Mantra Musik

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Samstag, 19. September 2015

Tun im Nichts Tun - Achtsamkeits Meditation Atmen




Tun im Nichts Tun.
Achtsames Atmen - Meditation für Anfänger:

Wir bereiten uns vor. Wir sitzen, oder liegen. Es ist ruhig um uns herum. Unsere Augen sind geschlossen. Wir lockern unsere Muskeln auf, wo immer es gerade jetzt weh tut, wir ändern die Position, bis es um uns herum schön warm und weich ist. Nichts drückt, nichts tut weh, es ist ruhig und wir fühlen uns wohl.
Wir atmen ein und atmen aus.
Wir konzentrieren uns jetzt nur noch auf unseren Atem - wir lassen ihn fließen. Ein und Ausatmen ohne Anstrengung. Es atmet in uns - die Gedanken die kommen kommen, die Gedanken die gehen gehen. Wir lassen sie mit unserem Einatmen kommen und mit unserem Ausatmen gehen. Wir fühlen unseren Atem in uns. Wir sind der Atem.


Wer ein Stopp braucht darf sich gerne einen Wecker stellen. Am Anfang reichen auch schon 10 Minuten. Wenn du während der Arbeit in deiner Pause diese kleine Meditation anwenden möchtest, dann reichen auch 5 Minuten. Schließe die Tür deines Büros, wenn du die Möglichkeit hast einen "Bitte nicht stören" Zettel anzuheften, dann tue das.
Setz dich nun auf deinen Bürostuhl und gib 6 (1. Minute zur Vorbereitung) Minuten in deinen Wecker/PC ein.
Nun versuche dich so zu entspannen, das nichts drückt, nichts zwickt. stelle deine Füße auf den Boden, lege deine Hände in den Schoß, kipp den Kopf ganz leicht nach hinten. So das deine Position angenehm ist. Schließe nun die Augen.
Und atme!

Nach der Meditation trinke einen schluck Wasser. Komm wieder an und versuche es langsam angehen zu lassen, stürze dich nicht sofort wieder in die Arbeit, sondern gehe erst ein paar Schritte, öffne das Fenster, atme noch einmal tief durch. Du bist da wo du bist, im Hier und Jetzt.

Als Vorbereitung empfehle ich:




Namasté eure Andarnil 


Foto: (c) Johanna Andarnil Schlitzkus

Sonntag, 2. November 2014

Buddhismus verstehen - Ein wenig Theorie (Kerne)


Die vier edlen Wahrheiten


Die erste edle Wahrheit (dukkha)

Alles Leben ist Leiden.
Geboren werden (selbst zu gebären). Die ersten Erfahrungen: Verlust, Angst, Hunger, Durst.
Älter werden. Die ersten Erfahrungen: Pubertät, Liebe, Zorn, Missgunst, Neid, Trauer.
Krank werden. Die ersten Erfahrungen: Schmerz, Frustration, Kontrollverlust, Panik.
Sterben. Das Ende des Lebens


Die zweite edle Wahrheit (samudaya)

Was ist die Ursache des Leidens?
Verlangen und Begehren. Die materialistische Sichtweise, Dinge die man nicht hat, zu wollen, die Dinge die man hat zu vermehren. Die Ursache des Leidens ist das HABEN WOLLEN.
Durch diese Ursache sind wir Unzufrieden, Frustriert und unglücklich. Da diese Ursache unser komplettes Leben begleitet hat sie einen größeren Stellenwert als die Glücksmomente. Diese vergessen wir relativ schnell.

Die dritte edle Wahrheit (nirodha)

Zu begreifen, dass wir Dinge nicht brauchen macht uns Frei von Verlangen. Aber auch die Aufgabe Menschen zu benutzen, sie festzuhalten. Ihnen statt Dessen die gleiche Freiheit einzugestehen die wir für uns wünschen, macht uns frei von Begehren.

Die vierte edle Wahrheit (magga)

Wie wird man Gelassen (lässt man los), wie kann man das Verlangen und Festhalten aufgeben?
Die Methode ist der Weg des achtfachen Pfads, das Symbol des achtfachen Pfads ist das "Rad der Lehre"

Dharmarad  
Dharma (sanskrit) bedeutet: Gesetz, Recht, Ordnung, Moral und Sitte.

