem Gefühl hingeben. Ich kann mein Erwachen wieder aktivieren, oder mich dem Leid hingeben. Mich am eigenen Schmerz übergeben.
Ich entscheide mich jeden Tag für letzteres, für das Leiden-für das Leben.

So merkwürdig es klingt, so ist das Leid doch das was mich mit anderen verbindet. Das Mitfühlen entfacht das Leid der Welt - alles wird sichtbar. Durch mein Erwachen fühle ich mehr als je zuvor und mir begegnet auch mehr Leid als je zuvor. Ich kann nicht mehr einfach davon laufen, oder weg sehen. Es ist immer da um mich herum brennt die Erde.

Und je mehr ich versuche dem zu entgehen, desto mehr feuere ich den Brand an. Das ist mir jetzt bewusst.

Ich muss es hinnehmen, es akzeptieren. Ich kann es nicht ändern.
Niemand kann das....

Seit einigen Tagen träume ich wieder von abstürzenden Flugzeugen. Von brennenden Häusern und von schreienden Menschen.

Ich weiß was das bedeutet.... ich kann es nicht ändern... niemand kann das...

Namasté eure Andarnil

Sonntag, 17. April 2016

Der Rehbock ...


Wie kann man ein nicht menschliches Gefühl beschreiben - es ist nahezu unmöglich, weil mir die Worte fehlen und doch muss ich es irgendwie ausdrücken.

Am Donnerstag wurde ein kleiner Rehbock überfahren, er war noch nicht tot, ich saß bei ihm und während ich versuchte ihn zu beruhigen geschah etwas, dass mich bis heute nachhaltig beschäftigt, verwirrt, erschüttert, traurig stimmt, mich einnimmt, mich ausfüllt. Es war das schlimmste Erlebnis das ich bisher im Themenbereich Tierschutz erlebt habe. 
Es war nicht der Tod, nicht das Sterben, nicht das Blut. Es waren die Menschen um mich herum und die Gefühle des Tieres auf diese Menschen. - Sein Gefühl in mir - auf mich.

Wir fuhren die Landstraße entlang und Britta sah zur Gegenfahrbahn und aus dem Augenwinkel sah sie wie der kleine Bock direkt auf ein Auto zulief. Es gab keine Chance auf Ausweichen, oder bremsen, er wurde direkt erwischt und flog dann zurück auf den Radweg. 
Britta hielt sofort an, ich stieg aus, sie zog ihre Warnweste an, lenkte die Autos leicht um und stand am Fahrbahnrand, während ich mich zu dem Tier beugte. 
Zuerst passiert das, was immer bei mir passiert. Mich fragte jemand nach einer Telefonnummer - verlorene Zeit, denn ich weiß so was nicht. Ich weiß nichts. Es ist immer das gleiche, mein Gehirn schaltet auf Notstrom um, das bedeutet ich agiere anders, meine volle Aufmerksamkeit alles was mich ausmacht ist auf die Situation gelenkt, alles andere blende ich vollkommen aus. Namen, Telefonnummern, Adressen. All das verschwindet einfach. 
Und auch mich blende ich aus, Schmerzen, Ängste, Vorstellungen, Gedanken... da ist nichts außer das was zu tun ist. Ich kenne diesen Zustand und ich glaube das es etwas mit dem Adrenalinausschub zu tun hat. Irgendwelche Botenstoffe übernehmen einfach meine Existenz. In diesem Moment verbinde ich mich mit dem Tier, dem Menschen. Ich antworte nur noch einsilbig, ohne selbst etwas davon mitzubekommen. Ich tue einfach nur das was ich tun muss. 

Für mich ist dieser Zustand sehr intuitiv Wild.
Wenn ich auf der Erde sitze, werde ich zur Erde, wenn ich einen Menschen halte, oder berühre, werde ich zu diesem Menschen, der Berührung. Wenn ich ein Tier halte oder berühre, werde ich zu dem Tier, zu der Berührung. 
Ich wurde zu diesem Rehbock, zu der Erde auf der ich kniete. Während ich meine Hände sachte auf seinen Körper legte fing ich zuerst an in seinem Tempo zu atmen, ich musste mich dann zwingen in eine Ruhe überzugehen, indem ich bewusst meinen Atem langsamer strömen lies, und irgendwann fühlte ich, wie das Schnaufen des Rehs sich anpasste. Mit diesem Strom bewegte ich mich vor und zurück. Aus meinen Händen floß pure Energie, vor und zurück.
Der Radweg füllte sich mit Menschen, eine Frau saß nun auch neben dem Reh, sie meinte:
"Wenn man ihn los lässt, vielleicht rennt er dann weg. So schlimm kann er nicht verwundet sein!"

