Mantra Musik

Dienstag, 31. Mai 2016

Organspende?



Ein Thema das mich immer wieder beschäftigt.
Ich Teile die Ansicht, das ein Gehirntod nicht gleichbedeutend sein muss mit dem Tod des Menschen. Ich denke vielmehr das wir viel zu wenig über die Seelenprozesse wissen, um wirklich sicher zu sein, das der Stillstand des Gehirns alles Leben auslicht.

Für mich ist es klar ersichtlich, das es zwei Bereiche gibt die abgeklärt werden müssen, bevor ich einer Organspende zustimme. Das eine ist die Seele - wann wird sie geboren, wann stirbt sie. Ich habe selbst ein Nahtoderlebnis und war im Sterbeprozess mehrerer Menschen wie Tiere dabei, was ich immer wieder beobachten konnte, war das wenn das Lebewesen  gestorben war, seine Präsens noch fühlbar war. Erst Stunden oder Tage später war diese Präsens verschwunden.

Anfangs dachte ich, ich spinne. Doch bei einem Erlebnis wurde mir klar, das ich nicht alleine so fühle. Eine Frau starb vor Jahren in meinen Armen, sie nahm sich das Leben.  Als sie gestorben war, fühlte ich immer noch ihre Anwesenheit. Auch als ihr Leichnam abgeholt wurde, fühlte ich diese Anwesenheit in der Umgebung an dem sie gelegen hatte. Meine Freunde hielten mich für durchgeknallt, sie dachten ich stünde unter Schock,denn ich hatte ja ihr Ableben mitbekommen und es war sehr gewaltvoll für alle beteiligten, denn sie sprang vom siebten Stock und kam direkt vor meinem Wohnzimmer Fenster auf.

Am Anfang dachte ich sogar das sie recht haben. Aber dann passierte etwas, dass mich vom Gegenteil überzeugte. Es gingen viele Leute mit ihren Hunden dort spazieren und ich konnte beobachten wie die Hunde einen großen Bogen um ihren Sterbeort machten, während die Leute einfach darüber liefen. Das passierte nicht nur bei einem Hund, sondern bei vielen. Die Hunde zogen an der Leine um den Platz nicht betreten zu müssen. Das war so überraschend und gleichzeitig erleichternd für mich. Diese Präsens blieb mehrere Tage an diesem Platz und irgendwann war sie verschwunden. 

Natürlich könnte man jetzt sagen, dieser seelische Prozess hat ja nichts mit dem Körper zu tun, aber auch hier sehe ich es anders. Wir sind im Inneren genauso vernetzt wie im Außen, damit meine ich, alles was in uns ist, gehört auch dort hin, es hat seine Berechtigung sonst wäre es nicht dort. Wenn uns ein Teil während unseres Lebens fehlt, geht es uns nicht gut, dann müssen wir Medikamente nehmen, um einen Ausgleich herzustellen.

Warum sollte es im Tod anders sein?

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Organspende, ich habe darüber gelesen, darüber diskutiert, man wollte mich überzeugen, manipulieren, man hat mich beleidigt weil ich - in meinem Fall - dagegen  bin. Bislang kann ich spenden, nicht weil ich anderen nicht helfen will, im Gegenteil, wenn ich wieder einen Bericht lese mit einem Kind das eine Organspende oder eine Zellspende braucht, dann denke wieder darüber nach und wieder. Es lässt mich nicht kalt, es verfolgt mich gerade zu, denn auch ich bin Mutter.

Und dennoch habe ich bisher kein für mich schlüssiges Argument gefunden, das meine Meinung ändert.

Ich habe auch darüber nachgedacht ob ich Egoistisch bin, das wurde mir oft vorgeworfen. Aber ich kenne mich sehr gut und ich weiß, das ich bei manchen Dingen Egoistisch sein kann, wenn es z.B. darum geht meine Meinung zu äussern, oder etwas zu tun, was mir gut tut - aber eben anderen nicht schadet.
Aber in diesem Fall ist es kein Egoismus. Ich denke da viel darüber nach und ich stelle meine Meinung immer wieder in Frage. Das ist kein leichtes Thema für mich, vorallem weil ich auch ein Kind habe das ich natürlich schützen möchte, da verfolgen mich die Bilder von Kinder die eine Spende brauchen im Schlaf. Aber ich stell mir auch die Frage, das vieles Heutzutage sehr leichtsinnig und schnell umgesetzt werden muss um den Menschen mit aller Gewalt am Leben zu halten. Der Tod ist nicht mehr Natürlich und Sterbeprozesse gibt es nur noch wenige. In unserer technisierten Welt hat das Sterben keinen Platz.
Und das Altern, Wechseljahre, Hormone usw. sowieso nicht. Alles muss möglichst lange am Leben gehalten werden. Und ich finde so eine Herangehensweise macht den Missbrauch zur Normalität. Ich wurde oft verurteilt weil ich nicht einfach einen Wisch ausfüllen kann, der garantiert das meine Organe entnommen werden dürfen.

Ich finde es merkwürdig darüber entscheiden zu dürfen, das man mich ausnimmt wenn mein Hirn seine Aktivität eingestellt hat, aber nicht selbst entscheiden kan wie und wann ich sterben darf wenn mein Gehirn noch aktiv ist - das ist für mich nicht logisch.
Und genau das macht es für mich zum legalen Handel mit Organen, nämlich das es hier immer nur um die Lebenserhaltung geht aber nicht um die freie Entscheidung sterben zu können, wenn man noch die Möglichkeit hat den Tod selbst zu bestimmen.