Dharma wird durch das Symbol eines Rades mit 8 Speichen dargestellt. Jede Speiche steht für ein ethisches Verhalten.


Die erste Speiche (von links nach rechts) steht für vollkommene (rechte) Erkenntnis. Die edlen vier Wahrheiten als wahr zu erkennen führt zur vollkommenen Erkenntnis. 

Die zweite Speiche steht für vollkommener (rechter) Entschluss. Dem Verlangen und Festhalten zu entsagen bedeutet das man sich vollkommen Entschlossen hat. 

Die dritte Speiche steht für die vollkommene (rechte)  Rede. Immer die Wahrheit zu sagen, nie Lügen und nicht in der Abwesenheit anderer schlecht reden, bedeutet die rechte (oder vollkommene ) Rede. Gerade diese Speiche ist sehr schwer, denn die rechte Rede ist gekoppelt mit der vierten Speiche dem rechten Handeln. Eine Wahrheit zu sagen die verletzt - ist keine vollkommene Rede. 

Die vierte Speiche steht für vollkommenes (rechtes) Handeln. Anderen Lebewesen nicht zu schaden, sondern zu helfen. Das eigene Mitgefühl zu stabilisieren und sich selbst zurückzunehmen bedeutet rechtes Handeln.

Die fünfte Speiche steht für Vollkommener Lebensunterhalt. Den Lebensunterhalt in einem Beruf verdienen, der anderen Lebewesen weder schadet noch sie in ihrem Leben behindert, bedeutet vollkommener Lebensunterhalt.

Die sechste Seiche steht für Vollkommenes Bemühen. Sich zu bemühen Unheilsames zu unterlassen und heilsames auszuüben führt zum vollkommenen Bemühen.

Die siebte und vorletzte Speiche steht für die vollkommene Achtsamkeit. Ständiges Beobachten und Hinterfragen der Gefühle, des Denkens und des Körpers  - oder noch besser, sich selbst kennen lernen, wahrnehmen, erkennen führt zur vollkommenen Achtsamkeit. 

Die achte und letzte Speiche steht für vollkommenen Meditation.
Tiefen Entspannung, Kontemplation (sanskrit: Vipassana), innere Einkehr führt zur vollkommenen Meditation.


Das Ziel ist nicht der Weg!
Der Weg ist das Ziel!!


Im Buddhismus geht es nicht darum ein Ziel für sich festzulegen (das wird oft gelehrt, aber es ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz), es geht vielmehr darum sich im LASSEN zu beobachten.

Unsere westliche Auffassung vom Lernen allgemein, ist sehr Notenorientiert. Wir erwarten für alles was wir uns aneignen eine Art Belohnung. Das jedoch ist oft mit Leid verbunden.  "Bin ich nicht gut genug, bekomme ich auch nichts dafür."  - Man orientiert sich bei dieser Sichtweise an Anderen die Besser oder schneller sind als ich.
Und genau das wiederum widerspricht der 2, 7. und 8 Speiche.
Wenn wir Zielorientiert sind, können wir nicht gelassen und entspannt Arbeiten, wir halten an Strukturen fest, die uns hindern uns frei zu entfalten. Wir hinterfragen nicht mehr unser Handeln, wir laufen Gefahr über Leichen zu gehen um das zu Erreichen was wir Erreichen wollen.

Zierorientiert bedeutet, das wir den Rest um uns herum vergessen, ignorieren. Im Buddhismus geht es jedoch darum die Dinge zu überblicken, sie anzuerkennen, sie zu begreifen.

Wenn ich Meditiere höre ich dennoch den Vogel singen, ich höre meine Tochter im Hintergrund und ich höre vielleicht ein Flugzeug. Ich lege meine Aufmerksamkeit auf alles was da ist, nur haben die Hintergrundgeräusche keine Bedeutung mehr, SIE SIND da, aber sie tangieren mich nicht. Denn ich bin Teil von allem.