Ich antwortete leise, zwischen dem Atmen: "Er wird sterben, wenn wir ihn loslassen, dann versucht er zu flüchten. Sein Bauch ist voller Blut. Die Hinterläufe sind gebrochen. Wenn wir ihn loslassen wird es schlimm, sehr schlimm!" 

Der kleine Bock bewegte sich, wollte aufstehen, aber das ging nicht. Ich konzentrierte mich wieder aufs Atmen. Ganz ruhig, bleib ganz ruhig. Es dauert nicht mehr lange. 
Atmen, Ruhe, Strömen lassen. Mein Körper ging vor und zurück. 
Die andere Hand hielt das kleine Geweih fest und drückte es auf dem Boden. 
Und die Hand der Fremden lag auf seinem Rücken. 

Er öffnete die Augen und sah uns und ich fühlte sein Adrenalin, das auf meines traf. Es war wie ein Schlag. Ich musste die Luft einziehen, weil ich die Angst fühlte, aber es war noch mehr, eine Art von Zorn - und doch nicht, eine Art Aufbäumen. Etwas wie - nicht wollen!
Etwas das ich nicht kannte. Eine Art Wegschieben. Ich sah im meinem Geiste wie zwei Bockgeweihe gegeneinander stoßen, kräftig immer wieder. Läufe die nach vorne gehen aufeinander zu, Zustoßen. Krachen. Sich trennen. Ich fühlte wie Wind und Wetter an meinen Haaren zerrten, wie Blätter und Gestrüpp sich in meinem Fell einhakten. Eine fremde Welt brach über mich zusammen, während ich in die Augen des Tieres sah. Ich war dieser Rehbock. Und ich weinte, während ich ihn festhielt. 

Vor vielen Jahren hatte ich eine Vision, ich war damals ein Panther und ich fühlte in der Vision die Schnelligkeit und ich fühlte das Peitschen von Ästen auf meiner Haut. 
Diese Erfahrung mit dem sterbenden kleinen Rehbock waren ähnlich.
Es wird immer berichtet, das kurz vor dem Tode noch einmal unser Leben an uns vorbei zieht.
Während ich den Rehbock beruhigte, sah ich Dinge die noch nicht passiert waren. Ich sah ihn nicht als kleines Rehkitz, ich sah ihn als stattlichen Bock mit einem kräftigen Geweih, ich fühlte den Wind in seinem Fell. 
Ich war eins mit diesem Tier. 
Und um mich herum waren Menschen die störten. Die uns beide in diesem Prozess des Einssein störten. Die dem Tier angst machten, die es schlimmer machten - das sterben. 

Zwischen diesem EINS sein, tauchte ich immer mal wieder auf, wenn jemand neues dazu kam. Menschen die einfach nur rumstanden. Ich hörte wie jemand nach dem Fahrer fragte und seinem Auto und dieses Menschliche in wollte Brüllen! Wen interessiert dieses Scheiß Auto. Ich fühlte Aggression in mir hochkochen. Ich war auf einmal zwei geteilt. Da war die Jo der Mensch, sie wollte schreien: "Haut endlich ab ihr Idioten, verzieht euch, sonst hau ich euch zu Brei!" Und da war die Frau die vor dem Tier sah und sich vor und zurück bewegte, gemeinsam mit dem Schnaufen des Tieres. 

Ein Mann trat aus diesem Pulk der Leute. Wir kannten uns nur flüchtig.
Er war wie ich Tierschützer. "Ist die Polizei schon verständigt!" 
Ich nickte: "Sie werden nicht kommen!"
"Ich hab nur ein Messer, ich hole es!" 
Wieder nickte ich.

Dem kleinen Bock ging es schlechter. Blut floß aus Nase und Mund und er musste den Kopf drehen, damit er atmen konnte, er war kurz vorm ersticken. 

Der Tierschützer war wieder da. "Was meinst du?"
"Keine Chance!" sagte ich und meinte es auch so. 
"Scheiße" seine Hand berührte meine Schulter. 

Endlich kam ein Jagdpächter aber er hatte kein Gewehr dabei. Der Tierschützer gab ihm das Messer. Und in diesem Moment wurde ich wieder ganz Mensch. Ich stand auf und überließ den Beiden den letzten Rest. Das töten ging schnell. Ich sprach noch ein Mantra für die kleine Seele und dann brach ich innerlich zusammen. Wäre Britta nicht gewesen, ich wäre einfach umgefallen. All das was ich empfunden hatte, dieses Einssein war weg. Vollkommen verschwunden. Es war nur noch als Erinnerung fühlbar und das hat mich wirklich fertig gemacht in dem Moment. Es war als wäre etwas aus mir herausgerissen worden, brutal und grausam. 