Oft wurde ich gefragt, wie ich denn handeln würde, wenn mein eigenes Kind ein Organ bräuchte. Ich antwortete jedesmal, das ich es nicht weiß. Im Leid erlicht jegliche Moral und Ethik, Menschen sind bereit zu töten um andere zu schützen. Diese Frage kann man also gar nicht ehrlich beantworten, wenn man noch nicht in der Situation ist. Ob ich selbst ein Organ annehmen würde, ich denke nicht, aber auch hier weiß ich es nicht wirklich. Momentan erhoffe ich mir einen selbstbewussten und selbstgewollten Sterbeprozess. Ein bewusstes Abschiednehmen von den Menschen die ich liebe. Das wünsche ich mir. Was ich auf keinen Fall will ist eine Lebensverlängerung.

Ich will nicht an Apparaten dahinvegetieren. Ich möchte sterben dürfen, wenn meine Zeit gekommen ist.
Aber womöglich ist das so ein ungewöhnlicher Wunsch in unserer heutigen Zeit das auch dieser ignoriert wird...
Mir ist bewusst das ich hier Grenzen anspreche.
Aber das ist ja nichts Neues :)

In diesem Sinne meine Divise:
Genieße das Leben solange du es noch frei und in eigen Verantwortung genießen kannst!

Namasté
und alles liebe eure Andarnil 



Den obigen NICHT Organausweis kann man hier herunterladen, ausdrucken, laminieren und mit sich führen.
http://www.transplantation-information.de/download/organspendeausweis_widerspruch.pdf

Montag, 23. Mai 2016

Neuanfang


Endlich gibt es etwas schönes zu berichten, wir haben endlich ein Haus gefunden und werden am 1 Juli einziehen.
Die lange Suche hat nun ein Ende.

Es geht Bergauf!!!

Die nächsten Wochen werde ich kaum zum Schreiben kommen, wir müssen noch viel erledigen, vorallem Packen und planen, denn  um mit 17 Tieren umzuziehen braucht es Planung. Diesmal werden wir den Umzug nicht in Alleinverfahren starten, sondern ein Umzugsunternehmen beauftragen. Der Weg ist einfach zu weit um mal kurz das Auto vollzuladen und loszudüsen. Wir ziehen in ein anderes Bundesland. Das ist für uns alle ein großer Schritt. Aber das Meer ist ganz in der Nähe und wir haben viel Platz, mit Nebengebäuden und Scheune, ein Paddock ist auch dabei, auf dem werden wir allerdings eine kleine Obstwiese anbauen.
Wir werden wieder in ein unrenoviertes Haus ziehen, wie immer. Wir hatten noch nie das Glück in ein Haus zu ziehen, das bereits fertig renoviert war. Aber das kennen wir ja alles schon.
Hauptsache wir kommen gut dort an.

Das schöne ist, unsere Freunde wohnen in der Nähe und nach 7 Jahren konnten wir uns endlich wieder sehen. Nun sind wir fast Nachbarn, das freut mich total.

Also auf einen Neubeginn, ich melde mich sobald das Internet funktioniert... bis dahin

Namasté
Auf einen Neuanfang!!

Alles liebe von eurer Andarnil

Donnerstag, 5. Mai 2016

Weckt mich bitte auf aus diesem Albtraum (Musik)


Hier der Link zum Lied:
https://www.youtube.com/watch?v=H8Jp7ZOelNc



Man mag von Xavier Naidoo denken was man will, aber dieses Lied ist Genial!
Ursprünglich gesungen von Samy Delux/Text Samy Delux von 2001


"Weck mich bitte auf aus diesem Albtraum

Wir leben in `nem Land, in dem mehr Schranken stehn als es Wege gibt,
mehr Mauern als Brücken gibt, Stimmung is negativ,
und die Alten fragen warum rauch ich täglich Weed,
warum sind ich und meine ganze Generation so depressiv,
wir sind jeden Tag umgeben von lebenden Toten,
umgeben von Schildern die uns sagen: Betreten verboten!
umgeben von Skinheads, die Türken und Afrikanern das Leben nehmen,
während Bullen daneben stehn, um Problemen aus dem Weg zu gehen
umgeben von Ja-Sagern, die alles nur nachlabern,
den kaltes dunkles Blut pumpt durch die Schlagadern
umgeben von Kinderschändern, die grad mal Bewährung kriegen,
genauso wie die scheiß Nazis deren Opfer unter der Erde liegen.
Hat dieses Land wirklich nich mehr zu bieten
als ein paar Millionen Arschgesichter mit ner Fresse voller Hämoriden,
die meinen dies Land sehr zu lieben, doch sind nich sehr zufrieden,
passt zu eurem Frust oder warum seid ihr hier geblieben?
Ich muss mich von euch ganzen Schlappschwänzen abgrenzen,
all den ganzen Hackfressen, die mich jeden Tag stressen,
sind die gleichen Leute an der Spitze die sich sattessen,
und Minderheiten werden zu Mehrheiten und trotzdem vergessen!

Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Man versucht uns ständig einzureden,
dass es noch möglich wär hier frei zu leben,
Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Ich und Du und Er und Sie und Es sind besser dran wenn wir uns selber helfen

Ich bin der Typ der kurz nach Beginn der Party schon geht,
weil ich nich feiern kann solange ich im Babylon leb,
wir haben miese Karten, regiert von Psychopaten,
verwaltet von Bürokraten, die keine Gefühle haben,
kontrolliert von korrupten Cops die oft Sadisten sind,
Verdächtige suchen nach rassistischen Statistiken,
gefüttert von Firmen die uns Jahrzehnte lang vergifteten,
informiert durch Medien die`s erst zu spät berichteten,
scheiß auf`n Unfall im PKW, Schäden von THC,
wir ham` bald alle BSE, und du schaust noch auf dein EKG,
bevor dein Herz stoppt,
und denkst auf`n dickes Steak hätt ich trotzdem jetzt Bock (verdammt nochmal),
Gehirnwäsche pur, rund um die Uhr und Vater Staat schlägt und vergewaltigt Mutter Natur,
die scheiß Politiker dienen der dunklen Seite wie Darth Vader,
und ham nen Horizont von ca. einem Quadratmeter, keine eigene Meinung,
aber zehn eigene Ratgeber,
die schwachsinnigen scheiß reden als hätten sie nen Sprachfehler,
hoffen die braven Wähler zahlen weiterhin gerne Steuergelder,
doch ich bin hier um Alarm zu schlagen,
wie`n Feuermelder!

Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Man versucht uns ständig einzureden,
dass es noch möglich wär hier frei zu leben,
Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Ich und Du und Er und Sie und Es sind besser dran wenn wir uns selber helfen

(diese Strophe wurde Naidoo geändert)

Was sagt wohl Frau Merkel dazu, ich glaub ich ruf sie mal an, sag zu ihr Angi, schau dir doch unsere Jugend mal an,
1/3 starrt mit offenem Mund auf ihre Playstation,
das zweite Drittel feiert im Exzess als Rave-Nation,
abhängig von teuflischen pharmazeutischen Erzeugnissen,
weil sie nicht wussten was diese scheiß Drogen bedeuteten,
das dritte Drittel hängt perspektivlos rum auf deutschen Strassen,
Kids mit 13 Jahren ziehn
sich schon dies` weiße Zeug in die Nasen,
die keine Ziele und Träume haben, und das sind meist teure Waren,
kann nich leben, nich weiter als heute Abend,
denken zur Not geht es wie bei Nintendo noch neu zu starten,
scheißen drauf ob sie bald sterben, wer will schon alt werden,
in diesem Land, in dem mehr Schranken stehn als es Wege gibt,
mehr Mauern als Brücken gibt - Stimmung is negativ,
für die Alten: Darum rauchen wir täglich Weed,
und deshalb sind ich und meine ganze Generation so depressiv

Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Man versucht uns ständig einzureden,
dass es noch möglich wär hier frei zu leben,
Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Ich und Du und Er und Sie und Es sind besser dran wenn wir uns selber helfen

Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Man versucht uns ständig einzureden,
dass es noch möglich wär hier frei zu leben,
Weck mich bitte auf aus diesem Alptraum,
Menschen sehn vor lauter Bäumen den Wald kaum,
Ich und Du und Er und Sie und Es sind besser dran wenn wir uns selber helfen"

Sonntag, 17. April 2016

Der Rehbock ...


Wie kann man ein nicht menschliches Gefühl beschreiben - es ist nahezu unmöglich, weil mir die Worte fehlen und doch muss ich es irgendwie ausdrücken.

Am Donnerstag wurde ein kleiner Rehbock überfahren, er war noch nicht tot, ich saß bei ihm und während ich versuchte ihn zu beruhigen geschah etwas, dass mich bis heute nachhaltig beschäftigt, verwirrt, erschüttert, traurig stimmt, mich einnimmt, mich ausfüllt. Es war das schlimmste Erlebnis das ich bisher im Themenbereich Tierschutz erlebt habe. 
Es war nicht der Tod, nicht das Sterben, nicht das Blut. Es waren die Menschen um mich herum und die Gefühle des Tieres auf diese Menschen. - Sein Gefühl in mir - auf mich.

Wir fuhren die Landstraße entlang und Britta sah zur Gegenfahrbahn und aus dem Augenwinkel sah sie wie der kleine Bock direkt auf ein Auto zulief. Es gab keine Chance auf Ausweichen, oder bremsen, er wurde direkt erwischt und flog dann zurück auf den Radweg. 
Britta hielt sofort an, ich stieg aus, sie zog ihre Warnweste an, lenkte die Autos leicht um und stand am Fahrbahnrand, während ich mich zu dem Tier beugte. 
Zuerst passiert das, was immer bei mir passiert. Mich fragte jemand nach einer Telefonnummer - verlorene Zeit, denn ich weiß so was nicht. Ich weiß nichts. Es ist immer das gleiche, mein Gehirn schaltet auf Notstrom um, das bedeutet ich agiere anders, meine volle Aufmerksamkeit alles was mich ausmacht ist auf die Situation gelenkt, alles andere blende ich vollkommen aus. Namen, Telefonnummern, Adressen. All das verschwindet einfach. 
Und auch mich blende ich aus, Schmerzen, Ängste, Vorstellungen, Gedanken... da ist nichts außer das was zu tun ist. Ich kenne diesen Zustand und ich glaube das es etwas mit dem Adrenalinausschub zu tun hat. Irgendwelche Botenstoffe übernehmen einfach meine Existenz. In diesem Moment verbinde ich mich mit dem Tier, dem Menschen. Ich antworte nur noch einsilbig, ohne selbst etwas davon mitzubekommen. Ich tue einfach nur das was ich tun muss. 