Um diesen meditativen Zustand zu erreichen muss ich mich als Teil von allem anerkennen.
Die Meditation ist ein wichtiger Bestandteil im Buddhismus. Meditation bedeutet jedoch nicht, sich auf ein Sitzkissen zu setzen, oder im Yogasitz eine halbe Stunde zu verharren. Meditieren kann man auch während man Musik hört, oder Malt, oder einfach nur kurz vor dem Einschlafen, oder kurz nach dem Aufwachen. Meditation bedeutet sich bewusst zu werden, wo man ist, und was um einem herum passiert. Meditation ist immer Momentbezogen ohne Ziel. Eine schöne meditative Übung ist die Augen zu schließen und die Welt um sich herum auf sich wirken zu lassen, die Gedanken die kommen einfach weiter ziehen zu lassen. Einfach LASSEN.

Eine andere Meditationstechnik die ich sehr gerne anwende ist die Gehmeditation, Ich achte auf meinen Gang, mache mir bewusst wie sich der Boden sich unter meinen Füßen anfühlt, ist er eben, oder steinig. Mein Blick ist zu den Füßen gekehrt, ich nehme nur den Boden wahr und meine Schritte sind gleichmässig und ruhig. Meine Gedanken die kommen, lass ich fließen, sie sind da und gehen wieder.

Noch eine Meditation die ich gerne anwende ist die Tanzmeditation, ich weiß nicht  ob sie einen anderen Namen hat, oder überhaupt von anderen Menschen angewendet wird, ich liebe es, zu einer Musik meiner Wahl zu tanzen. Ich schließe die Augen und gebe mich der Musik hin, ich lasse mich treiben, dabei achte ich auf den Rhythmus und die Schnelligkeit des Musikstückes und auf sonst gar nichts. Diese Art der Meditation wende ich oft an, eine weitere ist die Meditation während ich Musiziere. Wenn ich am Klavier sitze vergesse ich alles um mich herum und gebe mich nur den Klängen hin, meine Hände spielen von alleine ohne das ich denke. Es bewegt sich von alleine.
Das ist meine Art zu meditieren. Einfach nur sitzen wie im ZEN Buddhismus wäre absolut nichts für mich. Ich brauche Bewegung, ich muss meinen Körper fühlen. Achtsam sein um das um mich herum. All das fühlen und wahrnehmen. Die absolute Aussere Ruhe gibt es nicht - Meditation im Alltag zu integrieren ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit immer meditieren zu können. Man braucht nichts um in die innere Ruhe zu kommen, außer das was da ist... das kann ein Zimmer sein, oder ein Spazierweg, oder eben ein Musikinstrument.

Lasst euch einfach inspirieren.


Das war nun eine kleine Einführung von mir in den Buddhismus und in die unterschiedlichen Meditationstechniken die ich selbst anwende. Ich meditiere übrigens seit gut 30 Jahren. Meine ersten Meditationserfahrungen waren geprägt von der Überzeugung nicht meditieren zu können :)

Weil ich mich damals noch so sehr an anderen Menschen orientierte. Heute weiß ich, das es nicht nur einen Weg gibt. Viele Wege führen zum Buddhismus man muss nur anfangen die Wege zu begehen.

Ich wünsche euch alles Liebe und viel Spaß beim Ausprobieren...

Namasté

Eure Jo



Dienstag, 4. Februar 2014

Tagebuch ... Gedanken zum Buddhismus


Ich denke oft darüber nach, das Religionen die Menschheit spalten und ich denke darüber nach, welchen Weg ich überhaupt gehe.

Es ist nicht so das ich in eine andere Religion wechseln möchte, im Gegenteil, es gibt keine die freier ist als der Buddhismus, den ich lebe (sollte es sich Buddhismus nennen).
Dennoch ... auch im Buddhismus gibt es Abspaltungen die dogmatisch gelebt werden.
Im Vajrayana (tipetisch orientierter Buddhismus) steht die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler im Vordergrund. Vieles passiert im Geheimen und Meditationsgottheiten (nicht zu vergleichen mit dem christlichen Gott), Yidam, sowie tantrische Praktiken spielen eine große Rolle.

Den Gegenpol gibt der Neo Buddhismus der hier zu lande auch durch die Lehren von Thich Nhat Hanh und Eckart Tolle und somit durch deren christlichen Einfluss gewachsen ist (Ursprünglich stammt der Neo Buddhismus - moderner Buddhismus aus Sri Lanka. Der  Neo - oder auch Buddhistischer Modernismus entkoppeln sich vom ursprünglichen Buddhismus dem Theravada immer mehr.