Und dieses Gefühl ist immer noch nicht weg. Die ersten Stunden nach dem Erlebnis konnte ich die Augen nicht lange schließen, denn hinter den Pupillen erwartete mich die Erinnerung. Ich sah das Tier, ich sah mich wie ich neben dem Rehbock hockte, ich sah mich vor und zurück bewegen, im Strom mit unserem beider Atem. Ich sah es und fing an das zu Bewerten: "Ich muss total komisch ausgesehen haben, wie ich mich da so bewege..." und gleich darauf wich ich diese Gedanken mit dem Randrücken weg. Wen interessiert es!!! Scheiße egal wie ich ausgesehen habe. 

Zuhause musste ich mir das Blut von der Kleidung und den Händen waschen, ich hatte absolut merkwürdige Empfindungen, Gedanken. Ein Gedanke war, es abzulecken. Ich roch daran, ich nahm es auf. Die Haare des Tieres sind immer noch an meiner Jacke aber ich lasse sie bewusst daran hängen, ich will die Jacke nicht waschen, ich will den Geruch behalten. 
Ein Haar liegt jetzt in meinem Portemonnaie neben dem Bild meiner Tochter. 

Ich bin immer noch verwirrt, von all diesen Eindrücken. Es war nicht der Tod der hier das schlimmste war, ich glaube wirklich, das es nicht schlimm war für den Bock zu sterben. Es war das was vor dem Tod passierte. Die Menschen, die Gerüche, dieses nicht wegrennen können, der Schmerz war nur Teil von allem. Er gehörte da hin zu ihm.  Ich finde keine Worte gerade für das was ich ausdrücken will. 

Mir ist heute - jetzt -bewusst, das ich alles falsch gemacht habe im Tierschutz. Und das ich alles falsch machen werde, wenn ich menschlich handle, dann mach ich es falsch. Egal was ich tue.  
Egal wie wir uns verhalten, wir werden uns nie Tiergerecht verhalten können, das ist unmöglich.

Es ist nur eine Vorstellung von dem was wir denken, dass es den Tieren gut tut. Eine menschliche Vorstellung von tierischen Leid. 

Nach diesem Erlebnis weiß ich nicht mehr ob ich im Tierschutz arbeiten kann. Ich weiß nichts mehr wirklich. All meine Wahrheiten über Tiere sind Vorstellungen. All meine Vorstellungen sind Phantasien. 
Gestern habe ich lange meinen Blue gestreichelt, ich bin immer wieder über sein Fell. Es war anders. Alles ist anders auf einmal. 

Dieser kleine Rehbock hat mir einen kleinen Einblick ermöglicht in etwas das mir total fremd ist. Eine Art andere Welt, anderes Universum.

Wir glauben, dass wir Einssein können mit allem um uns herum. Aber dieses Einssein ist nicht das was wir uns vorstellen, es ist hoch kompliziert und um es zu erfassen, müssen wir wieder zurück zu den Anfängen gehen. 
Zurück ... 

Ich kann es nicht erklären, dazu fehlen mir einfach die Worte. Ich weiß nur eines, das was wir bislang an Esoterischen, Religiösen, Wissenschaftlichen,  Dingen zu wissen glauben, hat mit der Realität nichts zu tun. Wir sind weit - sehr weit davon entfernt wirklich zu begreifen was Tiere brauchen, wie sie denken und fühlen. 

Ich weiß mein Text hinterlässt ein Gefühl von Verwirrung und das ist es letztendlich auch, was ich bin.
Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig verwirrt und es hat etwas in Gang gesetzt von dem ich momentan selbst noch nicht weiß in welche Richtung es geht. 

Aber ich musste es irgendwie aufschreiben, vielleicht damit ich es selbst eines Tages verstehe. Momentan verstehe ich es nicht... ich fühle nur nach.


Euch alles Liebe
Namasté eure Andarnil 





Mittwoch, 13. April 2016

Veränderungen durch bewusste oder unbewusste Aktivität




Eine Diskussion mit einem Buddhisten über die Ablehnung der Veganen Ernährung hat mich heute dazu inspiriert darüber zu schreiben, dass man aktive Veränderungen nicht ignorieren kann, egal wie man sie findet.

Je mehr man sich mit dem Buddhismus auseinander gesetzt hat, desto mehr geht man davon aus, dass man rein gar nichts kontrollieren kann.
Aus diesem Grund verzichten dann viele gelehrte Buddhisten darauf sich aktiv für etwas oder jemanden einzusetzen, oder aktiv an einer Veränderung mitzuarbeiten, was nur logisch erscheint, wenn man davon überzeugt ist, dass Kontrolle in Wahrheit nicht existiert und nur aus einer Illusion entspringt.