Für mich ist dieser Zustand sehr intuitiv Wild.
Wenn ich auf der Erde sitze, werde ich zur Erde, wenn ich einen Menschen halte, oder berühre, werde ich zu diesem Menschen, der Berührung. Wenn ich ein Tier halte oder berühre, werde ich zu dem Tier, zu der Berührung. 
Ich wurde zu diesem Rehbock, zu der Erde auf der ich kniete. Während ich meine Hände sachte auf seinen Körper legte fing ich zuerst an in seinem Tempo zu atmen, ich musste mich dann zwingen in eine Ruhe überzugehen, indem ich bewusst meinen Atem langsamer strömen lies, und irgendwann fühlte ich, wie das Schnaufen des Rehs sich anpasste. Mit diesem Strom bewegte ich mich vor und zurück. Aus meinen Händen floß pure Energie, vor und zurück.
Der Radweg füllte sich mit Menschen, eine Frau saß nun auch neben dem Reh, sie meinte:
"Wenn man ihn los lässt, vielleicht rennt er dann weg. So schlimm kann er nicht verwundet sein!"

Ich antwortete leise, zwischen dem Atmen: "Er wird sterben, wenn wir ihn loslassen, dann versucht er zu flüchten. Sein Bauch ist voller Blut. Die Hinterläufe sind gebrochen. Wenn wir ihn loslassen wird es schlimm, sehr schlimm!" 

Der kleine Bock bewegte sich, wollte aufstehen, aber das ging nicht. Ich konzentrierte mich wieder aufs Atmen. Ganz ruhig, bleib ganz ruhig. Es dauert nicht mehr lange. 
Atmen, Ruhe, Strömen lassen. Mein Körper ging vor und zurück. 
Die andere Hand hielt das kleine Geweih fest und drückte es auf dem Boden. 
Und die Hand der Fremden lag auf seinem Rücken. 

Er öffnete die Augen und sah uns und ich fühlte sein Adrenalin, das auf meines traf. Es war wie ein Schlag. Ich musste die Luft einziehen, weil ich die Angst fühlte, aber es war noch mehr, eine Art von Zorn - und doch nicht, eine Art Aufbäumen. Etwas wie - nicht wollen!
Etwas das ich nicht kannte. Eine Art Wegschieben. Ich sah im meinem Geiste wie zwei Bockgeweihe gegeneinander stoßen, kräftig immer wieder. Läufe die nach vorne gehen aufeinander zu, Zustoßen. Krachen. Sich trennen. Ich fühlte wie Wind und Wetter an meinen Haaren zerrten, wie Blätter und Gestrüpp sich in meinem Fell einhakten. Eine fremde Welt brach über mich zusammen, während ich in die Augen des Tieres sah. Ich war dieser Rehbock. Und ich weinte, während ich ihn festhielt. 

Vor vielen Jahren hatte ich eine Vision, ich war damals ein Panther und ich fühlte in der Vision die Schnelligkeit und ich fühlte das Peitschen von Ästen auf meiner Haut. 
Diese Erfahrung mit dem sterbenden kleinen Rehbock waren ähnlich.
Es wird immer berichtet, das kurz vor dem Tode noch einmal unser Leben an uns vorbei zieht.
Während ich den Rehbock beruhigte, sah ich Dinge die noch nicht passiert waren. Ich sah ihn nicht als kleines Rehkitz, ich sah ihn als stattlichen Bock mit einem kräftigen Geweih, ich fühlte den Wind in seinem Fell. 
Ich war eins mit diesem Tier. 
Und um mich herum waren Menschen die störten. Die uns beide in diesem Prozess des Einssein störten. Die dem Tier angst machten, die es schlimmer machten - das sterben. 

Zwischen diesem EINS sein, tauchte ich immer mal wieder auf, wenn jemand neues dazu kam. Menschen die einfach nur rumstanden. Ich hörte wie jemand nach dem Fahrer fragte und seinem Auto und dieses Menschliche in wollte Brüllen! Wen interessiert dieses Scheiß Auto. Ich fühlte Aggression in mir hochkochen. Ich war auf einmal zwei geteilt. Da war die Jo der Mensch, sie wollte schreien: "Haut endlich ab ihr Idioten, verzieht euch, sonst hau ich euch zu Brei!" Und da war die Frau die vor dem Tier sah und sich vor und zurück bewegte, gemeinsam mit dem Schnaufen des Tieres. 

Ein Mann trat aus diesem Pulk der Leute. Wir kannten uns nur flüchtig.
Er war wie ich Tierschützer. "Ist die Polizei schon verständigt!" 
Ich nickte: "Sie werden nicht kommen!"
"Ich hab nur ein Messer, ich hole es!" 
Wieder nickte ich.

Dem kleinen Bock ging es schlechter. Blut floß aus Nase und Mund und er musste den Kopf drehen, damit er atmen konnte, er war kurz vorm ersticken. 

Der Tierschützer war wieder da. "Was meinst du?"
"Keine Chance!" sagte ich und meinte es auch so. 
"Scheiße" seine Hand berührte meine Schulter. 