Westlichen Buddhisten sind oft geprägt durch die Einflüsse des Christentums, die Vorstellung von der Ewigkeit hat immer noch was von Himmel und Hölle und die Lehren die hier zu Lande gelehrt werden, sind Mischlehren die nur wenig mit dem zu tun haben, was Buddha einst gelehrt hat- wenn es ihn wirklich gegeben hat... (Matthias Steingass bezeichnet solche buddhistischen Züge auch gerne X-Buddhismus - Zitat: "schuldbeladene altchristliche Gestalt in neubuddhistischen Gewandt")
Das Problem ist nur, das wir in Wahrheit nicht wissen was Buddha wirklich gelehrt hat, die Lehre ist im Laufe der letzten Jahrtausende unterschiedlich weitergegeben und worden, genau wie die Bibel mehrfach verändert wurde.

Hinzu kommt, das vieles was in den Original Schriften (Tipitaka) steht, eigentlich nur in der Original Sprache wirklich verstanden werden kann, weil viele Worte einfach nicht übersetzt werden können, bzw. durch Interpretationen des Lehrenden und Erklärenden verfärbt sind.
Der wahre Buddhismus ist gestorben, davon bin ich überzeugt, genau wie das wahre Christentum durch unterschiedliche Schulen ging und heute demnach unterschiedlich Interpretiert dargestellt wird.
Ich kann nicht sagen, ob es in anderen Religionen auch so viele Richtungen gibt, aber gerade das Christentum und der Buddhismus sind voll davon.

Als Buddhist ist es schwierig Fragen zu können, da es kaum jemand gibt, der offen antwortet, ich habe in meiner Anfangszeit  oft erleben müssen, das gerade Skeptiker der Einlass in die Welt der buddhistischen Lehre verweigert blieb, die einzige Möglichkeit um den eigenen Horizont zu erweitern - so zumindest wird es dem Anfänger hier vermittelt - ist der Weg in eine Sangha, eine Gemeinschaft von Buddhisten. Die Gemeinschaft ist aber keine Heilsstätte, oder der Weg in die absolute Wahrheit, auch hier wird die Lehre so unterschiedlich wiedergegeben, wie es unterschiedliche Menschen gibt.

Wer alleine gehen will hat schlechte Karten.
Ich werde oft gefragt welchen Weg ich gehe.
Geprägt bin ich mit Sicherheit durch meine frühere Ablehnung des Christentum, mehr dem Theravada zugewandt. tipetische Einflüsse waren jedoch früher für mich nicht ganz unwichtig, gerade Buddha Figuren oder auch Rituale wie die Glocke vor der Meditation, bestimmte buddhistische Klänge oder eine Gebetskette habe ich in meiner Anfangszeit gebraucht um mich einzulassen. Meditationen täglich wurden von mir oft in einem bestimmten Raum zelebriert. 
Vieles was früher notwendig war, ist heute nicht mehr wichtig für mich. Ich brauche kein Ritualwerkzeug wie eine Zimbel, eine Gebetskette oder einen Hausaltar. 

Im Laufe der Zeit hat sich mein Blick immer mehr nach Außen gekehrt, was vorher noch durch Meditation in Stille umgewandelt wurde, ist heute aktiv im miteinander mit Tier und Mensch. Wenn ich innen Still und Gelassen bin, bin ich außen aktiv beschäftigt. Es gibt nur noch wenige Minuten am Tag, die ich mit bewussten Meditieren verbringe. Am Abend oder manchmal auch am Morgen.

Ich frage mich schon seit langem, ob meine Art Buddhismus zu leben wirklich buddhistisch ist.
Zwar bin ich der Meinung das nur in der Aktivität Mitgefühl und Liebe gelebt werden können, aber die buddhistischen Neigungen im Westen gehen immer mehr in die Inaktivität. Man redet viel, man tut wenig - wenig für diese Welt, mehr für sich selbst - die egozentrierte Darstellung des Mitgefühls ist gerade in der westlichen Welt Bestandteil der eigenen Ich -Auflösung. Ein Paradoxum!