Die Frage die ich mir gestellt habe ist jedoch, was bringt Veränderungen mit sich?
Jede Aktivität ist eine Veränderung. Sich bewusst gegen eine Aktivität zu stellen, bringt den Impuls nahe sich einer Veränderung entziehen zu wollen - was gleichzeitig wieder bedeutet, Kontrolle ausüben zu wollen.

Die weitere Frage die ich mir gestellt habe: ist es gewollt (von wem oder was ist es gewollt), dass es Menschen gibt, die inaktiv bleiben und es somit in Kauf nehmen, das Leid geschieht?

Ausgelöst wurden diese Gedanken durch einen befreundeten Buddhisten der mir sagte er fände vegane Ernährung extrem, er würde den mittleren Weg wählen um Leid zu verhindern. Ich äusserte mich darauf hin, das ich es extrem finde, wenn man weiterhin Fleisch isst, obwohl mittlerweile jedem klar sein dürfte, dass man gerade mit dieser Ernährungsform vielfältiges Leid verursacht.
Wir kamen zu keinem Nenner und ich bat darum die Disskussion zu beenden.

Was mich bei dieser Diskussion beschäftigt hat, war wiedereinmal die Frage:

Sind Polaritäten notwendig?
Ist Leid notwendig?
Ist es Unsinn zu denken, das man Leid verhindern kann.
Und wenn es so ist -
Was für einen Sinn macht dann der Buddhismus?

ABER auch Inaktivität ist eine Form der Aktivität.
Meiner Meinung nach geht es nicht um Kontrolle, sondern um Entscheidungen.
Welchen Weg man wählt. Und diese Entscheidungen sind frei wählbar.

Im Zustand der Erleuchtung (Erwachen) erkennt man das sich alles von sich aus bewegt. Und das jedes Extrem einen Gegenpol aktiviert. Meine Vorstellung ist nun, das es genau um diese Gegenpole geht, die aus sich selbst heraus die Bewegung in Gang halten.

Der mittlere Weg bedeutet letztendlich sich mit beiden Polen auseinander zu setzen, mit dem eigenen Pol, wie mit Gegenpol.
Wenn also mein buddhistischer Freund Veganismus extrem empfindet, hat er ein Thema mit dem Veganismus und die Frage die er sich stellen sollte ist: "Warum ist dieses Thema so wichtig um es als Extrem zu empfinden?"

Wenn ich kein Thema mit etwas habe, dann berührt es mich auch nicht. Mir ist bewusst geworden, das diese Extremen Themen nur dann auftauchen, wenn sich das eigene Gewissen einschaltet. Wir sind also immer wieder an einem Punkt an dem es darum geht zu entscheiden: Was tut mir gut und was nicht.
Unser Gewissen regt sich immer dann, wenn wir das Gefühl bekommen wir würden etwas falsch machen und dann suchen wir nach Möglichkeiten um dieses "Falsch" in uns durch Erklärungen und Beweisen zu widerlegen.

Die eigene Leidfähigkeit und Lebensvorstellung ist immer ausschlaggebend für das was wir tun oder nicht tun.

Wir Menschen haben nur eine Möglichkeit leidfrei zu leben, wenn wir unsere Nahrungsmittel selbst anbauen, ohne konventionelle Tier und Landwirtschaft.
Denn auch die Landwirtschaft trägt dazu bei, das Tiere und Menschen missbraucht und ausgenutzt werden.

Die Chance wirklich Leidfrei zu leben, ist daher von sich aus schon begrenzt.

Doch genau das besagt der mittlere Weg. Leid geschieht.
Aber wir haben durch unser Gewissen und durch die Themen die uns begegnen einen Weg der uns ermöglicht das Leid zu minimieren.

Der mittlere Weg bedeutet letztendlich auf das eigene Gewissen zu hören.
Für mich heißt es weiterhin vegan zu leben, obwohl ich oft das Gefühl habe es nicht gut genug umsetzen zu können  (ich finde mich kein bisschen extrem, im Gegenteil, ich mach noch viel zu wenig) und für meinen buddhistischen Freund, dass ihm wahrscheinlich immer wieder solche Menschen wie ich es bin, begegnen, bis er für sich einen Weg gefunden hat, damit umzugehen.

Ich glaube wir beiden können viel von einander lernen.

In diesem Sinne (total extrem) - na komm schon probiere es doch wenigstens mal aus - Go Vegan! :)

Wir hatten gestern übrigens ein wundervolles Abendessen: Gemüsespieße, ausgehöhlte Backofenkartoffel mit Gemüße Erdnuss"käse"kruste, auf einem Salatbeet mit drei Soßen: Minzsoße, Fruchtsoße und Kräutersoße und als Nachtisch gab es Schokomus... sehr lecker.


Namasté eure Andarnil