Endlich kam ein Jagdpächter aber er hatte kein Gewehr dabei. Der Tierschützer gab ihm das Messer. Und in diesem Moment wurde ich wieder ganz Mensch. Ich stand auf und überließ den Beiden den letzten Rest. Das töten ging schnell. Ich sprach noch ein Mantra für die kleine Seele und dann brach ich innerlich zusammen. Wäre Britta nicht gewesen, ich wäre einfach umgefallen. All das was ich empfunden hatte, dieses Einssein war weg. Vollkommen verschwunden. Es war nur noch als Erinnerung fühlbar und das hat mich wirklich fertig gemacht in dem Moment. Es war als wäre etwas aus mir herausgerissen worden, brutal und grausam. 

Und dieses Gefühl ist immer noch nicht weg. Die ersten Stunden nach dem Erlebnis konnte ich die Augen nicht lange schließen, denn hinter den Pupillen erwartete mich die Erinnerung. Ich sah das Tier, ich sah mich wie ich neben dem Rehbock hockte, ich sah mich vor und zurück bewegen, im Strom mit unserem beider Atem. Ich sah es und fing an das zu Bewerten: "Ich muss total komisch ausgesehen haben, wie ich mich da so bewege..." und gleich darauf wich ich diese Gedanken mit dem Randrücken weg. Wen interessiert es!!! Scheiße egal wie ich ausgesehen habe. 

Zuhause musste ich mir das Blut von der Kleidung und den Händen waschen, ich hatte absolut merkwürdige Empfindungen, Gedanken. Ein Gedanke war, es abzulecken. Ich roch daran, ich nahm es auf. Die Haare des Tieres sind immer noch an meiner Jacke aber ich lasse sie bewusst daran hängen, ich will die Jacke nicht waschen, ich will den Geruch behalten. 
Ein Haar liegt jetzt in meinem Portemonnaie neben dem Bild meiner Tochter. 

Ich bin immer noch verwirrt, von all diesen Eindrücken. Es war nicht der Tod der hier das schlimmste war, ich glaube wirklich, das es nicht schlimm war für den Bock zu sterben. Es war das was vor dem Tod passierte. Die Menschen, die Gerüche, dieses nicht wegrennen können, der Schmerz war nur Teil von allem. Er gehörte da hin zu ihm.  Ich finde keine Worte gerade für das was ich ausdrücken will. 

Mir ist heute - jetzt -bewusst, das ich alles falsch gemacht habe im Tierschutz. Und das ich alles falsch machen werde, wenn ich menschlich handle, dann mach ich es falsch. Egal was ich tue.  
Egal wie wir uns verhalten, wir werden uns nie Tiergerecht verhalten können, das ist unmöglich.

Es ist nur eine Vorstellung von dem was wir denken, dass es den Tieren gut tut. Eine menschliche Vorstellung von tierischen Leid. 

Nach diesem Erlebnis weiß ich nicht mehr ob ich im Tierschutz arbeiten kann. Ich weiß nichts mehr wirklich. All meine Wahrheiten über Tiere sind Vorstellungen. All meine Vorstellungen sind Phantasien. 
Gestern habe ich lange meinen Blue gestreichelt, ich bin immer wieder über sein Fell. Es war anders. Alles ist anders auf einmal. 

Dieser kleine Rehbock hat mir einen kleinen Einblick ermöglicht in etwas das mir total fremd ist. Eine Art andere Welt, anderes Universum.

Wir glauben, dass wir Einssein können mit allem um uns herum. Aber dieses Einssein ist nicht das was wir uns vorstellen, es ist hoch kompliziert und um es zu erfassen, müssen wir wieder zurück zu den Anfängen gehen. 
Zurück ... 

Ich kann es nicht erklären, dazu fehlen mir einfach die Worte. Ich weiß nur eines, das was wir bislang an Esoterischen, Religiösen, Wissenschaftlichen,  Dingen zu wissen glauben, hat mit der Realität nichts zu tun. Wir sind weit - sehr weit davon entfernt wirklich zu begreifen was Tiere brauchen, wie sie denken und fühlen. 

Ich weiß mein Text hinterlässt ein Gefühl von Verwirrung und das ist es letztendlich auch, was ich bin.
Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig verwirrt und es hat etwas in Gang gesetzt von dem ich momentan selbst noch nicht weiß in welche Richtung es geht. 

Aber ich musste es irgendwie aufschreiben, vielleicht damit ich es selbst eines Tages verstehe. Momentan verstehe ich es nicht... ich fühle nur nach.


Euch alles Liebe
Namasté eure Andarnil 





Mittwoch, 13. April 2016

Veränderungen durch bewusste oder unbewusste Aktivität




Eine Diskussion mit einem Buddhisten über die Ablehnung der Veganen Ernährung hat mich heute dazu inspiriert darüber zu schreiben, dass man aktive Veränderungen nicht ignorieren kann, egal wie man sie findet.

Je mehr man sich mit dem Buddhismus auseinander gesetzt hat, desto mehr geht man davon aus, dass man rein gar nichts kontrollieren kann.
Aus diesem Grund verzichten dann viele gelehrte Buddhisten darauf sich aktiv für etwas oder jemanden einzusetzen, oder aktiv an einer Veränderung mitzuarbeiten, was nur logisch erscheint, wenn man davon überzeugt ist, dass Kontrolle in Wahrheit nicht existiert und nur aus einer Illusion entspringt.