Je mehr der Buddhist versucht sein ICH zu lösen, desto mehr nimmt er narzisstische Züge an.
Was mich am meisten abschreckt ist die Vorstellung man müsse dem Menschen die Verantwortung des eigenen Lebens abnehmen um ihm zu helfen (natürlich aus Eigennutz), der Helfer ist der Held des Tages.
In Facebook tummeln sich gerade Gruppen die hilfsbereit Spenden sammeln um Menschen mit geringen Einkommen oder anderen Problemen (die sich auch von der Person durch Aktivität selbst lösen lassen) zu unterstützen. Das Ganze läuft dann so ab, das der Initiator des ganzen hoch gelobt und mit Herzen überschüttet wird. Eine edle Elite die vor lauter: "Ich will die Welt retten!" keine Zeit mehr für die Welt selbst hat.
So was erschreckt mich.

Diese esoterischen Gruppieren laufen alle unter dem Deckmantel der buddhistischen Nächstenliebe, oder der christlichen - wobei es hier kaum noch Unterschiede gibt, sowohl in den christlichen Gruppen machen Buddhabildchen ihre Runde, wie in den Buddhistischen Engelbildchen. 

Der westliche Buddhismus scheint sich gerade selbst den Gnadenschuß zu verpassen. 
Ich gebe dem Ganzen noch zwei Jahre, dann ist es vorbei. 
Wahrscheinlich sieht man dann in den Schaufenstern kleine runde Buddhas mit dem seeligen Lächeln eines Jesus Christus... und die neue Lehre verbreitet sich wie ein das auslaufende Blut eines geschlachteten Schweins... 

Je mehr ich davon mitbekomme, desto mehr zieht es mich auf meine Insel, fern von buddhistisch-christlicher Nächstenliebe, zurück zu den behinderten Katzen, den vom Mensch missbrauchten Hühnern. Zurück zu den kleinen und großen Problemen meiner Mitmenschen und ihrer Sehnsucht nach einem netten Gespräch und einem offenen Ohr.
Zurück zu dem Kinderbuch meiner Tochter über die Geschichte von Siddhartha Gautama.
Zurück zu der Stille im Stall meiner Schafe.

Ich bin nicht glücklich über all das, es lässt mich leise in mich hinein hören:
Bin ich überhaupt Buddhistin?
Kann ich mich nach dem was ich mittlerweile erfahren habe,  noch so nennen?
Wenn nicht das - was bin ich dann?

Nachdenkliche Grüße
und ein leise plätscherndes Namasté
von eurer Jo


Sonntag, 21. Juli 2013

In der Scheiße stehen und meditieren...

Es gibt sehr viele Arten der Meditation, ich habe meine eigene gefunden.

Wenn ich den Schafstall miste, lässt es sich besonders gut meditieren, während meine Arme mit der Mistgabel beschäftigt sind, mache ich meinen Geist frei.

Ich atme den Stallgeruch ein und lass die Fliegen um meinen Kopf herum surren.
Ich atme aus und meine Atemluft vermischt sich mit dem Geruch der Gülle.
Während ich dieser Arbeit nachgehe laufen mir Schweißperlen übers Gesicht, die ich kaum wahrnehme. Manchmal werde ich unterbrochen wenn Emo mein mittlerweile großes Lämmchen mich anstupst. Oder Minni laut blöckt.
Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich merke noch nicht einmal wie lange ich zum Ausmisten gebraucht habe und wenn ich fertig bin, atme ich noch einmal tief durch.
Es ist eine Stille in mir, die sich vom Herzen ausbreitet über den ganzen Körper wandert und mich ausfüllt mit einer tiefen Gelassenheit.
Manchmal lass ich sie ausklingen in dem ich mich in die Mitte meiner Schafe stelle und die Augen schließe.
Ich spüre ihre Anwesenheit nun stärker, ich spüre den Windzug an meinem Körper ziehen, die Sonnenstrahlen die meine Glatze treffen und mich sanft kitzeln.
Ich spüre den sanften Hauch eines Schafs das mich beschnuppert.
Die Geräusche die es dabei macht, schnell einatmen und langsam ausatmen.
Ich fühle den Boden unter meinen Füßen, die schwere meines Körpers, ich höre die Vögel singen und ich höre wie meine Hühner ganz in der Nähe leise keckern, weil sie einen Wurm gefunden haben.
Ich höre meine Tochter die im Haus laut singt und meine Frau die unser Beet bewässert.
Ich fühle den Himmel über mir und die Wurzeln der Grashalme unter mir.
Und irgendwann bin ich Teil von all dem, teil des Lebens um mich herum.
Teil der Scheiße die ich ordentlich auf einen Haufen geworfen habe, teil der Tiere die sich leise oder laut bewegen.
Teil dieser Welt.
Das ist der Moment an dem ich mich wieder löse, von dieser inneren Ruhe, der Gelassenheit in mir, der Tiefe mit all dem um mich herum.