Die Frage die ich mir gestellt habe ist jedoch, was bringt Veränderungen mit sich?
Jede Aktivität ist eine Veränderung. Sich bewusst gegen eine Aktivität zu stellen, bringt den Impuls nahe sich einer Veränderung entziehen zu wollen - was gleichzeitig wieder bedeutet, Kontrolle ausüben zu wollen.

Die weitere Frage die ich mir gestellt habe: ist es gewollt (von wem oder was ist es gewollt), dass es Menschen gibt, die inaktiv bleiben und es somit in Kauf nehmen, das Leid geschieht?

Ausgelöst wurden diese Gedanken durch einen befreundeten Buddhisten der mir sagte er fände vegane Ernährung extrem, er würde den mittleren Weg wählen um Leid zu verhindern. Ich äusserte mich darauf hin, das ich es extrem finde, wenn man weiterhin Fleisch isst, obwohl mittlerweile jedem klar sein dürfte, dass man gerade mit dieser Ernährungsform vielfältiges Leid verursacht.
Wir kamen zu keinem Nenner und ich bat darum die Disskussion zu beenden.

Was mich bei dieser Diskussion beschäftigt hat, war wiedereinmal die Frage:

Sind Polaritäten notwendig?
Ist Leid notwendig?
Ist es Unsinn zu denken, das man Leid verhindern kann.
Und wenn es so ist -
Was für einen Sinn macht dann der Buddhismus?

ABER auch Inaktivität ist eine Form der Aktivität.
Meiner Meinung nach geht es nicht um Kontrolle, sondern um Entscheidungen.
Welchen Weg man wählt. Und diese Entscheidungen sind frei wählbar.

Im Zustand der Erleuchtung (Erwachen) erkennt man das sich alles von sich aus bewegt. Und das jedes Extrem einen Gegenpol aktiviert. Meine Vorstellung ist nun, das es genau um diese Gegenpole geht, die aus sich selbst heraus die Bewegung in Gang halten.

Der mittlere Weg bedeutet letztendlich sich mit beiden Polen auseinander zu setzen, mit dem eigenen Pol, wie mit Gegenpol.
Wenn also mein buddhistischer Freund Veganismus extrem empfindet, hat er ein Thema mit dem Veganismus und die Frage die er sich stellen sollte ist: "Warum ist dieses Thema so wichtig um es als Extrem zu empfinden?"

Wenn ich kein Thema mit etwas habe, dann berührt es mich auch nicht. Mir ist bewusst geworden, das diese Extremen Themen nur dann auftauchen, wenn sich das eigene Gewissen einschaltet. Wir sind also immer wieder an einem Punkt an dem es darum geht zu entscheiden: Was tut mir gut und was nicht.
Unser Gewissen regt sich immer dann, wenn wir das Gefühl bekommen wir würden etwas falsch machen und dann suchen wir nach Möglichkeiten um dieses "Falsch" in uns durch Erklärungen und Beweisen zu widerlegen.

Die eigene Leidfähigkeit und Lebensvorstellung ist immer ausschlaggebend für das was wir tun oder nicht tun.

Wir Menschen haben nur eine Möglichkeit leidfrei zu leben, wenn wir unsere Nahrungsmittel selbst anbauen, ohne konventionelle Tier und Landwirtschaft.
Denn auch die Landwirtschaft trägt dazu bei, das Tiere und Menschen missbraucht und ausgenutzt werden.

Die Chance wirklich Leidfrei zu leben, ist daher von sich aus schon begrenzt.

Doch genau das besagt der mittlere Weg. Leid geschieht.
Aber wir haben durch unser Gewissen und durch die Themen die uns begegnen einen Weg der uns ermöglicht das Leid zu minimieren.

Der mittlere Weg bedeutet letztendlich auf das eigene Gewissen zu hören.
Für mich heißt es weiterhin vegan zu leben, obwohl ich oft das Gefühl habe es nicht gut genug umsetzen zu können  (ich finde mich kein bisschen extrem, im Gegenteil, ich mach noch viel zu wenig) und für meinen buddhistischen Freund, dass ihm wahrscheinlich immer wieder solche Menschen wie ich es bin, begegnen, bis er für sich einen Weg gefunden hat, damit umzugehen.

Ich glaube wir beiden können viel von einander lernen.

In diesem Sinne (total extrem) - na komm schon probiere es doch wenigstens mal aus - Go Vegan! :)

Wir hatten gestern übrigens ein wundervolles Abendessen: Gemüsespieße, ausgehöhlte Backofenkartoffel mit Gemüße Erdnuss"käse"kruste, auf einem Salatbeet mit drei Soßen: Minzsoße, Fruchtsoße und Kräutersoße und als Nachtisch gab es Schokomus... sehr lecker.


Namasté eure Andarnil







Mittwoch, 30. März 2016

Über den Tod - Gedanken und Zitate

Ursprünglich war hier ein anderes Foto, aber dann hat eine Freundin von mir dieses hier als Kommentar unter meinen Blogbeitrag geteilt - genau diese Meinung vertrete auch ich... daher hat es nun hier seinen Platz gefunden. 



Es gibt so viele Zitate über den Tod.
Zwei gefallen mir besonders gut (beide von "Dead like me"):

Daisy: "Ich wittere ein Desaster!"
Mason: "Nein... nein, fünf Tote sind kein Desaster."
George: "Wie viele Tote sind ein Desaster?"
Mason: "Mehr als fünf. Fünf sind Peanuts."
George: "Wie viele?!"
Mason: "16 bis 20 Desaster, 21 und mehr Katastrophe. 8 bis 15
sind eine Lapalie."
Rube: "Sieben und drunter?"
Mason: "Das ist einfach nur Pech..."
Und:
Menschen laufen mit Kerzen vorbei, viele Trauern, viele Weinen
George zum Toten: "Die Kerzen sind für dich!"
Toter zu George: "Wurden für dich auch Kerzen angezündet?"
George seufzend: "Nein, noch nicht!"
George: "Tagtägllich sehe ich Menschen sterben, aber warum mancher Tod mehr bedeutet als ein anderer, ich hab keinen Schimmer"

Es sterben täglich Millionen von Menschen, für die wenigsten werden Kerzen angezündet oder getrauert. Wir müssen erst etwas großes hinterlassen damit man uns wahrnimmt. Das ist traurig.
Musiker erreichen eher die Menschen als Maler, Bildhauer, oder Dichter. Auch bei den Autoren erfährt man es erst viel später, aber auch hier gibt es keinen großen Volksauflauf. Sondern eher ein: "Schade, dann muss ich das Buch halt noch mal lesen!"
Und wenn die Friseurin stirbt, sagt man leise: "Ach das ist aber schade!" und lässt sich die Haare von jemanden anderen machen.
Und wenns die Bäckerin ist, dauert es oft ein halbes Jahr, bis man es erfährt, weil auf einmal im November die Krebbel (Berliner oder Pfannkuchen) irgendwie anders schmecken, als im Jahr zuvor.


Je schlimmer und öffentlicher der Tod über die Medien geht, desto größer und länger wird über den Tot getrauert und wie Mason in "Dead like me" sagte, je mehr Menschen bei einem Unglück sterben desto Dramatischer wird darüber berichtet und desto mehr Menschen fangen an, dieses Schicksal zu verfolgen und sich anzubinden an die öffentliche Trauer.

Ein einzelner Mensch der bei einem Autounfall stirbt wird niemals die gleiche Reaktion hervorrufen wie 5 Menschen. Und 5 Menschen werden nie die gleiche Reaktion hervorrufen wie 10 Menschen. Je mehr Tote desto mehr Mitgefühl. Und je größer der Bekanntheitsgrad desto größer ist die öffentliche Anteilnahme.

Ja es ist tragisch wenn ein Künstler stirbt, aber die Frage hierbei ist, worüber trauert man wirklich? Darüber das er keine Musik mehr machen kann - ab sofort gibt es keine neuen Lieder mehr...
Oder weil man ihn kannte, weil man mit ihm Kaffee getrunken hat, ihn umarmt hat, er mit seinen Launen hin und wieder auf den Geist ging und man über seine Marotten gelacht hat?
Ich lese oft: "Der war so sympathisch!" Und dann frage ich mich, wie konnten sie die Sympathie erkennen?

Ich hatte schon einige Treffen mit unterschiedlichen Künstler, Sänger, Köche, Bildhauer usw., die einen waren wirklich sympathisch, die anderen waren Arschlöcher (sorry... aber wirklich sie waren richtig richtig ätzend") und gefeiert wurden sie alle gleich.

Wo liegen wirklich die Grenzen der eigenen Trauer und was muss passieren das wir andocken an der Trauer der anderen? Ist Trauer ansteckend?

Und eine weitere Frage die ich mir heute stelle: Trauern wir Menschen gerne? Denn das scheint mir der Fall zu sein, wenn ich mehrfach in dieser Woche auf den Chroniken meiner Facebook Freunde lese wie traurig man über den Tod von Roger Cicero (ich kannte ihn nicht, daher kann ich mir kein Urteil erlauben ob er Sympathisch war) ist.

Warum trauert ihr um den einen und der Tod des anderen lässt euch kalt?

In diesem Sinne:
Manchmal frag ich mich auch, wie die Toten wohl darüber denken würden (wenn sie denken könnten), wüssten sie wie wir trauern... 

alles liebe von 
eurer Andarnil 


"Ja stimmt, Pietät gehört für mich zu den Konventionen  die mir oft fehlen. 
Nein ich bin nicht Sarkastisch oder Ironisch, ich meine meine Fragen wirklich ernst. Mich interessieren eure Antworten. 
Nein ich gucke kein Dead like me, aber Britta schaut es und von ihr habe ich auch die Zitate erhalten. 
das Namasté wäre bei diesem Blogeintrag nicht so ganz passend ... denke ich :) Eher ein R.I.P. ... "


Montag, 28. März 2016

Refugees wellcome - Ein Frühstück mit zwei jungen Frauen aus Eritrea




Mein Frühstück mit zwei jungen Flüchtlings Frauen aus Eritrea



Meine Freundin Yolanda arbeitet ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung. Dort lernte sie Azra und Merat kennen, die beiden nennen Yolanda liebevoll Mami.

Heute trafen wir uns mit den beiden Mädchen zum Frühstück.