Oft atme ich noch einmal sehr tief ein und wieder aus, ich öffne die Augen und brauche ein paar Sekunden um wieder anzukommen, in der aktuellen Realität. Wenn meine Augen dann über die Schafe gleiten, über die Wiese wandern, merke ich das die Farben satter sind, intensiver strahlen. Ich fühle und sehe die Aura eines jeden Schafes, die Aura um die Grashalme, um die Büsche, sogar um den Schafstall. Das ist dann der Moment an dem ich meine Augen wieder schließe, wieder öffne und wieder schließe um sie wieder zu öffnen. Meine Welt wird wieder zu der Welt die ich kenne. Ich berühre noch kurz eines meiner Schafe, dann drehe ich mich um und verlasse den Schafbereich.

Meine Meditation ist beendet.


Es gibt viele Arten der Meditation, früher als es noch keine Schafe in meinem Leben gab, lief ich meditierend eine kleine Strecke ohne Ziel. Manchmal nur im Kreis, dabei zählte ich von 1 bis ... und wieder von vorne.
Oder ich saß auf einem Meditationskissen, die Augen geschlossen in der typischen Yogahaltung. Die Finger zu einem Mutra geformt. 
Diese Arten der Meditation musste ich planen, ich suchte einen bestimmten Zeitpunkt, den ich dann einhielt. Und ich suchte einen bestimmten Zeitpunkt an dem meine Meditation beendet war. Heute ist sie beendet wenn sie endet. Die Zeit die ich zum Misten des Stalls brauche, ist genau die Zeit die ich zum Meditieren benötige. 
Manchmal zwischendurch meditiere ich beim Kochen, oder beim Musik hören, beim Klavierspielen, oder einfach weil mein Geist gerade auf Wanderschaft geht, während meine Augen aus dem Fenster blicken. Das Ergebnis ist fast immer das gleiche. Ich versinke, während die Welt in der ich sitze, stehe oder liege die gleiche bleibt, ist meine innere Welt ruhig und gelassen. Gedanken die kommen, ziehen wieder vorbei, Gefühle die kommen, ziehen vorbei, wie die Wolken die ich beobachte, die sich formen und wieder lösen.

Es gibt keine falsche Meditation, lasst euch das bitte nicht einreden. Im Zenbuddhismus ist es das sitzen, das dort bis zum schmerzpunkt einstudiert wird, der Schmerz der hier in Kauf genommen wird, kann genauso zum Fixpunkt werden wie das Dauerhallen im Kopf, während einer Schweigemeditation. 

Wir umgeben uns mit angeleiteten Musikstücken und dem Gefühl etwas nicht richtig zu machen, wenn wir keine Tiefe erreichen. 
Ich erlebe oft wie frustriert Menschen sind, die denken sie seien nicht Imstande das zu erreichen was der Meditationslehrer ihnen als Höhepunkt einer jeden Meditation lehrt und leider oft auch verspricht. 

Ich sage euch einfach, gebt euch den Wachträumen hin, wenn ihr aus dem Fenster schaut. Gebt euch der Achtsamkeit hin (hört die Geräusche um euch herum, seht euch die Dinge genauer an, versucht sie nicht zu analysieren, sondern nehmt sie einfach nur wahr), bei all dem was ihr tut. 
Der meditative Zustand kurz vorm Einschlafen, oder kurz bevor man erwacht, ist weit wertvoller als der Zustand den man erreichen will, weil man Geld für ein Meditationsseminar ausgegeben hat.

Der Anfang ist Leichtigkeit, alles andere kommt oft von selbst.

Namasté 
eure Jo