Azra und Merat sind vor zwei Jahren aus Eritrea geflüchtet. Ein langer Weg bis nach Deutschland. Wir haben uns auf Deutsch unterhalten, denn überraschenderweise spricht vorallem Azra ganz gut deutsch. Sie erzählt das sie jeden Tag lernt.
Sie backten für uns  einen "Kuchen" den sie zum Frühstück mitbrachten. Eine Art warmes süsses Brot, sehr sehr lecker. Bestehend aus: Weizenmehl, Wasser, Öl, Salz, Zucker und Hefe. Dieses Brot wird in der Pfanne gebacken und sieht aus wie ein großer Fladen. Ich liebe es!

Die beiden waren sehr liebenswert, sie lachten viel. Und weil meine Freundin Volanda nur klassische Musik hatte, spielten wir über Youtube Musik aus Afrika.
Beide kommen aus Eritrea (in Eritrea spricht man  9 verschiedene Sprachen, im Nachbarland sind es 38!). Der Name Eritrea heißt übersetzt: Rotes Meer.

Während Azra irgendwann die scheu verliert und über ihr Leben hier erzählt ist Merat, die jüngere von beiden, eher schweigsam und lächelt viel. Auch wenn sie keine Geschwister sind, fühle ich die Verbindung zwischen den beiden, eine tiefe Freundschaft, es ist die Sprache die sie verbindet, das Land, das gemeinsame Leid, die Freude nicht alleine zu sein, sich auf der Flucht gefunden zu haben.

Beide, hatten einen sehr langen Weg bis nach Deutschland. Sie sind mehrere Wochen durch die Wüste gelaufen, sie hatten kein Essen und nur ganz wenig Wasser. Azra erzählt, dass sie irgendwann an den Punkt kam, da war Leben oder Tod egal, sie ist einfach nur automatisch gelaufen, Tage lang, Wochen lang. Die Zeit war Egal.
Von Sudan aus sind sie dann teilweise mit Autos gefahren (eine teure Angelegenheit), Hier sind viele Menschen gestorben, erzählten die Mädchen. Weitere Menschen starben auf dem Schiff.

Die Vorstellung, dass Flüchtlinge alle Geld haben ist total irrwitzig. Für die Mädels haben die Verwandten alles zusammengetragen was sie hatten und das Geld haben die Mädchen bei sich am Körper getragen. Ihre Verwandten in Eritrea sind jetzt arm. Eltern und Geschwister mussten sie zurück lassen. Alles was sie noch haben ist das Handy, dass sie mit ihrer Familie verbindet. Ohne dieses Handy wären sie verloren. Sie halten es fest als sei es das kostbarste das es gibt. Heute hat Azra ein älteres Handy von Yolanda geschenkt bekommen, denn ihres gibt so langsam den Geist auf. Azra strahlte über das ganze Gesicht. Azra und Merat sind Christen, vor dem Frühstück waren sie etwas unsicher und so sagten wir ihnen sie können ruhig beten wenn sie das wollen. Also beteten sie während wir ruhig warteten. Zur Zeit fasten beide und so  gab es nur eine Suppe, das Kuchen-Brot und einen Kaffee mit Hafermilch.

Wir hielten uns mit Fragen zurück und ich erzählte ihnen nicht, das Britta und ich verheiratet sind. In Eritrea ist Homosexualität verboten und wird bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft. Ich wollte die Mädchen nicht in Verlegenheit bringen. Azra fragte mich, mit einen Blick auf Shaya, ob ich noch mehr Kinder habe, als ich nein sagte, sah sie mich mit großen überraschten Augen an. Ich sagte ihr wahrheitsgemäß das ich keine Kinder bekommen kann. Da nickte sie verständnisvoll und wir lächelten. Azra erzählte sie habe noch 6 Schwestern und einen Bruder, Merat sagte, sie habe 5 Schwestern und drei Brüder.

Die beiden Leben in Groß-Umstadt.  Ihre kleine Welt besteht aus dem Wohnraum in dem sie leben und dem Handy, dass sie mit ihren Verwandten in Eritrea verbindet und aus der innigen Freundschaft die entstanden ist auf der Flucht vor den Gefahren in ihrem Land.

Azra und Merat haben Träume, sie träumen davon Kindergärtnerin zu werden, oder Köchin. Sie würden gerne einen deutschen Mann heiraten und mindestestens 3 Kinder bekommen. Auf die Frage ob sie wieder zurück wollen, schauen mich beide nur lächelnd an. Keine antwortet - ich kann mir vorstellen das die Gedanken an Zuhause überschüttet sind mit vielen Erinnerungen.

Als sie kamen war die Begrüßung formell und sehr Deutsch, doch als wir gingen verabschiedeten wir uns mit einer Umarmung und einem tiefen Gefühl von Zuneigung. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit den beiden und ich wünschen ihnen, dass sich ihre Träumen erfüllen mögen. 

Heute habe ich mal wieder zwei Menschen mehr in mein Herz geschlossen... 

Warum sie geflüchtet sind, hat keiner von uns gefragt, es kam uns einfach nicht in den Sinn. Im Auto habe ich dann darüber nachgedacht und ich kam zu der Erkenntnis: Alles was wirklich zählt, ist das Überleben. Azra und Merats Familie wollten das die beiden Mädchen überleben und sie hatten ihre Gründe warum sie die beiden losgeschickt haben - die Gefahr während der Flucht, war nicht so schlimm, wie die Gefahr im eigenen Land. Sie hatten ihre Gründe - Nur das zählt. 
Alles andere ist Irrelevant. 

In diesem Sinne

Refugees wellcome!!!

Namasté eure Andarnil